Ich gebe auf, ich kann nicht mehr!

Seit beinahe 8 Monaten versuchen wir, den kleinen Yoshi mit unseren anderen drei Katzen zu vergesellschaften. Wir haben ALLES probiert. Tierpsychologin, Tierheilpraktikerin, Tierärztin, die auf dominante Kater spezialisiert ist, Zylkene, Anxitane, verschiedene Bachblüten, darunter sogar aus Amerika importierte Ultimate Peacemaker Solution vom Katzenpapst Jackson Galaxy. Wir probierten Globuli wie Ignatia, Lycopodium und Nux Vomica nach Dosierungsanleitung der Tierheilpraktikerin. Wir versuchten es mit einer Katzentrainerin und Clickertraining, wir engagierten eine Katzentherapeutin und wir gaben allen Katzen Calm Futter und CBD Öl (ohne Terpene). Wir versuchten das Soul Mate No. 1 Spray und wir versuchten es mit Tierkommunikation und Auralesung. Es gab wirklich nichts, was wir nicht versucht hätten, ausser Psychopharmaka was uns von der Tierpsychologin und der Katzentherapeutin empfohlen wurde, aber das fühlt sich nicht richtig an. Ich will ihn nicht ruhig stellen. Er soll glücklich sein. Allerdings kann er das bei uns nicht. Er muss immer die anderen Katzen kontrollieren und patrouillieren. Speziell das Mädchen, aber auch die beiden anderen Kater. Sogar unser sonst so extrem gechillte Orpheus ist schon ganz schreckhaft geworden. Deshalb haben wir uns extrem schweren Herzens dazu entschlossen, dass wir ihm ein Zuhause ohne andere Katzen suchen. Wir und auch die Katzenpsyschologin, die Therapeutin und die Tierheilpraktikerin sind sicher, dass er als Einzelprinz glücklicher ist. Er will seine Menschen für sich alleine. Es ist ja auch für ihn nicht gut, wenn er immer unter Strom ist und alle beherrschen muss. Die anderen drei sind auch viel entspannter, wenn sie ihn nicht sehen müssen. Muffin kuschelt sich immer schutzsuchend an mich, sowie Yoshi ausserhalb seines Zimmers ist. Es geht nicht mehr. Wir haben unser Bestes getan.

Wenn die Orga ehrlich zu uns gewesen wäre, wäre uns allen eine Menge Stress erspart worden, aber es ist wie es ist und wer weiss, zu was es gut ist. Die Tierheilpraktikerin sagte auch, dass es gut war, dass er bei uns gelandet ist. So manch andere Adoptanten hätten ihn beim ersten Biss schon vor die Tür gesetzt und seinem Schicksal überlassen.

Er ist ein lieber kleiner Schatz und er macht das sicher nicht aus Bosheit. Wir vermuten, dass er misshandelt wurde und geschlagen. Vermutlich hatte er mal ein Zuhause, weil es ungewöhnlich ist, dass ein Kater in Bulgarien schon kastriert aufgefunden wird. Einerseits ist er sehr dominant, aber andererseits auch wieder extrem sensibel, wie vor einigen Wochen, als er eine Panikattacke hatte, weil ein Monteur auf dem Dach lief und nach unserer Solaranlage geschaut hat.

Meine Hoffnung ist, dass wir eine liebe Person für ihn finden, die Katzenerfahrung hat, viel Zeit und keine anderen Tiere. Wir sind ziemlich sicher, dass er dann auch nicht mehr beissen wird. Alle wirklich schlimmen Bisse, die er uns zugefügt hat, entstanden aus Panik oder Eifersucht. Er hat mir einmal “die Pulsadern aufgeschlitzt”, als er Onya ansprang und ich meine Hand schützend vor sie gehalten habe. In zwei weiteren Situationen hat er mich in den Arm und in den Fuss gebissen, als ich wieder aus einem Beschützerreflex heraus Muffin schützen wollte. Manchmal beisst er auch, wenn man ihn streichelt, ohne jegliche Vorwarnung. Er liegt genießerisch da und schnurrt und zack, beisst er ins Handgelenk. Das ist aber nie so, dass man in der Notaufnahme landet. Das geschieht nur, wenn man “zwischen die Fronten” gerät.

