Selbstportrait

Gestern habe ich ein Porträt von mir selbst gemacht, mit meiner Canon, Stativen, Lampen und dem Selbstauslöser. Das lief dann so ab: Ich stellte den Timer für den Selbstauslöser, rannte rüber zum Set, nahm meine Brille ab (vorher brauche ich sie, sonst sehe ich nix), setze mich in Pose und versuche nicht ganz so belämmert auszuschauen. Das beste Ergebnis (von circa 30 Bildern) seht ihr hier:IMG_8744_ppNatürlich wurde es von mir noch bearbeitet. Die Haut wurde entfaltet, die Pickel abgedeckt, die Augen geschärft, die Wimpern verlängert und ich habe die Tonwerte des Bildes angepasst. Gekleidet bin ich übrigens komplett in Zeugs vom Flohmarkt. Den Rock habe ich für € 4,00 erstanden, das weisse Top für € 2,00 und das Jäckchen für € 3,00. Das gesamte Outfit hat mich also nur € 9,00 gekostet.

Sei wie Du bist

Gestern stand ich morgens vor dem Spiegel und wusste nicht so recht, was ich anziehen soll, doch dann fiel mein Blick auf den braunen Tüllrock, den ich vor drei Wochen auf einem Frauenflohmarkt für € 4,00 erstanden hatte.

Ja ok, zugegeben etwas overdressed aber so what! Ich zog ihn an und als Oberteil ein weisses T-Shirt mit der Aufschrift “Legalized”. Und ja: Ich fiel damit auf. Normalerweise tragen die Kolleginnen in der Branche, in der ich arbeite, kein Prinzessinnenoutfit, weder geschäftlich noch privat. Es ist ein sehr bodenständiger, konservativer Sektor. Gestern dachte ich so bei mir “Scheiss drauf”, das wird jetzt angezogen und Basta.

Ich war noch keine 10 Minuten am Arbeitsplatz, als eine sehr liebe Kollegin mir schrieb “Ich habe Dich heute morgen von Weitem gesehen und Du hast so schön ausgeschaut in Deinem Tüllrock”. Das war so, weil ich mich nicht verbogen hatte, sondern ich selbst war. Ich hatte mich nicht angepasst, denn das erwartet auch gar niemand von mir. Ich kann einen Prinzessinnenrock tragen, warum auch nicht.

Ich habe noch einen hellblauen Tüllrock und einen in altrosa mit Stufen. Die hängen auch nicht mehr unnütz im Schrank. Es wird Zeit, dass sie ausgeführt werden. Man ist nicht overdressed, die anderen sind dann halt einfach underdressed.

Grenzen setzen – damit tu ich mich sehr schwer

Vor ungefähr einem Jahr lernte ich im Internet eine ältere Dame kennen, die damals unseren Yoshi adoptieren wollte. Wir haben uns gegen sie entschieden und für seine jetzige Familie, weil mein Bauchgefühl mir damals sagte, dass es nicht passt. Nichtsdestotrotz sind wir in Kontakt geblieben und vor einem halben Jahr bekam sie zwei Katzen aus dem Tierschutz.

Sie schreibt mir seit einem Jahr jeden Tag und es ist ok für mich. Die Frau ist sicher einsam. Alle ihre Verwandten sind verstorben und sie hat nur die Katzen. Nun ist eine der Katzen schwer krank geworden. Es war bekannt, dass sie FIV hat und es jederzeit ausbrechen könnte.

Die Dame rief mich an und bat um seelischen Beistand. Ich hörte zu, aber schon während des Gesprächs spürte ich, dass es mir damit nicht gut geht.Ja, ich verstehe die Frau. Auch ich hatte die letzten Jahre oft Sorge um meine Katzen und leider auch drei Todesfälle. Ich weiss, wie hilflos und verzweifelt es sich anfühlt. Ich kenne die Panik, die aufkommt. Dennoch ist es diesmal nicht meins. Ich will nicht der Seelentröster der Frau sein. Ich kann das nicht. Ich habe momentan gerade genug Kraft und Energie für mich selbst. Ich will keine Fremdenergien. Ich will nicht mitfühlen! Ich bin nicht für die ganze Welt verantwortlich.

