Was wirklich zählt

Es gibt so einen bestimmten Menschenschlag, für den ist nur wichtig, ob jemand „etwas geworden ist“ und ob jemand es „zu etwas gebracht hat“. Gemessen wird dies daran, was Derjenige oder Diejenige für ein „Geschoss“ fährt, oder wie der Wohnstandard ist. Unwichtig ist dabei, ob die betreffenden Personen ein gutes Herz haben oder einen anständigen Charakter.

Natürlich schließt das eine, das andere nicht aus. Dennoch wird weit mehr Wert auf die Anhäufung materieller Güter gelegt, als auf die charakterlichen Eigenschaften. Soziale Engagements zählen nicht wirklich. Kreatives wird als Hobby belächelt. Einsatz im Tierschutz oder gar Tierrechtsaktivismus wird als Extremismus dargestellt.

Ganz schnell ist man die missionarische Veganerin, die crazy Catlady, die „Verrückte, die ne Sau gekauft hat“, die „mit der man nirgends zum Essen hin kann“.  Das kann ich alles ab, weil es nicht um mich geht, sondern um die, die sich nicht wehren können: Die Tiere. Ich bin noch immer überzeugt, dass dies der wahre „Sündenfall“ war, der die Menschheit das Paradies gekostet hat: Der Verrat an unseren tierischen Geschwistern.

Die Menschheit hat komplett versagt, wenn wochenlang um einen gestrandeten Wal debattiert, ihm letztendlich viel zu spät geholfen wird, jedoch andererseits, wenn auf den Färöer Inseln oder in der Bucht von Taiji tausende Wale und Delfine abgeschlachtet werden, es kaum jemand tangiert. Die „Waltouristen“, die sich so für den armen Timmy eingesetzt haben, waren gewiss in den allermeisten Fällen keine Veganer.

Es fängt aber schon im „Kleinen“ an. Es ist kein Bewusstsein da, für das Leiden der Tiere. Eine Bekannte war letzte Woche mit uns auf einem Frühlingsfest und sie erzählte uns in den freudigsten , detailliertesten Schilderungen, dass sie im Urlaub fangfrischen Fisch gegessen hat und wie köstlich der gewesen wäre. Sie merkte nicht, dass wir immer stiller wurden und nichts dazu sagten. Gleich darauf erzählte sie uns von ihrem Kinderwunsch und dass sie unbedingt ihre Werte an das Kind weitergeben will. Ja genau! Tags zuvor hatten wir uns mit anderen Bekannten getroffen und einer davon erschlug direkt vor uns ein Insekt. Wir waren mal mit einem weitläufigen Bekannten meines Mannes indisch essen und dieses Paar wiederholte wirklich ungelogen mindestens 5x die Sätze:  „Das ist sooo ein gutes Lamm“, „Das Lamm ist wirklich köstlich“, „So ein gutes Lamm habe ich noch nie gegessen“, „die machen hier echt das beste Lammgericht“. Wir trafen uns nie wieder mit ihnen. Eine andere Bekannte erzählte mir von ihrer tollen Designertasche aus Leder und wie günstig sie da rangekommen war. Wieder eine Andere erzählte mir, wie flauschig ihr neuer Kaschmirpulli ist und ganz pervers war ein Random Typ, der mir erzählte, wie geil Fohlenschnitzel schmecken würde.

Die denken nicht darüber nach, wie das auf uns wirkt. Ich erschlage keine Insekten und ich esse kein Tier, schon gar kein Tierkind, ich kaufe nichts aus Leder, Wolle, Daunen und Seide. Ich bin überzeugt, wir sollten die Hüter unserer Tiergeschwister sein und nicht ihre Ausbeuter und Mörder.

Ich habe heute bei einem Tierrechtsaktivisten eine Story gesehen, wo er einen Esel gerettet hat, der zum Sterben in der Hitze ausgesetzt worden war. Ich weiss nicht welches Land das war, aber anscheinend ist es „Tradition“, Esel, die zu alt oder geschwächt zum Arbeiten sind, ein letztes Mal die Hufe zu putzen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Sie werden in einer Gegend ausgesetzt, wo sie verhungern und verdursten. Dieser Esel hatte Glück und wird nun versorgt und man sah ihm an, dass er den Menschen dankbar war. Esel sind so tolle Tiere. Ich mag ja alle Tiere und Pferde sind anmutig und schön, aber Esel finde ich einfach drollig und goldig.

