Horror Déjà-vu

Seit einiger Zeit habe ich immer öfter von mir so benannte Horror Déjà-vus. Es handelt sich dabei um Augenblicke, die sich anfühlen, als hätte ich sie schon mal erlebt, allerdings verbunden mit starker körperlicher Übelkeit bis kurz vor dem Erbrechen.

Es können total banale Ereignisse sein, wie das Anschauen einer Exceldatei. Ok, Exceldateien sind jetzt nicht so my favorite, aber soooo horrormässig sind sie nun auch wieder nicht. Das Gefühl hat auch noch eine Art “Nachhall”. Selbst wenn ich später nochmals an diesen Moment denke, überkommt mich wieder dieselbe Übelkeit.

Es geschieht ohne Muster und ohne Vorwarnung. Ich schaue etwas an, wie zum Beispiel besagte alltägliche Exceldatei und das Gefühl des “Das habe ich schon mal erlebt” in Kombination mit “ich könnte kotzen” ist sogleich da.  Meist sind es wirklich absolut alltägliche Situationen, manchmal aber auch Erinnerungsfetzen, die dasselbe Gefühl auslösen oder auch Lieder, die ich im Radio höre. Keine Ahnung was das ist und ich kenne auch niemand, der das sonst noch hat. Meine Google Recherche zu ähnlichen Vorkommnissen war ebenfalls ergebnislos.

Falls jemand sowas hat und das hier liest und vielleicht eine Erklärung oder noch besser Lösung dafür hat, gerne PN an mich. Es macht mir nämlich Angst.

Nicht perfekt und genau deshalb perfekt für uns

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Darf ich vorstellen: das ist unser Muffin. Meistens nennen wir ihn Puschelchen, weil er einfach so puschelig ist mit seinem Eichhörnchenschweif. Ich liebe es, wenn er mich begrüsst, wenn ich nach Hause komme und er mir mit seinen X-Beinchen entgegengetrippelt kommt. Er hat ein Schlitzöhrchen. So werden in Spanien, wo er herkommt, kastrierte Katzen in Streuner-Kolonien gekennzeichnet. Es tut seiner Schönheit keinen Abbruch. Er ist so drollig und niedlich. Er ist jetzt seit Mitte Februar bei uns, aber nicht mehr von uns weg zu denken. Er schläft gerne in meinen Kniekehlen. Das scheint der schönste Schlafplatz ever zu sein. Es ist mir ein Rätsel, warum Katzen gerade auf den knochigsten Körperteilen liegen. Es gibt durchaus Körperpartien an mir, die besser gepolstert sind, aber nein, Knöchel, Kniekehlen… unser verstorbener Gizmo lag ebenfalls gerne so und unsere verstorbene MissC lag sogar manchmal auf meinem Kopf und der ist nun wirklich nicht weich. Manchmal würde mich schon interessieren, was in diesen hübschen Köpfchen vor sich geht und was sich meine pelzigen Kinder so denken. Ich werde jedoch ganz sicher keine Tierkommunikatorin mehr dazu befragen, denn veräppeln kann ich mich selbst.

Der kleine Diktator

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Das ist unser Yoshi, der seit Ende Februar bei uns lebt. Wir bekamen ihn über den Tierschutz vermittelt. Er kam mit sehr struppigem Fell bei uns an und hat sich die letzten 2,5 Monate zu einem stattlichen kleinen Löwen entwickelt mit seidiger Mähne. Er wurde als “sanft und lieb” beschrieben. Das ist er definitiv, wenn er schläft hahahahahaaa. Er hat einen Hang zur Dominanz und er kann sehr rabiat sein. Wir schauen aus, wie in einen Dornbusch gefallen, so hat er unsere Hände zerkratzt. Ach aber wenn er einen einmal anschaut :-D. Der kleine Grobian muss erzogen werden. Er muss lernen, dass er hier nicht alles darf. Andere jagen, schlagen und kratzen und beißen geht gar nicht. Wir hoffen sehr, dass er bald lernt, sich zu benehmen, der kleine süsse Diktator.

13 Jahre

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Morgen sind es 13 Jahre, seit ich verheiratet bin. Ich habe heute mein Hochzeitskleid angezogen und es passt noch immer wie angegossen. Die Haare sind dunkler geworden, das Gesicht etwas faltiger, die Sehkraft schlechter. Es hat sich aber noch viel mehr verändert in 13 Jahren, nicht nur rein äußerlich.

Wir verloren unser ungeborenes Kind vor fast genau 11 Jahren im 5. Monat, unseren Spocky ebenfalls völlig unerwartet und plötzlich vor 11 Jahren, wir mussten meinen Papa vor 7 Jahren gehen lassen, meine Freundin Sonja starb vor 6 Jahren an Krebs, unsere MissC vor 3 Jahren,  wir bekamen Gizmo vor 6 Jahren und Merlin vor zwei Jahren und verloren beide vor 1 Jahr. So viele Verluste in den letzten 11 Jahren. Heute vor einem Jahr lag unser Gizmo im Sterben. Wir wussten es. Er hatte ein bösartiges Lymphom. Der Krebs war leider schneller als alle Behandlungsmöglichkeiten, die wir ausprobierten.

