Ein weiterer Schwank aus meinem tollpatschigen Leben

Vor noch nicht all zu langer Zeit wollte eine etwas übergewichtige Bekannte ein Buch über vegane Ernährung von mir leihen. Ohne darüber nachzudenken – um ehrlich zu sein, habe ich gar nichts gedacht, wirklich nichts – lieh ich der Dame das Buch Skinny Bitch. Mein Mann schüttelte nur den Kopf und kommentierte es mit “Das hast Du nicht getan?!?”. Doch hatte ich.

Ich habe mir wirklich nichts Böses dabei gedacht. Die arme Frau hat bestimmt gedacht, ich will sie verarschen oder mache mich über sie lustig, doch davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich habe einfach nicht nachgedacht. Im Nachhinein war es natürlich peinlich und ich habe mich dafür geschämt. Sie hat nie ein Wort darüber verloren und das Buch nach kurzer Zeit wieder zurück gegeben. Es landete in einem neutralen Kuvert in meinem Postfach. Uhppps. Sie grüßt mich noch freundlich, aber zu weiteren Gesprächen kam es seither nie wieder. Ich hatte keine Idee, wie ich das richtig stellen sollte. Klar hätte ich sagen können “Du, ich war einfach doof und habe meinen Kopf nicht eingeschaltet”. Naja, ich denke das ist so oder so offensichtlich. Sie war jetzt keine gute Bekannte, sonst hätte ich das Ganze geklärt.

Aber vielleicht sollte ich diese Geschichte zum Anlass nehmen, auch nicht immer Aktivitäten Anderer auf mich zu beziehen, vielleicht hatten die ebenfalls einfach ihr Gehirn ausgeschaltet.

Ein Schwank aus meiner Kindheit

Als Kind fuhr ich jedes Jahr  mit meinen Eltern in die Berge. Während einer dieser Urlaube fuhr ich mit der Seilbahn einen Berg hinunter. Ich erinnere mich nicht mehr, wie wir den Berg  hochgekommen waren, die Fahrt hinunter wird mir jedoch immer in Erinnerung bleiben. Der Sessel der Seilbahn war schon sehr alt und würde heute wahrscheinlich sofort stillgelegt werden. Mitte der siebziger Jahre nahm man das noch nicht so genau. Jedenfalls bestand die Lehne des Sessellifts aus einem Rohr. Dieses Rohr war vorne offen und damit geradezu prädestiniert dafür, dass ich meinen Daumen dort hineinsteckte. Nur leider bekam ich ihn nicht mehr raus und die Bodenstation kam näher und näher. Die Seilbahn-Mitarbeiter riefen mir schon zu, ich solle endlich abspringen. Das ging nun mal nicht. Panisch zog ich an meinem Daumen, bis er endlich wieder befreit war, und sprang gerade noch rechtzeitig ab, bevor ich gegen das Rondell geknallt wäre. Der Finger hatte alle Schattierungen von schwarz bis lila. Es gab natürlich eine kräftige Standpauke. Ich fuhr ab diesem Zeitpunkt nie wieder mit einem Sessellift.

Wenn man viel Zeit hat…

… fallen einem die absurdesten Geschichten wieder ein…

Ich kann die Geschichte heute erzählen, denn sie ist schon längst verjährt:

Als ich damals – es war ungefähr Anfang der 90er – in dem Fotogeschäft arbeitete, gab es dort eine Stammkundin. Die Frau war sehr nett und sie war ein paar Jahre zuvor Oma geworden. Enthusiastisch fotografierte sie ihren Enkel zu allen erdenklichen und unerdenklichen Gelegenheiten. Ihr Lieblingsbild war, wie der kleine Kerl in den Wald kackte. Sie ließ diese Fotografie tausendfach vervielfältigen und verschenkte sie an alle, die sie wollten oder meistens eben nicht.

