Wieder mal ein Schwank aus meinem Leben

Vor einigen Jahren war ich auf eine Hochzeit eingeladen. Offen gesagt glaube ich, dass ich nur eingeladen war, weil man sich von mir als Hochzeitsgeschenk die Hochzeitsbilder gewünscht hat, aber sei es drum.

Beim Vorgespräch äußerte die Braut mir gegenüber den Wunsch, dass alle Gäste in mittelalterlich angelehnter Kleidung erscheinen sollten. Sie erzählte auch noch begeistert, dass sie selbst ein dunkles Mittelalterbrautkleid tragen würde.

Tagelang machte ich mir einen Kopf, was ich zu der Hochzeit anziehen sollte und hatte letztendlich dieses Outfit auserkoren:

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Als dann der besondere Tag da war, sagte mir mein inneres Bauchgefühl, dass ich damit keinesfalls zur Trauung auftauchen sollte. Diesmal hörte ich auf mein Gefühl und war schon eine Stunde später überaus dankbar dafür. Es war nämlich niemand, wirklich niemand – auch nicht die Braut – auch nur annähernd in irgend etwas Mittelalterliches gewandet. Ganz im Gegenteil. Konservative Blazer-Rock-Kombinationen überwogen bei den Frauen, Anzüge bei den Männern. Die Braut trug ein dunkelblaues Kostüm von der Stange.

Auch wenn ich oben abgebildetes Outfit nicht trug, fiel ich sehr auf. Ich war die einzige, die ein Cocktailkleid trug. Ich war die am festlichsten angezogene Person der gesamten Hochzeitsgesellschaft. Nicht auszudenken, wie ich aufgefallen wäre, wenn ich das Faschingskostüm angehabt hätte und dann auch noch als Fotografin. Den Blick der Leute hätte ich aber zu gerne gesehen.

Wie man Leute subtil beleidigen kann

Meine Muttersprache ist Hohenlohisch. Das ist niemals zu verwechseln mit schwäbisch. Schwäbisch ist ein komplett anderer Dialekt und nicht ansatzweise vergleichbar mit der hohenlohischen Sprache. Das wäre in etwa so, als ob man fränkisch mit bayrisch verwechseln würde.

Hohenlohisch ist vielleicht die Sprache, mit der man am subtilsten Beleidigungen aussprechen kann. Selbst die schlimmsten Beschimpfungen und Verwünschungen klingen im Hohenlohischen noch beinahe niedlich.

Es gibt zig Varianten, jemanden als Trottel zu betiteln. Egal ob Dibbl, Noopf, Seggl, Drollhous, Schnaggl, Loale, Gsälzbär, Doldiii, Nolb, Halbdaggl (die Steigerung zu Dackel, weil es nur für einen halben reicht, so blöd ist ein Halbdaggl) – alles bedeutet in etwa dasselbe und hört sich dennoch nicht ganz so rabiat an, wie Depp.

Frauen kann man natürlich auch beleidigen. Ein Braggschoaf ist zum Beispiel eine nicht so intelligente Frau jenseits des gebärfähigen Alters. Hypochonder sind Verreckling und ein Buzzaa ist ein hässliches Lebewesen jeglicher Spezies. Ein Grischdkindle ist eine etwas naive Person. Ein Bähmulle ist ähnlich, jedoch zusätzlich mit einem Touch Wehleidigkeit und noch mehr Rührseligkeit. Eine Blunsaa geht in die selbe Richtung, aber impliziert noch einen Hauch Grenzdebilität. Das hochdeutsche Äquivalent für eine Brunzbix ist eine Pissnelke. Eine Glodzaariii, oder ein Glodzbogg bezeichnet ein Weib, das oft mürrisch drein schaut. Selbst wenn man jemand als Nutte bezeichnen will, klingt Schdrichbixle viel harmloser. Eine weitere Bezeichnung für Damen des horizontalen Gewerbes ist Schnallaa. Übrigens dasselbe Wort in Singular und Plural.

Ich mag meine Muttersprache und unter Leuten, die sie nicht beherrschen,  kann man sie als Geheimsprache benutzen.

Doabrauchdrjedzdgoarnedsoud`AaachaaverdräabaawiaUhuuu wennerdessläsd. Desischsou, oder hebderdes jezwirgliverschdanda, desglabiinämlined.

