Corona verstärkt, was vorher schon da war

Im Guten, wie leider auch im Schlechten. Das sind meine Beobachtungen nach über einem Jahr Pandemie.

Menschen, die vorher schon Neigungen zu Stoffeligkeit, Eigenbrödlertum und Narzissmus hatten, haben diese nun verstärkt. Leute, die vorher schon echt schräg waren, sind nun noch schräger. Diejenigen, die echt keine gute Kinderstube hatten, sind noch weniger wohl erzogen geworden (nett umschrieben). Corona wirkt wie ein Verstärker oder fallen uns all diese Dinge jetzt nur mehr auf, weil wir seltener mit diesen Personen in Kontakt sind? Waren sie womöglich schon immer so, aber im Trubel des normalen Alltags ging es mehr unter? Nein, ich glaube nicht, ich bin mir fast sicher, dass die Leute schräger werden und sich immer seltsamer verhalten.

Mir fällt es beim Spazierengehen auf. Ich habe mal bewusst alle Leute mit einem freundlichen Lächeln und einem netten “Hallo” gegrüßt, doch nur etwas 30 % haben zurück gegrüßt. Davon nochmal ungefähr 10 % eher mürrisch und widerwillig. Nur 20 % haben mich ebenfalls freundlich zurück gegrüßt.

Die Menschheit wird hoffentlich nicht asozial durch das ganze social distancing. Vielleicht müssen wir wieder lernen, wie es ist, menschlich zu sein, wenn die ganze Scheisse vorbei ist.

Ein unerklärliches Phänomen

Vergangene Woche habe ich meinen Katzenkinder Spielzeug mit getrockneter Minze bestellt. Es waren 8 solcher Kissen:

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Unerklärlicherweise verschwanden die anderen 7 spurlos. Nur eines ist übrig geblieben. Ich habe unter dem Sofa und unter den Schränken danach gesucht, aber sie blieben verschollen. Wenn wir irgendwann mal neue Möbel bekommen, werden sie vermutlich wieder irgendwo auftauchen, aber bis dahin sind sie im Katzenspielzeug-“Bermudadreieck” verschwunden.

Oder landen die Teile im gleichen Universum wie verschwundene Socken oder Haargummies? Ich hatte bei dem Katzenspielzeug extra Leuchtfarben ausgewählt, aber auch das hat nichts genützt.

Lämmchen knuddeln

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Gestern war ich auf dem Lebenshof von Freunden zum Lämmchen kuscheln. Die Freunde hatten letztes Jahr einen Schafbock gerettet, ihn selbstverständlich verantwortungsbewusst kastrieren lassen, jedoch ging die OP schief, was zunächst unbemerkt blieb. Erst als im Dezember die ersten Lämmchen geboren wurde, lag der Verdacht nahe, dass hier was nicht so richtig funktioniert hatte. Der Bock hatte gleich mehrere Schafdamen geschwängert und an Ostern wurden diese beiden Lämmer geboren. Die Mama kann keine Milch geben, weshalb die süssen vier mal täglich mit der Flasche gefüttert werden müssen. Ich dufte gestern eines der Lämmer füttern und danach mit den Süssen knuddeln. Es war echt toll.

Bei der Gelegenheit besuchte ich natürlich auch unser Patenkind Giovanni:

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Der süsse Schatz kam sofort angerannt, als ich ihn rief. Ich bilde mir ein, dass er mich erkennt. Auch er hat sofort mit mir gekuschelt und mich beschmust.

Der Hof der Freunde ist kein Bauernhof, sondern ein Lebenshof. Alle Hofbewohner, die dort Zuflucht finden, dürfen glücklich umhegt und umsorgt leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Kein Tier wird dort “genutzt”. Sie dürfen einfach sein. Ich wünschte, jedes Tier auf der Welt könnte so leben, wie Giovanni und die Lämmchen Jule und Janik.

Sozialkontakte wurden durch Seriencharaktere ersetzt

Nach einem Jahr Kontaktbeschränkung und mehr oder weniger gelockerten Lockdowns habe ich meine Sozialkontakte weitgehend gegen Seriencharaktere eingetauscht.

Ich verbringe meine Zeit nun mit den Beforeigners, dem Resident Alien, den Truth Seekers und ich war mit Emily in Paris und auf dem Oktoberfest 1900 war ich auch. Ich habe nicht nur Sozialkontakte durch Seriencharakter ersetzt, sondern auch das Reisen. Ok, in letzterem Fall wohl das Zeitreisen.

