Rückschau und Ausblick

2021 war – auch wenn man es vermuten könnte – nach meiner Definition kein Arschlochjahr. Arschlochjahre sind für mich Jahre, in denen der Tod mir geliebte Wesen nimmt. 2010, 20214, 2015, 2018 und 2020 waren solche Arschlochjahre. 2021 war nur von Corona bestimmt, aber nicht auch noch von Trauer und Schmerz. Abschied mussten wir dennoch nehmen. Wir mussten unseren Yoshi gehen lassen und ihm ein neues Zuhause suchen. Er und unsere Katzen Onya und Muffin haben absolut nicht zusammen gepasst. Mit Orpheus wäre es gegangen, aber mit Muffin und Onya niemals. Wir haben wirklich wirklich wirklich alles versucht um ihn behalten zu können. Umso glücklicher und dankbarer sind wir für die neuen Eltern von Yoshi. Ein wundervolles Paar, dass ihn liebt und nach Strich und Faden verwöhnt. Seit heute Nacht darf er auch bei ihnen im Bett schlafen.

Wir sind auch für Muffin dankbar, der im Februar zu uns kam und sofort zu uns passte. Er ist so ein drolliger kleiner Schatz. Ich kann schon gar nicht mehr gut schlafen, wenn er einmal NICHT in meinen Kniekehlen liegt. Dankbar bin ich auch für ein paar Kollegen, die das Arbeitsleben deutlich angenehmer machen.

So gesehen, war 2021 etwas ereignislos, aber kein generell beschissenes Jahr. Da gab es schon bei weitem schlimmere Jahre.

Was erhoffe ich mir von 2022? Wieder etwas mehr Normalität. Einen Hauch 2019 wäre nicht schlecht. Aber kann es ein Zurück überhaupt geben? Manchmal habe ich Angst, dass die Welt nie wieder “Normal” wird. Dass wir immer diese Masken tragen müssen und Abstand halten. Aber auf Dauer wird das gar nicht möglich sein. Menschen sind nun mal soziale Wesen. Wenn die Scheisse vorbei ist, wird es vielleicht wieder ins andere Extrem umschlagen. Vielleicht wird es dann wie in den Roaring Twenties des vergangenen Jahrhunderts sein, die auch auf eine Pandemie folgten. Allerdings auch auf einen Weltkrieg und einem weiteren vorausgingen. Wer weiss, vielleicht ist das die Chance für die Menschheit das Ruder nochmals herum zu reißen. Noch besteht Hoffnung.

Mein Vorsatz für 2022 ist, nur noch Second Hand Klamotten zu kaufen oder Stoff um Kleidung selbst zu nähen (ausser Unterwäsche, Nachtwäsche, Sportsachen, Socken, Bikinis und Schuhe – das muss für mich zwingend NEU sein und auch Schmuck tausche ich höchstens mit Freundinnen, das mag ich von fremden Menschen auch nicht gebraucht haben). Ich hoffe, es wird wieder viele Second Hand Märkte geben, damit ich nicht rückfällig werde. Klar gibt es Portale wie Vinted, aber das macht mir nicht so viel Spaß, wie auf einem richtigen Flohmarkt nach Schätzen zu stöbern. 2021 gab es nur zwei Flohmärkte, die waren dafür aber richtig toll und ich habe wirklich geniale Teile für wenig Geld erstanden. Der eine oder andere Fehlkauf war auch dabei, weil ich zu faul war, die Teile anzuprobieren, aber ich habe einfach andere Kleidungsstücke daraus genäht, bzw. ein Jumpsuit war so eng, dass ich ihn meiner Nichte geschenkt habe, weil ich echt nicht reingepasst habe. Ich hatte 3 private Tauschparties, die ebenfalls zu einer guten Ausbeute führten.

Kann sein, dass ich rückfällig werde, aber ich werde mich bemühen, so wenig wie möglich neu zu kaufen. Überhaupt generell ist mein Vorsatz Konsumverzicht. Wobei ich bei anderem Zeug sowieso recht zurückhaltend bin. Klamotten sind meine größte Schwäche. Ich bin eine Tussie, das ist schon wahr. Für Kosmetik gebe ich nicht viel Geld aus. Ok, ich kaufe schon hochwertige Pflegeprodukte, aber die halten auch lange. Ich versuche Plastik zu vermeiden. Meine Hautpflege ist in Glas oder in Dosen. Ich bin nicht perfekt und auch weit entfernt davon, aber ich versuche mehr und mehr dafür zu tun, unseren Planeten zu schützen.

