Strunzblöd

Gestern lief ich zur Bushaltestelle und traf einen weitläufigen Bekannten. Er rief mir schon von weitem fröhlich “Na Margit, wann kommt den Euer Kleines” zu. Ich muss ihn mit einer Mischung aus Verstörtheit und Unglauben angeschaut haben und schließlich fragte ich ihn “Was meinst Du?”. Er antwortete “Na Euer Kind. Du bist doch schwanger”. Ich antwortete “Nicht dass ich wüsste. Wie kommst Du auf sowas?”. “Ich hab Dich letzte Woche gesehen und da hattest Du ein Bäuchlein”. Ich war echt perplex. Wie kommt man dazu, so etwas zu einer Frau zu sagen? Ist der Typ Irre? Was soll denn das?

Solche Themen sind immer heikel. Ok, er hielt mich für deutlich jünger und eigentlich sollte ich geschmeichelt sein, dass er mich auf Ende 30 / Anfang 40 geschätzt hat und sich offensichtlich gefreut hat, dass “Bei uns endlich was Kleines unterwegs ist”. Er war auch echt geschockt, als ich ihm sagte, dass ich lediglich einen Topf Bohnen gegessen hatte, als er mich sah und für schwanger hielt und noch geschockter war er, als ich ihm sagte, wie alt ich bin.

Er hatte es vermutlich “nur gut gemeint” und wie wir alle wissen, ist das immer Scheisse. Man fragt keine Frau “Wann das Kleine kommt”, wenn man nicht 100 % sicher ist, dass sie wirklich schwanger ist.

Ich könnte mir jetzt nen Kopf machen, dass ich fülliger um die Hüften geworden bin, aber ich nehme es einfach als Kompliment, dass ich noch jung genug ausschaue, um für schwanger gehalten zu werden.

Der Tag der unflätigen Zeitgenossen

Heute morgen fuhr ich auf den Parkplatz eines Lebensmittelladens. Ich sah, dass der Parkplatz ungewöhnlich voll ist, dachte aber nicht weiter darüber nach. Ich stieg aus dem Auto, nahm meinen Korb und lief Richtung Eingang. Durch die Maske war meine Brille angelaufen und ich sah nur schemenhaft eine Frau, die mir auf 10 Meter Entfernung entgegenbrüllte “Wir haben zu”. Ich entgegnete etwas perplex “Echt jetzt” und sie blöckte zurück “Ja, echt jetzt!!!”. Ich drehte um und lief wieder zum Auto und hörte noch, wie sie schimpfend vor sich hinraunzte “Immer das Gleiche mit den blöden Kunden”. Ich war kurz in Versuchung, ihr zu sagen, dass ich keine Kristallkugel besitze und nicht nicht ahnen kann, dass der Markt heute aus welchen Gründen auch immer zu ist, ließ es aber und fuhr einfach zum nächsten Markt. Seltsam, dass der Parkplatz voller war als sonst. Wenn er leerer gewesen wäre, hätte ich ja gleich gedacht, dass etwas anders ist als sonst.

