Viel zu früh

Auf Arte lief heute eine Dokumentation über eine Katze, die Amsterdam erkundet. Amsterdam – unterwegs auf Katzenpfoten.

Es hörte sich sehr schön an, doch schon in den ersten Minuten wurde eine Katze eingeblendet, die mich stark an unseren Merlin erinnerte.

Es kamen noch ein paar schöne Eichhörnchen, Vögel, Mäuse und weitere Tierarten und ich schaute weiter. Tja, bis der Kater vom Anfang wieder erschien. Er war quasi der Fremdenführer.

Ich musste irgendwann ausschalten, weil er mich wirklich zu sehr an Merlin erinnerte. Ich ertrug es nicht. Es tat zu weh.

Ich kann mir noch eine längere Zeit keine Bilder von Gizmo und Merlin anschauen, ohne sofort zu weinen.

Meine Freundin sagte es treffend: “Es ist auch noch keine Zeit”.

Ganz genau. Es ist noch keine Zeit, dass wir darüber hinweg wären. Das werden wir vermutlich niemals sein.

Novemberstimmung Anfang August

Schon seit einigen Tagen bin ich sehr melancholisch. Ich denke viel an Merlin und Gizmo und quäle mich selbst, in dem ich mir Bilder von ihnen anschaue.

Heute bin ich besonders nah am Wasser gebaut. Schon ein einziger Gedanke an die Beiden reicht und ich flenne los. Es ist fast schlimmer wie zu Anfang, als sie gestorben waren. Irgendwie stand ich die ersten Wochen unter Schock. Konnte und wollte es nicht wahrhaben und jetzt trifft mich die Erkenntnis mit voller Wucht.

An einem heißen Sommertag am 7. August 2020 sitze ich in der abgedunkelten Wohnung und heule vor mich hin. Ich will die Trauer nicht verdrängen. Sie will gelebt werden und sie darf sein. Sie ist völlig natürlich und hat ihre Berechtigung. Ich darf um meine Kinder trauern. Mir ist es scheiß egal, wenn andere sagen “Aber es waren doch nur Katzen”. Ich liebe diese Katzen mehr als ich die meisten Menschen liebe! Sie haben mir mit tausendprozentiger Sicherheit mehr gegeben, als es ein Mensch jemals könnte. Sie haben mich bedingungslos geliebt und waren immer für mich da. Das kann ich von keinem einzigen Menschen sagen.  Es waren nicht “nur Tiere”. Diese Überheblichkeit der Menschen geht mir so auf den Zeiger. Kein Tier der Welt ist so dumm und zerstört seinen eigenen Lebensraum. Tiere sind nicht gemein oder böse. Sie sind unschuldig. Wenn sie aggressiv sind, dann ist daran immer der Mensch schuld, niemals das Tier. Tiere sind nicht primitiv und minderwertig. Wenn man schon in diesen Kategorieren denken will, dann sind Tiere weiter entwickelt als Menschen. Vielleicht sind Katzen die “höchste” Inkarnationsstufe. Der Mensch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Vielleicht ist es aus karmischer Sicht eine “Strafe” ein Mensch zu sein. Das würde vieles erklären.

Scharlatane oder nicht?

Wir verloren innerhalb sehr kurzer Zeit zwei unserer geliebten Katzenkinder und sind noch immer in der Trauerphase.

Es beschäftigt mich auch nach wie vor die Frage nach dem “Warum”, auf die ich letztendlich nie eine Antwort bekommen werde.

Mir wurde zur Trauerbewältigung eine sogenannte Tierkommunikation empfohlen.

Ich hatte das schon vor zwei Jahren, nach dem Tod unserer MissC ausprobiert und hätte es eigentlich besser wissen müssen. Die Dame erzählte mir damals, dass MissC nun ein Kolibri wäre und das Fliegen genießen würde. Sie erzählte noch etwas über Zeichen, die ich in Form von weissen Federn von ihr erhalten sollte, weil Federn die Leichtigkeit darstellen und blablabla. Ich erkannte meine MissC in nichts des Gesagten und ich bekam auch keine weissen Federn als Zeichen. Ich sagte der selbsternannten Tiertelephatin, dass ich damit nichts anfangen könne und bekam zur Antwort, dass alles was sie gesagt hätte stimmig wäre und wenn ich das nicht verstehen würde, wäre es mein Problem.

Dass ich bei dieser “Expertin” keine Tierkommunikation mehr machen würde war also klar. Ich bekam eine andere Frau empfohlen, bei der alles ganz anders wäre.

