Begnadigte Tiere

Wie jedes Jahr werden auch dieses Jahr wieder vom amerikanischen Präsidenten zwei Truthähne in einer Zeremonie begnadigt.

Begnadigen bedeutet laut Duden “Eine Strafe erlassen”. Was hatten die armen Truthähne den verbrochen, dass man ihnen eine Strafe erlassen müsste? Nichts. Sie haben nichts getan. Sie sind sowas von unschuldig, wie es ein Mensch höchstens als Kind ist.

Ihnen wurde die “Strafe” der Schlachtung erlassen. Zwei von ungefähr 45 Millionen wurden “begnadigt”.

Ihr einziges “Verbrechen” war es, im falschen Körper geboren worden zu sein. Wenn sie als Schwäne auf die Welt gekommen wären, hätten sie nicht verschont werden müssen. Nur total perverse Menschen würden Schwäne schlachten und braten.

Was “lebenswert” ist und was ausgebeutet und getötet werden darf, wird von Menschen willkürlich und regional unterschiedlich festgelegt. Dabei ist es egal, ob die Tiere niedlich sind, oder nach menschlichen Maßstäben “hässlich”. Fische werden genauso getötet wie Lämmer. Kälber ebenso wie Truthähne. Rehe ebenso wie Wildschweine. Selbst vor Singvögeln wird nicht halt gemacht. Sie alle werden hingerichtet ohne dass sie jemals ein Verbrechen begangen haben. Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es von menschlichen Gesetzen erlaubt wird. Unrecht wird immer Unrecht bleiben. Wir tun den Tieren so viel Leid an und vergessen dabei das Gesetz des Karmas. Hoffentlich hat mit uns jemand Gnade, wenn wir das zurück bekommen sollten.

Aber mit Fischen hast Du doch kein Problem, oder?

Diese Woche wurde ich ernsthaft gefragt, ob mir auch die Fische leid tun und ob ich auch ein ethisches Problem darin sehe, dass sie auf dem Grill oder in der Pfanne landen.

“Natürlich finde ich es auch bei Fischen nicht gut, dass sie getötet werden. Sie ersticken qualvoll oder werden erschlagen, was soll ich daran gut finden?”

Nur weil sie keine flauschigen, niedlichen Säugetiere sind, soll ich kein Mitgefühl mit Ihnen haben oder was? Weil sie solche “Glubschaugen” haben, haben sie den Tod eher verdient oder wie? Nein, verdammt, haben sie nicht. Hätten dann auch alle weniger hübschen Menschen keine Daseinsberechtigung oder was?

“Was, die ersticken? Kann doch nicht sein!”

“Natürlich, was soll sonst mit Ihnen geschehen? ”

Sie gehören keiner Fischendzeitsekte an und begehen keinen Massenselbstmord. Der Mensch tötet sie und natürlich empfinden sie Schmerzen!

Ungläubige Blicke, betretenes Schweigen…

“Aber ich brauch mein tägliches Fleisch, sonst gehe ich ein. Wie überlebst Du das?”

“Alles was ich benötige, beziehe ich aus Pflanzen. Das einzige, was ich supplementiere ist B12 und das würde ich Euch ebenfalls empfehlen”

“Aber, ist doch blöd, wenn Du immer auf alles verzichten musst, während wir hier die leckersten Sachen essen”

“Ich würde es eher als Bürde und Last empfinden wenn ich es essen müsste. Es ist kein Verzicht für mich – im Gegenteil. Ich sehe hinter den leckeren Sachen das Leid der Tiere. Mir ist bei all den Speisen bewusst, dass dafür Tiere ausgebeutet und letztendlich getötet wurden und daran möchte ich nicht beteiligt sein.”

Schweigen!

Herzeleid

Heute morgen fuhr der Bus eine ganze Weile leicht versetzt parallel zu einem Viehtransporter auf der zweispurigen Straße in die Innenstadt. Der Transporter fuhr immer etwas voraus, so dass ich hinten aus dem Luftschlitz in der Türklappe die Augen eines Rinds sah. Es schaute neugierig in die Welt, nicht wissend, dass sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zum Schlachthof gefahren wurde. Wir sahen uns in die Augen und ich wünschte, ich hätte diesem wunderschönen Wesen helfen können. Ich wünschte mir so sehr, dass ich seinen viel zu frühen Tod hätte verhindern  können. Doch ich konnte nur ohnmächtig zuschauen, wie der Transporter gerade aus weiterfuhr, während der Bus abbog.

