Sei wie Du bist

Gestern stand ich morgens vor dem Spiegel und wusste nicht so recht, was ich anziehen soll, doch dann fiel mein Blick auf den braunen Tüllrock, den ich vor drei Wochen auf einem Frauenflohmarkt für € 4,00 erstanden hatte.

Ja ok, zugegeben etwas overdressed aber so what! Ich zog ihn an und als Oberteil ein weisses T-Shirt mit der Aufschrift “Legalized”. Und ja: Ich fiel damit auf. Normalerweise tragen die Kolleginnen in der Branche, in der ich arbeite, kein Prinzessinnenoutfit, weder geschäftlich noch privat. Es ist ein sehr bodenständiger, konservativer Sektor. Gestern dachte ich so bei mir “Scheiss drauf”, das wird jetzt angezogen und Basta.

Ich war noch keine 10 Minuten am Arbeitsplatz, als eine sehr liebe Kollegin mir schrieb “Ich habe Dich heute morgen von Weitem gesehen und Du hast so schön ausgeschaut in Deinem Tüllrock”. Das war so, weil ich mich nicht verbogen hatte, sondern ich selbst war. Ich hatte mich nicht angepasst, denn das erwartet auch gar niemand von mir. Ich kann einen Prinzessinnenrock tragen, warum auch nicht.

Ich habe noch einen hellblauen Tüllrock und einen in altrosa mit Stufen. Die hängen auch nicht mehr unnütz im Schrank. Es wird Zeit, dass sie ausgeführt werden. Man ist nicht overdressed, die anderen sind dann halt einfach underdressed.

Das Plappermäulchen

Ich vertrage Alkohol nicht gut. Ich bin schnell beschwipst. Oft reicht ein Radler, mich betrunken zu machen. Das ist zwar günstig und ich werde nie gefährdet sein, Alkoholikerin zu werden, doch Alkohol hat noch eine andere Wirkung: Ich gebe alles ungefiltert von mir, was mir so durch den Kopf geht.

Das kann gut sein und ich sage Freunden, dass ich sie lieb habe, es kann aber auch nicht so gut sein und ich sage Dinge, die ich normalerweise nur denke. Dinge, die man nur denken sollte!

So kam es unter Alkoholeinfluss schon zu den kuriosesten Szenen, in denen ich zu ehrlich war.

Den selben Effekt hat auch Übermüdung, oder wenn ich morgens vor 9:00 Uhr auf die Menschheit losgelassen werde. Auch dann funktioniert die “Sozialschranke” in meinem Hirn noch nicht und es kommt raus, was immer mir durch den Kopf geht. Mein Mann nennt es immer: “Das Plappermäulchen”.

Wenn ich nüchtern bin und Seltsames beobachte, dann denke ich mir meinen Teil dazu, nicht jedoch wenn ich beschwipst bin. Dann kommen Sätze aus mir, die oftmals nicht so sozialkompatibel sind und zu “Schwund” führen können. Aber ist es wirklich ein Verlust? In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass niemand “Wichtiges” verloren ging, sondern nur die “Spreu vom Weizen” getrennt wurde. Es schadet nicht, wenn man ab und zu mal “Tacheles” redet.

Vielleicht muss ich in solchen Situationen sagen: “Sorry, das was ich gesagt habe, war genau so gemeint, aber wenn ich nüchtern gewesen wäre, hätte ich es nicht gesagt”.

Irreversibel faltig

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Ich war heute bei einem Arzttermin. Eigentlich reine Krebsvorsorge. Bis das Gespräch auf meine Falten kam. Ich lernte, dass, wenn ich jetzt nix “machen” lassen würde, meine Falten irreversibel wären. Jetzt müsse ich handeln, ansonsten schließe sich das Zeitfenster und aus die Maus. Dann bleiben die Falten, die – wie ich ebenfalls lernte – mich streng ausschauen lassen. Das einzige, was mir helfen könne, sei das Zeug, das mit B anfängt.

