Sei Du selbst

Das ist einfach gesagt. Wenn ich wirklich und wahrhaftig mein “Wahres Ich” rauslasse, würde ich bestenfalls als egozentrisch gelten, schlimmstenfalls in einer Zwangsjacke enden.

Wenn ich mich nicht “zurücknehmen” und auf Konventionen, die “Anderen Leute” und den aktuell gültigen Zeitgeist pfeifen würde, könnte es schon sein, dass ich ab und zu in Ballkleidern oder meinem Rotkäppchenkostüm anzutreffen wäre. Ein Krönchen zur Arbeit und meine Katzenmaske als Mund-Nasen-Schutz wäre durchaus im Rahmen des möglichen. Das wären aber nur Äußerlichkeiten. Gravierender wären die “inneren Werte”. Mein wahres Selbst ist nämlich nicht so zurückhaltend, nett, freundlich und angepasst. Die innere Sau, die ich rauslassen muss, ist aufmüpfig, rebellisch, unangepasst, politisch inkorrekt, oftmals gnadenlos ehrlich, wütend. Die echte Margit ist auch nicht dieses unsichere Wesen, das mir unglaublich auf den Zeiger geht. Ich bin im Grunde nicht so ängstlich und ohne Selbstvertrauen.

Ich bin in einem Alter angelangt, wo die Zeitspanne, die mir noch bleibt vermutlich kürzer ist, als die schon gelebten Jahre. Wenn die Zeit knapper wird, hat das den Vorteil, dass man mehr und mehr das aus seinem Leben eliminiert, was nicht mehr taugt. Ich bin viel kompromissloser geworden als in meinen 20, 30 und auch noch in den 40ern. Mein Harmoniebedürfnis schwindet ebenfalls. Ich muss nicht mehr mit jedem können und es muss mich wahrlich nicht mehr jeder mögen. Ich ecke jetzt gerne mal an und mach mir nicht mehr so einen Kopf darum wie früher. Was raus muss, muss halt ab und zu raus.

Es gibt jetzt auch Phasen, in denen ich nicht nur “Fick Dich doch” denke, sondern es auch sage. Vielleicht ist das so eine Art Superkraft, die ich jetzt habe. Kürzlich fand ich auf Insta einen Spruch: “You will be the most tempted to quit when you are the closest to your calling”. Dann bin ich wirklich sehr nah dran an meiner Berufung, denn ich würde lieber heute als morgen alles hinschmeißen. Vielleicht eines schönen Tages, werde ich Tabula Rasa machen. Ich weiss zwar nicht, wie es danach weiter gehen kann, aber vielleicht muss das Alte und Unnütze erst verschwinden, damit Platz für Neues entsteht. Mein Sicherheitsbedürfnis schwindet ebenfalls und das ist gut so.

Mark Darcy sagt in Teil 1 zu Bridget Jones, dass er sie genau so mag, wie sie ist. Gerade sah ich im Netz einen ebenfalls passenden Spruch dazu: “Wer Dich wirklich mag, mag Dich so, wie Du Biest”.

Mit etwas Wehmut

Das war ich 2005. Beim heiligen Einhorn war ich damals hübsch und dünn:

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und wisst Ihr was? Damals gab es – genauso wie heute – Zeiten, wo ich mich hässlich und fett gefühlt habe. Damals hatte ich nur etwas mehr – aus der äußeren Bewunderung gezogenes – Selbstvertrauen. Mit zunehmendem Alter schwand dies jedoch mehr und mehr. Ich bin nicht mehr das “It Girl” von damals. Seither sind 15 Jahre vergangen und ich keine 37 mehr und ich wiege auch keine 62 Kg mehr, sondern 67 Kg.

Heute sehe ich so aus:

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Klar habe ich mich in 15 Jahren etwas verändert, aber so arg auch wieder nicht. Ich bin noch immer hübsch und schlank. Wann kapiere ich das endlich und höre auf, ständig an mir herum zu mäkeln. Das ist doch bescheuert.

Als ich so um die 20 war, las ich mal einen ziemlich fiesen Spruch: “Der Mensch in seiner unendlichen Grausamkeit hat ein 11tes Gebot erfunden: Du darfst nicht alt aussehen”. Das habe ich damals wirklich verinnerlicht und ich habe schon mit Mitte 20 mit natürlichen Anti-Aging Maßnahmen begonnen, wie Vitamin E Öl regelmässig in die Gesichtshaut einmassieren. Klar habe ich mich schon immer “gut gehalten”, aber trotzdem hadere ich mit jeder Falte die dazu kommt. Altern ist nichts für Weicheier.

