It`s good to be me!

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Jahrzehntelang habe ich mein Selbstvertrauen aus der Bewunderung anderer gezogen. Das funktionierte eine sehr lange Zeit. Es fing mit 17 an (davor war ich ein unscheinbares Mauerblümchen) und dauerte an, bis ich älter wurde. Die bewundernden Blicke wurden im Laufe der Jahre weniger, die Anmachen nahmen ab und ich bekam kaum mehr Drinks spendiert, wenn ich mit Freundinnen unterwegs war. Früher war ich es gewohnt, mit wenig bis gar keinem Geld aus dem Haus zu gehen, weil alles “gesponsert” wurde.

Das hat mir eine Weile echt zu schaffen gemacht, doch diese schwachen Zeiten sind zum Glück vorbei. Ich benötige die Bewunderung von Männern nicht. Ich bin schließlich glücklich verheiratet und ich verdiene genug, dass ich meine Drinks selbst bezahlen kann. Es war meist eh nervig, denn ganz “umsonst” waren die Getränke nie. Man musste sich (zumindest gebot es der Anstand) ein paar Minuten mit den Typen unterhalten. Es hat also Lebenszeit gekostet, die so viel mehr wert ist, als die paar Kröten, die ein Captain Morgan / Cola oder ein Wodka/Bull kostet. Es war auch oft psychopathisch, von irgendwelchen dahergelaufenen Kerlen angebaggert zu werden. Es hat also durchaus Vorteile, dass ich inzwischen in einem Alter angelangt bin, wo ich immer “unsichtbarer” werde. Unsichtbarkeit birgt Freiheit. Ich bin so viel mehr als mein Aussehen, das noch immer ziemlich passabel ist. Es ist gut, ich zu sein. Ich möchte niemand anderes sein. Manchmal – und das sind wirklich schwache Momente – hätte ich gerne Haare wie Diese oder ein Gesicht wie Jene, wäre gerne 20 Jahre jünger oder wünschte meine Fältchen weg. Doch diese Momente gehen vorüber. Sie ziehen vorbei wie Wolken und es klart wieder auf und ich weiß: It`s good to be me!

Mein Outing

Ich muss mich heute mal outen. Ich bin transtemporal. Ich wurde im falschen Jahrzehnt geboren.

Ich fühle es ganz deutlich. Die 70er und 80er Jahre waren so Scheiße. Erst ab den 90ern wurde zumindest die Musik passender für mich und so richtig besser wurde das Leben erst ab 2003.

Ich wurde also mindestens 20 Jahre zu früh geboren. Wenn ich Anfang der 90er Jahre geboren worden wäre, würde mein gefühltes und empfundenes Alter passen. Egal ob Musik, Style, Freunde. Nur wenige Freunde und Bekannte sind im selben biologischen Alter wie ich oder gar älter. Der überwiegende Teil mindestens 10 Jahre jünger. Mein Selbstbild ist das einer allerhöchstens Mitte 30Jährigen. Die Freunde und Bekannte, die auch Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre geboren wurden, sind ähnlich drauf wie ich. Sie haben zumindest transtemporale Tendenzen. Vermutlich nicht so ausgeprägt wie bei mir, aber dennoch vorhanden.

Eine Geistheilerin erzählte mir vor 6 Jahren einmal, dass sie bei mir sicher wäre, dass bei meiner jetzigen Inkarnation etwas schief gegangen wäre. Das würde erklären, warum ich mich als transtemporal empfinde.

Mir kam einmal der Gedanke, ob manche Menschen womöglich noch Erinnerungsfetzen an ihr vorheriges Leben haben, in dem sie ein anderes Geschlecht hatten als bei dieser Wiedergeburt. Vielleicht bin auch ich im falschen Körper geboren, aber dann wäre ich nicht transsexuell (ich fühle mich als weibliches Wesen ausgesprochen wohl und möchte auf keinen Fall ein männliches Wesen sein) sondern transspeziell. Ich wurde im Körper der falschen Spezies geboren. Auch das würde einen meiner allerersten Sätze erklären. Viele Zeugen können bestätigen, dass ich als Kleinkind jedem der es hören wollte oder auch nicht deutlich und bestimmt erklärte: “Ich bin eine Katze”. Als Katze müsste ich mich nicht transtemporal fühlen und hätte kein Problem mit dem altern. Katzen sehen immer toll aus, egal wie alt sie sind. Meine Katzentochter Onya wird im September 12 Jahre alt, aber sie schaut manchmal noch immer aus wie ein Kitten und sie ist nach wie vor genauso wunderschön wie sie immer war. Ja, ich glaube, das trifft es eher: ich wäre gerne eine Katze! Ich wäre eine herrliche Katze. Ich lebe seit der Pandemie eh schon so wie meine pelzigen Kinder. Katzen sind auch einfach toll.