Sie erzählte mir, dass Gizmo sich schon im Himmel befinden würde und dort in der Obhut eines männlichen Verwandten von mir sei, dass er jedoch bald wieder inkarnieren wird. Merlin dagegen wäre noch auf der körperlichen Ebene, weil unsere Trauer ihn zurück halten würde. Er hätte so früh sterben müssen, weil er im Himmel eine Aufgabe zu erledigen hätte.  Sie sehe die Farbe türkis und Blumen, ob mir das was sagen würde. Ich sagte, dass ich Lavendel in sein Grab gelegt habe und sie sagte, das wäre es dann. Mein Einwand, dass türkis und lila zwei grundverschiedene Farben sind, wurde übergangen. Ich solle eine Schatulle mit einer Perlenkette suchen. Ich sagte, dass ich so etwas nicht besitze und sie antwortete, dass ich mir dann wahrscheinlich eine Gebetskette kaufen soll. Sie sah angeblich einen roten Gummiball. Ich sagte, dass wir so ein Spielzeug nicht besitzen. Darauf hin warf sie ein, dass das dann ein Spielzeug wäre, mit dem Gizmo und Merlin jetzt im Himmel spielen würden. Ja sichi! Meine Oma hätte spätestens an dieser Stelle gesagt “die hat schneller eine Ausrede, als eine Maus ein Loch findet”. Wohl wahr! Es stimmte wieder nichts und ich erkannte keine meiner Katzen in dem Geschilderten. Sie verwechselte sogar mehrfach die Namen der Katzen. Man kann sich doch zwei Namen korrekt merken verdammt noch mal, das ist ja wohl das Mindeste.

Weil ich nach diesen Erlebnissen noch immer nicht gescheiter war, buchte ich eine Schamanin für unseren Orpheus, der seit langer Zeit an Durchfall leidet.

Wir hatten in den letzten Monaten schon vier Tierärzte, 3 Tierheilpraktiker, 1 Osteopatin und eine Akupunkteurin “durch” und niemand konnte bisher helfen. Drei Allergietests, Ultraschall, mehrfache Blut-, Urin-, und Kotuntersuchungen mit dem Anlegen von Kulturen hatte rein gar nichts gebracht. Wir probierten zig verschiedene schulmedizinische wie homöopathische Mittel aus, jedoch bis jetzt leider ohne Erfolg. In solchen Situationen greift man dann gerne nach dem letzten Strohhalm. Die schematische Heilerin erzählte mir, dass Orpheus ihr erzählt hätte, dass er deswegen Durchfall hat, weil er in seinen früheren Inkarnationen immer wieder verjagt und verlassen wurde oder früh seine Eltern verlor. Deswegen hätte er jetzt angst, dass er auch in diesem Leben wieder verlassen wird. Er wisse, dass dies nicht der Fall wäre bei uns, jedoch trägt er diese Prägung aus den früheren Leben. Er wäre aber jetzt bereit dies aufzulösen und er wäre jetzt geheilt davon. Mutter Maria hätte geholfen ihn zu heilen. Ähm… ja sichi Mutter Maria, warum nicht gleich Jesus selbst oder Gottvater. Ich glaube nicht an diese Religion und hätte das von einer keltischen Schamanin auch nicht erwartet zu hören. In dem Moment dachte ich “Oh man Margit, Du bist wieder auf die gleiche Scheisse herein gefallen”. Doch dann sagte sie, dass sie einen roten Kumpel sehen würde, der bald zu Orpheus kommen würde. Dass sie eine rote Katze sah, hat mich dann wieder hoffen lassen, dass sie doch was kann. Als ich es meinem Mann erzählte, sagte er nur “Hey die hat Dich ganz sicher gegoogelt und wenn sie Deinen Blog gefunden hat, war es ein leichtes eine rote Katze einzubauen”. Mag ja sein, dass er recht hat. Ich glaube noch immer an das Gute in den Menschen.

Tja, leider ist der Durchfall nach wie vor noch da, was ich der Schamanin auch berichtete. Zur Antwort bekam ich: “Es kann sich manchmal sofort etwas verändern, manchmal dauert es, manchmal sind weitere Schritte nötig. Bei der Lesung wurde energetisch alles, was sich uns dazu gezeigt hat, durch die geistige Welt aufgelöst. Beobachte es mal”.

Der Kommentar meines Mannes war: “Wenn Du das Geld einfach zum Klo runter gespült hättest, wäre es genauso gewesen”. Ich musste ihm versprechen, nie wieder einen Cent für so was in der Art auszugeben.

Ich klammere mich noch immer an den Hoffnungsstrahl, dass die Geistheilerin keine Scharlatanin ist und dass der Durchfall von Orpheus bald aufhört ich werde sie jedoch für “Weitere Schritte” ganz sicher nicht mehr bezahlen. Was die anderen Tierkommunikatoren betrifft, so denke ich, dass sie – bewußt oder unbewußt – das Leid der Leute (wie bei mir) ausnutzen. Wenn die das wirklich könnten, dann hätten sie zumindest etwas gesagt, was ganz klar und eindeutig von meinen Tieren kam und nicht so ein Wischiwaschi Geschwätz ins Blaue geraten in der Hoffnung, dass mal ein Treffer dabei ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Blumen in ein Grab legt ist relativ gross und auch, dass jemand ein rotes Katzenspielzeug hat. Sie sagte noch, dass sie einen Futternapf sieht, hahahaha ach wirklich? Das ist ja mal etwas gänzlich aussergewöhnliches in einem Mehrkatzenhaushalt.

Ich darf zukünftig einfach nicht mehr so dumm sein und auf solche Leute hereinfallen. Es gibt Zeiten, da wünsche ich, ich wäre skrupelloser und könnte andere ebenso abzocken. Dann wäre ich “Die große Catsania” und würde auf einem einschlägigen Kanal den Leichtgläubigen die Zukunft aus der Katzenscheisse heraus lesen. Bin ich aber zum Glück nicht, weil so möchte ich echt nicht sein!