Ich fürchte, es geht nicht nur mir so, sondern vielen Menschen. Konsum ist immer ein Ersatz für einen anderen Mangel. Ich glaube, es ist Selbstliebe. Deshalb werde ich Materielles so gut es geht einschränken und jeden Tag versuchen mich mehr zu lieben und auch MICH an erster Stelle zu setzen. Heute ist Tag 1 von Margit First. Das wird so Manchen in meinem Umfeld sauer aufstoßen und es wird wieder Schwund geben, aber auch neue Möglichkeiten und Gegebenheiten schaffen. Es bleibt spannend.

Musikalische Zeitreise

Ich war heute mal wieder für kurze Zeit in der Vergangenheit, dank einer alten Playlist. Mit “Nobody’s Hero “von Rush war ich auf einer Scheunenparty irgendwann Anfang der 90er Jahre. Noch weiter zurück ging es mit Ratt und “You`re in love” zu einem heißen Nachmittag im Freibad in meiner Geburtsstadt. Sean Paul brachte mich mit “Get Busy” an einen schönen Freitagabend im September 2003, als ich zusammen mit meiner Nichte mit meinem Auto an einer Ampel stand und selbiges Lied hörte als ich im Rückspiegel sah, dass einer meiner damaligen Verehrer aus seinem Auto ausstieg und auf mich zu gewackelt kam. Kurz bevor er mein Auto erreichte, sprang die Ampel zum Glück auf grün und ich fuhr los. Ich sah noch, wie er wie ein begossener Pudel auf der Strasse stand und drehte das Radio noch etwas lauter, damit ich sein verzweifeltes Rufen nicht hören musste. Vermutlich hörte er trotz der lauten Musik durch das offene Fenster unser fieses Gelächter. Mit Vanilla Ice landete ich wieder in den 90ern aber mit Seven Nation Army gleich wieder in den 2000ern, Das Lied wurde ernsthaft 2003 veröffentlicht. Das war vor 18 Jahren! Und doch fühlt es sich an wie gestern. Noch älter sind glaub die Songs der Bloodhound Gang und trotzdem mag ich sie noch immer total. Egal ob FireWaterBurn, The Bad Touch oder the Ballad of Chasey Lane. Run to you von Brian Adams entführte mich in einen Urlaub in Kroatien mit meinen Eltern irgendwann Mitte der 80er Jahre. Und Eminem erinnert mich immer daran, dass ich mich selbst verlieren muss um den einen Augenblick zu finden, der alles verändert. Fiction Factory führte mich wieder zurück in die 80er in eine düstere Schulzeit die sich keinesfalls wie der Himmel anfühlte, deshalb schnell wieder weiter mit Risin’ High zu einem lustigen Arbeitstag Anfang der 2010er Jahre und wieder Sean Paul und “Give me the Light” welches eine Verwandte auf unserer Hochzeit ganz schrecklich fand. Nun, ich mag ihren Musikgeschmack auch nicht, so what. Pit Bull gab mir “Everything tonight” und Ed Sheeran erinnerte mich an meine schlechte Angewohnheiten und an einen Game of Thrones Abend mit Freunden, wo er einen Gastauftritt hatte und ich die einzige war, die ihn kannte. Ich hoffe immer noch, dass mich One Republic rettet, aber ich weiss auch dass ich das nur selbst kann. Ich gehöre nicht mehr zur “Youth of the Nation” und meine Religion habe ich schon lange verloren. Aber ich lebe nicht “Under the Bridge” und ich weiss sehr wohl, dass ich manchmal echt ein “Super Freak” bin und zelebriere weiterhin meine “Jugend” und jetzt lebe ich “la vida Loca” weil es sich ein bissle verrückt viel leichter lebt.

