Der Zauberer zog ein

Vor drei Wochen zog unser neues Adoptivkind Merlin bei uns ein. Es ist ein flauschiges Zauberwesen, den wir über den Tierschutz der Nachbarstadt gefunden haben.

Der Name des großen Zauberers, den er trägt, passt perfekt, denn der kleine Mann hat viele Talente.

Er kann Türen öffnen indem er mit vollem Gewicht auf die Klinke springt und sie mit den Pfoten nach unten drückt.. Er hat kürzlich tagsüber die elektronische Jalousie ausgefahren – vermutlich war es ihm zu grell – und er kann Harfe spielen. Aus Ermangelung einer echten Harfe legt er sich auf dem Rücken unter das Bett und zupft mit seinen Pfoten an den Metallstreben des Lattenrosts. Er kann ebenfalls mit Plüschtieren jonglieren. Er legt sich auch dazu wieder auf den Rücken und wirft die Plüschtiere mit den Pfoten in die Luft und fängt sie wieder auf.

Der Zauberer hat einen allwissenden Blick, so als ob er nicht von dieser Welt wäre. Er hat uns im Handumdrehen verzaubert.

Schon beim ersten Blick auf ihn in der Tageszeitung, wo ein Zuhause für ihn gesucht wurde, war es um uns geschehen. Wir wussten: Der gehört zu uns.  Wir sind gespannt, welche Zaubertricks er noch auf Lager hat.

Wenn ich die Weltherrschaft endlich an mich gerissen habe…

…dann werde ich als eine meiner ersten Amtshandlungen Silvesterfeuerwerke verbieten.

Unser ältester Kater sass seit Mitternacht unter dem Bett und traute sich ewig nicht mehr hervor!

Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo das Verhalten andere schädigt. Für ein bißchen “Vergnügen” leiden unzählige Tiere.

Mir geht das Geböllere so massiv auf den Geist. Draussen sieht es aus, wie im dichtesten Nebel, aber ein beinahe neuwertiger Diesel darf nicht mehr in die nächstgelegene Großstadt fahren, aufgrund des exorbitanten Feinstaub. An Silvester juckt das kein Schwein. Es werden unbekümmert und gedankenlos Millionen in die Luft geballert und alles was Pfoten, Hufe, Flossen und Krallen hat wird in Angst und Schrecken versetzt, weil man “Sich den Spass nicht nehmen lassen will”.

Das ist kein “Spaß”. Es ist Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung, Tierquälerei und grob fahrlässig.

Das “Spektakel” fing schon um 19:30 an, weil die Familien mit mittelgroßen Kindern das Elend vorziehen, weil die lieben Kleinen nicht bis zur Geisterstunde durchhalten. Das ging so circa eine Stunde mit Krachern und zischenden Raketen. Um halb 12 fingen die Übereifrigen an oder diejenigen, die zu blöd sind, die Uhr zu lesen – vielleicht auch beides, wer weiß das schon.

Das dauerte an bis circa 1:00 Uhr. Ebenfalls wieder mit Knallfröschen, Zischraketen und Böllern. Man sah kaum mehr das Nachbargebäude. Der Müll wird einfach auf der Straße liegen gelassen, darum müssen sich Morgen die Stadtwerke kümmern.

Der Unfug fing ungefähr 30 Meter vom Haus entfernt an, aber man hätte meinen können, es wäre direkt vor unserer Haustüre. Es war unheimlich laut, obwohl wir alle Jalousien zu hatten.

Wir dachten, es hilft den Katzenkindern, wenn wir bei ihnen sind und sie beruhigen und so war es bei Zweien auch. Nicht so bei unserem Kater aus dem spanischen Tierschutz. Er war dort angeschossen worden und hat noch zwei der drei Diabolo-Kugeln im Bauch. Er hatte schreckliche Angst und das macht mich wütend. Er hat in seinem Leben schon genug Furchtbares erlebt und muss nicht jedes Jahr aufs Neue wieder an sein Trauma erinnert werden, nur weil manche sich ihre “Silvestertradition” nicht nehmen lassen wollen.

Lest mal die nächste Zeit, wieviele Tiere heute starben, weil sie in Panik irgendwo hin rannten oder flogen und dabei ums Leben kamen und dann schämt Euch!

Übrigens fing der Irrsinn gegen 3:00 Uhr wieder von Vorne an. Eine Gruppe von Leuten hatte sich wieder circa 30m vom Haus entfernt versammelt und es gab Flag-Geschütz-ähnliche Geräusche. Ich ging zum Fenster, machte es auf und schrie mir das aus der Seele, was schon den ganzen Abend raus wollte: “IHR ARSCHLÖCHER”.

