Warum muss das so heißen?

Wir unterhalten uns nett mit neuen Bekannten. Wir kommen – wie immer – unweigerlich auf das Thema vegan. Die Bekannten äußern, dass sie sich daran stören, dass vegane Produkte, wie die “Echten” heißen. Also zum Beispiel vegane Currywurst, veganes Schnitzel. Ich frage sie, was sie damit für ein Problem haben. Sie wissen es nicht so recht. Es fallen Sätze wie “Ich verstehe nicht, warum das so heißen muss wie das ‘Echte’, warum kann das nicht anders heißen” und “Wenn ich eine Currywurst will, dann will ich eine ‘Richtige’.

Es wird doch niemand gezwungen die pflanzlichen Alternativen zu essen. Wie sollte man es denn vermarkten, wenn man es nicht, wie das “Original” benennen dürfte? “Produkte auf Erbsen/Soja/Tempeh/ Seitan etc Basis an Currysoße klingt etwas sperrig.

Dann müssten die tierischen Produkte aber auch umbenannt werden. Dann wäre eine Currywurst “zerstückelte Leichenteile eines fühlenden Lebewesens in dessen Darm gestopft” mit Currysoße. Nicht so prickelnd, gell.

Bei Milch ist es ja schon lange so, dass pflanzliche Milchalternativen nur “Drink” oder so ähnlich genannt werden dürfen, aber keinesfalls Milch. Wenn man hier ehrlich wäre, müsste “richtige” Milch “Eutersekret einer artfremden Spezies, die für deren Kinder bestimmt war, die wir Menschen ihnen aber weggenommen haben um die Kinder mit spätestens 5 Monaten zu schlachten wenn sie männlich sind und oder jahrelang auszubeuten, wenn sie weiblich sind”.

Es kam noch das Argument vom “humanen” Schlachten auf der Wiese. Eine Kuh ist sehr sozial und pflegt viele Freundschaften. Als ob das die anderen Kühe nicht mitbekommen würden, wenn eines ihrer Mitglieder aus der Herde gerissen wird und unter ihnen getötet wird. Das ist alles andere als human. Es gibt kein humanes Schlachten. Einem Lebewesen wird das Leben genommen. Es will nicht weit weit weit vor seiner Zeit sterben!

Ich kenne persönlich einen Mann, der tut für seine Rinder alles. An Silvester schläft er bei ihnen im Stall, damit sie keine Angst haben, er striegelt sie täglich, er redet immer mit ihnen. Er gibt ihnen Namen und sie bekommen nur das beste Heu / Gras und können aus dem Stall raus und rein gehen auf die Weide, wie sie wollen. Sie werden nie angebunden. Es geht ihnen dort echt richtig gut. Tja, bis die Kühltruhe leer ist und er eines von ihnen zum Tode verurteilt. Er geht sogar mit ihnen den “letzten Gang” und ist beim Metzger “bis zum Ende” dabei.

Das finde ich fast noch schlimmer. Die Tiere vertrauen ihm, lieben ihn wahrscheinlich und dann verrät er sie und lässt sie töten. Er hat sogar selbst zugegeben, dass sie spüren, was passieren wird, wenn er mit ihnen den “Metzgersgang” geht. Sie haben Todesangst. Das ist auch beim scheinbar “humanen” Schlachten auf der Weide so.

Wisst Ihr was das Allerschlimmste daran ist, vegan zu Leben? Dass sich die Meisten keine Gedanken darüber machen, was mit den Tieren geschieht. Es ist ihnen egal, dass sie ausgebeutet und getötet werden. Es wird sich dann herausgeredet mit besagtem “humanen Schlachten” oder “Wir essen nur ganz wenig Fleisch und wenn, dann vom Metzger des Vertrauens”. Selbst wenn sie glauben das zu tun, essen sie noch immer genug Produkte aus der Massentierhaltung. Sei es in Süssigkeiten oder Gebäck etc. In diesen Produkten sind ganz sicher nicht nur Biomilch und Bioeier verwendet worden.

