25. Juni 2020

Wieder ein Tag, den ich lieber nicht erlebt hätte…

Vorgestern habe ich geträumt dass Du Deine Geschwister abgeschleckt hättest. Der Traum fühlte sich so real an. In Wirklichkeit hättest Du aber Onya und Orpheus nicht abgeleckt und mit ihnen geknuddelt sondern ihnen höchstens Nasenstupser gegeben. Vielleicht war das Deine Verabschiedung von ihnen und es war doch nicht nur ein Traum?

Gestern haben wir Dich plötzlich und vollkommen unerwartet verloren. Viel viel viel zu früh wurdest Du uns entrissen. Unser geliebter drolliger kleiner Schatz. Du warst so bezaubernd.

Am 12. Februar 2019 sah ich Dich das erste Mal. Du wurdest als Fundtier in der lokalen Zeitung vorgestellt. Ich habe mich damals sofort in Dich verliebt und Deinem Papa geschrieben, dass ich Dich bei uns haben möchte. Am nächsten Tag besuchten wir Dich. Sofort als Du uns gesehen hast, hast Du Dich auf den Rücken gelegt und die Pfoten in die Höhe gestreckt und uns Dein Bäuchlein zum kraulen angeboten. Du hattest sofort ein Urvertrauen zu uns. Am Valentinstag holten wir Dich zu uns und die Dame, der Du zugelaufen warst war sich sicher, dass Du bei uns ein glückliches Zuhause hast und gab Dich vertrauensvoll in unsere Hände.

Zuerst separierten wir Dich, damit Du Deine drei Geschwister langsam kennen lernst, doch Du hattest andere Pläne. Du hast die Tür geöffnet und hast Dich zu uns ins Bett gelegt, als ob Du schon immer bei uns leben würdest. Deine Geschwister hast Du zwar kurz etwas angefaucht und angeknurrt, aber schon recht bald freundlich begrüsst durch die oben erwähnten Nasenstupser.

Als wir Dich adoptiert hatten, hatte ich noch Monate lang Angst, es könnten sich doch noch etwaige Vorbesitzer melden und Dich zurück fordern. Ich habe bei Tasso viele Jahre Suchanzeigen durchforstet aber niemand hat einen Kater wie Dich vermisst, was mich beruhigt hat, dass Du uns nicht mehr genommen werden kannst, denn ich hätte Dich auch ganz sicher nicht mehr her gegeben. Du warst unser kleiner Sohnemann. Unser Wonneproppen mit Deinem Waschbärringelschwänzchen. Ein wahrer Prachtkater.

Du hattest so ein wunderschönes Gesichtchen. Ich konnte Dich stundenlang anschauen. Du hattest häufig einen Blick, der nicht von dieser Welt war. Deine wundervollen Augen, die ausschauten, als ob sie mit Kajal umrahmt wären. Du konntest schauen, als ob Du alle Geheimnisse des Universums wüsstest. Unser allwissender kleiner Zauberer mit dem süssen Silberblick.

Du hast uns schnell gelehrt, dass wir die Küche nach dem Essen sofort aufzuräumen haben, weil wenn wir das nicht gemacht haben, hast Du die Pfannen und Töpfe inspiziert. Du hast mit Deinen Zähnchen wie ein Kaninchen unsere Handyladekabel durchgebissen, aber wir konnten Dir niemals böse sein. Du hast den Couchtisch täglich abgeräumt weil Du fandest, dass es ein idealer Liegeplatz für Dich wäre und das Gerümpel darauf zu verschwinden hat. Einmal hast Du mit Deinen Pfötchen die elektrische Markise ausgefahren, wel es Dir zu hell im Wohnzimmer war. Du konntest Türen leicht öffnen indem Du auf die Klinke gesprungen bist, bis die Tür aufging. Deshalb mussten wir uns selbst einschließen und die Eingangstür stets verschlossen halten. Du hast uns im Erdgeschoss zum Klo begleitet und hast immer vor der Tür gewartet und uns freudig mit Deinem lieblichen Maunzen begrüßt, wenn wir wieder heraus kamen. Du warst so niedlich. Wenn Dein Papa im Hobbyraum Sport gemacht hat, hast Du ihm von Sofa aus zugeschaut. Du kleines süsses Papakind.

Erst am Dienstag hast Du nachts noch „Harfe gespielt“. Dazu hast Du Dich unter das Bett gelegt, auf den Rücken gedreht und mit den Pfoten am Lattenrost gezupft. Es war nicht schön anzuhören aber unfassbar goldig. Es hat uns auch kaum etwas ausgemacht, wenn Deine Konzerte mitten in der Nacht stattfanden. Nur ein Zauberer kann Harfe spielen und wir wussten Dein musikalisches Talent durchaus zu schätzen. Unser kleiner Herr. Du warst der Einzige, der die Leckereien aus dem Intelligenzspielzeug herausholen konnte. Du hattest den Mechanismus sofort durchschaut während Deine Geschwister nur an dem Teil geschnüffelt haben.

Ich wollte immer filmen, wie Du Deine Krallen an den Kratzbäumen geschärft hast. Du hast dabei Dein süsses Popöchen hin und her gewackelt. Das sah so unendlich drollig aus. Leider warst Du immer zu schnell und ich kann das nur noch in Erinnerungen abrufen. Ich habe es auch geliebt, wenn Du den Sonnengruß gemacht hast und Dich dann auf die Seite hast fallen lassen, dann auf den Rücken gedreht hast und wir Dein flauschiges Bäuchlein streicheln durften. Du geliebter Flauschiflausch. Unser Waschbärchen. Unser Zauberer. Über alles geliebter Merlin. Wir sind noch immer unter totalem Schock, weil wir Dich so schnell und so jung verloren haben.