Ich werde noch älter werden und irgendwann vielleicht auch alt aussehen, wenn ich nicht früh sterbe. Das wird schwer zu ertragen sein, das weiss ich. Hoffentlich werde ich vorher das Elixier des Grafen von St. Germain finden und niemals alt ausschauen!

Im Wandel der Zeit

Musik war für mich schon immer sehr wichtig. Tolle Lieder können in mir wahre Glücksgefühle auslösen. Es gibt speziell ein Lied, das mich immer euphorisch werden lässt. Es ist “Temple of Love” von den Sisters of Mercy. Ich darf es aber nicht zu oft hören, sonst nutzt es sich ab.

Das mit der Abnützung ist mir mit einem früheren Lieblingslied passiert, das ich eine Zeitlang als Klingelton am Handy hatte: “Down Under” von den Men at Work. Ich mag es immer noch, aber jetzt denke ich immer es ruft mich jemand an, wenn ich es höre. Es hat nicht mehr den “Zauber” von früher.

Mein Musikgeschmack ist an kein Genre geknüpft und ich höre (fast) alles, ausser Volksmusik, Schlager, 80er Metal und Progressive Rock (das ist echt nicht mein Ding und verursacht mir teilweise wirklich Übelkeit). Gerade ging ich meine Liste mit Lieblingslieder durch und es wurde eine kleine Zeitreise.

Die 80er Jahre waren geprägt von Ratt, einer Hair-Glam-Metalband. Besonders hatte es mir der Song “Youre in love" angetan. Aber schon damals zeichnete sich ein anderer Trend ab. Rick Springfield war ebenfalls einer meiner Favoriten. "Celebrate the Youth" höre ich noch immer total gerne. Ebenso wie "Ice Ice Baby" von Vanille Ice. Immer wenn ich den Anfang von dem Queen Song höre, der genauso anfängt freue ich mich auf Ice Ice Baby und bin total enttäuscht, wenn es "Under Pressure" ist, hahahaha. Gleichzeitig mit REM verlor ich meinen früheren Glauben und die Talking Heads führten mich auf eine "Road to Nowhere" und ich verschwendete meine Zeit mit den Toten Hosen. Als Rick James einen "Super Freak" besang, fühlte ich mich doch gleich direkt angesprochen.

Ende der 80er entdeckte ich Metallica und ich wurde echt ein großer Fan. Heute höre ich das nur noch sehr selten. Ich mag es immer noch, aber es passt nicht mehr zu mir. Als rebellische Jugendliche / junge Erwachsene sprachen mich die Texte und der Sound mehr an. Auch ich fühlte mich damals als ob der schleichende Tod hinter mir her wäre und  ich kannte die "Master of Puppets" nur zu gut. Jedoch, "we didn`t start the fire" und ich wählte "One way are another" und ich schaute mit Big Country weg und Camouflage gaben mir "The Great Commandment" und ich wurde "Being Boiled" mit The Human League, aber ebenso führte mich Madonna "into the Grove".

Die 90er wurden einerseits von Rush und "Nobodys Hero"eingeläutet und dann kam Rammstein, deren vorher noch nie dagewesener Stampf-Takt eine regelrechte Offenbarung für mich war, andererseits aber auch von Nirvana. Als Kurt Cobain sich umbrachte, war ich so betroffen, als hätte ich ihn persönlich gekannt. Nirvana ist noch immer meine absolute Lieblingsband und “Lithium” mein unübertroffenes Lieblingslied, auch nach so vielen Jahren noch. Ende der 90 / Anfang der 2000 entdeckte ich Linkin Park und war wieder verzaubert. Die Songtexte waren wie für mich geschrieben. “Numb”, “In the end” und “one step closer to the edge” beschrieben sehr gut meine damalige Lebenssituation.  Aber gleichzeitig gaben mir Crazy Town “Butterflys” und Ricky Martin sang “Living la vida loca”. Ja, ich musste wieder ein verrücktes  Leben leben. Mit Nelly Furtado fühlte auch ich mich “Powerless” und dann kam Sean Paul und ich tanzte mit “Get Busy” und “Gimme the light” durch mein neues Leben und hatte zwei Jahre lang eine einzige rauschende Party “in the Club” mit 50Cent und eine richtig “Geile Zeit”mit Juli und H-Blockx rieten mir zu “Risin`High”. Ich erkannte mit Faithless: “God is a DJ”, war aber auch manchmal schlaflos. Wir sind Helden haben mir ein “Denkmal” gebaut und ich flog mit Savage Garden “To the Moon and back”. Ich lebte mit “Tito und Tarantula” “After dark”. Aber gleichzeitig verlor ich mit Wonderwall meine “Witchcraft” und Missy Elliot empfahl mir to “Get your freak on” und Eminem  lehrte mich, mich selbst zu verlieren. Shakira forderte mich dazu auf, Einspruch zu erheben. Ich war mit Beyonce ein “Naughty Girl” und “Crazy in love” und so “Hot” wie es Avril Lavigne besang. “The Bloodhound Gang” gaben mir “The bad touch” und erzählten mir “the Ballade of Chasey Lane”.