Manchmal ertrage ich das nicht mehr. All die Ausreden und fadenscheinigen Ausflüchte, weshalb man nicht auf Tierleid verzichten kann. Man könnte, aber will nicht. Dann wäre es ehrlicher zu sagen “Ich habe keinen Bock mein Leben für Tiere umzukrempeln, weil die mir egal sind. Ich will mich nicht verändern und meinen Lebensstil auch nicht, weil es ‘nur’ Tiere sind und der Mensch sie schon immer ausgebeutet und getötet hat und deswegen ist es mir auch im wahrsten Sinne des Wortes Wurscht was mit denen geschieht”.

Almost harmless stimmt nicht so ganz

Ich habe gestern spaßeshalber bei einer großen, bekannten Jobplattform als Suchkriterium “Tierschutz” eingegeben. Ratet was für Jobs mir angeboten wurden? Exakt einer, nämlich als Metzger eines großen Fleischproduzenten in der Nachbarstadt.

Das ist in etwa so, als wenn ich bei der Suche “Pfarrer” eingeben würde und es würde ein Jobgesuch als Satanist erscheinen.

Diese Suchmaschine spiegelt die Gesellschaft wider. Es gibt so viele Tierheime, die ihre Jahresfeiern mit der Verköstigung von toten anderen Tieren abhalten. Die Hunde, Katzen, Kaninchen, Hamster etc werden gerettet und aufgepäppelt, die sogenannten Nutztiere getötet, gegrillt und gegessen.

Ich bin mal aus einem Tierschutzverein hier in der Gegend ausgetreten, weil die regelmässigen Treffen in einer Metzgereigaststätte stattfanden.

Es ist nur anerzogener Karnismus. Hierzulande sind Meerschweinchen Haustiere, in Peru sieht man das gänzlich anders. Welche Tierart gegessen wird und welche nicht, ist völlig willkürlich und von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. In vielen Ländern wird kein Schwein gegessen, in anderen ist es kein Problem Hunde oder Katzen zu verspeisen.

Ich bin der Meinung, dass jedes Leben gleich lebenswert ist. Eine Kuh, ein Schwein, ein Schaf etc, hat es genauso verdient, ein schönes Leben zu führen, wie ein Hund oder eine Katze.

Ich sah gestern ein Reel auf Insta, wo ein Huhn aus Bodenhaltung gerettet worden war. Es hatte die Nummer 3000. Es hatte einen gebrochenen Flügel, viele Hämatome, Pickstellen am Kopf und sah wirklich sehr lädiert aus. Ein tierliebes Paar päppelte es über Monate auf, bis es letztendlich ein glückliches, gesundes Huhn wurde, das zum ersten Mal richtigen Boden und Sonnenlicht spüren durfte. Hühner sind überaus liebenswerte Mitgeschöpfe, genauso wie alle anderen Tiere.

Hier noch passend zu Ostern mein Lieblingslammrezept: Man nehme ein Lämmchen, rette es und lässt es glücklich leben, bis es eines Tages einen natürlichen Tod an Altersschwäche stirbt.

Jeder der eine Katze oder einen Hund hat, der weiss, das es eigenständige Persönlichkeiten sind, die Gefühle haben. Wieso sollte das bei anderen Tierarten anders sein. Das ist es natürlich nicht und alle empfinden Freude, Schmerz, Angst und haben Familie und Freundschaften.

Nochmals: Wir sind die Hüter unserer Tiergeschwister. Wir müssen sie beschützen, nicht ausbeuten, quälen, ausnützen und töten.

Ich sah diese Woche die Science Fiction Serie “3 Body Problem” und als die Aliens sagten, dass sie Angst vor den Menschen haben, konnte ich das sehr gut verstehen.

Unter Barbaren

Ich befinde mich mit mir mässig bekannten Menschen in einem Bus. Die näheren Umstände dazu kann ich aus Datenschutzgründen nicht erläutern.

Jedenfalls fahren wir eine Landstrasse entlang, bis es zu einem Stau kommt. Der Stau wird verursacht von einem Schäfer mit seinen Hunden und Schafen, die die Straße überqueren. Unter den Schafen sind viele Lämmer.

Herr Hinz (Name ist natürlich geändert) ruft laut “Da schnappen wir uns eines, dann haben wir ein Osterlamm. Dazu können wir dann Knödel und ein gutes Sößchen machen”. Frau Kunz (auch dieser Name ist selbstverständlich geändert) ergänzt: “Genau, so ein Lammbraten ist was Feines”.