Ich weiss nicht, ob es ein gutes Omen ist, andere Leute in der Neujahrsnacht als Arschlöcher zu betiteln, aber ab da war Ruhe. Kein Zischen und kein Knallen mehr. Vielleicht hätte ich es netter sagen können. Vermutlich. Ob das was gebracht hätte, bezweifle ich. Manchmal muss man deutliche Grenzen setzen. Wenn das nächstes Jahr wieder so ist, werde ich noch eins drauf setzen und rausschreien “Fickt Euch Ihr verdammten Arschlöcher”. Ich hoffe, das wird nicht nötig sein… mir macht es keinen Spaß andere zu beleidigen und das ist auch nicht meine Art. Wenn ich aber sehe, wie das Betragen dieser Menschen meinen Kater schädigt, dann werde ich zur Löwenmutter und dann legt man sich besser nicht mit mir an.

Sechs Monate später

Heute auf den Tag genau und auf die Stunde ist es ein halbes Jahr seit wir ohne Dich leben müssen. Kein liebliches Maunzen mehr, keine Zwiegespräche, kein Mäuse-Karussell, kein “Fangen und Verstecken” spielen. Niemand liegt mehr auf mir und sabbert mich des morgens voll. Wie ich es vermisse! Du fehlst so unendlich! Deine wuderschönen Kulleraugen. Die süssen “Hörnchen” aus Haaren auf Deinem Kopf. Deine wunderschönen Schnurrhaare. Dein seidiges Fell, das im Sommer immer aussah wie bei einer Rastafari. Dein unendlich goldiges Mäulchen und die schönen Pfötchen mit den “Schneeschuhen”. Wie ich es liebte, wenn Du vor mir die Treppe hoch oder herunter gelaufen bist. Wie Du immer Deine Krallen am Kratzbaum geschärft hast und dabei elegant Deinen anmutigen Körper hin und her bewegt hast. Wie Du manierlich gegessen hast. Immer eine feine Dame. Welch herrlicher Anblick es war, wenn Du auf dem Rücken lagst und Dich so wohl gefühlt hast und ich Dein Bäuchlein küssen durfte. Ich habe es so unsagbar geliebt, wenn wir am Wochenende zu sechst im Bett lagen und Du Deine Pfötchen um meinen Hals geschlungen hattest und ich Dein liebliches Schnurren gehört habe. Wie herrlich war es, als Du mit Deinen Brüdern eng aneinander gekuschelt auf meinen Beinen lagst und ihr um die Wette geschnurrt habt. Man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber sie kann nicht die Lücke schließen, die Du hinterlassen hast.

Ungefähr 2 Wochen, bevor Du uns verlassen hast, erschien mir meine verstorbene Freundin im Traum. Sie sagte mir, dass sie gekommen wäre, um Dich abzuholen. Ich sagte ihr, dass sie gehen soll und dass sie Dich niemals bekommt. Sie sagte nur sanft “Du weisst, dass es sein muss” und ging wieder.

Ja, ganz tief in mir wusste ich, dass ich Dich gehen lassen muss. Mir war klar, dass Dein Körper am Ende war und dass Dir keine Therapie mehr helfen wird.  Trotzdem war es so unsagbar schwer, das ein zu sehen. Ich habe versucht, den Tod auszutricksen oder ihm zumindest etwas Zeit abzuluchsen. Wir probierten alle möglichen Wundermittel, doch den Tod kann man leider nicht überlisten. Er sitzt am längeren Hebel. Er holt uns alle, wenn unsere Zeit abgelaufen ist, ganz gleich wie viel und wie lange wir betteln, dass er uns noch Zeit gibt.

Es hilft mir, mir vorzustellen, dass Du glücklich im “Himmel” lebst. Zu glauben, dass Du glücklich bist, macht es erträglicher. Auch wenn das Leben weiter geht, so wird es doch Verluste geben, die man nie ganz überwindet. Manche Wunden heilen auch nur oberflächlich und vernarben nur, so ganz vollständig heilen sie nie. Aber das wäre auch nicht richtig, wenn man den Verlust eines Kindes – und genau das warst Du für mich – überwinden würde und narbenlos und ohne Schmerz weiterleben würde. Schmerz und Tod gehören zu unserem Leben. Es ist vollkommen in Ordnung, dass es mir noch lange weh tun wird, an Dich zu denken. Es ist absolut OK, dass ich Dich für immer vermissen werde. Als Du gingst, ging ein Stück von mir selbst mit Dir. Ich bin nicht mehr vollständig ohne Dich, aber irgendwann werde ich es wieder sein. Wir werden uns wiedersehen mein Schatz – in einer anderen Welt werden wir wieder vereint sein. Eines Tages.

