Veränderung

Anfang des Jahres habe ich mich mit Freundinnen getroffen und jede von uns hat ein Wort des Jahres 2018 ausgewählt. Meines war Veränderung. Tja, man sollte vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht. Jetzt habe ich Veränderung, aber keinesfalls so, wie ich sie wollte. Ganz und gar nicht! Der Tod hat alles verändert und nichts wird jemals wieder so sein, wie zuvor.

Leben heißt immer Veränderung. Ob es mir gefällt oder nicht. Nichts bleibt für die Ewigkeit. Alles ist immer in Bewegung.

Egal, was mein Wort des Jahres gewesen wäre, das Schicksal hätte so oder so zugeschlagen. Ich habe es nicht “heraufbeschworen”, durch die Auswahl meines Wortes, auch wenn ich das in sehr schwachen Momenten denke. Es kommt wie es kommt, egal was wir tun. Gleichgültig, wieviele Sorgen wir uns machen und ob wir in Panik ausbrechen. Den Lauf der Geschichte ändert es nicht. Wir müssen es annehmen. Wie der Titel des tragischen Films es so treffend ausdrückt: “Das Schicksal ist ein mieser Verräter”.

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Echtes, wahres Leben mit allem drum und dran

In einer Welt, in der wir immer mehr vernetzt sind, haben wir zu allen möglichen Menschen Kontakt. Facebook, Instagram, Twitter, Snapchat etc und doch ist unsere Gesellschaft so einsam wie noch nie.

Kürzlich habe ich mich nach langer Zeit wieder meinem Tagebuch anvertraut und durchgelesen, was ich die letzten Jahre geschrieben hatte. Wenn das jemand nach meinem Ableben lesen sollte, wird derjenige denken, dass ich ein total unglücklicher Mensch war. Selten habe ich etwas Schönes rein geschrieben. Meistens handelt es von Trauer, Verlust, Verzweiflung. Man könnte meinen, mein Leben wäre ein einziges Jammertal ohne Sonnenschein. Es ist jedoch simpel und einfach so, dass ich nur Tagebuch schreibe, wenn es mir nicht gut geht. Wenn es mir gut geht, sehe ich keine Veranlassung dazu.

Auf Facebook und Instagram ist es meist umgedreht. Man könnte durch die Posts den Eindruck gewinnen, dass alle Menschen ein immer währendes Fest feiern und im Wolkenkuckucksland leben. Elend, Trauer, Verzweiflung oder einfach Ärger und schlechte Laune generieren keine Likes.

Ich habe auf Facebook gepostet, dass meine geliebte MissC starb und es haben 23 Leute darauf reagiert. Nicht ganz zwei Wochen später hat ein Kumpel mich auf einem Bild mit einem Glas Wein auf einem Weinfest markiert und es haben fast 50 Leute geliked.

Niemand will gerne mit Schmerz oder gar dem Tod konfrontiert werden, egal in welcher Form. Ein schönes Weinfest dagegen mag jeder. Es ist nur allzu menschlich.

Jeder von uns wird dem Tod noch das eine oder andere Mal begegnen, das ist unvermeidlich. Die Eltern werden alt und sterben irgendwann, geliebte Familienmitglieder mit Pfoten, Hufen, Flossen, Krallen etc haben sowieso eine kürzere Lebensspanne als wir Menschen und wir müssen uns irgendwann damit abfinden, dass sie vor uns gehen müssen.

Alles was wir tun können, ist uns dem Auf und Ab des Lebens anpassen und uns wie diese Ähren im Wind des Lebens treiben lassen.

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Denn hier findet das wahre Leben statt. Real und nicht virtuell und digital. Diejenigen Menschen, die es wirklich interessiert, die wissen, wie es mir im Moment wirklich geht. Abseits von meinem “Sotunalsoballesnormalwäre”. Sie wissen, dass ich das hier unter Tränen des Vermissens geschrieben habe. Sie wissen, dass mein Herz furchtbar weh tut. Sie lassen sich nicht von der lachenden Fassade täuschen, die ich nach außen hin aufsetze und mir “nichtsanmerkenlasse”. Sie wissen, dass es nie wieder so sein wird, wie es war und dass ich nie wieder die selbe bin, wie zuvor. Mit jedem Tod eines geliebten Wesens geht ein Stück von einem selbst zurück in unsere “Heimat”, dem Ort der Seelen und das ist auch völlig ok so.