Ich werde gerne eines besseren belehrt, denke aber, dass die Mehrheit der Geistheiler, Schamanen, Tierkommunikatoren, energetischen Heilern und wie sie sich auch nennen, nichts können. Ein vermutlich kleinerer Teil davon sind Betrüger, die die Menschen bewusst herein legen. Ich befürchte der größere Teil sind einfach Dilettanten, die glauben es zu können. Sie betrügen die Leute nicht bewusst, sondern überschätzen sich einfach selbst. Ich weiss jetzt nicht, welche “schlimmer” sind, die wirklichen Scharlatane oder die Dilettanten?

Ich glaube, es gibt ein paar ganz wenige echte “Wunderheiler”, die telepathisch mit Tieren Verbindung aufnehmen können und sie heilen können. Diese echten Könner würden dann aber auch konkrete Angaben machen, die unverkennbar und einzigartig sind, wie z.B.: “Gizmo lag jede Nacht auf Deinen Knöcheln” oder “Merlin hat Deinem Mann immer beim Sport zugeschaut”. Das wäre sowas von eindeutig und glasklar gewesen und ich hätte es geglaubt. Im Gegensatz zu “Ihr sollt bei Mondschein spazieren gehen, das hilft bei Eurer Trauer”. Das kann schon helfen, ich bezweifle jedoch stark, dass das unser Merlin gesagt hat.

Nachtrag: nach zwei Wochen habe ich der keltischen Schamanin gesagt, dass Orpheus absolut unverändert ist und noch immer Durchfall hat. Daraufhin bekam ich zur Antwort, dass es dann meine Erwartungshaltung wäre, die verhindert, dass der Durchfall aufhört. Ja prima. Also bin wieder ich die “Schuldige”, dass es nicht funktioniert. Ich denke, wenn mir jemand sagt, die Traumata meines Katers aus vergangenen Leben hätte sich komplett aufgelöst und er wäre frei davon, dann darf ich auch erwarten, dass er dann keine Symptome mehr zeigt. Ich habe für diese Geistheilung € 120,00 an Lehrgeld bezahlt. Mein Mann sagte “Wenn’s ne Gute wäre, hätte sie Dir wenigstens einen Teil des Geldes zurück erstattet, wenn ihre “Heilung” keinen Erfolg zeigt”. Ja, wenn es ne Gute wäre… aber Ausreden finden und die Verantwortung an mich abwälzen ist einfacher. Kann schon sein, dass es wirklich gute Geistheiler, Tierkommunikatoren und Sonstiges gibt, aber meine Erfahrungen mit der “anderen Fraktion” haben mir jeglichen Glauben an “Gute” genommen.

Was geht Dich denn der Kater an?

Über unsere Tierheilpraktikerin erfuhren wir, dass in der Tierpension schon längere Zeit ein Katerchen sitzt, welches aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes seines Frauchens dort abgegeben wurde. Leider verstarb die Frau und niemand hat ihn abgeholt. Der kleine süsse Mann hat Diabetes, was die Vermittlung erschwerte.

Wir setzten alle Hebel in Bewegung und durch die Mithilfe lieber Tierfreunde konnten wir das beste Zuhause für ihn finden, was man sich nur vorstellen kann.

Eine Bekannte sprach mich auf die Vermittlung des Katers an und sagte beinahe abfällig “Was geht Dich überhaupt der Kater an. Der gehört Dir doch nicht und Du bist nicht für den verantwortlich. Es kann Dir doch egal sein, was aus dem wird”. Es erübrigt sich eigentlich zu erwähnen, dass Altruismus nicht so der Frau ihr Ding ist. Sie ist sowieso allgemein kein Tierfreund.

Wenn jeder so denken würde “Was geht es mich an?”, dann wäre Die Welt (noch) schlimmer. Zum Glück gibt es Menschen, die aus dem Nest gefallene Spatzen aufpäppeln, die einen diabetes kranken Kater aufnehmen und es sich zutrauen, ihn zweimal täglich zu spritzen und damit auch die Mehrkosten für das Insulin auf sich nehmen. Dem Einhorn sei Dank. dass es Menschen gibt, die Lebenshöfe betreiben und dafür seelisch und körperlich alles geben um die Tiere gut zu versorgen und ihnen das bestmögliche Leben zu garantieren.

Ich möchte niemals in einer Welt leben, wo jeder nur denken würde “Was geht es mich an”.

Das Katerchen ist ein fühlendes Wesen und da wir die Hüter unserer tierischen Mitgeschöpfe sind, geht es uns ALLE an! Wir alle sind dafür verantwortlich, dass es dem niedlichen grauen Herrn gut geht.

Mein besonderer Dank gilt dem wundervollen Ehepaar, das ihn adoptieren wird. Ich bin Euch für immer dankbar!