Später entdeckte ich Seed und ich liebe “Augenbling” und “Ding” noch immer. Wenn ich das höre, bin ich sofort gut drauf. Gute Laune Mucke, bei der die Füsse nicht still stehen können. Einen ähnlichen Effekt hat auch Ofenbach auf mich, speziell “Be Mine” und “Katchi” und natürlich meine inoffizielle Hymne “Hangover” von Taio Cruz feat. Flo Rida. Ich reiste mit Cro “einmal um die Welt” und mit Pitbull “Back in Time”. Die “Swedish House Mafia” sagte mir, dass ich mich nicht sorgen soll und ich schloss mich der “Seven Nation Army” an und lebte mit Timbaland “The Way I are”.

Momentan sagt mir OneRepublic, dass ich mich selbst retten muss und Nirvana gibt mir noch immer den Tip “Come as you are”. Wieder ich selbst sein. Die verrückte alte Schachtel, die sich mit fast 53 noch immer so fühlt, als wäre sie für immer und ewig 28 Jahre alt, manchmal auch erst 13. Aber warum sollte ich nicht für immer 28 sein? Vielleicht ist das meine “Evolution”, wie Korn es besingen. Es ist nur the Basic Beast inside, das mir immer zuflüstert, ich wäre nicht gut genug, nicht schön genug, nicht jung aussehend genug, nicht fähig ein glückliches erfülltes sinnvolles Leben zu führen. “Isn`t it ironic” dass ich das noch immer nicht kapiert habe?

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Das bin ich. Unbearbeitet, ohne Make-up, gestern morgen an der Bushaltestelle auf dem Weg zur Arbeit. Mit langen weissen Haaren meiner Katzentochter auf der Mütze, denn ohne Katzenhaare ist man nicht richtig angezogen. Ich geriatrisches Wesen mit meinem noch immer langem Haupthaar. Ich bin gut so wie ich bin und ich bin genug!

In Deinem Alter…

Am Montag traf ich eine Klassenkameradin wieder, die ich bestimmt 20 Jahre nicht gesehen hatte, Sie hatte von meiner RCS erfahren und sagte “Ja gell, wir sind jetzt in dem Alter, wo wir sowas bekommen”. Hä? Was hat das denn mit dem Alter zu tun. Ich entgegnete Fakten getreu, dass ich eigentlich schon über das Alter für eine RCS hinaus bin. Das bekommen meistens Männer im Alter von 30 – 50 Jahren. Ich gehöre also überhaupt nicht zur Risikogruppe und mit meinem ach so hohen Alter hat das nicht das Geringste zu tun. So ein Bullshit. Hätte nur noch gefehlt, dass sie gesagt hätte, dass es an meiner Ernährungsweise liegt, darauf habe ich beinahe gewartet.

Als das Thema Krankheiten endlich abgehakt war, sagte sie mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton “Du hast ja immer noch Deine langen Haare”. Ja hab ich und die werden auch lang bleiben, weil ich kurze Haare an mir nicht leiden kann! Das hat nichts mit meinem greisenhaften Alter zu tun, sondern ist ein Kindheitstrauma. Meine Mutter hat mich als Kind immer zu kurzen Haaren gezwungen und ab dem Zeitpunkt, wo ich mir das nicht mehr gefallen lies, sind sie lang. Also ungefähr seit 1984. Es gibt Frauen, denen stehen kurze Haare, aber das ist selten. Meistens haben sie dann so ein hübsches Gesicht, dass es egal ist, was für eine Frisur sie haben. Bei vielen – gerade älteren Frauen – sehen kurze Haare bieder und altbacken aus. Is so!

