Wenn es keine Gelegenheit gibt, muss man sich selbst welche erschaffen

Ich habe ein Faible für richtig schöne Abendkleider. Ich besitze mehrere. Ein Dunkelblaues, ein Fliederfarbenes, ein Apricotfarbenes , ein Dunkelrotes und demnächst ein Hellgraues mit Spitzenapplikationen und Glitzersteinchen verziehrtes. Es wird Ende der Woche geliefert. Es war so zauberhaft, dass ich nicht widerstehen konnte. Das Einzige, welches ich jemals außerhalb unseres Heimes trug, ist das Dunkelblaue, welches ich letzte Woche auf einer Hochzeit an hatte. Selbst dort war ich damit hoffnungslos overdressed. Aber wie meine Cousine zu sagen pflegt: man ist niemals overdressed, die anderen sind einfach schäbiger angezogen!

Das hellgraue Kleid, das ich mir nun bestellt habe, wird selbst auf einer pompösen Hochzeit too much sein. Es ist ein Red Carpet Kleid. Ich werde vermutlich hier in der Provinz keine Gelegenheit haben, es auf einem Event zu tragen. Eine meiner Freundinnen hatte eine super Idee. Ich kann doch einfach in meinem Garten einen Ball veranstalten, alle meine Freundinnen einladen und wir ziehen dann unsere schönsten Ballkleider an. Ein Elfenball in unserem Garten. Das wird wundervoll. FullSizeRender

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Was für Bälle gilt, gilt auch für andere Begebenheiten im Leben. Wenn es keine Gelegenheit gibt muss man sich selber welche erschaffen.

Mal wieder eine von mir erfundene Phantasy Story

Neulich in der Parallelwelt

Heinrich drehte sich noch einmal um, dem Geräusch folgend, welches aus dem Gebüsch hinter ihm kam. Im schalen Mondlicht sah er, dass es lediglich ein Eichhörnchen gewesen war, das das Rascheln verursacht hatte. Gelangweilt ließ er seine Flinte wieder sinken. Das kleine Tier abzuknallen, hätte ihm kein Vergnügen bereitet.

Er stieg die Leiter zu seinem Hochstand hinauf und suchte die nahegelegene Lichtung nach einem Hirsch ab. Doch heute tat sich nichts. Nach einer weiteren Stunde des vergeblichen Wartens hätte er sich auch mit einer Wildsau oder einem Fuchs zufriedengegeben, doch heute wollte keines dieser Tiere seinen Weg kreuzen. Frustriert verließ er den Hochstand und machte sich auf den Rückweg. Er schlurfte müde durch den Wald und wollte nur noch nach Hause. Dort würde er sich wenigstens noch um das Reh von heute Morgen kümmern können, welches noch in der Kühltruhe seines Zerwirkraumes lag.

Er war schon fast am Waldrand angekommen. Er kannte sich aus in seinem Revier, aber heute war etwas anders als sonst. Obwohl der Forst oberflächlich betrachtet aussah wie immer, spürte Heinrich, dass die Umgebung doch auf beinahe mystische Weise verändert war. Alles wirkte irgendwie unwirklich.  Dann zog plötzlich der Nebel auf.  So dicht, dass Heinrich höchstens noch einen Meter weit sehen konnte. Er setzte sich erschöpft auf einen Baumstumpf, um dort zu warten bis der Nebel sich wieder lichtete.

Er musste eingenickt sein, denn als er erneut die Augen aufschlug, war die Sicht wieder vollkommen klar. Jedoch befand er sich nun nicht mehr in „seinem“ Wald, sondern in einem ihm unbekannten Dickicht.

Mühsam bahnte er sich einen Weg durch das dicht bewachsene Unterholz, bis er zu einer größeren Lichtung gelangte. Zu seiner freudigen Überraschung sah er am Rande der Waldschneise einen Hochstand. In der Hoffnung, dort einen weiteren Weidmann anzutreffen, lief er zielstrebig darauf zu. Doch was er beim Näherkommen auf dem Hochsitz sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.

Ein Rehbock saß dort gemütlich mit einem Jagdgewehr am Vorderhuf. Das Wild trug einen Hut aus einem hellen Material, das an gegerbte menschliche Haut erinnerte. An der Kopf- oder besser Geweihbedeckung wehte zur Zierde ein Büschel Haare, das dem Pferdeschwanz ähnelte, welchen sich Heinrichs Tochter ab und zu band.

Der Hirsch hatte neben sich einen Fuchs sitzen, der Heinrich schon lange gewittert hatte. Das Wild blickte aufmerksam durch sein Visier und zielte auf Heinrich. Dieser erkannte die Gefahr sofort. Er versuchte, zu fliehen, doch es war zu spät. Er rannte noch ein paar wenige Meter, als ihn das Projektil auch schon traf. Der Schmerz durchzuckte ihn, und er stürzte zu Boden. Das Letzte was er sah, war der Hirsch, der gemächlich auf ihn zugeschritten kam und Heinrich, als er ihn erreicht hatte, einen Tannenzweig als Bruchzeichen in den Mund stopfte. Das Letzte was Heinrichs Ohren vernahmen war das laute Halali, das er dabei röhrte.

 

 

Eine Veganerin

Im Sommer las ich in der Zeitung, dass ein Kälbchen vom lokalen Schlachthof ausgebüxt war und zum Abschuss freigegeben worden war. Das konnte ich nicht zulassen. Deshalb bot ich dem Bauern das Geld, das er für das Kalb im Falle einer Schlachtung bekommen hätte. Es war eine für mich sehr hohe Summe, aber das war mir egal. Irgendwie hätte ich das finanziert. Viel wichtiger war das Leben des Kalbs. Es wurde nach zwei Wochen Suche gefunden, lebend eingefangen und der Bauer versprach mir, dass es nicht geschlachtet wird, sondern leben darf, bis es eines natürlichen Todes stirbt.