Wie ich es vermisse, dass Du auf dem Fenstersims im Schlafzimmer liegst, wie Du unsere Hände immer sofort abgeleckt hast, sowie wir Dich gestreichelt haben, Deine wundervollen Pfoten mit den Schneeschuhen, Dein wohlgeformtes Näslein, Deine schöne Fellzeichnung, Deine Mähne, wie Du bei uns beinahe jede Nacht im Bett lagst.

Fünf Wochen konntest Du noch das Aussengehege genießen und erst vergangenen Samstag habe ich ein Video von Dir gedreht, wie Du ausgiebig den Grill inspiziert hast. Du hast auch gerne Ameisen gefangen und Ziergrashalme aus dem Nachbargrundstück gefischt, die ich Dir immer sofort abgenommen habe, weil ich Angst hatte, Dass Du Dich an den scharfen Halmen verletzen könntest. Wenn eine andere Katze unser Grundstück betrat, hast Du Dein Revier sofort verteidigt.

Ich denke immer, Du müsstest gleich die Treppe herunter gepoltert kommen. Es war unverkennbar, wenn Du die Treppe rauf und runter gelaufen bist. Hier auf dem Sofa liegt Dein Plüschfischlein, das Du so geliebt hast und ich kann es nicht ansehen ohne sofort loszuheulen. Du hast es immer mit den Pfoten in die Luft geworfen und wieder aufgefangen oder auf dem Sofa herum gekickt. Du hast auch gerne mit der Angel gespielt und Du warst trotz Deines Gewichts sehr beweglich und aktiv. Du lagst so oft wie der Chef auf dem Sofa und hast eine Deiner Vorderpfoten an die Lehne drapiert. Du niedliches Zaubergeschöpf. Leider durften wir Dich nur ein Jahr und etwas über 4 Monate bei uns haben und dennoch hast Du uns in dieser Zeit so viel gegeben. Du hast uns komplett verzaubert mit Deinem Charme.

Speziell einen Freund von uns hast Du immer wenn er zu Besuch war ausgiebig beobachtet. Du hast ihn nie aus den Augen gelassen. Er hatte immer Respekt vor Dir und wir haben oft darüber gelacht, wie Du ihn im Visier hattest. Alle unsere Freunde hatten Dich gern, dessen bin ich gewiss.

Erst vorgestern sasst Du auf dem Sofa und hast mich wieder mit Deinem allwissenden Blick angeschaut und ich sagte zu Dir, dass Du so wunderschön bist und manchmal hatte Dein Gesichtchen etwas Menschliches an sich. Es ist schwer zu erklären. Wir fanden es auch immer mega lustig, wie Du jeden Abend den Arm von Deinem Papa gerammelt hast. Oh Gott, wie vermisse ich Dein liebliches Maunzen und wie Du beim Kochen immer um mich warst und dann wieder auf den Rücken gerollt bist, damit ich Dein Bäuchchen kraulen kann und Du hattest so einen tollen Duft an Dir. Ich hab so gerne meine Nase in Dein Flauschefell vergraben und Deinen Bauch und Dein Köpfchen geküsst. Wenn wir Gäste zum essen da hatten, hast Du Dich immer unter deren Stühle gelegt und ihre Beine umschmust. Jeder der Dich kannte weiss, was wir für einen Schatz verloren haben.

Es tut mir leid, wenn ich Dich im Gehege davon abgehalten habe, das Netz nieder zu reisen. Du wärst glaub gerne auch auf den Rasen und ganz ins Freie. Das konnten wir Dir aber mit unserer Wohnlage nicht bieten, bzw. hätten viel zu große Angst gehabt, dass Du überfahren werden könntest. Ich hatte ernsthaft überlegt, Dir ein Geschirrchen zu kaufen und jeden Tag mit Dir „Gassi“ zu gehen. Das hätte ich auch die nächsten Tage gemacht, wenn Du uns nicht entrissen worden wärst.

