Unser neues Adoptivkind

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Dieser kleine orangerot-weiss gefleckte Mann ist unser neues Adoptivkind. Er zog am 18. Februar bei uns ein – also heute vor einer Woche. Er hat sich gut eingelebt. Seine pelzigen Geschwister beäugen ihn noch etwas misstrauisch, aber sie sind alle drei gut drauf. Der kleine Kater heißt Muffin und stammt aus dem spanischen Tierschutz. Er kam über die Organisation Catskarma aus Mallorca zu uns.

Stringent nervend

Es gibt so ein paar Begriffe und Redewendungen, die mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen:

„Stringenz“, „Compliancerichtlinien“, „Arbeitsanweisungen“, „agiles Handeln“, „Das haben wir schon immer so gemacht“, „Das Leben ist kein Zuckerschlecken (bzw. die schwäbische Variante s’Läba isch koi Schlodzar)“, „Wenn wir erst in Rente sind machen wir dies und das“ (nur erlebt man diese Zeit oft nicht)“, „Dafür sind wir zu alt“, „Ohne harte Arbeit kommt man zu nichts“, „So ist das eben, daran können wir nichts ändern“, „Was kann ein Einzelner schon tun“, „Man kann nicht alle retten“, „Bundesjugendspiele“, „Zirkeltraining“, „Mindset“, „Resilenz“, „Trigger“… to be continued..

Selfcare Sunday

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Ich habe beschlossen, mich mehr um mich selbst zu kümmern und wann ginge das besser, als im Lockdown? Eben! Ich habe mir Pads aus rotem Ginseng gekauft. Normalerweise soll man sie 2-3x die Woche anwenden, aber ich verwende sie täglich. Ich bilde mir auch schon ein, dass die Augen- und Stirnfalten reduziert wurde. Zusätzlich trinke ich täglich Kurkuma-Ingwer-Shots und löse ein Vitamin-Protein-Pulver in Wasser oder Pflanzendrinks. Das soll mir, laut Hersteller, mehr Energie und Ausgeglichenheit bescheren. Heute ist Tag drei und ich merke noch nichts davon, wäre auch zu früh.

Mit einem natürliche Haarwuchsmittel aus Kräutern, welches ich 2x täglich in die Kopfhaut einmassiere, züchte ich meine Haare gerade nochmals länger, als sie eh schon sind. Meine Wimpern werden mit einem Koffein-Serum länger. Ich musste mit der Anwendung schon pausieren, weil die Wimpern so lang geworden waren, dass sie ständig gegen die Brille stießen.

Meine Onya liebt mich auch mit Ginsengpads im Gesicht. Ihr sind Äußerlichkeiten gänzlich Wurscht.

Echt jetzt?

Es gibt Momente in meinem Leben, wo ich denke „das kann doch nicht Eurer Ernst sein?“. Doch, die meinen das Ernst, Bierernst sogar.

Mir fehlt die Leichtigkeit und der Spass in meinem Leben und das gänzlich unabhängig von Corona und der Lockdown-Situation.

Ich würde gerne wieder sorglos sein. Ausgelassen und Lebensfreude verspüren. Wieso muss alles so seriös sein? Das ist so sterbenslangweilig. Ich möchte nicht mehr in so einer Ernsthaftigkeit und Seriosität leben. Tief in mir bin ich nicht nur eine Hippie-Seele, ich habe auch rebellische Anteile in mir. Ich hätte gerne etwas mehr Anarchie, habe aber nicht mehr den Mut dazu.

Wenn ich mutiger wäre, würde ich Schabernack treiben, Unfug anstellen, ich wäre total albern. Unangepasst und anarchisch.

Früher war ich das viel mehr als heute, aber es wurde mir gehörig abtrainiert. Ich kann mich noch gut an eine Schulstunde erinnern, in der mein Klassenlehrer meine Hausarbeit für alle sichtbar hochhielt und sagte, dass ihm noch nie so eine ungehörige Frechheit untergekommen wäre. Es war eigentlich ein Versehen. Aber von Vorne: es muss ungefähr in der 11ten oder 12ten Klasse gewesen sein. Wir sollten im Fach Betriebswirtschaft (es war ein Wirtschaftsgymnasium) irgend etwas darstellen. Was genau, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich das Thema mega öde und langweilig fand.