Ich lebe in meiner Welt, da gefällt es mir

Ich war heute mit einem Freund Kaffeetrinken und schaute so zum Fenster raus und sah ein paar süsse kleine Spatzen, die auf einem Laternenpfahl saßen und echt goldig miteinander spielten. Ich wies den Freund auf die Vögel hin und er fing an zu lachen und fragte “Willst Du wirklich wissen, was ich dort sehe?”. In der Realität waren es verwelkte Blätter in Spinnweben, die der Wind hin und her wehte. Keine Vogelneckereien. Nichts Süsses. So wie auch niemals weisse Kaninchen vor Häusern sitzen. Es sind in echt immer zugeknotete Mülltüten. Zum Glück sind scheinbar überfahrene Tiere oft nur Dreck oder Müll. In diesen Fällen ist die Wirklichkeit besser als meine Phantasie.

Generell flüchte ich mich gerade oft in meine Traumwelt, weil die Realität nicht so prickelnd ist. Ich kann nicht immer in meiner Feen-Elfen-Einhorn-Glitzerwelt verweilen und muss immer wieder in die “reale Welt”. Ich kann mir aber aus beiden Welten das Beste herauspicken. Die tanzenden, grazilen Vögel und die harmlosen “Dreckhaufen”.

Kleine Zeitreise am Samstagmittag

Meine beste Freundin und ich waren heute in der Stadt bummeln. Es war wie eine Zeitreise in die 90er. Meine Freundin sagte es treffend: “Wenn Du das Kleid anziehst, die Jacke drüber und dann noch gefärbte Haare und grüne Augenbrauen, dann siehst Du aus wie Marusha auf der Love Parade”.

Chenillepullover, Cord, Latzhosen, Latzkleider, Karohosen und Röcke, Holzfällerhemden, Jeansjacken ohne Ärmel, Gardigans mit einem Schleifchen zum zubinden, durchsichtige Blusen, Kleider mit gekräuseltem Saum. Die 90er sind mit voller Wucht zurück. Irgendwie sind wir aus jedem Geschäft raus mit dem Gefühl “Da waren wir schon, dahin wollen wir nicht zurück”.

Ich sah eine Hose, die war gelb-schwarz kariert. Exakt so eine hatte sich eine meiner anderen Freundinnen irgendwann 1996 gekauft und sich dazu Zöpfe gemacht. Prompt wurde sie damals von einer Polizeistreife angehalten und das gesamte Auto wurde auf Extasy abgesucht. Daran musste ich heute denken, als ich diese Hose in einem Bekleidungsgeschäft eines großen Skandinavischen Konzerns hängen sah.

Die 90er waren für mich das Jahrzehnt, in der mein persönlicher Umbruch stattfand. Ich wechselte nach 10 Jahren den Job, hatte neue Kollegen, neue Freunde, ein neues Umfeld. Ich wurde ein anderer Mensch, was dazu führte, dass sich mein Leben zuerst schleichend, aber dann Anfang der 2000er Jahre immer schneller, komplett änderte. Altes musste weichen um für Neues Platz zu machen und alles Neue war gut. Nicht dass das Alte schlecht war, aber es passte nicht mehr. Die Menschen passten nicht mehr, der Job nicht mehr, der damalige Partner nicht mehr (oder eher noch nie).

Nun sind also, zumindest modisch, die 90er wieder da. Dann sind wir mal gespannt, welche Umbrüche die 2020er Jahre mit sich bringen. Es ist immer noch unfassbar für mich, dass die 90er Jahre schon 30 Jahre her sind. Das war doch erst gestern. Boah ist das übel. Ich werde in 5 Wochen unfassbare 54 Jahre alt und infantilerweise fühle ich mich keinen Tag älter als 28, vermutlich wird das für immer so sein. Aber wisst Ihr was, wenn “erwachsen sein” bedeutet, dass ich jetzt anfange, fürs Altersheim zu sparen, mich nur noch über andere aufrege und vor Corona Angst habe, dann bin ich lieber nicht erwachsen. Don`t grow up, it`s a Trap!

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

IMG_1396_pp

Das entspricht dem, wie ich mich selbst sehe

IMG_1396

und das ist die harte Realität.

Denken alle “alten Menschen”, dass sie noch jung sind? Vermutlich. Ich kenne aber auch Menschen, die noch niemals jung waren und schon alt geboren wurden.  Das sind dann alte Menschen in jungen Körpern. Ich dagegen bin ein junger Mensch, gefangen in einem nicht mehr ganz so jungen Körper. Aber es ist schon noch ok, es ist nicht schlimm. Nur ein paar Augen und Denkerfalten. Gibt definitiv Schlimmeres.