Ein Kollege und ich beschlossen, dass diesem Treiben ein für alle Mal ein Ende bereitet werden müsse. Wir vernichteten das “Ach so süsse” Negativ, indem wir es mit Aceton begossen und abwechselnd mit siedend heißem und polarkaltem Wasser bespritzten. Uhhhps, das tat uns aber sooooo leid, wie konnte das nur passieren. Selbstverständlich entschuldigten wir uns für unser “Missgeschick” bei der Dame. Für den Enkel kam jedoch jede Rettung vor dieser Aufnahme zu spät. Von da an bestellte seine Oma eben Abzüge per Bild vom Bild.

Was aus der Oma und dem Kind wohl geworden ist? Die Frau müsste heute so um die 80 sein und der Enkel ungefähr Mitte Dreißig. Ich hoffe, der junge Mann hat keine Spätfolgen durch die Fotografie erleiden müssen.

 

Eine weitere schier unglaublich klingende Geschichte

Man schrieb das Jahr 1990 und es war eine sternenklare Silvesternacht. Überall feierten kultivierte Menschen den Jahreswechsel. So auch eine Gruppe junger Erwachsener, wobei das Verständnis für Kultur dort sehr relativiert war.

Die Party in der Scheune neben dem Elternhaus des Gastgebers war in vollem Gange. Es gab hausgemachten Kartoffelsalat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich hungrig mit meinem Teller am Büffet stand, als sich eine Horde Mitglieder einer Motoradgang an mir vorbeidrängelte, mit den bloßen Händen eine Portion aus der Schüssel nahm, sich diese in den Schlund stopfte und mit einem Krug Bier nachspülte. Irgendwie war mir daraufhin der Appetit vergangen. Als einer der Herrschaften mir netterweise eine Hand voll anbot, lehnte ich aus unerfindlichen Gründen dankend ab.

Die Stimmung war schnell auf dem Siedepunkt und konnte auch nicht durch das wiederholte Auftauchen von damals noch grün-weißen Fahrzeugen und mehrfachen Einsätzen eines Krankenwagens getrübt werden.

Der erste Sanitäter musste anrücken, als einer der Gäste beim Bierholen in eine Baugrube fiel, in der das Gebräu zwecks Kühlung abgestellt war, und sich dabei den Knöchel brach. Das zweite Mal kamen die guten Samariter, als einer der Gäste über die Blumenkübel der Mutter des Gastgebers torkelte und sich dabei eine böse Armfraktur zuzog. Und zum dritten Mal erschienen sie, als der Vater des Gastgebers das neue Jahr mit Böllerschüssen aus seiner Schrotflinte begrüßen wollte und dabei versehentlich einem der Umstehenden in den Fuß schoss. Nicht nur die Sanitäter, sonder auch die Teilzeitgäste in Grün hatten alle Hände voll zu tun. Unfallprotokolle mussten aufgenommen werden und die Anwohner hatten schon zigmal um Ruhe gebeten. Als kleine Zwischenunterhaltung wurde im winzigen Jugendzimmer des Veranstalters immer mal wieder sein dort abgestelltes Motorrad angelassen, wodurch  wiederum eine Person beinahe eine Vergiftung durch die Abgase erlitt.

Einer der Nachbarn rief beim Gastgeber an und bat darum, die Musik etwas leiser zu drehen, aber jener Bitte konnte dieser nur ein müdes Lächeln abgewinnen – und er drehte noch mal um ein paar Dezibel lauter. Als das Telefon erneut klingelte, zog er aus der Küchenschublade ein Schlachtermesser heraus, kappte kurzerhand das Telefonkabel und kommentierte sein Verhalten lapidar mit den Worten: „Jetzt ruft keiner mehr an.“ Wohl wahr.

Ich schwöre, dass sich alles genau so zugetragen hat. Ohne Übertreibung. Es fand wirklich so statt.