Um es für mich interessanter zu gestalten, hatte ich die im Beispiel dargestellte Person – als damals echt großer Fan des Mad-Magazins – als Alfred E. Neumann benannt, wohnhaft in Madhausen in der Madstrasse etc. Ich hatte das nur für mich gemacht, um das trockene Thema für einen kreativen Menschen wie mich etwas phantasievoller zu gestalten. Es half ungemein und als ich es fertig hatte, schrieb ich es quasi nochmals ins „Reine“, damit es eine seriöse Arbeit ergab. Als ich die Hausarbeit am nächsten Tag abgeben musste, verwechselte ich die Versionen und gab die „Unreine“ ab. Der Lehrer empfand es als persönlichen Affront gegen ihn. Ich hatte ihn bis zu diesem Tag eigentlich für recht liberal und offen gehalten, wurde aber eines Schlechteren belehrt. Er machte komplett zu. Er hörte mich auch nicht an, als ich versuchte ihm zu erklären, dass ich die Versionen schlicht verwechselt hatte. Ich gab ihm die „ordnungsgemäße Variante“, aber er sah sie sich nicht einmal an. Er blieb bei der 6, die er mir dafür gegeben hatte und wechselte mehrere Wochen kein Wort mit mir. Irgendwann war sein Groll verflogen und er war wieder normaler, ganz so wie vorher wurde es aber nie wieder zwischen uns.

Es gab trotz dieses Einschnitts immer wieder leichtes Aufflackern der Rebellin in mir. Als ich vor Jahrzehnten in einem Fotogeschäft jobbte und für die Dekoration des Schaufensters zuständig war, schmuggelte ich versteckt ein paar kleine Jägermeisterfläschchen ins Fenster. Sie fielen erst auf den zweiten oder dritten Blick auf und vielen Menschen gar nicht. Mein ehemaliger Chef, sah es natürlich und es gab eine ordentliche Standpauke.

An Karneval erschien ich dort ein andermal verkleidet als Councelor Deanna Troi aus StarTrek. Dazu konnte der Chef aber nichts sagen, denn es war ja nichts Anstößiges, was ich trug.

Jahre später brachte ich ernsthaft ein Raclettegerät mit ins Büro und brutzelte mit ein paar gleichgesinnten Kollegen tatsächlich ein paar Pfännchen. Man konnte den Geruch des Raclettekäses noch drei Stockwerke weiter nur allzu deutlich riechen. Es hatte keine Konsequenzen, ausser schrägen Blicken.

Wir bestellten auch mal aus dem Ausland Cocktailpulver, welches man wie Brause mit Wasser anrührte und somit quasi Instant Cocktails mixen konnte. Ich war an dem Tag ziemlich besoffen, aber zum Glück wurde es anscheinend nicht bemerkt.

Während einer Jubiläumsfeier fand ein Gottesdienst statt und dieselben Kollegen wie oben erwähnt und ich hatten in der Nacht zuvor Erdbeeren in Rum eingelegt und zum Frühstück gegessen. Wir waren so betrunken, dass wir – während der Kirchenchor sang – laut „for whom the bell tolls“ von Metallica grölten. Das hörte das gesamte Unternehmen, aber niemand verlor je ein Wort darüber. Ich weiss bis heute nicht, wie ich an dem Tag nach Hause gekommen bin, aber ich erinnere mich deutlich daran, dass ich morgens um 10 schon richtig schön angeschickt war.

Wenn ich so darüber nachdenke, ist es schon mindestens 10 Jahre her, seit ich das letzte mal etwas Unkonventionelles getan habe. Das „Rebellischste“ was ich in den letzten 8 Jahren tat, war das Tragen von zu kurzen Kleidchen um eine gewisse Person zu ärgern. Ganz schön traurig. Das muss sich wieder ändern. Ich brauche diesen Unfug. Ich kann nicht immer so angepasst und konventionell leben. Diese konservative Welt ist nicht die Meine. Das Leben ist zu kurz um es immer so ernst zu leben. Wenn ich mal alt und am sterben bin, will ich nicht bereuen, dass ich immer versucht habe „es allen recht zu machen“, das ich immer alles „richtig“ und korrekt gemacht und so unendlich uncool gelebt habe. Das würde ich ganz sicher bereuen. Ich bereue es ja jetzt schon, dass ich so lange so angepasst war. Mögen die subversiven Spiele wieder beginnen.

