Schöner Schein

Wir waren heute unterwegs im Nieselregen. Ich hatte mein Handy dabei und habe unterwegs dieses Kloster aus dem 14. Jahrhundert aus der Ferne fotografiert.

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Zuhause habe ich das Bild Instatauglich bearbeitet:

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So macht das doch gleich viel mehr her und ist auch noch leicht mystisch angehaucht.

So ist es nicht nur mit meinem Bild vom Kloster, sondern generell auf Insta. Fast alles ist bearbeitet, mit Filtern versehen und geschönt wo es geht.

Was macht das mit uns? Ich ertappe mich, wie ich mein Insta-Konterfei bevorzuge und mit meinem Spiegelbild hadere. Ich vergleiche mich natürlich auch mit den anderen bearbeiteten Bildern und sehe nur den schönen Schein. Vermutlich sehen die anderen in Natura auch nicht so glattgebügelt und geschniegelt aus, wie auf ihren mit Weichzeichner getränkten Posts.

Es gab mal vor einigen Jahren einen Science Fiction Film namens Surrogate. Ähnlich wie in einem Videospiel hatten die Menschen perfekt ausschauende Surrogates = Stellvertreter. Ihre richtigen Körper blieben immer Zuhause, während die Stellvertreter  – von den echten Menschen gesteuert – in der Welt draussen arbeiteten, Sozialkontakte pflegten etc.

Wir sind nur einen Schritt von dieser Zukunftsvision entfernt. Die Meisten leben jetzt schon mehr in der digitalen als in der realen Welt. Davon nehme ich mich nicht aus. Ich stelle ja sogar Landschafts-Surrogates her und finde die Fakewelt besser als die Echte.

Was ich von meinen Kindern lernen kann

Gestern war ich mit unserem Sohn Orpheus beim Tierarzt zur Blutabnahme. Nur zur Kontrolle, weil er an einer – für ein carnivores Wesen suboptimalen – Allergie gegen fast sämtliche Fleischsorten leidet. Wir haben nach dem Ausschlussverfahren eines gefunden, was er halbwegs verträgt. Jedenfalls musste er eine längere Autofahrt ertragen, die Blutabnahme beim Tierarzt und die Rückfahrt. Er ertrug alles sehr stoisch. Als wir wieder Zuhause waren, tat er kurz und energisch seinen Unmut durch nölendes Maunzen kund. Keine zwei Minuten später lag er bei mir, schnurrte was das Zeug hält und hatte alle Strapazen des frühen Morgens komplett vergessen.

Er grübelte nicht noch lange über das nach, was ihm passiert war. Er dachte nicht noch ewig an die Schmerzen, die er durch die Blutabnahme hatte, seine Gedanken drehten sich nicht noch tage- oder gar wochenlang um das Geschehene. Er stieg aus dem Transportkorb, äußerte seine Meinung und damit war die Sache für ihn erledigt. Wie schlau er doch ist!

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Von meiner Tochter Onya kann ich ebenfalls viel lernen. Sie hat vor nichts Angst. Sie ist gänzlich unerschrocken und taff. Egal was kommt, ob Handwerker, familiärer Besuch, Freundschaftsbesuch oder wer/was auch immer. Die kleine Dame setzt sich in Pose und gewährt den Leuten ihre Audienz. Wenn sie jemand besonders mag, lässt sie sich sogar dazu herab, dass man ihr huldigen darf. Sie weiss dass sie schön ist und sie weiss, dass sie bewundert wird. Sie ist sich ihrer selbst bewusst. Eine kleine Katzengöttin, die einfordert, genau so behandelt zu werden. Sie käme niemals auf die hirnrissige Idee, an sich herum zu mäkeln, sich klein zu machen, sich unter Wert zu verkaufen. Sie fühlt sich nie zu dick, alt, faltig oder sonst irgendwie unzulänglich. Sie IST!

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Ich muss mir vom Verhalten meiner Kinder eine gute Portion abschneiden. Der größte Feind bin ich mir nämlich selbst. Niemand mäkelt mehr an mir rum als ich. Wenn eine meiner Freundinnen mich so behandeln würde, wie ich mich manchmal selbst behandle, hätte ich die schon lange zum Teufel gejagt. Wieso tue ich mir selbst das an? Ich kritisiere harsch und ohne Mitleid an mir selbst herum. Rede mir ein, dass ich nicht gut genug bin und dass ich immer wieder versage. Ich mache mich so klein, dass ich mich schon fast nicht mehr sehen kann. Das muss aufhören. Ich bin jung, schön, habe eine tolle Haut, wundervolle lange Beine, ich bin belesen, gebildet und talentiert. Nichts an mir ist verkehrt, auch nicht meine angeblichen “Schwächen” und “Schatten” oder gar “Abgründe”. Ich bin gut und liebenswert genau so, wie ich bin. Ich bin genug!

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Pusteblue

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Nicht nur im Frühling schön, auch jetzt im Spätherbst haben Pusteblumen das gewisse Etwas. Aus Fotografensicht empfinde ich den Herbst als die schönste Jahreszeit. Die Farben, das Licht, der Nebel. Mystisch und weich. Ich verstehe nicht, warum Anfragen für Portraits meistens im Frühjahr oder Sommer kommen. Jetzt ist das Licht viel schmeichelhafter.