Ich hadere ja eh oft genug mit meinem Aussehen und das war nicht gerade förderlich, meine dysmorphophobe Veranlagung zu schwächen.

Gut, dass B nicht vegan ist. Sonst wäre ich vielleicht in Versuchung geraten, so aber brauche ich überhaupt nicht darüber nachzudenken. Altern ist echt nix für Weicheier und je älter ich werde, desto mehr grenzen Arztbesuche an Altersbashing.

Wenn Sätze mit “In Ihrem Alter” beginnen, enden sie nie gut. Bestenfalls ziehen sie einen nur kurz runter, wie “In Ihrem Alter schließt sich bald das Zeitfenster, wo man was machen kann”. Schön sind die Sätze nie. Wer hört schon gerne eine Sprechstundenhilfe laut über den Tresen rufen “Bekommen Sie noch Ihre Tage?”, so dass es garantiert auch jeder im Wartezimmer gehört hat, oder “In Ihrem Alter brauchen wir keine Augenuntersuchung machen, ob sich was geändert hat. Gehen Sie zum Optiker und lassen sich eine Gleitsichtbrille machen, das könne wir per Ferndiagnose lösen”. Unschön sind auch Äußerungen wie “Wir brauchen Sie ja nicht mehr zu fragen, ob Sie schwanger sind hahahahhaaa”, oder gar “Den Hallux Valgus müssen Sie operieren lassen. Da kommen Sie nicht drum rum, aber jetzt würden sich schönere Füsse wenigstens noch etwas lohnen”. Unverschämt!

Der Mensch in seiner unendlichen Grausamkeit hat ein 11. Gebot erschaffen “Du darfst nicht alt aussehen”, aber selbst wenn man noch nicht so alt ausschaut, wie man laut Geburtsurkunde ist, nützt einem das bei den meisten Arztpraxen nichts. Sowie sie einen Blick auf das Geburtsdatum auf der Versichertenkarte geworfen haben, ist man abgestempelt und es folgen Fragen und Äußerungen, die niemand gerne hört.

Indizien dafür, dass ich ein Alien bin

Ein Kumpel meines Mannes behauptet ja schon seit Jahren, dass er überzeugt ist, dass ich nicht menschlich bin. Er sagt immer “Wenn das Mutterschiff kommt, dann werde ich sagen: Ich habe es Euch immer gesagt, dass das ein Alien ist!!! Denkt an meine Worte.”

Ich liste hier mal ein paar Anzeichen dafür auf, dass er recht haben könnte:

  • Ich mag nicht, was ein Großteil der Menschheit mag: Blumensträuße (sehr morbid), Musicals (kotzwürg) und Friseurbesuche (zu viel Schlechtes erlebt, um es entspannt genießen zu können)
  • Meine Körpertemperatur ist generell immer sehr niedrig. “Fieber” habe ich sehr selten. Das ist dann eher das, was bei anderen Normaltemperatur ist
  • Ich altere zum Glück langsam. Könnte an meiner Alien DNA liegen
  • Vieles von dem, was Andere tun, habe ich noch niemals ausprobiert und werde es auch nie tun: Solarium, Fitnessstudio, Sauna, Botoxbehandlungen und Diäten
  • Es fand sich bisher noch keine Sportart, die mir Spass machen würde. Allerdings kann ich essen wie ein Scheunendrescher ohne zu zu nehmen
  • Katzen lieben mich und ich liebe sie. Katzen haben ja auch etwas Ausser- oder sogar Überirdisches an sich
  • Tiere allgemein lieben mich eigentlich fast immer. Auch das beruht auf Gegenseitigkeit
  • Ich bin nie auf “erwachsen werden” reingefallen, ich wusste schon immer, dass das eine Falle ist
  • Tabletten schlucken ist nicht so mein Ding. Ich muss die Teile – egal wie klein sie sind – immer mit dem Finger in den Schlund runter schieben, sonst wird das nix

Vielleicht hat er recht und ich bin tatsächlich “nicht von dieser Welt”, aber wie heißt es doch so schön: When you feel strange in a world, it is because you are here to built a new one.