Die Welt dreht sich weiter

Für alle anderen Menschen dreht sich Die Welt weiter. Nur für uns scheint sie momentan still zu stehen. Essen ohne Hunger, trinken ohne Durst, Leben ohne Lust. Es ist normal, dass man kurz nach zwei solchen Verlusten nicht wieder vor Lebensfreude strotzt. Nach außen hin spielt man Normalität, weil Normalität auch eine Art Anker ist, der einen daran hindert zu verzweifeln. Es wird noch lange Momente geben, wo man nach dem Warum fragt und wie das alles geschehen konnte dass wir zuerst Gizmo und dann auch noch Merlin verloren. Doch diese Fragen werden wir in dieser Welt vermutlich nicht zur Genüge beantwortet bekommen.

Bis wieder “richtige” Normalität herrscht, werde ich mich mit Zeichen meiner Lieblinge trösten, die ich glaube zu erkennen. Wenn zum Beispiel unsere Prinzessin meine Finger genauso ableckt wie es Merlin immer getan hat, obwohl sie das vorher noch nie getan hat. Oder wenn Orpheus genau so auf dem Rücken liegt und die Pfoten in die Luft streckt, wie es Merlin immer getan hat. Für Orpheus ist es aber eine eher ungewöhnliche Liegeposition. Ich denke, dass ist eine Art Zeichen für mich. Merlin schickt mir Zeichen und Gizmo hat mir Träume gesendet. Beides sagt mir, dass sie glücklich sind und es ihnen gut geht. Das ist das Wichtigste für mich, dass ich spüre, dass sie glücklich sind. Ich habe mal in einem Buch von Paul Meek gelesen, dass Tiere immer gleich in eine “Höhere Ebene” des “Himmels” kommen. Das leuchtet mir ein, denn sie müssen nicht so viel verarbeiten wie Menschen. Sie kennen keinen Groll, keinen Hass, keine Missgunst. Sie sind reinen Herzens und deshalb kommen sie auch gleich “weiter”. Es ist eine schöne Vorstellung, dass MissC, Gizmo und Merlin jetzt in der Anderswelt und dort glücklich sind, bis sie vielleicht wieder inkarnieren oder eine andere Aufgabe erfüllen. Vielleicht werden sie sowas wie Schutzengel. Bei meinem allwissenden weisen Zauberer würde mich das wirklich nicht verwundern.

Sehr schwache Momente

Vor circa 1,5 Wochen hatte ich so einen schwachen Moment. Ich stand während eines Gewitters im Garten und dachte für den Bruchteil einer Sekunde, wie schön es doch wäre, wenn mich jetzt der Blitz treffen würde. Ich bin nicht selbstmordgefährdet und man muss sich keine Sorgen machen. Es war nur der Gedanke “Wenn ich jetzt sterben würde, wäre es mir egal”.

Das ist nicht weiter ungewöhnlich, wenn man innerhalb weniger Wochen zwei seiner Katzenkinder verloren hat. Kurz darauf bekam ich ein Zeichen von Merlin. Ich sah ihn in der Thuja Hecke. Ja klar, bei näherer Betrachtung waren es nur die Steine im Nachbargarten, die durch die Zweige hindurch schimmerten. Für mich sah es aber genau so aus, wie Merlin, der dort schweben würde und es war ganz klar, was er mir mitteilen wollte. Er zeigte mir sehr deutlich, dass er noch da ist und dass es deshalb keinen Grund für mich gibt, solche Gedanken zu denken, wie den mit dem Blitzschlag. Er wird immer um  mich sein, genauso wie Gizmo. Ich kann sie nur nicht sehen, aber deswegen sind sie nicht verschwunden. Sie sind immer mit uns verbunden und das ist schön und tröstlich. Seine Botschaft kam genau zum rechten Zeitpunkt. Weder Merlin noch Gizmo und auch MissC wollen dass ich traurig bin und mich aufgebe. Das wäre das Letzte, was sie wollen. Sie wollen, dass ich glücklich bin, so wie ich mir für sie nur wünsche, dass sie glücklich sind.

Irgendwann werde ich wieder mit ihnen allen vereint sein. Wenn meine Zeit hier abgelaufen ist. Solange besuchen sie mich in meinen Träumen, durch Zeichen, die sie mir senden und durch Gesten der anderen beiden Katzen, die mir eindeutig zu verstehen geben: Wir sind noch da, Du musst nicht traurig sein.

Als mein Papa vor 6 Jahren starb, hörte ich ihn oft sagen “Ach Madle, mach Dir doch ned um alles so an Kopf, alles isch guad so wie’s isch”. Wie recht er doch hat.

IMG_0182

Alles hat seinen Sinn, auch wenn ich den wirklich nicht erkennen kann. Vielleicht mussten Gizmo und Merlin so früh gehen, weil ihre nächste Inkarnation sonst nicht rechtzeitig stattfinden hätte können. Vielleicht haben sie noch andere Aufgaben in der Anderswelt. Was wissen wir denn. Was wir wissen ist ein Tropfen, was wir nicht wissen ist ein Ozean (Zitat aus der Serie Dark).

