Sei wie Du bist

Gestern stand ich morgens vor dem Spiegel und wusste nicht so recht, was ich anziehen soll, doch dann fiel mein Blick auf den braunen Tüllrock, den ich vor drei Wochen auf einem Frauenflohmarkt für € 4,00 erstanden hatte.

Ja ok, zugegeben etwas overdressed aber so what! Ich zog ihn an und als Oberteil ein weisses T-Shirt mit der Aufschrift “Legalized”. Und ja: Ich fiel damit auf. Normalerweise tragen die Kolleginnen in der Branche, in der ich arbeite, kein Prinzessinnenoutfit, weder geschäftlich noch privat. Es ist ein sehr bodenständiger, konservativer Sektor. Gestern dachte ich so bei mir “Scheiss drauf”, das wird jetzt angezogen und Basta.

Ich war noch keine 10 Minuten am Arbeitsplatz, als eine sehr liebe Kollegin mir schrieb “Ich habe Dich heute morgen von Weitem gesehen und Du hast so schön ausgeschaut in Deinem Tüllrock”. Das war so, weil ich mich nicht verbogen hatte, sondern ich selbst war. Ich hatte mich nicht angepasst, denn das erwartet auch gar niemand von mir. Ich kann einen Prinzessinnenrock tragen, warum auch nicht.

Ich habe noch einen hellblauen Tüllrock und einen in altrosa mit Stufen. Die hängen auch nicht mehr unnütz im Schrank. Es wird Zeit, dass sie ausgeführt werden. Man ist nicht overdressed, die anderen sind dann halt einfach underdressed.

Freundinnentag

Alle paar Wochen mache ich mit meiner besten Freundin zusammen einen Freundinnentag. Vor zwei Wochen gönnten wir uns einen Schminkworkshop und gestern hatte ich zuerst für uns Frühstück gemacht und danach fuhren wir zu einem Frauenflohmarkt, wo wir echt tolle Schätze für wenig Geld ergattern konnten.

Es war genau so, wie es sein sollte. Eine gute Zeit mit angenehmen Gesprächen und jede von uns fühlte sich nach dem Treffen wohl und aufgebaut.

Es war auch ein Stück weit wieder ein Hauch von Normalität. Wir mussten keinen Impfstatus vorzeigen, lediglich FFP2 Masken tragen und alle auf dem Markt waren gut gelaunt und ebenso wie wir froh, dass endlich wieder einer stattfand. Niemand war genervt oder gereizt, sondern schon als wir ankamen, sahen wir nur vorfreudige, lächelnde Gesichter. Die Verkäuferinnen waren ebenfalls alle supernett und die Preise wirklich mehr als fair für ehemals sehr hochpreisige, qualitativ hochwertige Teile.

Unsere Ausbeute war: ein Pailettenrock, ein olivfarbenes Sommerkleid mit Plissee, ein weisses Sommerkleid aus Chiffon, ein rostrotes Sommerkleid ebenfalls aus Chiffon, eine feuerrote Handtasche, ein Buch, zwei Übergangsjacken, eine Statementkette und ein bodenlanges Sommerkleid mit Leoparden drauf, einen Cadigan und ein olivbraungemustertes Hemdblusenkleid. Für alles zusammen zahlten wir nichtmal 100 Euro. Wir freuen uns schon auf den nächsten Markt, der in zwei Monaten tatsächlich in unserer Stadt stattfinden wird, aber vielleicht machen wir in drei Wochen noch einen Abstecher in die nächstgelegene Großstadt wo der nächste Flohmarkt dieser Art sein wird. Selbst wenn wir nichts finden, wird es trotzdem ein schöner Freundinnentag werden.

Der Tag der unflätigen Zeitgenossen

Heute morgen fuhr ich auf den Parkplatz eines Lebensmittelladens. Ich sah, dass der Parkplatz ungewöhnlich voll ist, dachte aber nicht weiter darüber nach. Ich stieg aus dem Auto, nahm meinen Korb und lief Richtung Eingang. Durch die Maske war meine Brille angelaufen und ich sah nur schemenhaft eine Frau, die mir auf 10 Meter Entfernung entgegenbrüllte “Wir haben zu”. Ich entgegnete etwas perplex “Echt jetzt” und sie blöckte zurück “Ja, echt jetzt!!!”. Ich drehte um und lief wieder zum Auto und hörte noch, wie sie schimpfend vor sich hinraunzte “Immer das Gleiche mit den blöden Kunden”. Ich war kurz in Versuchung, ihr zu sagen, dass ich keine Kristallkugel besitze und nicht nicht ahnen kann, dass der Markt heute aus welchen Gründen auch immer zu ist, ließ es aber und fuhr einfach zum nächsten Markt. Seltsam, dass der Parkplatz voller war als sonst. Wenn er leerer gewesen wäre, hätte ich ja gleich gedacht, dass etwas anders ist als sonst.