Arschlochjahre

Es gibt Jahre die sind richtige Arschlöcher. 2010, 2014 und 2015 waren solche Jahre und nun auch wieder 2018.

Arschlochjahre sind für mich Jahre, wo man geliebte Wesen verliert.

Als der Sommer seinen Höchststand hatte, herrschte in mir Spätherbst. Die Traurigkeit versuchte ich mit Parties und Trubel zu übertünchen, was natürlich nicht funktionierte. Ich wahrte nur den schönen Schein, mehr nicht.

Inzwischen sind es sechs Monate, seit ich ohne meine geliebte Seidenfellschmusemaus leben muss. Die meisten Menschen — auch in meinem Umfeld – haben es längst vergessen und sind zur Normalität übergegangen. Für mich ist es noch immer so, als ob ein Stück von mir fehlen würde. Sie ist unersetzlich und einzigartig. Niemals wird es je wieder so sein, wie zuvor. Noch immer ertappe ich mich morgens, wie ich vier Porzellanschälchen aus dem Schrank räume, obwohl ich nur noch drei benötige. Dann halte ich inne, stelle eines zurück und spüre den Verlust wieder überdeutlich.

Niemand redet mehr lieblich mit mir, niemand liegt mehr nachts auf meinem Rücken / Bauch / Hüfte / Hals. Niemand spielt Fangen und Verstecken mit mir im Haus. Kein Mäusekarusselspielzeug wird mehr benützt. Es steht sinnlos im Eck und erinnert mich an schönere Zeiten.

Ich kann mir noch immer kein Bild, geschweige denn ein Video von ihr anschauen, ohne sofort zu flennen.

Das Jahr 2018 fing mit einem Tierarztbesuch an. Damals spürte ich, dass unsere gemeinsame Zeit bald enden wird. Bis jetzt habe ich den Tod noch immer gespürt, Monate bevor er dann letztendlich kam.

Vielleicht benötigen wir Arschlochjahre in unserem Leben, damit wir Nicht-Arschlochjahre besser zu schätzen wissen. Dass wir sie nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, sondern als Geschenke, für die wir dankbar sein sollten. Ich hoffe, dass 2019 ein Nicht-Arschlochjahr sein wird.

Mein Leben unter Schweinen

eigentlich dürfte ich das nicht so schreiben, denn es ist eine Beleidigung für Schweine. Schweine sind reinliche Tiere. Ich lebe unter Dreckspatzen…ähm nein, damit tue ich den Spatzen unrecht… mir fällt keine Bezeichnung ein, die es trifft. Doch erstmal die Geschichte von Anfang an:

Wir hatten zwei süsse, manierliche Katzen, die sehr gesittet aus den Näpfen speisten und nichts versauten. Doch eines schlimmen Tages starb eine der Katzen. Die verbliebene Katze sollte nicht alleine bleiben und schon bald zogen zu unserer edlen Lady ungezogene Rüpel, die nicht essen, sondern schlichtweg alles im Streukreis von 3m um die Näpfe herum einsauen.

Im Sommer starb nun auch unsere feine Dame und es ist, als ob mit ihr auch jegliche Resthemmungen der drei kleinen Schweinchen verschwunden wären.

Die Sauerei wird jeden Tag größer. Fleischbrocken werden mit den Pfoten aus den Näpfen gefischt und dann großzügig im Haus verteilt. Jetzt, wo die Grande Dame die Flegel nicht mehr beaufsichtigen und ermahnen kann, haben sich auch die letzten Fünkchen Manieren in Luft aufgelöst.

Nicht nur das Speisezimmer sieht aus, als hätten dort Barbaren gewütet, nein auch um die Klos ist ein Streukreis von mindestens 2m.  Speziell mitten in der Nacht graben die Herrschaften gerne die Katzenklos um und scharren, dass man denken könnte, sie buddeln ein Loch nach Australien. Dann kommen sie, noch mit dem Katzenstreu an den Pfoten, ins Bett gesprungen und streifen die “Flocken” an der Bettdecke ab… ganz prima… wir leben in einem überdimensionalen Katzenklo! Katzenstreu überall!