Das kann man doch mal verwechseln

Eine Polizeistreife hielt mich an. Fahrzeugkontrolle. “Zeigen Sie Ihren Führerschein und Ihre Fahrzeugpapiere”. Ich war – ohne Grund – nervös und kramte die gewünschten Dokumente aus meinem Geldbeutel und gab sie dem Beamten. Er warf einen Blick darauf und sagte “Wollen Sie mich verarschen?” Ich wusste nicht, wovon er sprach und antwortete wahrheitsgemäss “Das liegt mir fern”. Er wurde wütend und sagte laut “So eine unglaubliche Frechheit, geben Sie mir sofort Ihren Fahrzeugschein! Hier haben Sie Ihren Blödsinn wieder”. Erst in diesem Augenblick erkannte ich, dass ich dem Herrn anstatt des Fahrzeugscheins mein Bonusheft vom Zahnarzt ausgehändigt hatte. Ich fing an zu lachen und konnte nicht mehr aufhören. Er kam sich noch veräppelter vor und schrie mich an “Wenn ich nicht sofort den Fahrzeugschein bekomme, können Sie gleich mit aufs Revier” und ich lachte noch lauter. Mir tat der Bauch und die Kiefermuskeln weh, so sehr lachte ich. Letztendlich fand ich in letzter Sekunde den Fahrzeugschein. Er studierte ihn und meinte nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich weiter fahren könne. Meine Mitfahrer kommentierten das Ganze mit “Das kann echt nur Dir passieren”. Ich finde, dass man das leicht verwechseln kann und ein anderer Polizist hätte wahrscheinlich auch gelacht.

Zwischen Tüll und Lachen

Gestern hatte ich ja erzählt, dass ich nicht so der sentimentale Typ bin. Das war auch bei meinem Brautkleidkauf so. Damals hatte ich meine Nichte und drei Freundinnen dabei und wir lachten viel. Geheult hat niemand. Schon gar nicht ich.

Ich schaue ab und zu die Sendung “Zwischen Tüll und Tränen” und jede zweite Braut heult und die Begleiterinnen ebenso. Bei der gestrigen Folge war eine Braut dabei, die nicht geheult hat. Sie war total gechillt, hat sich zwar über ihr Kleid gefreut, aber sie war nicht total aus dem Häuschen. Sie war mir sehr sympathisch. Ich habe nix dagegen, wenn die Frauen vor Ergriffenheit anfangen zu weinen. Jeder ist wie er ist. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist nur ein Kleid, nicht ein Heilmittel gegen Krebs.

Wenn ich heute heiraten würde, würde ich ein anderes Kleid auswählen. Mir gefällt meines zwar immer noch, aber es gibt inzwischen so tolle Boho Kleider. Ein Prinzessinnenkleid würde es nicht werden. Obwohl, wenn ich es recht bedenke ist mein Kleid schon echt noch immer schön. Es ist zeitlos. Wer weiss, wie ich in 10-15 Jahren die heute so hippen Boho-Retro-Kleider finde. Vermutlich finde ich sie dann gar nicht mehr schön. Ich wollte mein Kleid auch nie verkaufen. Klar, anziehen kann ich es gesellschaftstauglich nur daheim, aber das ist auch völlig in Ordnung. Dasselbe gilt ja auch für mein Rotkäppchenkostüm, mein Waldfeenkleid, mein Fuchsoutfit, meine Katzenmaske, meinen Einhornhaarreif mit Farbwechsler im Horn und mein Rehfaschingskostüm.

Reingehüpft ins Fettnäpfchen

und noch schön drin gewälzt. Genau das ist mir passiert und das sicher nicht zum ersten Mal, aber der Reihe nach:

Wir adoptierten im Frühjahr unseren Yoshi und am letzten Samstag im Februar kam er mit einem Sprinter aus Bulgarien. Freitagmittags war der Konvoi von mehreren Transportern los gefahren. Es gab Adoptanten in ganz Deutschland. Deshalb hatte die Organisation eine WhatsApp Gruppe namens “Trapo” erstellt. In dieser Gruppe waren alle Adoptiveltern und es kamen im Sekundentakt Meldungen wie “Ich bin so aufgeregt”, “Ich bin nur am heulen”, “das ist ja sooooo emotional”, “Ich habe Pippi in den Augen” (speziell diese Ausdrucksweise hasse ich sowieso bäh!) und so fort. Wir waren die dritte Station in Deutschland. Die Übergabe fand auf einem Parkplatz an einer Autobahnabfahrt statt. Als wir dort ankamen standen schon ungefähr 100 Menschen mit Transportboxen und Leinen auf diesem Parkplatz und alle warteten sehnsüchtig auf die Ankunft der Sprinter. Es kamen auch pünktlich einige Transportfahrzeuge angefahren von verschiedensten Tierschutzorganisationen. Zum Schluss kam natürlich unsere Orga mit drei Fahrzeugen die randvoll mit Katzen und Hunden aus Bulgarien waren. Der Reihe nach stellten sich die Leute auf, nannten den Namen des Tieres, gaben den Helfern die Transportboxen und bekamen ein paar Minuten später die gefüllten Boxen zurück. Auch wir bekamen unseren Yoshi zusammen mit seinen Papieren wie Impfpass und ärztlichen Unterlagen. Wir fuhren nochmals 2 Stunden mit ihm nach Hause. Auf der Fahrt und während des gesamten abends bis tief in die Nacht kamen weiterhin die “Trapo” Meldungen bis alle Katzen und Hunde verteilt waren. Es war durchgehend emotional und es wurde viel geheult. Man hatte Gänsehaut und war komplett überwältigt. Und ich so? Ich war einfach froh, dass der kleine Kerl alles halbwegs überstanden hatte und wir ließen ihm und auch uns erstmal unsere Ruhe. Versteht mich nicht falsch, natürlich freuten wir uns auf ihn und es war auch alles interessant mal zu erleben, aber ich war nicht ergriffen und total von den Socken. Lag vielleicht auch daran, dass er sich komplett eingeschissen hatte und das sehr unglücklich gewählte Holzspanstreu sich in seinem Fell verfangen hatte. Wir mussten ihn zuhause erst einmal von dem Zeug befreien und waschen. Da hätte ich heulen können, aber nicht vor Rührung. Eher vom Ammoniak-lastigen Gestank.

Ok, ich bin jetzt auch nicht der Typ, der wegen jedem Sonnenuntergang ergriffen ist und beim Anblick eines Maikäfers heult. Ich bin eher der rationelle Typ, vielleicht habe ich auch einfach schon zu viel erlebt, wer weiss.  Jedenfalls war unter den anderen Adoptiveltern eine ganz nette Frau, mit der ich noch heute ab und zu schreibe. Sie hat nun, nach einem halben Jahr nochmals zwei Katzen aus Bulgarien adoptiert, welche letztes Wochenende ankamen. Sie schrieb mir, dass der Trapo diesmal nicht so nett gewesen wäre wie damals im Februar. Mir rutschte dann raus “gab es da noch mehr emotional total ergriffene Heulsusen?” und sie antwortete “Ich gehörte auch zu den Heulsusen” uuupppsalllaaa… ich entschuldigte mich und sie fing an zu lachen. Alles gut, sie hat es mir nicht krumm genommen. Noch mal Glück gehabt. Oder besser gesagt, wenn sie deswegen tödlich und unendlich beleidigt gewesen wäre, wäre es auch nicht der richtige Umgang für mich gewesen. Ich mag Menschen, die nicht wegen jedem Scheiß eingeschnappt sind. Das wäre mir viel zu anstrengend. Menschen die sich kugeln vor Lachen, weil ich nicht nur in ein Fettnäpfchen getreten bin, sondern mich auch noch schön darin gesuhlt habe, sind mir deutlich lieber!

Endlich wieder auf Schatzsuche

Meine beste Freundin und ich hatten heute einen wirklich schönen Freundinnentag. Wir haben zuerst zusammen gefrühstückt und fuhren dann in die Nachbarstadt, wo in der Stadthalle endlich wieder ein Frauenflohmarkt stattfand.

Die Ausbeute des Tages war:

1 dunkelblaues Abendkleid, 1 hellgrünes Blümchenkleid, 1 rot-orange gemustertes Spaghettiträgerkleid, 1 hellblauer Pullover mit Ajourmuster, 1 altrosa Plüschjacke, 1 knöchellanges dunkelblaues Kleid mit weissen Blumen, 1  weisses T-Shirt mit dem Aufdruck “That`s Awsome”, 1 schwarzer Spitzencardigan, 1 blaue Bluse sowie 1 senfgelber Schal mit Singvögeln drauf. Zusammen mit dem Eintritt habe ich für alles zusammen 49€ bezahlt. Das teuerste Teil war das Abendkleid für 17€. Alle anderen Teile lagen in einer Range von 2-5€. Alle Klamotten waren entweder neu oder neuwertig. Neu haben sie bestimmt mindestens das 5fache gekostet.