Alles geht irgendwann einmal zu Ende

Ich sitze gerade zu Hause weil ich angehalten wurde Überstunden abzubauen- dem Coronavirus geschuldet. Die unerwartete Freizeit kommt mir heute sehr entgegen, weil ich mich etwas müde und schlapp fühle. Ich lag also gerade so auf dem Sofa und dachte über die Zeiten in meinem Leben nach, die nicht so schön waren, aber dennoch irgendwann vorüber gingen.

Als ich Mitte / Ende 20 war arbeitete ich in einem Fotogeschäft und dort gab es einen Stammkunden. Er hasste mich, ich fand ihn einfach nur grausig. Er hatte die Angewohnheit, alle weiblichen Angestellten zwar zu siezen, aber mit ihren Vornamen anzusprechen. Die männlichen Angestellten wurden immer mit ihrem Familiennamen angesprochen. Wenn er den Laden betrat, mussten alle alles stehen und liegen lassen und sofort zu ihm eilen und seinen Wünschen entsprechen. Er hatte immer eine Lodenkluft an mit Jägerhut. Den das war sein Beruf: Jäger.

Viele Jahre sprangen wir alle zu ihm, sowie er die Tür durchschritten und sich zu seinem Stammplatz begeben hatte. Von dort erteilte er dann seine Befehle. Meist in sehr barschem Befehlston. Er hatte die Angewohnheit meinen Namen regelmässig zu verballhornen und mich mit Margot anzusprechen. Es bereitete ihm sichtliches Vergnügen, zu sehen, dass ich mich immer darüber aufregte. Jeder im Laden machte gute Miene und niemand erhob je das Wort gegen den Herrn. Tja, bis zu dem Tag, an dem die kleine Revoluzzerin in mir die Oberhand gewann.

Es war ein Tag an dem der Laden randvoll war mit Kundschaft. Jeder Angestellte war beschäftigt. Er kam herein und ich stand seinem Stammplatz am nächsten, beriet aber gerade einen anderen Kunden. Für gewöhnlich hätten wir alle jeden anderen Kunden kurz stehen lassen und ihm wenigstens vorerst seine Bestellungen aushändigen müssen. Nicht so an diesem Tag. Ich ignorierte ihn. Ich wollte den sehr netten Kunden, der mich um Rat gefragt hatte und dessen alte Fotografien wir gerade bezüglich Restauration besprachen nicht wegen dem alten penetranten Sack stehen lassen. Er hatte es nicht verdient, wegen so einem zu warten. Herr…ohm mir ist sein Name entfallen!!! Obwohl er mich jahrelang gepiesackt hat, fällt mir tatsächlich sein dämlicher Name nicht mehr ein – nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Depp. Herr Depp zischte unwirsch zu mir herüber “Margotttt holen Sie mir sofort meine Bestellungen” und ich sagte “Herr Depp, Sie sind an der Reihe, sowie ich Zeit habe!”. Ich war über meine eigenen Courage erstaunt. Nie hatte jemand es gewagt, Herrn Depp etwas abzuschlagen. Er wurde richtig zornig und schrie mich vor allen Kollegen und Kunden an: “Margotttt, holen Sie auf der Stelle meine Bestellungen, damit ich sie durchsehen kann”. Ich blieb unnatürlich ruhig, aber nur äußerlich, innerlich zitterte ich und ich sagte zu ihm: “Mein Name ist Margit und für Sie immer noch Frau M. (mein Nachname)! Und Sie warten jetzt auch mal, bis Sie an der Reihe sind, wie normale Menschen auch!”. Er schrie wutentbrannt: “Das wird Ihnen noch sehr leid tun”. Es war mucksmäuschenstill geworden. Kaum jemand traute sich zu atmen. Er nahm seine Aktentasche, stürmte zum Treppenhaus und rannte dort schnurstracks ins Büro des Ladenbesitzers um sich über mich zu beschweren.

