Aliens

Vor einiger Zeit waren mein Mann und ich Gäste auf einer Veranstaltung, wo wir die einzigen Veganer waren. Der Gastgeber meinte es gut. Doch wie wir wissen, ist gutgemeint echt immer immer immer Scheiße!

Wir wurden allen anderen Gästen, die wir nicht kannten, als “Die Veganer” vorgestellt. Auch das Personal wurde wenig dezent daraufhin gewiesen, dass “da hinten die Veganer sitzen”.

Als das Essen herein kam (Schlachtplatte für die Nichtveganer, Gemüseplatten für uns) wurde wieder unüberhörbar “Das bekommen die Veganer da hinten” mit dem Finger auf uns gezeigt.

Die Dame, die zur Rechten meines Mannes sass, begann die Konversation mit “Ich habe noch nie in meinem Leben etwas Veganes gegessen”. Ich fragte sie, ob sie wirklich noch niemals Gemüse, Obst, Getreide, Nüsse oder Beeren gegessen hätte, doch sie beharrte darauf, noch nie ein veganes Gericht gegessen zu haben. Ich fragte sie nochmals, ob sie wirklich noch nie Pommes mit Ketchup oder Spaghetti mit Tomatensosse gegessen hätte. Sie antwortete regelrecht erbost mit “Ich esse grundsätzlich nur Bolognesesoße”.

Kaum hatten wir die Hauptspeise vertilgt, wurden wir von mindestens 5 Leuten befragt, ob das vegane Essen auch geschmeckt hätte. Als der Nachtisch kam, began dasselbe Schauspiel von Vorne. Wieder wurde mit ausgestrecktem Finger auf uns gezeigt und lauthals “Den veganen Nachtisch bekommen die Veganer da hinten” verkündet. Auch hier kamen wieder Nachfragen, ob der vegane Nachtisch geschmeckt hätte. Ich habe mitgezählt: Der Gastgeber verwendete die Phrasen “veganes Essen”, “die Veganer” und “veganer Nachtisch” insgesamt 12x, ich habe ernsthaft mitgezählt, weil es mir so auf den Zeiger ging.

Wir wurden auf dieser Feier vorgeführt, wie Aliens oder exotische Tiere. Wir fühlten uns nicht wirklich wohl. Um uns herum drapiert hatte das Personal die Schlachtplatten und jeder der anderen Gäste verkündete, dass er niemals auf Fleisch, Milch oder Käse verzichten könne.

Was mich daran immer am meisten stört, ist nicht das vorgeführt werden. Das kann ich ab und im Nachhinein hat es auch immer eine unfreiwillige Komik. Was mich wirklich nervt ist der Umstand, dass niemand ausser uns, an die Tiere gedacht hat, die da zerstückelt auf den Platten lagen. Keiner verschwendete auch nur einen Gedanken daran, dass das einmal fühlende Wesen waren, die soziale Bindungen haben, die Angst und Trauer, aber auch Freude und Glück verspüren. Niemand macht sich einen Kopf darum, dass ihnen das Leben genommen wurde.

Das Paradoxe daran ist, dass immer mehr Zoonosen aufkommen, aber daran will keiner von den Fleischessern schuld sein. Nur wir sind die abartigen Veganer. Ich fürchte, wenn Krankheiten wie Corona oder jetzt die Affenpest durch irgendeinen veganen Fleischersatz entstanden wären, bin ich mir sicher, dass die Meute uns schon lange gesteinigt hätte. Wahrscheinlich würden sie uns dann fressen.

Helikopter-Katzenmama

Ich gebe es zu, ich bin die absolute Helikoptermutter. Wenn eine meiner Katzen nur kurz niest, bricht bei mir schon die Panik aus.

Einer der Kater frisst gerade mäkelig, der andere liegt momentan gerne auf den Fliesen. Das Mädchen ist sehr verschmust und sabbert, wenn sie sich freut.

Alles normal für diese Jahreszeit und nichts ungewöhnliches für normale Menschen. Für Helikoptermütter wie mich, der Auftakt zu einer Panikattacke. Der Gedankenkreisel beginnt. Unsere MissC lag in ihren letzten Wochen auch am liebsten auf den Fliesen, bevor sie starb. Auch sie sabberte, wenn sie sich freute und auch sie war mäkelig beim Fressen.