Wenn wir manchmal beim Spazieren laufen Eltern mit ihren Kindern in einem Fahrradanhänger sahen, dann sagten wir immer „Das würde unserem Merlin auch gefallen“. Wir stellten uns auch manchmal vor, wie wir Dich an der Leine mit in den Biergarten genommen hätten und sagten immer „Unser Merlin wäre dort der Star“ und das wärest Du auch gewesen. Jeder der Dich sah, mochte Dich. Alle Freunde und Kollegen hatten Dich gern. Es ist so irreal, dass Du so plötzlich ohne Vorwarnung gehen musstest. Du warst vorher nie krank. Es ging Dir immer gut, scheinbar. Wir hatten auch keine Indikation, Dein Herz schallen zu lassen. Du warst nie kurzatmig, Du hast vorher niemals geröchelt und es gab einfach keine Vorwarnung und keine Anzeichen für einen Herzfehler. Die Tierärztin sagte uns, dass das bei Deiner Rasse (wir wissen ja nicht, ob Du ein Mischling warst oder eine Schwarzzucht und auch sonst nichts über Deine Vergangenheit) leider sehr häufig der Fall ist. Viele Norweger, Ragdoll oder Maine Coon haben solche Herzfehler und sterben jung. Leider werden bei uns in der Gegend häufig kranke Tiere ausgesetzt. Rassekatzen und auch Rassehunde die nicht den Zuchtstandards entsprechen und die von Vermehrern und Schwarzzüchtern ausgesetzt werden. Die Familie, bei der Du im Dezember 2018 Zuflucht gesucht hattest war auch der Meinung, genauso wie unsere Tierärztin, dass Du vermutlich ausgesetzt wurdest. Vielleicht war diesen Personen Dein Herzfehler auch bekannt. Aber das sind alles nur Spekulationen. Die letzten Monate hattest Du bei uns ein glückliches Leben, auch wenn das für uns nur ein kleiner Trost ist. Es war offensichtlich, dass Du Dich bei uns wohl gefühlt hast. Du hast die meiste Zeit Dein Bäuchlein zum kraulen hin gestreckt, was bei Katzen ein eindeutiger Beweis des Vertrauens ist. Du hast auch keinen traumatisierten Eindruck gemacht. Schlecht behandelt wurdest Du glaub nicht. Du hast aber auch immer nie so ganz tief und fest geschlafen wie Onya und Orpheus, die man im Schlaf weg tragen könnte, sondern warst immer so ganz leicht wachsam, genauso wie Dein Bruder Gizmo, der traumatisiert aus Spanien zu uns kam. Irgendetwas hast Du vorher vielleicht doch erlebt, weshalb Du Dich so verhalten hast.

Am Mittwochmorgen ganz früh lagst Du in der Küche am Fenster und hast rausgeschaut. Das hattest Du schon ewig nicht mehr gemacht. Es war ganz zu Anfang Dein Lieblingsplatz, als Du zu uns kamst. Ich dachte noch für einen Moment „Komisch, dass er dort auf einmal wieder liegt“. Vielleicht wolltest Du Dich nochmals von allen Lieblingsplätzen verabschieden.

Wir vermissen Dich unendlich und würden alles drum geben, wenn Du wieder den Tisch abräumen oder unsere Ladekabel anknabbern, meine Handytrageschlaufe mit Deinen Zähnchen bearbeiten oder das Sofa „stempeln“ würdest. Nur noch ein Blick in Deine fabelhaften Augen. Du warst wirklich ein Zauberer, der Zauberer der Herzen der uns alle verzaubert hat mit Deinem drolligen, wundervollen Wesen. Unser kleiner süßer Merlin. Wir werden Dich niemals vergessen und immer lieb haben. Wir hätten Dich auch adoptiert, wenn wir von Deinem Herzfehler gewusst hätten, denn wir liebten Dich vom ersten Augenblick an und ich glaube, Du uns auch.

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Mein geliebter Liebling

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Wer Dich kannte, der weiss, was wir verloren haben. Du warst so wunderschön. Unglaublich süss. So ein sanftes, liebevolles Wesen. Du warst das wundervollste Katerchen, das man sich vorstellen kann. Ich vermisse Dich so unendlich. Ich quäle mich selbst, indem ich mir Bilder und Videos von Dir anschaue. Es wird irgendwann eine Zeit kommen, wo ich mir wieder ohne Schmerz all das anschauen kann und auch wieder ohne Trauer an Dich denken kann und alles was wir mit Dir erlebt haben. Das wird dauern. Trauer gehört zum Leben. Schmerz gehört ebenso zu unserem Leben. Wir durfen Dich nur etwas über fünf Jahre bei uns haben. In dieser Zeit bekamen wir von Dir so viel Liebe und Vertrauen. Dich zu adoptieren war definitiv einer unseren besten Entscheidungen. Du unendlich liebevolles Wesen. Ich konnte mich so oft nicht an Deiner Schönheit satt sehen. Du warst so einmalig einzigartig. Irgendwann werde ich Dich wieder sehen. Solange darf ich Dich vielleicht in meinen Träumen besuchen.

Rote Katzen überall

vielleicht fällt es mir nur jetzt besonders auf und es war schon immer so, aber gefühlt häufen sich die roten Katzen, die mir immer und überall begegnen. Egal ob in der Werbung oder auf Insta oder Facebook.

Ich öffne eine Seite und zack erscheinen rote Katzen. Alle schauen Gizmo ziemlich ähnlich. Wirklich nur Zufall?

Die Frage nach dem Warum

Immer wenn ein Bereich meines Lebens sich endlich zum besseren wendet, geschieht ein Unglück. Als ob ich nicht glücklich sein dürfte. Werde ich für jedes Glück das mir widerfährt “bestraft”? Wenn der Tod von meinem Gizmo der “Preis” war, den ich für etwas Anderes bezahlen musste, dann war es ein viel zu hoher Preis. Lieber hätte ich noch länger in der alten Situation ausgeharrt, als dass er mir genommen wird.

Eine Tierkommunikatorin sagte mir eine Woche vor Gizmo`s Übergang dass er nicht weiss, ob er gehen will oder nicht und dass es von meinem Verhalten abhängen würde, wie er sich entscheidet. Jetzt denke ich natürlich, dass ich irgendwas gesagt oder getan hätte, was ihn veranlasst hat zu gehen. Vielleicht ist das aber wieder “magisches Denken” meinerseits. Eine Freundin sagte kürzlich zu mir, dass wir nicht die Macht über Leben und Tod haben. Vielleicht hat jedes Leben eine bestimmte Zeitspanne und wenn diese endet können wir machen was immer wir wollen. Es lässt sich nicht beeinflussen.