25. Juni 2020

Wieder ein Tag, den ich lieber nicht erlebt hätte…

Vorgestern habe ich geträumt dass Du Deine Geschwister abgeschleckt hättest. Der Traum fühlte sich so real an. In Wirklichkeit hättest Du aber Onya und Orpheus nicht abgeleckt und mit ihnen geknuddelt sondern ihnen höchstens Nasenstupser gegeben. Vielleicht war das Deine Verabschiedung von ihnen und es war doch nicht nur ein Traum?

Gestern haben wir Dich plötzlich und vollkommen unerwartet verloren. Viel viel viel zu früh wurdest Du uns entrissen. Unser geliebter drolliger kleiner Schatz. Du warst so bezaubernd.

Am 12. Februar 2019 sah ich Dich das erste Mal. Du wurdest als Fundtier in der lokalen Zeitung vorgestellt. Ich habe mich damals sofort in Dich verliebt und Deinem Papa geschrieben, dass ich Dich bei uns haben möchte. Am nächsten Tag besuchten wir Dich. Sofort als Du uns gesehen hast, hast Du Dich auf den Rücken gelegt und die Pfoten in die Höhe gestreckt und uns Dein Bäuchlein zum kraulen angeboten. Du hattest sofort ein Urvertrauen zu uns. Am Valentinstag holten wir Dich zu uns und die Dame, der Du zugelaufen warst war sich sicher, dass Du bei uns ein glückliches Zuhause hast und gab Dich vertrauensvoll in unsere Hände.

Zuerst separierten wir Dich, damit Du Deine drei Geschwister langsam kennen lernst, doch Du hattest andere Pläne. Du hast die Tür geöffnet und hast Dich zu uns ins Bett gelegt, als ob Du schon immer bei uns leben würdest. Deine Geschwister hast Du zwar kurz etwas angefaucht und angeknurrt, aber schon recht bald freundlich begrüsst durch die oben erwähnten Nasenstupser.

Als wir Dich adoptiert hatten, hatte ich noch Monate lang Angst, es könnten sich doch noch etwaige Vorbesitzer melden und Dich zurück fordern. Ich habe bei Tasso viele Jahre Suchanzeigen durchforstet aber niemand hat einen Kater wie Dich vermisst, was mich beruhigt hat, dass Du uns nicht mehr genommen werden kannst, denn ich hätte Dich auch ganz sicher nicht mehr her gegeben. Du warst unser kleiner Sohnemann. Unser Wonneproppen mit Deinem Waschbärringelschwänzchen. Ein wahrer Prachtkater.

Du hattest so ein wunderschönes Gesichtchen. Ich konnte Dich stundenlang anschauen. Du hattest häufig einen Blick, der nicht von dieser Welt war. Deine wundervollen Augen, die ausschauten, als ob sie mit Kajal umrahmt wären. Du konntest schauen, als ob Du alle Geheimnisse des Universums wüsstest. Unser allwissender kleiner Zauberer mit dem süssen Silberblick.

Du hast uns schnell gelehrt, dass wir die Küche nach dem Essen sofort aufzuräumen haben, weil wenn wir das nicht gemacht haben, hast Du die Pfannen und Töpfe inspiziert. Du hast mit Deinen Zähnchen wie ein Kaninchen unsere Handyladekabel durchgebissen, aber wir konnten Dir niemals böse sein. Du hast den Couchtisch täglich abgeräumt weil Du fandest, dass es ein idealer Liegeplatz für Dich wäre und das Gerümpel darauf zu verschwinden hat. Einmal hast Du mit Deinen Pfötchen die elektrische Markise ausgefahren, wel es Dir zu hell im Wohnzimmer war. Du konntest Türen leicht öffnen indem Du auf die Klinke gesprungen bist, bis die Tür aufging. Deshalb mussten wir uns selbst einschließen und die Eingangstür stets verschlossen halten. Du hast uns im Erdgeschoss zum Klo begleitet und hast immer vor der Tür gewartet und uns freudig mit Deinem lieblichen Maunzen begrüßt, wenn wir wieder heraus kamen. Du warst so niedlich. Wenn Dein Papa im Hobbyraum Sport gemacht hat, hast Du ihm von Sofa aus zugeschaut. Du kleines süsses Papakind.

Erst am Dienstag hast Du nachts noch „Harfe gespielt“. Dazu hast Du Dich unter das Bett gelegt, auf den Rücken gedreht und mit den Pfoten am Lattenrost gezupft. Es war nicht schön anzuhören aber unfassbar goldig. Es hat uns auch kaum etwas ausgemacht, wenn Deine Konzerte mitten in der Nacht stattfanden. Nur ein Zauberer kann Harfe spielen und wir wussten Dein musikalisches Talent durchaus zu schätzen. Unser kleiner Herr. Du warst der Einzige, der die Leckereien aus dem Intelligenzspielzeug herausholen konnte. Du hattest den Mechanismus sofort durchschaut während Deine Geschwister nur an dem Teil geschnüffelt haben.

