You are dismissed

Am Freitag hatten wir lieben Besuch und irgendwie kamen wir auf alte MTV “Serien”, wie diese Show, wo Partner gesucht wurden und die Kandidaten recht schnell dismissed wurden und the “next” kam.

Ich würde so gerne einigen Personen in meinem Umfeld sagen “You are dismissed” und “NEXT”. Schade, dass man das nicht mit Randfiguren des Lebens machen kann. Das wäre zu schön. Aber Randfiguren sind, wie ihr Name schon so treffend sagt, nur Randfiguren. Ich mache zu oft den Fehler, Randfiguren soviel Energie zukommen zu lassen, dass sie fast schon Hauptfiguren in den jeweiligen Lebensstücken sind. Dabei werden sie irgendwann (in hoffentlich naher Zukunft) irrelevant sein. Wieso also mache ich mir so einen Kopf um Menschen, die nur peripher mein Leben beeinflussen und gebe ihnen so viel Macht, dass man meinen könnten, sie würden mein Leben bestimmen. Es gibt da zwei Personen, die haben mich die letzten sechs Jahre so dermaßen aufgeregt, dass ich manchmal am Rande eines Nervenzusammenbruchs war. Ich bin nicht so stark, wie es oft den Anschein hat. Doch was ist jetzt? Die eine Person ist von selbst verschwunden und die andere meint, alles bestimmen zu müssen. Dabei hat sie vermutlich selbst nur Angst vor der Belanglosigkeit ihres Lebens und stilisiert deshalb Mücken zu Elefanten und schafft Probleme wo keine sind, um wichtiger zu erscheinen als sie ist, nur um nicht bedeutungslos zu erscheinen.

Manchmal tut sie mir auch leid, doch dann gibt es wieder Phasen, wo ich sie gerne schütteln würde. Doch vielleicht sollte ich ihr lieber sagen “Das hier ist nicht das wahre Leben, also nimm es bitte nicht so ernst. Du musst Dich nicht über das hier definieren. Du bist auch so genug, oder besser gesagt, viel mehr”. Vielleicht sollte ich ihr mit Mitgefühl begegnen anstatt mit Grauen. Ja mir graut vor ihr. Ist so. Kann ich ihm Moment nicht ändern. Würde ich zwar gerne, aber manchmal wenn sie ein bestimmtes Wort sagt und wie sie es sagt, zucke ich zusammen. Schon alleine ihr Tonfall lässt meine Nackenhaare in die Höhe fahren.

Sie sagt von sich selbst dass sie alles andere als harmlos wäre und ist stolz darauf. Sie verwechselt Respekt mit Schrecken. Die Leute haben keinen Respekt vor ihr, wie sie denkt, sondern sie fürchten sich vor ihr. Das ist ein riesiger Unterschied. Ich wäre nicht stolz darauf, wenn ich Schrecken verbreiten würde. Ich fürchte ich bin harmlos. Mostly harmless. Vielleicht lauert auch in mir etwas Gefährliches, wer weiss. Vielleicht ist es bisher nur noch nicht in Erscheinung getreten. Aber ich glaube nicht. Das liegt nicht in meiner Natur. Rebellion schon eher, aber auch Rebellion kann gefährlich sein.

Die kleine Rebellin in mir wurde geweckt und ich glaube das ist auch gut so. Das gutmütige Schäflein in mir hatte schon wieder zu lange die Oberhand und so plane ich sorgsam und achtsam mein persönliches “Endgame” und es wird nicht so enttäuschend werden, wie bei den Avengers.

Manchmal überlege ich mir, was oder wer solche Menschen ihn ihren früheren Leben gewesen sein könnten. Vielleicht waren sie einmal Despoten und haben das Verhalten in diesem Leben noch nicht ganz abgelegt. Feudalherrscher, die es gewohnt waren, dass man sie fürchtet. Vermutlich aber nur kleine Landvogte, die die Bauern ausgenutzt haben und in Jahrhunderten nichts dazugelernt haben. Sie haben nicht gelernt, dass man mit Freundlichkeit weiter kommt als mit Rechthaberei und Besserwisserei. Niemand mag kleinkarierte Klugscheißer.

Ich erfuhr kürzlich, dass eine Frau, die ich kenne und sehr sehr sehr merkwürdig finde, in der Firma, in der sie arbeitet in Pension geschickt werden sollte. Obwohl sie das nötige Alter hat, weigerte sie sich und blieb weiterhin in der Firma. Die Kollegen waren jedoch so von ihrer Art und ihrem Verhalten genervt, dass sie ihr ein “Büro” im Erdgeschoss einrichten ließen. Weit weg von allen anderen Mitarbeitern, wo sie so wenig wie möglich nerven konnte. Was war die wohl in einer früheren Inkarnation? Das wäre wirklich interessant zu wissen. Ich bin mir jedoch sicher, dass Leute, die stolz darauf sind, nicht harmlos zu sein, noch viele Leben vor sich haben. Bis sie gelernt haben, dass aus Angst und Schrecken nichts Gutes entsteht. Bis sie erkennen, dass am Ende, wenn alles unweigerlich wieder in die Kiste kommt (auch unsere Körper) gänzlich andere Werte zählen, als anderen Leuten unnötig das Leben schwer zu machen nur um scheinbar wichtig zu sein. Für den flüchtigen Moment von “Macht” über Andere. Doch letztendlich sind es Menschen wie ich, die ihnen diese Macht geben. Ich bin dafür verantwortlich. Ich habe es in der Hand, ob sie in meinem persönlichen Schachspiel ein Bauern sind oder Könige. Es wird allerhöchste Zeit für Schach matt!