Auch Freunde kamen und gingen. Manche blieben und werden bleiben mit anderen hat man sich entfremdet. Das ist der Lauf des Lebens. Ein stetiges auf und ab. Wen ich die Hochzeitsbilder anschaue, dann sind von den Freunden von damals nur ganz wenige noch immer Teil unseres Lebens und wenn wir heute heiraten würden, würde ein Großteil der damaligen Gäste nicht mehr dazu gehören, dafür würden wir nun neue Freunde einladen. Daran ist nichts schlimmes und man mag die Menschen noch immer. Nur hat man im Laufe der Jahre festgestellt, dass man nicht so viel gemeinsam hat, ausser vielleicht dem gemeinsamen Hobby oder was auch immer einen damals verbunden hat.

Dieses Jahr haben wir Muffin und Yoshi adoptiert und wir hoffen, wir werden sie und auch Orpheus und Onya noch sehr lange um uns haben dürfen. Ein Jahr ohne Tod wäre mal wieder gut. Zuviel Tod ist schwer zu verkraften. Es wird auch nicht mit zunehmender Konfrontation “leichter”. Es bleibt immer gleich schmerzhaft und schwer, wenn man geliebte Wesen gehen lassen muss.

Dieses Jahr können wir unseren Hochzeitstag wieder mit mehr Leichtigkeit feiern, trotz Pandemie, trotz noch nicht ganz optimaler Vergesellschaftung von Onya und Yoshi (die Untertreibung des Jahres). Es schwebt kein Damoklesschwert über uns. Für diesmal. Es werden wieder schwerere Zeiten kommen, das ist leider unvermeidlich. In guten wie in schlechten Zeiten. Leben und Tod. Weinen und Lachen. Das alles gehört zum Leben. Wie unwichtig sind da so Oberflächlichkeiten, wie das ein Kleid nach 13 Jahren noch 1A passt und man nicht zugenommen hat.

Trägt man heute Clownsschuhe?

Ich habe im Schlussverkauf Schlupfstiefel gekauft. Schlupfstiefel sind – wie der Name schon sagt – Stiefel in die man reinschlüpft, also ohne Reißverschluss.

Wer meinen Blog schon länger ließt, weiß, dass ich kein Morgenmensch bin. Ü B E R Hauptnicht! Vor 9 bin ich einfach nicht gesellschaftsfähig.

Quasi im “Notstrommodus” machte ich mich für die Arbeit zurecht und zog zum Schluss die Schlupfstiefel an. Ich dachte noch “Die sind aber heute echt unbequem”doch so schnell wie der Gedanke kam, hatte ich ihn auch schon wieder vergessen.

Ich lief im Geschäft den Flur entlang und eine Kollegin sagte “na, hat man heute Clownsschuhe an?”. Ich dachte noch so “Spinnt die???”, schaute aber auf meine Füsse. Und dann sah ich es. Ich hatte die Schuhe falsch herum angezogen. Also den Linken rechts und vice versa. Die Schuhspitzen zeigten nach aussen anstatt nach innen und sahen wirklich aus wie Clownsschuhe.

Das Fazit daraus: ich sollte vor 9:00 Uhr einfach nicht auf die Menschheit losgelassen werden.

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Corona verstärkt, was vorher schon da war

Im Guten, wie leider auch im Schlechten. Das sind meine Beobachtungen nach über einem Jahr Pandemie.

Menschen, die vorher schon Neigungen zu Stoffeligkeit, Eigenbrödlertum und Narzissmus hatten, haben diese nun verstärkt. Leute, die vorher schon echt schräg waren, sind nun noch schräger. Diejenigen, die echt keine gute Kinderstube hatten, sind noch weniger wohl erzogen geworden (nett umschrieben). Corona wirkt wie ein Verstärker oder fallen uns all diese Dinge jetzt nur mehr auf, weil wir seltener mit diesen Personen in Kontakt sind? Waren sie womöglich schon immer so, aber im Trubel des normalen Alltags ging es mehr unter? Nein, ich glaube nicht, ich bin mir fast sicher, dass die Leute schräger werden und sich immer seltsamer verhalten.

Mir fällt es beim Spazierengehen auf. Ich habe mal bewusst alle Leute mit einem freundlichen Lächeln und einem netten “Hallo” gegrüßt, doch nur etwas 30 % haben zurück gegrüßt. Davon nochmal ungefähr 10 % eher mürrisch und widerwillig. Nur 20 % haben mich ebenfalls freundlich zurück gegrüßt.