Es gab realistisch nichts, was ich hätte tun können. Selbst wenn ich im kurzen Stau, der sich gebildet hatte, aus dem Bus gesprungen wäre und die Türe geöffnet hätte um das noch halbwüchsige Kalb heraus zu lassen, hätte das damit geendet, dass es womöglich mehrere Unfälle gegeben hätte und wohin hätte ich es bringen sollen? Das Ganze wäre vermutlich so geendet, dass ich verhaftet worden wäre und das Rind erschossen. Ich hätte den Fahrer fragen können, ob er es mir verkauft und dann hätte ich Lebenshöfe suchen können. In der Zwischenzeit hätte ich vielleicht eine Pferdebox mieten können. Es hätte wahrscheinlich Monate gedauert, bis ich es untergebracht hätte, wenn überhaupt. Rinder sind teuer im Unterhalt und es ist schwer, einen Platz zu finden. Die meisten Lebenshöfe nehmen die Tiere nur auf, wenn die Lebenshaltungskosten durch Patenschaften gedeckt sind. Das alles vorausgesetzt, dass der Fahrer es mir hätte verkaufen können. Das wäre die einzig legale Möglichkeit gewesen, jedoch verbunden mit ganz vielen Eventualitäten und Wenn und Abers.

Ich kann es mir jetzt einfach machen und mir versuchen einzureden, dass es vielleicht gar nicht zum Schlachthof gefahren wurde, sondern nur zu einem anderen Bauern, wo es jetzt glücklich auf einer riesengroßen Weide herum springt. Ganz abgesehen davon, dass höchstens 1% der Rinder (und auch andere sogenannte Nutztiere) so leben können, werden sie dennoch ganz lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensspanne ermordet.

Es ist eher wahrscheinlich, dass das verspielte, neugierige Tierkind gestern morgen noch im Schlachthof in alle Einzelteile zerstückelt wurde. Mit Glück war es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei Bewusstsein – diese Gnade ist nicht allen Tieren vergönnt. Ein erschreckend hoher Prozentsatz wird leider bei vollem Bewusstsein geschlachtet (viele Kühe auch fortgeschritten trächtig!)

Ich hoffe, das süsse Wesen lebt jetzt in einer besseren Welt und ich hoffe, es versteht, dass ich ihm nicht helfen konnte. Immer wenn ich so etwas erlebe, läuft mir ein eisiger Schauer über den Rücken und Übelkeit überkommt mich, bei dem Gedanken, was die Tiere erleiden müssen. Und wofür? “Weil es so gut schmeckt und man nicht darauf verzichten will”.

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Es tut mir so unendlich leid kleines Kälbchen, dass die Welt so ist, wie sie ist. Run free!

“Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen”

Es kommt immer mal wieder vor, dass man im Gesellschaftsleben an Veranstaltungen teilnehmen muss, von denen man im voraus weiss, dass sie ein Spießrutenlauf werden. Dazu zählen vor allem Essen mit Omnis.

Sie denken sich nichts dabei, das weiss ich. Dennoch ist es für mich immer wieder eine Herausforderung still dabei zu sitzen und zu zuhören, wie sie die Lammkeule loben und das Rumpsteak.  Wie sie rausposaunen, dass doch nichts über ein gutes Stück Fleisch geht. Wie sie wiederholt betonen, was es für ein Verzicht wäre, wenn sie das nicht mehr essen könnten. Natürlich gibt es immer einen lockeren, pseudowitzigen Spruch in Bezug auf die am Tisch sitzende Pflanzenfresserin – also mich.

Ich spreche jetzt das aus, was ich mir bei solchen Feiern und Events insgeheim immer denke, es jedoch runter schlucke, weil es sinnlos wäre:

“Mir ist es scheiß egal, wie sehr Euch Euer Fleisch, Eure Eier und Eure Milch schmeckt. Ihr esst Lebewesen, die genauso anhänglich, verschmust und schmerzempfindlich sind, wie meine Katzen. Individuen, die einzigartig sind und in sozialen Strukturen leben. Die vermisst werden und die ganz sicher noch nicht sterben wollten. Ihr haltet sie für Euren Gaumenkitzel wie Sklaven und Gefangene und dann lasst Ihr sie hinrichten, ohne dass sie jemals ein Verbrechen begangen haben. Die Aussage von Euch, dass sich Euer Mitgefühl diesen Geschöpfen gegenüber in Grenzen hält, sagt sehr viel über Euren Charakter aus und zwar absolut nichts Gutes. Wie kann man kein Mitgefühl haben? Wie abgestumpft seid Ihr? Ich bin die Abnormale hier am Tisch? Ernsthaft jetzt? Es sei Euch gesagt, dass es ist nicht “missionarisch” ist, wenn man nichts von einem Teller essen will, auf dem schon Fleisch lag. Das ist für mich einfach nur eklig! Wenn Dich das jedoch schon als zu missionarisch triggert, hast Du vielleicht doch noch irgendwo tief in Dir ein Gewissen. Und nein, ich mache das nicht, weil ich den Koch und die Bedienungen ärgern will, sondern aus tiefster Überzeugung. Und nochmals nein, ich werde nicht irgendwann wieder “normal” essen. Es wird nie wieder ein “zurück” geben, auch wenn Ihr mir das jetzt schon seit über 25 Jahren prophezeit. Unrecht wird nicht zu recht, nur weil es “die meisten so machen” und es als “normal” angesehen wird.”

