Menschen und Tiere

Im Volksmund heißt es, dass Menschen ihren Haustieren mit der Zeit immer ähnlicher werden. Man konnte dieses Phänomen gut an den alten Damen mit ihren Pudeln beobachten, die früher oft im Fernsehen kamen. Es begegnen einem auch in der Stadt ab und an Menschen mit ihren Hunden, wo man denkt “Die sehen sich echt verblüffend ähnlich”. Meist haben sie die selbe “Frisur” oder die Mimik gleicht sich.

Ich habe auch schon Eigenschaften meiner tierischen Kinder übernommen. Im Moment bin ich krank und schlafe sehr viel. 16 Stunden Schlaf kommen dem Schlafturnus einer Katze ziemlich nahe. Wir liegen zu viert oder fünft im Bett und dösen, stehen nur kurz auf um menschlichen und tierischen Bedürfnissen nachzugehen und legen uns wieder hin.

Ich könnte mich an ein Leben als Katze gewöhnen. Ich wäre ein prima Haustier. Vielleicht sollte ich mir das für meine nächste Inkarnation vormerken. Allerdings vielleicht doch lieber als Kaninchen, damit ich mich weiterhin pflanzlich ernähren kann. Als Katze wird das schwierig.

Welchem meiner Kinder gleiche ich? Ich hoffe meiner Tochter. Nicht dass die Söhne weniger schön wären. Sie sind alle wunderbar und von einzigartiger Schönheit. Den Jungs ist ihr Aussehen weitgehend egal. Dem Mädchen nicht. Ja, selbst bei Katzen ist das so. Sie weiss, dass sie schön ist. Sie ist taff. Furchtlos und elegant. Ich wäre gerne wie meine Katzentochter und ich kann viel von ihr lernen. Sie weiss einfach wer und was sie ist: Meine wunderschöne Prinzessin. Wenn Besuch kommt ist sie die einzige, die keine Angst hat und neugierig die Leute begutachtet. Sie setzt sich dann in Pose,  damit die Besucher sie bewundern können.

Meine Oma erzählte mir immer, dass einer meiner ersten deutlich verständlichen Sätze als Kleinkind “Ich bin eine Katze” gewesen wäre. Vielleicht war ich in meinem vorherigen Leben eine Katze, wer weiss. Das würde meine Affinität zu diesen anmutigen Wesen erklären. Ich liebe alle Tiere (ok, bis auf viele Insekten und Spinnen, die sind nicht so meine Favoriten…), aber ganz speziell Katzen. Ein Blick in diese wundervollen Augen und es geht mir gleich viel besser. Sie spüren auch, wenn es mir nicht gut geht und kuscheln sich extra eng an mich, um mich zu beschnurren. Dem Schnurren werden heilende Fibrationen nachgesagt. Es ist so eine Art Katzen-Mantra. SchnurrSchnurrSchnurr. Mit solch kompetenten Pflegekräften werde ich immer schnell wieder gesund.

Barf

Auf anraten unserer Tierheilpraktikerin bestellten wir fertige Barf Menüs zum probieren für unsere Mietzekatzen. Seit wir diese Rohfleischgerichte füttern, stinken die Kater wie Sau. Das Mädchen riecht komischerweise noch immer wie frisch parfümiert.

Fairerweise muss man sagen, dass die Jungs immer etwas “kerniger” riechen, oder wie Austin Powers es ausdrückte “Es riecht ein wenig nussig”. “Nussig” ist in unserem Fall eine nettere Umschreibung für “Stinkt wie Gülle” oder “Der Schwefelgeruch in der Hölle muss ähnlich sein”.

Wir hoffen inständig, dass sich die Verdauung der Herren bald normalisiert und wir das Futter weiter füttern können, weil es eben doch artgerechter ist, als die Fertigdosen. Man muss aber auch sagen, dass das öffnen der Menüs schon eine riesen Sauerei ist. Natürlich könnten wir unsere Barfmischungen auch selber herstellen und Fleisch beim Metzger kaufen und Supplemente hinzufügen… aber ganz ehrlich… wenn ich schon beim Geruch von Byond Burgern einen Brechreiz bekomme, dann kotze ich bei ner Schüssel Frischfleisch ganz sicher. Vorallem, wenn ich es noch selbst zusammenmanschen müsste. Bei aller Liebe, aber das wäre Folter für mich. Die fertigen Barfmenüs sind schon schlimm genug.