Nachmittags hatte ich eine weitere Begegnung der unflätigen Art. Ich hatte noch einen 25€ Gutschein für ein Bekleidungsgeschäft und ich fand zwei Kleider und eine Strickjacke im Sale. Ich ging zur Kasse, gab der Verkäuferin den Gutschein und legte die 10€ parat, die ich noch drauf zu zahlen hatte. Sie sagte “Da fehlen aber noch 20€”. Ich sagte ihr, dass dem nicht so wäre, weil alle drei Artikel reduziert wären. Sie entgegnete, dass eines der Kleider eben nicht reduziert wäre. Ich sagte ihr, dass das Kleid reduziert ist. Ja das könne jeder behaupten. Ihre Kasse würde keine Reduktion anzeigen und ich müsse als Beweis noch ein zweites Kleid der selben Art im Laden suchen um es ihr zu beweisen. Insgeheim dachte ich “What the Fuck???!!!”. Ich ging nochmals durch den sehr großen Verkaufsraum und suchte den Ständer, wo ich das Kleid her hatte, fand ihn aber nicht. Eine weitere Verkäuferin fragte nicht ob sie mir helfen könne, sondern recht seltsam “Haben Sie sich verlaufen, oder warum laufen Sie hier auf und ab?”. Ich schilderte ihr die Situation, aber sie half mir nicht, sondern sagte nur “Da vorne könnte nochmal ein Ständer sein, wo reduzierte Teile hängen”. Ich fand besagtes Kleid aber nicht nochmal und inzwischen war ich etwas gereizt. Ich ging zur Kasse und sagte der Kassiererin, dass ich das Kleid nicht nochmal fand, sie es doch einfach wieder stornieren solle und ich nur die zwei von der Kasse als reduziert verifizierten Teile möchte. Sie sagte, ich solle das Kleid nochmals suchen und ich sagte ihr, dass ich weder Zeit noch Lust hätte weiterhin durch die Verkaufsfläche zu irren und dieses Kleid zu suchen und sie jetzt endlich das Kleid stornieren solle, weil meine Geduld jetzt zu Ende wäre. Sie nahm das Mikrofon und schrie das Label des Kleides und “Bitte Kasseeeeeee” dazu. Es erschien ein junges Mädchen. Sie hielt ihr das Kleid hin und sagte “was kostet das?” und das Mädchen antwortete “es ist reduziert”. Die andere sagte daraufhin “Aber die Kasse sagt was anderes”. Daraufhin holte das Mädchen ein Kleid derselben Art und voilà, die Kasse spukte endlich den korrekten Betrag aus. Ich bekam das Kleid letztendlich doch noch reduziert. Entschuldigt hat sich niemand für das unverschämte Verhalten. Es war mir ja quasi unterstellt worden, dass ich das Kleid in betrügerischer Absicht als reduziert deklariert hätte.

Ist das Corona geschuldet? Sind die Leute einfach gereizter? Wenn der Laden proppenvoll gewesen wäre, dann hätte ich gesagt “Volles Verständnis”, aber ausser mir waren allerhöchstens 5 Leute im Laden und die Verkäuferinnen langweilten sich augenscheinlich. Es war auch kein Laden, wo ich sowas eher erwartet hätte, sondern ein Unternehmen, dass sich als familiär und kundenfreundlich preist wo immer es geht. Es war auch nicht das erste Mal, dass mir dieser Laden negativ aufgefallen war – auch schon lange vor Corona. Ich hätte ihn ohne den Gutschein nicht mehr betreten.

Was mich am Meisten an der ganze Aktion nervt, ist, dass ich treudoof das Kleid gesucht habe. Ich hätte gleich sagen sollen “Behalten Sie Ihr Zeug, das muss ich mir echt nicht geben. Es ist nicht meine Aufgabe, herauszufinden, ob das Kleid wirklich reduziert ist oder nicht!”.