Wie würde es denn Euch gefallen, wenn ich Euch ständig daraufhin weissen würde, wie barbarisch Euer Essverhalten ist und dass Ihr Eure Mägen in einen Friedhof verwandelt, der Euch irgendwann auch umbringen wird. Wenn ich Euch andauernd ein schlechtes Gewissen einreden würde. Oh Moment Mal, das tue ich ja – alleine durch meine Existenz. Ich brauche kein Wort zu sagen. Ein Blick auf meinen Teller reicht schon. Denn in Eurem tiefsten Inneren wisst Ihr, dass es nicht ok ist, was den Tieren angetan wird. Ich bin noch immer überzeugt, dass das der wahre “Sündenfall” ist. Die Menschen haben ihre Unschuld verloren, als sie anfingen Tiere zu quälen und zu töten, für den “Genuss”, nicht zum eigenen Überleben, wie es Carnivoren tun müssen. Die Spezies Homo Sapiens hat damit eine Grenze überschritten. Oder wie ich es kürzlich als Slogan auf einem T-Shirt sah: “All Monsters are human”-

Quo vadis Menschheit?

Ich hatte kürzlich eine Diskussion mit einem netten jungen Mann. Er hält Hühner und einen Hahn und schlachtet selbst, wenn die männlichen Küken älter werden. Er findet, dass ist die bessere Variante zum Kükenschreddern. Ich stimme ihm zu. Dennoch wird diesen Hähnen sehr lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensspanne das Leben genommen. Sie werden nur wenige Monate alt, könnten aber bis zu 9 Jahre alt werden. Er sagte zu mir “Aber so viele Hähne bringt man nirgends unter, was machen wir sonst mit ihnen?”

Ich sagte “Keine Eier mehr essen”. Er schaute mich lange und bedächtig an und meinte dann “Ja, wenn wir aufhören, Tiere zu essen, dann würden wir sie nur noch zur Landschaftspflege halten”.

Ich hörte schon oft die Frage: “Aber was machen wir dann mit den ganzen Tieren, wenn sie nicht mehr gegessen werden, dann müsste es ja exorbitant viele Lebenshöfe geben”. Ja, zuerst bestimmt, doch wenn nicht mehr so viele Tiere nachgezüchtet werden, reguliert sich das irgendwann. Die überzüchteten Tiere haben sowieso keine sehr hohe Lebenserwartung.

Weltweit werden ungefähr 45 Milliarden Hühner getötet und gegessen. Ich fürchte in dieser Zahl sind die männlichen Küken, die noch am Tag des Schlüpfens lebendig geschreddert werden noch nicht enthalten.

Dazu kommen Milliarden Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde. Enten, Gänse, Strauße und in anderen Ländern Hunde, Katzen, Meerschweinchen etcetcetc

Wir reden hier von extrem vielen Milliarden an Tieren, die unter unsagbaren Bedingungen gehalten und getötet werden. Nicht nur irgendwo im Ausland, sondern auch hier in Deutschland. Immer wieder decken Tierschützer massive Missstände auf und müssen sich dafür auch noch oft genug vor Gericht verantworten. Nicht etwa die “Produzenten”, die die Tiere so unwürdig und barbarisch behandeln.

Ich bin überzeugt davon, dass die Menschheit sich erst weiter entwickelt, wenn sie aufhört, Tiere auszubeuten und zu töten. Wie wollen wir untereinander in Frieden und Harmonie leben, wenn wir es nicht einmal schaffen, andere Lebensformen auf diesem Planeten zu respektieren.

Wir sind nicht die “Krone der Schöpfung”, sondern wir sollten die Hüter der Schöpfung sein. Wir sind jedoch genau das Gegenteil. Wir hegen und pflegen unsere tierischen Geschwister nicht, wir missbrauchen und töten sie.

Der zuvor erwähnte junge Mann konnte mir meine Frage nicht beantworten, wie man es fertig bringt, ein Tier, das man über Monate aufgezogen und betreut hat und ihm einen Namen gegeben hat, umzubringen. Er sagte nur “Es ist nicht schön, aber was soll man den tun?”. Damit aufhören.