Ich bin sehr oft nicht ethisch korrekt, arbeite aber daran

Ich würde am liebsten nur Biogemüse und Obst kaufen. Überhaupt nur vegane Bio-Lebensmittel. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Ich war heute im Biomarkt und versuchte weitgehend plastikfrei und nur bio einzukaufen. Habe ich auch fast geschafft und ich kam mit 4 Pizzen (die sind leider noch in Kunststofffolie eingepackt), einem Kopfsalat, einer Zucchini, einer Thai-Erdnusssoße im Glas, einem veganen Nagellack, einer Schale Erdbeeren (250g für 3,95€ sind schon recht happig, aber hey, es ist schließlich Sommer und Erdbeerzeit, da gönnt man sich das schon mal) und einem Glas veganer Mayo zur Kasse. Dort angekommen sagte die Kassiererin “macht dann 39,8o€” und ich bekam Schnappatmung. WTF???

In selbigem Biomarkt gibt es ein veganes Magazin gratis – wenigstens etwas. Dort wurde ein Shop vorgestellt, der zwar wirklich schöne Bekleidung hat, aber die hübschen Sachen sprengen leider mein Budget. Ok, ich könnte es mir schon leisten ein paar Stücke zu kaufen, wenn ich mich stark einschränken würde und einfach insgesamt weniger Klamotten kaufen würde. Das jedoch ist mein absolutes Guilty Pleasure. Ich liebe Mode. Wenn ich alles in fairtrade, bio und vegan kaufen würde, dann wäre ich bei meinem Konsum bald bettelarm. Natürlich würden auch je ein paar Sandalen, Stiefel, Halbschuhe, Sneakers reichen und 5 Kurzarm- und Langarmshirts und Blusen und eine Jeans und zwei Stoffhosen, zwei Shorts, zwei Röcke und zwei Kleider. Wäre machbar, aber wer will das schon? Ich nicht. Ich liebe es, mich jeden Tag nach Stimmung zu kleiden und ich habe viele Klamotten wirklich schon seit sehr vielen Jahren. 50% Secondhand oder mit Freundinnen getauscht und viele “Aus alt mach neu” Teile, die ich aufgepeppt habe. Dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich habe objektiv betrachtet viel zu viel Zeugs. Ich habe garantiert 40 paar Schuhe, unzählige Shirts, mindestens 30 Kleider und ebenso viele Röcke, 5 Shorts und so um die 7 Hosen (Hosen sind nicht so mein Ding), von Schals, Halstüchern, Taschen und Schmuck ganz zu schweigen. Die meisten Sachen davon mag ich auch echt total gerne, andere wiederum benötige ich für Artbeitsevents und weitere Sachen sind einfach zweckmässig.

Ich nehme mir immer wieder vor, eine zeitlang nichts mehr zu kaufen, doch dann finde ich wieder etwas, was ich total schön finde… ein Teufelskreis, aus dem ich gerne aussteigen würde, doch ich mag es zu gerne, mich in schöne, ausgefallene und aussergewöhnliche Klamotten zu hüllen.

Ich bin zum Beispiel absolut keine “Deko-Tante”. Dekorationsstücke sind für mich überwiegend Staubfänger und ich mag es eher minimalistisch. Auch zu viele Bilder an den Wänden wäre nicht mein Stil, auch hier ist weniger mehr. Nur bei Klamotten, Schuhen und Schmuck… wobei Schuhkauf bei mir auch sehr schwierig ist. Ich habe riesige Füsse noch dazu mit einem stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuß. Die Schuhe müssen aus tierleidfreien Materialien sein UND schön ausschauen, was es sehr sehr schwer macht, ansprechende Modelle zu finden.

Mein besonderes “Steckenpferd” sind Abendkleider. Ich liebe Ballkleider, Roben, elegante Glitzerfummel. Keine Ahnung, wann ich die tragen kann, aber ich habe sie alle im Schrank. Manchmal ziehe ich sie einfach so an und flaniere damit durch den Garten.

Natürlich könnte ich auf weitere Anschaffungen verzichten, weil ich schon genug Krimskrams habe und wirklich auf Jahre hinaus nichts neues benötige… diesen Vorsatz habe ich, die Frage ist nur, wie lange ich ihn durchhalten kann. Das ist schwerer als keine tierischen Produkte zu konsumieren. Das fiel mir sehr leicht. Fleisch und Wurst mochte ich noch nie so wirklich und auch Milch und Milchprodukte gehörten nicht zu meinen Favoriten. Darauf zu “verzichten” war eher eine Befreiung.

