Total schräg, skurril, abgedreht, aberwitzig und manchmal auch einfach nur schön

Hier eine kleine Sammlung der abgefahrenen Begegnungen, die ich in meinem bisherigen Leben hatte:

  • Ich lief eines abends nach der Arbeit zum Parkplatz, als mich ein Fremder ansprach. Er übergab mir einen Strauß roter Rosen mit der Erklärung, dass seine Freundin ihn versetzt hätte und er jetzt keinen Bock mehr hat, ihr die Blumen zu schenken. Ich nahm den Strauß perplex entgegen und der Typ verschwand in der Fußgängerzone.
  • Ein ehemaliger Kollege lud einen Teil der Belegschaft zur Einweihung seiner neuen Wohnung ein, die er mit seiner Freundin bezogen hatte. Im Schlafzimmer stand gegenüber dem Bett auf einer Kommode ein kleines Passbild von mir.
  • Meine Nichte und ich waren auf dem Stadtfest meiner Heimatstadt und wir warteten am Taxistand auf unser Taxi. Es lief ein junger Kerl vorbei, der uns mit “Ihr seid es wirklich” ansprach. Dann zog er aus seiner Jackentasche seinen Geldbeutel, öffnete ihn und zog ein Bild von uns Beiden heraus. Es war ein Bild, welches im Jahr zuvor auf einer Internetplattform von einem Eventfotografen veröffentlicht worden war. Es zeigte uns beide, wie wir vor einem Riesenrad standen.  Das war sehr unheimlich. Er hatte das Bild ausgedruckt, ausgeschnitten und bewahrte es seit einem Jahr in seinem Portemonnaie auf, wie andere ihre Familienbilder.
  • Ein mir wildfremder älterer Mann zischte mir beim Vorbeilaufen ein nicht sehr freundliches “Du dürre Hexe” zu.
  • Zwei alte “Damen”, die hinter mir liefen, redeten ziemlich laut und deutlich folgendes über mich: “Die läuft wie ein Storch”. Ich drehte mich um und entgegnete “Stimmt. Ich laufe wie ein Storch!”. Sie redeten danach nicht mehr über mich.
  • Ein Mitglied eines Motorradclubs bot mir mal auf einer Party wortwörtlich eine Handvoll Kartoffelsalat an. Er hatte mit der bloßen Hand in den Salat gefasst und bot mir diesen auf seiner Handfläche dar. Undankbar lehnte ich ab und er war total sauer.
  • Ich lachte mal oft und viel auf dem Rathausplatz meiner Heimatstadt während der jährlich stattfindenden Kulturtage. Neben uns stand ein stadtbekannter Restaurantbesitzer. Irgendwann kam er her und sagte, ich solle gefälligst aufhören zu lachen, weil ihn das stören würde. Irgendwie musste ich noch mehr lachen und bekam so einen Lachflash, dass ich beinahe daran erstickt wäre. Je mehr der gute Mann sich aufregte, desto mehr musste ich lachen. Es war wirklich fatal. Irgendwann wurde es ihm zuviel und er verließ den Ort.
  • Ich war auf einer Party, wo ich fast niemand kannte. Es wurde so ein lustiger und abgedrehter Abend, dass mich zum Schluss alle kannten und mich regelrecht feierten. Keine Ahnung, was ich gemacht hatte, aber alle sagten mir zum Schluss wie toll sie mich finden würden und umarmten und herzten mich, als ob sie meine allerbesten Freunde wären. Auf eine Art war das echt schräg, aber ich muss gestehen, dass das in 2020 der allerbeste Abend war und ich schon lange nicht mehr so viel Spass hatte wie an jener Feier.
  • Letztes Jahr auf dem Sommernachtsfest sagte ein betagter Herr zu mir “Sie schweben an mir vorbei wie eine Fee”. Das war echt schön.

Fortsetzung folgt

Scharlatane oder nicht?

Wir verloren innerhalb sehr kurzer Zeit zwei unserer geliebten Katzenkinder und sind noch immer in der Trauerphase.

Es beschäftigt mich auch nach wie vor die Frage nach dem “Warum”, auf die ich letztendlich nie eine Antwort bekommen werde.

Mir wurde zur Trauerbewältigung eine sogenannte Tierkommunikation empfohlen.