Leben anstatt einfach nur zu existieren

Wir haben Corona. Eine relativ mildere Form. Relativ. Kopfschmerzen, Halsweh, Druck auf den Ohren, Schnupfen, Husten und insgesamt etwas belämmerter Gesamtzustand aber nix Wildes. Es wird die nächsten Tage hoffentlich wieder besser.

Wenn man daheim festsitzt und es einem eh nicht so gut geht, kommt man gerne ins Grübeln. Heute dachte ich darüber nach, ob frühere Generationen, die eine deutlich niedrigere Lebenserwartung hatten, vielleicht intensiver gelebt haben, eben weil sie um die frühere Endlichkeit ihres Daseins wussten. Der Tod war allgegenwärtig. Im Mittelalter wäre ich mit meinen 54 Jahren schon steinalt gewesen. Jetzt bin ich ein “best Ager”. Ob das mein bestes Alter ist, wage ich zu bezweifeln, aber diese Gedanken sind müßig, weil ich nicht mehr zurück kann nach 2004.

Ist ein langes Leben wirklich so erstrebenswert, oder ist es in vielen Fällen nur eine Aneinanderreihung immer gleicher Tage?

Ich habe meiner Familie und meinen Freunden schon gesagt, dass sie es ausschauen lassen sollen, wie einen Unfall, falls ich jemals zu einem “Zombie” mutieren sollte.

Aber wann habe ich mich das letzte Mal so richtig lebendig gefühlt? Es war vor sehr vielen Jahren. Es ist mindestens 5-6 Jahre her, als ich in ein Gewitter geriet und durch den heftigen Regen rannte. Vielleicht ist ein langes Leben gar nicht erstrebenswert, zumindest nicht, wenn es ein belangloses Leben ist. Aber was macht ein Leben sinnvoll? Einige würden jetzt sagen “Wenn man seinen Lebenszweck erfüllt”, aber was ist der Lebenszweck? “Glücklich sein”? Man kann nicht immer glücklich sein. So wie nicht immer die Sonne scheinen kann, ist es ein Ding der Unmöglichkeit immer glücklich zu sein. Dann zumindest Zufriedenheit? Man kann auch nicht immer zufrieden sein, es sei denn man ist der Dalai Lama oder Eckhart Tolle – oder meine Katzen. Aber selbst die sind wahrscheinlich nicht immer gleichmütig und auch mal unzufrieden. Meine Katzen sind manchmal durchaus ungehalten. Wenn die Näpfe vom Personal nicht schnell genug gefüllt werden zum Beispiel.

Was ist dann ein erstrebenswertes Leben in weitgehender Zufriedenheit? Entweder man ist “erleuchtet” und “aufgestiegen”, oder aber man ist ein eher schlichteres Gemüt. Meine Beobachtungen haben ergeben, dass sich diejenigen, die nicht die hellsten Leuchten im Kronleuchter sind, viel leichter durchs Leben bewegen. Die grübeln nie, hinterfragen nichts und Kritik prallt an ihnen ab, wie an Teflon. Selig sind die geistig Armen. Wenn das stimmt, dann haben wir bald ein ganzes Heer an Glückseligkeit, denn gefühlt verdummt die Menschheit stündlich mehr.

Rückschau und Ausblick

2021 war – auch wenn man es vermuten könnte – nach meiner Definition kein Arschlochjahr. Arschlochjahre sind für mich Jahre, in denen der Tod mir geliebte Wesen nimmt. 2010, 20214, 2015, 2018 und 2020 waren solche Arschlochjahre. 2021 war nur von Corona bestimmt, aber nicht auch noch von Trauer und Schmerz. Abschied mussten wir dennoch nehmen. Wir mussten unseren Yoshi gehen lassen und ihm ein neues Zuhause suchen. Er und unsere Katzen Onya und Muffin haben absolut nicht zusammen gepasst. Mit Orpheus wäre es gegangen, aber mit Muffin und Onya niemals. Wir haben wirklich wirklich wirklich alles versucht um ihn behalten zu können. Umso glücklicher und dankbarer sind wir für die neuen Eltern von Yoshi. Ein wundervolles Paar, dass ihn liebt und nach Strich und Faden verwöhnt. Seit heute Nacht darf er auch bei ihnen im Bett schlafen.