Bei schöner Fashion ist das etwas anderes. weshalb es mir deutlich schwerer fällt, darauf zu verzichten. Natürlich gibt es vegane fair Trade Mode, doch sind das meistens zeitlose Basic-Teile. Das macht ja auch durchaus Sinn, nichts schnelllebiges zu produzieren, dennoch ist mir das in den meisten Fällen zu langweilig. Wenn ich in einem Online Shop stöbere, der vegane fair gehandelte organische Bekleidung anbietet, dann schätze ich das sehr, aber es trifft zu mindestens 90% nicht meinen Geschmack.

Ich gebe zu, dass ich schon mehrfach bei asiatischen Onlineshops bestellt habe. Ich mag den Style. ich mag meine weiße Bluse mit Kirschen drauf. Ich stehe auf mein Erdbeerkleid und ich finde das weisse Top aus weißer Lochspitze  mit Schößchen echt süss. Und dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich es bestellt habe.

Ich habe mir vor genommen, wenn ich rückfällig werde und mir was zum anziehen kaufe, dann erlaube ich mir selbst nur noch in der kleinen italienischen Boutique einzukaufen, in der ich schon so oft wirklich zuckersüsse Teile erstanden habe. Alles dort ist “Made in Italy” und nicht aus China. Zwar nicht bio oder fairtrade, aber ich habe ein besseres Gefühl, es zu kaufen, wenn es in Europa produziert wurde. Vermutlich lüge ich mir damit selbst in die Tasche. Noch bin ich eine “Süchtige” und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich wieder etwas kaufen werde… aber der gute Vorsatz ist ein Anfang. Ich habe meinen Konsum enorm reduziert und das ist doch auch schon etwas und besser als nichts zu tun.

No more bite

Immer wenn ich mich nicht wohl fühle, entwickle ich leichte bis mittelschwere Tendenzen zur Selbstverstümmelung. Ich kaue dann meine Nägel so ab, dass sie weh tun und zwar heftig.

Meine Gemütsverfassung kann man immer auf einen Blick an meinen Nägeln erkennen. Wenn es mir gut geht, habe ich längere Nägel, die meist recht untalentiert von mir lackiert werden in knalligem rot, hellblau, schwarz, blau, grün, rosa etc.

In Phasen, wo es mir nicht so gut geht, sind sie kurz und unlackiert, nur mit “No more bite” geschützt. Das ist ein Lack, dem ein Bitterstoff zugesetzt wurde, der das Nägelkauen verhindern soll. Das funktioniert bei mir eher suboptimal. Wenn es mir echt schlecht geht, juckt mich der bittere Stoff auch nicht sonderlich. Der Drang mir selbst weh zu tun ist dann größer.

Ich bestrafe mich selbst dafür, dass ich mich zu sehr verstellen muss, dass ich nicht wirklich ich selbst bin und dann kaue ich meine Nägel ab, bis sie bluten.

Wie kann ich das stoppen? Seit über 40 Jahren habe ich keine Lösung gefunden. Selbstliebe wäre vermutlich die Lösung. Eigentlich liebe ich mich auch – eigentlich. Doch dann gibt es wieder Situationen, wo ich nicht mein wahres Ich zeige und mich verstecke. Erst gestern wieder. Ich wollte mir einen Kaffee bestellen und vor mir standen drei Leute, die schon auf ihre Heißgetränke warteten. Die Bedienung fragte sie, welche Milch sie möchten und alle drei riefen empört, dass sie “natürlich normale Milch” möchten und nicht dieses “künstliche Sojazeug”. Überhaupt wären es die Herrschaften leid, dass immer mehr Fleischersatzprodukte in den Läden zu kaufen wären. Das wäre unmöglich, weil sie würden ja auch kein Gemüse aus Fleisch nachbasteln. Die beiden Männer und die Frau mokierten sich lautstark über “diese Veganer”, die künstliches Fleisch bräuchten, das wäre den Dreien vollkommen unverständlich. Ich dachte mir kurz “Los jetzt sag was. Erkläre ihnen nett und freundlich, dass die meisten Veganer aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten, weil sie nicht möchten, dass ein Tier wegen ihnen leidet, grundsätzlich aber den Geschmack von Fleisch etc mögen. Deswegen sind Fleischersatzprodukte für ethisch motivierte Veganer, die früher Fleisch mochten ein Segen. Weil sie tierleidfrei schlemmen können”. Doch ich blieb stumm. Ich sagte nichts. Ich sah sie mir an. Einer der Männer war massiv adipös, der Andere leicht übergewichtig mit “Bierranzen”, die Frau war bestimmt 10 Jahre jünger als ich, sah aber deutlich älter aus. Hätten sie mir zugehört? Hätte es was gebracht? Zumindest hätte es mir was gebracht und ich hätte mich wohler gefühlt, wenn ich den Mut gehabt hätte, den Mund auf zu machen.