Aber wenn sie uns einmal anschauen, mit ihren Kulleraugen, dann kann ihnen niemand böse sein und man holt einfach einen Lappen und putzt die Sauerei auf und stopft das Bettzeug in die Waschmaschine…

Alles Humbug?

Ich halte mich durchaus für einen spirituellen Menschen. Ich glaube daran, dass die materielle Welt in der wir leben, nicht alles ist. Ich bin mir sicher, dass es noch eine andere Welt gibt. Jedoch bin ich durchaus auch skeptisch gegenüber Wahrsagern, Kartenlegern, Tierkommunikatoren, Jenseitsmedien.

Ich glaube daran, dass es Menschen gibt, die bestimmte Gaben haben. Die “Geister” sehen oder fühlen können, die einen Blick in die Zukunft erhaschen, die sich in Tiere einfühlen und erkennen können, was den Tieren fehlt. Diejenigen, die das wirklich richtig gut können, sind jedoch so selten, wie andere Ausnahmetalente. Nicht jeder, der gerne Fußball spielt, wird ein Profikicker und auch die sind nicht immer erfolgreich. Genauso verhält es sich mit den Wahrsagern und Co. So manches Medium bewegt sich – um beim Fußballvergleich zu bleiben – eher auf Gerümpelturnier-Niveau anstatt Nationalspieler-Ebene.

Letzte Woche lies mir ein Medium von einer ihr unbekannten Seele ausrichten, dass ich mir 100% selbst vertrauen soll. An sich eine schöne Botschaft, aber mir fiele jetzt spontan keine Seele ein, die mir das geschickt haben könnte. Alle Verstorbenen, die ich kenne, hätten sich anders geäußert. Es hört sich nicht nach ihnen an. Wenn mir jemand ausrichten lassen hätte “Hey Schätzle, besinn Dich wieder mehr auf Dich selbst”, dann hätte ich eindeutig gewußt, dass das von meiner besten Freundin kommt. Wenn das Medium mir ausgerichtet hätte, dass ich “Mein Licht nicht unter den Scheffel stellen und ein Glas Most trinken solle”, dann hätte ich auch eindeutig gewusst, welche Seele das ist. So aber glaube ich es nicht. Es fühlt sich nicht wahr für mich an.

Eine weitere Mitteilung einer Tierkommunikatorin fühlt sich auch nicht glaubwürdig an. Sie ließ mir ausrichten, dass meine verstorbene Katze nun ein Kolibri wäre und das Fliegen genießen würde. Wenn es so wäre, würde ich mich wirklich für sie freuen, aber mein Bauchgefühl sagt mir sehr deutlich “WasnSchmarrn”. Das ist jetzt vielleicht hart, aber genau das, was ich dazu empfinde.

Ich kam zu diesen “Informationenen”, weil ich nach dem Tod meiner geliebten Katze in einer Facebook Gruppe war, wo sich trauernde Menschen gegenseitig Trost spenden. An sich eine schöne Idee, jedoch auch ein Sammelbecken für Jenseitskontakte und Tierkommunikatoren.

Ich glaube nicht, dass die Medien mich absichtlich verarschen wollen. Ich bin überzeugt, dass sie selbst an das glauben, was sie tun und sich als Sprachrohr der Seelen betrachten. Es sind keine Betrüger. Sie glauben daran. Ich jedoch nicht. Ich habe mir die Freiheit genommen, denn “Botschaftern” offen und ehrlich zu sagen, dass ich mit dem Übermittelten nichts anfangen kann und dass es sich für mich nicht authentisch anfühlt. Als Antwort bekam ich, dass die Nachrichten durchaus schlüssig wären und in meinem Inneren schrie es wieder ganz laut “WasnSchmarrn!” Ich bin jetzt aus der Gruppe ausgetreten und es geht mir sehr gut damit. Die Trauer um meinen Liebling hält an und durchläuft die üblichen Phasen des Trauerns. Das gehört leider zum Leben dazu und da muss man durch. Oder wie es der Pfarrer auf der Beerdigung meines Vaters formulierte: es gibt eine Zeit des Weinens und eine Zeit des Lachens…

Ein Seelenbild für meine geliebte MissC

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Eines der Herzwolkenbilder, die ich in den vergangenen Tagen fotografiert habe, habe ich mit einem Bild meiner MissC übereinandergelegt um eine Doppelbelichtung zu erzeugen. Das Ergebnis seht Ihr hier. Ich finde, es ist mir gut gelungen, meine MissC als Engel in der Anderswelt darzustellen.  Es fühlt sich an, als ob sie mir gezeigt hätte, welche Bilder ich am besten kombinieren kann. Meine süsse sanfte Schmusemaus. Wie sehr vermisse ich Dich, doch in diesem Bild bist Du mir wieder nah.