Ein rationaler Teil von mir weiss, dass es schwachsinnig ist zu denken, ich würde für glücklichere Umstände in meinem Leben mit dem Tod meines Katzensohnes bestraft werden.

Der Tod ist nicht unser Feind, das weiss ich. Trotzdem vermisse ich meinen kleinen Liebling natürlich unendlich. Auch die Gedanken wie “Ich hätte die Fehldiagnose unserer ehemaligen Tierärztin erkennen müssen” sind müssig. Hätte, wäre, wenn. Wir haben ihr vertraut und ich mache auch ihr keine Vorwürfe. Was würde es mir oder Gizmo bringen, ihr zu grollen oder sie gar zu hassen, weil sie mit ihrer falschen Diagnose und dem nicht erkennen der lebensbedrohlichen Situation sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Sie ist auch nur ein Mensch. Sie hat sicher nicht absichtlich so fahrlässig gehandelt.

Ich hatte sie gefragt, ob sie sicher ist, ob es wirklich nur Gas in seinem Bäuchlein ist und nicht doch Wasser, was sie deutlich und vehement verneint hat mit “Auf gar keinen Fall, das würde ganz anders ausschauen”. Leider war es doch Wasser und sie hatte auch das Lymphom nicht gespürt und nicht gesehen. Wir vertrauten ihrer Aussage, dass Gizmo eben eine Magenverstimmung hätte, die etwas länger andauert. Selbst seine Gewichtsabnahme tat sie als Banalität ab und wir glaubten ihr. Vielleicht wollten wir ihr auch nur zu gerne glauben, dass er nur etwas Harmloses hat. Wie gesagt, sie ist auch nur ein Mensch und wir alle machen Fehler. Natürlich sind bei ihr die Fehler gravierender, als wenn ich im Büro einen Fehler mache. Bei ihr geht es um Leben und Tod.

Vielleicht ist das Lymphom auch so mega rasant gewachsen, dass sie es bei unserem ersten Besuch nicht sehen oder spüren konnte. Bei unserem zweiten Besuch hätte sie es jedoch ganz sicher spüren müssen. E ist wie es ist und wir müssen mit der Situation leben. Schuldzuweisungen nützen keinem. Niemand kann die Zeit zurück drehen und es ungeschehen machen. Es ist auch fraglich, ob wir Gizmo hätten retten können, wenn sie die Situation drei Wochen vorher korrekt eingeschätzt hätte. Vermutlich hätten wir deutlich bessere Voraussetzungen bezüglich der Behandlungen gehabt, weil man zum Schluss hin wirklich zuschauen konnte, wie der Krebs immer mehr die Oberhand gewann. Aber vielleicht wäre es so oder so geendet, wie es endete. Vielleicht musste es so geschehen.  Vermutlich ist es wirklich so, dass wir alle nur eine bestimmte, vorher ausgemachte Lebensspanne haben, bevor es wieder zurück in unsere wahre Heimat geht. Vielleicht kommt Gizmo wieder in einem anderen Körper zu uns zurück. Wahrscheinlich musste er jetzt schon so früh gehen, damit er zur rechten Zeit wieder inkarnieren kann. Was wissen wir schon. Unser Wissen begrenzt sich auf winzige Fragmente. Wir sehen immer nur Teile, jedoch nie das große Ganze.

Was wenn alles so sein musste, wie es geschah, weil wir daran wachsen können. Ganz verlieren werde ich meinen Gizzi eh niemals. Er wird immer ein Teil meines Herzens sein und irgendwann entweder in dieser Welt oder einer Anderen werde ich ihn ganz sicher wiedersehen. Nichts geschieht ohne Grund.

Warum holst Du Dir nicht ne neue Katze?

Diesen Satz hörte ich in den letzten Tagen recht häufig. Oftmals bekam ich schon konkrete Angebote zugesendet. Ja ich weiss, die Leute meinen es nur gut, aber wie wir wissen ist gut gemeint wirklich immer Scheiße!

Unser Sohn starb vor zwei Wochen. Das ist doch noch keine Zeit. Trauer braucht Zeit, Abschied nehmen braucht Zeit und auch der Schock über seinen schnellen Tod steckt uns noch gewaltig in den Knochen.

Wenn der Opa stirbt kommt doch auch niemand auf die Idee zu sagen “Im Altersheim sitzen so viele einsame alte Männer, die hätten es so gut bei Dir, such Dir doch da mal einen aus”. Wäre aber genau dasselbe – für uns zumindest. Der Opa ist unersetzlich und Gizmo ist unersetzlich.

Vielleicht adoptieren wir irgendwann wieder ein Katzenkind. Sehr wahrscheinlich sogar, weil drei Katzen einfach eine etwas ungünstige Konstellation sind. Das war schon nach dem Tod von unserer MissC vor zwei Jahren so. Aber wenn dann findet uns die Katze, so wie Merlin zu uns gefunden hat.

Jetzt, zwei Wochen später können und wollen wir an sowas aber nicht denken. Das wäre höchstens denkbar, wenn wir das Gefühl hätten, Gizmo schickt uns ein Kätzchen zum Trost. Das müsste uns dann aber schon vor die Füße fallen oder zulaufen. Gezielt suchen werden wir momentan ganz sicher nicht. Wenn Ihr Freunde und Bekannte das lest: Bitte hört auf, mir Katzen vorzuschlagen und zuzusenden. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Gizmo war ein Familienmitglied, das kann man nicht einfach gegen ein anderes austauschen. Er war so einzigartig und einmalig. Wie eben der Großvater in meinem Beispiel oben auch einmalig und einzigartig ist.