Kurz bevor ich die Frau aus der Kindheit getroffen habe war ich beim Zahnarzt und wurde gefragt ob ich schwanger wäre, weil Röntgenaufnahmen von meinen Zähnen gemacht wurden. Die müssen das fragen, ist schon klar und trotz meines unendlich hohen Alters könnte ich rein theoretisch noch schwanger sein, das ist absolut nicht ausgeschlossen. Ich bin also noch jung genug um gefragt zu werden, ob ich schwanger bin, aber zu alt für lange Haare. Pff drauf gesch…. ich habe mir ein Haarwachstumsserum gekauft. Jetzt werden die Haare noch länger gezüchtet. Bis zum Arsch sollen sie wachsen! Jetzt erst recht!

Solche bescheuerten Aussagen erwecken den kleinen Trotzbock in mir. Das ist wie bei einer ehemaligen Kollegin, die sich über meine viel zu kurzen Röcke mokierte. Ich ging nach Hause und kürzte den Rock abends nochmal um ein paar Zentimeter. Ich zog ihn kurz darauf wieder an und erklärte ihr, dass der Rock nicht zu kurz ist, sondern meine Beine einfach so lang.

Vielleicht basieren solche unangebrachten Bemerkungen auf Neid? Ich habe total schöne Beine und kann gut kurze Röcke tragen. Ich habe auch schöne Haare, warum sollte ich die abschneiden lassen? Nur weil irgend eine Trulla das “nicht mehr angebracht” findet? Schön ist was gefällt! Was maßen sich diese Menschen eigentlich an? Ich wäre noch nie auf die Idee gekommen, jemandem sowas zu sagen. Wenn ich was zu anderer Leute Haare oder Kleidungsstil sage, dann nur schöne Sachen. Wenn ich jemand mit total wunderschönen Haaren sehe, spreche ich sie darauf an oder wenn mir ein Kleidungsstück gut gefällt sage ich das ebenfalls. Wenn mir bei jemandem was nicht gefällt, halte ich doch einfach meinen Schnabel, ist das denn so schwer?

Der kleine Ansgar möchte dringend abgeholt werden

Szene von heute morgen im Drogeriemarkt:

Ich lungerte etwas unentschlossen vor dem Bioregal, als 5 Meter von mir entfernt ein Kind anfing zu brüllen, gefolgt von einem schrillen Monolog seiner Mutter “Ansgaaaaar, Du bekommst das nicht. Ansgaaar, leg das sofort wieder ins Regal. Ansgaaaaar ich sage es jetzt ein letztes Mal. Leg das zurück ins Regaaaaaaaaaal. Ansgaaar verdammt noch mal, wie oft soll ich es denn noch sagen. Ansgaaaaar”

Es ging eine gefühlte Ewigkeit so weiter. Als ich alle meine Einkäufe beisammen hatte und zur Kasse schlenderte, verließ das schreiende Kind mit der schrillen Mutter gerade das Geschäft.

Ich hatte das Ganze schon vergessen, bis ich eine halbe Stunde später einen Supermarkt ansteuerte. 10m vom Eingang entfernt hörte ich schon das vertraute “Ansgaaaaaaar….” und ich dachte “Oh nein, nicht die schon wieder”. Doch ich hatte Glück. Ansgar rannte seiner Mutter davon und sie stürmte hinter ihm her um ihn wieder einzufangen. Den Markt betraten sie DemEinhornseiDank nicht mehr. Vermutlich werde ich die beiden nie wieder sehen und ich wäre wahrlich nicht traurig darüber.

Was bin ich froh, dass wir keine solchen nervigen Kinder haben. Unsere sind einfach toll. Als ich nach Hause kam, war das Mädchen auf der Terrasse und genoss die letzten Sonnenstrahlen des Tages und der Sohnemann forderte gleich seine dritte Mahlzeit des Tages. Ich nahm sie fest in den Arm und knuddelte sie. Sie sind einfach perfekt. Das Mädchen ist taff und furchtlos und der Sohn ist so unsagbar lieb. Sie lehren mich täglich so viel. Ob das die Mutter von Ansgar auch von ihrem Kind sagt? Ich fürchte wenn er etwas älter wird, wird er ihr ein ungepflegtes “F… Dich!” entgegen schleudern, anstatt nur zu brüllen. Vielleicht war es aber nur eine “Trotzphase”, obwohl ich den schon auf 4 oder 5 Jahre geschätzt hätte. Weiss nicht, ob man das in dem Alter noch hat. Dachte eher, das wäre früher, aber vielleicht variiert das. Kann ja sein. Ich bin trotzdem froh, dass ich keinen Ansgar habe. Damit wäre ich glaub hilflos überfordert. Die Natur weiss es meist wirklich besser und ich bin dankbar, dass ich kein Kind meiner Spezies habe. Mit meinen Adoptivkindern bin ich mit Sicherheit glücklicher.