 

Schöner Schein

Wir waren heute unterwegs im Nieselregen. Ich hatte mein Handy dabei und habe unterwegs dieses Kloster aus dem 14. Jahrhundert aus der Ferne fotografiert.

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Zuhause habe ich das Bild Instatauglich bearbeitet:

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So macht das doch gleich viel mehr her und ist auch noch leicht mystisch angehaucht.

So ist es nicht nur mit meinem Bild vom Kloster, sondern generell auf Insta. Fast alles ist bearbeitet, mit Filtern versehen und geschönt wo es geht.

Was macht das mit uns? Ich ertappe mich, wie ich mein Insta-Konterfei bevorzuge und mit meinem Spiegelbild hadere. Ich vergleiche mich natürlich auch mit den anderen bearbeiteten Bildern und sehe nur den schönen Schein. Vermutlich sehen die anderen in Natura auch nicht so glattgebügelt und geschniegelt aus, wie auf ihren mit Weichzeichner getränkten Posts.

Es gab mal vor einigen Jahren einen Science Fiction Film namens Surrogate. Ähnlich wie in einem Videospiel hatten die Menschen perfekt ausschauende Surrogates = Stellvertreter. Ihre richtigen Körper blieben immer Zuhause, während die Stellvertreter  – von den echten Menschen gesteuert – in der Welt draussen arbeiteten, Sozialkontakte pflegten etc.

Wir sind nur einen Schritt von dieser Zukunftsvision entfernt. Die Meisten leben jetzt schon mehr in der digitalen als in der realen Welt. Davon nehme ich mich nicht aus. Ich stelle ja sogar Landschafts-Surrogates her und finde die Fakewelt besser als die Echte.

Es ist mal wieder Zeit…

… für eine mega abstruse Story aus meinem Leben.

Es war vor 17 Jahren, als ich noch eine Friseurin hatte, mit der ich auch befreundet war. Sie war nett, wenn auch mega naiv. Sie war der wandelnde Inbegriff von „Ich hab’s nur gut gemeint“. Wie wir wissen, ist „gut gemeint“ echt immer Scheisse.

Ich war zu der Zeit Single und sie hatte wohl einen Kunden, der für mich schwärmte. Sie gab ihm unerlaubt und ohne zu fragen meine Handynummer. Ich habe keinen Schimmer mehr, wie er hieß, nennen wir ihn einfach Martin. Irgendwie sah der aus wie ein Martin. Er war ungefähr 5 Jahre älter als ich. Das wäre eigentlich kein Grund gewesen, aber Martin war sowas von nicht mein Typ. Er trug doch tatsächlich einen Schnauzer. Wir reden hier nicht von den 70er Jahren, sondern es war 2004 zur Hölle. Wer trug denn zu der Zeit einen Schnauzer, wenn er unter 60 war???

Er schrieb mir jeden Morgen „Hallo Du Süsse, na, wie geht es Dir, was machst Du denn heute Schönes?“. Ich wusste damals noch nichts von Ghosting und selbst wenn, hätte ich so etwas fieses nicht gemacht. Sehr nett war das, was ich mit Martin gemacht habe, jedoch auch nicht, aber nach zwei Wochen musste das ein Ende haben.

Er wollte ein Date mit mir und ich dachte mir, hier hilft nur die Holzhammermethode und willigte ein. Es war ein lauer Sommerabend und wir trafen uns im Biergarten. Das war mein üblicher Treffpunkt zum Körbe verteilen. Der Parkplatz war direkt daneben und er war nicht sehr gut besucht, so dass ich immer schnell wieder abhauen konnte. Strategisch klug wählte ich auch immer den ersten Tisch direkt neben dem Parkplatz, an dem – ausser mir – auch niemand sitzen wollte.