Die Trauer um einen Menschen ist noch einigermaßen “legitim”, aber bei einer Katze muss man nach wenigen Tagen oder Wochen “drüber hinweg sein”. Wieder “normal” sein, “nach vorne schauen”, “das Leben muss weitergehen”. Oh man, ich wünsche Euch, die Ihr so denkt, dass Ihr auch mal von einem Tier so bedingungslos geliebt werdet, wie wir von Gizmo geliebt wurden und dass Ihr erfahrt wie es ist, dieses wundervolle Geschöpf zu verlieren. Vielleicht versteht Ihr es dann.

Back to the 80s

Heute habe ich mal wieder nach vielen Jahren das Lied “I ran” von A Flock of Seagulls gehört. Eines der wenigen Liedern aus meiner Jugend, das mich noch immer begeistert. Es ist aus dem Jahr 1979. Damals war ich 12 Jahre alt. Das Lied lernte ich jedoch erst kenne und lieben, als ich 17 oder 18 war.

Immer wieder erstaunlich, wie einen Lieder in die Vergangenheit versetzen können. Kurz mal “I ran” gehört und zack war ich im Jahr 1987.

Auch wenn der Song echt super ist, waren die 80er eine Zeit, in die ich auf keinen Fall zurück will. Das Jahrzehnt der modischen Geschmacklosigkeit. Boah nö, ich möchte keinesfalls mehr ein Teenager sein. Obwohl, wenn ich heute 17 oder 18 wäre, dann wäre ich anders als damals. Die Mädels heute sind anders drauf. In meiner Klasse gab es damals nur ein einziges Mädchen, das sich in der Schule schminkte. Dank YouTube Tutorials können sich die Mädchen inzwischen oft besser schminken wie Visagisten. Sie wissen auch sich zu kleiden. Wir hatten früher maximal 5 verschiedene Outfits, die wir im Freundeskreis auch noch untereinander ausliehen. Das wiederum war gar nicht so verkehrt. Etwas Mässigung in Allem würde der Menschheit keinesfalls schaden.

Wenn ich die Zeit jedoch zurück drehen könnte, dann um ein paar Monate. Dann könnte ich Gizmo vielleicht heilen, wenn wir die Krankheit früher entdeckt hätten. Leider steht das nicht in meiner Macht. Ich hoffe inständig, dass er dort, wo er jetzt ist, glücklich ist.

Die Banalität des Alltags

Wenn man in Trauer ist, kommen einem die alltäglichen Arbeitsabläufe oft so absurd vor. Warum soll ich essen, wenn ich doch keinen Hunger habe? Warum soll ich kochen? Mein Magen knurrt zwar, aber gleichzeitig zieht sich mein Bauch vor Schmerz zusammen. Ich dusche, ich putze meine Zähne, ich käme mein Haar, ich wasche die Wäsche. Alles wie mechanisch, ferngesteuert. Ich funktioniere. Wie ein Roboter. Meine Seele ist woanders.

Es gibt Momente, wo ich glaube, meinen kleinen Schatz um mich zu fühlen. Das ist tröstlich und gibt mir kurze Augenblicke des Friedens. Doch dann kommt wieder die Erkenntnis, dass er nicht mehr gleich um die Ecke getappst kommt mit seinen niedlichen rosa Pfötchen und den Krallen, die er nicht mehr so ganz einfahren konnte und die auf dem Laminat immer ein Klackgeräusch machten. Ich werde nie wieder seinen wundervollen Duft riechen, nicht mehr sein weiches und dichtes Fell streicheln. Nicht mehr sein Maunzen hören. Nie wieder wickelt er seinen schönen geringelten Schweif um meinen Arm oder meine Knöchel. Nie wieder kann ich seine Öhrchen kraulen, sein Schnurren hören. In seine Augen blicken. Es gibt Momente, da würde ich mich am liebsten zu ihm ins Grab legen. Heute regnet es und ich bin froh darum. So passt das Wetter zu meiner Gemütslage.

Wir waren nicht darauf vorbereitet, unseren Schatz zu verlieren. Wir dachten, wir hätten noch ewig Zeit. Mindestens ein paar Jahre. Als ob man je auf den Tod vorbereitet sein könnte.

Er kam so oft in den vergangenen zehn Jahren – der Gevatter Tod.

Natürlich weiss ich, dass der Tod auch meine anderen Kinder holen wird und ich wieder diesen unsäglichen Schmerz spüren werde, wenn sie mir genommen werden. Das ist der Preis, den wir für bedingungslose, aufrichtige Liebe bezahlen.

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Ist der Tod nur eine Illusion?

Ich habe meinen verstorbenen Sohn um ein Zeichen gebeten, mir mitzuteilen, dass es ihm gut geht und prompt schickte er mir heute Nacht zwei wundervolle Träume.

Der erste Traum war so real, dass ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich ein Traum war. Ich konnte meinen Schatz spüren, ihn streicheln und küssen. Er war da.

Selbst wenn es nur ein Traum war, so war er sehr tröstlich für mich. Vielleicht aber, ist im Schlaf unser Verstand, der alles rational erklären will, ausgeschaltet und wir sehen, was es noch gibt. Was wenn er tatsächlich da ist, ich ihn aber nur sehen kann, wenn ich schlafe?