So schön das Netflixen, Primen etc auch ist, so langsam wäre es echt schön, meine Freunde wieder zu treffen. So richtig treffen, nicht auf Feld und Flur mit 3m Abstand, sondern bei uns im Garten, mit Pizza oder im Biergarten, in einem Restaurant oder unserer Lieblingsbar. Ich möchte mich mal wieder sinnlos besaufen und total blödes Zeug reden. Wie an einem Abend im Herbst vor drei Jahren, als wir in einer griechischen Bar den einen oder anderen Wein und vor allem Ouzo zuviel getrunken hatten und stockbesoffen mit dem Kinderkarussell fuhren. Das war ein richtig lustiger und abgedrehter Abend.

Ich sehne mich nach Party, nach auf dem Tisch tanzen, nach laut und falsch die Songs mitgrölen. Ich möchte wieder mal so einen Abend wie im Januar 2018, als wir beinahe Hausverbot in einer Kneipe bekamen, weil der Barkeeper extrem von unserem Gelächter genervt war.

Wonach ich mich eigentlich sehne – und ich vermute mal auch der überwiegende Teil der Menschheit – ist Leichtigkeit und Sorglosigkeit.

Vielleicht folgt auf die Schwere auch wieder eine “Goldene Zeit”, wie vor 100 Jahren nach der Spanischen Grippe. Allerdings wissen wir auch, was auf die angeblich so goldenen Zwanziger folgte. Hoffen wir, dass wir doch aus der Geschichte gelernt haben. Es macht mir jedoch Angst, weil die derzeitige Situation die Gesellschaft spaltet. In 10 Jahren wissen wir vermutlich mehr. Hoffen wir, dass wir nicht in einer dystopischen Zukunft landen.

Das kann man doch mal verwechseln

Eine Polizeistreife hielt mich an. Fahrzeugkontrolle. “Zeigen Sie Ihren Führerschein und Ihre Fahrzeugpapiere”. Ich war – ohne Grund – nervös und kramte die gewünschten Dokumente aus meinem Geldbeutel und gab sie dem Beamten. Er warf einen Blick darauf und sagte “Wollen Sie mich verarschen?” Ich wusste nicht, wovon er sprach und antwortete wahrheitsgemäss “Das liegt mir fern”. Er wurde wütend und sagte laut “So eine unglaubliche Frechheit, geben Sie mir sofort Ihren Fahrzeugschein! Hier haben Sie Ihren Blödsinn wieder”. Erst in diesem Augenblick erkannte ich, dass ich dem Herrn anstatt des Fahrzeugscheins mein Bonusheft vom Zahnarzt ausgehändigt hatte. Ich fing an zu lachen und konnte nicht mehr aufhören. Er kam sich noch veräppelter vor und schrie mich an “Wenn ich nicht sofort den Fahrzeugschein bekomme, können Sie gleich mit aufs Revier” und ich lachte noch lauter. Mir tat der Bauch und die Kiefermuskeln weh, so sehr lachte ich. Letztendlich fand ich in letzter Sekunde den Fahrzeugschein. Er studierte ihn und meinte nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich weiter fahren könne. Meine Mitfahrer kommentierten das Ganze mit “Das kann echt nur Dir passieren”. Ich finde, dass man das leicht verwechseln kann und ein anderer Polizist hätte wahrscheinlich auch gelacht.

Back to the hair roots

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Letzten Montag habe ich meine Haare gefärbt und sie sind diesmal dunkler geworden, als ich es beabsichtigt hatte. Eigentlich sollten sie rehbraun werden, doch sie wurden schokobraun. Zuerst bin ich erschrocken, aber ich muss sagen, inzwischen gefällt es mir richtig gut. So ungefähr war glaub mal meine Naturhaarfarbe. Ich weiss es offen gesagt gar nicht mehr, weil ich die Haare schon seit über 25 Jahren färbe. Ich hatte schon mit Ende 20 die ersten grauen Haare. Ich bin also letzte Woche unbeabsichtigt zurück zu meinen Haarwurzeln gekommen. Mit jedem Tag gefällt mir die dunkle Haarfarbe besser. Ich bin wieder mehr “ich”. Es kann gut sein, dass ich sie mal wieder heller haben möchte, aber momentan sind sie dunkelbraun genau richtig.