Nö, lieber nicht

Am Montag traf ich in einem Lebensmittelgeschäft eine sehr weitläufige Bekannte. Ich kenne sie seit vielen Jahren, aber wirklich nur peripher.

Sie stand vor mir an der Kasse und drehte sich nach mir um “So schön, Dich zu treffen, wir haben uns ja ewig nicht gesehen, gibst Du mir Deine Nummer?”. Offen gesagt, war mein erster Impuls “Nö, lieber nicht” zu antworten, aber das Gebot der Höflichkeit verbot es mir.

Aber warum eigentlich nicht? Ich gab ihr widerwillig meine Nummer und hoffe darauf, dass sie sich nicht meldet.

Sie war mir auf den ersten Blick unsympathisch. Das ist so der Typ “Betschwester”. Nicht böse gemeint, aber wenn mich jemand mit “Gottes Frieden für Dich” begrüsst, dann ist klar, dass wir ganz sicher nicht auf einer Wellenlänge liegen.

Ich kenne sie aus dem Veganer-Dunstkreis. Ich kann mich noch recht gut an einen veganen Mitmachbrunch vor circa 4 Jahren erinnern, als ich omniphor lebende Interessenten angeschleppt hatte und sie diese Personen beschimpfte, weil sie noch Fleisch assen. Wenn sie nicht offen für vegane Lebensweise gewesen wäre, dann wären sie sicher nicht mit gekommen, aber danach waren sie nicht mehr so ganz offen. Ich schämte mich damals massiv fremd für die Frau und entschuldigte mich bei dem Ehepaar, das regelrecht verstört war.

Es wär besser gewesen, zu sagen “Du, nö, ich möchte keinen engeren Kontakt”. Falls sie sich meldet, werde ich wieder Ausreden erfinden, warum ich mich nicht mit ihr treffen kann… das ist anstrengend für mich und auch für die Frau. Es wäre aufrichtiger gewesen, einfach NEIN zu sagen. Es hätte ja nicht gleich “Ich kann Dich nicht leiden” sein müssen. Ein nettes “Sorry, aber ich möchte meine Nummer nicht herausgeben” wäre durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen.

Ich ziehe solche Leute manchmal regelrecht an. Freunde behaupten gar, ich wäre ein “Deppenmagnet”. Das ist doch etwas böse gesagt, auch wenn was Wahres dran ist. Es gab schon sehr viele schräge Vögel, die einen Narren an mir gefressen hatten. Männlein wie Weiblein. Ich ziehe das immer wieder an, egal in welchem Umfeld. Erst kürzlich war ich auf einer Veranstaltung, auf der eine Frau, die ich wirklich nur ganz ganz weitläufig kenne, an meinem Stuhl vorbei lief und meine Schultern streichelte. Wie kommt jemand dazu? Auch das ist kein Einzelfall. Immer wieder tätscheln und streicheln mich fast fremde Menschen. Oft noch mit dem Zusatz “Du bist /Sie sind so schön flauschig”.

Liegt es daran, dass die Menschen ihren Haustieren immer ähnlicher werde und ich langsam aber sicher zur Katze mutiere? Streicheln mich die Leute deshalb? Ziehe ich aus diesem Grund komische Käuze und Käuzinnen an?Es wird immer ein Rätsel bleiben.

Ich werde mein Umfeld so weit es geht Psychopathen-frei halten. Wenn besagte Dame Kontakt mit mir aufnimmt, dann werde ich höflich, aber bestimmt, denselben wieder unterbinden.

Es ist mal wieder an der Zeit…

… für einen Schwank aus meinem Leben:

Es war Gumpendonnerstag 2020. Ich war mit einer Clique Fasching feiern. Wir waren als Charaktere aus Monty Phyton`s “Ritter der Kokosnuss” verkleidet. Ich war zum Beispiel das weisse Killerkanninchen. Wir hatten damals zwar dunkel von irgend einem Virus in China gehört, aber das war unendlich weit weg. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass es nur wenige Wochen später einen Lockdown geben würde.

Wir feierten damals noch sorglos und ausgelassen. Es war voll, sowohl die Halle, wie auch die meisten Anwesenden. Nüchtern war jedenfalls kaum jemand. Wir tanzten auf der Tanzfläche und die Band spielte die ersten Takte “Time of my life” aus dem Film Dirty Dancing. Ein Kumpel, der an diesem Abend als einarmiger Ritter verkleidet war, kam her und wollte diese Hebefigur, für die der Film berühmt ist, mit mir nachstellen. Er hob mich wenige Zentimeter vom Boden ab und setzte mich gleich wieder zurück mit den Worten “Du bist deutlich schwerer, als Du ausschaust”.

