Gelb wie der Neid

Eine liebe Bekannte sagte heute zu mir “Ich beneide Dich echt darum, dass Dir die Farbe Currygelb so gut steht”. Ich sagte “Nein, Du neidest es mir nicht, weil Du gönnst mir, dass es mir steht, aber Du wünschst Dir, dass die Farbe Dir auch stehen würde”. Sie antwortete: “Ganz genau. Ich freu mich für Dich, dass Dir die Farbe so gut steht, würde sie aber selbst auch gerne tragen können”.

Ich bin mir sicher, dass ihr das Gelb auch stehen würde. Sie denkt, ihr Hautton harmoniert nicht mit dieser Nuance. Kann sein, aber ich glaube schon, dass es ihr genauso stehen würde wie mir.

Ich bin mir absolut sicher, dass es kein Neid ist, wenn man der anderen Person etwas gönnt, es aber für sich selbst auch gerne hätte. Neid wäre es, wenn man es jemand nicht gönnen würde. Ist Missgunst und Neid dasselbe? Ja, ich denke schon.

Vielleicht sollte ein neuer Begriff kreiert werden für solche Fälle, wo es eindeutig keine Missgunst ist, aber eigene Bedürfnisse weckt.  Allerdings wäre die Begrifflichkeit “Ich gönneesDirhättejedochdasselbeauchgernefürmich” etwas sperrig.In der Umgangssprache wird es also bei “Ich beneide Dich” bleiben, obwohl das nicht zutreffend ist.

Diese Art von “Neid” ist etwas völlig Menschliches und ich bin mir sicher, dass jeder diese Gedanken hat. Man hätte gerne Haare wie Jene oder eine schöne reine Haut wie eine Andere, oder Lebensumstände oder oder oder.

Ich “beneide” alle Kinder, die rein vegan aufwachsen dürfen, weil ihre Eltern so umsichtig sind, sie nicht mit tierischen Leichenteilen voll zu stopfen. Das hätte ich auch gerne gehabt. Doch ich wurde früher indoktriniert, dass tierische “Lebensmittel” nicht nur “normal” wären, sondern man sie unabdinglich benötigt. Meine Eltern wurden ebenso indoktriniert und ihre Eltern auch und die davor auch und so weiter. Ich hätte also auch gerne eine tierleidfreie Kindheit, was jedoch natürlich nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und selbstverständlich gönne ich es den veganen Kindern, dass sie so aufwachsen dürfen.

Ich “beneide”auch meine Katzenkinder um ihr Leben. Sie müssen kein Geld verdienen und sich um nichts sorgen. Sie müssen nicht kochen, nicht waschen, nicht putzen und das Personal – also mein Mann und ich – lesen ihnen jeden Wunsch von den Augen ab. Ich wäre auch gerne eine Katze bei Leuten wie uns. Ich wäre regelrecht prädestiniert dafür. Jeden Tag nur schlafen, kuscheln, fressen. Ich wäre wirklich ein prima Haustier!

Ich glaube, die meisten Umstände oder Begebenheiten, die man anderen “neidet” entstehen aus mangelndem Selbstvertrauen. An Tagen, an denen ich mich nicht wohl fühle, wäre ich gerne so dünn wie ein Model, hätte gerne noch längere Haare, weniger Falten und geradere Zähne und was weiss ich noch alles, was an mir dann angeblich nicht stimmt.

An dunklen stressigen Tagen wünsche ich mir manchmal einfach nur ein Igel zu sein oder ein Bär, dann könnte ich Winterschlaf halten. Natürlich gönne ich den Tieren, die Winterschlaf halten, ihren Schlaf, hätte ihn aber auch gerne für mich, speziell wenn der Irrsinn wieder mal überhand nimmt – was jeden Tag mehr Richtung Weihnachten der Fall ist…

Richtig neiden im Sinne von “nicht gönnen” beziehungsweise “missgönnen” tue ich niemand etwas. Ich “beneide” Leute, die den Mut hatten, sich selbständig zu machen, der mir leider noch fehlt. Ich gönne ihnen aber ihre Lebensumstände von ganzem Herzen, hätte es eben nur auch gerne für mich und nicht nur für mich, sondern eigentlich wünsche ich es mir für alle Menschen in Freiheit leben zu können und von dem, was ihre Seele erfüllt.