Wo bist Du jetzt?

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Meine älteste Katzentochter starb am 27. Juni 2018. Seither glaube ich, sie um mich zu spüren und einmal glaubte ich sogar sie zu sehen. Ich spüre ihre Präsenz um mich und des nachts bilde ich mir ein, dass ich sie auf meinem Rücken liegen spüre, wie zu ihren Lebzeiten.

Ich bilde mir ein, dass sie mir Zeichen sendet. Eine Eintagsfliege, die sehr anhänglich war und nicht mehr von meiner Hand weg flog. Ein kleiner Vogel, der fröhlich auf ihrem Grab auf und ab hüpfte und vorgestern ein Lichtschwall aus einer Wolke – am sonst bedeckten Himmel – genau in dem Moment, als ich über sie sprach.

Einen Tag nach ihrem Tod hat mich einer der Kater genau so geküsst, wie sie es morgens immer gemacht hat. Das hat er zuvor noch nie getan. Keine der anderen drei Katzen liegt auf den Plätzen, auf denen sie gerne lag. Sie meiden sie. Als sie noch in ihrem Körper bei uns war, lagen auch die Kater oft auf dem Kissen neben dem Bett, aber seit sie ihren Körper verlassen hat, ging keiner der beiden mehr dort hin. Überhaupt verhalten sich die anderen als ob nichts geschehen wäre, als ob alles genauso ist, wie vorher. Ist das so, weil sich für sie tatsächlich nichts verändert hat? Können sie MissC sehen und wissen, dass sie noch da ist und es macht einfach keinen Unterschied für sie, ob sie noch ihren festen Körper hat, oder nicht?

Bilde ich mir das alles ein und ich suche nach Zeichen und interpretiere alles Mögliche in das Verhalten der anderen Katzen hinein? Mag sein, aber selbst wenn ich mir das alles einbilde, ist es doch gleich. Solange es mir Trost gibt und es mir guttut dass ich glaube, sie um mich zu spüren ist es vollkommen gleichgültig, ob es real ist oder nicht.

Summertime Sadness

Normalerweise liebe ich den Sommer. Laue Nächte, schöne Tage. Dieses Jahr haben wir einen besonders schönen Sommer. Doch genießen kann ich ihn nicht so wirklich. Nach außen hin spiele ich Normalität, weil Normalität so etwas wie ein Anker ist, der mich nicht komplett in den Strudel aus Schmerz und Vermissen treiben lässt. Am besten beschreibt wohl ein Lied-Titel von REM meinen derzeitigen Zustand “Imitation of life”. Ich tue so, als wäre alles normal, doch in meinem Herzen herrscht November. Manchmal mit viel Nebel, manchmal eisig, manchmal noch mit wärmenden Sonnenstrahlen, aber dennoch Spätherbst mit viel Regen und Wind.

Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Kleine noch um mich ist, dann sind das Momente des Trostes, doch dann gibt es wieder Augenblicke, wo ich von einer Sekunde zur Anderen aus Verzweiflung in Tränen ausbreche.

Ich kann mich manchmal in “Nichtwahrhabenwollen” flüchten, doch dieser Rückzugsort ist trügerisch und instabil. Umso schneller rutsche ich zurück ins harte Realitätsland zurück.

Viele sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber manche heilen nie so wirklich. Sie vernarben vielleicht, doch richtig heilen werden sie nicht. Ich wusste, dass ich vermutlich alle meine Katzenkinder überleben werde und sie alle auf ihrem letzten Weg begleiten muss. Ich muss sie gehen lassen und kann nichts dagegen tun, denn der Tod ist nicht verhandelbar. Das ist der Preis, den ich zahle für jahrelange bedingungslose Liebe und unsägliches Glück. Es gab keinen Tag, wo ich meiner Prinzessin nicht gesagt habe, wie sehr ich sie liebe und wo ich nicht gespürt hätte, dass auch sie mich liebt.

Manchmal quäle ich mich selbst mit Bildern und Videos für die es eigentlich noch viel zu früh ist, sie anzuschauen. Allein bei dem Gedanken daran heule ich schon wieder. Doch wie sagte unsere Tierheilpraktikerin so schön: “Auf Tränen reist es sich leichter”. In diesem Sinne: Gute Reise meine kleine Seidenfellschmusemaus.