Dieser Laden wird von mir zukünftig boykottiert werden. Ich muss mich von Angestellten nicht anschnauzen lassen. Die Kleidungsstücke werden mich jetzt immer an das unakzeptable Verhalten der beiden Frauen erinnern. Geht echt gar nicht, bei allem Verständnis für die derzeitige Lage und Situation. Mir geht die Gesamtsituation auch schon lange auf den Zeiger, aber ich schnauze deswegen keine Mitmenschen an. Aber auch hier gilt vermutlich, dass Corona nur das zum Vorschein bringt, was vorher schon da ist. Im Guten und im Schlechten.

Kleine Zeitreise am Samstagmittag

Meine beste Freundin und ich waren heute in der Stadt bummeln. Es war wie eine Zeitreise in die 90er. Meine Freundin sagte es treffend: “Wenn Du das Kleid anziehst, die Jacke drüber und dann noch gefärbte Haare und grüne Augenbrauen, dann siehst Du aus wie Marusha auf der Love Parade”.

Chenillepullover, Cord, Latzhosen, Latzkleider, Karohosen und Röcke, Holzfällerhemden, Jeansjacken ohne Ärmel, Gardigans mit einem Schleifchen zum zubinden, durchsichtige Blusen, Kleider mit gekräuseltem Saum. Die 90er sind mit voller Wucht zurück. Irgendwie sind wir aus jedem Geschäft raus mit dem Gefühl “Da waren wir schon, dahin wollen wir nicht zurück”.

Ich sah eine Hose, die war gelb-schwarz kariert. Exakt so eine hatte sich eine meiner anderen Freundinnen irgendwann 1996 gekauft und sich dazu Zöpfe gemacht. Prompt wurde sie damals von einer Polizeistreife angehalten und das gesamte Auto wurde auf Extasy abgesucht. Daran musste ich heute denken, als ich diese Hose in einem Bekleidungsgeschäft eines großen Skandinavischen Konzerns hängen sah.

Die 90er waren für mich das Jahrzehnt, in der mein persönlicher Umbruch stattfand. Ich wechselte nach 10 Jahren den Job, hatte neue Kollegen, neue Freunde, ein neues Umfeld. Ich wurde ein anderer Mensch, was dazu führte, dass sich mein Leben zuerst schleichend, aber dann Anfang der 2000er Jahre immer schneller, komplett änderte. Altes musste weichen um für Neues Platz zu machen und alles Neue war gut. Nicht dass das Alte schlecht war, aber es passte nicht mehr. Die Menschen passten nicht mehr, der Job nicht mehr, der damalige Partner nicht mehr (oder eher noch nie).

Nun sind also, zumindest modisch, die 90er wieder da. Dann sind wir mal gespannt, welche Umbrüche die 2020er Jahre mit sich bringen. Es ist immer noch unfassbar für mich, dass die 90er Jahre schon 30 Jahre her sind. Das war doch erst gestern. Boah ist das übel. Ich werde in 5 Wochen unfassbare 54 Jahre alt und infantilerweise fühle ich mich keinen Tag älter als 28, vermutlich wird das für immer so sein. Aber wisst Ihr was, wenn “erwachsen sein” bedeutet, dass ich jetzt anfange, fürs Altersheim zu sparen, mich nur noch über andere aufrege und vor Corona Angst habe, dann bin ich lieber nicht erwachsen. Don`t grow up, it`s a Trap!

Zwischen Tüll und Lachen

Gestern hatte ich ja erzählt, dass ich nicht so der sentimentale Typ bin. Das war auch bei meinem Brautkleidkauf so. Damals hatte ich meine Nichte und drei Freundinnen dabei und wir lachten viel. Geheult hat niemand. Schon gar nicht ich.

Ich schaue ab und zu die Sendung “Zwischen Tüll und Tränen” und jede zweite Braut heult und die Begleiterinnen ebenso. Bei der gestrigen Folge war eine Braut dabei, die nicht geheult hat. Sie war total gechillt, hat sich zwar über ihr Kleid gefreut, aber sie war nicht total aus dem Häuschen. Sie war mir sehr sympathisch. Ich habe nix dagegen, wenn die Frauen vor Ergriffenheit anfangen zu weinen. Jeder ist wie er ist. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist nur ein Kleid, nicht ein Heilmittel gegen Krebs.