Die von mir sehr geschätzte Religionsgemeinschaft der Bishnoi leben so. Sie töten kein Tier. Ich habe mal einen Bericht über sie gesehen, wo eine der Bishnoi Frauen ein verwaistes Rehkitz gestillt hat, damit es überlebt. Sie hat es gestillt, wie ihr eigenes Baby, weil es für sie auch eines ihrer Kinder ist.

Ein Tier ist nicht weniger wert als ein Mensch. Es ist keine Sache. Es hat dasselbe Recht auf ein gutes Leben auf diesem Planeten, wie unsere Spezies auch. Die wundervolle Erde ist auch ihr Lebensraum.

Wenn es die Menschheit tatsächlich schaffen sollte, aus der barbarischen Tierausnutzung und Tötung auszusteigen – was ich jedoch stark bezweifle – werden wir Jahrhunderte benötigen, um das Unrecht an ihnen wieder halbwegs gut zu machen. Es wird lange dauern, bis die “Rassen” wieder ohne menschliche Obhut lebensfähig wären.

Unter Veganern wird oft der Slogan gebracht “Artgerecht ist nur die Freiheit”. Diesen Spruch teile ich absolut nicht. Man sieht hier in Deutschland schon anhand der Streunerkatzen, dass die Freiheit absolut nicht “artgerecht” ist. Eine verwilderte Hauskatze ist keine Wildkatze. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Inzest ist ein großes Problem in diesen Populationen und auch Krankheiten, Wunden durch Revierkämpfe und Verwahrlosung. Parasitenbefall kommt erschwerend dazu. Das ist kein “romantisch verklärtes freies Leben”. Ja, meine Katzen leben im goldenen Käfig. Aber in einer Stadt mit 40.000 Einwohnern und viel Verkehr ist Freigang einfach extrem gefährlich. Sie leben also auf 145 Quadratmetern und bekamen jetzt zusätzlich ein Außengehege mti circa. 20 Quadratmetern. Es ist nicht die “Freiheit”, aber sie sind beschützt.

Man kann auch Rinder, Schafe, Hühner etc nicht einfach “freilassen”. Sie benötigen Unterschlupf, Ställe, Fütterung. Sie sind von selbst nicht mehr in der Lage in der “Freiheit” zu überleben. Es sind keine Wildhühner mehr, die auf Bäumen schlafen und sich ihre Nahrung selbst suchen. Sie würden hierzulande ohne Stall innerhalb von Tagen vom Fuchs geholt werden. Auch Kühe und Schafe würden ohne menschliche Betreuung vermutlich keinen Winter überleben.

Es ist sowieso eine Utopie. Ich fürchte, die Menschheit wird in den nächsten Jahrzehnten in eine Dystopie schliddern. Man merkt es doch schon jetzt. In fast allen Weltreligionen nehmen die fundamentalistisch geprägten Strömungen zu. Nicht nur das. Trotz Bildung, Schulpflicht etc, gibt es immer mehr Anhänger von wirklich abstrusen Ideologien. Es glauben wieder viel zu viele Leute, dass die Erde eine Scheibe ist.

Ich sah vorgestern eine Dokumentation über rituelle Opferung zur “Sicherstellung guter Ernten” von Menschen im Moor. Diese “Sitte” war in ganz Nordeuropa verbreitet. Aber sind wir über 2000 Jahre später wirklich weiter gekommen?  Ich fürchte nicht. Es geht eher rückwärts. Frauen sind in erschreckend vielen Ländern der Welt auch im ausgehendem Jahr 2019 noch immer “weniger wert” und haben eingeschränkte Rechte. Es gibt immer noch Rassismus, Fremdenhass und religiösen Fanatismus. Wie wollen wir so den Speziesismus überwinden?

Vor einem Jahr dachte ich noch, dass wir in Sachen Tierrechte inzwischen auf einem Stand angelangt sind, wie wir es vor hundert Jahren in Sachen Frauenrechte waren. Aber inzwischen bin ich desillusioniert. Wenn wir es nicht einmal schaffen, dass sich Frauen überall auf der Welt gleichberechtigt und gleichgestellt entfalten können, wie kann ich dann erwarten, dass wir dieses Recht auch unseren tierischen Mitbewohnern einräumen?  Aber vielleicht ist das gerade das Problem, dass wir es als Utopie ansehen.

Ich hörte kürzlich dass es derzeit nur dystopische Zukunftsromane gibt. Anscheinend gibt es kein einziges Buch, dass eine positive Möglichkeit aufzeigt wie die Welt später ausschauen könnte, nur düstere Endzeitszenarien. Wenn dem so ist, wird es höchste Zeit dem entgegen zu steuern und sich eine heilere  und hellere futuristische Gegenwart vorzustellen.