Ohne andere Katzen ist er deutlich entspannter. Er ist glaub ein Border Collie im falschen Körper. Er ist superintelligent. Er kann Türen öffnen und knackt jedes Intelligenzspielzeug. Körperlich ausgepowert ist er so gut wie nie, vorher bin ich es. Egal ob Ballspielen oder die Spielangel jagen. Er macht dabei Ninja-mässige Saltos. Er ist sehr groß und wiegt fast 7 kg, ist aber nicht dick.

Wenn ich es schaffen würde, ihm das Geschirrle anzulegen, würde ich mit ihm spazieren gehen. Das würde ihm sicher gefallen, aber ich habe echt Angst um meine Arme. Ein kleines bissle traumatisiert bin auch ich nach der letzten Beißattacke. Er hat sich regelrecht in meinem Fuss verbissen. Vorgestern nacht war er mit in unserem Schlafzimmer und ich wachte nachts auf und hatte Angst um meine Füsse und deckte sie schnell zu, aber er schlief selig auf dem Sideboard.

Es fällt uns alles andere als leicht, ihn her zu geben, aber wir sind sicher, dass es so das Beste für alle Beteiligten ist, auch für ihn. Es ist auch kein Dauerzustand, entweder ihn oder Onya separieren zu müssen. Ich habe auch echt Angst um Onya. Sie ist so zierlich und klein und wiegt knapp 3 kg. Er kann ihr wirklich ernsthaft was antun.

Jetzt hoffen wir inständig, dass wir ein wundervolles Zuhause für ihn finden, damit wieder Ruhe im Haus einkehrt und alle vier Katzen wieder entspannt sind.

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Der wahre Charakter zeigt sich im Kleinen

Vor vielen Jahren hatte ich einen Bekannten mit dem wir ab und zu was unternahmen. Wir hatten damals einen kleinen Ausflug gemacht und saßen in einem Café. Es war noch lange vor Corona und das Café war sehr eng bestuhlt und gut besucht. Jedenfalls sassen am Tisch neben uns zwei sehr sympathisch wirkende Frauen. Die Bedienung kam und fragte, was sie trinken wollten und eine der Frauen sagte zu der Servicekraft “Du kannst ruhig Du zu uns sagen, Du musst uns nicht siezen”.

Der Bekannte schimpfte daraufhin vor sich hin “Jaja, Duzen! Als ob Ihr 20 wärt. Schaut Euch doch mal an. So taufrisch seit Ihr nicht mehr”. Er sagte es zum Glück nur laut genug, dass ich es hören konnte, aber nicht die Frauen, die ich grob auf Anfang 40 geschätzt hätte (sie sahen beide wirklich nett und angenehm aus). Er sagte es dermaßen boshaft, dass ich richtig erschrak.

Es war nicht das erste Mal, dass er und seine Frau mir negativ aufgefallen waren. Nicht nur durch sehr abfällige Bemerkungen, sondern sie durch extreme Launenhaftigkeit und er durch ein nicht eingehaltenes Versprechen.

Ich habe mit ihm und seiner Frau schon seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr und das ist auch ganz ok so. Keine Ahnung, warum ich heute an sie denken musste. Vielleicht weil sie mich lehrten, dass man auf die kleinen Bemerkungen acht geben sollte, die Menschen so beiläufig von sich geben. Sie offenbaren den wahren Charakter. Die vor sich hin gemurmelten Boshaftigkeiten, die unbedarft ausgesprochenen Verwünschungen, die großen Reden, denen keine Taten folgen.

Je weniger solcher Menschen man um sich hat, desto besser ist es.

Wenn ich an diesen Tag im Café zurück denke, dann wäre ich viel lieber mit den beiden netten Frauen befreundet als mit dem Griesgram und seiner Frau. Trau, schau, wem!