Die Menschheit wird hoffentlich nicht asozial durch das ganze social distancing. Vielleicht müssen wir wieder lernen, wie es ist, menschlich zu sein, wenn die ganze Scheisse vorbei ist.

Ein unerklärliches Phänomen

Vergangene Woche habe ich meinen Katzenkinder Spielzeug mit getrockneter Minze bestellt. Es waren 8 solcher Kissen:

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Unerklärlicherweise verschwanden die anderen 7 spurlos. Nur eines ist übrig geblieben. Ich habe unter dem Sofa und unter den Schränken danach gesucht, aber sie blieben verschollen. Wenn wir irgendwann mal neue Möbel bekommen, werden sie vermutlich wieder irgendwo auftauchen, aber bis dahin sind sie im Katzenspielzeug-“Bermudadreieck” verschwunden.

Oder landen die Teile im gleichen Universum wie verschwundene Socken oder Haargummies? Ich hatte bei dem Katzenspielzeug extra Leuchtfarben ausgewählt, aber auch das hat nichts genützt.

Lämmchen knuddeln

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Gestern war ich auf dem Lebenshof von Freunden zum Lämmchen kuscheln. Die Freunde hatten letztes Jahr einen Schafbock gerettet, ihn selbstverständlich verantwortungsbewusst kastrieren lassen, jedoch ging die OP schief, was zunächst unbemerkt blieb. Erst als im Dezember die ersten Lämmchen geboren wurde, lag der Verdacht nahe, dass hier was nicht so richtig funktioniert hatte. Der Bock hatte gleich mehrere Schafdamen geschwängert und an Ostern wurden diese beiden Lämmer geboren. Die Mama kann keine Milch geben, weshalb die süssen vier mal täglich mit der Flasche gefüttert werden müssen. Ich dufte gestern eines der Lämmer füttern und danach mit den Süssen knuddeln. Es war echt toll.

Bei der Gelegenheit besuchte ich natürlich auch unser Patenkind Giovanni:

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Der süsse Schatz kam sofort angerannt, als ich ihn rief. Ich bilde mir ein, dass er mich erkennt. Auch er hat sofort mit mir gekuschelt und mich beschmust.

Der Hof der Freunde ist kein Bauernhof, sondern ein Lebenshof. Alle Hofbewohner, die dort Zuflucht finden, dürfen glücklich umhegt und umsorgt leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Kein Tier wird dort “genutzt”. Sie dürfen einfach sein. Ich wünschte, jedes Tier auf der Welt könnte so leben, wie Giovanni und die Lämmchen Jule und Jannik.

Sozialkontakte wurden durch Seriencharaktere ersetzt

Nach einem Jahr Kontaktbeschränkung und mehr oder weniger gelockerten Lockdowns habe ich meine Sozialkontakte weitgehend gegen Seriencharaktere eingetauscht.

Ich verbringe meine Zeit nun mit den Beforeigners, dem Resident Alien, den Truth Seekers und ich war mit Emily in Paris und auf dem Oktoberfest 1900 war ich auch. Ich habe nicht nur Sozialkontakte durch Seriencharakter ersetzt, sondern auch das Reisen. Ok, in letzterem Fall wohl das Zeitreisen.

So schön das Netflixen, Primen etc auch ist, so langsam wäre es echt schön, meine Freunde wieder zu treffen. So richtig treffen, nicht auf Feld und Flur mit 3m Abstand, sondern bei uns im Garten, mit Pizza oder im Biergarten, in einem Restaurant oder unserer Lieblingsbar. Ich möchte mich mal wieder sinnlos besaufen und total blödes Zeug reden. Wie an einem Abend im Herbst vor drei Jahren, als wir in einer griechischen Bar den einen oder anderen Wein und vor allem Ouzo zuviel getrunken hatten und stockbesoffen mit dem Kinderkarussell fuhren. Das war ein richtig lustiger und abgedrehter Abend.

Ich sehne mich nach Party, nach auf dem Tisch tanzen, nach laut und falsch die Songs mitgrölen. Ich möchte wieder mal so einen Abend wie im Januar 2018, als wir beinahe Hausverbot in einer Kneipe bekamen, weil der Barkeeper extrem von unserem Gelächter genervt war.

Wonach ich mich eigentlich sehne – und ich vermute mal auch der überwiegende Teil der Menschheit – ist Leichtigkeit und Sorglosigkeit.

Vielleicht folgt auf die Schwere auch wieder eine “Goldene Zeit”, wie vor 100 Jahren nach der Spanischen Grippe. Allerdings wissen wir auch, was auf die angeblich so goldenen Zwanziger folgte. Hoffen wir, dass wir doch aus der Geschichte gelernt haben. Es macht mir jedoch Angst, weil die derzeitige Situation die Gesellschaft spaltet. In 10 Jahren wissen wir vermutlich mehr. Hoffen wir, dass wir nicht in einer dystopischen Zukunft landen.