Grausamkeiten gegen Tiere sind Unrecht

Einer meiner Lieblingsschauspieler – Ricky Gervais – postete gerstern:

Animal cruelty is wrong. “But, it´s tradition", doesn´t make it right.,”it`s part of my religion", doesn't make it right, “it´s my culture", doesn´t make it right and "people are more important" doesn´t make it right either. You know why? Because it´s just fucking wrong.

Er hat so verdammt recht! Es ist einfach verdammt falsch, was den Tieren angetan wird und mit nichts zu rechtfertigen. Schon gar nicht mit “Es schmeckt halt so gut”.

Ich bin nicht Veganerin geworden, weil ich Dich liebe Bedienung im “Gutbürgerlichen Restaurant” bei Familien- oder Firmenfeiern in den Wahnsinn treiben will indem ich Dich bitte, meinen Salat nur mit Essig-Öl Dressing anzumachen und den Spargel mit Kartoffeln ohne Sauce Hollandaise bestelle. Ich mache das wirklich nicht, um Dich anzugreifen und Dich zu beleidigen, weil ich die “Gute hausgemachte Sauce” verschmähe oder das “Berühmte Sahnedressing”. Ich will auch Dich lieber Barkeeper nicht verärgern, indem ich Cocktails anstatt mit Sahne mit Hafermilch bestelle. Ich mache das nicht, um Euch aufzuregen oder mich wichtig zu machen.

Ich sehe leider nicht die “Gute Sauce / das gute Dressing / die gute Sahne”, sondern dass dafür Kälber sterben müssen und Küken. Leider hat es sich immer noch nicht bei allen Menschen rum gesprochen: Kühe geben nicht einfach so Milch, als ob man einen Wasserhahn andrehen würde. Die Kuh ist ,wie der Mensch auch, ein Säugetier und somit fließt die Milch nur, wenn die Kuh zuvor ein Kalb geboren hat. Die männlichen Kälber erleben in den wenigsten Fällen ihre Pubertät. Sie sterben im Kindesalter. Werden zu Wurst und Schnitzel und leider auch zu Tierfutter.Das möchte ich als Mutter von vier Katzen an dieser Stelle nicht verschweigen. Es ist mein tägliches Dilemma. Zwar kaufe ich niemals Sorten mit Kalb oder Lamm aber dennoch sterben für das Futter meiner Kinder andere Tiere, für die ich mir wünschen würde, sie dürften alt werden und eines natürlichen Todes sterben. Ich hoffe noch immer auf Katzenfutter von Supermeat für das kein Tier mehr sterben muss und welches aus Hautzellen gezüchtet werden kann.

Bis es soweit ist, versuche ich so vegan wie möglich zu leben. Auch wenn ich damit Bedienungen und Kellner in den vermeintlichen Wahnsinn treibe und auch auf die Gefahr hin, dass wir zu Grillfesten und ähnlichen Veranstaltungen nicht mehr eingeladen werden, weil “Wir ja nix Gscheid`s essen” und wir womöglich “Umstände” machen.

Wir wurden vor ein paar Monaten auf eine Geburtstagsfeier eingeladen, jedoch gebeten, erst drei Stunden später als alle anderen Gäste zu erscheinen, weil es nichts Veganes zu essen geben würde. Später erfuhren wir, dass es wohl ein großes Salatbuffet gab und auch pflanzliche Beilagen. Ausserdem wären wir die Letzten gewesen, die ein veganes Essen erwartet hätten. Wir wären mit den Salaten und Beilagen sehr zufrieden gewesen und wenn es wirklich gar nichts gegeben hätte, wäre uns auch kein Zacken aus der Krone gebrochen, uns selbst etwas zum Essen mitzubringen. Das haben wir schon öfter gemacht und das ist doch überhaupt kein Problem. Wir ernähren uns nicht rein pflanzlich um die Gastgeber vor den Kopf zu stoßen und um “Extrawürste” zu wollen. Wir machen das, weil wir einfach und schlicht nicht möchten, dass wegen uns ein Tier leidet, ausgebeutet oder getötet wird. Deshalb “verzichten” wir auf Fleisch, Wurst, Eier, Milch, Honig, Zeugs mit Gelatine etc etc etc. Wir meiden alles, was Zutaten tierischen Ursprungs enthält, weil wir es einfach nicht mehr mit UNSEREM Gewissen vereinbaren konnten, so etwas zu konsumieren. Ganz gleichgültig, wie “lecker” es angeblich ist.

