Es gibt so einen bestimmten Menschenschlag, für den ist nur wichtig, ob jemand „etwas geworden ist“ und ob jemand es „zu etwas gebracht hat“. Gemessen wird dies daran, was Derjenige oder Diejenige für ein „Geschoss“ fährt, oder wie der Wohnstandard ist. Unwichtig ist dabei, ob die betreffenden Personen ein gutes Herz haben oder einen anständigen Charakter.
Natürlich schließt das eine, das andere nicht aus. Dennoch wird weit mehr Wert auf die Anhäufung materieller Güter gelegt, als auf die charakterlichen Eigenschaften. Soziale Engagements zählen nicht wirklich. Kreatives wird als Hobby belächelt. Einsatz im Tierschutz oder gar Tierrechtsaktivismus wird als Extremismus dargestellt.
Ganz schnell ist man die missionarische Veganerin, die crazy Catlady, die „Verrückte, die ne Sau gekauft hat“, die „mit der man nirgends zum Essen hin kann“. Das kann ich alles ab, weil es nicht um mich geht, sondern um die, die sich nicht wehren können: Die Tiere. Ich bin noch immer überzeugt, dass dies der wahre „Sündenfall“ war, der die Menschheit das Paradies gekostet hat: Der Verrat an unseren tierischen Geschwistern.
Die Menschheit hat komplett versagt, wenn wochenlang um einen gestrandeten Wal debattiert, ihm letztendlich viel zu spät geholfen wird, jedoch andererseits, wenn auf den Färöer Inseln oder in der Bucht von Taiji tausende Wale und Delfine abgeschlachtet werden, es kaum jemand tangiert. Die „Waltouristen“, die sich so für den armen Timmy eingesetzt haben, waren gewiss in den allermeisten Fällen keine Veganer.
Es fängt aber schon im „Kleinen“ an. Es ist kein Bewusstsein da, für das Leiden der Tiere. Eine Bekannte war letzte Woche mit uns auf einem Frühlingsfest und sie erzählte uns in den freudigsten , detailliertesten Schilderungen, dass sie im Urlaub fangfrischen Fisch gegessen hat und wie köstlich der gewesen wäre. Sie merkte nicht, dass wir immer stiller wurden und nichts dazu sagten. Gleich darauf erzählte sie uns von ihrem Kinderwunsch und dass sie unbedingt ihre Werte an das Kind weitergeben will. Ja genau! Tags zuvor hatten wir uns mit anderen Bekannten getroffen und einer davon erschlug direkt vor uns ein Insekt. Wir waren mal mit einem weitläufigen Bekannten meines Mannes indisch essen und dieses Paar wiederholte wirklich ungelogen mindestens 5x die Sätze: „Das ist sooo ein gutes Lamm“, „Das Lamm ist wirklich köstlich“, „So ein gutes Lamm habe ich noch nie gegessen“, „die machen hier echt das beste Lammgericht“. Wir trafen uns nie wieder mit ihnen. Eine andere Bekannte erzählte mir von ihrer tollen Designertasche aus Leder und wie günstig sie da rangekommen war. Wieder eine Andere erzählte mir, wie flauschig ihr neuer Kaschmirpulli ist und ganz pervers war ein Random Typ, der mir erzählte, wie geil Fohlenschnitzel schmecken würde.
Die denken nicht darüber nach, wie das auf uns wirkt. Ich erschlage keine Insekten und ich esse kein Tier, schon gar kein Tierkind, ich kaufe nichts aus Leder, Wolle, Daunen und Seide. Ich bin überzeugt, wir sollten die Hüter unserer Tiergeschwister sein und nicht ihre Ausbeuter und Mörder.
Ich habe heute bei einem Tierrechtsaktivisten eine Story gesehen, wo er einen Esel gerettet hat, der zum Sterben in der Hitze ausgesetzt worden war. Ich weiss nicht welches Land das war, aber anscheinend ist es „Tradition“, Esel, die zu alt oder geschwächt zum Arbeiten sind, ein letztes Mal die Hufe zu putzen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Sie werden in einer Gegend ausgesetzt, wo sie verhungern und verdursten. Dieser Esel hatte Glück und wird nun versorgt und man sah ihm an, dass er den Menschen dankbar war. Esel sind so tolle Tiere. Ich mag ja alle Tiere und Pferde sind anmutig und schön, aber Esel finde ich einfach drollig und goldig.
Die Geschichte mit der „traditionellen letzten Ehre“ für die Esel erinnert mich an die Grausamkeiten gegen die Galgos, die jedes Jahr nach der Jagdsaison erschlagen oder erhängt werden. Aber auch hierzulande werden die Schweine grausam erstickt, die Kühe oft hochträchtig und bei Bewusstsein geschlachtet, die Kälber gleich nach der Geburt in kleine Iglus gestopft und der Mutter weggenommen und noch als Kalb geschlachtet (wenn es männlich ist) damit die Milch für den Menschen genutzt werden kann, Hühner durch ständiges Eierlegen so körperlich ausgelaugt, bis selbiger versagt, Fische elend erstickt, den Bienen ihr Nektar genommen und gegen Zuckerlösung ausgetauscht wodurch sie krank werden und die Wildbienen mit den Krankheiten anstecken und so das Bienensterben mit verursachen. Weil man auf Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Honig, Leder und Wolle angeblich nicht verzichten kann.
Wann wurde der Mensch so ein Monster. Vielleicht kann sich die Menschheit weiterentwickeln. Weg von all den Grausamkeiten. Solange wir nicht lernen, unsere Mitgeschöpfe zu ehren und zu beschützen, wird es auch unter den Menschen immer Kriege und Unfrieden geben. Solange Geld und Macht wichtiger sind als spirituelle Entwicklung und ein gutes Herz, solange werden alle Mitlebewesen auf diesem Planeten unter unserer Spezies leiden müssen.
Die Wurzel allen Übels ist der Gedanke, dass ein Leben weniger wert ist, als das Andere. Das ein „Tier“ weniger wert ist, als der „Mensch“, dass eine Frau weniger wert ist als ein Mann, dass eine andere Rasse weniger wert ist als die weisse Rasse, dass ein armer Mensch weniger wert ist als ein Reicher. Wir sind nicht gleich, aber gleichwertig.