Die Geschichte mit der „traditionellen letzten Ehre“ für die Esel erinnert mich an die Grausamkeiten gegen die Galgos, die jedes Jahr nach der Jagdsaison erschlagen oder erhängt werden. Aber auch hierzulande werden die Schweine grausam erstickt, die Kühe oft hochträchtig und bei Bewusstsein geschlachtet, die Kälber gleich nach der Geburt in kleine Iglus gestopft und der Mutter weggenommen und noch als Kalb geschlachtet (wenn es männlich ist) damit die Milch für den Menschen genutzt werden kann, Hühner durch ständiges Eierlegen so körperlich ausgelaugt, bis selbiger versagt, Fische elend erstickt, den Bienen ihr Nektar genommen und gegen Zuckerlösung ausgetauscht wodurch sie krank werden und die Wildbienen mit den Krankheiten anstecken und so das Bienensterben mit verursachen. Weil man auf Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Honig, Leder und Wolle angeblich nicht verzichten kann.

Wann wurde der Mensch so ein Monster. Vielleicht kann sich die Menschheit weiterentwickeln. Weg von all den Grausamkeiten. Solange wir nicht lernen, unsere Mitgeschöpfe zu ehren und zu beschützen, wird es auch unter den Menschen immer Kriege und Unfrieden geben. Solange Geld und Macht wichtiger sind als spirituelle Entwicklung und ein gutes Herz, solange werden alle Mitlebewesen auf diesem Planeten unter unserer Spezies leiden müssen.

Die Wurzel allen Übels ist der Gedanke, dass ein Leben weniger wert ist, als das Andere. Das ein „Tier“ weniger wert ist, als der „Mensch“, dass eine Frau weniger wert ist als ein Mann, dass eine andere Rasse weniger wert ist als die weisse Rasse, dass ein armer Mensch weniger wert ist als ein Reicher. Wir sind nicht gleich, aber gleichwertig.

Ich werde es nie verstehen

wie jemand „Spass“ daran haben kann, Tiere zu töten. Wie kann man „leidenschaftlich“ Tiere jagen und töten? Was sagt das über einen Menschen aus?

Wenn ich in die Augen eines Tieres schaue, sehe ich die Seele. Wie kann man einen Hasen, einen Fuchs, ein Wildschwein, ein Reh erschießen?  Ich verstehe das nicht, wie das jemand übers Herz bringt.

Es ist erst einige Monate her, als mir ein Typ auf einer Veranstaltung in munterem Plauderton erzählt hat, dass sein Kumpel einen Schweinezuchtbetrieb hat und jedesmal, wenn seine Männergruppe ein Spanferkel will, geht er in seinen Stall und tritt eines der Ferkel so lange, bis es „geschlachtet werden muss“. Er lachte darüber. Ich sagte ihm, dass ich das zum kotzen finde und er lachte noch mehr.

Was stimmt nicht mit der Menschheit? Wie kann man kein Mitgefühl mit einem Tier haben, zumal für ein Tierkind!

Ich bin noch immer überzeugt, dass das der wahre „Sündenfall“ der Menschheit war. Der Verrat an unseren Tiergeschwistern. Wir sollten die Hüter sein, nicht die Henker. Wir sollten alle Tiere beschützen und sie nicht töten und essen. Sie sind unsere Geschwister, die wir behüten sollten. Das ist unsere wahre Bestimmung und wir haben auf ganzer Linie versagt.

Macht Dir das was aus?

fragte mich letzte Woche ein Kollege. Er meinte damit, ob ich ein Problem habe, wenn andere um mich herum Fleisch essen. Ja, ehrlich gesagt macht mir das sehr viel aus. Ich versuche es so gut es geht auszublenden, aber das ist das eigentlich Schlimme am vegan sein.

Nicht der „Verzicht“ auf irgendwas und dass man in Restaurants und auf Veranstaltungen oft nichts Gescheites zu essen bekommt. Damit komme ich prima klar.

Das was mir zu schaffen macht, ist, dass ich Kollegen, Freunden, Familienmitgliedern zusehen muss, wie sie ohne einen Gedanken daran zu verschwenden Fleisch, Milchprodukte, Eier etc konsumieren und niemand ausser mir sich um die Opfer schert und das Leid, dass damit verbunden ist.

Für sie sind es „Nahrungsmittel“ und „Produkte“ und „Genuss“ für mich sind es Lebewesen, die lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensspanne getötet wurden und davor meistens mißhandelt und mißbraucht. Für Euch ist es nur ein Stück Fleisch, Sahne, Ei, Milch, Honig. Ihr esst es und dann ist es vergessen. Ich sehe darin das Tier, das für Euren Konsum starb. Das ist das, was mir wirklich weh tut am plant-based Leben.

Ich hatte letzte Woche Geburtstag und meine engsten Freunde zum Essen eingeladen. Jede/r außer meinem Mann bestellte irgendwas Tierisches zu essen. Niemand dachte auch nur eine Nanosekunde darüber nach, wie das auf mich wirkt. Es ist einfach zu „normal“. Wir Veganer sind die „Abnormalen“. Manchmal verzweifle ich an dieser Welt, wo man dafür lächerlich gemacht wird, wenn man kein Tierleid unterstützt.