Wo bist Du jetzt?

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Meine älteste Katzentochter starb am 27. Juni 2018. Seither glaube ich, sie um mich zu spüren und einmal glaubte ich sogar sie zu sehen. Ich spüre ihre Präsenz um mich und des nachts bilde ich mir ein, dass ich sie auf meinem Rücken liegen spüre, wie zu ihren Lebzeiten.

Ich bilde mir ein, dass sie mir Zeichen sendet. Eine Eintagsfliege, die sehr anhänglich war und nicht mehr von meiner Hand weg flog. Ein kleiner Vogel, der fröhlich auf ihrem Grab auf und ab hüpfte und vorgestern ein Lichtschwall aus einer Wolke – am sonst bedeckten Himmel – genau in dem Moment, als ich über sie sprach.

Einen Tag nach ihrem Tod hat mich einer der Kater genau so geküsst, wie sie es morgens immer gemacht hat. Das hat er zuvor noch nie gemacht. Keine der anderen drei Katzen liegt auf den Plätzen, auf denen sie gerne lag. Sie meiden sie. Als sie noch in ihrem Körper bei uns war, lagen auch die Kater oft auf dem Kissen neben dem Bett, aber seit sie ihren Körper verlassen hat, ging keiner der beiden mehr dort hin. Überhaupt verhalten sich die anderen als ob nichts geschehen wäre, als ob alles genauso ist, wie vorher. Ist das so, weil sich für sie tatsächlich nichts verändert hat? Können sie MissC sehen und wissen, dass sie noch da ist und es macht einfach keinen Unterschied für sie, ob sie noch ihren festen Körper hat, oder nicht?

Bilde ich mir das alles ein und ich suche nach Zeichen und interpretiere alles Mögliche in das Verhalten der anderen Katzen hinein? Mag sein, aber selbst wenn ich mir das alles einbilde, ist es doch gleich. Solange es mir Trost gibt und es mir guttut dass ich glaube, sie um mich zu spüren ist es vollkommen gleichgültig, ob es real ist oder nicht.

“Ich esse nur ganz wenig Fleisch und wenn dann nur vom Bauern nebenan”

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Diese Kühe sah ich gestern beim Spazierenlaufen mit einer Freundin. Sie sind wunderschön, leben ziemlich gut auf einer sattgrünen Weide. Sie hatten Wasser da. und es war für alles gesorgt. Sie konnten herumspringen und sich ihres Lebens freuen… bis eines Tages der Metzger kommen und sie mitnehmen wird. Das wird dann ihr Todestag sein. Sie werden mit einem Bolzenschuß getötet werden und anschließend in Einzelteile zerstückelt. Nicht schön? Tja, aber leider die Wahrheit und auch wenn sie davor ein echt gutes Leben in der Natur hatten und nicht in einem Stall eingesperrt waren, sie werden sehr lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebenszeit getötet. Ihnen werden Jahrzehnte ihres Lebens geraubt. Kein schöner Gedanke? Dennoch Realität für alle Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner die nicht das Glück haben, auf einem Lebenshof zu leben.

Diese hier werden irgendwann auf Euren Tellern landen. Eine unschöne Vorstellung, weil Ihr jetzt ein Bild dazu habt und die Opfer nicht mehr anonym sind? Dann denkt nach, was man dagegen tun könnte. Wenn es Euch ein schlechtes Gewissen macht, wird es wohl grottenfalsch sein, sonst würde sich Eure Kontrollinstanz nicht regen.

Es waren auch zwei Kälbchen mit auf der Wiese. Ich habe Euch aber bewusst die Halberwachsenen Tiere vorgestellt (ganz erwachsen werden sie vermutlich nicht). Eines der Kälbchen suchte bei dem anderen Kalb Milch. So funktioniert die Milchindustrie. Die weiblichen Kühe werden geschwängert, sie bekommen Babies, die Babies werden ihnen nach der Geburt weggenommen, damit der Mensch die Milch bekommt. Jede Frau, die ein Kind hat, soll sich doch bitte mal vorstellen, wie unendlich grausam es gewesen wäre, wenn man ihr das Baby gleich nach der Geburt weggenommen und sie es nie wieder gesehen hätte. Genau das tun wir Menschen den Kühen an. Auch sie empfinden Mutterliebe, sehnen sich nach ihrem Kind. Genauso wie sich die Kinder nach ihrer Mutter sehnen. Grausam? Stimmt! Was könnte man dagegen tun?