Echt schön, wenn der Schmerz nach lässt

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Am Mittwochmorgen stand ich auf um ins Bad zu gehen. Yoshi wollte unbedingt mit. Bin ich gewohnt, Privatsphäre hat man mit Katzen keine mehr. Er sitzt gerne neben der Dusche und liebt es, wenn er mit etwas Wasser besprengt wird. Jedenfalls hatten wir eine schöne Zeit im Bad. Er war total verschmust, strich mir um die Beine, schnurrte und freute sich des Lebens. Tja, bis ich die Badezimmertür aufmachte. Draussen sass Muffin und wollte ebenfalls mit schmusen. Mit seinem üblichen lieblichen “Grugrugru” begrüsste er uns und kam mit aufgestelltem Schwänzchen gutgelaunt auf uns zu. Yoshi gefiel das gar nicht. Er sprang sofort auf ihn zu, drängte ihn an die Wand im Flur und schlug auf ihn ein wie ein Berserker. Muffin lag mit dem Rücken zur Wand und streckte die Beinchen abwehrend von sich. Ich rief Yoshi zu, dass er aufhören, soll, aber er war wie im Rausch. Reflexartig stellte ich meinen Fuss daneben, damit er aufhört. Hat er dann auch. Er hat sich nämlich in meinen Fuss verbissen. Das Ergebnis seht ihr oben. Das Ganze geschah innerhalb von Sekunden. Natürlich könnte man rational sagen “Hättest halt was Weiches geworfen, ein Kissen zum Beispiel”. Ja, klar, aber ich habe wirklich nur reflexhaft reagiert. Ich war im “Ich muss Muffin aus dieser Situation rausholen” Modus. Yoshi kann man auch keinen Vorwurf machen. Er ist nunmal traumatisiert. Der Fuss war für ihn ein Trigger und er dachte er wird bedroht. Vermutlich wurde er früher geschlagen und getreten, was auch die Panikattacke vor ein paar Wochen erklärt.

Also landete ich mal wieder beim Notdienst und bekam Antibiotika. Ich muss nächste Woche noch mal zur Kontrolle zum Arzt. Wird schon wieder werden. Hoffe ich. Ich hänge an meinen Gliedmaßen.

Er sah an dem Tag echt schuldbewusst aus, als ich vom Arzt nach Hause kam:

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Er ist echt ein lieber kleiner Schatz und ich würde ihn ungern hergeben, aber ich kann das Muffin und Onya nicht länger zumuten. Ich denke, er ist als Einzelprinz glücklicher. Wenn er uns Menschen für sich hat, ist er echt lieb, aber sowie er die anderen sieht, muss er sie kontrollieren und beherrschen. Das würde funktionieren, wenn alle Katzen so wären wie Orpheus, den das einfach nicht juckt. Yoshi triezt Orpheus auch und er hakt gerne in sein Schwänzchen. Orpheus schaut dann nur etwas genervt, so als ob er sagen würde “Oh nicht der kleine Hallodri schon wieder, der nervt”, aber dann dreht er sich um und frisst Yoshi zur Strafe den Napf leer. Orpheus frisst mit Abstand am meisten, ist aber ebenfalls mit großem Abstand der dünnste von allen, gefolgt von seiner Schwester Onya. Muffin frisst am wenigstens, ist aber schon etwas – nun nennen wir es wohlwollend plüschig und flauschig.

Wir wissen nicht, was Yoshi in Bulgarien erlebt hat, können nur annehmen dass es nichts Gutes war. Meine letzte Hoffnung liegt auf den Ultimate Peacemaker Solutions, die mir meine Nichte aus USA mitgebracht hat. Die Rezensionen sind hervorragend. Aber wenn das nicht funktioniert, dann müssen wir dem kleinen Mann ein anderes Zuhause suchen. Nach beinahe 8 Monaten muss wieder Ruhe im Haus einkehren.

Gestern lagen Muffin, Onya und Orpheus im Pulk zusammen auf dem Sofa mit mir. Total entspannt, während Yoshi mit meinem Mann im Büro war. Alle drei waren total friedlich und schnurrten um die Wette.

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Mit Yoshi bisher undenkbar. Aber die Leute in den Rezensionen berichteten von ähnlichen Konstellationen und einer massiven Veränderung im Verhalten der Diktatoren durch die Bully Solution. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und ich hoffe noch immer auf ein Wunder. Bitte drückt uns die Daumen.

Brow Soap

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Jahrzehntelang war es “in”, die Augenbrauen schmal zu zupfen. Man wollte nicht mehr ausschauen wie Brooke Shields. Also dünnten sich die meisten Frauen die Augenbrauen aus. Bis das geschah, was auch mir widerfuhr. Die Härchen wuchsen irgendwann nicht mehr nach. Exakt zu diesem Zeitpunkt, befahl das Modediktat, dass jetzt wieder Augenbrauen wie sie Theo Weigel trug  en vogue sind.