Vielleicht sollte man die Wörter „pflanzlich“ oder „vegan“ ersetzen durch „tierleidfrei“. Wenn ich mein Essen so bestellen würde: „Ich hätte gerne den Kaffee mit tierleidfreier Flüssigkeit, für die kein Kälbchen seiner Mutter weggenommen wurde und noch im Kindesalter geschlachtet wurde, weil es ein Abfallprodukt der Milchindustrie war“, „Ich hätte gerne den Muffin ohne das Periodenprodukt von einem Huhn für das die männlichen Küken geschreddert, vergast oder nach 30 Tagen als Tierkind geschlachtet werden, weil sie Abfallprodukte der Eierindustrie sind“, Ich hätte gerne das Gericht ohne getötetes fühlendes Lebewesen, das nicht sterben wollte, aber ermordet wurde, als es noch ein Kind war, oder als es keine ‚Leistung‘ mehr brachte“.

Vielleicht würde das das Bewusstsein schärfen. Ich weiss es nicht. Vermutlich wäre es den Meisten trotzdem egal. Alle bezeichnen sich als „tierlieb“, aber bei den „Nutztieren“ hört die Tierliebe auf. Anerzogener Karnismus und Speziesismus. Aber was, wenn man das auch wieder aberziehen kann?

Der Tag an dem mich die Erkenntnis traf

oder wie ich Veganerin wurde.

Ich habe garantiert schon mal von der Veranstaltung erzählt, als ein widerlicher alter Mann mir erzählte, dass er und sein „Kumpel“ immer die vergasten Küken auf den Äckern „unteräckern“ würden, um die Entsorgungskosten für die vergasten Küken zu sparen. Dieses Erlebnis zeigte mir, die Situation der Küken, die mir bis dahin unbekannt war. Ich war zu diesem Zeitpunkt bestimmt schon 15 Jahre Vegetarierin und dachte, das würde die Tiere ausreichend schützen, aber das eröffnete nochmals eine weitere Dimension an Tierleid und Ausbeutung, die mir bis dahin nicht bewusst war.

Den endgültigen „Rest“ gab mir der Bericht einer Tiermedizinstudentin, die ein Praktikum in einem Schlachthof absolvieren musste. Sie beschrieb darin die furchtbaren Zustände und dass die Tiere oft hochträchtig sind, wenn sie (auch oft bei vollem Bewusstsein) geschlachtet werden und es niemanden interessiert. Sie verzweifelte während des Praktikums beinahe an der Menschheit und konnte auch bei ihren Freunden und ihrer Familie den Vorwurf nicht zurückhalten, dass sie alle an diesen Zuständen Mitschuld tragen. Sie sass am Tisch und sah, wie ihre Freunde Burger aßen, wie ihre Familie Milchprodukte und Eier konsumierte und sie sprach die Wahrheit aus „Ihr Alle seid mitschuldig an dem, was an diesem fürchterlichen Ort Grauenhaftes mit den Tieren geschieht“.

Ich wollte nicht mehr mitschuldig sein und wurde nach dem Lesen dieses Erfahrungsberichts endgültig vegan. Das war irgendwann Anfang 2011. Also so vor ungefähr 14 Jahren. Ein zurück wird es nie wieder geben.

Ich verstehe auch die Aussagen nicht wie „Aber heute kannst doch mal ne Ausnahme machen, das Stück Kuchen (oder was auch immer) ist doch nicht schlimm“. Doch, für mich ist das schlimm. Für jeden Schluck Milch, für jedes Ei starben Tiere, ganz genauso, als ob man Fleisch isst. Für Milch sterben die überwiegend männlichen Kälber, die „produziert“ werden müssen, damit die Kuh überhaupt Milch gibt. Für jedes Ei sterben die männlichen Küken. Wenn nicht mehr direkt nach dem Schlüpfen, dann eben nach ein paar Wochen. Das macht es nicht besser.

Manchmal möchte auch ich meinen Freunden und meiner Familie zurufen „Ihr seid mitschuldig an dem ganzen Elend“. Dann wäre ich die militante Veganerin, die allen ihren Willen aufzwingen will. In solchen Situationen kommt dann sehr häufig der wirklich unangebrachte Satz „Leben und leben lassen“, nur dass eben nicht „leben gelassen wird“.