Er sass, wie von mir bestellt am „Katzentisch“als ich kam. Der gute Martin „strahlte“ noch über beide Backen. Noch… Er erzählte mir von einer Kaffeefahrt und dass er sich dort eine Magnetfelddecke gekauft hätte. Oh mein Einhorn! Er fragte mich, was ich so in meiner Freizeit machen würde. Grober Fehler. Ich sagte ihm in aller Ernsthaftigkeit, zu der ich fähig war, dass ich schon seit Jahren nach dem Heiligen Gral suche, mich aber auch mit der Manna-Maschine begnügen würde. Er schaute etwas seltsam, aber jetzt kam ich erst richtig in Fahrt. Ich erklärte ihm, dass ich gerade Klingonisch lerne (was ich tatsächlich versucht hatte) und dass ich einen Hexenzirkel gegründet hätte (das stimmte nicht ganz, aber fast). Er war bleich geworden, beinahe grün. Ich verabschiedete mich auch recht schnell mit dem Hinweis, dass ich jetzt nach Hause müsse, um „Buffy“ zu schauen, weil ich auch eine Vampirjägerin werden möchte. Letzteres stimmte nicht, aber dass ich nach Hause wollte um „Buffy“ zu schauen, stimmte sehr wohl.

Ich dachte, dass ich ihn nachhaltig verschreckt hätte, aber denkste. Am nächsten Tag rief mich die Friseurin an. Der Martin hätte ihr von unserem netten Abend erzählt und dass er mich unbedingt wieder treffen wolle. Ich sagte ihr, dass sie sich gerne mit dem guten Martin treffen könne, aber ich auf gar keinen Fall ein zweites Mal. Ich sagte ihr, dass sie ihm das bitte beibringen solle und falls sie jemals wieder auf die Idee käme, dass sie irgend einem dahergelaufenen Hoschi meine Nummer geben würde, ohne meine Erlaubnis einzuholen, würde sie ihre Nummer in Riesengröße auf einem Plakat im Stadtklo wiederfinden. Das war mein Ernst und das wusste sie auch. Sie erklärte ihm, dass ich ihn nicht mehr sehen möchte, dass er niemals mein Typ sein wird und dass er sich eine andere Frau suchen soll.

Er schrieb mir ab diesem Zeitpunkt nicht mehr und das war gut so. Ich löschte auch direkt seine Nummer und dachte, „den seh ich nie wieder“. Aber dem war nicht so.

An Silvester desselben Jahres war ich mit meiner Nichte unterwegs und bekamen einen Anruf ihres Bruders mit der Bitte, ihn auf einer Veranstaltung in der Stadthalle abzuholen. Wir fuhren gleich hin und der Türsteher war so freundlich, uns unentgeltlich Eintritt zu gewähren. Wir suchten also meinen Neffen und liefen den Flur entlang, als Martin uns entgegen kam. Er starrte uns mit weit aufgerissen Augen an und murmelte etwas, was sich „Nixwieweghier“ anhörte, was bei meiner Nichte und mir zu einem langen Lachflash führte. Er rannte daraufhin weg, als wäre der Teufel hinter ihm her. Vielleicht erinnerte er sich an meine Vampirjägerphantasien. Egal, ab da sah ich ihn wirklich nicht wieder. Oder vielleicht doch, keine Ahnung, ich wüsste nicht mehr, wie der aussah. Ist auch irrelevant und schon ewig verjährt. Wahrscheinlich hat der mich aber nicht vergessen, hahahahaha

Mit der Gesamtsituation unzufrieden

Ich bin – mal wieder – mit der Gesamtsituation unzufrieden. Es ist nicht nur der Corona-Lagerkoller. Momentan trifft wohl der symbolträchtige Vollmond vor Imbolc mit einer akuten PMS-lastigen Phase zusammen. Das birgt Zündstoff. Aber vielleicht muss manchmal raus, was keine Miete zahlt. Auch ich kann und darf launisch sein. Aber hier ist es wie mit allem, wenn man es von jemandem nicht gewohnt ist, fällt es mehr auf.