Weihnachtsgeschenke und mehr

Obwohl wir keinem religiösem Kult huldigen und eher die Wintersonnwende feiern anstatt Weihnachten, beschenke ich meine Freunde mit liebevoll ausgesuchten Kleinigkeiten.

Ich habe schon alle Geschenke tuttikompletti beisammen. Der Trick dabei: Ich sammle das ganze Jahr über Schönes, von denen ich glaube, dass es meinen Freundinnen gefallen könnte. Oder aber, sie haben irgendwas erwähnt, was sie gerne hätten und ich suche es dann und sie bekommen es unerwartet zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

Ich leibe es, Freunde mit kleinen Aufmerksamkeiten zu beschenken und ich liebe es auch, wenn ich das ganze Jahr über “Schätze” finde, die dann in meine Geschenkeschublade kommen, bis sie an Geburtstagen oder zu Weihnachten verschenkt werden.

Ich muss jetzt also einfach nur die prall gefüllte Schublade öffnen und die schon fertig verpackten Geschenke herausnehmen und verteilen. Hohoho!

Eine schöne neue Welt der Fotografie

Für die nachfolgenden Worte, würde mich ein ehemaliger Fotografenkollege und eine mit mir weitläufig bekannte Hobbyfotografin mit Sicherheit am allerliebsten steinigen:

Ich liebe meine Handykamera!

Ja, ich fotografiere natürlich auch noch immer gerne mit meiner Spiegelreflexkamera und (noch!!!) ist sie nicht ersetzbar. Dennoch finde ich die Kamera in meinem Handy echt klasse. Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg oder auch einfach so unterwegs etwas Schönes sehe, dann fotografiere ich es einfach mit meiner Handykamera. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Das eingebaute Bildbearbeitungsprogramm ist ebenfalls hervorragend und erzielt meiner Meinung nach gute Resultate.

Ich kenne Fotografen, die sich nie mit der Digitalfotografie anfreundeten und noch heute weitgehend analog fotografieren und besagte Hoppyfotografin besitzt eine schweineteure Spiegelreflex, welche sie jedoch selten benützt, weil sie sie nicht abnützen will.

Ähm ja, dagegen spricht natürlich nichts. Das bleibt dem Herrn und der Dame natürlich überlassen. Ich für meinen Teil, genieße meine Unabhängigkeit. Ich habe mein Handy immer dabei und bin nicht mehr von meiner Ausrüstung abhängig.

Vor ein paar Jahren war die Kamera in meinem damaligen Mobiltelefon noch so grottenschlecht, dass ich die Bilder, die ich heute mache, niemals hätte erreichen können. Pixelig und schwammig gehören aber der Vergangenheit an. Qualitätsmässig war es für mich die letzten beiden Jahre ein regelrechter Quantensprung.

Ich weiss noch, wie ich vor 3-4 Jahren mal einen wunderschönen Graureiher in einem Teich sah. Ich erinnere mich noch zu gut, wie ich schnell heim hetzte und die Kamera holte und zurück gerannt bin, in der Hoffnung, dass er dort noch ist. Ich hatte an diesem Tag Glück und das wundervolle Tier stand fast unbewegt im See und ich konnte tolle Bilder machen. Es ging mir bei anderen Gelegenheiten aber auch oft so, dass der Augenblick vorbei war, bis ich meine Spiegelreflex geholt hatte.

Hier noch ein paar Beispiele von heute:
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Zuerst einmal das unbearbeitete Originalbild, welches ich heute morgen unterwegs aufgenommen habe.

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Hier habe ich nur etwas den Kontrast verändert und die Schwarzpunkte erhöht und schon ist es eine ganz andere Stimmung.

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Hier wieder das unbearbeitete Originalbild.

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Ich habe lediglich die Sättigung erhöht und die Helligkeit reduziert und auch hier entstand wieder eine komplett neue Stimmung.

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Die Kamera hat sogar eine Portraitfunktion. Hier das unbearbeitete Selfie.

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Mit dem integrierten Bildbearbeitungsprogramm meines Handys habe ich den Hintergrund freigestellt und neutral gehalten (Dauer: 1 Sekunde). Des Weiteren habe ich meine Falten mit dem Bildbearbeitungsprogramm Portrait Professional etwas reduziert. Ich finde, es kann sich durchaus sehen lassen.  Wie oben erwähnt, handelt es sich um ein Selfie.