Das Schwerste am vegan sein, ist nicht der „Verzicht“ auf bestimmte Gerichte, sondern dass niemand ausser den anderen ethisch motivierten Veganern sich Gedanken um die Tiere macht und was mit ihnen geschieht, nur weil man angeblich nicht auf „Käse“, „mein Frühstücksei“, „Mein Fleisch“ verzichten „kann“. Man könnte heutzutage ganz prima drauf verzichten, man lebt ja nicht mehr in der Steinzeit, aber man will es nicht, weil einem die Tiere egal sind, weil sonst würde man drauf verzichten. Die Bequemlichkeit und der „Geschmack“ wird über das Leben anderer Geschöpfe gestellt. Begründet wird das gerne mit „Der Löwe jagt auch“. Ja, der Löwe jagt wenn er Hunger hat, er baut sich keine Gazellentötungsanlage, wo jeden Tag hunderte von Gazellen getötet werden, die dann im Müll landen, weil der „Löwe“ schon lange faul und satt unter den schattigen Bäumen liegt. Ihr seid keine „Löwen“ und die wenigsten „jagen“ ihr Essen. Ihr lasst töten.  Ihr seid quasi Auftragsmörder für Eure „Gaumenfreuden“.

Das Feuerwerk wollen „Leute wie ich“ Euch wegnehmen, das Töten von Tieren, Zirkusse, alles was Spass macht! Es ist doch toll, wenn man eine Nacht so richtig auf den Putz hauen kann, was machen da schon ein paar Tiere, die dadurch sterben? Kollateralschäden. Deswegen muss man sich den Spass doch nicht verderben lassen. Die Luft wird ein bissle verpestet, ist doch egal. Warme Sommer gab es schon immer, das ist doch natürlich. Diese blöden Klimaaktivisten, das sind doch nur Spinner. Es handelt sich um eine natürliche Erderwärmung auf dieser Erdscheibe, die von Echsenmenschen regiert wird.

Pferde, Elefanten, Hunde oder sonstige Shows sind so toll. Das muss man seinen Kindern zeigen, genauso wie Delphinarien. Wo sollen die Kinder den sonst sehen, wie traumatisierte, eingesperrte Tiere ausschauen, die in kleinen Becken ihre Kreise drehen müssen? Wo kommen wir denn da hin, wenn es all diese beliebten „Traditionen“ nicht mehr geben würde. So wie Stierkämpfe. Das ist so ein Spass, wenn man zuschauen kann, wie ein drangsaliertes Tier vor Publikum zu Tode gequält wird. So ein Spaß!

Solange wir nicht unsere wahre Aufgabe hier auf diesem Planeten einnehmen – nämlich die Beschützer der Natur und der Tiere – wird es niemals Frieden geben. Wer Tod säet wird immer Tod ernten. Wie wollen wir als Menschen in Frieden leben, wenn wir unsere tierischen Geschwister ausbeuten und umbringen? Für ein Stück Käse, für Süssigkeiten aus Gelatine, für „Lebensmittel“ die fett und träge machen. Dafür, dass Ihr Euch „keinen Spass verbieten lasst“ von den „grünrotlinksversifften Subjekten“, wie mir.

War das echter Käse?

fragte eine Freundin, als ich unser Silvesterraclette postete. Nein, niemals wieder. Zumindest nicht mit Absicht. Wenn uns nicht wieder jemand fieser Weise tierische Produkte als „vegan“ unterjubelt, essen wir ganz sicher nichts mehr, wofür Tiere ausgebeutet oder getötet wurden.

Wir machen das wirklich nicht, weil wir uns wichtig machen wollen und ne „Extrawurst“möchten, sondern weil wir für UNS entschieden haben, dass wir wissentlich nichts mehr konsumieren, wofür ein Tier leiden und sterben musste.

Wenn ich das sage, kommen oft Bemerkungen wie „Die Kühe auf der Weide sind doch glücklich und das bissle Milch macht doch nichts“. Wieviel Prozent aller Rinder leben auf einer Weide? Nicht sehr viele! Wenn doch, bleibt immer noch das Dilemma, mit den Kälbchen. Wie Menschenfrauen geben auch Kühe nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben. Viele Menschen denken noch immer, dass Kühe einfach so Milch geben würden, als ob man einen Wasserhahn aufdrehen würde. Mitnichten. Die Milch ist für das Kälbchen bestimmt, nicht für uns Menschen.

Bei Eiern kommen auch oft so Kommentare wie „Aber die Bruderhahn Initiative“. Und wie lange leben die Bruderhähne? Zwischen 10 und 22 Wochen.

Eigentlich sind doch die meisten Menschen tierlieb. Wieso ist ihnen das Schicksal von „Nutztieren“ egal? Wieso macht es einen Unterschied, ob ein Hund und eine Katze (hierzulande) geschlachtet werden würde, oder ein Schwein, ein Schaf, ein Rind, ein Huhn etc? Die „Niedlichkeit“ kann es nicht sein. Schäfchen und Kälber, Ferkel und Küken sind verdammt süss, trotzdem werden sie millionenfach getötet. Die „Nutztiere“ werden entweder früh getötet, oder nach Jahren der Ausbeutung. Wieso ist das den meisten Menschen egal?