Das kann man doch mal verwechseln

Eine Polizeistreife hielt mich an. Fahrzeugkontrolle. “Zeigen Sie Ihren Führerschein und Ihre Fahrzeugpapiere”. Ich war – ohne Grund – nervös und kramte die gewünschten Dokumente aus meinem Geldbeutel und gab sie dem Beamten. Er warf einen Blick darauf und sagte “Wollen Sie mich verarschen?” Ich wusste nicht, wovon er sprach und antwortete wahrheitsgemäss “Das liegt mir fern”. Er wurde wütend und sagte laut “So eine unglaubliche Frechheit, geben Sie mir sofort Ihren Fahrzeugschein! Hier haben Sie Ihren Blödsinn wieder”. Erst in diesem Augenblick erkannte ich, dass ich dem Herrn anstatt des Fahrzeugscheins mein Bonusheft vom Zahnarzt ausgehändigt hatte. Ich fing an zu lachen und konnte nicht mehr aufhören. Er kam sich noch veräppelter vor und schrie mich an “Wenn ich nicht sofort den Fahrzeugschein bekomme, können Sie gleich mit aufs Revier” und ich lachte noch lauter. Mir tat der Bauch und die Kiefermuskeln weh, so sehr lachte ich. Letztendlich fand ich in letzter Sekunde den Fahrzeugschein. Er studierte ihn und meinte nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich weiter fahren könne. Meine Mitfahrer kommentierten das Ganze mit “Das kann echt nur Dir passieren”. Ich finde, dass man das leicht verwechseln kann und ein anderer Polizist hätte wahrscheinlich auch gelacht.

Forever young

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Das bin ich, ungeschminkt, ungekämmt, so wie ich heute aufgestanden bin, unangezogen im Morgenmantel. Mit den feinen Linien auf Stirn und um die Augen und den Mitessern auf der Nase. Und doch mag ich mich so. Ich bin 53 Jahre alt und noch immer jung. Ich werde den Teufel tun und in “Würde altern”. Ich werde Croptops tragen, einen hohen Dutt machen, Zöpfe flechten, kurze Röcke und Kleider anziehen und infantile Tierprints kaufen. Ich werde weiterhin meine Papageienohrringe tragen und um die Weihnachtszeit meinen Elfenpulli anziehen.

Gestern sah ich in einem Film eine mega infantile, tolle Frisur. Zwei kleine geflochtene Dutts wie Teufelshörner. Das werde ich als nächstes ausprobieren. Ich werde wieder Make-up tragen, wenn mir danach ist und mich aufbrezeln. Nur für mich Daheim. Warum? Weil ich es kann!

Youth is a state of mind und keine Zahl auf der Geburtsurkunde.

Never look back

In Filmen und Serien ist es oft so, dass die Protagonisten noch an ihren Expartnern hängen oder gar wieder mit ihnen zusammen kommen. Im echten Leben kenne ich nur zwei Fälle, wo das gut ausgegangen ist und es wirklich so war, dass die Paare nach einer Trennung wieder zusammen gefunden haben. Beide waren aber nur wenige Monate getrennt.

In den meisten Fällen ist es allerdings eher so, dass die Expartner keine Rolle mehr spielen, es sei denn, man hat gemeinsame Kinder. In diesen Fällen ist man gezwungen weiterhin mit ihnen in Kontakt zu sein. Ich für meinen Teil denke nie an meinen Ex und habe den vergessen, wenn mich niemand an ihn erinnert und das ist vollkommen ok so.

Vielleicht ist es das Gleiche mit dem “Zurück zum / zur Ex” wie mit dem Ausdruck “Grundgütiger”. Ist schon mal jemand aufgefallen, wie oft in Filmen und Serien “Grundgütiger” ausgerufen wird? Das sagt doch im wahren Leben niemand! Ich jedenfalls kenne niemand der das schon mal gesagt hat, es sei denn er hat Doc Brown aus “Zurück in die Zukunft” zitiert.