Ach ich bin einfach begeistert von der Qualität und das Beste daran: Die Entwicklung geht ja noch weiter. Das ist nicht der letzte Stand der Dinge. In dieser Hinsicht freue ich mich echt auf die Zukunft.

Anmaßend = ohne Berechtigung für sich in Anspruch nehmen

Der Mensch nimmt für sich – ohne Berechtigung – in Anspruch, die Krone der Schöpfung zu sein und jedes Recht zu haben, über allen anderen Tieren zu stehen.

Es fängt schon im ganz Kleinen an. Meine Kinder sind in der Gesellschaft nicht als Kinder anerkannt, weil sie einer anderen Spezies angehören. Als Mutter wäre ich nur anerkannt, wenn ich ein menschliches Kind hätte. Katzen jedoch sind Haustiere, keine Familie. Ich bekomme keinen Sonderurlaub, wenn meine Kinder krank sind. Wir bekommen kein Kindergeld und sie sind nicht krankenversichert. Kaum jemand schenkt ihnen was zum Geburtstag, oder gratuliert ihnen und Weihnachtsgeschenke bekommen sie auch ganz selten.

Als meine älteste Tochter letztes Jahr im Sterben lag, hatte dafür nur Verständnis, wer selbst geliebte Familienmitglieder hat, die nicht menschlich sind. Ich war damals Tag und Nacht für sie da. Wenn sie auf dem kühlen Boden liegen wollte, legte ich mich dazu. Wenn sie durstig und hungrig war, fütterte und tränkte ich sie, als sie nicht mehr laufen konnte. Ich blieb bei ihr, bis sie aufhörte zu atmen. Ich sah zu, wie sie innerhalb von fünf Monaten mehr und mehr körperlich abbaute und versuchte alles, um sie zu retten und gab auf, als sie mir deutlich zeigte, dass sie gehen wollte. Ich hielt ihre Pfote und hielt es aus, sie gehen zu lassen. Sie war immer für mich da und liebte mich bedingungslos. Das kann ich nur von ganz wenigen Menschen behaupten. Trotzdem wurde mir selbst die Trauer um sie noch abgesprochen. “War doch nur eine Katze”. “Sie war ja unendlich alt”, “Um einen haarigen Fuss weint man nicht” blablabla. Wie unendlich anmaßend! Es ist, als ob ein Teil von mir selbst mit ihr starb. Wer das nicht erlebt hat, der kann sich auch den Schmerz nicht vorstellen und darf sich auch nicht anmaßen so etwas zu sagen!

Ja, meine Kinder werden nicht bei einer Weihnachtsaufführung mitmachen und wir werden wegen ihnen auch nicht beim Rektor der Schule antanzen müssen. Sie werden nie beim kiffen erwischt werden. Sie werden niemals Schwiegersöhne und Töchter mit heimbringen und ich werde auch keine Oma werden. Sie werden leider nicht so alt werden, wie ich es mir wünschen würde. Sie benötigen keine Tagesmutter (obwohl, doch das haben wir auch ab und an) und keinen Kindergartenplatz. Wir müssen nicht auf Elternabende und auf keinen Abiball. Dennoch sind sie nicht weniger “wert”. Sie geben uns so unendlich viel. Sie kommunizieren durchaus mit mir und ich verstehe sie und sie verstehen mich. Natürlich reden sie nicht in einer menschlichen Sprache, dafür ist ihr Kommunikationsweg klarer und direkter und sie lügen nie. Sie können durchaus beleidigt sein, eifersüchtig sein und auch schauspielern. Sie können mich manipulieren und mich um den Finger wickeln. Das haben sie sogar perfektioniert. Ich liebe sie so sehr, dass ich es nicht in Worte fassen kann und ich weiss, dass sie mich auch lieben. Egal, ob ich Falten bekomme oder ein paar Kilos mehr auf den Rippen habe. Gleichgültig, ob ich geschminkt bin oder in Gammelklamotten auf dem Sofa flätze. Sie lieben mich immer gleich  – genauso wie ich bin. Mit all meinen Fehlern, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Auch das kann ich nur über sehr wenige Menschen sagen.