Die rote Pille

Gestern waren wir auf einem Weihnachtsmarkt. Es gab viele „Leckereien“ wie Lammburger, Milchknödel und geräucherte Forellen. Für vegan lebende Menschen gab es nur Alkohol, weshalb wir vorher Zuhause eine gute Basis geschaffen hatten.

Ich mochte diesen Markt früher sehr gerne, doch gestern war es, als hätte ich die rote Pille in Matrix genommen. Es liefen wunderschöne Gänse herum und mir schoss der sehr realistische Gedanke durch den Kopf, dass die Süssen das neue Jahr vermutlich nicht mehr erleben werden, weil sie für Weihnachten ihr Leben lassen müssen.

Erst vor ein paar Wochen fand dort ein Schlachtfest statt und in der Zeitung war ein Bild des geschlachteten Schweins abgebildet, während die Zuschauer freudig drum herum standen. Ausser uns hat sich höchstwahrscheinlich niemand Gedanken über die Gänse gemacht und ob diese nur noch ein paar Wochen zu leben haben, obwohl ihre Lebensspanne eine deutlich längere wäre, wenn sie eines natürlichen Todes sterben würden.

Ja die Tiere haben es dort besser als in der Massentierhaltung und ja, sie können sich relativ gut bewegen auf einer großen Fläche. Dennoch werden sie lange vor Ablauf ihres Lebens getötet. Seit ich „die rote Pille“ geschluckt habe und nicht mehr für das Leid von Tieren mitverantwortlich sein will, sehe ich es immer und überall. Ich kann es nicht mehr ausblenden, wie früher mit der „blauen Pille“.

Ich ertrage es nicht mehr, wenn Pferde den ganzen Tag Menschen in einer Kutsche herumziehen müssen. Ich kann keine Tiere sehen, von denen ich weiss, dass sie nicht mehr lange zu leben haben und ich nichts dagegen tun kann. Klar, ich könnte die Gänse und alle anderen Tiere kaufen. Doch wohin damit? Damit hätte ich diese Tiere gerettet, aber es wären schon in wenigen Tagen neue Tiere da, denen dasselbe Schicksal bevorsteht.

Aus diesem Grund laufe ich auch nicht mehr an einem Milchbetrieb in der Nähe vorbei. Ich weiss auch, dass sich mein Umfeld nichts dabei denkt, wenn sie Sätze sagen wie „Das Lamm ist soooo lecker“, „Das Kalbfleisch ist so zart“, „Die Muscheln sind das Beste hier“, „Die Schweinebäckchen sind deliziös“.

Was würden dieselben Menschen sagen, wenn ihnen jemand aus Peru sagen würde „Das Mehrschweinchen war so lecker, das musst Du unbedingt probieren“ oder jemand aus Asien „Das Welpenfleisch ist so zart, Du weisst gar nicht, was Du verpasst“. Der Aufschrei wäre groß, die Grausamkeit  jedoch dieselbe. Es wären nur andere Tierarten, aber im Prinzip dasselbe, nur das unsere Kultur hier, das Essen von Mehrschweinchen, Hunden und Katzen ablehnt, jedoch bei Rindern, Schweinen, Hühnern etc nicht so zimperlich ist.

Urlaub und meine Gedanken dazu

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Wir waren ein paar Tage in einem südlichen Land im Urlaub. Es war ein schönes Hotel direkt am Meer, sehr abgelegen, weit und breit kein Remmidemmi. Personal war supernett. Wir haben viel gefaulenzt, im Meer und im Pool gebadet, gut gegessen und uns echt erholt, was bitter nötig war. Soweit so gut.

Ein paar Tage waren völlig ok, aber länger hätte es nicht sein müssen. Ich habe festgestellt, dass ich nicht der Typ für Strandurlaub bin und ich auch nicht mehr unbedingt in ein südliches Land muss.

Das hat mehrere Gründe:

Wir sahen unzählige Katzen und auch ein paar herrenlose Hunde. Natürlich alle nicht kastriert. Allerdings war kein Tier älter als ungefähr 1 Jahr. Es gab keine erwachsenen Tiere, sondern nur Kitten und Halbwüchsige. Sie sahen zwar alle recht gut aus, aber ich habe recherchiert. Es ist wohl so, dass sie über den Sommer vom Hotelpersonal und den Urlaubern gefüttert werden (sie sahen auch echt alle gesund aus), aber in den Wintermonaten verhungern sie oft, weil niemand mehr da ist, wenn die Ferienregionen „zu“ sind.