Wir sind auch für Muffin dankbar, der im Februar zu uns kam und sofort zu uns passte. Er ist so ein drolliger kleiner Schatz. Ich kann schon gar nicht mehr gut schlafen, wenn er einmal NICHT in meinen Kniekehlen liegt. Dankbar bin ich auch für ein paar Kollegen, die das Arbeitsleben deutlich angenehmer machen.

So gesehen, war 2021 etwas ereignislos, aber kein generell beschissenes Jahr. Da gab es schon bei weitem schlimmere Jahre.

Was erhoffe ich mir von 2022? Wieder etwas mehr Normalität. Einen Hauch 2019 wäre nicht schlecht. Aber kann es ein Zurück überhaupt geben? Manchmal habe ich Angst, dass die Welt nie wieder “Normal” wird. Dass wir immer diese Masken tragen müssen und Abstand halten. Aber auf Dauer wird das gar nicht möglich sein. Menschen sind nun mal soziale Wesen. Wenn die Scheisse vorbei ist, wird es vielleicht wieder ins andere Extrem umschlagen. Vielleicht wird es dann wie in den Roaring Twenties des vergangenen Jahrhunderts sein, die auch auf eine Pandemie folgten. Allerdings auch auf einen Weltkrieg und einem weiteren vorausgingen. Wer weiss, vielleicht ist das die Chance für die Menschheit das Ruder nochmals herum zu reißen. Noch besteht Hoffnung.

Mein Vorsatz für 2022 ist, nur noch Second Hand Klamotten zu kaufen oder Stoff um Kleidung selbst zu nähen (ausser Unterwäsche, Nachtwäsche, Sportsachen, Socken, Bikinis und Schuhe – das muss für mich zwingend NEU sein und auch Schmuck tausche ich höchstens mit Freundinnen, das mag ich von fremden Menschen auch nicht gebraucht haben). Ich hoffe, es wird wieder viele Second Hand Märkte geben, damit ich nicht rückfällig werde. Klar gibt es Portale wie Vinted, aber das macht mir nicht so viel Spaß, wie auf einem richtigen Flohmarkt nach Schätzen zu stöbern. 2021 gab es nur zwei Flohmärkte, die waren dafür aber richtig toll und ich habe wirklich geniale Teile für wenig Geld erstanden. Der eine oder andere Fehlkauf war auch dabei, weil ich zu faul war, die Teile anzuprobieren, aber ich habe einfach andere Kleidungsstücke daraus genäht, bzw. ein Jumpsuit war so eng, dass ich ihn meiner Nichte geschenkt habe, weil ich echt nicht reingepasst habe. Ich hatte 3 private Tauschparties, die ebenfalls zu einer guten Ausbeute führten.

Kann sein, dass ich rückfällig werde, aber ich werde mich bemühen, so wenig wie möglich neu zu kaufen. Überhaupt generell ist mein Vorsatz Konsumverzicht. Wobei ich bei anderem Zeug sowieso recht zurückhaltend bin. Klamotten sind meine größte Schwäche. Ich bin eine Tussie, das ist schon wahr. Für Kosmetik gebe ich nicht viel Geld aus. Ok, ich kaufe schon hochwertige Pflegeprodukte, aber die halten auch lange. Ich versuche Plastik zu vermeiden. Meine Hautpflege ist in Glas oder in Dosen. Ich bin nicht perfekt und auch weit entfernt davon, aber ich versuche mehr und mehr dafür zu tun, unseren Planeten zu schützen.

Ich fürchte, es geht nicht nur mir so, sondern vielen Menschen. Konsum ist immer ein Ersatz für einen anderen Mangel. Ich glaube, es ist Selbstliebe. Deshalb werde ich Materielles so gut es geht einschränken und jeden Tag versuchen mich mehr zu lieben und auch MICH an erster Stelle zu setzen. Heute ist Tag 1 von Margit First. Das wird so Manchen in meinem Umfeld sauer aufstoßen und es wird wieder Schwund geben, aber auch neue Möglichkeiten und Gegebenheiten schaffen. Es bleibt spannend.