Es war schön, mal wieder Zeit mit meiner besten Freundin alleine zu verbringen und auf Schatzsuche zu gehen. Es war ein Flohmarkt nach meinem Geschmack. Die Frauen / Mädchen wo ich gekauft habe, waren alle sehr gepflegt und nett. Genauso mag ich Flohmärkte. Ich mag Secondhandläden und Flohmarktkonzepte, wo man nicht weiss, wem die Kleidung vorher gehört hat, nicht besonders. Heute war es wirklich schön. Auch wieder ein Stück Normalität. Das letzte Mal, als wir auf einem Flohmarkt waren, war im Januar 2020, kurz bevor die ganze Scheiße anfing. Wir waren damals auf einem Nachtflohmarkt in der nächstgelegenen Großstadt mit DJ, Tanzfläche, Bar und Snacktheke. Das war auch richtig toll. Dieser Flohmarkt sollte im Sommer diesen Jahres wieder stattfinden, jedoch kam er aufgrund der Pandemie-Bedingungen leider nicht zustande, was wir sehr schade fanden. Irgendwann wird es wieder normale Flohmärkte geben, wo wir nicht 15 Minuten anstehen müssen, weil unsere 3 G Nachweise gecheckt werden müssen und kontrolliert wird, ob wir uns mit der Luca-App registriert haben und keine Masken mehr tragen müssen. Ich hoffe sehr, dass das in naher Zukunft sein wird. Ich bin Pandemie-müde. Wie die meisten Menschen. Ich denke jedoch, dass wir das Schlimmste endlich überstanden haben und hoffe, dass es keinen Lockdown mehr gibt mit Kontaktverboten. Das war das Schlimmste für mich, dass der Kontakt zu Familie und Freunden verboten war. Umso mehr genoss ich den heutigen Tag und hoffe sehr, dass solche Tage bald wieder die Norm sein werden.

It`s good to be me!

IMG_8466

Jahrzehntelang habe ich mein Selbstvertrauen aus der Bewunderung anderer gezogen. Das funktionierte eine sehr lange Zeit. Es fing mit 17 an (davor war ich ein unscheinbares Mauerblümchen) und dauerte an, bis ich älter wurde. Die bewundernden Blicke wurden im Laufe der Jahre weniger, die Anmachen nahmen ab und ich bekam kaum mehr Drinks spendiert, wenn ich mit Freundinnen unterwegs war. Früher war ich es gewohnt, mit wenig bis gar keinem Geld aus dem Haus zu gehen, weil alles “gesponsert” wurde.

Das hat mir eine Weile echt zu schaffen gemacht, doch diese schwachen Zeiten sind zum Glück vorbei. Ich benötige die Bewunderung von Männern nicht. Ich bin schließlich glücklich verheiratet und ich verdiene genug, dass ich meine Drinks selbst bezahlen kann. Es war meist eh nervig, denn ganz “umsonst” waren die Getränke nie. Man musste sich (zumindest gebot es der Anstand) ein paar Minuten mit den Typen unterhalten. Es hat also Lebenszeit gekostet, die so viel mehr wert ist, als die paar Kröten, die ein Captain Morgan / Cola oder ein Wodka/Bull kostet. Es war auch oft psychopathisch, von irgendwelchen dahergelaufenen Kerlen angebaggert zu werden. Es hat also durchaus Vorteile, dass ich inzwischen in einem Alter angelangt bin, wo ich immer “unsichtbarer” werde. Unsichtbarkeit birgt Freiheit. Ich bin so viel mehr als mein Aussehen, das noch immer ziemlich passabel ist. Es ist gut, ich zu sein. Ich möchte niemand anderes sein. Manchmal – und das sind wirklich schwache Momente – hätte ich gerne Haare wie Diese oder ein Gesicht wie Jene, wäre gerne 20 Jahre jünger oder wünschte meine Fältchen weg. Doch diese Momente gehen vorüber. Sie ziehen vorbei wie Wolken und es klart wieder auf und ich weiß: It`s good to be me!