Die unfassbare Ohnmacht

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Dieses Bild ist ungefähr 6 Wochen alt. Damals ahnten wir noch nicht, dass Du, unser geliebter Gizmo, einen schnell wachsenden bösartigen Tumor im Darm hast. Erst am Ostermontag bemerkten wir, dass etwas nicht stimmt und dann ging es leider sehr schnell. Die letzten Wochen waren geprägt von Hoffnung, Sorgen, Panik und wieder Silberstreifen am Horizont und letztendlich die Diagnose schnell wachsendes Lymphom. Danach wieder hoffen und bangen. Eine Achterbahn der Gefühle. Heute Nacht haben wir Dich, unseren geliebten kleinen Puma verloren.

Du lagst zwischen uns im Bett und wir wurden wach, weil Du unruhig wurdest. Du hast gemaunzt und wir streichelten Dich und sagten Dir. dass wir immer für Dich da sind. Du hast etwas Fressen vom Nachmittag erbrochen  und hast  noch ein paar mal tief geschnauft, mit Deinen Beinchen gestrampelt und dann aufgehört zu atmen. Du warst aus Deinem Körper geschlüpft, der zu schwach für Dich geworden war. Der Tumor hatte Dir innerhalb von 4-5 Wochen über 3 kg geraubt. Man konnte die letzten Stunden zusehen, wie Du immer weniger wurdest. Als Du noch gesund warst, hattest Du einen richtigen Bizeps. So als ob Du täglich trainiert hättest. Das hattest Du schon, als Du aus Spanien zu uns kamst.

Es tut so unfassbar weh. Ich kann es kaum in Worte fassen, was es für ein Schmerz ist, Dich verloren zu haben. Du warst erst 11 Jahre alt. Das ist wahrlich kein Alter für eine Katze. Es ist wie ein Alptraum, aus dem man nicht erwacht. Wir dachten, wir hätten noch viele gemeinsame Jahre und noch am Samstag hofften wir, dass es Heilung gibt, doch am Sonntagabend ging es Dir zusehends schlechter. Ich sah es an Deinem Blick, dass Du schon die andere Dimension sahst.

Wir bekamen Dich, unseren lieben Goldschatz am 20. Januar 2015 vom Verein Siebenkatzenleben aus Andalusien. Du warst dort schwer misshandelt und angeschossen worden. Du hast Dein Trauma nie ganz verloren, hast uns aber so weit vertraut, dass Du uns Dein weiches kuscheliges Bäuchlein zum streicheln und küssen entgegen gestreckt hast. Sowie wir jedoch ruckartig nach etwas griffen, wie dem Telefon oder einem Glas, zucktest Du sofort zusammen. Du hast auch oft schlecht geträumt und alle Deine Pfoten zitterten im Schlaf. Hoch heben durften wir Dich auch nie, als Du noch gesund warst. Leider warst Du die letzten Tage auf unsere Hilfe angewiesen und wir trugen Dich oft in einem kuscheligen Flauschebettchen durch das Haus, weil Du kaum mehr Kraft zum Laufen hattest. Das Lymphom hat Dir die gesamte Muskelkraft an den Hinterbeinchen genommen. Trotzdem hast Du am Samstag noch das frisch errichtete Terrassengehege interessiert inspiziert. Du bist sogar noch über den Lichtschacht balanciert. Du bist mehrfach durch das Gehege gelaufen und hast Dich dann in die Sonne gelegt und gedöst. Abends hast Du selig geschlafen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht, dass wir Dich nur einen Tag später verlieren würden. Ich hatte mich so gefreut, als Du durch die Terrassentür gelaufen kamst. Heute weiss ich, dass es das sogenannte letzte Aufbäumen war und Du Dich bereits im Sterbeprozess befunden hast. Oder aber es ging Dir tatsächlich besser und Du hast Dich erst am Sonntagmittag dazu entschieden zu gehen. Morgens hast Du noch mit großem Appetit gegessen und auch viel getrunken. Mittags auch noch, doch im Laufe des nachmittags wurdest Du immer abwesender. Dein Blick ging durch uns hindurch und ich kannte dies von MissC. Auch bei ihr war es kurz vor ihrem Übergang vor zwei Jahren so.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir Dich damals vom Flughafen abholten. Eine andere Tierfreundin hatte Dich für uns aus Düsseldorf zusammen mit ihren Adoptivkatzen mit nach Frankfurt gebracht. Mitten in einer nicht sehr kalten Januarnacht holten wir Dich bei der Frau aus dem Kofferraum. Dort sasst Du in einer viel zu kleinen Transportbox in die Du gerade so rein gepasst hast. Links und rechts hing Dein Fell aus den Schlitzen der Box. Die erste Zeit war dann nicht so toll, weil Du Giardien mitgebracht hattest und  wir oft zum Tierarzt mussten. Nach Deiner Genesung suchtest Du Halt bei Deinem Bruder Orpheus, den Du regelrecht auf Schritt und Tritt bestalkert hast. Im Laufe der Monate hast Du jedoch auch zu uns Vertrauen  gefasst und wurdest immer anschmiegsamer und wir spürten, dass auch Du uns liebst.