Die Frauen, die jetzt dünne Augenbrauen haben, können sich die Brauen für sehr viel Geld laminieren lassen oder durch Microblading “nachmalen”.

Ich schwöre Euch, sowie sich ein exorbitant großer Anteil von Frauen, die Brows buschig hat machen lassen, werden wieder die ausgedünnten “90er” Brauen propagiert werden. Man muss nur etwas warten und schon ist man wieder trendy.

Züchter bashing

Wir haben unsere Katzen ja alle aus “2. Hand”. Orpheus und Onya stammen von Züchtern. Sie lebten dort als Kastraten und wurden abgegeben, weil sie im Rudel von einer der nicht kastrierten Kätzinnen gemobbt wurden.

Muffin und Yoshi stammen aus dem Auslandstierschutz. Warum aus dem Auslandstierschutz? Weil die umliegenden Tierschutzvereine nur sehr selten Katzen in Wohnungshaltung vermitteln und überwiegend Freigang fordern, was wir nicht möchten, weil ich sonst keine ruhige Minute mehr hätte und mir noch mehr Sorgen machen würde, als eh schon. Zu nah an einer viel befahrenen Bundesstraße, zu viele Psychopathen, die ihnen was antun könnten. Und ja, wir haben ein bissle ein Faible für Halblanghaarkatzen. Nicht ausschließlich. Gizmo und Spocky waren Kurzhaarkatzen und wir liebten sie natürlich genauso. Muffin hat kurze Haare und nur ein Puschelschwänzchen.

Viele im Tierschutz tätige verurteilen es, wenn man Katzen vom Züchter hat. Ich sehe das nicht so. Es gibt durchaus seriöse Züchter. Ideal wäre es meiner Meinung nach, wenn es eine Kastrationspflicht gäbe, die das Katzenelend stark eindämmen würde und es dann nur noch seriöse Züchter gäbe, wo die Kätzchen mindestens 14 Wochen bei der Mama bleiben könnten. Ich rede von seriösen Züchtern, nicht von Vermehrern. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

Natürlich gibt es auch unter den Züchtern  – wie immer und überall – Extremisten. So etwas wie Katzenrassisten. Da dürfen die Katzen nur jene Fellzeichnung und diese Größe haben. Nur eine bestimmte Nasen- Ohren- oder Beinform etc. Das ist natürlich auch scheiße.

Wenn jedoch kein Kätzchen mehr in einer abgelegenen Scheune oder einem Schrebergarten geboren werden müsste, mit Parasiten, oft aus inzestuösen Verbindungen mit Erbkrankheiten und auch kein Kätzchen mehr von Qualzüchtern mit platten Nasen, wo sie kaum Luft bekommen oder sonstigen Lebensqualität einschränkenden Merkmalen gezielt gezüchtet werden würden, sondern ausschließlich gesunde, gut sozialisierte Tiere, die behütet aufwachsen dürfen, dann wäre das der Idealzustand.

Ich sehe das an meinen beiden “Zuchttieren”. Sie sind komplett sozialisiert, haben keine traumatischen Dinge erlebt, sie sind total anders als Muffin und Yoshi. Wobei Yoshi nochmal eine ganz andere Hausnummer ist.

Wir sind jetzt schon zweimal von Tierschutzorganisationen massiv angelogen worden und haben jeweils ein nicht sozialisiertes Tier bekommen und damit natürlich Probleme im Mehrkatzenhaushalt, die vermeidbar gewesen wären, wenn man uns die Wahrheit gesagt hätte. So haben wir aber nun den “schwarzen Peter” und einen unsozialen, traumatisierten Kater aus Bulgarien, der alle anderen Katzen tyrannisiert und auch uns Menschen malträtiert. Er meint das nicht böse und er kann am allerwenigsten dafür. Er ist das eigentliche Opfer. Er wäre in einem Zuhause als Einzelprinz, wo er niemand beobachten, patrouillieren und beherrschen müsste, vermutlich viel glücklicher. Alleine mit uns Menschen ist er komplett anders. Er ist schon ein süsser Schatz, aber einfach nicht kompatibel mit anderen Katzen. Wir werden jetzt noch die Empfehlungen der Tierheilpraktikerin ausprobieren, die auf nicht sozialisierte Tiere spezialisiert ist und wenn das nicht fruchtet, hat mir meine Nichte noch aus der USA Bachblüten von Jackson Galaxy, dem Katzenpapst mit gebracht. Die Bachblüten heißen Ultimate Peacemaker Solution. Die kann ich jedoch erst geben, wenn das Mittel der Tierheilpraktikerin nicht anschlagen sollte.