Die vegane Haarfarbe, die ich mir immer aus England bestelle, hat jedoch glaub die Rezeptur geändert. Nachdem ich die Haare frisch gefärbt und gewaschen hatte, sah ich aus wie Pechmarie. Irgendwie hatten die Haare einen öligen Film. Es half nur Mehl in die Haare schmieren und auskämmen. Dadurch wurde das Öl gebunden und die Haare sahen wieder normal aus.

Wenn ihr mal – aus welchen Gründen auch immer – ölige Haare habt, ist Mehl wirklich eine Allzweckwaffe. Einfach einen Tee- oder Esslöffel Mehl (je nach Art des Desasters) in die Haare schmieren (am besten in der Dusche oder Badewanne – ich mache das immer Kopfüber) und die Haare durchkämmen. Danach kann man das Mehl, welches das Öl gebunden hat, einfach mit Wasser in den Ausguss spülen.

Eine Freundin von mir hatte mal in einer Frauenzeitschrift den “Tipp” gelesen, dass Niveacreme gut gegen Spliss wäre. Sie hatte sich deshalb großzügig den Inhalt der blauen Dose in die Haarspitzen geschmiert. Sie sah aus, wie nach einem Ölwechsel, selbst nach 20 Haarwäschen noch. Damals wusste ich das mit dem Mehl noch nicht und sie musste ewig warten, bis die Pampe endlich wieder aus dem Haar herausgewaschen war. Ich bin selbst einmal darauf gekommen. Ich hatte versehentlich in der Küche eine Flasche Öl herunter geworfen. Wasser hilft da nicht viel. Katzenstreu jedoch sehr. Als ich dann kurze Zeit später zu viel Haaröl erwischt hatte, wollte ich mir kein Catlitter in die Haare streuen und versuchte es mit Mehl. Ich hatte einen durchschlagenden Erfolg. Mehl hilft übrigens auch, wenn Ihr Eure Haare nur auffrischen wollt oder mehr Volumen möchtet. Wenn Ihr keinen Bock habt, die Haare zu waschen, ist Mehl ein günstiges, umweltfreundliches “Trockenshampoo”. Manchmal sind die Haare nach der Mehlbehandlung sogar schöner, als frisch gewaschen. Ich benutze Bio-Dinkelmehl. Für blonde Haare würde ich vielleicht ein helles Mehl empfehlen, aber das kann man ja ausprobieren. Ein Beutel Mehl hält ewig und kostet nicht viel und enthält keine Chemie. Es gibt dem Haar Volumen und Frische. Wichtig ist nur, es wieder gut auszukämmen. Mir ist es schon passiert, dass ich morgens meine Haare mit Mehl aufgefrischt habe und vergass, einen Teil wieder auszubürsten. Ich war an dem Tag noch sehr fertig, schlaftrunken und nicht ganz fit. Deshalb vergaß ich, es ganz auszukämmen und ging mit mehligen Haaren aus dem Haus. War nicht so prickelnd, aber zum Glück ging es gut ausschütteln und ich bemerkte es, bevor ich unter Menschen kam.

Ich kann Mehl als Haarpflegemittel uneingeschränkt empfehlen, wenn man nicht gerade eine Mehlallergie hat.

Es ist mal wieder soweit

Es ist an der Zeit für eine weitere absurde Geschichte aus meinem Leben. Es ist schon mindestens 20 Jahre her und deshalb verjährt und ich kann darüber berichten.

Es war einmal eine Frau, die sehr eifersüchtig auf mich war, weil ich mit ihrem Freund befreundet war. Die Eifersucht war völlig unbegründet. Der Typ war nett, gutaussehend, aber absolut nicht mein Typ. Zudem war ich zu der Zeit auch liiert.