Online Parties

Heute lud mich eine ehemalige Kollegin zu einer proWin Online Party ein. Ich lehnte dankend ab. Ich habe keinen Bock auf Putzmittel und auch nicht auf Plastikschüsseln, Töpfe oder Auflaufformen. Ich brauch das ganze Zeug nicht, egal wie supertoll es ist.

Warum verdammt noch mal werde ich nicht auf coole Parties eingeladen?

Wenn diese Corona Scheisse vorbei ist, möchte ich mal wieder so richtig Party machen. So eine richtig legendäre Parteyyyy, eine wo man am nächsten Tag singt :

“I got a hangover, wo-oh!
I’ve been drinking too much for sure
I got a hangover, wo-oh!
I got an empty cup, pour me some more
So I can go until I blow up, eh
And I can drink until I throw up, eh
And I don’t ever ever want to grow up, eh
I wanna keep it going, keep, keep it going, going, going, going!”

Meine Hymne von Taio Cruz. I don`t ever ever want to grow up. So true!

Talua weiss, wie man sich stylt

Ich ging heute etwas früher als sonst von der Arbeit nach Hause und setzte mich recht weit hinten in den Bus. Nach zwei Haltestellen stiegen ein paar Teenager zu und setzten sich um mich herum. Drei Mädchen und ein Junge. Geschätzt 16 oder 17 Jahre alt. Die Mädels waren selbstredend perfekt gestylt. Lange Bambi-Wimpern, perfekt frisierte Haare und ein gut abgestimmtes Outfit mit Crop-Top. Eines der Mädchen hieß Talua und sie war besonders hübsch und perfekt in Szene gesetzt.

Ich dachte darüber nach, wie ich in dem Alter ausgeschaut habe. Wimperntusche entdeckte ich leider erst viel viel viel später. In meiner Klasse gab es damals nur ein einziges Mädchen, das immer geschminkt in die Schule kam. Sie war damals die Aussenseiterin, nicht die Mädels, die eben so rumrannten wie die Natur sie geschaffen hatte. Weil Bilder mehr aussagen als Worte, hier ein Bild von mir als 16 Jährige:

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Tja, was soll ich sagen, das waren die 80er und ich war damals sogar noch eine der “angesagteren”Girls.

Wenn ich heute 16 wäre, würde ich ziemlich sicher so ausschauen:

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Ich finde es etwas schade, dass ich nicht schon früher mit Make-up und Styles experimentiert habe, aber es entsprach einfach nicht dem damaligen Zeitgeist. Zumindest nicht auf dem Land. In Großstädten war das sicher anders. Dort haben sich die Mädels bestimmt schon früh genauso aufgestylt wie heute, nur eben anders, hahahaha, gaaaaanz anders, aber in der Pampa war das eher verpönt. Damals wurden auch keine Haare rasiert, weder an den Beinen noch unter den Achseln geschweige denn “Sonstwo”. Das kam alles erst mit den 90er Jahren.

Trotzdem möchte ich nicht mit den Teenagern von heute tauschen. Ich glaube, ich hatte damals eine viel unbeschwertere Kindheit und Jugend. Zum Glück wurde damals nicht jeder Fehltritt fotografiert oder gefilmt und für immer im Netz festgehalten. Vor den 2000 Jahren existiere ich zum Glück nicht im Internet und das ist gut so. Was ich aber gerne hätte, ist dieses Vermögen, sich selbst exzellent zu inszenieren.  Davon hätte ich gern ein gutes Stück.

Nicht so die Romantikerin

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So mag ich Rosen am liebsten und nicht sterbend in einer Vase. Ich kann Blumensträußen echt nichts abgewinnen. Überhaupt bin ich nicht so wirklich der romantisch veranlagte Typus. Als mein Mann mir den Heiratsantrag gemacht hat, war es genau passend. Wenn er vor mir hin gekniet wäre, hätte ich das total affig gefunden und das wusste er auch.

Ich bin kein Fan von romantischen Filmen oder Romanen. Ich finde Musicals absolut zum kotzen. Wenn die schon anfangen zu singen, dreht sich mein Magen um. Ich hasse Schlager und Paartanz. Weihnachten ist ein lästiges Übel und ich fürchte ich bin der Grinch. Silvester wird schon immer sowas von überbewertet.