Ich hatte das schon vor zwei Jahren, nach dem Tod unserer MissC ausprobiert und hätte es eigentlich besser wissen müssen. Die Dame erzählte mir damals, dass MissC nun ein Kolibri wäre und das Fliegen genießen würde. Sie erzählte noch etwas über Zeichen, die ich in Form von weissen Federn von ihr erhalten sollte, weil Federn die Leichtigkeit darstellen und blablabla. Ich erkannte meine MissC in nichts des Gesagten und ich bekam auch keine weissen Federn als Zeichen. Ich sagte der selbsternannten Tiertelephatin, dass ich damit nichts anfangen könne und bekam zur Antwort, dass alles was sie gesagt hätte stimmig wäre und wenn ich das nicht verstehen würde, wäre es mein Problem.

Dass ich bei dieser “Expertin” keine Tierkommunikation mehr machen würde war also klar. Ich bekam eine andere Frau empfohlen, bei der alles ganz anders wäre.

Sie erzählte mir, dass Gizmo sich schon im Himmel befinden würde und dort in der Obhut eines männlichen Verwandten von mir sei, dass er jedoch bald wieder inkarnieren wird. Merlin dagegen wäre noch auf der körperlichen Ebene, weil unsere Trauer ihn zurück halten würde. Er hätte so früh sterben müssen, weil er im Himmel eine Aufgabe zu erledigen hätte.  Sie sehe die Farbe türkis und Blumen, ob mir das was sagen würde. Ich sagte, dass ich Lavendel in sein Grab gelegt habe und sie sagte, das wäre es dann. Mein Einwand, dass türkis und lila zwei grundverschiedene Farben sind, wurde übergangen. Ich solle eine Schatulle mit einer Perlenkette suchen. Ich sagte, dass ich so etwas nicht besitze und sie antwortete, dass ich mir dann wahrscheinlich eine Gebetskette kaufen soll. Sie sah angeblich einen roten Gummiball. Ich sagte, dass wir so ein Spielzeug nicht besitzen. Darauf hin warf sie ein, dass das dann ein Spielzeug wäre, mit dem Gizmo und Merlin jetzt im Himmel spielen würden. Ja sichi! Meine Oma hätte spätestens an dieser Stelle gesagt “die hat schneller eine Ausrede, als eine Maus ein Loch findet”. Wohl wahr! Es stimmte wieder nichts und ich erkannte keine meiner Katzen in dem Geschilderten. Sie verwechselte sogar mehrfach die Namen der Katzen. Man kann sich doch zwei Namen korrekt merken verdammt noch mal, das ist ja wohl das Mindeste.

Weil ich nach diesen Erlebnissen noch immer nicht gescheiter war, buchte ich eine Schamanin für unseren Orpheus, der seit langer Zeit an Durchfall leidet.

Wir hatten in den letzten Monaten schon vier Tierärzte, 3 Tierheilpraktiker, 1 Osteopatin und eine Akupunkteurin “durch” und niemand konnte bisher helfen. Drei Allergietests, Ultraschall, mehrfache Blut-, Urin-, und Kotuntersuchungen mit dem Anlegen von Kulturen hatte rein gar nichts gebracht. Wir probierten zig verschiedene schulmedizinische wie homöopathische Mittel aus, jedoch bis jetzt leider ohne Erfolg. In solchen Situationen greift man dann gerne nach dem letzten Strohhalm. Die schematische Heilerin erzählte mir, dass Orpheus ihr erzählt hätte, dass er deswegen Durchfall hat, weil er in seinen früheren Inkarnationen immer wieder verjagt und verlassen wurde oder früh seine Eltern verlor. Deswegen hätte er jetzt angst, dass er auch in diesem Leben wieder verlassen wird. Er wisse, dass dies nicht der Fall wäre bei uns, jedoch trägt er diese Prägung aus den früheren Leben. Er wäre aber jetzt bereit dies aufzulösen und er wäre jetzt geheilt davon. Mutter Maria hätte geholfen ihn zu heilen. Ähm… ja sichi Mutter Maria, warum nicht gleich Jesus selbst oder Gottvater. Ich glaube nicht an diese Religion und hätte das von einer keltischen Schamanin auch nicht erwartet zu hören. In dem Moment dachte ich “Oh man Margit, Du bist wieder auf die gleiche Scheisse herein gefallen”. Doch dann sagte sie, dass sie einen roten Kumpel sehen würde, der bald zu Orpheus kommen würde. Dass sie eine rote Katze sah, hat mich dann wieder hoffen lassen, dass sie doch was kann. Als ich es meinem Mann erzählte, sagte er nur “Hey die hat Dich ganz sicher gegoogelt und wenn sie Deinen Blog gefunden hat, war es ein leichtes eine rote Katze einzubauen”. Mag ja sein, dass er recht hat. Ich glaube noch immer an das Gute in den Menschen.