Ich bin sprachlos. Das Einzige, was ich beim Anblick der Tiere dachte, war “So wunderschön”. Wie abgestumpft und barbarisch muss man sein, wenn man beim Anblick eines Lämmchens nur daran denkt, wie man es fressen kann! Ich hätte allerhöchstens daran gedacht es zu streicheln und zu knuddeln.

Wir fahren weiter und Herr Hinz und Frau Kunz erzählen entrüstet von einem Wolf, der irgendwo in Norddeutschland drei Lämmer gerissen hat. Der böse böse böse Wolf. Der sollte sofort abgeknallt werden.

Wie zynisch und doppelmoralisch. Wenn der Wolf die Lämmer reisst, dann ist es schlimm, aber wenn sie selbst Tierkinder essen, ist es “Tradition”. Ich will schreien, ihnen sagen, wie abartig und bestialisch ich sie finde, erinnere mich jedoch daran, dass es sinnlos wäre. Die Beiden finden sich moralisch im Recht, weil man das “schon immer so gemacht hat”.

Sie hatten mir schon die gesamte Woche – ob ich wollte oder eher nicht – erzählt, dass sie so gerne Hasen essen und dass der Kopf das beste wäre. Sie berichteten detailgetreu vom Schlachten von Schweinen und dem Kessel voll Innereien, von dem sie schwärmten. “So was Gutes”. Mich würgt es und ich kann nur mit Mühe ihr Geschwätz ausblenden.

Ich muss diese furchtbaren Menschen leider noch etwas ertragen. Es hilft ein wenig, wenn ich mir gebetsmühlenartig vorsage: “Don`t argue with Idiots!”

Kleine Randnotiz: Herr Hinz und Frau Kunz haben glaub alle Zivilisationskrankheiten, die man sich vorstellen kann. Hatten auch schon Schlaganfälle und von Osteoporosen bis Gicht echt alles. Mich wundert das nicht. Manchmal regelt Karma das doch.

“Das macht der Margit nichts aus”

Ich war mit  ein paar Bekannten in einem Restaurant essen. Sie bestellten Fleischgerichte. Eine der Bekannten sagt “Das macht der Margit nichts, wenn wir mit ihr an einem Tisch sitzen und Fleisch essen”.

Ich sagte nichts, blieb still und das ist eigentlich nie ein besonders gutes Zeichen. Was sollte ich darauf auch entgegnen. Sie würde es nicht verstehen. Sie würden mich alle für militant halten. Ich wäre dann die “missionierende” Veganerin. Also sage ich in solchen Situationen nichts und versuche nicht auf die Teller zu schauen.

Sie essen nicht alles, sondern lassen bestimmt 1/3 zurück gehen. Noch schlimmer. Die Tiere sind also zu 30 % umsonst gestorben. Sie haben garantiert keine Sekunde darüber nachgedacht, ob das  Wesen, das das Stück Fleisch auf ihren Tellern einmal war, je Tageslicht gesehen hat, ob es Freunde hatte. Kühe zum Beispiel haben enge Freundschaftsbeziehungen. Sie verschwendeten keinen Gedanken daran, ob das Tier unter “guten Bedingungen” gelebt hat, oder eingepfercht auf engstem Raum, womöglich fixiert in einem Kastenstand. Keiner schert sich einen Deut darum, ob die Tiere Todesangst hatten, als sie ins Schlachthaus gekarrt wurden und ob sie betäubt waren oder noch bei vollem Bewusstsein, als der Schlachter sie tötete.

Doch, das macht der Margit sehr viel aus!!! Diese Gleichgültigkeit und absolute Emphatielosigkeit unseren Mitgeschöpfen gegenüber schockiert mich zutiefst!

Kulturelle Aneignung

Vor vier Wochen war ich mit meiner BF auf einer Karnevalsveranstaltung. Es war dort exorbitant voll. Man merkte, dass die Menschen Nachholbedarf hatten, nach drei Jahren Pandemie.

Es begleiteten uns noch zwei Bekannte meiner Freundin und einer davon erwähnte beiläufig, dass er morgens eine Debatte über kulturelle Aneignung im Radio gehört hätte. Es ging darum, dass sich Kinder nicht mehr als Indianer verkleiden sollten, weil dies kulturelle Aneignung wäre.