Die Akzeptanz der Herren dem neuen Futter gegenüber wird jeden Tag geringer. Wir haben nun nochmals ein Probepaket eines anderen Herstellers bestellt. Insgesamt ist es damit das vierte Probepäckchen, welches wir in den letzen zwei Wochen bestellt haben. Bis jetzt fielen alle durch. Wenn die gnädigen Herren und die gnädige Dame das Futter nicht anrühren und lieber vorm vollen Napf verhungern würden, ist auch nichts gewonnen.

Und ja, ich gebe es zu: Unsere Kinder sind sehr verwöhnt um nicht zu sagen regelrecht verzogen, aber wenn sie einen einmal anschauen mit ihren Kulleraugen…

Unter Barbaren

Ich liebe meine Katzenkinder, ich liebe sie aufrichtig und bedingungslos und doch muss ich heute was los werden: Sie sind Barbaren. Wenn sie ihre Mahlzeiten speisen, dann ist das kein gesittetes essen aus den Näpfen, sondern das Futter wird mit den Pfoten erst einmal einige Zentimeter weit geschleudert, dann wird es mit den Mäulern großzügig auf dem Boden verschmiert. Der gesamte Speisesaal wird bei jeder Mahlzeit auf diese Art eingesaut.

Als wir heute vom Einkaufen heim kamen, hatten sie das neue Futter, das ich ihnen auf anraten unserer Tierheilpraktikerin bestellt hatte, in einem Streukreis von vier Metern im Raum verstreut und weil das noch nicht reichte, hatten sie auch noch auf den wenigen freien Flächen ihre Haarballen raus gewürgt. Der gesamte Raum war also mit halb angetrockneten Fleischresten und Kotzlachen “verziert”. Nach einer halben Stunde war das Elend zwar beseitigt, aber die Herrschaften werden heute noch mehrfach Nahrung einfordern und danach wird es wieder so ausschauen. Zumindest was die Essensreste betrifft. Kotzen werden sie eine Weile nicht mehr, das machen sie nur alle paar Wochen.

Sie verteilen ihre Streu ebenso großzügig wie ihr Fressen. Auch hier ist ein Streukreis von mehreren Metern keine Besonderheit. Egal wie groß die Toiletten sind und sie sind wirklich riesig. Dabei wird des öfteren nicht nur Streu heraus geschleudert, sondern dunkelbraune längliche Teile, die ganz sicher keine Duplos sind.

Wir hatten tatsächlich mal über eine Putzhilfe nachgedacht, aber dieses Projekt wurde seitens der Putzkraft nach einer Besichtigung unseres Heims eingestellt, weil einer unserer Kater vor ihren Augen einen riesen Haufen ins Klo setzte und sie entrüstet die Nase rümpfte. Ich bezweifle, dass es bei der guten Frau auf dem Klo nach Rosen duftet. Man kann sich auch anstellen.

Natürlich wäre unser Haus ohne die Kleinen sauberer, aber unser Leben wäre um so vieles ärmer. Egal wie viel Dreck sie machen, das was sie dafür geben ist jede Putzerei wert. Sie sind die herrlichsten Geschöpfe, die man sich vorstellen kann auch wenn sie keinerlei Manieren haben.

Immer dieser Speziezismus

Wir haben am 14. Februar diesen Jahres einen süssen Kater aus dem Tierschutz adoptiert. Er ist geschätzt 2-4 Jahre alt und einfach nur drollig. Er schaut, als ob er alles wüsste und hoppelt die Treppe rauf und runter wie ein Hase. Er ist soooo unsagbar flauschig. Er ist hochintelligent und kann alle Türen öffnen sowie die Leckerli aus dem Katzenspielzeug fischen. Er legt sich gerne auf den Rücken, streckt dabei die Pfoten in die Höhe und will seinen plüschigen Bauch gekrault haben. Dabei schleckt er unsere Finger ab und schnurrt. Er ist einfach ein Goldstück! Ich liebe dieses unendlich goldige Wesen!