Menschen, die vegan leben, werden sehr oft als Extremisten dargestellt. Puh, es ist schon ausserordentlich extrem, sich nur von Pflanzen zu ernähren. Ganz im Gegensatz zu den “Normalos”, die mitverantwortlich sind für all die oben beschriebenen Grausamkeiten. Hinzu kommt noch das Schreddern der frisch geschlüpften Küken und die barbarischen “Bräuche” wie Spanferkel-Essen oder das Schlachten von Lämmern zu bestimmten Festen, wie etwa Ostern. Nichts ist “normal” daran, ein Schweinekind umzubringen, aufzuspießen und es über dem Feuer zu rösten. Das ist abartig! Nicht nur bei den Tierkindern, sondern bei allen Tieren. Sich von Pflanzen zu ernähren soll radikal und extrem sein, aber sich Leichenteile von empfindsamen Wesen einzuverleiben nicht? Wirklich? Echt jetzt?

Ich las gestern eine Debatte um den ersten veganen Kindergarten, der demnächst in München eröffnet. Die omnivor lebenden Menschen empörten sich, das wäre gar Kindesmissbrauch, weil den Kindern die Weltanschauung der Eltern aufgezwungen wird. Tja, ist das nicht immer so? Ich kenne ein Elternpaar, das sein Kind mit Fleisch vollstopft, obwohl das Kind sich mit Händen und Füssen dagegen wehrt. Das macht man halt so, hat man schon immer so gemacht, das Kind “braucht” das. Nein, braucht es nicht und es wird ihr von den Eltern aufgezwungen. Ich kenne mindestens 6 Kinder, die vegan ernährt werden. Keines hat Mangelerscheinungen. Alles richtige Wonneproppen! Ein Kleinkind davon sogar weitaus größer als Gleichaltrige und weiter entwickelt. Die Eltern kennen sich alle sehr gut mit Ernährung aus und ernähren ihre Kinder ausgewogen und mit Bedacht. Das kann ich von “normalen” Kindern nicht immer behaupten. Wenn ein Kind ausschließlich mit Convenience-Produkten und Fastfood ernährt wird, dann kräht hierzulande kein Hahn danach, aber wehe wehe jemand ist so extrem und gibt seinen Kindern Gemüse, Obst, Nüsse und Beeren… verdrehte Welt.

Summertime Sadness

Normalerweise liebe ich den Sommer. Laue Nächte, schöne Tage. Dieses Jahr haben wir einen besonders schönen Sommer. Doch genießen kann ich ihn nicht so wirklich. Nach außen hin spiele ich Normalität, weil Normalität so etwas wie ein Anker ist, der mich nicht komplett in den Strudel aus Schmerz und Vermissen treiben lässt. Am besten beschreibt wohl ein Lied-Titel von REM meinen derzeitigen Zustand “Imitation of life”. Ich tue so, als wäre alles normal, doch in meinem Herzen herrscht November. Manchmal mit viel Nebel, manchmal eisig, manchmal noch mit wärmenden Sonnenstrahlen, aber dennoch Spätherbst mit viel Regen und Wind.

Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Kleine noch um mich ist, dann sind das Momente des Trostes, doch dann gibt es wieder Augenblicke, wo ich von einer Sekunde zur Anderen aus Verzweiflung in Tränen ausbreche.

Ich kann mich manchmal in “Nichtwahrhabenwollen” flüchten, doch dieser Rückzugsort ist trügerisch und instabil. Umso schneller rutsche ich zurück ins harte Realitätsland zurück.