Eine Bekannte sagte mal, sie würde ihre menschlichen Kinder mehr lieben als ihre Katze, weil sich die Katze nicht weiter entwickle, die Kinder jedoch schon. Naja, wenn das ein Argument für “stärkere” oder “schwächere” Liebe ist, dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass sie ihre Kinder dann auch nicht mehr so liebt, wenn sie mal erwachsen sind.

Ich finde auch nicht, dass sich erwachsene Tiere nicht mehr “weiterentwickeln”. Wir bekamen unseren ältesten Sohn vor beinahe 5 Jahren von einer Tierschutzorganisatin aus Spanien und er war schwer traumatisiert. Es ist wundervoll mit anzusehen, wie er auch jetzt noch mehr und mehr auftaut und sein Trauma verliert. Es ist fast ein Wunder, wie sehr er uns vertraut und ich liebe es, wenn er sich an mich schmiegt und mir sein Bäuchlein zum kraulen zeigt. Das ist bei Katzen ein sehr großer Vertrauensbeweis.

Ich liebe meine Kinder genauso wie Ihr Eure Menschenkinder liebt. Ich sorge mich genauso um sie, wie Ihr. Ich vermisse sie genauso, wenn ich von ihnen getrennt sein muss. Ich werde von ihnen auch vermisst und sie freuen sich deutlich, wenn ich wieder nach Hause komme.

Wir sagen sehr oft, dass unsere Kinder so wunderschön sind, dass wir uns kaum an ihnen satt sehen können. Ob das wohl auch alle Eltern von ihren menschlichen Sprösslingen täglich sagen?

Immer gut drauf

Mein zweitjüngster Katzensohn ist echt immer gut drauf. Es gibt fast nie eine Zeit, wo er schlecht gelaunt wäre. Selbst wenn er Durchfall hat und Scheiße am Arsch und wir ihm den Hintern putzen müssen, schnurrt er laut und ist bester Dinge.

Ich sollte mir das von ihm abschauen. Er hat immer einen aufgestellten Schweif, was bei Katzen ein eindeutiges Indiz für gute Laune ist. Er begrüsst mich gutgelaunt, er verabschiedet mich gutgelaunt, er schnurrt sogar beim Fressen.

Die anderen Geschwister sind schon manchmal etwas angepisst und schlecht gelaunt, aber er ganz ganz selten. Er ist ein wahrer Sonnenschein.

Ich sollte mich von seiner Lebensfreude anstecken lassen. Man kann auch sprichwörtlich gut drauf sein, wenn man Scheiße am Hintern kleben hat. Mein kleiner Zenmeister hat vielleicht deshalb seit Monaten Verdauungsprobleme um mich das zu lehren. Egal wie beschissen das Leben ist: Wir haben es selbst in der Hand, wie wir darauf reagieren.

Was man findet, darf man behalten

In den letzten Wochen / Monaten fand ich immer wieder entlaufene Tiere. Es fing mit einem Deutschen Riesen am Karfreitag an. Es war nicht der Osterhase, sondern das Riesenkaninchen einer Familie, welches ausgebüxt war. Das zweite Tier, dass ich fand, war wieder ein Kaninchen, aber diesmal ein kleines Zwergkaninchen. Es gehörte derselben Familie. Das kleine Häslein habe ich mindestens 5x gefunden und zurück gebracht.

Als nächstes fand ich einen weiss-braunen Hund und tja was soll ich sagen, er gehörte wieder dieser Familie. Auch ihn musste ich mehrfach zurück bringen.

Nur unwesentlich später fand ich einen weiteren Hund. Diesmal gehörte er anderen Leuten und auch er war ihnen entwischt. Er führte mich selbst zur Haustür. Ein kleines wuscheliges Hündchen. Total süss.

Eine Weile hatte ich Ruhe, bis ich drei Kühe fand, die am Straßenrand grasten. Ich konnte den Bauern ausfindig machen und er brachte sie wieder auf die Weide.

Am selben Tag fand ich einen schwarzen Labrador. Auch er führte mich zu seinem Zuhause und seiner Familie entgegen.