Ich habe im Hotel nachgefragt und es wurde mir gesagt, dass die Anlage ganzjährig bewacht wird und das Wachpersonal die Katzen und Hunde füttern würde. Ich hoffe inständig, dass es so ist, aber es ist schon sehr merkwürdig, dass ich keine älteren Tiere sah. Mir schlägt sowas enorm aufs Gemüt. Die Hunde und Katzen waren so tolle Tiere und wirklich wunderschön.

Auch geschmälert wurde das Urlaubsvergnügen durch das Essen, das landestypisch aus vielen tierischen Produkten bestand. Das Schlimme für uns Veganer war nicht der Umstand, dass die Essenauswahl für uns auf die Beilagen und einen Teil der Salate beschränkt war, sondern dass wir die einzigen waren, die sich darüber Gedanken gemacht haben, dass das „Essen“ einmal ein fühlendes Geschöpf war. Tintenfische sind hoch intelligente Wesen. Ich bin mir sicher, dass sie in vielen Fällen, denjenigen, die sie verspeist haben, geistig haushoch überlegen waren. Es ist aber nicht die Intelligenz das Kriterium, sondern die Leidensfähigkeit. Ich bin mir sicher, dass Hummer oder Krebse massive Schmerzen empfinden, wenn sie zu Tode gekocht werden. Jeder der sich schon mal gebrannt hat, kann sich das Ausmaß vorstellen.

Mein Mann sprach gestern Abend im Speisesaal aus, was ich dachte: „Das ist hier wie beim kleinen Arschloch“. Die Comicfigur von Walter Moers war auch immer massiv „drüber“. Wir hatten gestern das extrem zweifelhafte Vergnügen, die lautstarke Unterhaltung von drei „Grazien“ am Nebentisch mit anzuhören. Es gab kein Entrinnen, auch wenn ich mir teilweise echt die Ohren zuhalten musste. Uns war klar, dass die angenehme Zeit beim Essen vorbei war, als die drei Frauen ankamen und sich an den Tisch neben uns setzten. Es waren komplett unterschiedliche Frauentypen, aber schon von weitem auf ihre Art unsympathisch. Sie setzten sich und die Unterhaltung erstreckte sich vom Lammkotelett über Mastschweine und detailliert über das Schlachten selbiger.

Uns war nicht klar, dass man sich über eine halbe Stunde nur über das Töten von Tieren unterhalten kann. Im alltäglichen Plauderton. Ohne auch nur eine Sekunde an die Angst, die Schmerzen und das Leiden der Tiere zu denken.

Ich ertrage das nicht mehr und ich will es auch nicht mehr ertragen. Wir standen auf und gingen an den Strand, wo wir unsere Ruhe hatten. Keine doofen Weiber, keine Tierleichen, nur das Rauschen der Wellen. Es waren ein paar schöne Tage, die durch einige Umstände geschmälert wurden. Leider ist die Welt noch immer – auch hierzulande – überwiegend von Tierleid dominiert. Ich kann leider nicht alle Tiere retten und ich kann die Menschheit nicht zum Umdenken zwingen, so sehr ich das auch möchte. Dennoch ist da noch Hoffnung, dass es vielleicht doch einmal eine Welt geben wird, in der Tiere das Recht auf Unversehrtheit haben werden. Unterstützt wurde diese Hoffnung von einem circa 8jährigen Jungen, der extra in die nächstgelegene Stadt gefahren war, um Katzenfutter zu kaufen und der jeden Abend damit beschäftigt war, alle hungrigen Mäuler zu füttern.

Besser als Urlaube wäre eh ein Leben, von dem man keinen Urlaub als Erholung bräuchte.

Hauptsache, der Hund stirbt nicht

Der für mich schlimmste Horrorfilm, den ich je sah, war Antarctica. Ein Film von 2006 in dem Schlittenhunde sterben. Dieser Film hat mich echt so unendlich traurig gemacht. Ich kann mir sämtliche Szenen in Game of Thrones an sehen, wo Menschen drauf gehen, aber als zwei der Schattenwölfe starben, fand ich das ganz schlimm. Es war mir gleichgültig als John Wick alle niedergeballert hat, aber als sein Hund getötet wurde, ging das gar nicht.

Ich sah mal einen Film, dessen Namen ich vergessen habe. Irgendeine Gruppe überquerte einen gefährlichen Gebirgspass mit Eseln. Einer der Esel stürzte ab und mir wäre es lieber gewesen, wenn einer der unsympathischen Protagonisten abgestürzt wäre, aber auf keinen Fall der Esel! Selbst bei Zeichentrickserien werde ich traurig, wenn den Tieren etwas geschieht.

Zombieapokalypse, Weltraumschlachten, Mittelaltergemetzel, ist mir egal, Hauptsache kein Drache, kein Pferd und kein außerirdisches Tier wird verletzt oder getötet.