Dennoch kommt wieder das Gefühl auf “Aber Margit, Du könntest ihr doch helfen blablabla”. Nein, ich helfe ihr nicht damit, dass ich mit ihr telefoniere. Sie jammert gerne. Nicht falsch Verstehen. Ich kann ihre Situation nur zu gut verstehen und ich weiss, wie sie sich fühlt, doch ich kann daran nichts ändern. Geteiltes Leid ist nicht halbes Leid, sondern doppeltes Leid. Is so!

Ich grenze mich von der Frau ab. Vielleicht macht mich das egoistisch. Mag sein, aber ich kann nicht. Ich will nicht. Ich mag nicht. Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Es tut mir wegen der Katze leid, aber auch an ihrem Zustand würde sich nichts ändern, wenn ich mir das Leid der Frau aufbürden lassen würde.

Auch meine Ressourcen sind begrenzt, sowohl zeitlich, als auch mental. Ich will mich nicht immer um das Zeugs Anderer kümmern. Ich habe genug mit mir selbst zu tun. Oder wie es die Schwaben sagen: Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür, dann ist alles sauber!

Vegan versus tierleidfrei

Als ich vor zwei Wochen auf der Alpaka-Wanderung war, habe ich dort eine Alpaka-Seife gekauft. Ja, ich als Veganerin habe die Seife gekauft. Sie wird aus dem Fell der Alpakas hergestellt.

Alle Tiere sind dort auf der Alpakafarm Familienmitglieder und müssen nichts tun, was sie nicht wollen. Die “Wanderungen”, oder besser gesagt, die Schlendereien, sind so aufgebaut, dass die Menschen sich an die Alpakas anpassen müssen. Wollen die Alpakas fressen, dann bleiben alle stehen und warten, bis sie satt sind. Wollen die Alpakas galoppieren, dann laufen wir nebenher etc. Es wurde uns schon zu Anfang gesagt, dass wir es bitte respektieren sollen, wenn sie nicht angefasst werden wollen. Ich kann das gut nachvollziehen, weil ich immer wieder von weitläufigen Bekannten oder gar fremden Leuten gestreichelt werde mit den Worten “so schön flauschig”: Ernsthaft, das ist mir schon unzählige Male passiert! Erst heute vor einer Woche wieder! Deshalb kann ich die Alpakas nur zu gut verstehen.

Warum ich die Seife gekauft habe? Weil sie zwar nicht vegan ist, aber dennoch tierleidfrei. Die Tiere müssen geschoren werden, sonst ist es viel zu heiß für sie im Sommer. Aus den Haaren werden Produkte hergestellt. Das ist für mich absolut in Ordnung, weil dadurch niemand zu Schaden kommt.

Gänzlich anders sieht es aus, wenn ich mir einen Pullover aus Wolle kaufen würde, wo ich die Herkunft der Wolle nicht nachvollziehen könnte. In den Großbetrieben werden die Tiere (egal ob Schafe oder andere Tierarten) meist nicht gut gehalten und man geht beim Scheren nicht zimperlich mit ihnen um. In Australien z.B. werden bei der Schurr viele Tiere getötet und verletzt. So etwas würde ich nie unterstützen. Das ist nicht tierleidfrei.

Es sind auch nicht alle Produkte, die als vegan gekennzeichnet sind, tierleidfrei. Viele große Kosmetikkonzerne Labeln ihre Artikel als vegan, obwohl sie noch immer Tierversuche durchführen (zwar nicht in Europa, da verboten, jedoch auf anderen Kontinenten, wo es noch erlaubt ist). Das ist dann zwar “vegan” im Sinne von “ohne tierische Inhaltsstoffe”, aber dennoch nicht wirklich vegan, da nicht tierleidfrei.