Wenn das nächste mal jemand wieder mit seiner / seinem Ex zusammen kommt, werde ich es lautstark mit “Grundgütiger” kommentieren.

Im Grossmutteralter angelangt

Vorgestern traf ich eine alte Klassenkameradin und sie berichtete mir freudestrahlend “Margit, stell Dir vor, ich bin heute Nacht Oma geworden”. Ich freute mich mit ihr, war aber auch geschockt. Ja klar, dass jemand mit 53 Oma wird ist jetzt nicht so ungewöhnlich, aber ich fühle mich so ganz und gar nicht, wie eine Frau im Grossmutteralter. Ich fürchte, ich werde für immer 28 sein, ob das nun gut ist oder nicht. Ich bin im Geiste so jung, wie ich es mit 28 war. Was ist verkehrt daran? Ach ja, da gibt es die Fraktion, die das als “nicht in Würde altern” ansieht. Es gibt bestimmt genügend, die denken, dass ich mich krampfhaft an meine Jugend klammere. So ist das aber nicht. Ich klammere mich nicht verzweifelt an etwas und ich kämpfe nicht krampfhaft gegen etwas an. Ich bin einfach noch genauso, wie vor 25 Jahren. Infantil? Gut möglich, aber so what!

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Echt jetzt?

Es gibt Momente in meinem Leben, wo ich denke “das kann doch nicht Eurer Ernst sein?”. Doch, die meinen das Ernst, Bierernst sogar.

Mir fehlt die Leichtigkeit und der Spass in meinem Leben und das gänzlich unabhängig von Corona und der Lockdown-Situation.

Ich würde gerne wieder sorglos sein. Ausgelassen und Lebensfreude verspüren. Wieso muss alles so seriös sein? Das ist so sterbenslangweilig. Ich möchte nicht mehr in so einer Ernsthaftigkeit und Seriosität leben. Tief in mir bin ich nicht nur eine Hippie-Seele, ich habe auch rebellische Anteile in mir. Ich hätte gerne etwas mehr Anarchie, habe aber nicht mehr den Mut dazu.

Wenn ich mutiger wäre, würde ich Schabernack treiben, Unfug anstellen, ich wäre total albern. Unangepasst und anarchisch.

Früher war ich das viel mehr als heute, aber es wurde mir gehörig abtrainiert. Ich kann mich noch gut an eine Schulstunde erinnern, in der mein Klassenlehrer meine Hausarbeit für alle sichtbar hochhielt und sagte, dass ihm noch nie so eine ungehörige Frechheit untergekommen wäre. Es war eigentlich ein Versehen. Aber von Vorne: es muss ungefähr in der 11ten oder 12ten Klasse gewesen sein. Wir sollten im Fach Betriebswirtschaft (es war ein Wirtschaftsgymnasium) irgend etwas darstellen. Was genau, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich das Thema mega öde und langweilig fand.

Um es für mich interessanter zu gestalten, hatte ich die im Beispiel dargestellte Person – als damals echt großer Fan des Mad-Magazins – als Alfred E. Neumann benannt, wohnhaft in Madhausen in der Madstrasse etc. Ich hatte das nur für mich gemacht, um das trockene Thema für einen kreativen Menschen wie mich etwas phantasievoller zu gestalten. Es half ungemein und als ich es fertig hatte, schrieb ich es quasi nochmals ins “Reine”, damit es eine seriöse Arbeit ergab. Als ich die Hausarbeit am nächsten Tag abgeben musste, verwechselte ich die Versionen und gab die “Unreine” ab. Der Lehrer empfand es als persönlichen Affront gegen ihn. Ich hatte ihn bis zu diesem Tag eigentlich für recht liberal und offen gehalten, wurde aber eines Schlechteren belehrt. Er machte komplett zu. Er hörte mich auch nicht an, als ich versuchte ihm zu erklären, dass ich die Versionen schlicht verwechselt hatte. Ich gab ihm die “ordnungsgemäße Variante”, aber er sah sie sich nicht einmal an. Er blieb bei der 6, die er mir dafür gegeben hatte und wechselte mehrere Wochen kein Wort mit mir. Irgendwann war sein Groll verflogen und er war wieder normaler, ganz so wie vorher wurde es aber nie wieder zwischen uns.