Tja, leider ist der Durchfall nach wie vor noch da, was ich der Schamanin auch berichtete. Zur Antwort bekam ich: “Es kann sich manchmal sofort etwas verändern, manchmal dauert es, manchmal sind weitere Schritte nötig. Bei der Lesung wurde energetisch alles, was sich uns dazu gezeigt hat, durch die geistige Welt aufgelöst. Beobachte es mal”.

Der Kommentar meines Mannes war: “Wenn Du das Geld einfach zum Klo runter gespült hättest, wäre es genauso gewesen”. Ich musste ihm versprechen, nie wieder einen Cent für so was in der Art auszugeben.

Ich klammere mich noch immer an den Hoffnungsstrahl, dass die Geistheilerin keine Scharlatanin ist und dass der Durchfall von Orpheus bald aufhört ich werde sie jedoch für “Weitere Schritte” ganz sicher nicht mehr bezahlen. Was die anderen Tierkommunikatoren betrifft, so denke ich, dass sie – bewußt oder unbewußt – das Leid der Leute (wie bei mir) ausnutzen. Wenn die das wirklich könnten, dann hätten sie zumindest etwas gesagt, was ganz klar und eindeutig von meinen Tieren kam und nicht so ein Wischiwaschi Geschwätz ins Blaue geraten in der Hoffnung, dass mal ein Treffer dabei ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Blumen in ein Grab legt ist relativ gross und auch, dass jemand ein rotes Katzenspielzeug hat. Sie sagte noch, dass sie einen Futternapf sieht, hahahaha ach wirklich? Das ist ja mal etwas gänzlich aussergewöhnliches in einem Mehrkatzenhaushalt.

Ich darf zukünftig einfach nicht mehr so dumm sein und auf solche Leute hereinfallen. Es gibt Zeiten, da wünsche ich, ich wäre skrupelloser und könnte andere ebenso abzocken. Dann wäre ich “Die große Catsania” und würde auf einem einschlägigen Kanal den Leichtgläubigen die Zukunft aus der Katzenscheisse heraus lesen. Bin ich aber zum Glück nicht, weil so möchte ich echt nicht sein!

Ich werde gerne eines besseren belehrt, denke aber, dass die Mehrheit der Geistheiler, Schamanen, Tierkommunikatoren, energetischen Heilern und wie sie sich auch nennen, nichts können. Ein vermutlich kleinerer Teil davon sind Betrüger, die die Menschen bewusst herein legen. Ich befürchte der größere Teil sind einfach Dilettanten, die glauben es zu können. Sie betrügen die Leute nicht bewusst, sondern überschätzen sich einfach selbst. Ich weiss jetzt nicht, welche “schlimmer” sind, die wirklichen Scharlatane oder die Dilettanten?

Ich glaube, es gibt ein paar ganz wenige echte “Wunderheiler”, die telepathisch mit Tieren Verbindung aufnehmen können und sie heilen können. Diese echten Könner würden dann aber auch konkrete Angaben machen, die unverkennbar und einzigartig sind, wie z.B.: “Gizmo lag jede Nacht auf Deinen Knöcheln” oder “Merlin hat Deinem Mann immer beim Sport zugeschaut”. Das wäre sowas von eindeutig und glasklar gewesen und ich hätte es geglaubt. Im Gegensatz zu “Ihr sollt bei Mondschein spazieren gehen, das hilft bei Eurer Trauer”. Das kann schon helfen, ich bezweifle jedoch stark, dass das unser Merlin gesagt hat.