Ich kenne auch Betreiber von Lebenshöfen, die die Eier ihrer Hühner essen. Sie haben keinen Hahn, weshalb die Eier nicht befruchtet sind und essen sozusagen die “Menstruationsausscheidungen” ihrer Hühner. Die Hühner leben ein gechilltes und glückliches Leben auf einem riesigen Gebiet und stammen in den meisten Fällen aus Legebatterien. Das ist auch nicht vegan, aber tierleidfrei. Ich esse keine Eier mehr, auch nicht solche von wirklich glücklichen Hühnern, weil ich es inzwischen einfach eklig finde. Das Kriterium ist für mich, ob jemand dabei zu schaden kommt, der nicht eigenverantwortlich aus der Situation raus kommt. Also alle Tiere in Abhängigkeitsverhältnissen von Menschen, die durch diese Abhängigkeit verletzt und / oder getötet werden.

Wenn ich meine Katzen bürste und aus dem ausgebürsteten Fell was filze, dann ist das nicht vegan, aber tierleidfrei, weil ich ab und an ihr Fell bürsten muss. Genauso ist es, wenn ich meine Haare kämme und aus den ausgebürsteten Haaren ein Sofakissen vollstopfen würde. Dann hätte ich ein Menschenhaarkissen, aber es hätte nichts Hannibal Lektor mässiges an sich, sondern ich hätte ein “Abfallprodukt” verwertet.

Ich glaube, ich hätte auch kein Problem mit Kuhmilch, wenn man sich bei einer Kuh, die glücklich auf einem Lebenshof lebt und mehr Milch geben würde, als ihr Kälbchen bräuchte, die überschüssige Milch irgendwie verwenden würde, anstatt sie weg zu schütten. Eine Freundin einer Bekannten meines Mannes hat mal ihre eigene Milch zum Kuchenbacken verwendet, weil sie viel mehr Milch gab, als ihr Baby benötigte und sie es schade fand, die abgepumpte Milch wegzuschütten. Sie bekam damals einen gehörigen Shitstorm, als sie erzählte, was für eine Milch sie verwendet hatte. Es kamen Sätze wie “Oh wie eklig” und “Igittt, wie kann man nur”, aber letztendlich ist es nichts anderes als Kuhmilch, nur eben die eigene Spezies. Auch hier sind wir wieder geprägt. Die Milch von Kühen, Schafen und Ziegen ist anscheinend “ok”, aber Menschenmilch ist “Ihhh” und es käme niemand auf die Idee, einen Hund oder ein Schwein zu melken. Es wäre aber exakt dasselbe, nur unsere Indoktrination findet es bei einer Art “normal” und bei der anderen “Bäh”.

Second hand

Seit einigen Jahren bin ich voll die “Flohmarkt”-Tussie, jedoch nur was Klamotten betrifft. Normaler Flohmarkt Krimskrams ist nicht so mein Ding.

In jüngeren Jahren wäre ich niemals auf einen Flohmarkt gegangen oder hätte in einem Second Hand Laden Klamotten gekauft. Dazu war ich viel viel viel zu Etepetete. Alles musste neu sein.

Man muss mir jedoch zugute halten, dass die heutigen Flohmärkte ihren Schmuddelfaktor verloren haben. Es sind eher Lifestyle Events geworden. Vor C. waren wir sogar mal auf einem Flohmarkt in Stuttgart, der wie eine Art Popup Club konzipiert war. Mit DJ, Tanzfläche, Bar und nebenan war ein extra Raum für kleine Snacks. Trendy und hipp. Die Frauenflohmärkte in der Provinz sind inzwischen ähnlich, allerdings mit Obstbechern und Sekt, anstatt DJ und Bar.

In meiner Jugend habe ich Kunden von gebrauchten Klamotten als alternative Hippies angesehen, die nach Patchouli stanken. Noch heute kann ich den Geruch nicht riechen. Ich assoziierte damit Frauen, die unmodernes Zeug in Schichten übereinander trugen und mit Jutesäcken kombinierten und etwas abgeranzt ausschauten.

Heute sind auf Flohmärkten top gestylte Frauen und Mädels und es hat rein gar nichts mehr mit Altkleidersäcken gemein. Nachhaltigkeit ist jetzt zum Glück en vogue.