Wir waren schon mittelschwer angeschickert und sahen kurz darauf einen als Indianer verkleideten Mann und beschlossen, ein Trinkspiel daraus zu machen. Immer wenn wir Kostüme mit “kultureller Aneignung” sahen, tranken wir einen großen Schluck aus unseren Gläsern. Wir weiteten das Spiel auf Partygäste mit Sombreros aus sowie auf Kostüme mit Rastas und zum Schluss tranken wir auch, wenn wir Wikinger oder Ägypter (Pharaonen) sahen. Jedesmal wenn wir tranken, riefen wir vorher “Kulturelle Aneignung”. Es war selbstverständlich ein nicht ernst gemeintes Trinkspiel und es war schon jede Menge Alkohol geflossen, bevor wir auf die “grandiose Idee” kamen.

Doch was ist kulturelle Aneignung wirklich? Der fast gleichaltrige Nachbarsjunge von früher und ich verkleideten uns nicht nur zu Fasching oft als Indianer, sondern auch unterjährig, weil wir von den amerikanischen Ureinwohnern fasziniert waren. Keines der Kinder wollte bei uns je einen Cowboy spielen, sondern immer nur , die unserer Ansicht nach edlen Indianer. Wir hatten schwarze Langhaarperücken und braune Kleidung mit Ornamenten bestickt und liebten diese Kostüme sehr. Wenn das kulturelle Aneignung war, dann bin ich froh, dass wir das gemacht haben, den es war ein sehr schöner Teil unserer Kindheit. Ich war auch mal als Inderin verkleidet. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon ein Teenager und hatte mir den Sari selbst genäht und fand es toll. Es kam auch sehr gut an. Ist es nicht gerade der beste Teil an Karneval / Fasching, in andere Rollen schlüpfen zu können und sich als jemand anderes zu verkleiden? Dieses Jahr war ich als Reh verkleidet, ist das dann kulturelle Aneignung der Lebensweise der Waldtiere? Wie weit darf Zensur gehen? Sind die indigenen Völker wirklich diskriminiert und herabgewürdigt wenn sich Kinder (oder auch Erwachsene) hierzulande als Indianer verkleiden? Ist es wirklich eine “Abwertung”? Ich habe das nie so gesehen, sondern fand es eher als eine Art Hommage. Man verkleidet sich doch selten als etwas, was man nicht gut findet. Das gibt es in wenigen Fällen auch. Ich habe schon welche gesehen, die waren als Vogelscheuchen verkleidet, das ist aber die ganz seltene Ausnahme. Meistens sind speziell Frauen als was “Schönes” verkleidet. Als Fee, Prinzessin, Katze, Fuchs, Hase, Reh, Arielle, Elsa, Wednesday, Rotkäppchen oder eben als Indianerin, Mexikanerin, Inderin, Cleopatra. Ich habe welche gesehen, die hatten einfach ein Dirndl an. Das ist auch “kulturelle Bayrische Aneignung” wenn man es ganz genau nimmt. Darf dann auch niemand mehr Kuckucksuhren haben ausser den Leuten im Schwarzwald?  Was ist mit den nicht afrikanisch stämmigen Menschen die Dreadlocks tragen,”dürfen” die das dann auch nicht mehr? Wo fängt man an, wo hört man auf? Ist es wirklich Rassismus, wenn sich jemand als Squaw verkleidet? Ist nicht die Intention das Ausschlaggebende?

Früher im Urlaub wurde einem von PoC Frauen häufig angeboten, ob man sich bei ihnen die Haare flechten lassen will. Ich weiss nicht, ob es das heute noch gibt, aber 2008 auf Teneriffa war das so. Wenn man als Frau mit langen Haaren am Strand war, wurde man von Frauen angesprochen, ob man sich gegen Bezahlung Zöpfe flechten lassen wolle. Ich wollte das nie, weil ich schon immer der Meinung war, dass das bei weissen Frauen echt in den allerwenigsten Fällen gut ausschaut. Ich bin mir aber sicher, dass weder die Frauen, die die Flechtereien anboten, noch die Frauen, die sich die Haare flechten ließen auch nur ansatzweise Gedanken um kulturelle Aneignung gemacht haben. Die Fechterinnen waren meist sehr enttäuscht und oft auch sauer, wenn man sich keine Zöpfe flechten lassen wollte. Es war ein Business, von dem sie lebten, genauso wie die Sonnenbrillenverkäufer.