Nachtrag: nach zwei Wochen habe ich der keltischen Schamanin gesagt, dass Orpheus absolut unverändert ist und noch immer Durchfall hat. Daraufhin bekam ich zur Antwort, dass es dann meine Erwartungshaltung wäre, die verhindert, dass der Durchfall aufhört. Ja prima. Also bin wieder ich die “Schuldige”, dass es nicht funktioniert. Ich denke, wenn mir jemand sagt, die Traumata meines Katers aus vergangenen Leben hätte sich komplett aufgelöst und er wäre frei davon, dann darf ich auch erwarten, dass er dann keine Symptome mehr zeigt. Ich habe für diese Geistheilung € 120,00 an Lehrgeld bezahlt. Mein Mann sagte “Wenn’s ne Gute wäre, hätte sie Dir wenigstens einen Teil des Geldes zurück erstattet, wenn ihre “Heilung” keinen Erfolg zeigt”. Ja, wenn es ne Gute wäre… aber Ausreden finden und die Verantwortung an mich abwälzen ist einfacher. Kann schon sein, dass es wirklich gute Geistheiler, Tierkommunikatoren und Sonstiges gibt, aber meine Erfahrungen mit der “anderen Fraktion” haben mir jeglichen Glauben an “Gute” genommen.

Ein weiterer Schwank aus meinem tollpatschigen Leben

Vor noch nicht all zu langer Zeit wollte eine etwas übergewichtige Bekannte ein Buch über vegane Ernährung von mir leihen. Ohne darüber nachzudenken – um ehrlich zu sein, habe ich gar nichts gedacht, wirklich nichts – lieh ich der Dame das Buch Skinny Bitch. Mein Mann schüttelte nur den Kopf und kommentierte es mit “Das hast Du nicht getan?!?”. Doch hatte ich.

Ich habe mir wirklich nichts Böses dabei gedacht. Die arme Frau hat bestimmt gedacht, ich will sie verarschen oder mache mich über sie lustig, doch davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich habe einfach nicht nachgedacht. Im Nachhinein war es natürlich peinlich und ich habe mich dafür geschämt. Sie hat nie ein Wort darüber verloren und das Buch nach kurzer Zeit wieder zurück gegeben. Es landete in einem neutralen Kuvert in meinem Postfach. Uhppps. Sie grüßt mich noch freundlich, aber zu weiteren Gesprächen kam es seither nie wieder. Ich hatte keine Idee, wie ich das richtig stellen sollte. Klar hätte ich sagen können “Du, ich war einfach doof und habe meinen Kopf nicht eingeschaltet”. Naja, ich denke das ist so oder so offensichtlich. Sie war jetzt keine gute Bekannte, sonst hätte ich das Ganze geklärt.

Aber vielleicht sollte ich diese Geschichte zum Anlass nehmen, auch nicht immer Aktivitäten Anderer auf mich zu beziehen, vielleicht hatten die ebenfalls einfach ihr Gehirn ausgeschaltet.

Ein Schwank aus meiner Kindheit

Als Kind fuhr ich jedes Jahr  mit meinen Eltern in die Berge. Während einer dieser Urlaube fuhr ich mit der Seilbahn einen Berg hinunter. Ich erinnere mich nicht mehr, wie wir den Berg  hochgekommen waren, die Fahrt hinunter wird mir jedoch immer in Erinnerung bleiben. Der Sessel der Seilbahn war schon sehr alt und würde heute wahrscheinlich sofort stillgelegt werden. Mitte der siebziger Jahre nahm man das noch nicht so genau. Jedenfalls bestand die Lehne des Sessellifts aus einem Rohr. Dieses Rohr war vorne offen und damit geradezu prädestiniert dafür, dass ich meinen Daumen dort hineinsteckte. Nur leider bekam ich ihn nicht mehr raus und die Bodenstation kam näher und näher. Die Seilbahn-Mitarbeiter riefen mir schon zu, ich solle endlich abspringen. Das ging nun mal nicht. Panisch zog ich an meinem Daumen, bis er endlich wieder befreit war, und sprang gerade noch rechtzeitig ab, bevor ich gegen das Rondell geknallt wäre. Der Finger hatte alle Schattierungen von schwarz bis lila. Es gab natürlich eine kräftige Standpauke. Ich fuhr ab diesem Zeitpunkt nie wieder mit einem Sessellift.