Wenn ich romantische Szenen sehe, wo andere vor Rührung weinen, fühle ich mich peinlich berührt und kann kaum hinschauen. Ich weiss nicht, was mit mir nicht stimmt. Ich mag so romantisches Zeugs einfach nicht.

Ich kann “Überraschungen” auch nicht ausstehen. Als ich noch Single war, hatte ich einen sehr hartnäckigen Verehrer, der mir immer mehr auf den Zeiger ging. Er hat tatsächlich mein Auto auf dem Parkplatz einparken lassen und mich abgepasst, als ich von der Arbeit zum Auto lief. Er wollte mich zu einem “Sex and the City” Mädelsabend in eine Großstadt entführen als nachträgliche Überraschung zu meinen Geburtstag. Finde den Fehler! Erstens war ich nie ein großer SatC Follower und zweitens: genau, wie der Name schon sagt MÄDELSABEND. Wenn ich denn Fan der Serie gewesen wäre, dann wäre ich mit meinen Freundinnen dort hin und nicht mit nem Typ den ich spätestens ab diesem Zeitpunkt ziemlich unheimlich und schräg fand.

Mein Schatz hat damals, als wir uns kennengelernt haben, aufmerksam zugehört und ich bekam zu unserem ersten Valentinstag eine DVD meiner Lieblingsband und kein Gestrüpp aus absterbenden Blumen. Er hat mir auch noch niemals Musicalkarten geschenkt und wird es auch nie tun.

Ich gönne jedem, der drauf steht die romantischen Momente von Herzen, versteht mich bitte nicht falsch. Ich freue mich zum Beispiel für Brautpaare, die sich gegenseitig ihre Liebe gestehen. Das ist toll. Alle die romantisch veranlagt sind, dürfen selbstverständlich diese Ader voll und ganz ausleben.

Vielleicht ist bei mir irgendwas schief gelaufen. Als die Romantik verteilt wurde im Erbgut bin ich vermutlich einen Schritt zur Seite gehüpft. Es muss auch Romantikmuffel wie mich geben. Eventuell ist das so, damit ich das Kitschlevel ausgleiche, wer weiss das schon.

Für alle in meinem Bekanntenkreis, die das hier lesen: Wenn ihr mich nicht mehr mögen solltet, sagt es mir direkt, aber schenkt mir niemals niemals niemals Blumensträuße, Musicalkarten, Theaterkarten, Tickets für Sportevents oder Ballettaufführungen, für die Oper oder Operette, für Schlagerveranstaltungen oder so Fremdschämgedöns wie “Chippendales” und bitte ladet mich nie zu einem Spieleabend ein mit Spielen wie “Die Siedler von Catan” oder Sonstiges. Über Trinkspiele können wir natürlich reden. Ich möchte auch kein Singstar spielen und ich bin absolut ungeeignet für sportliche Aktivitäten egal ob Ballspiele oder alles mit Kufen, Brettern oder Rollen.

Zeit in der Natur verbringen, ESSEN und gute Getränke, nette Gespräche und gemütliches Beisammensein sind eher meins, aber wer mich gut kennt, der weiss das auch.

“Sie sind ja bald 53”

Gestern sagte mir jemand, dass ich jetzt ja bald 53 wäre und das wäre gleichbedeutend mit alt und gebrechlich. Ich sagte, dass ich ziemlich fit bin und er erwiderte “na zum Glück noch”. So als ob ich in einigen Wochen, wenn ich tatsächlich 53 werde, schon mit einem Fuss im Grab wäre.

Der Typ war selbst schon kurz vorm Rentenalter, vielleicht auch schon drüber, das sah man aufgrund der Gesichtsmaske nicht so ganz.

Gestern war ich zu perplex und hatte andere Gedanken, doch heute kam mir seine Aussage wieder in den Sinn und ich muss sagen “Geht’s noch???” Wie unverschämt ist das denn!

Vielleicht hat das aber gar nichts mit mir zu tun. Vielleicht hat ER ein Problem mit dem Älterwerden.

All energy is a gift – regardless of how it feels. Ich sollte als Geschenk daraus mitnehmen, dass ICH mir durch das Gerede wieder bewusst geworden bin, dass ich immer jung sein werde, egal was andere sagen.

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Hier noch ein tagesaktuelles Selfie. Ja, ich sehe in der Tat aus, wie eine Greisin hahahahahaha.