Ein Kollege kam auf mich zu, umarmte mich und sagte “Ich bin stolz auf Dich”, eine Kollegin sagte “Oh Margit, das wird noch Ärger geben”. Der Mann mit den zu restaurierenden antiken Fotografien schaute nur total verdutzt und ich entschuldigte mich bei ihm, dass er in dieses Geschehen hinein geraten war. Er meinte “Ich glaube, das war echt mal überfällig mit dem Typen” und grinste mich an.  Es geschah danach nicht sehr viel. Der alte Sack hatte sich zwar massiv über mich beschwert, aber was hätte mein Vorgesetzter sagen sollen. Ich hatte mich nicht falsch verhalten. Es wurde vereinbart, dass ich Herrn Depp keinesfalls mehr bedienen dürfte. Darüber war ich natürlich äußerst traurig… hahahhhaaaa.

Keine Ahnung ob der noch lebt. Vermutlich schon. Es war eine äußerst drahtige, ausgemergelte Kreatur. Sowas konserviert. Er war damals bestimmt in seinen späten 60ern und müsste dann entsprechend heute so um die 85 / 90 sein. Doch ich bin mir fast sicher, dass dieser fiese kleine Arsch noch lebt und vermutlich in einem Altersheim die Pflegerinnen tyrannisiert.

Diese Geschichte soll mir verdeutlichen dass jede beschissene Situation irgendwann vorüber war. Ich habe Herrn Depp schon seit 1997 nicht mehr sehen müssen und kann mich nicht einmal mehr an seinen richtigen Namen erinnern. So ähnlich wird es spätestens in weiteren 23 Jahren (eher schon viel früher) mit Leuten sein, die mir im Hier und Jetzt das Leben schwerer machen als es sein müsste. Wenn es also so oder so zwangsläufig in absehbarer Zeit irrelevant sein wird, dann muss es mich jetzt auch nicht belasten oder aufregen. This too shall pass. Auch dies wird vorüber gehen!

Wie ich mal fast ein Hochzeitsshooting verlassen hätte

Vor einigen Jahren, war ich die Hochzeitsfotografin bei einem Paar wo er total unsympathisch war und sie eine total Liebe.

Die Braut hatte mich gebeten, ein paar Einzelbilder von ihr im Brautkleid zu machen und darunter auch ein sogenanntes Stumpfband-Bild. Das Shooting fand an einem seichten Flusslauf statt, das mit ein paar kleinen Felsstücken garniert war.

Sie stellte ein Bein auf einen der kleinen Felsen, sie krempelte das Brautkleid hoch bis zum Oberschenkel, so dass man das Strumpfband sah und ich fotografierte es. Wir hatten das Bild gerade fertig, als der Bräutigam schäumend vor Wut angerannt kam und mich anschrie, dass ich aufhören solle, solch “perversen Bilder” von seiner Frau zu machen. Ich stand zuerst ziemlich perplex da, bis ich meine Stimme wieder fand und sagte “Geht`s Dir noch gut? Die Bilder sind nur für Euch, wenn Deine Frau so ein Strumpfband-Bild will, ist das ihr gutes Recht und ob Ihr die Bilder jemandem zeigt oder nicht ist alleine Eure Sache, also wo bitteschön ist Dein Problem?”. Er wollte sich aber aufregen und sich nicht wieder einkriegen. Wenn die Braut nicht so nett gewesen wäre und ich sie nicht so gern gehabt hätte, hätte ich dem Kotzbrocken gesagt “Dann mal Dir doch ab jetzt Deine Hochzeitsbilder”. Doch ich blieb, machte gute Miene zum bösen Bräutigam und hielt meinen Mund.

Das Paar hat sich schon bald getrennt und das war auch gut so: Vor allem für die Braut.

Jetzt gehst Du aber nach Hause, Du Vielfraß

Ich hörte heute meinen Lieblingsradiosender und dort war das Thema “Sonderbare Erlebnisse”. Eine Hörerin berichtete, dass sie als circa 10Jährige bei einer Freundin zu Besuch war und dass  die Mutter den Stuhl auf dem sie saß mit einem Lappen abwusch, als sie aufstand.