Es folgten einige ereignislose Tage, bis ich bei einem belebten Einkaufszentrum einen Dackel ohne Leine vorfand. Er gehörte einem Mann, der in einer Kneipe in der Nähe saß und den ich glücklicherweise schnell ausfindig machen konnte und der mich auch noch recht unhöflich anschnauzte, was mich sein Hund angehen würde.

Heute fand ich wieder den kleinen braunen Wuschelhund (so etwas ähnliches wie ein Spitz, aber größer und viel wuscheliger. er sieht etwas aus, wie ein kleiner Bär. Keine Ahnung, was für eine Rasse das ist). Zum Glück rannte der Besitzer schon zu ihm und ich musste ihn diesmal nicht zurück bringen.

Beim Spazierengehen fand ich 3 Hühner, die ich zurück in ihr Gehege brachte. Der Zaun hatte unten ein Loch und ich fixierte das Schlupfloch mit Steinen.

Eine liebe Bekannte sagte scherzhaft zu mir “Was man findet, darf man behalten”. Tja, dann hätte ich jetzt 2 Kaninchen, 4 Hunde, 3 Hühner, 2 Kühe und ein Kälbchen.

Auch wenn ich alle Tiere ordnungsgemäß zurück gebracht habe, würde ich mir dennoch wünschen, die Leute würden besser aufpassen. Es kann passieren, dass einem ein Tier mal entwischt, der Zaun oder das Gehege nicht dicht ist, oder man vergisst eine Tür zu schließen. Wenn man aber öfter dieselben Tiere findet und zurück bringen muss, dann hat das schon mit Unachtsamkeit zu tun.

Es reicht schon, wenn ich mir um meine Tiere Sorgen machen muss. ich will nicht auch noch für das Wohlergehen von anderen Tieren verantwortlich sein. Bin ich aber, wenn ich sie in Straßennähe, im Dunkeln oder bei Dämmerung finde. Ein Kaninchen oder ein Huhn ist schnell vom Fuchs geholt, die Hunde werden leicht überfahren oder geklaut. Bis jetzt ist zum Glück immer alles gut gegangen und ich hoffe, es kommt jetzt nicht mehr vor, dass ich entlaufene Tiere verschiedener Art finde. 2019 war definitiv das Jahr der gefundenen Tiere. Was wird wohl 2020 sein?

Begnadigte Tiere

Wie jedes Jahr werden auch dieses Jahr wieder vom amerikanischen Präsidenten zwei Truthähne in einer Zeremonie begnadigt.

Begnadigen bedeutet laut Duden “Eine Strafe erlassen”. Was hatten die armen Truthähne den verbrochen, dass man ihnen eine Strafe erlassen müsste? Nichts. Sie haben nichts getan. Sie sind sowas von unschuldig, wie es ein Mensch höchstens als Kind ist.

Ihnen wurde die “Strafe” der Schlachtung erlassen. Zwei von ungefähr 45 Millionen wurden “begnadigt”.

Ihr einziges “Verbrechen” war es, im falschen Körper geboren worden zu sein. Wenn sie als Schwäne auf die Welt gekommen wären, hätten sie nicht verschont werden müssen. Nur total perverse Menschen würden Schwäne schlachten und braten.

Was “lebenswert” ist und was ausgebeutet und getötet werden darf, wird von Menschen willkürlich und regional unterschiedlich festgelegt. Dabei ist es egal, ob die Tiere niedlich sind, oder nach menschlichen Maßstäben “hässlich”. Fische werden genauso getötet wie Lämmer. Kälber ebenso wie Truthähne. Rehe ebenso wie Wildschweine. Selbst vor Singvögeln wird nicht halt gemacht. Sie alle werden hingerichtet ohne dass sie jemals ein Verbrechen begangen haben. Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es von menschlichen Gesetzen erlaubt wird. Unrecht wird immer Unrecht bleiben. Wir tun den Tieren so viel Leid an und vergessen dabei das Gesetz des Karmas. Hoffentlich hat mit uns jemand Gnade, wenn wir das zurück bekommen sollten.

Reklamationen wollen geübt sein

Gestern erzählte mir eine Bekannte, dass ihre Haare in einem Friseursalon komplett verhunzt wurden. Sie traute sich aber nicht zu reklamieren. Kenne ich zu gut. Hatte ich auch schon. In sowas bin ich inzwischen taffer geworden. Das passiert mir nicht mehr. Die hätte ich sowas von rund laufen lassen! Ich bin nicht immer lieb und nett. Auch das musste ich mühsam erlernen.