Mit all dieser “political correctness” und Anprangerung als “kulturelle Aneignung” bis hin zu “cancel culture” kann ich nicht so viel anfangen. Wir haben demEinhornseiDank noch freie Meinungsäußerung. Wie fade wäre die Welt, wenn sich niemand mehr etwas gerade heraus sagen trauen würde, aus Furcht davor zensiert, geächtet und dadurch benachteiligt zu werden?

Mich würde interessieren, wie die angeblich Betroffenen darüber denken. Was denkt eine People of Color über Rastas, Dreadlocks, Cornrows bei Weissen? Was denken amerikanische Ureinwohner über Karnevalskostüme, die sich von ihren historischen Trachten ableiten?

Ist kulturelle Aneignung nur schlimm und wert geächtet zu werden, wenn es um Gruppen geht, die unter Unterdrückung und Diskriminierung litten und leiden, während es akzeptabel ist, zum Beispiel as Wikinger auf den Fasching zu gehen, weil die Skandinavier zu keiner unterdrückten Volksgruppe gehören, genauso wenig wie die Bayern, weshalb es ok ist, überall auf der Welt in Dirndl und Sepplhose herumzulaufen, ohne dafür den Stempel der “kulturellen Aneignung” verpasst zu bekommen?

Es ist sicher gut, darüber nachzudenken, aber ich persönlich (freie Meinungsäußerung) denke, man kann auch alles übertreiben. Übertreibungen schaden oft mehr, als sie der Sache dienlich wären.

Ich nehme dazu ein Beispiel aus einem gänzlich anderen Umfeld:

Vor einigen Jahren nahm ich an einer Art offenen Stammtisch teil zum Thema Veganismus. Es gab dort leckeres, natürlich rein pflanzliches Essen und es sollte dazu dienen, dass Omnis (also Allesesser) sich informieren könnten über Massentierhaltung, Ausbeutung von Tieren, Speziesismus, Carnismus. Man wollte Aufklären und nebenbei das Essen schmackhaft machen. Es funktionierte auch recht gut und viele Interessierte kamen und es gab angeregte nette Gespräche. Doch dann wurde ein Gruppenmitglied plötzlich Straight Edge und immer militanter. Die Person vergraulte mit ihrer No Sugar, No Alcohol, No Nikotin Kampagne nicht nur einige der anderen Mitglieder, sondern natürlich auch die Interessenten. Letztendlich wurde der Stammtisch aufgelöst. Die radikale Person warf einen Schatten auf die gesamte Organisation und bewirkte nichts Gutes. Schon gar nicht für die, um die es uns geht: Die Tiere, deren Stimme wir sein wollten um ihnen zu helfen, dass Jahrtausende Speziesismus endlich enden.

Hühnchen süss-sauer

Vor einigen Monaten traf ich mich mit netten Bekannten im China-Restaurant. Es war ein angenehmer Abend. Es handelt sich um ein Paar. Ich mag beide wirklich gern, es sind nette Zeitgenossen. Die Frau hatte von der Organisation “Rettet das Huhn” mehrere Hennen aus einer Legebatterie übernommen.

Sie erzählte mir, in welch desolatem Zustand die Hühner bei ihr angekommen waren und wie toll sie nun ausschauen würden. Sie hatte sie gut aufgepäppelt und ihr Gefieder war wieder richtig schön geworden. Als sie bei ihr ankamen, waren sie total zerfleddert, mit vielen kahlen Stellen. Stolz zeigte sie mir Bilder der geliebten Vögel.

Sie erzählte mir auch, wie neugierig die Hennen sind und dass sie ihr bei der Gartenarbeit auf Schritt und Tritt folgen. Der Mann ergänzte, dass die Hühner wirklich sehr neugierig und intelligent sind. Beide freuten sich offensichtlich sehr über ihre gefiederten Freunde und waren stolz und froh, sie gerettet zu haben. Soweit, so angenehm das Gespräch. Ich freute mich mit ihnen und vor allem für die Hühner, dass sie so ein schönes Zuhause gefunden haben.

Doch dann kam die Bedienung und nahm die Bestellung auf. Sowohl die Frau, wie auch ihr Mann bestellten “Hühnchen süss-sauer” und untermauerten die Bestellung mit “Das haben wir schon lange nicht mehr gegessen”.