Ganz wenige unserer Freunde und noch weniger Familienmitglieder haben ihn bis jetzt kennen gelernt.  Wenn ein Kind geboren oder adoptiert wird ist das Trara groß. Da gibt es Besuch ohne Ende und jeder bringt Geschenke mit. Aber wenn ein neues Katzenkind ins Haus kommt, dann ist das für die meisten Freunde oder Familienmitglieder anscheinend irrelevant.

Für uns sind unsere Katzen Familie. Unsere Kinder. Ich habe den Tod unserer ältesten Tochter letztes Jahr am 27.06. noch immer nicht verkraftet und sie wird immer fehlen. Sie war nicht “nur ein Tier”. Es sind eigenständige Persönlichkeiten mit Eigenarten, Macken und unterschiedlichen Interessen. Unsere Katzentochter spielt zum Beispiel total gerne. Sie ist die geborene Jägerin mit schnellen Reflexen. Sie ist sportlich und flink. Während die Kater eher träge und gemütlich sind. Zwei der Kater sind auch sehr verspielt, während einer ausschließlich schmusen will. Am allerliebsten den ganzen Tag. Er weckt mich nachts öfter mal, nur um mit mir zu knuddeln. Er schlüpft dann unter meine Decke und schmiegt sich an mich und ich muss ihn in den Arm nehmen. Dann ist er selig und schläft wieder ein. Der rote Kater schläft am allerliebsten an meine Beine geschmiegt. Körperkontakt muss aber immer sein. Das Mädchen ist schön und sie weiss es auch. Wenn Besuch da ist, setzt sie sich oft in “Pose”. Der gefleckte Kater heischt immer nach Aufmerksamkeit wenn Besuch im Haus ist. So nach dem Motto: “Seht her, was ich alles kann”. Dann springt er von der Küchentheke auf den Kratzbaum und auf den Tisch wie ein kleines Äffchen.

Ich könnte mir keine schöneren Kinder vorstellen. Ganz egal, ob andere in ihnen “nur Tiere” sehen, die nicht so viel wert sind wie Menschenkinder und in deren Augen nicht “gleichwertig” sind. Ich liebe sie genauso wie ich ein leibliches Kind geliebt hätte.

Es tut mir weh, dass mein kleiner Sohnemann nicht so interessant ist, wie es ein Menschenkind wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle schon lange da gewesen wären, wenn er ein Menschenbaby wäre. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif, dass Tiere gleichwertig behandelt und angesehen werden. Jedoch ist der Same gesäet und ich bin überzeugt, dass es einmal eine Zeit geben wird, wo sich das grundlegend ändern wird. Vermutlich nicht mehr zu meiner Lebzeit, aber es wird einen Wandel geben. Ich werde mich in Sanftmut und Geduld üben. Es reicht für`s Erste, wenn ich weiss, dass meine Kinder gleichwertig sind.

Der Zauberer zog ein

Vor drei Wochen zog unser neues Adoptivkind Merlin bei uns ein. Es ist ein flauschiges Zauberwesen, den wir über den Tierschutz der Nachbarstadt gefunden haben.

Der Name des großen Zauberers, den er trägt, passt perfekt, denn der kleine Mann hat viele Talente.

Er kann Türen öffnen indem er mit vollem Gewicht auf die Klinke springt und sie mit den Pfoten nach unten drückt.. Er hat kürzlich tagsüber die elektronische Jalousie ausgefahren – vermutlich war es ihm zu grell – und er kann Harfe spielen. Aus Ermangelung einer echten Harfe legt er sich auf dem Rücken unter das Bett und zupft mit seinen Pfoten an den Metallstreben des Lattenrosts. Er kann ebenfalls mit Plüschtieren jonglieren. Er legt sich auch dazu wieder auf den Rücken und wirft die Plüschtiere mit den Pfoten in die Luft und fängt sie wieder auf.

Der Zauberer hat einen allwissenden Blick, so als ob er nicht von dieser Welt wäre. Er hat uns im Handumdrehen verzaubert.