Wenn man viel Zeit hat…

… fallen einem die absurdesten Geschichten wieder ein…

Ich kann die Geschichte heute erzählen, denn sie ist schon längst verjährt:

Als ich damals – es war ungefähr Anfang der 90er – in dem Fotogeschäft arbeitete, gab es dort eine Stammkundin. Die Frau war sehr nett und sie war ein paar Jahre zuvor Oma geworden. Enthusiastisch fotografierte sie ihren Enkel zu allen erdenklichen und unerdenklichen Gelegenheiten. Ihr Lieblingsbild war, wie der kleine Kerl in den Wald kackte. Sie ließ diese Fotografie tausendfach vervielfältigen und verschenkte sie an alle, die sie wollten oder meistens eben nicht.

Ein Kollege und ich beschlossen, dass diesem Treiben ein für alle Mal ein Ende bereitet werden müsse. Wir vernichteten das “Ach so süsse” Negativ, indem wir es mit Aceton begossen und abwechselnd mit siedend heißem und polarkaltem Wasser bespritzten. Uhhhps, das tat uns aber sooooo leid, wie konnte das nur passieren. Selbstverständlich entschuldigten wir uns für unser “Missgeschick” bei der Dame. Für den Enkel kam jedoch jede Rettung vor dieser Aufnahme zu spät. Von da an bestellte seine Oma eben Abzüge per Bild vom Bild.

Was aus der Oma und dem Kind wohl geworden ist? Die Frau müsste heute so um die 80 sein und der Enkel ungefähr Mitte Dreißig. Ich hoffe, der junge Mann hat keine Spätfolgen durch die Fotografie erleiden müssen.

 

Eine weitere schier unglaublich klingende Geschichte

Man schrieb das Jahr 1990 und es war eine sternenklare Silvesternacht. Überall feierten kultivierte Menschen den Jahreswechsel. So auch eine Gruppe junger Erwachsener, wobei das Verständnis für Kultur dort sehr relativiert war.

Die Party in der Scheune neben dem Elternhaus des Gastgebers war in vollem Gange. Es gab hausgemachten Kartoffelsalat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich hungrig mit meinem Teller am Büffet stand, als sich eine Horde Mitglieder einer Motoradgang an mir vorbeidrängelte, mit den bloßen Händen eine Portion aus der Schüssel nahm, sich diese in den Schlund stopfte und mit einem Krug Bier nachspülte. Irgendwie war mir daraufhin der Appetit vergangen. Als einer der Herrschaften mir netterweise eine Hand voll anbot, lehnte ich aus unerfindlichen Gründen dankend ab.

Die Stimmung war schnell auf dem Siedepunkt und konnte auch nicht durch das wiederholte Auftauchen von damals noch grün-weißen Fahrzeugen und mehrfachen Einsätzen eines Krankenwagens getrübt werden.

Der erste Sanitäter musste anrücken, als einer der Gäste beim Bierholen in eine Baugrube fiel, in der das Gebräu zwecks Kühlung abgestellt war, und sich dabei den Knöchel brach. Das zweite Mal kamen die guten Samariter, als einer der Gäste über die Blumenkübel der Mutter des Gastgebers torkelte und sich dabei eine böse Armfraktur zuzog. Und zum dritten Mal erschienen sie, als der Vater des Gastgebers das neue Jahr mit Böllerschüssen aus seiner Schrotflinte begrüßen wollte und dabei versehentlich einem der Umstehenden in den Fuß schoss. Nicht nur die Sanitäter, sonder auch die Teilzeitgäste in Grün hatten alle Hände voll zu tun. Unfallprotokolle mussten aufgenommen werden und die Anwohner hatten schon zigmal um Ruhe gebeten. Als kleine Zwischenunterhaltung wurde im winzigen Jugendzimmer des Veranstalters immer mal wieder sein dort abgestelltes Motorrad angelassen, wodurch  wiederum eine Person beinahe eine Vergiftung durch die Abgase erlitt.

Einer der Nachbarn rief beim Gastgeber an und bat darum, die Musik etwas leiser zu drehen, aber jener Bitte konnte dieser nur ein müdes Lächeln abgewinnen – und er drehte noch mal um ein paar Dezibel lauter. Als das Telefon erneut klingelte, zog er aus der Küchenschublade ein Schlachtermesser heraus, kappte kurzerhand das Telefonkabel und kommentierte sein Verhalten lapidar mit den Worten: „Jetzt ruft keiner mehr an.“ Wohl wahr.