Musikalische Zeitreise

Ich war heute mal wieder für kurze Zeit in der Vergangenheit, dank einer alten Playlist. Mit “Nobody’s Hero “von Rush war ich auf einer Scheunenparty irgendwann Anfang der 90er Jahre. Noch weiter zurück ging es mit Ratt und “You`re in love” zu einem heißen Nachmittag im Freibad in meiner Geburtsstadt. Sean Paul brachte mich mit “Get Busy” an einen schönen Freitagabend im September 2003, als ich zusammen mit meiner Nichte mit meinem Auto an einer Ampel stand und selbiges Lied hörte als ich im Rückspiegel sah, dass einer meiner damaligen Verehrer aus seinem Auto ausstieg und auf mich zu gewackelt kam. Kurz bevor er mein Auto erreichte, sprang die Ampel zum Glück auf grün und ich fuhr los. Ich sah noch, wie er wie ein begossener Pudel auf der Strasse stand und drehte das Radio noch etwas lauter, damit ich sein verzweifeltes Rufen nicht hören musste. Vermutlich hörte er trotz der lauten Musik durch das offene Fenster unser fieses Gelächter. Mit Vanilla Ice landete ich wieder in den 90ern aber mit Seven Nation Army gleich wieder in den 2000ern, Das Lied wurde ernsthaft 2003 veröffentlicht. Das war vor 18 Jahren! Und doch fühlt es sich an wie gestern. Noch älter sind glaub die Songs der Bloodhound Gang und trotzdem mag ich sie noch immer total. Egal ob FireWaterBurn, The Bad Touch oder the Ballad of Chasey Lane. Run to you von Brian Adams entführte mich in einen Urlaub in Kroatien mit meinen Eltern irgendwann Mitte der 80er Jahre. Und Eminem erinnert mich immer daran, dass ich mich selbst verlieren muss um den einen Augenblick zu finden, der alles verändert. Fiction Factory führte mich wieder zurück in die 80er in eine düstere Schulzeit die sich keinesfalls wie der Himmel anfühlte, deshalb schnell wieder weiter mit Risin’ High zu einem lustigen Arbeitstag Anfang der 2010er Jahre und wieder Sean Paul und “Give me the Light” welches eine Verwandte auf unserer Hochzeit ganz schrecklich fand. Nun, ich mag ihren Musikgeschmack auch nicht, so what. Pit Bull gab mir “Everything tonight” und Ed Sheeran erinnerte mich an meine schlechte Angewohnheiten und an einen Game of Thrones Abend mit Freunden, wo er einen Gastauftritt hatte und ich die einzige war, die ihn kannte. Ich hoffe immer noch, dass mich One Republic rettet, aber ich weiss auch dass ich das nur selbst kann. Ich gehöre nicht mehr zur “Youth of the Nation” und meine Religion habe ich schon lange verloren. Aber ich lebe nicht “Under the Bridge” und ich weiss sehr wohl, dass ich manchmal echt ein “Super Freak” bin und zelebriere weiterhin meine “Jugend” und jetzt lebe ich “la vida Loca” weil es sich ein bissle verrückt viel leichter lebt.

Ich lebe in meiner Welt, da gefällt es mir

Ich war heute mit einem Freund Kaffeetrinken und schaute so zum Fenster raus und sah ein paar süsse kleine Spatzen, die auf einem Laternenpfahl saßen und echt goldig miteinander spielten. Ich wies den Freund auf die Vögel hin und er fing an zu lachen und fragte “Willst Du wirklich wissen, was ich dort sehe?”. In der Realität waren es verwelkte Blätter in Spinnweben, die der Wind hin und her wehte. Keine Vogelneckereien. Nichts Süsses. So wie auch niemals weisse Kaninchen vor Häusern sitzen. Es sind in echt immer zugeknotete Mülltüten. Zum Glück sind scheinbar überfahrene Tiere oft nur Dreck oder Müll. In diesen Fällen ist die Wirklichkeit besser als meine Phantasie.