Erst vor wenigen Wochen hast Du an einer Styroporplatte Deine Krallen geschärft und hattest dann durch die statische Aufladung die ganzen Kügelchen des Verpackungsmaterials im Fell hängen. Wir mussten Dich entstyroporen und Du hast es stoisch über Dich ergehen lassen, dass wir Kügelchen um Kügelchen aus Deinem Fell friemelten. Du hattest so ein kuscheliges Flauschefell und es war oft etwas statisch aufgeladen. Du hast es nicht so gerne gemocht, wenn wir Dich mit dem Furminator gekämmt haben, was aber leider nötig war, damit Dein Fell nicht verfilzt. Speziell an den Stellen, wo Du selbst nicht so gut hin kamst bei der Fellpflege, wie Dein Rücken.

Ich wollte immer filmen, wie Du Deine Krallen an den Kratzbäumen geschärft hast. Du hast dabei Dein süsses Popöchen hin und her gewackelt. Das sah so unendlich drollig aus. Leider warst Du immer zu schnell und ich kann das nur noch in Erinnerungen abrufen. Ich habe es auch geliebt, wenn Du den Sonnengruß gemacht hast und Dich dann auf die Seite hast fallen lassen, dann auf den Rücken gedreht hast und wir Dein flauschiges Bäuchlein streicheln durften. Du geliebter Flauschiflausch. Unser Waschbärchen. Unser Zauberer. Über alles geliebter Merlin. Wir sind noch immer unter totalem Schock, weil wir Dich so schnell und so jung verloren haben.

Wie ich es vermisse, dass Du auf dem Fenstersims im Schlafzimmer liegst, wie Du unsere Hände immer sofort abgeleckt hast, sowie wir Dich gestreichelt haben, Deine wundervollen Pfoten mit den Schneeschuhen, Dein wohlgeformtes Näslein, Deine schöne Fellzeichnung, Deine Mähne und wie Du bei uns beinahe jede Nacht im Bett lagst.

Fünf Wochen konntest Du noch das Aussengehege genießen und erst vergangenen Samstag habe ich ein Video von Dir gedreht, wie Du ausgiebig den Grill inspiziert hast. Du hast auch gerne Ameisen gefangen und Ziergrashalme aus dem Nachbargrundstück gefischt, die ich Dir immer sofort abgenommen habe, weil ich Angst hatte, Dass Du Dich an den scharfen Halmen verletzen könntest. Wenn eine andere Katze unser Grundstück betrat, hast Du Dein Revier sofort verteidigt.

Ich denke immer, Du müsstest gleich die Treppe herunter gepoltert kommen. Es war unverkennbar, wenn Du die Treppe rauf und runter gelaufen bist. Hier auf dem Sofa liegt Dein Plüschfischlein, das Du so geliebt hast und ich kann es nicht ansehen ohne sofort loszuheulen. Du hast es immer mit den Pfoten in die Luft geworfen und wieder aufgefangen oder auf dem Sofa herum gekickt. Du hast auch gerne mit der Angel gespielt und Du warst trotz Deines Gewichts sehr beweglich und aktiv. Du lagst so oft wie der Chef auf dem Sofa und hast eine Deiner Vorderpfoten an die Lehne drapiert. Du niedliches Zaubergeschöpf. Leider durften wir Dich nur ein Jahr und etwas über 4 Monate bei uns haben und dennoch hast Du uns in dieser Zeit so viel gegeben. Du hast uns komplett verzaubert mit Deinem Charme.

Speziell einen Freund von uns hast Du immer wenn er zu Besuch war ausgiebig beobachtet. Du hast ihn nie aus den Augen gelassen. Er hatte immer Respekt vor Dir und wir haben oft darüber gelacht, wie Du ihn im Visier hattest. Alle unsere Freunde hatten Dich gern, dessen bin ich gewiss.

Erst vorgestern sasst Du auf dem Sofa und hast mich wieder mit Deinem allwissenden Blick angeschaut und ich sagte zu Dir, dass Du so wunderschön bist und manchmal hatte Dein Gesichtchen etwas Menschliches an sich. Es ist schwer zu erklären. Wir fanden es auch immer mega lustig, wie Du jeden Abend den Arm von Deinem Papa gerammelt hast. Oh Gott, wie vermisse ich Dein liebliches Maunzen und wie Du beim Kochen immer um mich warst und dann wieder auf den Rücken gerollt bist, damit ich Dein Bäuchchen kraulen kann und Du hattest so einen tollen Duft an Dir. Ich hab so gerne meine Nase in Dein Flauschefell vergraben und Deinen Bauch und Dein Köpfchen geküsst. Wenn wir Gäste zum essen da hatten, hast Du Dich immer unter deren Stühle gelegt und ihre Beine umschmust. Jeder der Dich kannte weiss, was wir für einen Schatz verloren haben.

Es tut mir leid, wenn ich Dich im Gehege davon abgehalten habe, das Netz nieder zu reisen. Du wärst glaub gerne auch auf den Rasen und ganz ins Freie. Das konnten wir Dir aber mit unserer Wohnlage nicht bieten, bzw. hätten viel zu große Angst gehabt, dass Du überfahren werden könntest. Ich hatte ernsthaft überlegt, Dir ein Geschirrchen zu kaufen und jeden Tag mit Dir „Gassi“ zu gehen. Das hätte ich auch die nächsten Tage gemacht, wenn Du uns nicht entrissen worden wärst.