Ich habe einen Bekannten, der extrem stoffelig ist. Er bringt kaum ein vernünftiges „Hallo“ zustande, wenn man ihm begegnet. Wenn es dann alle Schaltjahre vorkommt, dass er doch mit einem redet, ist man mehr als erstaunt, weil man es von ihm einfach nicht erwartet. Eine Bekannte von mir ist mega launisch. Die Launen sind nicht nur Tagesform abhängig, sondern sie können innerhalb einer Stunde mehrfach wechseln. Es macht sich aber keiner groß Gedanken darüber, weil „die ist halt so“. Wenn aber so ein angepasstes, braves Wesen wie ich einmal in 10 Jahren jemand über den Mund fährt, dann ist das was „gaaaanz anderes“. Es ist meistens so, dass es eher toleriert und akzeptiert wird, wenn sich jemand immer Scheisse verhält, als wenn man sehr selten die „innere Sau raus lässt“.

Vielleicht sollte ich es auch etablieren, dass ich ab jetzt immer launisch bin. Das ist aber nicht mein Naturell. Doch ab und an etwas zickiger und den Mund deutlich aufmachen, schadet auf keinen Fall. Oder wie es Madonna einst besang: Express yourself. Sich selbst ausdrücken. Verbal und Non-verbal. Egal wie. Durch die Kleidung, durch das Geschriebene, durch Gesten und Mimik, durch das äußern was man wirklich wirklich wirklich will.

Ich bin so viel mehr, als das, was ich momentan zeige. Ich bin die, die beim Spazierenlaufen die Hunde vor den Menschen grüsst. Manchmal auch nur die Hunde, wenn die Leute unsympathisch wirken. Ich bin die verrückte Katzenlady, ich bin die mit dem Klamottentick, ich bin die, die ewig jung sein will, ich bin die mit dem storchenhaften Gang. Ich bin die mit den verrückten Entwürfen für Kleider und die, die fantasievolle Kurzgeschichten schreibt. Ich bin die, die für ihre Katzenkinder ein Zelt baut und sich mit ihnen darin versteckt. Ich bin die, die sich um einen Marder sorgt. Ich bin die, die Tauben füttert. Ich bin die, die sich mit zunehmendem Alter in Gesellschaft von Tieren wohler fühlt als in Gesellschaft meiner Spezies. Ich bin die, deren Leben wieder mehr Magie benötigt, ich bin die, die immer noch auf der Suche nach ihrer Berufung ist. Ich bin die, die nach finanzieller Unabhängigkeit strebt. Ich bin die, die mehr Selbstbewusstsein braucht. Ich bin die, die niemals wieder einen Zettel mit „Bitte sprich mich an“ bekommen will! Ich bin die, die ihren Frust rauslassen muss, bevor er mich auffrisst. Ich bin die, die eben gerade mies drauf ist und gar vielen in ihrem Umfeld einfach gerne sagen würde „verpisst Euch ihr Pissgurken“ oder „F… Euch doch alle!“. Aber natürlich denke ich das nur. Vielleicht sollte ich auch einfach etwas asozialer und nicht mehr so gesellschaftsfähig sein. Sozial, lieb, nett und gesellschaftsfähig hat mich bisher nicht weit gebracht. Vielleicht sollte ich den Drachen mal rauslassen. Drachenzähmen ist nicht angebracht!

Was ich von meinen Kindern lernen kann

Gestern war ich mit unserem Sohn Orpheus beim Tierarzt zur Blutabnahme. Nur zur Kontrolle, weil er an einer – für ein carnivores Wesen suboptimalen – Allergie gegen fast sämtliche Fleischsorten leidet. Wir haben nach dem Ausschlussverfahren eines gefunden, was er halbwegs verträgt. Jedenfalls musste er eine längere Autofahrt ertragen, die Blutabnahme beim Tierarzt und die Rückfahrt. Er ertrug alles sehr stoisch. Als wir wieder Zuhause waren, tat er kurz und energisch seinen Unmut durch nölendes Maunzen kund. Keine zwei Minuten später lag er bei mir, schnurrte was das Zeug hält und hatte alle Strapazen des frühen Morgens komplett vergessen.

Er grübelte nicht noch lange über das nach, was ihm passiert war. Er dachte nicht noch ewig an die Schmerzen, die er durch die Blutabnahme hatte, seine Gedanken drehten sich nicht noch tage- oder gar wochenlang um das Geschehene. Er stieg aus dem Transportkorb, äußerte seine Meinung und damit war die Sache für ihn erledigt. Wie schlau er doch ist!