Ich kaufte mir Anfang Juli schwarze Stiefeletten. Ich trug sie kaum und musste diese Woche feststellen, dass sich vorne schon die Sohle an beiden Schuhen löst. Dadurch wurden sie undicht und ich kam mit nasskalten Füßen nach Hause.  Ich habe sie reklamiert und bekomme sie problemlos erstattet.

Irgendwie tun mir die Stiefeletten leid. Ja, ist schon klar, es sind nur Gegenstände. Trotzdem sind die Stiefel irgendwie bezeichnend für unsere Gesellschaft. Es würde sich nicht rentieren, die Schuhe bei einem Schuster reparieren zu lassen. Es würde vermutlich die Hälfte dessen kosten, was die Schuhe insgesamt gekostet hatten. Ich habe das einmal gemacht und draus gelernt, dass die Ware trotz der Schusterarbeit bald wieder an anderer Stelle defekt wurde. Wurden die Teile vorne geflickt, fing es bald an den Absätzen an. Deshalb habe ich sie diesmla zurück geschickt, wo sie mit Sicherheit verschrottet werden.

Ist es auch so mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen? “Lohnen” sich Reparaturen oft nicht mehr? Ist es wirtschaftlicher, Beziehungen – egal ob Partner oder Freundschaften – auszutauschen, anstatt sie zu kitten?  Selbst Haustiere und alte Verwandte werden einfach entsorgt, wenn man ihrer überdrüssig ist oder wenn sie nicht mehr ins Lebenskonzept passen oder nicht so sind, wie es erwartet wurde. Weg damit und was Neues her. Alles ist beliebig austauschbar. Auch Mitarbeiter sind schnell ersetzt. Wissen und Können selten geschätzt. Ein wertschätzender Umgang? Fehlanzeige. Wem es nicht passt, der bleibt auf der Strecke. Gibt ja genug andere. Ex und Hopp. Gibt es auch in menschlichen Interaktionen eine “geplante Obsoleszenz”?  Sabotiert man manche Kontakte absichtlich oder auch unterbewußt?

Wer meinen Block schon länger ließt, der weiss, dass ich vor ein paar Jahren von einer Bekannten von einem Tag auf den Anderen geghostet wurde. Was der Auslöser dafür war, weiss ich bis heute nicht. Ich denke, sie war über eine von mir aufgestellte Theorie dermaßen erbost, dass sie deswegen den Kontakt komplett abgebrochen hat, ohne jemals mit mir darüber zu reden.

Ganz grob ging es darum, dass die Dame Herdentiere hat, die jedes Jahr von der unsäglichen Silvesterböllerei traumatisiert werden. Ich kann das gut nachvollziehen. Auch unser Kater aus dem Tierschutz, der drei Einschüsse hatte und mehr tot als lebendig gefunden wurde, leidet jedes Jahr unter dieser unnötigen Knallerei.

Mein Fehler war, dass ich – so dachte ich zumindest – sanft darauf hingewiesen hatte, dass sie sich jedes Jahr schon ab August komplett fertig macht wegen der bevorstehenden Neutraumatisierung ihrer Tiere. Ich sagte ihr, dass sich dies womöglich auf die Tiere überträgt und es vielleicht deshalb jedes Jahr noch schlimmer ist. Sie hat es vermutlich als anmaßend empfunden. Ich habe ja schließlich keine Herdentiere und weiss nicht, wie das ist.

Die Reaktion war dem vorausgegangenen, vermuteten Ereignis natürlich nicht angemessen. Sowas hätte man diskutieren und aus der Welt schaffen können. Es war kein Grund, einem dafür die Bekanntschaft (eine Freundschaft war es ja nicht) zu kündigen. Zumal wir uns ja über die Ursache selbst einig waren. Wir finden beide dass die privaten Feuerwerke an Silvester verboten gehören.  Es gab ja nicht einmal konträre Meinungen. Schmeisst man wegen sowas eine beginnende Freundschaft (das war es damals für mich) weg? Hat sie vorher schon etwas gesucht, um bei mir etwas zu finden, was ihr den “Grund” gibt, mit mir zu brechen? Es gab voher nichts. Wir trafen uns ein paarmal und hatten echt nette Abende / Nachmittage verbracht. Hatte auch sie schon insgeheim eine Verfallszeit unserer Bekanntschaft eingeplant? Oder war ihr der Kosten/Nutzen Faktor einer Reklamation zu gering, weshalb sie mich als unrentabel einstufte?