Nachmittags hatte ich eine weitere Begegnung der unflätigen Art. Ich hatte noch einen 25€ Gutschein für ein Bekleidungsgeschäft und ich fand zwei Kleider und eine Strickjacke im Sale. Ich ging zur Kasse, gab der Verkäuferin den Gutschein und legte die 10€ parat, die ich noch drauf zu zahlen hatte. Sie sagte “Da fehlen aber noch 20€”. Ich sagte ihr, dass dem nicht so wäre, weil alle drei Artikel reduziert wären. Sie entgegnete, dass eines der Kleider eben nicht reduziert wäre. Ich sagte ihr, dass das Kleid reduziert ist. Ja das könne jeder behaupten. Ihre Kasse würde keine Reduktion anzeigen und ich müsse als Beweis noch ein zweites Kleid der selben Art im Laden suchen um es ihr zu beweisen. Insgeheim dachte ich “What the Fuck???!!!”. Ich ging nochmals durch den sehr großen Verkaufsraum und suchte den Ständer, wo ich das Kleid her hatte, fand ihn aber nicht. Eine weitere Verkäuferin fragte nicht ob sie mir helfen könne, sondern recht seltsam “Haben Sie sich verlaufen, oder warum laufen Sie hier auf und ab?”. Ich schilderte ihr die Situation, aber sie half mir nicht, sondern sagte nur “Da vorne könnte nochmal ein Ständer sein, wo reduzierte Teile hängen”. Ich fand besagtes Kleid aber nicht nochmal und inzwischen war ich etwas gereizt. Ich ging zur Kasse und sagte der Kassiererin, dass ich das Kleid nicht nochmal fand, sie es doch einfach wieder stornieren solle und ich nur die zwei von der Kasse als reduziert verifizierten Teile möchte. Sie sagte, ich solle das Kleid nochmals suchen und ich sagte ihr, dass ich weder Zeit noch Lust hätte weiterhin durch die Verkaufsfläche zu irren und dieses Kleid zu suchen und sie jetzt endlich das Kleid stornieren solle, weil meine Geduld jetzt zu Ende wäre. Sie nahm das Mikrofon und schrie das Label des Kleides und “Bitte Kasseeeeeee” dazu. Es erschien ein junges Mädchen. Sie hielt ihr das Kleid hin und sagte “was kostet das?” und das Mädchen antwortete “es ist reduziert”. Die andere sagte daraufhin “Aber die Kasse sagt was anderes”. Daraufhin holte das Mädchen ein Kleid derselben Art und voilà, die Kasse spukte endlich den korrekten Betrag aus. Ich bekam das Kleid letztendlich doch noch reduziert. Entschuldigt hat sich niemand für das unverschämte Verhalten. Es war mir ja quasi unterstellt worden, dass ich das Kleid in betrügerischer Absicht als reduziert deklariert hätte.

Ist das Corona geschuldet? Sind die Leute einfach gereizter? Wenn der Laden proppenvoll gewesen wäre, dann hätte ich gesagt “Volles Verständnis”, aber ausser mir waren allerhöchstens 5 Leute im Laden und die Verkäuferinnen langweilten sich augenscheinlich. Es war auch kein Laden, wo ich sowas eher erwartet hätte, sondern ein Unternehmen, dass sich als familiär und kundenfreundlich preist wo immer es geht. Es war auch nicht das erste Mal, dass mir dieser Laden negativ aufgefallen war – auch schon lange vor Corona. Ich hätte ihn ohne den Gutschein nicht mehr betreten.

Was mich am Meisten an der ganze Aktion nervt, ist, dass ich treudoof das Kleid gesucht habe. Ich hätte gleich sagen sollen “Behalten Sie Ihr Zeug, das muss ich mir echt nicht geben. Es ist nicht meine Aufgabe, herauszufinden, ob das Kleid wirklich reduziert ist oder nicht!”.

Dieser Laden wird von mir zukünftig boykottiert werden. Ich muss mich von Angestellten nicht anschnauzen lassen. Die Kleidungsstücke werden mich jetzt immer an das unakzeptable Verhalten der beiden Frauen erinnern. Geht echt gar nicht, bei allem Verständnis für die derzeitige Lage und Situation. Mir geht die Gesamtsituation auch schon lange auf den Zeiger, aber ich schnauze deswegen keine Mitmenschen an. Aber auch hier gilt vermutlich, dass Corona nur das zum Vorschein bringt, was vorher schon da ist. Im Guten und im Schlechten.