Ich schwöre, dass sich alles genau so zugetragen hat. Ohne Übertreibung. Es fand wirklich so statt.

Alles geht irgendwann einmal zu Ende

Ich sitze gerade zu Hause weil ich angehalten wurde Überstunden abzubauen- dem Coronavirus geschuldet. Die unerwartete Freizeit kommt mir heute sehr entgegen, weil ich mich etwas müde und schlapp fühle. Ich lag also gerade so auf dem Sofa und dachte über die Zeiten in meinem Leben nach, die nicht so schön waren, aber dennoch irgendwann vorüber gingen.

Als ich Mitte / Ende 20 war arbeitete ich in einem Fotogeschäft und dort gab es einen Stammkunden. Er hasste mich, ich fand ihn einfach nur grausig. Er hatte die Angewohnheit, alle weiblichen Angestellten zwar zu siezen, aber mit ihren Vornamen anzusprechen. Die männlichen Angestellten wurden immer mit ihrem Familiennamen angesprochen. Wenn er den Laden betrat, mussten alle alles stehen und liegen lassen und sofort zu ihm eilen und seinen Wünschen entsprechen. Er hatte immer eine Lodenkluft an mit Jägerhut. Den das war sein Beruf: Jäger.

Viele Jahre sprangen wir alle zu ihm, sowie er die Tür durchschritten und sich zu seinem Stammplatz begeben hatte. Von dort erteilte er dann seine Befehle. Meist in sehr barschem Befehlston. Er hatte die Angewohnheit meinen Namen regelmässig zu verballhornen und mich mit Margot anzusprechen. Es bereitete ihm sichtliches Vergnügen, zu sehen, dass ich mich immer darüber aufregte. Jeder im Laden machte gute Miene und niemand erhob je das Wort gegen den Herrn. Tja, bis zu dem Tag, an dem die kleine Revoluzzerin in mir die Oberhand gewann.

Es war ein Tag an dem der Laden randvoll war mit Kundschaft. Jeder Angestellte war beschäftigt. Er kam herein und ich stand seinem Stammplatz am nächsten, beriet aber gerade einen anderen Kunden. Für gewöhnlich hätten wir alle jeden anderen Kunden kurz stehen lassen und ihm wenigstens vorerst seine Bestellungen aushändigen müssen. Nicht so an diesem Tag. Ich ignorierte ihn. Ich wollte den sehr netten Kunden, der mich um Rat gefragt hatte und dessen alte Fotografien wir gerade bezüglich Restauration besprachen nicht wegen dem alten penetranten Sack stehen lassen. Er hatte es nicht verdient, wegen so einem zu warten. Herr…ohm mir ist sein Name entfallen!!! Obwohl er mich jahrelang gepiesackt hat, fällt mir tatsächlich sein dämlicher Name nicht mehr ein – nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Depp. Herr Depp zischte unwirsch zu mir herüber “Margotttt holen Sie mir sofort meine Bestellungen” und ich sagte “Herr Depp, Sie sind an der Reihe, sowie ich Zeit habe!”. Ich war über meine eigenen Courage erstaunt. Nie hatte jemand es gewagt, Herrn Depp etwas abzuschlagen. Er wurde richtig zornig und schrie mich vor allen Kollegen und Kunden an: “Margotttt, holen Sie auf der Stelle meine Bestellungen, damit ich sie durchsehen kann”. Ich blieb unnatürlich ruhig, aber nur äußerlich, innerlich zitterte ich und ich sagte zu ihm: “Mein Name ist Margit und für Sie immer noch Frau M. (mein Nachname)! Und Sie warten jetzt auch mal, bis Sie an der Reihe sind, wie normale Menschen auch!”. Er schrie wutentbrannt: “Das wird Ihnen noch sehr leid tun”. Es war mucksmäuschenstill geworden. Kaum jemand traute sich zu atmen. Er nahm seine Aktentasche, stürmte zum Treppenhaus und rannte dort schnurstracks ins Büro des Ladenbesitzers um sich über mich zu beschweren.