An einem lauen Sommerabend geschah dann der Eklat. Es war auf einem Dorffest in der Gegend und ich hatte schon einige Gläser Erdbeerbowle intus und musste echt mega dringend aufs Klo. Der Toilettenwagen stand etwas abseits und um dort hin zu gelangen, musste man an den gesamten Biertischgarnituren vorbei. Ich lief eiligen Schrittes in diese Richtung, als ich plötzlich ein “Hey Margit, warte mal” hörte. Auf der rechten Seite sass der Freund, dessen Freundin so eifersüchtig war. Sie saß wohl links, aber da ich von Geburt an auf dem linken Auge sehr fehlsichtig bin, sah ich sie nicht. Ich grüßte freundlich und meinte dann “Sorry, ich habs gerade eilig”. Deutlich entspannter kam ich vom Örtchen zurück, als mich diesmal sie auf meinem Rückweg aufhielt und zwar mit einem lautstarken “Du blöde Schlampe redest nur mit meinem Freund und ignorierst mich komplett”. Ich war erst einmal perplex und versuchte dann ihr die Situation zu erklären, aber sie war überzeugt von meiner Ignoranz ihr gegenüber. Ihr Freund versuchte sie zu beschwichtigen und auch ein Bekannter sagte ihr, dass sie sich da was einbildet, aber sie schrie mich weiter an.

Ich fuhr am nächsten Tag zu ihr und versuchte nochmals, mit ihr zu reden. Damals war ich extrem harmoniesüchtig, noch schlimmer als heute. Ich konnte es nicht ertragen, dass das Mädchen mich offensichtlich hasste, doch sie wollte nicht mit mir reden und knallte mir die Tür vor der Nase zu.

Am nächsten Tag erzählte ich die Geschichte einem Kollegen, der mir zu der Zeit sehr nahe stand. Ich grübelte so darüber nach, was ich unternehmen könnte, als mein Kollege in der Frühstückspause gerade die Kleinanzeigen aus der Lokalzeitung vorlas und in mir keimte eine Idee. Am nächsten Tag hatte ich einen ausgeklügelten Text verfasst: “Liebe *Sabine*(der Name und die Umstände wurden von mir selbstverständlich geändert), es tut mir sehr leid, wenn ich Dich in H. verletzt haben sollte. Lass uns Freunde sein. Liebe Grüße M. aus C.”

Die Kleinanzeige erschien eine Woche später. Ich hatte meinem Kollegen davon erzählt und er meinte noch so “Margit, Du spinnst. Die kann Dir doch gestohlen bleiben”, aber ich wollte nicht,, dass sie wegen mir so sehr litt. Ich wollte das aus der Welt schaffen. Eine Woche später erschien eine Kleinanzeige, die mir mein Kollege unter schallendem Gelächter vorlas: “Lieber M. aus C., ich liebe Dich noch immer. Deine S. aus H.” Gequirlte Scheisse! Da hatte sich jemand gänzlich anderes von meiner Kleinanzeige angesprochen gefühlt. Die Redaktion der Zeitung lag nur unweit meiner Arbeitsstätte und ich rannte regelrecht dort hin und gab folgende Annonce auf: “Ich M. bin weiblich und ich meinte S. aus H. und es geht nicht um eine Beziehung, sondern ich wollte S. nur was erklären”. Zwei Tage später erschien: “Ich Mario, männlich aus C. liebe auch S. aus H. noch immer”. Mein Kollege sagte “Hey, jetzt hast Du unbeabsichtigt zwei wieder zusammen gebracht”.

Ich gab keine Anzeige mehr auf, sondern hängte bei Sabine ein kleines Plüschtier, wie man es früher an Rückspiegel gehängt hat, mit dem Zettel: “Bitte verzeih mir” dran. Der muss aber wohl weg geweht worden sein, denn Sabine erzählte überall, dass sie einen unheimlichen Verehrer hätte, der ihr Auto mit Plüschtieren dekoriert hätte.

Ich gab nie wieder Kleinanzeigen auf und ich habe auch niemals mehr ein Plüschtier auf ihr Auto gelegt. Ich gab meine Harmoniesucht ihr gegenüber auf. Es sollte offensichtlich nicht sein, dass sie mir wohlgesinnt war. Seltsamerweise oder besser gesagt logischerweise verschwand ihre Eifersucht daraufhin und wir verstanden uns ab diesem Zeitpunkt nicht superprächtig, aber immerhin so, dass sie mich nicht nochmals anschrie.

Mein neuer Freund

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Dieses Eichhörnchen begegnet mir seit einiger Zeit morgens auf dem Weg zur Bushaltestelle. Leider sind diese putzigen Gesellen vom Aussterben bedroht. Umso mehr freue ich mich jedes Mal, wenn ich eines sehe. Das Bild wurde mit dem Handy gemacht, daher ist die Bildqualität nicht optimal. Ich hoffe, es eines schönen Tages gestochen scharf mit der Spiegelreflex fotografieren zu können.