Die letzten Jahre ist einfach so viel passiert und wir haben vom Juni 2018 bis Juni 2020 drei Katzenkinder verloren und das hat mich geprägt. Natürlich weiss ich, dass meine Katzen eine niedrigere Lebenserwartung haben, wie Menschenkinder, aber Merlin war erst geschätzt drei Jahre alt und auch Gizmo war erst 10. Kein Alter wo man ans Sterben denkt. Es war für uns ein massiver Schock innerhalb weniger Wochen gleich zwei Kater zu verlieren. Deshalb bin ich nun die Helikopter-Mama, die sich sofort sorgt, auch wenn sie nur Haarballen Rauswürgen oder sich länger als ein paar Sekunden am Ohr kratzen.

Vielleicht werde ich diese Angst nie wieder los, weil mein Urvertrauen erschüttert wurde, vielleicht wird es aber auch wieder besser, wenn nichts mehr Schlimmes passiert.

Oder wie es eine Freundin ausgedrückt hat, die Ähnliches erlebt hat: “Wir müssen wieder Vertrauen in das Leben an sich entwickeln”. Deshalb übe ich mich jeden Tag ein klitzekleines bisschen in Lebensfreude Training. Hier ein gutes Lied, eine kleine Auszeit, etwas, das mir guttut. Dazu gehört auch, sich – wo es möglich ist – nur noch mit wohltuenden Menschen zu umgeben und die Energieräuber zu meiden, weil ich gerade alle Energie für mich selbst benötige. Es gibt so ein Sprichwort, das ungefähr heißt, dass man mit einem stumpfen Messer nichts mehr schneiden kann. Auch ich muss “mein Messer erst wieder schärfen”. Vielleicht lässt dann auch mit der Zeit meine Hypochondrie und mein Helikopter-Dasein nach.

Früher war alles so schön

Vor einiger Zeit war ich auf einer Veranstaltung und mein Mann und ich saßen nur unweit eines älteren Herrn entfernt. Der Mann erzählte gern und viel von “Früher”. Wie schön damals alles war und so weiter. Wir beachteten ihn nicht so wirklich und hörten immer nur Bruchstücke seines Monologs. Bis das Essen serviert wurde.

Mit der hingestellten Fleischplatte erwachten seine Erinnerungen an die gute alte Zeit des Schlachtens und er erzählte lang und breit vom Töten von Hasen und wie er den Kopf immer am liebsten gegessen hatte. Vor allem die “Bäckchen” hätte er am liebsten verzehrt.  Er erzählte detailgetreu vom Waschen der Kutteln von Schweinen. Denn damals hat man die noch nicht so glattpoliert beim Metzger kaufen können, wie die Weicheier heute. Er schwadronierte weiter über das Köpfen von Hühnern. Lachend erzählte er, wie er das geköpfte Huhn noch “rennen lassen hat” und wie lustig das immer war.

Ausser ihm redete niemand mehr, weshalb wir nun leider jedes Wort mithören mussten. Uns blieb beinahe das Essen im Hals stecken und ich sprach irgendwann das aus, was ich fühlte “Ich glaub ich muss gleich kotzen, wenn das so weitergeht”. Es kam ein böser Blick in meine Richtung. Meine Tischnachbarin gegenüber sagte “Ich verstehe was Du meinst, ich ertrage das auch nicht”. Sie sprach den Herrn an, ob er nicht das Thema wenigstens während des Essens wechseln könne, weil seine Gesprächsthemen alles andere als appetitlich wären. Er war zwar etwas beleidigt, hielt aber endlich seinen Mund.

Nichts ist lustig am Köpfen von Hühnern und auch nicht am Schlachten von Hasen. Aber wie immer waren wir die absonderlichen Veganer, die sich komisch ernähren. Die wenigsten verstehen, dass wir das machen, weil wir eben nicht möchten, dass Hühnern der Kopf abgehakt wird, dass Schweine lebendig verbrüht werden, dass Küken gleich nach der Geburt geschreddert werden etc. Mit unserem Konsumverzicht unterstützen wir all das nicht mehr. Wir machen das nicht, weil wir uns auf einer Veranstaltung wichtig machen wollen und irgend einem Essenstrend hinterher laufen. Wir wollen schlicht und einfach nicht, dass wegen uns ein Tier leidet, ausgebeutet wird und sterben muss.