Grillen mit Omnis

Wir haben neue Bekannte. Sehr nette und angenehme Menschen. Speziell die Frau mag ich sehr gerne. Sie hat uns zum Wintergrillen eingeladen. An sich eine schöne Idee. Doch ich habe abgelehnt und ihr auch erklärt weshalb. Diese lieben Menschen sind Allesfresser. Sie würden auf ihrem Grill garantiert Fleisch grillen. Für uns Pflanzenfresser ist das dann sehr eklig, wenn unser Zeug neben dem Fleisch liegen würde und beim Grillen der “Saft” rüberspritzt. Alleine schon der Gedanke, dass dort, wo unser Grillgut liegt, vorher schon zerstückelte Leichenteile von fühlenden Spezies lagen, verleidet uns das Essen. Selbst wenn wir zwei Grille hätten, wäre es nicht schön für uns, die Leichenteile von Wesen zu sehen, die wir schützen und auch schon selbst gerettet haben, wie “mein” Schweinchen. Wir wissen, wie toll sie sind und dass es keinen Unterschied gibt zwischen sogenannten “Nutztieren” und “Haustieren”. Die Bekannte verstand es und wir haben vereinbart, dass wir bei uns vegan grillen werden.

Oftmals machen sich Menschen keinen Kopf darum, wie das für uns ist. Wir folgen keinem hippen Essenstrend und wir machen das auch nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil wir alle Tiere als unsere Geschwister ansehen. Wir sind überzeugt davon, dass die Menschen nicht das Recht haben, andere Lebewesen auf diesem Planeten zu unterjochen, auszubeuten und zu töten. Tierrechte sind ein Grundrecht der Tiere, welches ihnen von Geburt an zusteht. Die Menschheit hat ihnen dieses Grundrecht widerrechtlich genommen und es wird Zeit, dass sich dies ändert.

Selbstportraits

Heute habe ich von mir selbst Portraits gemacht und sie auch bearbeitet. Zeitaufwand fürs Schminken war der höchste. Zum Fotografieren mit dem Selfiestick und später zum bearbeiten habe ich insgesamt vielleicht 20 Minuten benötigt. Alle Aufnahmen habe ich mit meinem Handy gemacht.

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Das ist das durchaus gute Ergebnis.

Hier noch zum Vergleich die unbearbeiteten Originalbilder:

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Auch unbearbeitet sind sie ansehnlich und sie gefallen mir besser als manch professionelles Bild von mir. Nicht so perfekt wie die bearbeiteten Fotografien, aber dennoch hübsche Bilder von mir.

Früher habe ich oft von befreundeten Fotografen Portraits von mir machen lassen. Doch inzwischen bin ich nicht mehr so unbefangen wie früher. Ich mache nur noch Selbstportraits. Es ist schwer zu erklären, aber ich fühle mich bei Portraits inzwischen verletzlich und schutzlos. Nur wenn ich sie selbst mache, kann ich ich selbst sein. Mir hat es früher Spass gemacht, befreundeten Fotografen Modell zu stehen. Aber ich bin mit diesen Männern nicht mehr befreundet und selbst wenn ich es noch wäre, würde ich heute keine Bilder mehr von mir machen lassen. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun. Es gibt derzeit nur eine einzige Fotografin, von der ich mich fotografieren lassen würde, wenn ich dazu mal wieder Lust hätte. Sie lebt in der Nähe von Nürnberg und ich schätze ihren Stil sehr. Ausserdem hat sie einen wunderschönen Hund, den sie ihren Erstgeborenen nennt, was mir mega sympathisch ist. Ihre Bilder sind immer etwas melancholisch. Selbst Sommerhochzeiten schauen bei ihr aus, wie an einem trüben Herbsttag perfekt in Szene gesetzt. Ich mag das sehr, würde ihren Stil jedoch nie kopieren, weil es nicht meiner ist. Mein Stil ist etwas verspielt mit klassischen Elementen und ich kann manchmal nicht verleugnen, dass ich meine Ausbildung Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre gemacht habe. Sie haben einen unbewussten Vintage Touch :-D.