Auch ganz schlimm war Guardians of the Galaxy 2, wo die Geschichte von Rocket erzählt wird, wie er in einem Versuchslabor mit seinen Freunden zusammen eingesperrt ist. Ich habe im Kino fast den ganzen Film durch geheult. Es macht keinen Unterschied, dass ich weiss, dass das alles Fantasy ist und nicht real, denn leider ist es im realen Leben nur allzu oft so, dass den Tieren etwas schlimmes geschieht.

Misshandelte, gequälte und getötete „Haus- und Nutztiere“ millionenfach. Der Social Media Algorithmus zeigt mir leider immer mehr und mehr und mehr von all diesem Elend. Ich kann das nicht mehr ertragen. Vielleicht ist es nicht gut, die Seiten stumm zu schalten, die solche Szenen posten. Aber macht es die Welt besser, wenn ich es immer und immer wieder sehe? Ich tue wahrscheinlich nicht genug, um Tiere zu retten und ihre Lebensumstände zu verbessern. Ich versuche so viel wie möglich, aber nicht genug. Für mehr habe ich aber leider gerade keine Kraft. Es ist gerade so viel los in meinem Leben, dass ich momentan kaum mehr Reserven habe. Deshalb habe ich alle Accounts mit grausamen Bildern und Geschichten nicht nur stumm geschalten, sondern gleich deabonniert.

Ich bewundere alle Lebenshofbetreiber und Tierrechtsaktivisten und was sie jeden Tag leisten und ertragen. Sie haben alle meinen vollsten Respekt. Würde es nur mehr solche Menschen geben.

Muuust Duuu probiiiireeee

Gestern war ich seit langer Zeit wieder in einem Restaurant, welches ich als gehobene italienische Gastronomie im Hinterkopf hatte. Ich war dort vor ungefähr 6 Jahren mal im Rahmen einer Firmenfeier. Damals gab es total leckere Antipasti und ich hatte eine extra vegane Platte bekommen.

Ich freute mich schon voll darauf, doch als wir im Restaurant eintrafen und die Speisekarte studierten, gab es keine Antipasti mehr. Es schaute auch irgendwie anders aus. Ich fürchte, die Besitzer hatten inzwischen gewechselt. Von gehobener Gastronomie konnte keine Rede mehr sein.

Wir bestellten einen gemischten Salat und Pizzabrot und erklärten nett aber dennoch ausdrücklich, dass wir vegan leben und nichts tierisches zu uns nehmen, als der Kellner uns das Joghurt Dressing anpries wie Sauerbier. Er sülzte noch was von „Das müsst Ihr probieren, es ist seit 30 Jahren berühmt“. Wir lehnten freundlich dankend ab und erklärten nochmals, dass wir keinesfalls etwas tierisches essen möchten und baten um ein Balsamico Dressing.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der wir uns die abartigen Gespräche der Leute am Nebentisch anhören mussten (Eine junge Frau erzählte sehr freimütig und detailliert von ihrer Analepilation und alle hörten zu, als wäre es das normalste der Welt) kam endlich das Pizzabrot. Die Salate kamen kurz darauf, doch als er unseren Tisch erreichte, erkannte er, dass doch das Joghurtdressing drauf ist. Er entschuldigte sich und nahm die Teller wieder mit.

Soweit so gut. Nach zwei Minuten kam er mit einem Teller wieder und stellte es uns als „Entschuldigung des Hauses“ auf den Tisch. Es sah aus, wie ein gemischter Salat mit Senfdressing, doch als wir anfingen zu essen, wurde uns klar, dass es das Joghurtdressing war. Wir hörten auf es zu essen. Es kamen dann die Teller mit dem Balsamico. Der Kellner sagte süffisant „Na, wie hat Euch die Soße geschmeckt“. Mein Mann sagte „Sie ist nicht vegan oder?“ er grinste debil und sagte „Jeiiiiin“ und wir sagten „Also sicher nicht! Deshalb geht es auch zurück“.

Die Salate und auch das Pizzabrot waren echt nicht gut. Jeder Lieferservice wäre die bessere Wahl gewesen und das ach so berühmte Hausdressing ist seinen Ruf nicht wert. Ich mache eine 10000x bessere Salatsoße! Es war ein Armutszeugnis für ein italienisches Restaurant. Ich bin mir sicher, dass das ein Asiatischer „Allesladen“ besser hin bekommen hätte. Zum Schluss sagte der Typ doch allen ernstes „Kommt bald wieder“. Nee, sicher nie mehr unter dieser Leitung!

Das war so unfassbar fies und respektlos, uns dieses Zeug unter zu jubbeln. Eine Frechheit! Nur um sein Ego zu stillen wegen seiner mittelklassigen „berühmten Soße“. Man kann ihm nur zugute halten, dass er eben etwas dumm war. Mittelschwer bis schwerer unterbelichtet. Wie man in meiner hohenlohisch-fränkischen Heimat zu sagen pflegt: S‘ isch hald a Dibblhaufaa!