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Von meiner Tochter Onya kann ich ebenfalls viel lernen. Sie hat vor nichts Angst. Sie ist gänzlich unerschrocken und taff. Egal was kommt, ob Handwerker, familiärer Besuch, Freundschaftsbesuch oder wer/was auch immer. Die kleine Dame setzt sich in Pose und gewährt den Leuten ihre Audienz. Wenn sie jemand besonders mag, lässt sie sich sogar dazu herab, dass man ihr huldigen darf. Sie weiss dass sie schön ist und sie weiss, dass sie bewundert wird. Sie ist sich ihrer selbst bewusst. Eine kleine Katzengöttin, die einfordert, genau so behandelt zu werden. Sie käme niemals auf die hirnrissige Idee, an sich herum zu mäkeln, sich klein zu machen, sich unter Wert zu verkaufen. Sie fühlt sich nie zu dick, alt, faltig oder sonst irgendwie unzulänglich. Sie IST!

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Ich muss mir vom Verhalten meiner Kinder eine gute Portion abschneiden. Der größte Feind bin ich mir nämlich selbst. Niemand mäkelt mehr an mir rum als ich. Wenn eine meiner Freundinnen mich so behandeln würde, wie ich mich manchmal selbst behandle, hätte ich die schon lange zum Teufel gejagt. Wieso tue ich mir selbst das an? Ich kritisiere harsch und ohne Mitleid an mir selbst herum. Rede mir ein, dass ich nicht gut genug bin und dass ich immer wieder versage. Ich mache mich so klein, dass ich mich schon fast nicht mehr sehen kann. Das muss aufhören. Ich bin jung, schön, habe eine tolle Haut, wundervolle lange Beine, ich bin belesen, gebildet und talentiert. Nichts an mir ist verkehrt, auch nicht meine angeblichen „Schwächen“ und „Schatten“ oder gar „Abgründe“. Ich bin gut und liebenswert genau so, wie ich bin. Ich bin genug!

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„Damit machst Du Dir keine Freunde!“

Ein Bekannter informierte mich über einen Marder in einer (derzeit stillgelegten) Kantine einer größeren Firma. Ein weiterer Bekannter arbeitet dort und ich sprach ihn auf den Marder an und bat ihn, mich zu informieren, wenn man ihn gefangen hat, damit ich mich weiter um ihn kümmern kann. Ich erklärte ihm, dass ich ihm ein gutes Zuhause suchen will. Er schaute mich an, als ob ich reif für die Klapse wäre. Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte er zu mir „Das ist ein Marder, den fängt man in einer Lebendfalle und dann bringt man ihn um“. Ich erläuterte ihm nochmal, dass ich genau das vermeiden will und deshalb anbiete, den Marder mit zu nehmen um ihm ein geeignetes Zuhause zu suchen. Er antwortete „Mit so einem Anliegen machst Du Dir keine Freunde“. Ich will mir auch keine Freunde dadurch machen, sondern den Marder retten. Ob mich deshalb jemand für komplett verrückt hält ist mir doch gänzlich gleich. Der Marder ist so ein schönes Wesen. Ja, mir hat auch schon mal ein Marder Zeugs am Auto abgefressen und es war kostspielig, aber das kann ich doch dem Marder nicht vorwerfen. Deswegen bringe ich ihn doch nicht um.

Jedes Leben zählt. Auch das eines Marders! Wenn ich den Marder retten könnte, hätte ich mir doch einen Freund mit der Aktion gemacht. Ich fürchte jedoch, es wird mich niemand benachrichtigen und Niemand wird mich dort hin lassen und mich unterstützen.

Meine Hoffnung ist das, was der Bekannte ebenfalls noch sagte: „Wegen dem Marder brauchst Du Dir keinen Kopf machen. Es ist fast unmöglich einen Marder mit einer Falle zu fangen. Die sind viel zu schlau und zu schnell. Der haut vorher ab. Vermutlich ist er eh schon nicht mehr da“. Das hoffe ich zutiefst.

Lauf kleiner Marder. Geh weg von dort. Halt Dich von Menschen fern, denn sie wollen Dir in den aller seltensten Fällen etwas Gutes. Lauf so schnell Du kannst, wenn Du einen Menschen siehst und versteck Dich!