Sie war vermutlich so gekränkt von meiner Vermutung, dass sie durch ihre Panik die Tiere anstecken könnte, dass sie nichts mehr in diese Bekanntschaft investieren wollte. Ich war für sie ein Paar nicht wasserdichte Stiefeletten. Eine Reparatur zu aufwendig und ungewiss, ob sie hält. Sowas wirft man besser gleich weg.

Ich tu mich schwer, mit dem “Wegwerfen” von Menschen – selbst dem Verschrotten von Schuhen stehe ich sehr skeptisch gegenüber(oh, ich meine selbstverständlich dem Vernichten von Schuhen. ich wurde massiv darauf hin gewiesen, dass nur Autos verschrottet werden, nicht jedoch andere Gegenstände…).

Ich bin mir sicher, dass ich es nicht fertig bringen könnte, jemand zu ghosten. Ich denke auch, dass das schon ein soziopathisches Verhalten ist. Selbst wenn wir uns vorher schon ein paarmal in die Haare bekommen hätten (was nicht der Fall war) wäre das Ghosting maßlos übertrieben gewesen. Für so einen Schritt müsste bei mir schon sehr viel mehr passieren, wie eine Mutmaßung über irgendein Verhalten. Dafür müsste der Mensch schon etwas wirklich Abscheuliches tun. Alles andere läuft bei mir unter “Kann aus der Welt geschafft werden”.

Vielleicht sollte ich aber auch andere Regeln aufstellen und Grenzen setzten. Ich verzeihe allen viel zu schnell und lass mir viel zu viel gefallen. Ich lasse mich immer viel strenger “bewerten”, “beurteilen” und “verurteilen” wie ich es bei anderen tue. Es wird mit ganz anderen Maßen gerechnet. Ich mache mir um Andere viel zu viele Gedanken und zerbreche mir den Kopf um solche Geschichten, wie die oben beschriebene Geschichte. Ich bin mir recht sicher, dass sich die gute Frau da schon lange keinen Gedanken mehr drum macht. Auch ich werde mir vornehmen, mich viel weniger um andere zu scheren und was die wohl denken oder fühlen könnten. Ich muss der wichtigste Mensch in meinem Leben sein und ich muss an erster Stelle kommen. Davon bin ich leider noch Dimensionen entfernt, aber ich werde daran arbeiten.

Also, wenn Ihr meine Klamotten nicht mögt, oder mein Styling – is mir doch wurscht! Mir gefällt es, also haltet den Rand! Ich finde Eure Fummel auch nicht toll, aber das ist ja Euer Bier. Ich würde Euch das nicht ins Gesicht sagen, sondern denke mir meinen Teil, denn die Gedanken sind noch immer frei. Ich hab keinen Bock mehr drauf, alles was ich sage, tue, denke und fühle von anderen auf die Goldwaage legen zu lassen. Ich bin zu alt für diesen Scheiß! Wenn Ihr beleidigt seid, seid beleidigt. Wenn Ihr eingeschnappt seid, seid eingeschnappt und schnappt meinetwegen wieder aus. Not my business! Ihr mögt es nicht, wenn ich mich mit XY treffe? Pff drauf gesch… ich mag mich aber mit XY treffen! Ihr seid nur stolz auf mich, wenn ich mich so verhalte, wie es erwartet wird und mich dafür bis zur Unkenntlichkeit verbiegen muss?  Dann seid gefasst auf den Tag, wo ich es endgültig satt haben werde, Eure Erwartungen zu erfüllen, denn dieser Tag ist nah. Ihr wollt mich ghosten? Tut das, vermutlich ist es das Beste, was mir passieren kann. Ihr mögt mich mich nicht mehr, weil ich mich nur noch pflanzlich ernähre? Ach f… Euch doch!