Es gab trotz dieses Einschnitts immer wieder leichtes Aufflackern der Rebellin in mir. Als ich vor Jahrzehnten in einem Fotogeschäft jobbte und für die Dekoration des Schaufensters zuständig war, schmuggelte ich versteckt ein paar kleine Jägermeisterfläschchen ins Fenster. Sie fielen erst auf den zweiten oder dritten Blick auf und vielen Menschen gar nicht. Mein ehemaliger Chef, sah es natürlich und es gab eine ordentliche Standpauke.

An Karneval erschien ich dort ein andermal verkleidet als Councelor Deanna Troi aus StarTrek. Dazu konnte der Chef aber nichts sagen, denn es war ja nichts Anstößiges, was ich trug.

Jahre später brachte ich ernsthaft ein Raclettegerät mit ins Büro und brutzelte mit ein paar gleichgesinnten Kollegen tatsächlich ein paar Pfännchen. Man konnte den Geruch des Raclettekäses noch drei Stockwerke weiter nur allzu deutlich riechen. Es hatte keine Konsequenzen, ausser schrägen Blicken.

Wir bestellten auch mal aus dem Ausland Cocktailpulver, welches man wie Brause mit Wasser anrührte und somit quasi Instant Cocktails mixen konnte. Ich war an dem Tag ziemlich besoffen, aber zum Glück wurde es anscheinend nicht bemerkt.

Während einer Jubiläumsfeier fand ein Gottesdienst statt und dieselben Kollegen wie oben erwähnt und ich hatten in der Nacht zuvor Erdbeeren in Rum eingelegt und zum Frühstück gegessen. Wir waren so betrunken, dass wir – während der Kirchenchor sang – laut “for whom the bell tolls” von Metallica grölten. Das hörte das gesamte Unternehmen, aber niemand verlor je ein Wort darüber. Ich weiss bis heute nicht, wie ich an dem Tag nach Hause gekommen bin, aber ich erinnere mich deutlich daran, dass ich morgens um 10 schon richtig schön angeschickt war.

Wenn ich so darüber nachdenke, ist es schon mindestens 10 Jahre her, seit ich das letzte mal etwas Unkonventionelles getan habe. Das “Rebellischste” was ich in den letzten 8 Jahren tat, war das Tragen von zu kurzen Kleidchen um eine gewisse Person zu ärgern. Ganz schön traurig. Das muss sich wieder ändern. Ich brauche diesen Unfug. Ich kann nicht immer so angepasst und konventionell leben. Diese konservative Welt ist nicht die Meine. Das Leben ist zu kurz um es immer so ernst zu leben. Wenn ich mal alt und am sterben bin, will ich nicht bereuen, dass ich immer versucht habe “es allen recht zu machen”, das ich immer alles “richtig” und korrekt gemacht und so unendlich uncool gelebt habe. Das würde ich ganz sicher bereuen. Ich bereue es ja jetzt schon, dass ich so lange so angepasst war. Mögen die subversiven Spiele wieder beginnen.

 

Es ist mal wieder Zeit…

… für eine mega abstruse Story aus meinem Leben.

Es war vor 17 Jahren, als ich noch eine Friseurin hatte, mit der ich auch befreundet war. Sie war nett, wenn auch mega naiv. Sie war der wandelnde Inbegriff von “Ich hab’s nur gut gemeint”. Wie wir wissen, ist “gut gemeint” echt immer Scheisse.

Ich war zu der Zeit Single und sie hatte wohl einen Kunden, der für mich schwärmte. Sie gab ihm unerlaubt und ohne zu fragen meine Handynummer. Ich habe keinen Schimmer mehr, wie er hieß, nennen wir ihn einfach Martin. Irgendwie sah der aus wie ein Martin. Er war ungefähr 5 Jahre älter als ich. Das wäre eigentlich kein Grund gewesen, aber Martin war sowas von nicht mein Typ. Er trug doch tatsächlich einen Schnauzer. Wir reden hier nicht von den 70er Jahren, sondern es war 2004 zur Hölle. Wer trug denn zu der Zeit einen Schnauzer, wenn er unter 60 war???