Schon beim ersten Blick auf ihn in der Tageszeitung, wo ein Zuhause für ihn gesucht wurde, war es um uns geschehen. Wir wussten: Der gehört zu uns.  Wir sind gespannt, welche Zaubertricks er noch auf Lager hat.

Wenn ich die Weltherrschaft endlich an mich gerissen habe…

…dann werde ich als eine meiner ersten Amtshandlungen Silvesterfeuerwerke verbieten.

Unser ältester Kater sass seit Mitternacht unter dem Bett und traute sich ewig nicht mehr hervor!

Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo das Verhalten andere schädigt. Für ein bißchen “Vergnügen” leiden unzählige Tiere.

Mir geht das Geböllere so massiv auf den Geist. Draussen sieht es aus, wie im dichtesten Nebel, aber ein beinahe neuwertiger Diesel darf nicht mehr in die nächstgelegene Großstadt fahren, aufgrund des exorbitanten Feinstaub. An Silvester juckt das kein Schwein. Es werden unbekümmert und gedankenlos Millionen in die Luft geballert und alles was Pfoten, Hufe, Flossen und Krallen hat wird in Angst und Schrecken versetzt, weil man “Sich den Spass nicht nehmen lassen will”.

Das ist kein “Spaß”. Es ist Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung, Tierquälerei und grob fahrlässig.

Das “Spektakel” fing schon um 19:30 an, weil die Familien mit mittelgroßen Kindern das Elend vorziehen, weil die lieben Kleinen nicht bis zur Geisterstunde durchhalten. Das ging so circa eine Stunde mit Krachern und zischenden Raketen. Um halb 12 fingen die Übereifrigen an oder diejenigen, die zu blöd sind, die Uhr zu lesen – vielleicht auch beides, wer weiß das schon.

Das dauerte an bis circa 1:00 Uhr. Ebenfalls wieder mit Knallfröschen, Zischraketen und Böllern. Man sah kaum mehr das Nachbargebäude. Der Müll wird einfach auf der Straße liegen gelassen, darum müssen sich Morgen die Stadtwerke kümmern.

Der Unfug fing ungefähr 30 Meter vom Haus entfernt an, aber man hätte meinen können, es wäre direkt vor unserer Haustüre. Es war unheimlich laut, obwohl wir alle Jalousien zu hatten.

Wir dachten, es hilft den Katzenkindern, wenn wir bei ihnen sind und sie beruhigen und so war es bei Zweien auch. Nicht so bei unserem Kater aus dem spanischen Tierschutz. Er war dort angeschossen worden und hat noch zwei der drei Diabolo-Kugeln im Bauch. Er hatte schreckliche Angst und das macht mich wütend. Er hat in seinem Leben schon genug Furchtbares erlebt und muss nicht jedes Jahr aufs Neue wieder an sein Trauma erinnert werden, nur weil manche sich ihre “Silvestertradition” nicht nehmen lassen wollen.

Lest mal die nächste Zeit, wieviele Tiere heute starben, weil sie in Panik irgendwo hin rannten oder flogen und dabei ums Leben kamen und dann schämt Euch!

Übrigens fing der Irrsinn gegen 3:00 Uhr wieder von Vorne an. Eine Gruppe von Leuten hatte sich wieder circa 30m vom Haus entfernt versammelt und es gab Flag-Geschütz-ähnliche Geräusche. Ich ging zum Fenster, machte es auf und schrie mir das aus der Seele, was schon den ganzen Abend raus wollte: “IHR ARSCHLÖCHER”.

Ich weiss nicht, ob es ein gutes Omen ist, andere Leute in der Neujahrsnacht als Arschlöcher zu betiteln, aber ab da war Ruhe. Kein Zischen und kein Knallen mehr. Vielleicht hätte ich es netter sagen können. Vermutlich. Ob das was gebracht hätte, bezweifle ich. Manchmal muss man deutliche Grenzen setzen. Wenn das nächstes Jahr wieder so ist, werde ich noch eins drauf setzen und rausschreien “Fickt Euch Ihr verdammten Arschlöcher”. Ich hoffe, das wird nicht nötig sein… mir macht es keinen Spaß andere zu beleidigen und das ist auch nicht meine Art. Wenn ich aber sehe, wie das Betragen dieser Menschen meinen Kater schädigt, dann werde ich zur Löwenmutter und dann legt man sich besser nicht mit mir an.