Wenn ich heute heiraten würde, würde ich ein anderes Kleid auswählen. Mir gefällt meines zwar immer noch, aber es gibt inzwischen so tolle Boho Kleider. Ein Prinzessinnenkleid würde es nicht werden. Obwohl, wenn ich es recht bedenke ist mein Kleid schon echt noch immer schön. Es ist zeitlos. Wer weiss, wie ich in 10-15 Jahren die heute so hippen Boho-Retro-Kleider finde. Vermutlich finde ich sie dann gar nicht mehr schön. Ich wollte mein Kleid auch nie verkaufen. Klar, anziehen kann ich es gesellschaftstauglich nur daheim, aber das ist auch völlig in Ordnung. Dasselbe gilt ja auch für mein Rotkäppchenkostüm, mein Waldfeenkleid, mein Fuchsoutfit, meine Katzenmaske, meinen Einhornhaarreif mit Farbwechsler im Horn und mein Rehfaschingskostüm.

Endlich wieder auf Schatzsuche

Meine beste Freundin und ich hatten heute einen wirklich schönen Freundinnentag. Wir haben zuerst zusammen gefrühstückt und fuhren dann in die Nachbarstadt, wo in der Stadthalle endlich wieder ein Frauenflohmarkt stattfand.

Die Ausbeute des Tages war:

1 dunkelblaues Abendkleid, 1 hellgrünes Blümchenkleid, 1 rot-orange gemustertes Spaghettiträgerkleid, 1 hellblauer Pullover mit Ajourmuster, 1 altrosa Plüschjacke, 1 knöchellanges dunkelblaues Kleid mit weissen Blumen, 1  weisses T-Shirt mit dem Aufdruck “That`s Awsome”, 1 schwarzer Spitzencardigan, 1 blaue Bluse sowie 1 senfgelber Schal mit Singvögeln drauf. Zusammen mit dem Eintritt habe ich für alles zusammen 49€ bezahlt. Das teuerste Teil war das Abendkleid für 17€. Alle anderen Teile lagen in einer Range von 2-5€. Alle Klamotten waren entweder neu oder neuwertig. Neu haben sie bestimmt mindestens das 5fache gekostet.

Es war schön, mal wieder Zeit mit meiner besten Freundin alleine zu verbringen und auf Schatzsuche zu gehen. Es war ein Flohmarkt nach meinem Geschmack. Die Frauen / Mädchen wo ich gekauft habe, waren alle sehr gepflegt und nett. Genauso mag ich Flohmärkte. Ich mag Secondhandläden und Flohmarktkonzepte, wo man nicht weiss, wem die Kleidung vorher gehört hat, nicht besonders. Heute war es wirklich schön. Auch wieder ein Stück Normalität. Das letzte Mal, als wir auf einem Flohmarkt waren, war im Januar 2020, kurz bevor die ganze Scheiße anfing. Wir waren damals auf einem Nachtflohmarkt in der nächstgelegenen Großstadt mit DJ, Tanzfläche, Bar und Snacktheke. Das war auch richtig toll. Dieser Flohmarkt sollte im Sommer diesen Jahres wieder stattfinden, jedoch kam er aufgrund der Pandemie-Bedingungen leider nicht zustande, was wir sehr schade fanden. Irgendwann wird es wieder normale Flohmärkte geben, wo wir nicht 15 Minuten anstehen müssen, weil unsere 3 G Nachweise gecheckt werden müssen und kontrolliert wird, ob wir uns mit der Luca-App registriert haben und keine Masken mehr tragen müssen. Ich hoffe sehr, dass das in naher Zukunft sein wird. Ich bin Pandemie-müde. Wie die meisten Menschen. Ich denke jedoch, dass wir das Schlimmste endlich überstanden haben und hoffe, dass es keinen Lockdown mehr gibt mit Kontaktverboten. Das war das Schlimmste für mich, dass der Kontakt zu Familie und Freunden verboten war. Umso mehr genoss ich den heutigen Tag und hoffe sehr, dass solche Tage bald wieder die Norm sein werden.

Endlich wieder Flohmarkt

Nächsten Samstag gehe ich mit meiner besten Freundin auf einen Frauenflohmarkt. Endlich wieder! Nach über 1,5 Jahren der erste Flohmarkt. Wie habe ich es vermisst.