Aliens

Vor einiger Zeit waren mein Mann und ich Gäste auf einer Veranstaltung, wo wir die einzigen Veganer waren. Der Gastgeber meinte es gut. Doch wie wir wissen, ist gutgemeint echt immer immer immer Scheiße!

Wir wurden allen anderen Gästen, die wir nicht kannten, als “Die Veganer” vorgestellt. Auch das Personal wurde wenig dezent daraufhin gewiesen, dass “da hinten die Veganer sitzen”.

Als das Essen herein kam (Schlachtplatte für die Nichtveganer, Gemüseplatten für uns) wurde wieder unüberhörbar “Das bekommen die Veganer da hinten” mit dem Finger auf uns gezeigt.

Die Dame, die zur Rechten meines Mannes sass, begann die Konversation mit “Ich habe noch nie in meinem Leben etwas Veganes gegessen”. Ich fragte sie, ob sie wirklich noch niemals Gemüse, Obst, Getreide, Nüsse oder Beeren gegessen hätte, doch sie beharrte darauf, noch nie ein veganes Gericht gegessen zu haben. Ich fragte sie nochmals, ob sie wirklich noch nie Pommes mit Ketchup oder Spaghetti mit Tomatensosse gegessen hätte. Sie antwortete regelrecht erbost mit “Ich esse grundsätzlich nur Bolognesesoße”.

Kaum hatten wir die Hauptspeise vertilgt, wurden wir von mindestens 5 Leuten befragt, ob das vegane Essen auch geschmeckt hätte. Als der Nachtisch kam, began dasselbe Schauspiel von Vorne. Wieder wurde mit ausgestrecktem Finger auf uns gezeigt und lauthals “Den veganen Nachtisch bekommen die Veganer da hinten” verkündet. Auch hier kamen wieder Nachfragen, ob der vegane Nachtisch geschmeckt hätte. Ich habe mitgezählt: Der Gastgeber verwendete die Phrasen “veganes Essen”, “die Veganer” und “veganer Nachtisch” insgesamt 12x, ich habe ernsthaft mitgezählt, weil es mir so auf den Zeiger ging.

Wir wurden auf dieser Feier vorgeführt, wie Aliens oder exotische Tiere. Wir fühlten uns nicht wirklich wohl. Um uns herum drapiert hatte das Personal die Schlachtplatten und jeder der anderen Gäste verkündete, dass er niemals auf Fleisch, Milch oder Käse verzichten könne.

Was mich daran immer am meisten stört, ist nicht das vorgeführt werden. Das kann ich ab und im Nachhinein hat es auch immer eine unfreiwillige Komik. Was mich wirklich nervt ist der Umstand, dass niemand ausser uns, an die Tiere gedacht hat, die da zerstückelt auf den Platten lagen. Keiner verschwendete auch nur einen Gedanken daran, dass das einmal fühlende Wesen waren, die soziale Bindungen haben, die Angst und Trauer, aber auch Freude und Glück verspüren. Niemand macht sich einen Kopf darum, dass ihnen das Leben genommen wurde.

Das Paradoxe daran ist, dass immer mehr Zoonosen aufkommen, aber daran will keiner von den Fleischessern schuld sein. Nur wir sind die abartigen Veganer. Ich fürchte, wenn Krankheiten wie Corona, oder jetzt die Affenpocken, durch irgendeinen veganen Fleischersatz entstanden wären, bin ich mir sicher, dass die Meute uns schon lange gesteinigt hätte.

Früher war alles so schön

Vor einiger Zeit war ich auf einer Veranstaltung und mein Mann und ich saßen nur unweit eines älteren Herrn entfernt. Der Mann erzählte gern und viel von “Früher”. Wie schön damals alles war und so weiter. Wir beachteten ihn nicht so wirklich und hörten immer nur Bruchstücke seines Monologs. Bis das Essen serviert wurde.