Ich habe es besucht und mich selbst überzeugt, dass es dem Kuhmädchen gut geht. Es lebt auf einem Biohof. Die Rinder haben ein sehr großes Areal zum abgrasen und leben dort sehr idyllisch. Im Vergleich zur Massentierhaltung geht es den Tieren sehr gut. So lange jedenfalls, bis sie zum Schlachthof gebracht werden, was bei Kälbern schon nach 5 Monaten Lebenszeit der Fall ist. Trotzdem ist das noch immer die weitaus bessere Variante, wie in einer Anlage ohne Tageslicht in Anbindehaltung, wo sich die Tiere kaum bewegen können und dahin vegetieren, bis sie entweder schon als Kalb geschlachtet werden, oder erst noch 5 Jahre als Milchkuh leben müssen und immer wieder zwangsgeschwängert werden, damit sie Milch geben. Der Bauer und seine Schwestern sind sehr nette Zeitgenossen. Bitte nicht falsch verstehen, selbstverständlich wünsche ich mir, dass kein Tier sterben muss und alle ein schönes Leben bis zu ihrem natürlichen Tod führen können. Doch bis jetzt lebt leider der Großteil der Menschheit karnistisch geprägt. Der Bauer deckt nur die Nachfrage. Die einen Tiere isst man, die anderen streichelt man. Fleischkonsum wurde anerzogen. Mitgefühl für Nutztiere aberzogen. Seit Jahrtausenden. Welche Spezies Nutztier ist und welche Haustier ist kulturell unterschiedlich und je nach Region stark variierend.

In der Lokalzeitung wurde über die gesamte Aktion berichtet und die Überschrift lautete „Veganerin will Kalb kaufen“.

Ja, ich lebe vegan, das stimmt. Aber ich bin so viel mehr als eine „Veganerin“. Vegan zu leben impliziert nicht automatisch, dass einem Tierrechte wichtig sind. Einige Veganer essen aus gesundheitlichen Gründen keine tierischen Produkte. Nicht jeder Veganer ist ethisch motiviert und setzt sich für Tierrechte ein. Eine genauere Definition wäre also „sich rein pflanzlich ernährende Tierrechtlerin, die tierische Produkte aus ethischen Gründen ablehnt“.

Ich glaube, ich werde mir angewöhnen in Restaurants, nicht mehr zu sagen, dass ich Veganerin bin, sondern dass ich mich rein pflanzlich ernähre. Das verhindert vielleicht auch Situationen, wie ich sie einmal in einem „gutbürgerlichen“ deutschen Lokal erlebt habe. Das „vegane Gericht“ enthielt Rauchfleischstückchen. Auf die Frage was das bitte soll, bekam ich zur Antwort „Ja wie soll ich den sonst einen Geschmack rein bringen“. Ich antwortete damals „Gewürze wären eine gute Möglichkeit“, aber ich stieß auf taube Ohren. Der Wirt hatte offensichtlich nicht verstanden, was vegan bedeutet. Vielleicht wäre es ihm bei „rein pflanzlich“ klarer gewesen. Vermutlich hätte ich dort einen Blattsalat ohne jegliches Dressing bekommen, aber darüber würde ich mich viel mehr freuen als über ein für mich ungeniessbares Gericht mit Rauchfleischstückchen.

Gedanken zum Sonntag

Warum sind Amokläufer und Attentäter eigentlich überwiegend männlich?

Kriege werden auch viel seltener von Frauen angezettelt. Ich kenne keine Frau, die machthungrig über Leichen geht, ausser vielleicht Cersei Lannister. Ok, in der Historie gab es schon so Giftmischerinnen, die alle beiseite schafften, die ihren Interessen im Weg standen. Es gab sie in der Antike genauso wie im Mittelalter. Vermutlich gibt es solche Frauen auch heute noch, aber trotzdem ist es auffallend, dass Terroristen, Attentäter und Amokläufer in den meisten Fällen Männer sind.

Vielleicht könnte man hier bei der Prävention ansetzen. Was ist bei Frauen anders? Wenn man herausfinden würde, was Menschen / Männer zu Terroristen oder Amokläufern macht, dann könnte man gezielt daran arbeiten, es zu verhindern.

 

Es tut sich was in Sachen Tierrechten

Letztes Wochenende demonstrierten in Tel Aviv ungefähr 30 000 Demonstranten für TIERRECHTE. Es war die bisher größte Demo für Tiere. Es tut sich was.

Wir sind heute an der Schwelle zu einem Bewusstseinswandel. So wie es Anfang des 20ten Jahrhunderts in Bezug auf das Frauenwahlrecht war, oder die Kinderarbeit.

Heute ist der Schutz von Kindern und das Frauenwahlrecht selbstverständlich für uns, in unserem Kulturkreis. Das gibt stark zu hoffen, dass es in Bezug auf Tierrechte bald ähnlich sein wird. Es stärkt die Hoffnung, dass es bald unvorstellbar wird, dass Menschen Tiere für ihren persönlichen „Genuss“ töten ließen, sie in Zoos sperrten und sie zu ihrer „Unterhaltung“ im Zirkus und in Delphinarien Kunststückchen aufführen ließen. So, wie es für uns im Jahr 2017 nicht mehr nachvollziehbar ist, dass es vor noch gar nicht so langer Zeit für Frauen nicht erlaubt war zu wählen und Kinder in Mienen und der Industrie schuften mussten.

Die Geschichte wird uns recht geben. TierrechtlerInnen sind die „Suffragetten“ des 21ten Jahrhunderts. Es wird Zeit für Bürgerrechte von nicht menschlichen Tieren.