Sechs Monate später

Heute auf den Tag genau und auf die Stunde ist es ein halbes Jahr seit wir ohne Dich leben müssen. Kein liebliches Maunzen mehr, keine Zwiegespräche, kein Mäuse-Karussell, kein “Fangen und Verstecken” spielen. Niemand liegt mehr auf mir und sabbert mich des morgens voll. Wie ich es vermisse! Du fehlst so unendlich! Deine wuderschönen Kulleraugen. Die süssen “Hörnchen” aus Haaren auf Deinem Kopf. Deine wunderschönen Schnurrhaare. Dein seidiges Fell, das im Sommer immer aussah wie bei einer Rastafari. Dein unendlich goldiges Mäulchen und die schönen Pfötchen mit den “Schneeschuhen”. Wie ich es liebte, wenn Du vor mir die Treppe hoch oder herunter gelaufen bist. Wie Du immer Deine Krallen am Kratzbaum geschärft hast und dabei elegant Deinen anmutigen Körper hin und her bewegt hast. Wie Du manierlich gegessen hast. Immer eine feine Dame. Welch herrlicher Anblick es war, wenn Du auf dem Rücken lagst und Dich so wohl gefühlt hast und ich Dein Bäuchlein küssen durfte. Ich habe es so unsagbar geliebt, wenn wir am Wochenende zu sechst im Bett lagen und Du Deine Pfötchen um meinen Hals geschlungen hattest und ich Dein liebliches Schnurren gehört habe. Wie herrlich war es, als Du mit Deinen Brüdern eng aneinander gekuschelt auf meinen Beinen lagst und ihr um die Wette geschnurrt habt. Man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber sie kann nicht die Lücke schließen, die Du hinterlassen hast.

Ungefähr 2 Wochen, bevor Du uns verlassen hast, erschien mir meine verstorbene Freundin im Traum. Sie sagte mir, dass sie gekommen wäre, um Dich abzuholen. Ich sagte ihr, dass sie gehen soll und dass sie Dich niemals bekommt. Sie sagte nur sanft “Du weisst, dass es sein muss” und ging wieder.

Ja, ganz tief in mir wusste ich, dass ich Dich gehen lassen muss. Mir war klar, dass Dein Körper am Ende war und dass Dir keine Therapie mehr helfen wird.  Trotzdem war es so unsagbar schwer, das ein zu sehen. Ich habe versucht, den Tod auszutricksen oder ihm zumindest etwas Zeit abzuluchsen. Wir probierten alle möglichen Wundermittel, doch den Tod kann man leider nicht überlisten. Er sitzt am längeren Hebel. Er holt uns alle, wenn unsere Zeit abgelaufen ist, ganz gleich wie viel und wie lange wir betteln, dass er uns noch Zeit gibt.

Es hilft mir, mir vorzustellen, dass Du glücklich im “Himmel” lebst. Zu glauben, dass Du glücklich bist, macht es erträglicher. Auch wenn das Leben weiter geht, so wird es doch Verluste geben, die man nie ganz überwindet. Manche Wunden heilen auch nur oberflächlich und vernarben nur, so ganz vollständig heilen sie nie. Aber das wäre auch nicht richtig, wenn man den Verlust eines Kindes – und genau das warst Du für mich – überwinden würde und narbenlos und ohne Schmerz weiterleben würde. Schmerz und Tod gehören zu unserem Leben. Es ist vollkommen in Ordnung, dass es mir noch lange weh tun wird, an Dich zu denken. Es ist absolut OK, dass ich Dich für immer vermissen werde. Als Du gingst, ging ein Stück von mir selbst mit Dir. Ich bin nicht mehr vollständig ohne Dich, aber irgendwann werde ich es wieder sein. Wir werden uns wiedersehen mein Schatz – in einer anderen Welt werden wir wieder vereint sein. Eines Tages.

Arschlochjahre

Es gibt Jahre die sind richtige Arschlöcher. 2010, 2014 und 2015 waren solche Jahre und nun auch wieder 2018.

