Neues aus Jestersfield

  1. Ich war mal bei einem Friseur, der meine Haare schwarz färbte, ohne es mir abgesprochen zu haben (ich wollte sie hellbraun). Seine Antwort auf meine entsetzte Frage, warum er das gemacht hat, war: “Mir gefällt es so besser”. Als “Entschädigung” bot er mir eine Kopfmassage an. Zu meinem Glück war es sehr dilettantisch gemacht und ich konnte das pechschwarze Elend mit wenigen Haarwäschen wieder bereinigen. Sein überaus generöses Massage-Angebot lehnte ich undankbar ab.
  2. Wir waren vor zwei Jahren zur Geburtstagsfeier eines Onkels in ein  “gehobenes Restaurant” eingeladen. Es schimpfte sich “Bestes Haus am Platz”. Der Gastgeber hatte bei der Reservierung schon erwähnt, dass mein Mann und ich Veganer wären. Das wäre kein Problem hieß es. Wir bekamen dann nicht ganz gekochte Kartoffeln mit ebenfalls nicht ganz garem Gemüse. Ungewürzt. Ein wahrer Gaumenschmaus. Dieses einmalige kulinarische Erlebnis kostete € 18,90 für 4 mittlere Kartoffelschnitze sowie ungefähr 7 Brokkoli-Röschen.
  3. Ich hatte mal einen eingeklemmten Rückennerv und Schmerzen wie Sau. Ich ging zum Orthopäden und nachdem er mir mit dem Rücken geholfen hatte, fragte er, was ich für eine Sportart betreiben würde, weil ich diese für ein paar Tage ruhen lassen solle. Ich sagte ihm, dass ich eine tibetische Abwandlung von Yoga machen würde. Daraufhin entgegnete er “Wir sind doch keine Yogis! Machen Sie doch einfach Liegestütze!”

Hatten wir doch recht, dass Sie schwanger sind

Heute trug ich zusammen mit einer Kollegin etwas schwerere Gegestände herum. Die Kollegin sagte “gib mir einen Teil, dann musst Du nicht so schwer tragen”. Eine weitere Kollegin, die mich eigentlich nur vom Sehen kennt, hörte dies, drehte sich um und sagte “Also hatten wir doch richtig vermutet, dass Sie schwanger sind!”. Ich sagte “Ähm nö, ich bin nicht schwanger. Ich esse nur ziemlich oft Hülsenfrüchte und ausserdem tue ich mir das in meinem Alter nicht mehr an”. Sie sah mich komplett entgeistert an und sagte “Aber mit Mitte Dreissig kann man doch noch gut ein Kind wollen”. “Ja, korrekt, aber ich bin 50 Jahre alt”. Sie stand für einige Zeit echt regungslos da, bis sie endlich sagte “Wirklich? Das kann doch nicht sein!” Meine Kollegin bestätigte ihr mein Alter und wir ließen sie fassungslos zurück.

Eine ähnliche Szene hatte ich vor fast einem Jahr schon einmal. Sollte mir das zu denken geben? Ja, ich neige etwas zu einem aufgeblähtem Bäuchlein. Wie gesagt esse ich sehr viel Erbsen, Bohnen, Lauch, Zwiebeln, Kohl… da liegt es in der Natur der Sache, dass man ab und an etwas aufgebläht ist. Andererseits ist es auch ein Kompliment, als 50Jährige für schwanger gehalten und auf Mitte 30 geschätzt zu werden. Was überwiegt da? Die Freude darüber, dass ich noch im normalen gebährfähigen Bereich angesiedelt werde, wo sich keiner das Maul darüber zerreißen würde, wenn es so wäre, oder der Gedanke, dass ich immer ausschaue, als hätte ich einen Topf Chilli sin Carne verschluckt?

The Jesters Tales

Soeben fielen mir wieder ein paar absurde Erlebnisse ein, die genau so stattgefunden haben:

  1. Als mein Hallux Valgus schon stark ausgeprägt war, ging ich zu einem Orthopäden. Meiner war leider im Urlaub und ich ging zu einem Vertretungsarzt. Er schaute meine Füsse an und fragte, was das Problem sei. Ich deutete auf den wirklich stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuss und sagte, dass Schuhe mein Problem wären. Dass ich für diesen herausragenden Knochen kein adequates Schuhwerk finde. Er antwortete “Lassen Sie doch einfach von einem Schuster all Ihre Schuhe an der Stelle ausbeulen”. Ja sicherlich. Dann kann ich mir ja gleich Clownsschuhe zulegen! Das wäre zwar eine praktische, aber keine ästhetische Lösung.
  2. An einem meiner früheren Arbeitsplätze sass ich noch später Abends am Schreibtisch, als die Tür aufging, die Putzfrau mit einem großen Besen Laub und Unrat vom gefliesten Flur auf den Teppichboden in meinem Büro kehrte und als ich sie fragte, was das soll, antwortete sie “auf dem Teppich kann ich den Dreck besser staubsaugen”.
  3. Ebenfalls bei einer meiner früheren Arbeitsstätten stank es auf der Toilette immer aus einem Schacht. Man musste regelmässig einen Eimer Wasser in den Schacht leeren, damit der Gestank nachließ. Ganz eliminieren lies er sich auf diese Weise nicht. Als der Geruch beinahe unerträglich wurde, wurde eine Firma angeheuert, die sich das anschauen sollte. Es kam ein Handwerker, er schnüffelte in den Schacht, murmelte etwas Unverständliches, ging und kam eine halbe Stunde später mit einem Eimer Beton zurück. Er schüttete den Beton in den Schacht und erklärte; “Jetzt wird es nicht mehr stinken!”
  4. Letzten Sommer klingelte eine ältere Frau an meiner Haustür, zeigte auf meine Jogginghose und sagte “Die will ich haben”. Die Frau wog mindestens das Doppelte von mir und die Hose hätte ihr niemals gepasst. Sie hat sie natürlich auch nicht bekommen.
  5. Bei einer Weihnachtsfeier im Familienkreis hatte die Restaurantleitung das Lokal hoffnungslos überbucht, Wir mussten deshalb in einen Vorratsraum, der ähnlich einer Scheune war und sich etwas außerhalb befand. Es war dort noch kälter als im Freien. Wir froren, wurden ständig vom Personal vergessen und das Essen war kalt und qualitativ minderwertig. Ich beschloss zur kleinen Entschädigung die Dekoration in meinen Besitz zu nehmen. Auf diese Weise kam ich zu einer roten Glitzer-Nikolausmütze mit weißem Rand und Bommel.
  6. Eine ehemalige Bekannte setzte im Spielcasino beim Roulette immer den gleichen Betrag auf rot und schwarz.
  7. Eine Freundin und ich liefen zu einem Bahngleis, um zum shoppen in die nächstgrößere Stadt zu fahren. Es stand dort schon ein alter Mann. Er fragte uns sofort, ob wir Deutsche wären, faselte dann noch wirres Zeug von Orson Wells, Kinderlähmung und einer Reichsstadt. Er kam immer näher und war uns sehr unheimlich. Der Zug hatte 10 Minuten Verspätung und wir waren diesem unangenehmen Zeitgenossen regelrecht ausgeliefert. Wir waren so froh, als der Zug endlich kam. Wir setzten uns dann extra so, dass er sich nicht zu uns setzen konnte. Wir beobachteten eine halbe Stunde später, wie er in einer Stadt ausstieg, die für seine psychiatrische Klinik bekannt ist. Wir hofften inständig, dass er sich dort behandeln lies. Normal war dieser “Herr” ganz sicher nicht. Bei ihm waren mehrere Sicherungen im Oberstübchen durchgebrannt. Als wir heimfuhren schauten wir ängstlich, ob dieser Unsympath wieder mit im Zug wäre. Er war es zum Glück nicht und wir sahen ihn seither erfreulicherweise nicht wieder.
  8. Im Sommer vor zwei Jahren waren wir mit einem befreundeten Paar im Biergarten. Es war dort ein Cocktailstand aufgebaut in vorm einer Limette. Die Woche zuvor war diese Limette auch schon da und ein echt netter Barkeeper hatte meine Bestellung ohne jeglichen Kommentar problemfrei bearbeitet. Doch diesmal stand ein anderer Mann hinter`m Tresen. Ich sagte ihm – wie die Woche zuvor schon seinem Kollegen – dass ich leider gegen Zitrusfrüchte allergisch wäre und ob er mir was Anderes zusammen mixen könne, zum Beispiel stattdessen was mit Erdbeerlimes (wie der Kollege). Er schaute mich unwirsch an, rief dann laut “Hätte ich doch nur was Gescheites gelernt” und schnauzte mich an “Ich stehe hier in einer Limette und Du willst, dass ich einen Cocktail ohne Zitrusfrüchte mixe!!!Geh doch einfach wo anders hin und hol Dir ein Bier oder einen Wein”. Ich war zuerst sprachlos, sagte ihm dann jedoch, was der nette Barkeeper für mich gemacht hatte. Missmutig mixte er Erdbeerlimes mit Rum und schmetterte den Becher auf die Theke. Seit diesem Tag bestellte ich in der “Limette” nur noch etwas, wenn dieser unsagbar sympathische Mensch nicht anwesend war. Bei all seinen Kolleginnen und Kollegen hatte ich nie ein Problem. Vielleicht weil die es einfach drauf hatten? Es gibt doch nicht nur Cocktails mit Zitrusfrüchten, bzw. Säften aus Zitrusfrüchten. Wer sein Handwerk beherrscht kann durch aus auch leckere Cocktails aus anderen Zutaten zaubern.

to be continued