Am Schluss des Essens waren noch ganze Platten mit Fleisch übrig, genauso wie größere Mengen Beilagen wie Eierspätzle. Zusammengerechnet starb mindestens ein Tier gänzlich umsonst, weil all das was übrig blieb, zum Großteil weggeworfen wird. Dieses weggeworfene Essen ist nur ein Bruchteil dessen was weltweit an tierischen Produkten entsorgt wird und wofür unzählige fühlende Lebewesen ihr Leben lassen mussten. Der Konsum ist schon schlimm, das Wegwerfen noch schlimmer.

Mir tut es jedesmal von Herzen weh, wenn meine Katzenkinder ihre Näpfe nicht leer essen und ich Fleischstücke wegwerfen muss, weil sie angegammelt sind. Es ist schlimm für mich, doch ich hoffe auf ein baldiges InVitro Katzenfutter, das es schon gibt, nur hierzulande noch nicht erhältlich ist.

Das wird auch die Zukunft der menschlichen Ernährung sein. Die meisten Menschen sind zu bequem und wollen nicht auf ihr Fleisch, ihre Eier und ihre Milch verzichten. Machen wir uns nichts vor: Eine vegane Zukunft ist utopisch. Aber selbst wenn sich gezüchtetes Fleisch ohne Tierleid durchsetzen sollte, wird es noch einen gewissen Prozentsatz, wie den oben beschriebenen Herrn, geben, die auf keinen Fall auf “echtes” Fleisch und das Köpfen von Hühnern verzichten wollen. Leider ist das so und es wird immer so sein. Wer bitte bringt es fertig, einem Huhn den Kopf abzuhaken? Ich könnte es niemals, aber ein Teil der Menschheit hat damit offensichtlich kein Problem und feiert es auch noch. Ich fürchte, das ist das Grundproblem mit dem Homo Sapiens. Solange es keine Probleme bereitet, ein unschuldiges Tier zu töten, das sich nicht wehren kann, solange wird die Menschheit auch untereinander in Unfrieden leben. Ich glaube nicht, dass sich der Mensch weiterentwickelt. Er wird sich vorher selbst die Lebensgrundlage kaputt machen und ausrotten. Mitnehmen werden wir aber leider auch Abermillionen anderer Lebewesen, die dasselbe Daseinsrecht haben, wie wir auf diesem schönen blauen Planeten. Wir haben als Hüter unserer Mitspezies gründlich versagt. Aber vielleicht werde ich eines besseren belehrt und positiv überrascht. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Kurztripp nach Budapest

Kürzlich waren wir ein paar Tage in Budapest. Eine wunderschöne Stadt. Wir haben die Zeit dort sehr genossen, wobei wir um ehrlich zu sein nur in Pest waren. Buda haben wir nur vom Flussufer und vom Budapest Eye aus gesehen.

Wir hatten ein schnuckliges Hotel in sehr zentraler Lage. Alle Sehenswürdigkeiten konnten wir zu Fuß erreichen. Alle Menschen waren supernett und wir hatten wirklich einen wundervollen Kurzurlaub bei sommerlichen Temperaturen. Verhungern und Verdursten mussten wir auch nicht. Es gab sehr viele vegane Optionen und wir haben es uns echt gut gehen lassen. So wie es im Urlaub sein soll.

Hier noch ein paar Impressionen:

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Budapest ist auf jeden Fall eine Reise wert. Eine trendige Grossstadt mit Charme und wunderschönen Gebäuden.

Zeitreisen sind nicht erstrebenswert

Wie schon erwähnt war ich kürzlich sozusagen in der “Vergangenheit”. Mein Delorean, ähm, mein Corsa fuhr mich an einen Ort, wo ich Menschen traf, die lange Zeit Teil meines Lebens waren.

Das menschliche Gehirn ist so konstruiert, dass man sich nach einiger Zeit nur noch an die schönen und lustigen Ereignisse erinnert und die negativen Geschehnisse werden verdrängt oder komplett gelöscht. Manchmal hat man noch eine dumpfe Ahnung, aber größtenteils wurde das Negative deformatiert.

Bis man Leute trifft, die einen erinnern. Bei mir hallt dieser Flashback nun seit Tagen nach. Ich erinnerte mich wieder an Begebenheiten und Geschichten, die nicht so lustig und schön waren und zurück blieb das Gefühl: Ich gehöre dort ganz sicher nicht mehr hin.

Entweder habe ich mich so sehr verändert, dass es nicht mehr passt, oder die Anderen. Vielleicht auch ein Stück weit Beides.

Dennoch war die “Zeitreise” gut, denn jetzt konnte ich damit abschließen.

