Ich bin sehr oft nicht ethisch korrekt, arbeite aber daran

Ich würde am liebsten nur Biogemüse und Obst kaufen. Überhaupt nur vegane Bio-Lebensmittel. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Ich war heute im Biomarkt und versuchte weitgehend plastikfrei und nur bio einzukaufen. Habe ich auch fast geschafft und ich kam mit 4 Pizzen (die sind leider noch in Kunststofffolie eingepackt, aber wir bekamen nach der Arbeit Besuch und ich hatte keine Zeit mehr zum kochen, weil es spät geworden war, weshalb ich auf die veganen Fertigpizzen zurück greifen musste), einem Kopfsalat, einer Zucchini, einer Thai-Erdnusssoße im Glas, einem veganen Nagellack, einer Schale Erdbeeren (250g für 3,95€ sind schon recht happig, aber hey, es ist schließlich Sommer und Erdbeerzeit, da gönnt man sich das schon mal) und einem Glas veganer Mayo zur Kasse. Dort angekommen sagte die Kassiererin “macht dann 39,8o€” und ich bekam Schnappatmung. WTF???

In selbigem Biomarkt gibt es ein veganes Magazin gratis – wenigstens etwas. Dort wurde ein Shop vorgestellt, der zwar wirklich schöne Bekleidung hat, aber die hübschen Sachen sprengen leider mein Budget. Ok, ich könnte es mir schon leisten ein paar Stücke zu kaufen, wenn ich mich stark einschränken würde und einfach insgesamt weniger Klamotten kaufen würde. Das jedoch ist mein absolutes Guilty Pleasure. Ich liebe Mode. Wenn ich alles in fairtrade, bio und vegan kaufen würde, dann wäre ich bei meinem Konsum bald bettelarm. Natürlich würden auch je ein paar Sandalen, Stiefel, Halbschuhe, Sneakers reichen und 5 Kurzarm- und Langarmshirts und Blusen und eine Jeans und zwei Stoffhosen, zwei Shorts, zwei Röcke und zwei Kleider. Wäre machbar, aber wer will das schon? Ich nicht. Ich liebe es, mich jeden Tag nach Stimmung zu kleiden und ich habe viele Klamotten wirklich schon seit sehr vielen Jahren. 50% Secondhand oder mit Freundinnen getauscht und viele “Aus alt mach neu” Teile, die ich aufgepeppt habe. Dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich habe objektiv betrachtet viel zu viel Zeugs. Ich habe garantiert 40 paar Schuhe, unzählige Shirts, mindestens 30 Kleider und ebenso viele Röcke, 5 Shorts und so um die 7 Hosen (Hosen sind nicht so mein Ding), von Schals, Halstüchern, Taschen und Schmuck ganz zu schweigen. Die meisten Sachen davon mag ich auch echt total gerne, andere wiederum benötige ich für Artbeitsevents und weitere Sachen sind einfach zweckmässig.

Ich nehme mir immer wieder vor, eine zeitlang nichts mehr zu kaufen, doch dann finde ich wieder etwas, was ich total schön finde… ein Teufelskreis, aus dem ich gerne aussteigen würde, doch ich mag es zu gerne, mich in schöne, ausgefallene und aussergewöhnliche Klamotten zu hüllen.

Ich bin zum Beispiel absolut keine “Deko-Tante”. Dekorationsstücke sind für mich überwiegend Staubfänger und ich mag es eher minimalistisch. Auch zu viele Bilder an den Wänden wäre nicht mein Stil, auch hier ist weniger mehr. Nur bei Klamotten, Schuhen und Schmuck… wobei Schuhkauf bei mir auch sehr schwierig ist. Ich habe riesige Füsse noch dazu mit einem stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuß. Die Schuhe müssen aus tierleidfreien Materialien sein UND schön ausschauen, was es sehr sehr schwer macht, ansprechende Modelle zu finden.

Mein besonderes “Steckenpferd” sind Abendkleider. Ich liebe Ballkleider, Roben, elegante Glitzerfummel. Keine Ahnung, wann ich die tragen kann, aber ich habe sie alle im Schrank. Manchmal ziehe ich sie einfach so an und flaniere damit durch den Garten.