Arschlochjahre sind für mich Jahre, wo man geliebte Wesen verliert.

Als der Sommer seinen Höchststand hatte, herrschte in mir Spätherbst. Die Traurigkeit versuchte ich mit Parties und Trubel zu übertünchen, was natürlich nicht funktionierte. Ich wahrte nur den schönen Schein, mehr nicht.

Inzwischen sind es sechs Monate, seit ich ohne meine geliebte Seidenfellschmusemaus leben muss. Die meisten Menschen — auch in meinem Umfeld – haben es längst vergessen und sind zur Normalität übergegangen. Für mich ist es noch immer so, als ob ein Stück von mir fehlen würde. Sie ist unersetzlich und einzigartig. Niemals wird es je wieder so sein, wie zuvor. Noch immer ertappe ich mich morgens, wie ich vier Porzellanschälchen aus dem Schrank räume, obwohl ich nur noch drei benötige. Dann halte ich inne, stelle eines zurück und spüre den Verlust wieder überdeutlich.

Niemand redet mehr lieblich mit mir, niemand liegt mehr nachts auf meinem Rücken / Bauch / Hüfte / Hals. Niemand spielt Fangen und Verstecken mit mir im Haus. Kein Mäusekarusselspielzeug wird mehr benützt. Es steht sinnlos im Eck und erinnert mich an schönere Zeiten.

Ich kann mir noch immer kein Bild, geschweige denn ein Video von ihr anschauen, ohne sofort zu flennen.

Das Jahr 2018 fing mit einem Tierarztbesuch an. Damals spürte ich, dass unsere gemeinsame Zeit bald enden wird. Bis jetzt habe ich den Tod noch immer gespürt, Monate bevor er dann letztendlich kam.

Vielleicht benötigen wir Arschlochjahre in unserem Leben, damit wir Nicht-Arschlochjahre besser zu schätzen wissen. Dass wir sie nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, sondern als Geschenke, für die wir dankbar sein sollten. Ich hoffe, dass 2019 ein Nicht-Arschlochjahr sein wird.

Mein Leben unter Schweinen

eigentlich dürfte ich das nicht so schreiben, denn es ist eine Beleidigung für Schweine. Schweine sind reinliche Tiere. Ich lebe unter Dreckspatzen…ähm nein, damit tue ich den Spatzen unrecht… mir fällt keine Bezeichnung ein, die es trifft. Doch erstmal die Geschichte von Anfang an:

Wir hatten zwei süsse, manierliche Katzen, die sehr gesittet aus den Näpfen speisten und nichts versauten. Doch eines schlimmen Tages starb eine der Katzen. Die verbliebene Katze sollte nicht alleine bleiben und schon bald zogen zu unserer edlen Lady ungezogene Rüpel, die nicht essen, sondern schlichtweg alles im Streukreis von 3m um die Näpfe herum einsauen.

Im Sommer starb nun auch unsere feine Dame und es ist, als ob mit ihr auch jegliche Resthemmungen der drei kleinen Schweinchen verschwunden wären.

Die Sauerei wird jeden Tag größer. Fleischbrocken werden mit den Pfoten aus den Näpfen gefischt und dann großzügig im Haus verteilt. Jetzt, wo die Grande Dame die Flegel nicht mehr beaufsichtigen und ermahnen kann, haben sich auch die letzten Fünkchen Manieren in Luft aufgelöst.

Nicht nur das Speisezimmer sieht aus, als hätten dort Barbaren gewütet, nein auch um die Klos ist ein Streukreis von mindestens 2m.  Speziell mitten in der Nacht graben die Herrschaften gerne die Katzenklos um und scharren, dass man denken könnte, sie buddeln ein Loch nach Australien. Dann kommen sie, noch mit dem Katzenstreu an den Pfoten, ins Bett gesprungen und streifen die “Flocken” an der Bettdecke ab… ganz prima… wir leben in einem überdimensionalen Katzenklo! Katzenstreu überall!

Aber wenn sie uns einmal anschauen, mit ihren Kulleraugen, dann kann ihnen niemand böse sein und man holt einfach einen Lappen und putzt die Sauerei auf und stopft das Bettzeug in die Waschmaschine…