Du warst das liebste Wesen, das man sich vorstellen kann. Jeden Morgen kamst Du zu uns, wenn wir noch im Bett lagen und gabst uns Küsschen und dann war schmusen angesagt. Wir liebten diese Morgenrituale. Nachts schliefst Du meistens auf unseren Beinen. Ich liebte es, wenn ich Dich antrapsen hörte. Ich konnte genau unterscheiden, ob Du angelaufen kommt oder eine der anderen drei Katzen. Dann kamst Du, sprangst auf meine Beine und kuschelste Dich an mich. Das war ein einzigartig schönes Gefühl der Geborgenheit und Liebe.

Abends, wenn wir auf dem Sofa lagen, hast Du Dich immer zwischen uns geschmiegt. Oft zusammen mit Deinem besten Kumpel Orpheus. Ihr habt Euch oft die Köpfchen ab geschleckt. Ab und an habt Ihr Euch auch spielerisch gegenseitig Backpfeifen gegeben.

Du liebtest es, wenn man Deinen Hals und Deine Öhrchen kraulte. Du hast dann immer ganz laut geschnurrt Ich liebte es auch, wenn Du Dich auf meinen Beinen sitzend geputzt und dabei laut geschmatzt hast. Du hast Dich immer sehr lautstark geputzt und es war toll. Ich wartete nachts im Bett schon immer auf diese Geräusche.

Du hattest immer einen sehr guten Appetit und warst der Einzige, der nicht so mäkelig mit dem Futter war, wie die Anderen. Als Du aus Spanien kamst, hast Du immer alles aus dem Napf sofort in Dich rein geschlungen. Du warst es von Deinem Leben auf der Strasse so gewohnt, dass Du immer mit genommen hast was es gab, weil Du damals sicher nicht wusstest, wann es wieder etwas gibt. Wenn Du müde warst hast Du immer so goldig drein geschaut, dass einem warm ums Herz werden musste. Wenn wir manchmal am Wochenende aus waren und spät heim kamen, sasst Du mit verschlafenen Äuglein da und hast gegähnt. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr ich das liebte. Einfach alles an Dir. Deine riesigen Pfoten, Dein weiches Bäuchlein, Dein Mäulchen, das etwas nach oben gebogen war und Dir immer den Eindruck verlieh, Du würdest schmunzeln. Deine stets wachsamen Öhrchen. Die wundervollen grünen Augen. Das M auf Deiner Stirn.

Du hast so gerne gespielt. Mit der Spielschiene die Kugel hin und her schieben, hast Du sehr gerne gemacht. Oftmals ist Dir das mitten in der Nacht eingefallen, aber wir waren Dir niemals böse deswegen. Dann hat es nachts eben geklackert, Hauptsache, Du hattest Deinen Spass.

Von den drei Diabolokugeln, mit denen Du damals in Spanien angeschossen worden warst, hattest Du noch zwei im Körper, die wir regelmässig per Ultraschall kontrollierten. Die dritte Kugel hatte Dich am Mäulchen getroffen und wurde entfernt, zusammen mit einem Stück Deines Kiefers. Dadurch hast Du immer ein bissle gesabbert,  was jedoch unglaublich süss war. Manchmal hast Du Dich morgens geschüttelt und wir bekamen Deinen Sabber ins Gesicht verteilt, was uns nicht weiter störte. Ab und an lagst Du auch auf meinem Bauch und hast ihn mit ausgefahrenen Krallen geknetet, was zwar schmerzvoll für mich war, aber dennoch so niedlich, dass ich Dich immer gewähren lies. Ich nannte es Katzen-Akkupuntur. Wie hätte ich Dir, meinem unendlich geliebten Gizzi-Liebling jemals böse sein können.

Du bist immer total drollig die Treppe hoch gehoppelt und wenn Du auf den Fenstersims gesprungen bist, war das nicht sehr sportlich, aber unendlich goldig. Ich liebte es so sehr, Dein Bäuchlein und Dein Köpfchen zu küssen. Du hattest ganz hell cremerotes Fell am Bauch und warst so flauschig. Dein Schwänzchen war hell und dunkler rot geringelt. Du hattest so einen schönen Charakterkopf mit weissen Schnurrhaaren. Ich liebte es, Portraits von Dir zu machen. Du warst einfach so unendlich lieb und auch dankbar, dass Du bei uns sein konntest. Dich aus Spanien zu holen war mit Abstand eine der besten Entscheidungen, die wir je getroffen haben.

Es war wundervoll Dich die letzten fünf Jahre bei uns zu haben. Ich konnte mich oft genug nicht an Dir satt sehen, wenn Du geschlafen hast oder an uns geschmiegt da lagst. Du hattest so ein tolles Wesen. Unser wunderbarer, einzigartiger Puma. Unser geliebter Rotfuchs-Schatz.