Es gibt noch Personen aus dieser Zeit, mit denen ich in Kontakt bleiben möchte, aber bei einem großen Teil hoffe ich, dass ich sie nie wieder sehen muss.

Während unseres Lebens spielen wir immer wieder verschiedene Rollen. Zuerst sind wir das Kind, dann sind wir Schüler / Jugendliche und danach junge Erwachsene.

Wir wechseln im Laufe unseres Erwachsenendaseins öfter das “Ensemble” wenn man so will. Sowohl im Beruf, wie auch im Privatleben. Man hat “Engagements” die eine Weile passen und man verlässt das “Stück” und nimmt ein neues “Bühnenwerk” an, wenn es nicht mehr passt.

Mit dem Verlassen eines Engagements habe ich lange gehadert und mir oft gedacht, dass es vielleicht ein Fehler von mir war, dort weg zu gehen. Vor allem weil das darauf folgende “Gastspiel” definitiv ein Fehler war. Das ich dieses “Stück” verlassen habe und einer neuen “Vorstellung” beigetreten bin, habe ich nie bereut. Das war richtig und fühlt sich noch immer gut und stimmig an.

Jedoch bezüglich des “Theaterstücks” davor, hatte ich meine Zweifel ob der Weggang richtig war. Ich hatte natürlich meine Gründe, dennoch dachte ich oft darüber nach, ob es nicht andere Wege gegeben hätte und ich eine andere Rolle dort hätte annehmen können, oder die Spielzeit verkürzen etc.

Egal ob wir eine zeitlang in Dramen, Komödien, Dramedien oder im Kasperletheater fest hängen, alles geht irgendwann vorüber. Die Engagements und Ensembles sind nie für immer. Es ist der Lauf des Lebens und manchmal passen die “Stücke” und “Schauspielkollegen” einfach nicht mehr. Ich habe das erst nach vielen Jahren erkannt und deshalb war die “Zeitreise” gut und wichtig. Jetzt ist es abgeschlossen und ich denke nicht mehr darüber nach, ob es vielleicht ein Fehler war. Das war es definitiv nicht.

Alte Weggefährten die ähnliche Rollen im Bühnenstück hatten, haben das vermutlich schon früher erkannt, weil ihre folgende “Aufführung” gut war und besser zu ihnen passte. Sie haderten im Gegensatz zu mir nie mit ihrer Entscheidung. Nach meiner Zeitreise hat sich das relativiert. Es war gut und richtig diesen Schritt zu tun, auch wenn das Nachfolgestück ein einziges Drama war. Dennoch hat mich auch diese leidvolle Erfahrung zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Alles hat im Nachhinein seinen Sinn und Zweck, auch die gefloppten “Aufführungen”.

Sauftraining

Seit Anfang des Jahres haben wir eine WhatsAppGruppe namens Sauftraining erstellt. In der Gruppe sind Freunde und Bekannte und seit Januar “trainieren” wir in ständig wechselnder Konstellation das “Saufen”. Bisher haben wir es nur einmal geschafft, die gesamte Gruppe zusammenzubekommen. Meistens trainieren immer jeweils nur 4 oder 6 Mitglieder der Trainingsgruppe.

“Saufen” ist aber zu hoch gegriffen. Wir trinken höchstens 2-3 Gläser Wein alle 2 oder 3 Wochen. Es artet nie aus. Es ist ein gemütliches Beisammensein. Wir haben es eher Gag-mässig Sauftraining genannt.

Nach so langer Zeit der pandemischen Beschränkungen war es eine Art Resozialisierung. Wir waren alle nicht mehr so ganz an zwischenmenschliches Beisammensein gewöhnt. Wir fingen an, uns im Freien zu treffen und haben es beibehalten. Keiner von uns ist von Alkoholismus bedroht. Es ist ein Training der Leichtigkeit. Einfach das Leben genießen, lachen und unbeschwert sein. Genau das, was wir in diesen Zeiten am Nötigsten brauchen.

Der Hamster vor meinem Fenster

Wenn man viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, hört man nicht selten unfreiwillige Konversationen mit. Kürzlich hatte ich einen Umstieg und wartete auf meinen Anschlussbus. An der Bushaltestelle unterhielt sich eine Frau mit ihrer Bekannten darüber, dass man dringend Jodtabletten kaufen sollte, damit man für den Fall eines Nuklearkriegs gerüstet wäre. Sie hatten anscheinend schon einige Apotheken aufgesucht und einen bedeutenden Vorrat angeschafft.