Was muss im Leben der Frau schief gelaufen sein?

Diese Geschichte erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich selbst als circa 11Jährige hatte. Ich war damals bei einer sehr übergewichtigen Klassenkameradin zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Es gab Schwarzwälderkirschtorte. Ich war schon immer eher dünn, hatte aber ebenfalls schon immer einen guten Appetit. Ich aß auf der Feier 3 Kuchenstücke, als die Mutter der Schulfreundin sagte “Du gehst jetzt nach Hause! Du hast Dir Deinen Wanst jetzt wirklich genug voll geschlagen” Völlig perplex stand ich auf und ging nach Hause. Ich wurde dort nie wieder eingeladen und ich hätte dieses Haus auch nie wieder betreten. Damals, als Kind, war es mir furchtbar peinlich. Heute denke ich, hätte es der Mutter peinlich sein sollen. Sie hätte ja sagen können “Also Margit, jetzt hörst Du besser auf mit dem Kuchen, sonst wird Dir noch schlecht” oder etwas in der Art. Eigentlich hätte sie doch stolz auf ihre Backkünste sein können, wenn jemand ihren Kuchen so gerne isst. Es ist schon Jahrzehnte her und ich habe keinen Schimmer was im Kopf dieser Frau vor sich ging, bin mir aber ziemlich sicher, dass es nichts mit mir als Person zu tun hatte, sondern ich irgendwas bei ihr getriggert hatte. Vielleicht weil ihre Tochter so mollig war und ich dünn. Wer weiss, ist auch irrelevant. Ich hatte diese Geschichte auch längst vergessen, bis sie mir heute wieder einfiel. Ich bin mir sicher, dass meine Mutter ihrer Tochter umgedreht so viel Kuchen gegeben hätte, wie sie gewollt hätte, ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Neues aus Jestersfield

  1. Ich war mal bei einem Friseur, der meine Haare schwarz färbte, ohne es mir abgesprochen zu haben (ich wollte sie hellbraun). Seine Antwort auf meine entsetzte Frage, warum er das gemacht hat, war: “Mir gefällt es so besser”. Als “Entschädigung” bot er mir eine Kopfmassage an. Zu meinem Glück war es sehr dilettantisch gemacht und ich konnte das pechschwarze Elend mit wenigen Haarwäschen wieder bereinigen. Sein überaus generöses Massage-Angebot lehnte ich undankbar ab.
  2. Wir waren vor zwei Jahren zur Geburtstagsfeier eines Onkels in ein  “gehobenes Restaurant” eingeladen. Es schimpfte sich “Bestes Haus am Platz”. Der Gastgeber hatte bei der Reservierung schon erwähnt, dass mein Mann und ich Veganer wären. Das wäre kein Problem hieß es. Wir bekamen dann nicht ganz gekochte Kartoffeln mit ebenfalls nicht ganz garem Gemüse. Ungewürzt. Ein wahrer Gaumenschmaus. Dieses einmalige kulinarische Erlebnis kostete € 18,90 für 4 mittlere Kartoffelschnitze sowie ungefähr 7 Brokkoli-Röschen.
  3. Ich hatte mal einen eingeklemmten Rückennerv und Schmerzen wie Sau. Ich ging zum Orthopäden und nachdem er mir mit dem Rücken geholfen hatte, fragte er, was ich für eine Sportart betreiben würde, weil ich diese für ein paar Tage ruhen lassen solle. Ich sagte ihm, dass ich eine tibetische Abwandlung von Yoga machen würde. Daraufhin entgegnete er “Wir sind doch keine Yogis! Machen Sie doch einfach Liegestütze!”
  4. Ich musste ein Gespräch von zwei Frauen im öffentlichen Raum mit anhören. Die eine Frau hatte ein Kind mit Down-Syndrom. Die andere Frau sagte “Im Urlaub war eine Familie, die hatten auch so einen Mongo”. Fremdschämen bekam eine neue Dimension.