Natürlich könnte ich auf weitere Anschaffungen verzichten, weil ich schon genug Krimskrams habe und wirklich auf Jahre hinaus nichts neues benötige… diesen Vorsatz habe ich, die Frage ist nur, wie lange ich ihn durchhalten kann. Das ist schwerer als keine tierischen Produkte zu konsumieren. Das fiel mir sehr leicht. Fleisch und Wurst mochte ich noch nie so wirklich und auch Milch und Milchprodukte gehörten nicht zu meinen Favoriten. Darauf zu “verzichten” war eher eine Befreiung.

Bei schöner Fashion ist das etwas anderes. weshalb es mir deutlich schwerer fällt, darauf zu verzichten. Natürlich gibt es vegane fair Trade Mode, doch sind das meistens zeitlose Basic-Teile. Das macht ja auch durchaus Sinn, nichts schnelllebiges zu produzieren, dennoch ist mir das in den meisten Fällen zu langweilig. Wenn ich in einem Online Shop stöbere, der vegane fair gehandelte organische Bekleidung anbietet, dann schätze ich das sehr, aber es trifft zu mindestens 90% nicht meinen Geschmack.

Ich gebe zu, dass ich schon mehrfach bei asiatischen Onlineshops bestellt habe. Ich mag den Style. ich mag meine weiße Bluse mit Kirschen drauf. Ich stehe auf mein Erdbeerkleid und ich finde das weisse Top aus weißer Lochspitze  mit Schößchen echt süss. Und dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich es bestellt habe.

Ich habe mir vor genommen, wenn ich rückfällig werde und mir was zum anziehen kaufe, dann erlaube ich mir selbst nur noch in der kleinen italienischen Boutique einzukaufen, in der ich schon so oft wirklich zuckersüsse Teile erstanden habe. Alles dort ist “Made in Italy” und nicht aus China. Zwar nicht bio oder fairtrade, aber ich habe ein besseres Gefühl, es zu kaufen, wenn es in Europa produziert wurde. Vermutlich lüge ich mir damit selbst in die Tasche. Noch bin ich eine “Süchtige” und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich wieder etwas kaufen werde… aber der gute Vorsatz ist ein Anfang. Ich habe meinen Konsum enorm reduziert und das ist doch auch schon etwas und besser als nichts zu tun.

Goodydoo

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Heute kam mein wunderschönes Armband von Goodydoo. Goodydoo ist ein Projekt des Tierschutz-Shops, welcher gemeinützige Tierschutzvereine unterstützt. Im Shop gibt es eine große Auswahl an Armbänder. Ich habe mich für dieses farbenfrohe Unikat entschieden. Die Armbänder werden in reiner Handarbeit gefertigt und es gibt sie mit oder ohne Pfotenanhänger. Es ist nicht nur ein schönes Schuckstück, ich habe mit dem Kauf auch dazu beigetragen, dass in den Tierheimen die Näpfe gefüllt werden.

I am enough

Ich las heute einen Spruch, der etwas in mir ausgelöst hat. Es war “I am enough”.

So oft in meinem Leben befand ich mich selbst als nicht gut genug, nicht erwachsen genug, nicht spirituell genug. Oft hadere ich mit mir und nörgle an mir selber herum. Dass ich endlich am Bauch abnehmen muss, dass ich keinen Kaffee mehr trinken sollte, dass ich nichts mehr Süsses essen darf, dass ich weniger Klamotten kaufen sollte, dass ich endlich etwas Vernünftiges mit meinem Leben anfangen soll.  Dabei bin ich vollkommen ok, so wie ich bin, mit all meinen Schwächen und Fehlern. I am enough – ich bin genug. Schlau genug, erleuchtet genug, dünn genug, gesund genug. Genau so, wie ich bin.