Ein Kollege kam auf mich zu, umarmte mich und sagte “Ich bin stolz auf Dich”, eine Kollegin sagte “Oh Margit, das wird noch Ärger geben”. Der Mann mit den zu restaurierenden antiken Fotografien schaute nur total verdutzt und ich entschuldigte mich bei ihm, dass er in dieses Geschehen hinein geraten war. Er meinte “Ich glaube, das war echt mal überfällig mit dem Typen” und grinste mich an.  Es geschah danach nicht sehr viel. Der alte Sack hatte sich zwar massiv über mich beschwert, aber was hätte mein Vorgesetzter sagen sollen. Ich hatte mich nicht falsch verhalten. Es wurde vereinbart, dass ich Herrn Depp keinesfalls mehr bedienen dürfte. Darüber war ich natürlich äußerst traurig… hahahhhaaaa.

Keine Ahnung ob der noch lebt. Vermutlich schon. Es war eine äußerst drahtige, ausgemergelte Kreatur. Sowas konserviert. Er war damals bestimmt in seinen späten 60ern und müsste dann entsprechend heute so um die 85 / 90 sein. Doch ich bin mir fast sicher, dass dieser fiese kleine Arsch noch lebt und vermutlich in einem Altersheim die Pflegerinnen tyrannisiert.

Diese Geschichte soll mir verdeutlichen dass jede beschissene Situation irgendwann vorüber war. Ich habe Herrn Depp schon seit 1997 nicht mehr sehen müssen und kann mich nicht einmal mehr an seinen richtigen Namen erinnern. So ähnlich wird es spätestens in weiteren 23 Jahren (eher schon viel früher) mit Leuten sein, die mir im Hier und Jetzt das Leben schwerer machen als es sein müsste. Wenn es also so oder so zwangsläufig in absehbarer Zeit irrelevant sein wird, dann muss es mich jetzt auch nicht belasten oder aufregen. This too shall pass. Auch dies wird vorüber gehen!

Der Nikolaus ist unfreiwillig komisch

Vor zwei Jahren zum Nikolaustag hatten Bekannte von mir einen “Nikolaus” für ihre Kinder gebucht. Er sollte die Geschenke bringen, was Nettes sagen und wieder gehen. Doch es kam anders…

Als die vereinbarte Zeit herangerückt war, war noch immer kein Nikolaus zu sehen, weshalb die Eltern der zu beschenkenden Kinder im Büro des Nikolaus anriefen um zu erfragen, wann er den kommen würde. “Ja I komm dann glei. Mai Fahrer muss mi no abholla, weil I was drunga han” (Übersetzung: Ja, ich komme dann gleich. Mein Fahrer muss mich noch abholen, weil ich schon etwas getrunken habe). Zumindest war er so vernünftig, nicht mehr selbst zu fahren und 15 Minuten später stand tatsächlich der etwas angeschickerte “Nikolaus” vor der Tür, während sein Fahrer im Auto auf ihn wartete.

Der Nikolaus sagte zu den erstaunten Kindern “Daar Nigolaus isch hungrich und durschdich und brauchd erschamoal a Bier und die Bläzläää sea au guad aus” (Übersetzung: Der Nikolaus ist hungrig und durstig und braucht zuerst einmal ein Bier und das Weihnachtsgebäck sieht auch gut aus). Die Familie war so perplex, dass sie dem Hobbynikolaus einen Teller Plätzchen und ein Bier hin stellten. Doch das reichte noch nicht “A Veschbar wär jedzd a ned schlechd und a Verdauungsschnäbsle” (Übersetzung: Ein Vesper wäre jetzt auch nicht schlecht und ein Verdauungsschnaps). Wieder war die Familie perplex, brachte das Gewünschte aber sofort.

Der Mann, der vorher schon angetrunken war, war nach dem Bier und dem Schnaps nicht nüchterner. Er überreichte den Kindern die Geschenke lallend und grölend. Die Kinder versteckten sich hinter den Erwachsenen und sagten, dass sie Angst hätten. Das war dem Vater dann endlich zu viel und er setzte den dreisten Kerl vor die Haustüre. Sie beobachteten noch vom Fenster aus, wie der “Chauffeur” ihn wegfuhr.

Als uns die Geschichte erzählt wurde, war mein erster Gedanke “Hey, daraus könnte man doch einen Partygag machen”. Für Kinder ist er offensichtlich nicht geeignet, aber für eine Erwachsenenparty hätte er eine unfreiwillige Komik. Wie bei dem Film “Dinner für Spinner”.