Mit der hingestellten Fleischplatte erwachten seine Erinnerungen an die gute alte Zeit des Schlachtens und er erzählte lang und breit vom Töten von Hasen und wie er den Kopf immer am liebsten gegessen hatte. Vor allem die “Bäckchen” hätte er am liebsten verzehrt.  Er erzählte detailgetreu vom Waschen der Kutteln von Schweinen. Denn damals hat man die noch nicht so glattpoliert beim Metzger kaufen können, wie die Weicheier heute. Er schwadronierte weiter über das Köpfen von Hühnern. Lachend erzählte er, wie er das geköpfte Huhn noch “rennen lassen hat” und wie lustig das immer war.

Ausser ihm redete niemand mehr, weshalb wir nun leider jedes Wort mithören mussten. Uns blieb beinahe das Essen im Hals stecken und ich sprach irgendwann das aus, was ich fühlte “Ich glaub ich muss gleich kotzen, wenn das so weitergeht”. Es kam ein böser Blick in meine Richtung. Meine Tischnachbarin gegenüber sagte “Ich verstehe was Du meinst, ich ertrage das auch nicht”. Sie sprach den Herrn an, ob er nicht das Thema wenigstens während des Essens wechseln könne, weil seine Gesprächsthemen alles andere als appetitlich wären. Er war zwar etwas beleidigt, hielt aber endlich seinen Mund.

Nichts ist lustig am Köpfen von Hühnern und auch nicht am Schlachten von Hasen. Aber wie immer waren wir die absonderlichen Veganer, die sich komisch ernähren. Die wenigsten verstehen, dass wir das machen, weil wir eben nicht möchten, dass Hühnern der Kopf abgehakt wird, dass Schweine lebendig verbrüht werden, dass Küken gleich nach der Geburt geschreddert werden etc. Mit unserem Konsumverzicht unterstützen wir all das nicht mehr. Wir machen das nicht, weil wir uns auf einer Veranstaltung wichtig machen wollen und irgend einem Essenstrend hinterher laufen. Wir wollen schlicht und einfach nicht, dass wegen uns ein Tier leidet, ausgebeutet wird und sterben muss.

Am Schluss des Essens waren noch ganze Platten mit Fleisch übrig, genauso wie größere Mengen Beilagen wie Eierspätzle. Zusammengerechnet starb mindestens ein Tier gänzlich umsonst, weil all das was übrig blieb, zum Großteil weggeworfen wird. Dieses weggeworfene Essen ist nur ein Bruchteil dessen was weltweit an tierischen Produkten entsorgt wird und wofür unzählige fühlende Lebewesen ihr Leben lassen mussten. Der Konsum ist schon schlimm, das Wegwerfen noch schlimmer.

Mir tut es jedesmal von Herzen weh, wenn meine Katzenkinder ihre Näpfe nicht leer essen und ich Fleischstücke wegwerfen muss, weil sie angegammelt sind. Es ist schlimm für mich, doch ich hoffe auf ein baldiges InVitro Katzenfutter, das es schon gibt, nur hierzulande noch nicht erhältlich ist.

Das wird auch die Zukunft der menschlichen Ernährung sein. Die meisten Menschen sind zu bequem und wollen nicht auf ihr Fleisch, ihre Eier und ihre Milch verzichten. Machen wir uns nichts vor: Eine vegane Zukunft ist utopisch. Aber selbst wenn sich gezüchtetes Fleisch ohne Tierleid durchsetzen sollte, wird es noch einen gewissen Prozentsatz, wie den oben beschriebenen Herrn, geben, die auf keinen Fall auf “echtes” Fleisch und das Köpfen von Hühnern verzichten wollen. Leider ist das so und es wird immer so sein. Wer bitte bringt es fertig, einem Huhn den Kopf abzuhaken? Ich könnte es niemals, aber ein Teil der Menschheit hat damit offensichtlich kein Problem und feiert es auch noch. Ich fürchte, das ist das Grundproblem mit dem Homo Sapiens. Solange es keine Probleme bereitet, ein unschuldiges Tier zu töten, das sich nicht wehren kann, solange wird die Menschheit auch untereinander in Unfrieden leben. Ich glaube nicht, dass sich der Mensch weiterentwickelt. Er wird sich vorher selbst die Lebensgrundlage kaputt machen und ausrotten. Mitnehmen werden wir aber leider auch Abermillionen anderer Lebewesen, die dasselbe Daseinsrecht haben, wie wir auf diesem schönen blauen Planeten. Wir haben als Hüter unserer Mitspezies gründlich versagt. Aber vielleicht werde ich eines besseren belehrt und positiv überrascht. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Der Wolf, der böse Wolf

Heute kam im Radio, dass ein Wolf in Süddeutschland ein Kalb gerissen hat. Das tut mir sehr leid für das Kalb und auch für jedes gerissene Schaf. Doch was soll der Wolf machen? Eine Spargelpfanne wird er sich wohl kaum bruzeln können.