Rückschau und Ausblick

2021 war – auch wenn man es vermuten könnte – nach meiner Definition kein Arschlochjahr. Arschlochjahre sind für mich Jahre, in denen der Tod mir geliebte Wesen nimmt. 2010, 20214, 2015, 2018 und 2020 waren solche Arschlochjahre. 2021 war nur von Corona bestimmt, aber nicht auch noch von Trauer und Schmerz. Abschied mussten wir dennoch nehmen. Wir mussten unseren Yoshi gehen lassen und ihm ein neues Zuhause suchen. Er und unsere Katzen Onya und Muffin haben absolut nicht zusammen gepasst. Mit Orpheus wäre es gegangen, aber mit Muffin und Onya niemals. Wir haben wirklich wirklich wirklich alles versucht um ihn behalten zu können. Umso glücklicher und dankbarer sind wir für die neuen Eltern von Yoshi. Ein wundervolles Paar, dass ihn liebt und nach Strich und Faden verwöhnt. Seit heute Nacht darf er auch bei ihnen im Bett schlafen.

Wir sind auch für Muffin dankbar, der im Februar zu uns kam und sofort zu uns passte. Er ist so ein drolliger kleiner Schatz. Ich kann schon gar nicht mehr gut schlafen, wenn er einmal NICHT in meinen Kniekehlen liegt. Dankbar bin ich auch für ein paar Kollegen, die das Arbeitsleben deutlich angenehmer machen.

So gesehen, war 2021 etwas ereignislos, aber kein generell beschissenes Jahr. Da gab es schon bei weitem schlimmere Jahre.

Was erhoffe ich mir von 2022? Wieder etwas mehr Normalität. Einen Hauch 2019 wäre nicht schlecht. Aber kann es ein Zurück überhaupt geben? Manchmal habe ich Angst, dass die Welt nie wieder “Normal” wird. Dass wir immer diese Masken tragen müssen und Abstand halten. Aber auf Dauer wird das gar nicht möglich sein. Menschen sind nun mal soziale Wesen. Wenn die Scheisse vorbei ist, wird es vielleicht wieder ins andere Extrem umschlagen. Vielleicht wird es dann wie in den Roaring Twenties des vergangenen Jahrhunderts sein, die auch auf eine Pandemie folgten. Allerdings auch auf einen Weltkrieg und einem weiteren vorausgingen. Wer weiss, vielleicht ist das die Chance für die Menschheit das Ruder nochmals herum zu reißen. Noch besteht Hoffnung.

Mein Vorsatz für 2022 ist, nur noch Second Hand Klamotten zu kaufen oder Stoff um Kleidung selbst zu nähen (ausser Unterwäsche, Nachtwäsche, Sportsachen, Socken, Bikinis und Schuhe – das muss für mich zwingend NEU sein und auch Schmuck tausche ich höchstens mit Freundinnen, das mag ich von fremden Menschen auch nicht gebraucht haben). Ich hoffe, es wird wieder viele Second Hand Märkte geben, damit ich nicht rückfällig werde. Klar gibt es Portale wie Vinted, aber das macht mir nicht so viel Spaß, wie auf einem richtigen Flohmarkt nach Schätzen zu stöbern. 2021 gab es nur zwei Flohmärkte, die waren dafür aber richtig toll und ich habe wirklich geniale Teile für wenig Geld erstanden. Der eine oder andere Fehlkauf war auch dabei, weil ich zu faul war, die Teile anzuprobieren, aber ich habe einfach andere Kleidungsstücke daraus genäht, bzw. ein Jumpsuit war so eng, dass ich ihn meiner Nichte geschenkt habe, weil ich echt nicht reingepasst habe. Ich hatte 3 private Tauschparties, die ebenfalls zu einer guten Ausbeute führten.