 

Mangelnde Zivilcourage meinerseits

Gestern bekam ich einen Anruf von einer “Dame”, die ich nicht persönlich kenne. Ihr Ruf jedoch eilt ihr sehr weit voraus. Sie ist als arrogant, anmassend und sehr überheblich bekannt. Es gab vor ein paar Monaten schon mal einen Vorfall der unschönen Art mit ihr.

Die Dame hatte über mich im August Theaterkarten erhalten, die ich nicht nutzen wollte, weil ich nun mal eine Kulturbanausin bin.

Nun, mehr als drei Monate später, rief mich die Frau an, um sich darüber zu beschweren, welch schlechten Plätze sie von mir bekommen hätte. Sie und ihr Mann hätten sich bei den eingeladenenen Bekannten, die noch mit ihnen dabei waren, so für diese Plätze geschämt. Meine Frage, was denn so schlimm an diesen Plätzen gewesen wäre wurde mit der Aussage “Vor uns saßen ganz furchtbare Gestalten” beantwortet. Ich sagte ihr, dass ich auf das Kartenkontingent des Theaters nur bedingt Einfluss hätte und natürlich nicht wissen konnte, wer sich um sie herum platzieren würde. Ich fragte, ob sich diese Leute denn irgendwie daneben benommen hätten. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch an vielleicht betrunkene Menschen, die herumgenörgelt hätten, oder Choleriker oder was weiss ich… aber die Dame sprach etwas wirklich Abscheuliches aus. Sie sagte “Das war eine Gruppe Behinderter und die hatten Taschen mit Plüschtieren dabei. Es war eine einzige Zumutung für uns, hinter diesen Kreaturen zu sitzen”.

Ganz ehrlich, ich war sprachlos. Ich sagte reflexartig “Dann müssen Sie halt nächstes Mal Karten in der ersten Reihe kaufen , dann sitzt niemand mehr vor Ihnen”.

Als ich aufgelegt hatte, regte ich mich über mich selbst auf. Warum hatte ich dieser furchtbaren Person nicht gesagt, dass es mir millionenmal lieber gewesen wäre, neben behinderten Menschen zu sitzen als neben Leuten wie ihr. Dass sie die “Kreatur” ist. Das “Monster”. Das sie eine “unmögliche Gestalt” ist. Doch ich sagte nichts davon. Warum habe ich dieser impertinenten Trulla nicht die Meinung gegeigt? Weil sie uralt ist und Hopfen und Malz verloren gewesen wäre? Teilweise vermutlich ja. Aber es hätte trotzdem nicht geschadet, der Alten mal gehörig die Meinung zu sagen!

Hatte ich Angst vor der Auseinandersetzung? Ja vermutlich auch. Ich bin seid Jahren darauf gedrillt, zu solchen Menschen freundlich zu sein und keine Gegenworte zu sagen. Ich wurde darauf konditioniert, immer “Gute Miene zum bösen Spiel zu machen”. Bin ich schon so kompromissbereit, dass ich meine Meinung herunterschlucke um des lieben Friedens willen?  Ich handelte irgendwie wie im “Autopilot”. Ich bin es leider so gewohnt, unverschämte, komplett unangebrachte Kommentare zu ignorieren, damit die Harmonie aufrecht gehalten wird, dass ich es vermutlich verlernt habe, diesen Menschen die Stirn zu bieten. Das muss sich wieder ändern.

Ein Bekannte sagte kürzlich  “Die müssen wir aussitzen, aber sie sind zum Glück so alt, dass das nicht mehr lange sein wird”.

Wer weiß, vielleicht wird die Frau und Ihresgleichen noch über 100 und wir haben sie noch lange  an der Backe, wenn sie nicht vorher an ihrer eigenen Bosheit erstickt.

Ich wünsche Ihr noch viele Leben zum Abtragen des von ihr angesammelten schlechten Karmas. Egal wie lange die noch lebt – solche Leute sind kein Umgang für mich. So eine schimpft sich “Society Lady”. Was für eine Society denn? Die Liga der aussergewöhnlich boshaften alten Weiber? ” Der Club der Teufelinnen”? “Das Krampfadergeschwader des Bösen”?  “Bösartige Menschen e.V.”? Ich wette, sie wäre in all diesen Clubs die Vorsitzende!

Für sie gibt es in meiner Heimat einen passenden Begriff: SCHRECKSCHRAUBE!