Er schrieb mir jeden Morgen “Hallo Du Süsse, na, wie geht es Dir, was machst Du denn heute Schönes?”. Ich wusste damals noch nichts von Ghosting und selbst wenn, hätte ich so etwas fieses nicht gemacht. Sehr nett war das, was ich mit Martin gemacht habe, jedoch auch nicht, aber nach zwei Wochen musste das ein Ende haben.

Er wollte ein Date mit mir und ich dachte mir, hier hilft nur die Holzhammermethode und willigte ein. Es war ein lauer Sommerabend und wir trafen uns im Biergarten. Das war mein üblicher Treffpunkt zum Körbe verteilen. Der Parkplatz war direkt daneben und er war nicht sehr gut besucht, so dass ich immer schnell wieder abhauen konnte. Strategisch klug wählte ich auch immer den ersten Tisch direkt neben dem Parkplatz, an dem – ausser mir – auch niemand sitzen wollte.

Er sass, wie von mir bestellt am “Katzentisch”als ich kam. Der gute Martin “strahlte” noch über beide Backen. Noch… Er erzählte mir von einer Kaffeefahrt und dass er sich dort eine Magnetfelddecke gekauft hätte. Oh mein Einhorn! Er fragte mich, was ich so in meiner Freizeit machen würde. Grober Fehler. Ich sagte ihm in aller Ernsthaftigkeit, zu der ich fähig war, dass ich schon seit Jahren nach dem Heiligen Gral suche, mich aber auch mit der Manna-Maschine begnügen würde. Er schaute etwas seltsam, aber jetzt kam ich erst richtig in Fahrt. Ich erklärte ihm, dass ich gerade Klingonisch lerne (was ich tatsächlich versucht hatte) und dass ich einen Hexenzirkel gegründet hätte (das stimmte nicht ganz, aber fast). Er war bleich geworden, beinahe grün. Ich verabschiedete mich auch recht schnell mit dem Hinweis, dass ich jetzt nach Hause müsse, um “Buffy” zu schauen, weil ich auch eine Vampirjägerin werden möchte. Letzteres stimmte nicht, aber dass ich nach Hause wollte um “Buffy” zu schauen, stimmte sehr wohl.

Ich dachte, dass ich ihn nachhaltig verschreckt hätte, aber denkste. Am nächsten Tag rief mich die Friseurin an. Der Martin hätte ihr von unserem netten Abend erzählt und dass er mich unbedingt wieder treffen wolle. Ich sagte ihr, dass sie sich gerne mit dem guten Martin treffen könne, aber ich auf gar keinen Fall ein zweites Mal. Ich sagte ihr, dass sie ihm das bitte beibringen solle und falls sie jemals wieder auf die Idee käme, dass sie irgend einem dahergelaufenen Hoschi meine Nummer geben würde, ohne meine Erlaubnis einzuholen, würde sie ihre Nummer in Riesengröße auf einem Plakat im Stadtklo wiederfinden. Das war mein Ernst und das wusste sie auch. Sie erklärte ihm, dass ich ihn nicht mehr sehen möchte, dass er niemals mein Typ sein wird und dass er sich eine andere Frau suchen soll.

Er schrieb mir ab diesem Zeitpunkt nicht mehr und das war gut so. Ich löschte auch direkt seine Nummer und dachte, “den seh ich nie wieder”. Aber dem war nicht so.

An Silvester desselben Jahres war ich mit meiner Nichte unterwegs und bekamen einen Anruf ihres Bruders mit der Bitte, ihn auf einer Veranstaltung in der Stadthalle abzuholen. Wir fuhren gleich hin und der Türsteher war so freundlich, uns unentgeltlich Eintritt zu gewähren. Wir suchten also meinen Neffen und liefen den Flur entlang, als Martin uns entgegen kam. Er starrte uns mit weit aufgerissen Augen an und murmelte etwas, was sich “Nixwieweghier” anhörte, was bei meiner Nichte und mir zu einem langen Lachflash führte. Er rannte daraufhin weg, als wäre der Teufel hinter ihm her. Vielleicht erinnerte er sich an meine Vampirjägerphantasien. Egal, ab da sah ich ihn wirklich nicht wieder. Oder vielleicht doch, keine Ahnung, ich wüsste nicht mehr, wie der aussah. Ist auch irrelevant und schon ewig verjährt. Wahrscheinlich hat der mich aber nicht vergessen, hahahahaha