Kann sein, dass ich rückfällig werde, aber ich werde mich bemühen, so wenig wie möglich neu zu kaufen. Überhaupt generell ist mein Vorsatz Konsumverzicht. Wobei ich bei anderem Zeug sowieso recht zurückhaltend bin. Klamotten sind meine größte Schwäche. Ich bin eine Tussie, das ist schon wahr. Für Kosmetik gebe ich nicht viel Geld aus. Ok, ich kaufe schon hochwertige Pflegeprodukte, aber die halten auch lange. Ich versuche Plastik zu vermeiden. Meine Hautpflege ist in Glas oder in Dosen. Ich bin nicht perfekt und auch weit entfernt davon, aber ich versuche mehr und mehr dafür zu tun, unseren Planeten zu schützen.

Ich fürchte, es geht nicht nur mir so, sondern vielen Menschen. Konsum ist immer ein Ersatz für einen anderen Mangel. Ich glaube, es ist Selbstliebe. Deshalb werde ich Materielles so gut es geht einschränken und jeden Tag versuchen mich mehr zu lieben und auch MICH an erster Stelle zu setzen. Heute ist Tag 1 von Margit First. Das wird so Manchen in meinem Umfeld sauer aufstoßen und es wird wieder Schwund geben, aber auch neue Möglichkeiten und Gegebenheiten schaffen. Es bleibt spannend.

Verf…. W……

Jaja, vermutlich soll man das neue Jahr nicht mit fluchen beginnen, kann schon sein. Aber echt Leute, was stimmt mit der Menschheit nicht?

Obwohl es dieses Jahr offiziell keine Böller zu kaufen gab, war es nur geringfügig ruhiger als in “normalen Jahren”. Vom Feinstaub mal ganz abgesehen, werden Menschen und Tiere in Angst und Schrecken versetzt.

Wir waren extra bei unseren Katzen Zuhause geblieben. Das machen wir schon seit Jahren so, damit sie ruhiger sind. Trotz Musik und geschlossenen Jalousien, hörte es sich teilweise an, als ob direkt vor unserer Haustüre geböllert worden wäre (was nicht der Fall war, in unserer Strasse war alles ruhig, der Krach kam von weiter weg, hörte sich aber exakt so an, als ob es direkt neben uns wäre). Die Katzen legten die Ohren zurück und schauten erschrocken Richtung Tür. Es ging auch wieder eine gefühlte Ewigkeit. Mindestens jedoch eine Stunde.

Was ist so toll daran, einen Heidenkrach zu veranstalten und unnütz Geld in die Luft zu jagen? Wenn die was wollen, was Rauch erzeugt und ordentlich ballert, sollen sie doch mit dem Kiffen anfangen.

Im Jahr 2022 sollte es doch wirklich deutlich sein, dass wir nicht nur Mitten in einer (durch die Ausbeutung anderer Spezies entstandenen) Pandemie sind sondern auch eine Klimakrise haben. Wer das leugnet, ist schlichtweg ignorant. Ich bin so exorbitant alt, dass ich mich noch gut an Zentimeter hohen Schnee erinnern kann, den es oft mehrere Wochen lang hatte. Nicht nur mal eben einen Tag die Landschaft etwas oberflächlich mit Schnee bestäubt, sondern richtigen Schnee, der liegen blieb. Das gab es in den letzten 5 Jahren höchstens zwei Mal. In meiner Kindheit jedoch jeden Winter. Es gab in meiner Kindheit und Jugend auch deutlich mehr Insekten. Wenn man mit dem Auto fuhr, waren die Scheiben grundsätzlich voll mit Insekten oder wenn man mit dem Fahrrad unterwegs war und den Mund aufmachte, schluckte man unfreiwillig Fliegen. Das passiert heute nicht mehr, weil es kaum mehr Insekten gibt. Selbst die gemeine Stubenfliege oder Schnacken gibt es nicht mehr in dem Umfang wie früher. Weniger Insekten, weniger Vögel und Igel etc. Ein Teufelskreis.