Wir hatten in der Zwischenzeit 1-2 private Tauschparties, aber das ist nicht dasselbe. Ich liebe es, auf Flohmärkten nach Schätzen zu stöbern. Die Hälfte meines Kleiderschrankes ist Second Hand. Ok, die andere Hälfte besteht überwiegend aus Shein Bestellungen… daran arbeite ich noch… mein Guilty Pleasure. Aber ich mag einfach diese Basic Sachen nicht, welche die nachhaltigen Labels anbieten. Ich mag verspielte, aussergewöhnliche Kleidung und Shein trifft genau meinen Geschmack. Etwas infantil trifft Boho. Genau mein Ding.

Um so mehr freue ich mich auf den Flohmarkt. Es ist ein “richtiger” Frauenflohmarkt. Also, Frauen haben dort ihre Stände und verkaufen ihre Kleidung. Es gab – vor Corona – hier in der Gegend einen Flohmarkt, wo die Waren alle auf Ständern aufgestellt waren, aber die Verkäuferinnen nicht anwesend. Das gefällt mir persönlich nicht so. Ich weiss schon gerne, wer die Kleidungsstücke verkauft. Ich schaue mir die Leute immer genau an. Meistens kaufe ich bei Ständen, wo die Frauen mir vom Typ her ähnlich sind. Wenn die Verkäuferinnen schon einen etwas schmuddeligen Eindruck machen, kaufe ich dort garantiert nichts, egal wie toll die Klamotten wären (was sie dann sowieso meist auch nicht sind). Ich mag es auch, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen, weshalb sie die Teile verkaufen. Es ist dann meist wie bei mir selbst “Im Laden sah es noch ganz gut aus und daheim wusste ich nicht, wie ich es kombinieren soll”, “ich hab 1-2 kg zugelegt und jetzt ist es zu eng”, “Die Farbe steht mir gar nicht”, “ich hab einfach zu viel Zeug”. “Ich habs nicht anprobiert, grober Fehler”.

Damit Platz für die neuen Schätze ist, habe auch ich aussortiert und werde die Teile demnächst in einer privaten Tauschparty der Tochter einer Bekannten schenken.

Größe L ist plötzlich das neue Size Zero

Am Montag kam mich meine Cousine besuchen. Sie ist nicht meine leibliche Cousine, sondern sie war früher mit meinem Cousin liiert und nach der Trennung habe ich sie einfach eingetauscht. Wir sind seit ungefähr 33 Jahren befreundet und seit Mitte der 90er ist sie meine selbst auserwählte Cousine.

Wir hatten einen Tisch beim Japaner reserviert und noch etwas Zeit, weshalb wir uns kurz im Laden einer sehr bekannten skandinavischen Modekette umsahen. Alles was wir in unseren Größen anprobierten (normalerweise M/L) war uns viel zu weit und gross. Wir hätten die Kleider locker mit ein paar Metallstangen zu Zelten umfungieren können. Wir waren inzwischen bei Größe 36/38 anbelangt, bzw. XS und S und noch immer waren uns die Kleidchen viel zu weit. Was ist passiert? Haben die Hersteller die Größen geändert, damit die Frauen nicht mehr so frustriert sind, wenn sie Gr. 40/42 tragen müssen? XS war die kleinste Größe, was machen jetzt die ganz dünnen Frauen, die tatsächlich Size Zero oder XXS tragen? Müssen die jetzt in die Kinderabteilung? Wurde sowas nicht einmal genormt? Noch vor 10 Jahren trug ich Gr. 38, doch dann wurden die Teile immer größer, obwohl sich mein Gewicht nur unwesentlich verändert hatte (ja, schon so 2-3 Kg mehr, aber sicher nicht 1-2 Kleidergrößen) und jetzt geht es plötzlich deutlich zurück. Nun benötige ich statt Gr. 42 wieder Gr. 36. Das ist doch irre. Was will man damit bezwecken? Noch dazu variiert es von Laden zu Laden. Während ich bei dem einen Laden Gr. 36 benötige, ist es im nächsten schon wieder Gr. 40. Das macht doch keinen Spass Leute, wieso kann man das nicht normen und für alle einheitlich festlegen. Bei den Schuhgrößen funktioniert es doch größtenteils auch. Wenn ich einen Schuh in Gr. 41 anprobiere, dann passt er in 99 % der Fälle. Bei solchen Konfektionsschwankungen braucht man sich auch nicht über die vielen Retouren wundern. Nachhaltig ist anders. Nerven tut es auch noch.

Da uns auch die kleinsten Damengrößen zu groß waren, haben wir auch nichts gekauft und somit Geld gespart, welches wir lieber in leckeres Essen investiert haben.