Leider hatte die betroffene Familie die Kontaktdaten nach dem Vorfall sofort entsorgt, weshalb wir den Mann nicht mehr buchen konnten.

Falls Euch etwas Ähnliches passiert ist und Ihr den Namen und die Adresse des Nikolaus noch wisst, bitte gerne an mich weitergeben.

Wie ich mal fast ein Hochzeitsshooting verlassen hätte

Vor einigen Jahren, war ich die Hochzeitsfotografin bei einem Paar wo er total unsympathisch war und sie eine total Liebe.

Die Braut hatte mich gebeten, ein paar Einzelbilder von ihr im Brautkleid zu machen und darunter auch ein sogenanntes Stumpfband-Bild. Das Shooting fand an einem seichten Flusslauf statt, das mit ein paar kleinen Felsstücken garniert war.

Sie stellte ein Bein auf einen der kleinen Felsen, sie krempelte das Brautkleid hoch bis zum Oberschenkel, so dass man das Strumpfband sah und ich fotografierte es. Wir hatten das Bild gerade fertig, als der Bräutigam schäumend vor Wut angerannt kam und mich anschrie, dass ich aufhören solle, solch “perversen Bilder” von seiner Frau zu machen. Ich stand zuerst ziemlich perplex da, bis ich meine Stimme wieder fand und sagte “Geht`s Dir noch gut? Die Bilder sind nur für Euch, wenn Deine Frau so ein Strumpfband-Bild will, ist das ihr gutes Recht und ob Ihr die Bilder jemandem zeigt oder nicht ist alleine Eure Sache, also wo bitteschön ist Dein Problem?”. Er wollte sich aber aufregen und sich nicht wieder einkriegen. Wenn die Braut nicht so nett gewesen wäre und ich sie nicht so gern gehabt hätte, hätte ich dem Kotzbrocken gesagt “Dann mal Dir doch ab jetzt Deine Hochzeitsbilder”. Doch ich blieb, machte gute Miene zum bösen Bräutigam und hielt meinen Mund.

Das Paar hat sich schon bald getrennt und das war auch gut so: Vor allem für die Braut.

Jetzt gehst Du aber nach Hause, Du Vielfraß

Ich hörte heute meinen Lieblingsradiosender und dort war das Thema “Sonderbare Erlebnisse”. Eine Hörerin berichtete, dass sie als circa 10Jährige bei einer Freundin zu Besuch war und dass  die Mutter den Stuhl auf dem sie saß mit einem Lappen abwusch, als sie aufstand.

Was muss im Leben der Frau schief gelaufen sein?

Diese Geschichte erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich selbst als circa 11Jährige hatte. Ich war damals bei einer sehr übergewichtigen Klassenkameradin zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Es gab Schwarzwälderkirschtorte. Ich war schon immer eher dünn, hatte aber ebenfalls schon immer einen guten Appetit. Ich aß auf der Feier 3 Kuchenstücke, als die Mutter der Schulfreundin sagte “Du gehst jetzt nach Hause! Du hast Dir Deinen Wanst jetzt wirklich genug voll geschlagen” Völlig perplex stand ich auf und ging nach Hause. Ich wurde dort nie wieder eingeladen und ich hätte dieses Haus auch nie wieder betreten. Damals, als Kind, war es mir furchtbar peinlich. Heute denke ich, hätte es der Mutter peinlich sein sollen. Sie hätte ja sagen können “Also Margit, jetzt hörst Du besser auf mit dem Kuchen, sonst wird Dir noch schlecht” oder etwas in der Art. Eigentlich hätte sie doch stolz auf ihre Backkünste sein können, wenn jemand ihren Kuchen so gerne isst. Es ist schon Jahrzehnte her und ich habe keinen Schimmer was im Kopf dieser Frau vor sich ging, bin mir aber ziemlich sicher, dass es nichts mit mir als Person zu tun hatte, sondern ich irgendwas bei ihr getriggert hatte. Vielleicht weil ihre Tochter so mollig war und ich dünn. Wer weiss, ist auch irrelevant. Ich hatte diese Geschichte auch längst vergessen, bis sie mir heute wieder einfiel. Ich bin mir sicher, dass meine Mutter ihrer Tochter umgedreht so viel Kuchen gegeben hätte, wie sie gewollt hätte, ohne ein Wort darüber zu verlieren.