Die Freiheit eines jeden Einzelnen hört immer dann auf, wenn andere zu Schaden kommen, was bei massiver Umwelt- und Lärmbelästigung definitiv zutrifft.

“Ich versehe nicht, wie man so leben kann”

Diesen Satz bekam ich diese Woche in Bezug auf meine vegane Lebensweise zu hören. Ergänzt wurde er noch mit “Auf Fleisch könnte ich nie verzichten”.

Was soll ich auf sowas sagen. Am besten Nix. Die Person meinte dann noch, dass es unmöglich wäre, wenn Eltern ihren Kindern ihre Ansichten aufzwingen. Dazu musste ich mich äußern. Ich sagte, dass meine Kinder Karnivoren sind und auch so ernährt werden. Ich sagte der Person, dass Eltern ihren Kindern immer bewußt oder unbewusst ihre Ansichten indoktrinieren. Egal ob Lebensansichten, Essgewohnheiten, Religionen oder die favorisierte Fußballmannschaft. Kindern Fleisch aufzuzwingen ist nach Auffassung der beschriebenen Person übrigens keine Indoktrinierung. Das ist lustig und eine beliebte und spassige Anekdote wurde noch zum besten gegeben, wie diese Person das Kind einer Vegetarierin immer heimlich mit einer Scheibe Wurst füttert.

Ich wäre froh gewesen, wenn mir als Kind die angeborene Tierliebe nicht abtrainiert worden wäre. Auch ich wurde als Kind von den Erwachsenen dafür gelobt, wenn ich Fleisch ass. Den Erwachsenen war es ebenfalls als Kind antrainiert worden, dass es “normal” ist, Tiere zu töten und zu essen. Ist es aber nicht. In der Steinzeit war das vielleicht einmal überlebensnotwendig, aber auch dann wurde nur soviel genommen, wie zum Überleben benötigt wurde. Ich glaube nicht, dass ein Steinzeitjäger so zum Spass die Hälfte des Wilds im Wald erlegte und nur einen Buchteil davon ass und den Rest vergammeln lies. Das Wild wurde auch vor dem Töten nicht noch ewig in eine enge Höhle gesperrt und dann lebendig in eine giftige Grube gestoßen. Soetwas macht nur der “moderne” Mensch. Die Tierausbeutung wurde in den vergangenen Jahren immer perfider und abartiger. Tiertransporte, immer größere Massentieranlagen, immer engere Ställe. Die sogenannten Nutztiere wurden zur Ware degradiert und Tiere sind per Gesetz noch immer eine “Sache”. Es sind aber keine materiellen Dinge, sondern fühlende Lebewesen. Sie fühlen Schmerz, Angst, Trauer – genauso wie wir Menschen. Wir haben nicht das Recht ihnen all das anzutun. Es ist unmenschlich, grausam und gewalttätig und wenn wir als Gesamtspezies nicht damit aufhören, wird es unser Untergang sein.

Wenn die hier beschriebene Person von “Gutem Essen” spricht, auf das dieser Mensch angeblich keinesfalls verzichten kann, dann sehe ich das Lebewesen, das dieses “Essen” einmal war. Es wurde lange lange lange vor Ablauf seiner natürlichen Lebensspanne für den persönlichen “Genuss” dieses Menschen und anderer seiner Art hingerichtet, ohne jemals etwas verbrochen zu haben. Meist im Kindes- oder Jugendalter. Erwachsen werden Nutztiere nur als Milchkühe oder Legehennen, was wiederum jahrelanges Siechtum bedeutet. Ohne je Tageslicht zu sehen in engen Ställen, angebunden, so dass sie sich nur wenige Meter (wenn überhaupt) bewegen können. Oft in den eigenen Exkrementen stehend. Nur für den Gaumenkitzel von Leuten, die sich einen feuchten Kehricht für ihr Leid interessieren und denen es egal ist, wie die Tiere leben mussten, bevor sie zerstückelt auf deren Tellern gelandet sind.  Das ist aber kein “Essen”, sondern ein Lebewesen. Ich hoffe inständig auf Cultured Meat. In den Vereinigten Staaten ist schon ein marktreifes Katzenfutter erhältlich und zwar aus Maus-Zellen. Ich freue mich schon darauf, dass es bald auch hier erhältlich sein wird, damit mein tägliches Dilemma gelöst wird. Ich selbst werde auch kein Clean Meat essen, weil ich es eh noch niemals gerne gegessen habe, aber für die IchkannniemalsaufFleischverzichten-Fraktion ist das die vermutlich einzige Lösung, die Massentierhaltung in naher Zukunft abzuschaffen.