An alle Menschen, die sich jetzt über den bösen, bösen Wolf aufregen eine kleine statistische Auflistung:

In Deutschland werden JEDEN TAG  über 1,7 Millionen Hühner, 151.000 Schweine, 94.000 Puten, 43.000 Enten, 9.348 Rinder und Kälber, 3.149 Schafe und Lämmer, 68 Ziegen und 14 Pferde geschlachtet. JEDEN EINZELNEN TAG.

Der Mensch kann sich eine Spargelpfanne bruzeln und ist nicht auf Fleisch angewiesen!

Das ist genauso schizophren, wie das, was ich kürzlich im Internet gefunden habe: “Jeder liebt die Geschichte von der Kuh, die vor dem Schlachten gerettet wird, aber niemand will zugeben, dass sie der Grund sind warum die Kühe überhaupt dort hingeschickt werden”.

Wie kann es ein zurück geben, ich versehe es nicht!

In der Veganer Community gab es eine sehr engagierte Aktivistin. Sie machte oft bei Demos, Infoständen und sonstigen Aktivitäten mit. Wir waren mal zu ihrem Geburtstag eingeladen, wo wir im Freien grillten und neben uns Fremde Putenfleisch grillten und sie deshalb zu weinen anfing. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie schauderte und sagte “Und ausgerechnet auch noch Pute, denen geht es am dreckigsten in der Tiermast, die werden so gezüchtet, dass sie kaum stehen können”.

Sie war keine “Mode-Veganerin”, die das aus gesundheitlichen Gründen gemacht hat oder weil es gerade “in” ist. Sie war ethisch motiviert und überzeugt davon, dass es Unrecht ist, was die Menschheit den Tieren antut.

Vor zwei Jahren traf ich sie zufällig wieder und sie sagte mir, dass sie keine Veganerin mehr wäre, sondern wieder Vegetarierin, weil es ihr zu extrem geworden wäre und sie sich selbst nichts mehr verbieten will. Ich fand das komisch. Für mich würde es niemals ein zurück geben. Wenn man einmal verinnerlicht hat und erkannt hat, was der Konsum von tierischen “Produkten” für Konsequenzen hat, dann will man doch daran nie wieder beteiligt sein. Es kann eigentlich kein zurück mehr geben, wenn man genau weiss, was mit den Küken, den Kälbern und den Lämmern passiert, die “Abfallprodukte” des Systems sind. Da kann man auch nicht mehr guten Gewissens vegetarisch leben.

Vor ein paar Wochen traf ich sie wieder und nun ist sie auch keine Vegetarierin mehr, sondern Omni und was das Ganze noch absurder macht: Sie ist Köchin geworden in einem Omni Restaurant und bereitet alle Speisen zu, auch die Fleischgerichte. Ich kann das wirklich absolut und in keiner Weise verstehen oder nachvollziehen. Sicher, es gibt viele in meinem Umfeld, die wissen sehr wohl, was mit den Tieren geschieht und es ist ihnen zwar nicht egal, aber sie sind (vielleicht noch) nicht bereit, ihre Lebensweise zu ändern, auch wenn ihr Gewissen sie hin und wieder zwickt. Noch können sie es verdrängen. Aber wenn jemand schon vegan gelebt hat und in der Tierrechtsszene aktiv war, wenn jemand es verinnerlicht hatte, dass ein Tier genauso leidensfähig ist wie wir Menschen und es alles andere als ok ist, was die Menschheit mit ihnen macht? Wie um alles in der Welt kann man da wieder Allesesserin werden? Ich kann das beim besten Willen nicht nachvollziehen und auch nicht verstehen. Selbst bei einer sehr weitläufigen Bekannten schockiert es mich. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was die Person zu diesem Sinneswandel veranlasst hat. Ich weiss nur, dass ich das auch in hundert kalten Wintern nicht verstehen kann, ich muss aber auch nicht für alles Verständnis haben.