Wenn wir manchmal beim Spazieren laufen Eltern mit ihren Kindern in einem Fahrradanhänger sahen, dann sagten wir immer „Das würde unserem Merlin auch gefallen“. Wir stellten uns auch manchmal vor, wie wir Dich an der Leine mit in den Biergarten genommen hätten und sagten immer „Unser Merlin wäre dort der Star“ und das wärest Du auch gewesen. Jeder der Dich sah, mochte Dich. Alle Freunde und Kollegen hatten Dich gern. Es ist so irreal, dass Du so plötzlich ohne Vorwarnung gehen musstest. Du warst vorher nie krank. Es ging Dir immer gut, scheinbar. Wir hatten auch keine Indikation, Dein Herz schallen zu lassen. Du warst nie kurzatmig, Du hast vorher niemals geröchelt und es gab einfach keine Vorwarnung und keine Anzeichen für einen Herzfehler. Die Tierärztin sagte uns, dass das bei Deiner Rasse (wir wissen ja nicht, ob Du ein Mischling warst oder eine Schwarzzucht und auch sonst nichts über Deine Vergangenheit) leider sehr häufig der Fall ist. Viele Norweger, Ragdoll oder Maine Coon haben solche Herzfehler und sterben jung. Leider werden bei uns in der Gegend häufig kranke Tiere ausgesetzt. Rassekatzen und auch Rassehunde die nicht den Zuchtstandards entsprechen und die von Vermehrern und Schwarzzüchtern ausgesetzt werden. Die Familie, bei der Du im Dezember 2018 Zuflucht gesucht hattest war auch der Meinung, genauso wie unsere Tierärztin, dass Du vermutlich ausgesetzt wurdest. Vielleicht war diesen Personen Dein Herzfehler auch bekannt. Aber das sind alles nur Spekulationen. Die letzten Monate hattest Du bei uns ein glückliches Leben, auch wenn das für uns nur ein kleiner Trost ist. Es war offensichtlich, dass Du Dich bei uns wohl gefühlt hast. Du hast die meiste Zeit Dein Bäuchlein zum kraulen hin gestreckt, was bei Katzen ein eindeutiger Beweis des Vertrauens ist. Du hast auch keinen traumatisierten Eindruck gemacht. Schlecht behandelt wurdest Du glaub nicht. Du hast aber auch immer nie so ganz tief und fest geschlafen wie Onya und Orpheus, die man im Schlaf weg tragen könnte, sondern warst immer so ganz leicht wachsam, genauso wie Dein Bruder Gizmo, der traumatisiert aus Spanien zu uns kam. Irgendetwas hast Du vorher vielleicht doch erlebt, weshalb Du Dich so verhalten hast.

Am Mittwochmorgen ganz früh lagst Du in der Küche am Fenster und hast rausgeschaut. Das hattest Du schon ewig nicht mehr gemacht. Es war ganz zu Anfang Dein Lieblingsplatz, als Du zu uns kamst. Ich dachte noch für einen Moment „Komisch, dass er dort auf einmal wieder liegt“. Vielleicht wolltest Du Dich nochmals von allen Lieblingsplätzen verabschieden.

Wir vermissen Dich unendlich und würden alles drum geben, wenn Du wieder den Tisch abräumen oder unsere Ladekabel anknabbern, meine Handytrageschlaufe mit Deinen Zähnchen bearbeiten oder das Sofa „stempeln“ würdest. Nur noch ein Blick in Deine fabelhaften Augen. Du warst wirklich ein Zauberer, der Zauberer der Herzen der uns alle verzaubert hat mit Deinem drolligen, wundervollen Wesen. Unser kleiner süßer Merlin. Wir werden Dich niemals vergessen und immer lieb haben. Wir hätten Dich auch adoptiert, wenn wir von Deinem Herzfehler gewusst hätten, denn wir liebten Dich vom ersten Augenblick an und ich glaube, Du uns auch.

IMG_1748

Mein geliebter Liebling

3126721a-838d-4a2f-bc8c-bb9adc5996a1

Wer Dich kannte, der weiss, was wir verloren haben. Du warst so wunderschön. Unglaublich süss. So ein sanftes, liebevolles Wesen. Du warst das wundervollste Katerchen, das man sich vorstellen kann. Ich vermisse Dich so unendlich. Ich quäle mich selbst, indem ich mir Bilder und Videos von Dir anschaue. Es wird irgendwann eine Zeit kommen, wo ich mir wieder ohne Schmerz all das anschauen kann und auch wieder ohne Trauer an Dich denken kann und alles was wir mit Dir erlebt haben. Das wird dauern. Trauer gehört zum Leben. Schmerz gehört ebenso zu unserem Leben. Wir durfen Dich nur etwas über fünf Jahre bei uns haben. In dieser Zeit bekamen wir von Dir so viel Liebe und Vertrauen. Dich zu adoptieren war definitiv einer unseren besten Entscheidungen. Du unendlich liebevolles Wesen. Ich konnte mich so oft nicht an Deiner Schönheit satt sehen. Du warst so einmalig einzigartig. Irgendwann werde ich Dich wieder sehen. Solange darf ich Dich vielleicht in meinen Träumen besuchen.