Manchmal sagen Leute unbedacht zu mir “Das darfst Du ja nicht essen”. Nein, das ist falsch. Ich will es nicht essen. Ich habe mich aus freien Stücken dazu entschieden nie wieder etwas Tierisches zu essen, weil ich nicht am Tierleid beteiligt sein möchte. Nicht um DIR ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern damit ICH keines haben muss.

Eigentlich weiss es doch jeder, was mit den Tieren passiert. Dass sie oft noch bei vollem Bewusstsein geschlachtet werden, dass ein Drittel der Tiere trächtig ist und zwar schon ziemlich fortgeschritten. Jeder weiss, dass Tiere genauso zu Gefühlen fähig sind, wie wir Menschen und Schmerzen empfinden, wie wir auch. Alle wissen, dass Fische ersticken, wenn sie gefischt oder geangelt werden. Kein schöner Tod. Erschlagen werden und mit einem Bolzenschuss getötet zu werden aber auch nicht.

Jeder erwachsene Mensch, der nicht gerade den IQ einer Amöbe hat, der weiss sehr genau, was mit den Tieren geschieht. Weltweit milliardenfach täglich! Dennoch wird es ausgeblendet, lieber nicht daran gedacht, schön verdrängt und ignoriert. Vielleicht ist Ignoranz die hervorstechendste Eigenschaft des Menschen. Klar kann man die Augen vor den Fakten verschließen, dass wir die Tiere und die Natur ausbeuten und zerstören, doch egal ob wir es ignorieren oder nicht, die Folgen treffen uns doch jetzt schon gut erkennbar. Das ist wie damals als Kind, als ich dachte, wenn ich die Augen zu mache, sehen mich die anderen nicht… so ähnlich ist das mit der Tierausbeutung und der Umweltzerstörung. Dann lieber gegen die geplante Fleischsteuer wettern… und überhaupt sind diese militanten Veganer an allem Schuld, weil Attila Hiltmann fährt einen Porsche…*Ironie off*

Ich bin sehr oft nicht ethisch korrekt, arbeite aber daran

Ich würde am liebsten nur Biogemüse und Obst kaufen. Überhaupt nur vegane Bio-Lebensmittel. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Ich war heute im Biomarkt und versuchte weitgehend plastikfrei und nur bio einzukaufen. Habe ich auch fast geschafft und ich kam mit 4 Pizzen (die sind leider noch in Kunststofffolie eingepackt, aber wir bekamen nach der Arbeit Besuch und ich hatte keine Zeit mehr zum kochen, weil es spät geworden war, weshalb ich auf die veganen Fertigpizzen zurück greifen musste), einem Kopfsalat, einer Zucchini, einer Thai-Erdnusssoße im Glas, einem veganen Nagellack, einer Schale Erdbeeren (250g für 3,95€ sind schon recht happig, aber hey, es ist schließlich Sommer und Erdbeerzeit, da gönnt man sich das schon mal) und einem Glas veganer Mayo zur Kasse. Dort angekommen sagte die Kassiererin “macht dann 39,8o€” und ich bekam Schnappatmung. WTF???

In selbigem Biomarkt gibt es ein veganes Magazin gratis – wenigstens etwas. Dort wurde ein Shop vorgestellt, der zwar wirklich schöne Bekleidung hat, aber die hübschen Sachen sprengen leider mein Budget. Ok, ich könnte es mir schon leisten ein paar Stücke zu kaufen, wenn ich mich stark einschränken würde und einfach insgesamt weniger Klamotten kaufen würde. Das jedoch ist mein absolutes Guilty Pleasure. Ich liebe Mode. Wenn ich alles in fairtrade, bio und vegan kaufen würde, dann wäre ich bei meinem Konsum bald bettelarm. Natürlich würden auch je ein paar Sandalen, Stiefel, Halbschuhe, Sneakers reichen und 5 Kurzarm- und Langarmshirts und Blusen und eine Jeans und zwei Stoffhosen, zwei Shorts, zwei Röcke und zwei Kleider. Wäre machbar, aber wer will das schon? Ich nicht. Ich liebe es, mich jeden Tag nach Stimmung zu kleiden und ich habe viele Klamotten wirklich schon seit sehr vielen Jahren. 50% Secondhand oder mit Freundinnen getauscht und viele “Aus alt mach neu” Teile, die ich aufgepeppt habe. Dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich habe objektiv betrachtet viel zu viel Zeugs. Ich habe garantiert 40 paar Schuhe, unzählige Shirts, mindestens 30 Kleider und ebenso viele Röcke, 5 Shorts und so um die 7 Hosen (Hosen sind nicht so mein Ding), von Schals, Halstüchern, Taschen und Schmuck ganz zu schweigen. Die meisten Sachen davon mag ich auch echt total gerne, andere wiederum benötige ich für Artbeitsevents und weitere Sachen sind einfach zweckmässig.