Tja, was soll ich sagen, ich habe halt schwere Knochen. Er wollte mich nie wieder vom Boden hoch heben und das ist auch gut so.

Indizien dafür, dass ich ein Alien bin

Ein Kumpel meines Mannes behauptet ja schon seit Jahren, dass er überzeugt ist, dass ich nicht menschlich bin. Er sagt immer “Wenn das Mutterschiff kommt, dann werde ich sagen: Ich habe es Euch immer gesagt, dass das ein Alien ist!!! Denkt an meine Worte.”

Ich liste hier mal ein paar Anzeichen dafür auf, dass er recht haben könnte:

  • Ich mag nicht, was ein Großteil der Menschheit mag: Blumensträuße (sehr morbid), Musicals (kotzwürg) und Friseurbesuche (zu viel Schlechtes erlebt, um es entspannt genießen zu können)
  • Meine Körpertemperatur ist generell immer sehr niedrig. “Fieber” habe ich sehr selten. Das ist dann eher das, was bei anderen Normaltemperatur ist
  • Ich altere zum Glück langsam. Könnte an meiner Alien DNA liegen
  • Vieles von dem, was Andere tun, habe ich noch niemals ausprobiert und werde es auch nie tun: Solarium, Fitnessstudio, Sauna, Botoxbehandlungen und Diäten
  • Es fand sich bisher noch keine Sportart, die mir Spass machen würde. Allerdings kann ich essen wie ein Scheunendrescher ohne zu zu nehmen
  • Katzen lieben mich und ich liebe sie. Katzen haben ja auch etwas Ausser- oder sogar Überirdisches an sich
  • Tiere allgemein lieben mich eigentlich fast immer. Auch das beruht auf Gegenseitigkeit
  • Ich bin nie auf “erwachsen werden” reingefallen, ich wusste schon immer, dass das eine Falle ist
  • Tabletten schlucken ist nicht so mein Ding. Ich muss die Teile – egal wie klein sie sind – immer mit dem Finger in den Schlund runter schieben, sonst wird das nix

Vielleicht hat er recht und ich bin tatsächlich “nicht von dieser Welt”, aber wie heißt es doch so schön: When you feel strange in a world, it is because you are here to built a new one.

Devil in disguise

Mir geht es mental gerade nicht so prickelnd. Ich bin immer müde, ausgelaugt und melancholisch. Die Johanniskrautdragees schlagen nur langsam an. Umso wichtiger ist es, zu lachen. Deshalb hier mal wieder ein aberwitziger Schwank aus meinem Leben:

Mein Mann spielte vor Corona ab und an in einer Band. Ein Auftritt war auf einer Karnevalsveranstaltung und auch die Bandmitglieder sollten verkleidet kommen. Da mein Gatte im Gegensatz zu mir kein Verkleidungsfan ist, wollte er kein bis wenig Geld für diesen Gig ausgeben und beauftragte mich, mit der Kostümfindung. Ich erstand kostengünstig ein Teufelskostüm. Ich hatte es nach dem Erwerb achtlos auf das Bett gelegt, weil wir an diesem Abend Gäste bekamen und ich das Essen noch vorbereiten musste.

Die Gäste kamen und ich hatte das Faschingskostüm gänzlich vergessen. Die Gäste wollten eine Hausführung und wir führten sie wie gewünscht durchs Haus. Zum Schluss kam das Schlafzimmer dran. Als ich die leuchtenden Teufelshörner, den schwarzen Umhang und den Dreizack sah, war es zu spät, die Teile zu verbergen. Die Blicke der Besucher waren Gold wert. Sie verloren jedoch kein Wort über die Kostümierung und taten so, als wäre nichts gewesen. Keine Ahnung, was sie nach diesem Abend Bekannten über uns erzählt haben. Vielleicht kursiert irgendwo das Gerücht, dass wir auf abartige Rollenspiele stehen, wer weiss. Vielleicht dachten sie aber auch einfach das Offensichtlichste: Es war Fasching.