Ich finde es auch gut, wenn anderer gebrauchter Kram auf allgemeinen Flohmärkten verkauft wird. Nur für mich ist das derzeit nichts. Ich will nicht niemals sagen, weil ich das vor 20 Jahren auch über gebrauchte Klamotten gesagt habe. Vermutlich habe ich einfach zu viele schlechte Filme gesehen. Ich kaufe die Sachen nicht, weil ich fürchte, dass ihnen irgendwas “anhaftet”. Es muss ja nicht gleich ein Fluch sein. Aber auch wenn es “nur” eine  Art energetische Anhaftungen des Vorbesitzers wäre, würde ich das nicht so gut finden. Ich glaube, ich habe tatsächlich zu oft Warehouse 13 gebinget.

Was ist dann der Unterschied bei Klamotten? Bei Kleidung denke ich, dass alle “Fremdenergien” beim Waschen verschwinden. Auch “neue” Kleider wurden vorher schon von verschiedenen Menschen anprobiert und werden selbstverständlich immer gewaschen bevor sie getragen werden. Ich kaufe auch meistens Teile, die wie neu ausschauen und von den Vorbesitzern kaum getragen wurden.

Vergangenen Sonntag war ich mit einer Freundin auf einem generellen Flohmarkt. Es gab sowohl Klamotten, wie auch Krimskrams. Es waren sehr viele Stände, aber die Klamotten haben mich nicht so angesprochen. Es war nicht so, wie auf einem Frauenflohmarkt, wo es nur Fashion gibt. Einige Stände waren ein Fundus für Schätze, wenn man sich damit auskennt. Viele Sammler und Kenner haben dort garantiert Schnäppchen gemacht. Es gab aber auch Stände, da wollte ich erst gar nicht näher schauen, was die haben.

Grundsätzlich habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, dass ich – egal was für tolle Teile die Leute anbieten – nur bei denjenigen kaufe, die mir sympathisch sind. Damit kann auch nichts “Negatives” den materiellen Teilen anhaften. Dies kann durchaus auf alle Lebensbereiche übertragen werden. Trau, Schau, Wem.

Du hast Dich überhaupt nicht verändert

Obiger Satz kann ein Kompliment sein, wenn es ums Aussehen geht, es kann aber auch andeuten, dass man stehen geblieben ist und sich nicht weiterentwickelt hat. Doch muss man sich immer weiter entwickeln? Und hat man sich wirklich gar nicht verändert?

Habe ich mich im Laufe der Jahre verändert? Ja, aber leider oft nicht zum “Guten”. Ich wurde zu angepasst, zu brav, viel zu “nett”. Die letzten 10 Jahre haben mich geprägt. Ich bin lange nicht mehr so unbeschwert und fröhlich wie früher. Es gibt Tage, da bin ich ruhelos und deprimiert. Desillusioniert und traurig. Es gibt oft Momente, da fühle ich mich mitten im Trubel so einsam, wie ein Eremit.

Ich verharre schon zu lange in Strukturen, die mir nicht guttun. Es gibt Bereiche meines Lebens, die endlich anders werden müssen. Ich habe in diese Umstände noch nie hinein gepasst und werde es auch nie, egal wie sehr ich mich verbiege. Es macht mich nur depressiv und mein Selbstvertrauen wird immer mehr vergraben.

Nach aussen hin bin ich fröhlich und ausgelassen, doch in mir ist es oft düster und ich bin umhüllt von Melancholie. Mein Verstand weiss, dass das nur chemische Disharmonien in meinem Körper sind, die mein exorbitant hohes Alter eben so mit sich bringt, doch das Gefühl ist trotzdem nicht schön. Aber auch dies wird vorübergehen. It’s just a phase.

Alpakawanderung

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Hier ein paar Eindrücke von der heutigen Alpaka-Wanderung. Es war wirklich toll. “Mein” Alpaka hat komplett zu mir gepasst.

Eine Freundin hatte diese “Wanderung” (ich würde es eher gemütliches Schlendern mit Alpakas nennen) als Geburtstagsüberraschung von ihrer Schwester organisiert bekommen. Bis wir auf dem Alpakahof standen, ahnte sie nichts davon. Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich gefreut hat und sie hatte wirklich eine gute Zeit, wie wir alle.

Jeder bekam das für ihn passende Alpaka. Das meiner Freundin war etwas zurückhaltender und lieb, das ihrer Schwester war das führende Leittier und meines war groß und verfressen :-D.