Rote Katzen überall

vielleicht fällt es mir nur jetzt besonders auf und es war schon immer so, aber gefühlt häufen sich die roten Katzen, die mir immer und überall begegnen. Egal ob in der Werbung oder auf Insta oder Facebook.

Ich öffne eine Seite und zack erscheinen rote Katzen. Alle schauen Gizmo ziemlich ähnlich. Wirklich nur Zufall?

Die Frage nach dem Warum

Immer wenn ein Bereich meines Lebens sich endlich zum besseren wendet, geschieht ein Unglück. Als ob ich nicht glücklich sein dürfte. Werde ich für jedes Glück das mir widerfährt “bestraft”? Wenn der Tod von meinem Gizmo der “Preis” war, den ich für etwas Anderes bezahlen musste, dann war es ein viel zu hoher Preis. Lieber hätte ich noch länger in der alten Situation ausgeharrt, als dass er mir genommen wird.

Eine Tierkommunikatorin sagte mir eine Woche vor Gizmo`s Übergang dass er nicht weiss, ob er gehen will oder nicht und dass es von meinem Verhalten abhängen würde, wie er sich entscheidet. Jetzt denke ich natürlich, dass ich irgendwas gesagt oder getan hätte, was ihn veranlasst hat zu gehen. Vielleicht ist das aber wieder “magisches Denken” meinerseits. Eine Freundin sagte kürzlich zu mir, dass wir nicht die Macht über Leben und Tod haben. Vielleicht hat jedes Leben eine bestimmte Zeitspanne und wenn diese endet können wir machen was immer wir wollen. Es lässt sich nicht beeinflussen.

Ein rationaler Teil von mir weiss, dass es schwachsinnig ist zu denken, ich würde für glücklichere Umstände in meinem Leben mit dem Tod meines Katzensohnes bestraft werden.

Der Tod ist nicht unser Feind, das weiss ich. Trotzdem vermisse ich meinen kleinen Liebling natürlich unendlich. Auch die Gedanken wie “Ich hätte die Fehldiagnose unserer ehemaligen Tierärztin erkennen müssen” sind müssig. Hätte, wäre, wenn. Wir haben ihr vertraut und ich mache auch ihr keine Vorwürfe. Was würde es mir oder Gizmo bringen, ihr zu grollen oder sie gar zu hassen, weil sie mit ihrer falschen Diagnose und dem nicht erkennen der lebensbedrohlichen Situation sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Sie ist auch nur ein Mensch. Sie hat sicher nicht absichtlich so fahrlässig gehandelt.

Ich hatte sie gefragt, ob sie sicher ist, ob es wirklich nur Gas in seinem Bäuchlein ist und nicht doch Wasser, was sie deutlich und vehement verneint hat mit “Auf gar keinen Fall, das würde ganz anders ausschauen”. Leider war es doch Wasser und sie hatte auch das Lymphom nicht gespürt und nicht gesehen. Wir vertrauten ihrer Aussage, dass Gizmo eben eine Magenverstimmung hätte, die etwas länger andauert. Selbst seine Gewichtsabnahme tat sie als Banalität ab und wir glaubten ihr. Vielleicht wollten wir ihr auch nur zu gerne glauben, dass er nur etwas Harmloses hat. Wie gesagt, sie ist auch nur ein Mensch und wir alle machen Fehler. Natürlich sind bei ihr die Fehler gravierender, als wenn ich im Büro einen Fehler mache. Bei ihr geht es um Leben und Tod.

Vielleicht ist das Lymphom auch so mega rasant gewachsen, dass sie es bei unserem ersten Besuch nicht sehen oder spüren konnte. Bei unserem zweiten Besuch hätte sie es jedoch ganz sicher spüren müssen. E ist wie es ist und wir müssen mit der Situation leben. Schuldzuweisungen nützen keinem. Niemand kann die Zeit zurück drehen und es ungeschehen machen. Es ist auch fraglich, ob wir Gizmo hätten retten können, wenn sie die Situation drei Wochen vorher korrekt eingeschätzt hätte. Vermutlich hätten wir deutlich bessere Voraussetzungen bezüglich der Behandlungen gehabt, weil man zum Schluss hin wirklich zuschauen konnte, wie der Krebs immer mehr die Oberhand gewann. Aber vielleicht wäre es so oder so geendet, wie es endete. Vielleicht musste es so geschehen.  Vermutlich ist es wirklich so, dass wir alle nur eine bestimmte, vorher ausgemachte Lebensspanne haben, bevor es wieder zurück in unsere wahre Heimat geht. Vielleicht kommt Gizmo wieder in einem anderen Körper zu uns zurück. Wahrscheinlich musste er jetzt schon so früh gehen, damit er zur rechten Zeit wieder inkarnieren kann. Was wissen wir schon. Unser Wissen begrenzt sich auf winzige Fragmente. Wir sehen immer nur Teile, jedoch nie das große Ganze.

Was wenn alles so sein musste, wie es geschah, weil wir daran wachsen können. Ganz verlieren werde ich meinen Gizzi eh niemals. Er wird immer ein Teil meines Herzens sein und irgendwann entweder in dieser Welt oder einer Anderen werde ich ihn ganz sicher wiedersehen. Nichts geschieht ohne Grund.