Ich hörte zu und dachte mir “Meine Fresse, wenn es tatsächlich zu einem atomaren Schlag kommen sollte, dann hoffe ich inständig, dass ich gleich weg vom Fenster bin”. Ich fürchte, in so einer dystopischen Welt würden auch keine Jodtabletten mehr helfen.

Es ist das gleiche Phänomen wie das Hamstern von Klopapier, Pflanzenöl und Mehl. Ich hoffe, es hilft den Hamsterern, ihre Angst zu dämmen, denn das ist vermutlich der Grund für die Raffaktionen. Auch ich habe Angst. So nah am Abgrund waren wir glaub noch nie, nichtmal in Zeiten des kalten Krieges. Die Angst verstehe ich, nicht jedoch das asoziale Gehamstere.

Ich würde zu gerne Hamsterkäufe für was Gutes anregen. Wie wäre es, wenn wir alle wie verrückt Patenschaften für Lebenshoftiere hamstern würden? Das wäre doch mal was!

Fear of missing out

Die Angst, etwas zu verpassen. Oh ja, ich kenne auch solche Leute, die immer auf der Jagd sind nach der noch cooleren Party, noch besseren Optionen, immer weiter höher schneller. Sich alle Eventualitäten bis zum Schluss offen halten. Ja keine Verbindlichkeiten, sich auf nichts festlegen. Und sich dann wundern, dass das Leben im Chaos versinkt.

Auch hier ist weniger mehr. Vieles, was verheissungsvoll angepriesen wird, ist unspektakulär, langweilig, fade, fake. Zurück bleibt ein schaler Geschmack und eine unerfüllte Leere.

Das ist eines der Grundprobleme unserer Welt. Es gibt zu wenig Wahres, Echtes, Verbindliches, Integres, Verlässliches, Solides.

Irreversibel faltig

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Ich war heute bei einem Arzttermin. Eigentlich reine Krebsvorsorge. Bis das Gespräch auf meine Falten kam. Ich lernte, dass, wenn ich jetzt nix “machen” lassen würde, meine Falten irreversibel wären. Jetzt müsse ich handeln, ansonsten schließe sich das Zeitfenster und aus die Maus. Dann bleiben die Falten, die – wie ich ebenfalls lernte – mich streng ausschauen lassen. Das einzige, was mir helfen könne, sei das Zeug, das mit B anfängt.

Ich hadere ja eh oft genug mit meinem Aussehen und das war nicht gerade förderlich, meine dysmorphophobe Veranlagung zu schwächen.

Gut, dass B nicht vegan ist. Sonst wäre ich vielleicht in Versuchung geraten, so aber brauche ich überhaupt nicht darüber nachzudenken. Altern ist echt nix für Weicheier und je älter ich werde, desto mehr grenzen Arztbesuche an Altersbashing.

Wenn Sätze mit “In Ihrem Alter” beginnen, enden sie nie gut. Bestenfalls ziehen sie einen nur kurz runter, wie “In Ihrem Alter schließt sich bald das Zeitfenster, wo man was machen kann”. Schön sind die Sätze nie. Wer hört schon gerne eine Sprechstundenhilfe laut über den Tresen rufen “Bekommen Sie noch Ihre Tage?”, so dass es garantiert auch jeder im Wartezimmer gehört hat, oder “In Ihrem Alter brauchen wir keine Augenuntersuchung machen, ob sich was geändert hat. Gehen Sie zum Optiker und lassen sich eine Gleitsichtbrille machen, das könne wir per Ferndiagnose lösen”. Unschön sind auch Äußerungen wie “Wir brauchen Sie ja nicht mehr zu fragen, ob Sie schwanger sind hahahahhaaa”, oder gar “Den Hallux Valgus müssen Sie operieren lassen. Da kommen Sie nicht drum rum, aber jetzt würden sich schönere Füsse wenigstens noch etwas lohnen”. Unverschämt!

Der Mensch in seiner unendlichen Grausamkeit hat ein 11. Gebot erschaffen “Du darfst nicht alt aussehen”, aber selbst wenn man noch nicht so alt ausschaut, wie man laut Geburtsurkunde ist, nützt einem das bei den meisten Arztpraxen nichts. Sowie sie einen Blick auf das Geburtsdatum auf der Versichertenkarte geworfen haben, ist man abgestempelt und es folgen Fragen und Äußerungen, die niemand gerne hört.