Strunzblöd

Gestern lief ich zur Bushaltestelle und traf einen weitläufigen Bekannten. Er rief mir schon von weitem fröhlich “Na Margit, wann kommt den Euer Kleines” zu. Ich muss ihn mit einer Mischung aus Verstörtheit und Unglauben angeschaut haben und schließlich fragte ich ihn “Was meinst Du?”. Er antwortete “Na Euer Kind. Du bist doch schwanger”. Ich antwortete “Nicht dass ich wüsste. Wie kommst Du auf sowas?”. “Ich hab Dich letzte Woche gesehen und da hattest Du ein Bäuchlein”. Ich war echt perplex. Wie kommt man dazu, so etwas zu einer Frau zu sagen? Ist der Typ Irre? Was soll denn das?

Solche Themen sind immer heikel. Ok, er hielt mich für deutlich jünger und eigentlich sollte ich geschmeichelt sein, dass er mich auf Ende 30 / Anfang 40 geschätzt hat und sich offensichtlich gefreut hat, dass “Bei uns endlich was Kleines unterwegs ist”. Er war auch echt geschockt, als ich ihm sagte, dass ich lediglich einen Topf Bohnen gegessen hatte, als er mich sah und für schwanger hielt und noch geschockter war er, als ich ihm sagte, wie alt ich bin.

Er hatte es vermutlich “nur gut gemeint” und wie wir alle wissen, ist das immer Scheisse. Man fragt keine Frau “Wann das Kleine kommt”, wenn man nicht 100 % sicher ist, dass sie wirklich schwanger ist.

Ich könnte mir jetzt nen Kopf machen, dass ich fülliger um die Hüften geworden bin, aber ich nehme es einfach als Kompliment, dass ich noch jung genug ausschaue, um für schwanger gehalten zu werden.

Ich lebe in meiner Welt, da gefällt es mir

Ich war heute mit einem Freund Kaffeetrinken und schaute so zum Fenster raus und sah ein paar süsse kleine Spatzen, die auf einem Laternenpfahl saßen und echt goldig miteinander spielten. Ich wies den Freund auf die Vögel hin und er fing an zu lachen und fragte “Willst Du wirklich wissen, was ich dort sehe?”. In der Realität waren es verwelkte Blätter in Spinnweben, die der Wind hin und her wehte. Keine Vogelneckereien. Nichts Süsses. So wie auch niemals weisse Kaninchen vor Häusern sitzen. Es sind in echt immer zugeknotete Mülltüten. Zum Glück sind scheinbar überfahrene Tiere oft nur Dreck oder Müll. In diesen Fällen ist die Wirklichkeit besser als meine Phantasie.

Generell flüchte ich mich gerade oft in meine Traumwelt, weil die Realität nicht so prickelnd ist. Ich kann nicht immer in meiner Feen-Elfen-Einhorn-Glitzerwelt verweilen und muss immer wieder in die “reale Welt”. Ich kann mir aber aus beiden Welten das Beste herauspicken. Die tanzenden, grazilen Vögel und die harmlosen “Dreckhaufen”.

Das kann man doch mal verwechseln

Eine Polizeistreife hielt mich an. Fahrzeugkontrolle. “Zeigen Sie Ihren Führerschein und Ihre Fahrzeugpapiere”. Ich war – ohne Grund – nervös und kramte die gewünschten Dokumente aus meinem Geldbeutel und gab sie dem Beamten. Er warf einen Blick darauf und sagte “Wollen Sie mich verarschen?” Ich wusste nicht, wovon er sprach und antwortete wahrheitsgemäss “Das liegt mir fern”. Er wurde wütend und sagte laut “So eine unglaubliche Frechheit, geben Sie mir sofort Ihren Fahrzeugschein! Hier haben Sie Ihren Blödsinn wieder”. Erst in diesem Augenblick erkannte ich, dass ich dem Herrn anstatt des Fahrzeugscheins mein Bonusheft vom Zahnarzt ausgehändigt hatte. Ich fing an zu lachen und konnte nicht mehr aufhören. Er kam sich noch veräppelter vor und schrie mich an “Wenn ich nicht sofort den Fahrzeugschein bekomme, können Sie gleich mit aufs Revier” und ich lachte noch lauter. Mir tat der Bauch und die Kiefermuskeln weh, so sehr lachte ich. Letztendlich fand ich in letzter Sekunde den Fahrzeugschein. Er studierte ihn und meinte nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich weiter fahren könne. Meine Mitfahrer kommentierten das Ganze mit “Das kann echt nur Dir passieren”. Ich finde, dass man das leicht verwechseln kann und ein anderer Polizist hätte wahrscheinlich auch gelacht.