Viele sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber manche heilen nie so wirklich. Sie vernarben vielleicht, doch richtig heilen werden sie nicht. Ich wusste, dass ich vermutlich alle meine Katzenkinder überleben werde und sie alle auf ihrem letzten Weg begleiten muss. Ich muss sie gehen lassen und kann nichts dagegen tun, denn der Tod ist nicht verhandelbar. Das ist der Preis, den ich zahle für jahrelange bedingungslose Liebe und unsägliches Glück. Es gab keinen Tag, wo ich meiner Prinzessin nicht gesagt habe, wie sehr ich sie liebe und wo ich nicht gespürt hätte, dass auch sie mich liebt.

Manchmal quäle ich mich selbst mit Bildern und Videos für die es eigentlich noch viel zu früh ist, sie anzuschauen. Allein bei dem Gedanken daran heule ich schon wieder. Doch wie sagte unsere Tierheilpraktikerin so schön: “Auf Tränen reist es sich leichter”. In diesem Sinne: Gute Reise meine kleine Seidenfellschmusemaus.

Sterben ist nicht schlimm – schau genau hin

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Meine wunderbare, zauberhafte Seidenfellschmusemaus hat gestern kurz nach 17 Uhr ihren Körper verlassen.

Sie hatte den ganzen Tag friedlich bei uns im Bett geschlafen, bis sie auf einmal hoch schreckte und dreimal stark atmete, die Beinchen von sich streckte und aufhörte zu atmen. Sie starb so, wie sie gelebt hat: Sanft, anmutig und würdevoll.

Die letzten vier Wochen waren schrecklich. Eine Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen. Doch tief in mir wusste ich, dass ihre Zeit in diesem Körper zu Ende ging.

Es ist schrecklich sie nicht mehr spüren zu können und dennoch hat sie mir das Gefühl vermittelt, dass sterben nicht schlimm ist, wenn man genau hin schaut. Sie hat das viel besser und tapferer gemacht als wir Menschen. Wir fürchten den Tod, tabuisieren ihn und dennoch holt er uns immer ein.

Wir hätten sie auf keinen Fall “erlösen” lassen. Sie hatte offensichtlich keine Schmerzen und es gab keine Veranlassung dazu, sie vor Ablauf ihrer natürlichen Zeit aus dem Leben zu reißen. Das hätte sich auch nicht gut angefühlt. Sie war bei uns, von uns den ganzen Tag gestreichelt und geküsst und konnte gehen, als sie bereit dazu war. Friedlich und ohne Zwang.

Ich fühle mich, als würde irgend etwas mein Herz zusammen quetschen und das wird noch eine Weile so gehen. Trauer und Abschied braucht seine Zeit. Wobei wir uns die letzten Tage schon von ihr verabschieden konnten, was auch gut war. Sie wurde nicht jäh von uns gerissen wie damals unser Spocky, der morgens noch gespielt hat und abends eine Thrombose in der Aorta hatte, die 5cm lang war und sich während der Aufwachphase aus der Narkose entschied zu gehen. Auch Spocky wird immer in unserem Herzen sein.

Meine geliebte MissC ich werde Dich immer lieben und Du fehlst mir schon jetzt so unsäglich. Ich hoffe, Du gibst mir ab und zu ein Zeichen, dass es Dir gut geht und Du glücklich bist. Das wird es mir leichter machen.

Wir haben alles uns Mögliche versucht, Dich zu heilen, aber es hat nichts genützt. Es war Zeit für Dich zu gehen. Wir sehen uns wieder kleiner Schatz. Ich werde Dich ewig lieben! Meine wunderschöne Prinzessin. Wie werde ich Dein liebliches Maunzen vermissen! Es tut so unendlich weh!

Wie habe ich es geliebt, wenn Du Deine Krallen am Kratzbaum geschärft hast und dabei hin und her gewackelt hast. Das war so drollig. Unser “Fange und Verstecken” Spiel. Wo Du durchs Haus gerannt bist, wie ein junges Reh. Es ist erst 5 Wochen her, als wir das noch gemacht haben. Wie Du Dich hinter dem Wäschekorb versteckt hast und dann los gerannt bist, wenn ich Dich gefunden habe.