Warum muss das so heißen?

Wir unterhalten uns nett mit neuen Bekannten. Wir kommen – wie immer – unweigerlich auf das Thema vegan. Die Bekannten äußern, dass sie sich daran stören, dass vegane Produkte, wie die „Echten“ heißen. Also zum Beispiel vegane Currywurst, veganes Schnitzel. Ich frage sie, was sie damit für ein Problem haben. Sie wissen es nicht so recht. Es fallen Sätze wie „Ich verstehe nicht, warum das so heißen muss wie das ‚Echte‘, warum kann das nicht anders heißen“ und „Wenn ich eine Currywurst will, dann will ich eine ‚Richtige‘.

Es wird doch niemand gezwungen die pflanzlichen Alternativen zu essen. Wie sollte man es denn vermarkten, wenn man es nicht, wie das „Original“ benennen dürfte? „Produkte auf Erbsen/Soja/Tempeh/ Seitan etc Basis an Currysoße klingt etwas sperrig.

Dann müssten die tierischen Produkte aber auch umbenannt werden. Dann wäre eine Currywurst „zerstückelte Leichenteile eines fühlenden Lebewesens in dessen Darm gestopft“ mit Currysoße. Nicht so prickelnd, gell.

Bei Milch ist es ja schon lange so, dass pflanzliche Milchalternativen nur „Drink“ oder so ähnlich genannt werden dürfen, aber keinesfalls Milch. Wenn man hier ehrlich wäre, müsste „richtige“ Milch „Eutersekret einer artfremden Spezies, die für deren Kinder bestimmt war, die wir Menschen ihnen aber weggenommen haben um die Kinder mit spätestens 5 Monaten zu schlachten wenn sie männlich sind und oder jahrelang auszubeuten, wenn sie weiblich sind“.

Es kam noch das Argument vom „humanen“ Schlachten auf der Wiese. Eine Kuh ist sehr sozial und pflegt viele Freundschaften. Als ob das die anderen Kühe nicht mitbekommen würden, wenn eines ihrer Mitglieder aus der Herde gerissen wird und unter ihnen getötet wird. Das ist alles andere als human. Es gibt kein humanes Schlachten. Einem Lebewesen wird das Leben genommen. Es will nicht weit weit weit vor seiner Zeit sterben!

Ich kenne persönlich einen Mann, der tut für seine Rinder alles. An Silvester schläft er bei ihnen im Stall, damit sie keine Angst haben, er striegelt sie täglich, er redet immer mit ihnen. Er gibt ihnen Namen und sie bekommen nur das beste Heu / Gras und können aus dem Stall raus und rein gehen auf die Weide, wie sie wollen. Sie werden nie angebunden. Es geht ihnen dort echt richtig gut. Tja, bis die Kühltruhe leer ist und er eines von ihnen zum Tode verurteilt. Er geht sogar mit ihnen den „letzten Gang“ und ist beim Metzger „bis zum Ende“ dabei.

Das finde ich fast noch schlimmer. Die Tiere vertrauen ihm, lieben ihn wahrscheinlich und dann verrät er sie und lässt sie töten. Er hat sogar selbst zugegeben, dass sie spüren, was passieren wird, wenn er mit ihnen den „Metzgersgang“ geht. Sie haben Todesangst. Das ist auch beim scheinbar „humanen“ Schlachten auf der Weide so.

Wisst Ihr was das Allerschlimmste daran ist, vegan zu Leben? Dass sich die Meisten keine Gedanken darüber machen, was mit den Tieren geschieht. Es ist ihnen egal, dass sie ausgebeutet und getötet werden. Es wird sich dann herausgeredet mit besagtem „humanen Schlachten“ oder „Wir essen nur ganz wenig Fleisch und wenn, dann vom Metzger des Vertrauens“. Selbst wenn sie glauben das zu tun, essen sie noch immer genug Produkte aus der Massentierhaltung. Sei es in Süssigkeiten oder Gebäck etc. In diesen Produkten sind ganz sicher nicht nur Biomilch und Bioeier verwendet worden.

Manchmal ertrage ich das nicht mehr. All die Ausreden und fadenscheinigen Ausflüchte, weshalb man nicht auf Tierleid verzichten kann. Man könnte, aber will nicht. Dann wäre es ehrlicher zu sagen „Ich habe keinen Bock mein Leben für Tiere umzukrempeln, weil die mir egal sind. Ich will mich nicht verändern und meinen Lebensstil auch nicht, weil es ’nur‘ Tiere sind und der Mensch sie schon immer ausgebeutet und getötet hat und deswegen ist es mir auch im wahrsten Sinne des Wortes Wurscht was mit denen geschieht“.