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Fairy Land

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Gestern war ich auf einer Faschingsveranstaltung und war als “Holla die Waldfee” verkleidet.  Dort traf ich Saloon Girls, Kreuzritter, Rotkäppchen, Frösche, Froschköniginnen, Clowns, Vampire, Meerjungfrauen, Robin Hoods und Captain Kirks. Die Meisten sahen großartig aus. Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich einfach mal im Juni als Waldfee verkleidet rumlaufen würde. Vermutlich würde meine Umwelt mich endgültig für total durchgeknallt erklären.  Aber warum eigentlich nicht? Ungefähr zwei Wochen lang ist es total normal, sich als irgendwas zu verkleiden, aber wenn man das zu einer anderen Zeit macht, riskiert man, in der Klapse zu landen. Es ist ein willkürlich festgelegter Zeitrahmen, in dem man “verrückt” sein darf und sich seltsam kleiden kann. Höchstens noch an Halloween. Aber im Juni oder im August? Total verrückt. Vermutlich werde ich mich nicht ganz trauen, im Rest vom Jahr als Holla herumzustolzieren, aber das Haarband und ab und an einen Schmetterling ins Haar, das werde ich mit Sicherheit tun.

Andersartigkeit

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Nehmen wir einmal an, ich würde heute beschließen, ab jetzt nur noch mit diesem Diadem auf dem Kopf herum zu laufen, egal wo und wann. Es gefällt mir ausgesprochen gut, also was spräche dagegen?

Klar, die Leute würden über mich tuscheln “Schau Dir die mit dem Krönchen da an, die hat sie doch nimmer alle”, “Jetzt ist sie komplett übergeschnappt”, “Etwas seltsam war die ja schon immer”. Vermutlich würden mich meine Kollegen sehr bald darauf hin weisen, dass ich das Diadem gerne in meiner Freizeit tragen könnte, aber dass es nicht ins Geschäftsleben passt und ich es unterlassen soll.

Ich würde niemand mit dem Krönchen stören, es sähe nicht irgendwie abschreckend aus, es würde niemand Angst machen, es ist kein religiöses Symbol. Man könnte es als modisches Accessoire bezeichnen, wie etwa Statementketten. Doch die darf ich durchaus tragen, wann es mir beliebt. Anders sähe es womöglich aus, wenn plötzlich alle Frauen das Geschmeide auf dem Kopf tragen würden. Dann wäre es ein gesellschaftlich anerkannter Trend und höchst wahrscheinlich hätte dann auch im Arbeitsumfeld niemand mehr etwas dagegen. Solange ich jedoch alleine auf weiter Flur mit diesem neuen “Trend” wäre, würde ich dafür als etwas exotisches betrachtet werden. Eine, die um jeden Preis auffallen muss.

Wäre es meine “Schuld”, wenn die Leute dann über mich reden würden, hinter mir tuscheln würden, mich für verrückt erklären würden? Hätte ich es herausgefordert? Wenn ich mich dann darüber aufregen würde  dass die Leute mich aufgrund meines Kopfschmucks anders behandeln, mich sogar deswegen mobben würden, bzw. ich mich dafür als Mobbingopfer betrachten würde, wäre das mein Problem? Was dann? Müsste ich es dann abnehmen, damit wieder “Ruhe” wäre und alle “zufrieden” wären? Endlich läuft sie wieder rum wie alle anderen auch, würde es dann vermutlich heißen. Selbstverständlich würde mir noch eine Weile der Beigeschmack der “Diadem Trägerin, die ums Verrecken was Besonderes sein wollte” anhaften. Doch irgendwann würden es die Mitmenschen vergessen oder sich nur noch vage daran erinnern. Ich hätte mich dann in meiner Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt und auf das auffällige, aussergewöhnliche Schmuckstück verzichtet um die anderen zu beruhigen. Doch was ist mit mir? Warum will ich auf Teufel komm raus anders sein wie die anderen, obwohl ich weiss, dass ich damit anecke? Gefalle ich mir in der Opferrolle? Das arme Ding, dass wegen seinem Kopfputz verspottet und belästert wird?  Was kann ich denn dafür, dass ich ein Faible für Tiaras habe. Das ist doch schließlich mein gutes Recht damit herumzustolzieren.

In dem Fall hätte ich zwei Möglichkeiten:

  1. Drauf pfeifen, was den anderen gefällt, was sie reden, tuscheln, mir direkt ins Gesicht sagen würden etc und das Ding hoch erhobenen Hauptes tragen.
  2. Es abnehmen, wenn ich es nicht ertragen kann, dass die “Anderen” tagtäglich darüber reden und nicht müde werden es zu tun.

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