Niemand streicht mehr beim Kochen um meine Beine, niemand sitzt im Bad und wartet, bis ich mit dem Duschen fertig bin. Niemand sitzt auf meinem Beinen während ich esse. Niemand liegt auf mir, wenn ich auf der Couch sitze oder im Bett liege. Ich kann Dein kleines Herzchen nicht mehr an meinem Herz schlagen spüren. Niemand, der mich morgens weckt und vor Freude vollsabbert und die Pfötchen um meinen Hals gelegt hat.

Ich habe es so geliebt, wenn Du vor mir die Treppe runtergelaufen bist – elegant, anmutig. Wenn ich Deine Haare am Köpfchen von hinten sah, die aussahen wie zwei Hörnchen, hätte ich weinen können vor Glück. Alles an Dir war wunderschön. Das Stupsnäslein, die süssen Kulleraugen. Deine Schnurrhaare, die auf einmal weiss wurden, als Du älter wurdest. Deine Öhrchen, die immer genau lauschten, was ich sagte, Dein Mündchen und Dein liebliches Maunzen. Ich vermisse es, dass Du mir nicht mehr täglich Geschichten erzählst, ich vermisse alles an Dir. Ich vermisse es, Dein Fell von Rasta-Zöpfen zu befreien, weil es im Sommer immer etwas verfilzte. Ich vermisse es, dass Du nicht mehr an der Haustür sitzt, wenn ich heimkomme oder mich verabschiedest, wenn ich gehe. Du spielst nicht mehr mit meinen Schnürrsenkeln, wenn ich die Schuhe anziehe. Das Mäuse-Karussel benutzt auch niemand mehr. Wie Du immer die Maus mit Deiner Pfote gejagt hast. Ich vermisse es, dass Du nicht mehr jede Nacht auf meinem Rücken, meinen Beinen, meinem Bauch und manchmal sogar auf meinem Kopf liegst. Oder neben mir kuschelst. Das Katzenbettchen auf meinem Nachttisch ist leer. Die Anderen meiden es.  Oder bist Du noch da und wir können Dich nur nicht sehen? Manchmal ist mir so, als würde ich Deine Präsenz spüren.

Nichts wird jemals wieder so sein, ohne Dich. Es ist, als ob ein Teil von mir selbst fehlen würde. Ich bin unvollständig ohne Dich.

Du warst so viel tapferer als ich und hast mich mit Deiner Pfote gestreichelt, um mich zu trösten, dabei hätte es umgedreht sein müssen. Du aber wusstest es besser als ich, dass Sterben ein natürlicher Prozess ist. Du hast mir deutlich gezeigt, dass Du nichts mehr essen und trinken wolltest an Deinem letzten Tag. Du hast sehr deutlich den Kopf geschüttelt und alles mit den Pfoten weggeschoben. Es tut mir so leid, dass ich Dir noch alle möglichen Therapien zugemutet habe, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass Du gehst. Es hat das Unweigerliche nur hinausgezögert. Du, in Deiner unendlichen Weisheit wusstest, dass wir die Therapien brauchen, damit wir uns niemals Vorwürfe machen würden, dass wir nicht alles Menschenmögliche versucht haben. Du hast uns diese Zeit gegeben und alles mitgemacht. Infusionen, Heilpilze, CBD-Öl, L-Lysin und und und. Du wusstest, dass es Dir nicht hilft und hast es trotzdem für uns mitgemacht. Du hast glaub auch nur gegessen und getrunken, damit ich nicht das Gefühl hatte, dass Du verhungern oder verdursten würdest. Du hast das alles mir zuliebe gemacht und ich habe es Dir zuliebe gemacht. Gestern war mir, als hättest Du auf meinem Rücken gelegen. Solche Momente sind sehr tröstlich für mich. Der Gedanke, dass Du noch bei mir bist, auch wenn ich Dich nicht sehen kann, ist sehr schön. Sehen kann ich Dich nicht mehr, aber spüren. Sehr oft spüre ich Deine Anwesenheit und das lässt mein Herz heilen. Ich danke Dir mein geliebter kleiner Schatz. Du bist so einzigartig und wundervoll. Was würde ich dafür geben, Dich nur noch ein einziges Mal im Arm halten zu dürfen, oder auch nur Deine Pfote auf meiner Hand zu spüren.

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Ich vermisse unsere Unterhaltungen. Dein liebliches, unendlich niedliches Stimmchen!