Wir probieren seit 7 Monaten alles Mögliche und Unmögliche aus. Vielleicht hilft irgendwann doch etwas. Tiere aus dem Tierschutz sind toll, das will ich damit nicht sagen. Unseren verstorbenen Lieblinge MissC, Gizmo und Merlin waren auch aus dem Tierschutz und wir liebten sie sehr. Sie passten aber auch zu uns, weil die Tierschutzorganisationen, von denen wir sie hatten, uns nicht angelogen hatten. Muffin passt auch zu uns, weil er genau so ist, wie von der Orga beschrieben. Wir hatten nun einmal mit einer Orga Probleme die hier in der Gegend war und einer ausländischen Orga. Gelogen wird also überall, ob im heimischen oder ausländischen Tierschutz, genauso wurde uns von einheimischen und ausländischen Orgas die Wahrheit gesagt. Es ist doch auch für die Orgas scheisse, wenn die Tiere zurück kommen und wieder vermittelt werden müssen, nur weil die Wahrheit wissentlich verschwiegen oder sehr beschönigt wurde. Unseren Yoshi bekommen sie natürlich niemals zurück. Wenn wir ihm ein neues Zuhause suchen müssten, dann werde ich das eigenhändig tun und nicht diesen Leuten überlassen. Aber die Hoffnung stirbt zum Schluss. Noch ist nicht alles ausgeschöpft.

Zwischen Tüll und Lachen

Gestern hatte ich ja erzählt, dass ich nicht so der sentimentale Typ bin. Das war auch bei meinem Brautkleidkauf so. Damals hatte ich meine Nichte und drei Freundinnen dabei und wir lachten viel. Geheult hat niemand. Schon gar nicht ich.

Ich schaue ab und zu die Sendung “Zwischen Tüll und Tränen” und jede zweite Braut heult und die Begleiterinnen ebenso. Bei der gestrigen Folge war eine Braut dabei, die nicht geheult hat. Sie war total gechillt, hat sich zwar über ihr Kleid gefreut, aber sie war nicht total aus dem Häuschen. Sie war mir sehr sympathisch. Ich habe nix dagegen, wenn die Frauen vor Ergriffenheit anfangen zu weinen. Jeder ist wie er ist. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist nur ein Kleid, nicht ein Heilmittel gegen Krebs.

Wenn ich heute heiraten würde, würde ich ein anderes Kleid auswählen. Mir gefällt meines zwar immer noch, aber es gibt inzwischen so tolle Boho Kleider. Ein Prinzessinnenkleid würde es nicht werden. Obwohl, wenn ich es recht bedenke ist mein Kleid schon echt noch immer schön. Es ist zeitlos. Wer weiss, wie ich in 10-15 Jahren die heute so hippen Boho-Retro-Kleider finde. Vermutlich finde ich sie dann gar nicht mehr schön. Ich wollte mein Kleid auch nie verkaufen. Klar, anziehen kann ich es gesellschaftstauglich nur daheim, aber das ist auch völlig in Ordnung. Dasselbe gilt ja auch für mein Rotkäppchenkostüm, mein Waldfeenkleid, mein Fuchsoutfit, meine Katzenmaske, meinen Einhornhaarreif mit Farbwechsler im Horn und mein Rehfaschingskostüm.

Reingehüpft ins Fettnäpfchen

und noch schön drin gewälzt. Genau das ist mir passiert und das sicher nicht zum ersten Mal, aber der Reihe nach:

Wir adoptierten im Frühjahr unseren Yoshi und am letzten Samstag im Februar kam er mit einem Sprinter aus Bulgarien. Freitagmittags war der Konvoi von mehreren Transportern los gefahren. Es gab Adoptanten in ganz Deutschland. Deshalb hatte die Organisation eine WhatsApp Gruppe namens “Trapo” erstellt. In dieser Gruppe waren alle Adoptiveltern und es kamen im Sekundentakt Meldungen wie “Ich bin so aufgeregt”, “Ich bin nur am heulen”, “das ist ja sooooo emotional”, “Ich habe Pippi in den Augen” (speziell diese Ausdrucksweise hasse ich sowieso bäh!) und so fort. Wir waren die dritte Station in Deutschland. Die Übergabe fand auf einem Parkplatz an einer Autobahnabfahrt statt. Als wir dort ankamen standen schon ungefähr 100 Menschen mit Transportboxen und Leinen auf diesem Parkplatz und alle warteten sehnsüchtig auf die Ankunft der Sprinter. Es kamen auch pünktlich einige Transportfahrzeuge angefahren von verschiedensten Tierschutzorganisationen. Zum Schluss kam natürlich unsere Orga mit drei Fahrzeugen die randvoll mit Katzen und Hunden aus Bulgarien waren. Der Reihe nach stellten sich die Leute auf, nannten den Namen des Tieres, gaben den Helfern die Transportboxen und bekamen ein paar Minuten später die gefüllten Boxen zurück. Auch wir bekamen unseren Yoshi zusammen mit seinen Papieren wie Impfpass und ärztlichen Unterlagen. Wir fuhren nochmals 2 Stunden mit ihm nach Hause. Auf der Fahrt und während des gesamten abends bis tief in die Nacht kamen weiterhin die “Trapo” Meldungen bis alle Katzen und Hunde verteilt waren. Es war durchgehend emotional und es wurde viel geheult. Man hatte Gänsehaut und war komplett überwältigt. Und ich so? Ich war einfach froh, dass der kleine Kerl alles halbwegs überstanden hatte und wir ließen ihm und auch uns erstmal unsere Ruhe. Versteht mich nicht falsch, natürlich freuten wir uns auf ihn und es war auch alles interessant mal zu erleben, aber ich war nicht ergriffen und total von den Socken. Lag vielleicht auch daran, dass er sich komplett eingeschissen hatte und das sehr unglücklich gewählte Holzspanstreu sich in seinem Fell verfangen hatte. Wir mussten ihn zuhause erst einmal von dem Zeug befreien und waschen. Da hätte ich heulen können, aber nicht vor Rührung. Eher vom Ammoniak-lastigen Gestank.

Ok, ich bin jetzt auch nicht der Typ, der wegen jedem Sonnenuntergang ergriffen ist und beim Anblick eines Maikäfers heult. Ich bin eher der rationelle Typ, vielleicht habe ich auch einfach schon zu viel erlebt, wer weiss.  Jedenfalls war unter den anderen Adoptiveltern eine ganz nette Frau, mit der ich noch heute ab und zu schreibe. Sie hat nun, nach einem halben Jahr nochmals zwei Katzen aus Bulgarien adoptiert, welche letztes Wochenende ankamen. Sie schrieb mir, dass der Trapo diesmal nicht so nett gewesen wäre wie damals im Februar. Mir rutschte dann raus “gab es da noch mehr emotional total ergriffene Heulsusen?” und sie antwortete “Ich gehörte auch zu den Heulsusen” uuupppsalllaaa… ich entschuldigte mich und sie fing an zu lachen. Alles gut, sie hat es mir nicht krumm genommen. Noch mal Glück gehabt. Oder besser gesagt, wenn sie deswegen tödlich und unendlich beleidigt gewesen wäre, wäre es auch nicht der richtige Umgang für mich gewesen. Ich mag Menschen, die nicht wegen jedem Scheiß eingeschnappt sind. Das wäre mir viel zu anstrengend. Menschen die sich kugeln vor Lachen, weil ich nicht nur in ein Fettnäpfchen getreten bin, sondern mich auch noch schön darin gesuhlt habe, sind mir deutlich lieber!

Der Herbst ist da

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Worauf ich mich jetzt freue: ich kann am Wochenende ohne schlechtes Gewissen (weil es doch draussen soooo schön ist) einfach faul netflixen und kann mich einkuscheln. Glühwein!!! Lebkuchen und Dominosteine (vegan), Weinfeste (vielleicht), Ich falle nicht mehr so auf, mit meinen dicken Flauschsocken und gefütterten Stiefeln. Ich muss mich nicht mehr jeden Tag so gründlich rasieren und die Zehennägel müssen auch nicht mehr lackiert werden. Bunte Blätter. Schneeflocken. Und es wird auch wieder Frühling werden und darauf kann man sich auch jetzt schon freuen.