Ich nehme mir immer wieder vor, eine zeitlang nichts mehr zu kaufen, doch dann finde ich wieder etwas, was ich total schön finde… ein Teufelskreis, aus dem ich gerne aussteigen würde, doch ich mag es zu gerne, mich in schöne, ausgefallene und aussergewöhnliche Klamotten zu hüllen.

Ich bin zum Beispiel absolut keine “Deko-Tante”. Dekorationsstücke sind für mich überwiegend Staubfänger und ich mag es eher minimalistisch. Auch zu viele Bilder an den Wänden wäre nicht mein Stil, auch hier ist weniger mehr. Nur bei Klamotten, Schuhen und Schmuck… wobei Schuhkauf bei mir auch sehr schwierig ist. Ich habe riesige Füsse noch dazu mit einem stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuß. Die Schuhe müssen aus tierleidfreien Materialien sein UND schön ausschauen, was es sehr sehr schwer macht, ansprechende Modelle zu finden.

Mein besonderes “Steckenpferd” sind Abendkleider. Ich liebe Ballkleider, Roben, elegante Glitzerfummel. Keine Ahnung, wann ich die tragen kann, aber ich habe sie alle im Schrank. Manchmal ziehe ich sie einfach so an und flaniere damit durch den Garten.

Natürlich könnte ich auf weitere Anschaffungen verzichten, weil ich schon genug Krimskrams habe und wirklich auf Jahre hinaus nichts neues benötige… diesen Vorsatz habe ich, die Frage ist nur, wie lange ich ihn durchhalten kann. Das ist schwerer als keine tierischen Produkte zu konsumieren. Das fiel mir sehr leicht. Fleisch und Wurst mochte ich noch nie so wirklich und auch Milch und Milchprodukte gehörten nicht zu meinen Favoriten. Darauf zu “verzichten” war eher eine Befreiung.

Bei schöner Fashion ist das etwas anderes. weshalb es mir deutlich schwerer fällt, darauf zu verzichten. Natürlich gibt es vegane fair Trade Mode, doch sind das meistens zeitlose Basic-Teile. Das macht ja auch durchaus Sinn, nichts schnelllebiges zu produzieren, dennoch ist mir das in den meisten Fällen zu langweilig. Wenn ich in einem Online Shop stöbere, der vegane fair gehandelte organische Bekleidung anbietet, dann schätze ich das sehr, aber es trifft zu mindestens 90% nicht meinen Geschmack.

Ich gebe zu, dass ich schon mehrfach bei asiatischen Onlineshops bestellt habe. Ich mag den Style. ich mag meine weiße Bluse mit Kirschen drauf. Ich stehe auf mein Erdbeerkleid und ich finde das weisse Top aus weißer Lochspitze  mit Schößchen echt süss. Und dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich es bestellt habe.

Ich habe mir vor genommen, wenn ich rückfällig werde und mir was zum anziehen kaufe, dann erlaube ich mir selbst nur noch in der kleinen italienischen Boutique einzukaufen, in der ich schon so oft wirklich zuckersüsse Teile erstanden habe. Alles dort ist “Made in Italy” und nicht aus China. Zwar nicht bio oder fairtrade, aber ich habe ein besseres Gefühl, es zu kaufen, wenn es in Europa produziert wurde. Vermutlich lüge ich mir damit selbst in die Tasche. Noch bin ich eine “Süchtige” und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich wieder etwas kaufen werde… aber der gute Vorsatz ist ein Anfang. Ich habe meinen Konsum enorm reduziert und das ist doch auch schon etwas und besser als nichts zu tun.

Ja kann man den dann noch essen?

Kürzlich unterhielt ich mich mit einer älteren Frau. Wir sprachen über gemeinsame Bekannte, die Hühnerhaltung betreiben.

Die Bekannten erfreuen sich einfach so ihrer Hühner und geben ihnen ein Zuhause, ohne eine Gegenleistung zu wollen. Sprich: Die Hühner dürfen einfach Hühner sein und werden betreut und behütet als Familienmitglieder.

Vor ein paar Monaten starb nun der Hahn im hohen Alter. Die Frau hatte das auch erfahren und sagte “Ja kann man denn den dann noch essen, wenn der so alt war?”. Ich sagte ihr, dass unsere Bekannten den Hahn namens Gustav niemals gegessen hätten, weil er zur Familie gehörte und Familie und Freunde isst man doch nicht!

Sie sah mich befremdet an, sagte aber nichts mehr. Ihr Blick sprach jedoch Bände.

Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen? Wenn der Familienhund oder die Katze stirbt, dann enden sie doch auch nicht als Braten, zumindest hierzulande nicht. Nichts anderes war es bei Gustav. Er bekam ein Grab im Garten und wurde unter Tränen bestattet.

Essen die Leute ihren Opa, wenn er stirbt? Wohl kaum! Warum also sollte jemand auf den absurden Gedanken kommen, Gustav zu essen?

Ach ja, weil es “normal” ist und weil man es “schon immer so gemacht hat” und weil es “Löwen auch tun”. Nicht zu vergessen hat der Mensch angeblich “Reißzähne” und stirbt an “akutem Proteinmangel”, wenn er sich nicht von toten Tieren ernährt. Fleischkonsum hat “Tradition” und Traditionen bricht man nicht gerne, egal wie barbarisch und grausam sie sind. Ein Spanferkel essen zum Beispiel. Objektiv betrachtet ist das schon ziemlich barbarisch und grenzt an Kannibalismus. Aber es ist “normal”, während die Leute, die sich aus ethischen Gründen pflanzlich ernähren die unnormalen Spinner waren. Ja waren, denn es setzt ganz langsam ein Umdenken ein.

Gestern sah ich ein Plakat auf dem ein Grill mit ganz viel Gemüse abgebildet war und darunter stand “Verantwortungsbewußte Väter grillen ihren Kindern nicht die Zukunft weg”. Genauso ist es.

Wenn es einem schon gänzlich Wurst ist, dass Tiere leiden, dann sollte man sich wenigstens um den eigenen Nachwuchs Gedanken machen und welche Welt man den Nachkommen hinterlassen will.

In Zeiten, wo es Ersatzprodukte gibt, die nahezu wie das “Original” schmecken, kann auch niemand mehr mit der fadenscheinigen Ausrede “Es schmeckt halt so gut” oder “Ich will auf den Geschmack nicht verzichten” daher kommen.

Wir haben diese Woche den Beyond Meat Burger im Lidl gekauft. Er roch so “echt”, dass es mir unmöglich war, ihn zu essen. Mein Mann musste sich “opfern” und alle Patties alleine essen, die er angebraten hatte. Er fand sie super lecker.

Mein Verstand wusste schon, dass er aus Erbsen hergestellt wird und kein Tier sein Leben lassen musste, dennoch war mir der Geruch zu heftig und zu stark an “echte” Burger erinnernd.

Allgemein finde ich es gut, dass diese Produkte Mainstream werden. Mc Donalds verkauft einen veganen Burger? Das ist doch klasse! Fast alle großen Fleischkonzerne haben eine vegane Edition auf den Markt geschmissen. Viele regen sich darüber auf, aber ich finde es richtig gut, denn es zeigt, dass der “unnormale Veganismus” in der “Normalität” angekommen ist. Zugegebenermaßen ist das schon ein klitzekleines bisschen so, als ob der Teufel Weihwasser verkaufen würde, aber hey, warum auch nicht. Jedes vegane Produkt (egal von wem hergestellt) trägt dazu bei, dass weniger Tiere zu Schaden kommen, selbst wenn “Satan” das Essen zubereitet hat, oder war es doch “Seitan”? Hierzu zitiere ich aus dem Film Detroit Rock City: “Satan / Santa – same letters, must be the same guy”.

Die Seele der Tiere

Menschen, die noch nie mit Tieren zusammen lebten sprechen Tieren oft eine Seele ab. Sie werden als Produkte angesehen, die dem Menschen dienen sollen. Sei es als Nahrung, als Versuchskaninchen, als Lastenträger, zur Gesellschaft etc etc etc.

Wer schon einmal ein tierisches Familienmitglied hatte, der weiss, dass sie alle eigenständige Persönlichkeiten sind und selbstverständlich eine Seele haben. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Ich sage: Tiere sind unschuldig. Kein Tier macht etwas boshaftes mit purer Absicht. Böse ist nur der Mensch, jedoch kein Tier. Kein Tier quält ein anderes aus purer Bosheit und Niedertracht. Das sind menschliche “Attribute”.

Deswegen ist es die Pflicht von uns allen – der gesamten Gesellschaft – diese unschuldigen Geschöpfe zu beschützen. Wir müssen ihnen ihr angeborenes Grundrecht auf ein unversehrtes Leben gewährleisten. Das ist die wahre Aufgabe der Menschheit. Ich bin überzeugt davon, dass der wahre Sündenfall das Ausnutzen und töten von Tieren ist. Wie anders würde unser Planet ausschauen, wenn wir in Frieden mit allen Lebewesen leben würden?

Die Würde der Tiere ist unantastbar. Wie die des Menschen, den auch wir sind Tiere.