Ich hoffe, Du verzeihst uns, dass wir und auch unsere ehemalige Tierärztin nicht rechtzeitig den Ernst der Lage erkannten. Aber hätte, wäre, wenn ist müßig und nützt keinem. Es war ein schnell wachsender bösartiger Tumor. Auch die Onkologin sagte uns, dass Du zwar eine Chance hättest, aber keine guten Chancen. Sie sagte jedoch auch, dass es nicht gänzlich aussichtslos ist und darauf bauten wir. Wir behandelten Dich schulmedizinisch und alternativ mit Heilpilzen und CBD Öl. Ich denke, mehr konnten wir nicht tun auch wenn wir uns Vorwürfe machen, doch etwas falsch gemacht zu haben. Wenn wir aber die Chemotherapie nicht ausprobiert hätten und Du wärst gestorben, hätten wir uns wiederum Vorwürfe gemacht, dass wir das nicht versucht hatten. Vielleicht hätte es noch andere Behandlungsmöglichkeiten gegeben, aber hinterher ist man immer schlauer. Vielleicht hätten wir Dir die Chemo und den damit verbundenen Durchfall (obwohl, den hattest Du vorher schon und er war vermutlich auch ein Symptom des Lymphoms oder eine Nebenwirkung des Kortisons) ersparen sollen und nur alternativ behandeln. Wir handelten nach unserem Bauchgefühl und fühlten uns bei der neuen Ärztin gut aufgehoben und beraten. Wenn es ein Fehler war, verzeih uns bitte auch dies. Wir hatten so sehr gehofft, dass wir Dich, unseren kleinen Kämpfer, der schon so viel mit gemacht hatte im Leben, heilen zu können, aber der Krebs war schneller und die Zeit arbeitete gegen uns. Ich versuchte Dich unbeholfen mit meinen liebevollen Gedanken zu unterstützen und zu heilen. Ich hatte Dir angeboten, soviel Lebensenergie von mir zu nehmen, wie Du brauchst, aber Du hast es nicht genommen. Ich habe Heilmediationen ausprobiert um Dir zu helfen, aber letztendlich war es vermutlich vergebene Liebesmüh und hat leider nichts bewirkt. Ich habe mir sogar eingebildet, dass ich Dich vielleicht mit meinen Händen heilen könnte, so lächerlich verzweifelt war ich. Ich rief alle verstorbenen Wesen und Geistführer zu Hilfe, doch auch das war nutzlos. Ich denke, Du bist noch um uns, auch ohne Deinen Körper. Ich hoffe inständig, dass Du weisst, wie sehr wir Dich lieben. Unser geliebter kleiner Sohn. Genau das warst und bist Du für uns: Unser Kind.

Ich liebe Dich mehr als die meisten Menschen und ich vermisse Dich so sehr. Es ist, als ob jemand mein Herz genommen hätte und mit irgendwas abschnürt. Ich hoffe, dass Du mich bald besucht und mir Zeichen gibst dass es Dir gut geht und Du glücklich bist. Unser vor zwei Jahren verstorbenes Töchterlein MissC hat das oft gemacht. Sie schickte immer Lichtstrahlen aus Wolken heraus. In der Häufigkeit habe ich das zuvor nicht gesehen und danach auch nicht mehr. Mein verstorbener Papa schickte immer Regenbögen. So viele Regenbögen wie im Mai 2014 habe ich niemals vorher gesehen und danach auch nicht mehr. Ich bin gespannt, was Du uns sendest. Im Moment sind wir einfach nur leer. Sein Kind sterben zu sehen ist nicht schön, auch wenn es ein natürlicher Übergang war und wir nicht entscheiden mussten, Dich sterben zu lassen. Dein Körper lag noch viele Stunden im Wohnzimmer, damit Du Dich vom Haus verabschieden konntest und die anderen Katzen sich von Dir. Danach haben wir Deinen Körper im Garten begraben, bei unseren anderen beiden verstorbenen Kindern MissC und Spocky.
Leider ist es so, wenn man Tierkinder hat, dass man sie meistens überlebt und mit ansehen muss, wie sie sterben. Das ist der Preis, den wir für bedingungslose Liebe dieser magischen Wesen bezahlen. Wir haben Dir die letzten fünf Jahre das bestmöglichste Leben gegeben was wir Dir bieten konnten und wir bekamen dafür das drolligste, schönste, liebste und liebenswerteste rote Katerchen auf der ganzen Welt. Unseren geliebten Sohn Gizmo. Wir werden Dich immer lieben und unendlich vermissen, Du wunderwundewunderbares geliebtes Geschöpf. Jemand sagte mal zu mir “Auf Tränen reist es sich leichter ins Regenbogenland”. Wenn dem so ist, dann bist Du seit Sonntagnacht schon gut gereist. Gute Reise kleiner Schatz. Komm gut an und Kuschel Dich an MissC und grüße sie schön von uns. Wir lieben Euch beide.

Das Sexleben der Katzen

Einer unserer Kater hat ab und an Frühlingsgefühle und zwar ganzjährig. Er besteigt dann den Arm meines Mannes und fängt an zu rammeln. Selbstverständlich ist er kastriert. In gängigen Foren habe ich gelesen, dass das viele Kater trotz Kastration noch machen. Er macht es nicht immer, aber alle par Wochen. Wir haben ihm schon ein Plüschlama  quasi als Sex Toy angeboten, aber das wollte er nicht. Der linke Arm meines Mannes scheint ihn mehr zu stimulieren. Wir dachten zum Schutz des Armes schon an einen Falknerhandschuh.

Der kleine Mann war letztes Jahr ausgesetzt worden und eine meiner Freundinnen stellte die Theorie auf, dass er wohl in einem streng katholischen Haushalt war und sie ihn wegen der Rammelei vor die Tür gesetzt haben. Wir werden nie erfahren, wie es wirklich war.

Egal, ob mit oder ohne Frühlingsgefühle – er ist unser kleiner Sohn und wir sind froh ihn zu haben. Er hat noch viel mehr Talente. Er kann eigenständig Türen öffnen, er kann die Markise ausfahren, er kann “Harfe” spielen. So ein begabter kleiner Herr muss halt auch ab und an seine Triebe ausleben.