Endlich wieder auf Schatzsuche

Meine beste Freundin und ich hatten heute einen wirklich schönen Freundinnentag. Wir haben zuerst zusammen gefrühstückt und fuhren dann in die Nachbarstadt, wo in der Stadthalle endlich wieder ein Frauenflohmarkt stattfand.

Die Ausbeute des Tages war:

1 dunkelblaues Abendkleid, 1 hellgrünes Blümchenkleid, 1 rot-orange gemustertes Spaghettiträgerkleid, 1 hellblauer Pullover mit Ajourmuster, 1 altrosa Plüschjacke, 1 knöchellanges dunkelblaues Kleid mit weissen Blumen, 1  weisses T-Shirt mit dem Aufdruck “That`s Awsome”, 1 schwarzer Spitzencardigan, 1 blaue Bluse sowie 1 senfgelber Schal mit Singvögeln drauf. Zusammen mit dem Eintritt habe ich für alles zusammen 49€ bezahlt. Das teuerste Teil war das Abendkleid für 17€. Alle anderen Teile lagen in einer Range von 2-5€. Alle Klamotten waren entweder neu oder neuwertig. Neu haben sie bestimmt mindestens das 5fache gekostet.

Es war schön, mal wieder Zeit mit meiner besten Freundin alleine zu verbringen und auf Schatzsuche zu gehen. Es war ein Flohmarkt nach meinem Geschmack. Die Frauen / Mädchen wo ich gekauft habe, waren alle sehr gepflegt und nett. Genauso mag ich Flohmärkte. Ich mag Secondhandläden und Flohmarktkonzepte, wo man nicht weiss, wem die Kleidung vorher gehört hat, nicht besonders. Heute war es wirklich schön. Auch wieder ein Stück Normalität. Das letzte Mal, als wir auf einem Flohmarkt waren, war im Januar 2020, kurz bevor die ganze Scheiße anfing. Wir waren damals auf einem Nachtflohmarkt in der nächstgelegenen Großstadt mit DJ, Tanzfläche, Bar und Snacktheke. Das war auch richtig toll. Dieser Flohmarkt sollte im Sommer diesen Jahres wieder stattfinden, jedoch kam er aufgrund der Pandemie-Bedingungen leider nicht zustande, was wir sehr schade fanden. Irgendwann wird es wieder normale Flohmärkte geben, wo wir nicht 15 Minuten anstehen müssen, weil unsere 3 G Nachweise gecheckt werden müssen und kontrolliert wird, ob wir uns mit der Luca-App registriert haben und keine Masken mehr tragen müssen. Ich hoffe sehr, dass das in naher Zukunft sein wird. Ich bin Pandemie-müde. Wie die meisten Menschen. Ich denke jedoch, dass wir das Schlimmste endlich überstanden haben und hoffe, dass es keinen Lockdown mehr gibt mit Kontaktverboten. Das war das Schlimmste für mich, dass der Kontakt zu Familie und Freunden verboten war. Umso mehr genoss ich den heutigen Tag und hoffe sehr, dass solche Tage bald wieder die Norm sein werden.

The Jesters Tales – new edition

Am Mittwoch befand ich mich in einem großen Seminarraum. Eine Person circa 10 Meter von mir entfernt sagte etwas. Sie sass hinter einem Raumpfeiler. Um sehen zu können, wer spricht, kippte ich den Stuhl nach hinten. Tja, bis es ein unschönes Geräusch gab und wirklich jedem im Saal klar war, dass ich den Stuhl geschrotet hatte. Die Lehne war komplett gebrochen. Alle Teilnehmer fingen an zu lachen und ich wäre am liebsten im Boden versunken.

Der Stuhl war aber wirklich nicht sehr stabil. Ich bin jetzt nicht gerade sooo massiv kräftig. Vermutlich war ich sogar die Person mit dem geringsten Gewicht und ausgerechnet bei mir ist das Teil zu Bruch gegangen. Entweder ich bin doch schwerer als ich denke, oder aber die Lehne hatte vorher schon einen Knacks. In vier Wochen bin ich wieder in dem selben Raum. Ich werde den Stuhl ganz sicher nicht mehr nach hinten kippen.