Generell flüchte ich mich gerade oft in meine Traumwelt, weil die Realität nicht so prickelnd ist. Ich kann nicht immer in meiner Feen-Elfen-Einhorn-Glitzerwelt verweilen und muss immer wieder in die “reale Welt”. Ich kann mir aber aus beiden Welten das Beste herauspicken. Die tanzenden, grazilen Vögel und die harmlosen “Dreckhaufen”.

Kleine Zeitreise am Samstagmittag

Meine beste Freundin und ich waren heute in der Stadt bummeln. Es war wie eine Zeitreise in die 90er. Meine Freundin sagte es treffend: “Wenn Du das Kleid anziehst, die Jacke drüber und dann noch gefärbte Haare und grüne Augenbrauen, dann siehst Du aus wie Marusha auf der Love Parade”.

Chenillepullover, Cord, Latzhosen, Latzkleider, Karohosen und Röcke, Holzfällerhemden, Jeansjacken ohne Ärmel, Gardigans mit einem Schleifchen zum zubinden, durchsichtige Blusen, Kleider mit gekräuseltem Saum. Die 90er sind mit voller Wucht zurück. Irgendwie sind wir aus jedem Geschäft raus mit dem Gefühl “Da waren wir schon, dahin wollen wir nicht zurück”.

Ich sah eine Hose, die war gelb-schwarz kariert. Exakt so eine hatte sich eine meiner anderen Freundinnen irgendwann 1996 gekauft und sich dazu Zöpfe gemacht. Prompt wurde sie damals von einer Polizeistreife angehalten und das gesamte Auto wurde auf Extasy abgesucht. Daran musste ich heute denken, als ich diese Hose in einem Bekleidungsgeschäft eines großen Skandinavischen Konzerns hängen sah.

Die 90er waren für mich das Jahrzehnt, in der mein persönlicher Umbruch stattfand. Ich wechselte nach 10 Jahren den Job, hatte neue Kollegen, neue Freunde, ein neues Umfeld. Ich wurde ein anderer Mensch, was dazu führte, dass sich mein Leben zuerst schleichend, aber dann Anfang der 2000er Jahre immer schneller, komplett änderte. Altes musste weichen um für Neues Platz zu machen und alles Neue war gut. Nicht dass das Alte schlecht war, aber es passte nicht mehr. Die Menschen passten nicht mehr, der Job nicht mehr, der damalige Partner nicht mehr (oder eher noch nie).

Nun sind also, zumindest modisch, die 90er wieder da. Dann sind wir mal gespannt, welche Umbrüche die 2020er Jahre mit sich bringen. Es ist immer noch unfassbar für mich, dass die 90er Jahre schon 30 Jahre her sind. Das war doch erst gestern. Boah ist das übel. Ich werde in 5 Wochen unfassbare 54 Jahre alt und infantilerweise fühle ich mich keinen Tag älter als 28, vermutlich wird das für immer so sein. Aber wisst Ihr was, wenn “erwachsen sein” bedeutet, dass ich jetzt anfange, fürs Altersheim zu sparen, mich nur noch über andere aufrege und vor Corona Angst habe, dann bin ich lieber nicht erwachsen. Don`t grow up, it`s a Trap!

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

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Das entspricht dem, wie ich mich selbst sehe

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und das ist die harte Realität.

Denken alle “alten Menschen”, dass sie noch jung sind? Vermutlich. Ich kenne aber auch Menschen, die noch niemals jung waren und schon alt geboren wurden.  Das sind dann alte Menschen in jungen Körpern. Ich dagegen bin ein junger Mensch, gefangen in einem nicht mehr ganz so jungen Körper. Aber es ist schon noch ok, es ist nicht schlimm. Nur ein paar Augen und Denkerfalten. Gibt definitiv Schlimmeres.