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Privatangelegenheiten und andere Mythen

Eine Bekannte sagte mal zu mir “Mein Essen ist Privatsache und geht niemand was an. Ich frage doch andere auch nicht nach ihren sexuellen Vorlieben”.

Das ist nicht so ganz dasselbe, es sei denn, bei diesen “Vorlieben” würde es sich um perverse Abartigkeiten wie etwa Sodomie handeln. Dann wäre es durchaus vergleichbar, den bei der “Privatsache” essen, wird das Opfer bewußt verleugnet. Immer wenn andere durch das eigene Verhalten zu Schaden kommen, ist es keine Privatangelegenheit mehr.

Genau das passiert jedoch, wenn man sich vegetarisch oder omnivor ernährt.Man schadet den Lebewesen, die gegessen werden oder deren “Produkte” man isst.  Die Opfer werden dabei verdrängt

Kein Tier wird tot gestreichelt. Selbst wenn der Konsum des Fleisches, der Milch, der Eier ausschließlich aus Biobetrieben stammen würde, wie gerne behauptet wird. Die Aussage der Bekannten müsste korrekt lauten: “Meine Bequemlichkeit ist mir wichtiger als die Tiere”.

Der exorbitante Fleisch- Eier- und Milchkonsum hat massive Folgen für unser Klima und auf das Gesundheitswesen. Mitgetragen werden muss es von uns allen.

An dieser Stelle nochmals oft gehörte Floskeln:

“Der Löwe jagd auch und frisst seine Opfer”

Ja, der Löwe, oder eher die Löwin (die Männer liegen meist faul in der Sonne) jagd und frisst ihre Opfer. Ja, ein Löwe kann nicht von Steppengras überleben. Jedoch bauen Löwen keine engen Ställe für Milliarden von Gazellen oder Antilopen um sie dort zu züchten, zu mästen und dann letztendlich über weite Strecken zu Schlachthäusern zu fahren. So grausam sind Löwen nicht.

“Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen”.

Der Mensch hat sich auch schon immer gegenseitig getötet und Krieg geführt. In manchen Kulturen hat man “immer schon” Frauen und Minderheiten unterdrückt. In bestimmten Gebieten gibt es noch Naturvölker, die dem Kannibalismus frönen. Die haben das ebenfalls schon immer so gemacht. Wäre es nicht mal an der Zeit sich weiter zu entwickeln? Ohne Gewalt, ohne Krieg, ohne Grausamkeiten gegen Tiere? Wohin hat uns dieses “Das haben wir schon immer so gemacht” denn gebracht? Nicht sehr weit. Lasst es uns doch bitte endlich anders machen!

“Wenn die Kühe nicht gemolken werden, platzen ihnen die Euter”.

Die Kuh ist – wie der Mensch auch – ein Säugetier. Sie gibt nur Milch, wenn sie ein Kälbchen hat. Das Kälbchen wird ihr aber gleich nach der Geburt weggenommen um ihr die Milch zu stehlen. Wenn sie einfach – wie es natürlich wäre – ihr Baby stillen dürfte, dann würde ihr das Euter sicher nicht platzen!

“Wenn wir die Viecher nicht fressen, fressen sie uns”

Boah, echt jetzt? Die meisten “Nutztiere” sind Pflanzenfresser. Ausserdem bin ich der Überzeugung, dass Tiere von sich aus friedliebend sind. Sie sind niemals aus Berechnung grausam. Sie sind nicht hinterlistig und sie sind nicht fies. Das alles ist nur der Mensch. Vielleicht war das der “Sündenfall”. Der Verlust der Unschuld. Tiere sind alle unschuldig. Wenn sie aggressiv sind, dann ist das nicht die Schuld der Tiere, sondern immer Mensch-bedingt.

“Es sind doch nur Viecher”.

Nein, es sind keine Viecher. Es sind  Tiere – wie wir auch! Es sind unsere Geschwister. Wir behandeln sie wie das Aschenputtel und führen uns auf wie die böse Stiefmutter und die Stiefschwester. Das muss ein Ende haben. Wir sind alle eine Familie und Familienmitglieder ißt man nicht und nutzt man nicht aus!