Reingehüpft ins Fettnäpfchen

und noch schön drin gewälzt. Genau das ist mir passiert und das sicher nicht zum ersten Mal, aber der Reihe nach:

Wir adoptierten im Frühjahr unseren Yoshi und am letzten Samstag im Februar kam er mit einem Sprinter aus Bulgarien. Freitagmittags war der Konvoi von mehreren Transportern los gefahren. Es gab Adoptanten in ganz Deutschland. Deshalb hatte die Organisation eine WhatsApp Gruppe namens “Trapo” erstellt. In dieser Gruppe waren alle Adoptiveltern und es kamen im Sekundentakt Meldungen wie “Ich bin so aufgeregt”, “Ich bin nur am heulen”, “das ist ja sooooo emotional”, “Ich habe Pippi in den Augen” (speziell diese Ausdrucksweise hasse ich sowieso bäh!) und so fort. Wir waren die dritte Station in Deutschland. Die Übergabe fand auf einem Parkplatz an einer Autobahnabfahrt statt. Als wir dort ankamen standen schon ungefähr 100 Menschen mit Transportboxen und Leinen auf diesem Parkplatz und alle warteten sehnsüchtig auf die Ankunft der Sprinter. Es kamen auch pünktlich einige Transportfahrzeuge angefahren von verschiedensten Tierschutzorganisationen. Zum Schluss kam natürlich unsere Orga mit drei Fahrzeugen die randvoll mit Katzen und Hunden aus Bulgarien waren. Der Reihe nach stellten sich die Leute auf, nannten den Namen des Tieres, gaben den Helfern die Transportboxen und bekamen ein paar Minuten später die gefüllten Boxen zurück. Auch wir bekamen unseren Yoshi zusammen mit seinen Papieren wie Impfpass und ärztlichen Unterlagen. Wir fuhren nochmals 2 Stunden mit ihm nach Hause. Auf der Fahrt und während des gesamten abends bis tief in die Nacht kamen weiterhin die “Trapo” Meldungen bis alle Katzen und Hunde verteilt waren. Es war durchgehend emotional und es wurde viel geheult. Man hatte Gänsehaut und war komplett überwältigt. Und ich so? Ich war einfach froh, dass der kleine Kerl alles halbwegs überstanden hatte und wir ließen ihm und auch uns erstmal unsere Ruhe. Versteht mich nicht falsch, natürlich freuten wir uns auf ihn und es war auch alles interessant mal zu erleben, aber ich war nicht ergriffen und total von den Socken. Lag vielleicht auch daran, dass er sich komplett eingeschissen hatte und das sehr unglücklich gewählte Holzspanstreu sich in seinem Fell verfangen hatte. Wir mussten ihn zuhause erst einmal von dem Zeug befreien und waschen. Da hätte ich heulen können, aber nicht vor Rührung. Eher vom Ammoniak-lastigen Gestank.

Ok, ich bin jetzt auch nicht der Typ, der wegen jedem Sonnenuntergang ergriffen ist und beim Anblick eines Maikäfers heult. Ich bin eher der rationelle Typ, vielleicht habe ich auch einfach schon zu viel erlebt, wer weiss.  Jedenfalls war unter den anderen Adoptiveltern eine ganz nette Frau, mit der ich noch heute ab und zu schreibe. Sie hat nun, nach einem halben Jahr nochmals zwei Katzen aus Bulgarien adoptiert, welche letztes Wochenende ankamen. Sie schrieb mir, dass der Trapo diesmal nicht so nett gewesen wäre wie damals im Februar. Mir rutschte dann raus “gab es da noch mehr emotional total ergriffene Heulsusen?” und sie antwortete “Ich gehörte auch zu den Heulsusen” uuupppsalllaaa… ich entschuldigte mich und sie fing an zu lachen. Alles gut, sie hat es mir nicht krumm genommen. Noch mal Glück gehabt. Oder besser gesagt, wenn sie deswegen tödlich und unendlich beleidigt gewesen wäre, wäre es auch nicht der richtige Umgang für mich gewesen. Ich mag Menschen, die nicht wegen jedem Scheiß eingeschnappt sind. Das wäre mir viel zu anstrengend. Menschen die sich kugeln vor Lachen, weil ich nicht nur in ein Fettnäpfchen getreten bin, sondern mich auch noch schön darin gesuhlt habe, sind mir deutlich lieber!