Hatten wir doch recht, dass Sie schwanger sind

Heute trug ich zusammen mit einer Kollegin etwas schwerere Gegestände herum. Die Kollegin sagte “gib mir einen Teil, dann musst Du nicht so schwer tragen”. Eine weitere Kollegin, die mich eigentlich nur vom Sehen kennt, hörte dies, drehte sich um und sagte “Also hatten wir doch richtig vermutet, dass Sie schwanger sind!”. Ich sagte “Ähm nö, ich bin nicht schwanger. Ich esse nur ziemlich oft Hülsenfrüchte und ausserdem tue ich mir das in meinem Alter nicht mehr an”. Sie sah mich komplett entgeistert an und sagte “Aber mit Mitte Dreissig kann man doch noch gut ein Kind wollen”. “Ja, korrekt, aber ich bin 50 Jahre alt”. Sie stand für einige Zeit echt regungslos da, bis sie endlich sagte “Wirklich? Das kann doch nicht sein!” Meine Kollegin bestätigte ihr mein Alter und wir ließen sie fassungslos zurück.

Eine ähnliche Szene hatte ich vor fast einem Jahr schon einmal. Sollte mir das zu denken geben? Ja, ich neige etwas zu einem aufgeblähtem Bäuchlein. Wie gesagt esse ich sehr viel Erbsen, Bohnen, Lauch, Zwiebeln, Kohl… da liegt es in der Natur der Sache, dass man ab und an etwas aufgebläht ist. Andererseits ist es auch ein Kompliment, als 50Jährige für schwanger gehalten und auf Mitte 30 geschätzt zu werden. Was überwiegt da? Die Freude darüber, dass ich noch im normalen gebährfähigen Bereich angesiedelt werde, wo sich keiner das Maul darüber zerreißen würde, wenn es so wäre, oder der Gedanke, dass ich immer ausschaue, als hätte ich einen Topf Chilli sin Carne verschluckt?

The Jesters Tales

Soeben fielen mir wieder ein paar absurde Erlebnisse ein, die genau so stattgefunden haben:

  1. Als mein Hallux Valgus schon stark ausgeprägt war, ging ich zu einem Orthopäden. Meiner war leider im Urlaub und ich ging zu einem Vertretungsarzt. Er schaute meine Füsse an und fragte, was das Problem sei. Ich deutete auf den wirklich stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuss und sagte, dass Schuhe mein Problem wären. Dass ich für diesen herausragenden Knochen kein adequates Schuhwerk finde. Er antwortete “Lassen Sie doch einfach von einem Schuster all Ihre Schuhe an der Stelle ausbeulen”. Ja sicherlich. Dann kann ich mir ja gleich Clownsschuhe zulegen! Das wäre zwar eine praktische, aber keine ästhetische Lösung.
  2. An einem meiner früheren Arbeitsplätze sass ich noch später Abends am Schreibtisch, als die Tür aufging, die Putzfrau mit einem großen Besen Laub und Unrat vom gefliesten Flur auf den Teppichboden in meinem Büro kehrte und als ich sie fragte, was das soll, antwortete sie “auf dem Teppich kann ich den Dreck besser staubsaugen”.
  3. Ebenfalls bei einer meiner früheren Arbeitsstätten stank es auf der Toilette immer aus einem Schacht. Man musste regelmässig einen Eimer Wasser in den Schacht leeren, damit der Gestank nachließ. Ganz eliminieren lies er sich auf diese Weise nicht. Als der Geruch beinahe unerträglich wurde, wurde eine Firma angeheuert, die sich das anschauen sollte. Es kam ein Handwerker, er schnüffelte in den Schacht, murmelte etwas Unverständliches, ging und kam eine halbe Stunde später mit einem Eimer Beton zurück. Er schüttete den Beton in den Schacht und erklärte; “Jetzt wird es nicht mehr stinken!”
  4. Letzten Sommer klingelte eine ältere Frau an meiner Haustür, zeigte auf meine Jogginghose und sagte “Die will ich haben”. Die Frau wog mindestens das Doppelte von mir und die Hose hätte ihr niemals gepasst. Sie hat sie natürlich auch nicht bekommen.
  5. Bei einer Weihnachtsfeier im Familienkreis hatte die Restaurantleitung das Lokal hoffnungslos überbucht, Wir mussten deshalb in einen Vorratsraum, der ähnlich einer Scheune war und sich etwas außerhalb befand. Es war dort noch kälter als im Freien. Wir froren, wurden ständig vom Personal vergessen und das Essen war kalt und qualitativ minderwertig. Ich beschloss zur kleinen Entschädigung die Dekoration in meinen Besitz zu nehmen. Auf diese Weise kam ich zu einer roten Glitzer-Nikolausmütze mit weißem Rand und Bommel.
  6. Eine ehemalige Bekannte setzte im Spielcasino beim Roulette immer den gleichen Betrag auf rot und schwarz.
  7. Eine Freundin und ich liefen zu einem Bahngleis, um zum shoppen in die nächstgrößere Stadt zu fahren. Es stand dort schon ein alter Mann. Er fragte uns sofort, ob wir Deutsche wären, faselte dann noch wirres Zeug von Orson Wells, Kinderlähmung und einer Reichsstadt. Er kam immer näher und war uns sehr unheimlich. Der Zug hatte 10 Minuten Verspätung und wir waren diesem unangenehmen Zeitgenossen regelrecht ausgeliefert. Wir waren so froh, als der Zug endlich kam. Wir setzten uns dann extra so, dass er sich nicht zu uns setzen konnte. Wir beobachteten eine halbe Stunde später, wie er in einer Stadt ausstieg, die für seine psychiatrische Klinik bekannt ist. Wir hofften inständig, dass er sich dort behandeln lies. Normal war dieser “Herr” ganz sicher nicht. Bei ihm waren mehrere Sicherungen im Oberstübchen durchgebrannt. Als wir heimfuhren schauten wir ängstlich, ob dieser Unsympath wieder mit im Zug wäre. Er war es zum Glück nicht und wir sahen ihn seither erfreulicherweise nicht wieder.
  8. Im Sommer vor zwei Jahren waren wir mit einem befreundeten Paar im Biergarten. Es war dort ein Cocktailstand aufgebaut in Form einer Limette. Die Woche zuvor war diese Limette auch schon da und ein echt netter Barkeeper hatte meine Bestellung ohne jeglichen Kommentar problemfrei bearbeitet. Doch diesmal stand ein anderer Mann hinter`m Tresen. Ich sagte ihm – wie die Woche zuvor schon seinem Kollegen – dass ich leider gegen Zitrusfrüchte allergisch wäre und ob er mir was Anderes zusammen mixen könne, zum Beispiel stattdessen was mit Erdbeerlimes (wie der Kollege). Er schaute mich unwirsch an, rief dann laut “Hätte ich doch nur was Gescheites gelernt” und schnauzte mich an “Ich stehe hier in einer Limette und Du willst, dass ich einen Cocktail ohne Zitrusfrüchte mixe!!!Geh doch einfach wo anders hin und hol Dir ein Bier oder einen Wein”. Ich war zuerst sprachlos, sagte ihm dann jedoch, was der nette Barkeeper für mich gemacht hatte. Missmutig mixte er Erdbeerlimes mit Rum und schmetterte den Becher auf die Theke. Seit diesem Tag bestellte ich in der “Limette” nur noch etwas, wenn dieser unsagbar sympathische Mensch nicht anwesend war. Bei all seinen Kolleginnen und Kollegen hatte ich nie ein Problem. Vielleicht weil die es einfach drauf hatten? Es gibt doch nicht nur Cocktails mit Zitrusfrüchten, bzw. Säften aus Zitrusfrüchten. Wer sein Handwerk beherrscht kann durch aus auch leckere Cocktails aus anderen Zutaten zaubern.

to be continued