Die schrullige Alte

Jahrelang habe ich es verdrängt, aber inzwischen bin ich 54 und es ist klar: Ich werde älter. Keiner von uns wird jünger, wir alle altern. Das ist das Gute daran. Ich erschrecke regelmässig, wenn ich Menschen im Fernsehen oder im wahren Leben sehe, die ich früher toll fand und insgeheim erschrecke “Du meine Güte, ist die / der alt geworden”. So ging es mir vergangene Woche, als ich Gerhard Polt im Fernsehen sah. Klar, er ist ja auch schon fast 80, was hatte ich erwartet. Aber in meinem Kopf war er noch so, wie in “Man spricht deutsch”. Der Film stammt aus dem Jahr 1987. Damals war Gerhard Polt auch schon 45 und ich 20. Die Zeit verrinnt und wir ändern uns. Nicht nur unsere Körper. Ich merke, wie ich mich auch sonst verändere. Meine Geduld und Toleranz lässt nach. Vermutlich weil ich weiss, dass ich nicht mehr so viel Zeit übrig habe. Meine verbleibende Lebensspanne ist zu kurz für blöde Menschen. Ich muss nicht mehr “Everybody`s Darling” sein. Ich darf anecken. Ich bin quasi ein “Schrullige Alte” Azubi geworden. Ich bin nicht mehr die ganze Zeit lieb und nett. Ich kann jetzt durchaus auch mal anstrengend sein und ich tue das, was ich schon lange hätte tun sollen: Ich ziehe gesunde Grenzen. Ich werde – wenn ich es erlebe – irgendwann die schrullige Alte mit den Katzen. Mit dieser Vision im Hinterkopf verliert das Altern etwas seinen Schrecken, aber natürlich nicht ganz. In meinem Kopf bin ich noch immer die 28 Jährige, die ich war, nur nicht mehr so angepasst und harmoniesüchtig.

Man muss wirklich nicht alles mitmachen

Meine beste Freundin schenkte mir zum Geburtstag ein Buch über Mond Rituale. Es enthält schöne und interessante Kapitel, doch als ich auf Seite 34 angelangt war, kam das Blutmondritual. Dafür soll man sich etwas Menstruationsblut zwischen die Augenbrauen schmieren und es einige Zeit dort belassen, bevor man es wieder abwaschen kann. Wenn das jemand machen will: Feel free. Für mich fällt das in dieselbe Kategorie wie “Eigen-Urin-Behandlungen”. Nichts davon brauche ich.

Ich denke, dass es schon gut ist, wenn irgendwas den Körper verlässt und dann sollte es selbigem auch nicht mehr zugeführt werden. Wie gesagt, wenn das jemand als erstrebenswert ansieht, kann diejenige das gut und gerne machen, das ist mir gleich. Für mich ist der Ekelfaktor definitiv zu hoch.

Ich habe auch schon auf Insta gesehen, dass Frauen mit ihrem Menstruationsblut Bilder malen. Auch das finde ich ziemlich eklig. Wenn sich das jemand in die Bude hängen will, nur zu, aber ich würde es definitiv nicht tun.

Mich würde interessieren, ob diese “uralten Riten” wirklich so alt sind, oder ob uns unsere Vorfahren für verrückt erklären würden.