Never look back

In Filmen und Serien ist es oft so, dass die Protagonisten noch an ihren Expartnern hängen oder gar wieder mit ihnen zusammen kommen. Im echten Leben kenne ich nur zwei Fälle, wo das gut ausgegangen ist und es wirklich so war, dass die Paare nach einer Trennung wieder zusammen gefunden haben. Beide waren aber nur wenige Monate getrennt.

In den meisten Fällen ist es so, dass die Expartner keine Rolle mehr spielen, es sei denn, man hat gemeinsame Kinder. In diesen Fällen ist man gezwungen weiterhin mit ihnen in Kontakt zu sein. Ich für meinen Teil denke nie an meinen Ex und habe den vergessen, wenn mich niemand an ihn erinnert und das ist vollkommen ok so.

Vielleicht ist es das gleiche mit den “Zurück zum / zur Ex” wie mit dem Ausdruck “Grundgütiger”. Ist schon mal jemand aufgefallen, wie oft in Filmen und Serien “Grundgütiger” ausgerufen wird? Das sagt doch im wahren Leben niemand! Ich jedenfalls kenne niemand der das schon mal gesagt hat, es sei denn er hat Doc Brown aus “Zurück in die Zukunft” zitiert.

Wenn das nächste mal jemand wieder mit seiner / seinem Ex zusammen kommt, werde ich es lautstark mit “Grundgütiger” kommentieren.

Sprachnachrichten

Es gibt Begebenheiten und Situationen, die mich doch daran erinnern, dass ich schon etwas länger auf diesem Planeten lebe. Sprachnachrichten gehören eindeutig dazu. Wenn ich welche erhalte, die mehrere Minuten lang sind, manchmal über 10 Minuten lang, dann habe ich Mühe, mir alle Informationen zu merken und wenn ich dann – ebenfalls mit einer Sprachnachricht – antworte, muss ich mich bemühen, dass ich auf alle angesprochenen Themen eingehe und nichts vergesse. Das setzt mich dann immer unter Druck und manchmal fällt mir hinterher ein, dass ich doch was vergessen habe oder gar einen Namen verwechselt habe. Eine liebe Bekannte schickt mir oft und viele Sprachnachrichten. Bei ihr sehe ich es auch ein. Sie hat ziemlich viel um die Ohren, hat viele Lebewesen zu versorgen, studiert “nebenher” noch und ist Stammkunde bei verschiedenen Tierärzten. Sie schickt mir die Sprachnachrichten entweder aus dem Auto, aus dem Wartezimmer der Tierärzte oder spät nachts, wenn sie dann wirklich mal zur Ruhe kommt. Ein Telefonat wäre mit ihr eher schwierig zu bewerkstelligen.

Als ich die akute RCS hatte und kaum was gesehen habe, war ich auch dankbar für die Möglichkeit von Sprachnachrichten.

Dennoch finde ich Telefonate generell besser. Man kann interagieren und gleich zu den angesprochenen Themen was sagen. Ich muss mir nix merken oder gar aufschreiben. Ich vergesse auch nichts. Es ist nicht so distanziert, als wenn man sich minutenlang einen Monolog anhört. Es entstehen auch weniger Missverständnisse, weil man gleich fragen kann, wenn man etwas nicht richtig verstanden hat.

Telefonate verbinden mehr. Sprachnachrichten sind ok, wenn sie die Ausnahme bleiben oder von Menschen, von denen ich weiss, dass sie aus verschiedensten Gründen nicht so telefonieren können. Prinzipiell bevorzuge ich aber das gute alte Telefongespräch.

Stringent nervend

Es gibt so ein paar Begriffe und Redewendungen, die mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen:

“Stringenz”, “Compliancerichtlinien”, “Arbeitsanweisungen”, “agiles Handeln”, “Das haben wir schon immer so gemacht”, “Das Leben ist kein Zuckerschlecken (bzw. die schwäbische Variante s’Läba isch koi Schlodzar)”, “Wenn wir erst in Rente sind machen wir dies und das” (nur erlebt man diese Zeit oft nicht)”, “Dafür sind wir zu alt”, “Ohne harte Arbeit kommt man zu nichts”, “So ist das eben, daran können wir nichts ändern”, “Was kann ein Einzelner schon tun”, “Man kann nicht alle retten”, “Bundesjugendspiele”, “Zirkeltraining”, “Mindset”… to be continued..

Sei Du selbst

Das ist einfach gesagt. Wenn ich wirklich und wahrhaftig mein “Wahres Ich” rauslasse, würde ich bestenfalls als egozentrisch gelten, schlimmstenfalls in einer Zwangsjacke enden.

Wenn ich mich nicht “zurücknehmen” und auf Konventionen, die “Anderen Leute” und den aktuell gültigen Zeitgeist pfeifen würde, könnte es schon sein, dass ich ab und zu in Ballkleidern oder meinem Rotkäppchenkostüm anzutreffen wäre. Ein Krönchen zur Arbeit und meine Katzenmaske als Mund-Nasen-Schutz wäre durchaus im Rahmen des möglichen. Das wären aber nur Äußerlichkeiten. Gravierender wären die “inneren Werte”. Mein wahres Selbst ist nämlich nicht so zurückhaltend, nett, freundlich und angepasst. Die innere Sau, die ich rauslassen muss, ist aufmüpfig, rebellisch, unangepasst, politisch inkorrekt, oftmals gnadenlos ehrlich, wütend. Die echte Margit ist auch nicht dieses unsichere Wesen, das mir unglaublich auf den Zeiger geht. Ich bin im Grunde nicht so ängstlich und ohne Selbstvertrauen.

Ich bin in einem Alter angelangt, wo die Zeitspanne, die mir noch bleibt vermutlich kürzer ist, als die schon gelebten Jahre. Wenn die Zeit knapper wird, hat das den Vorteil, dass man mehr und mehr das aus seinem Leben eliminiert, was nicht mehr taugt. Ich bin viel kompromissloser geworden als in meinen 20, 30 und auch noch in den 40ern. Mein Harmoniebedürfnis schwindet ebenfalls. Ich muss nicht mehr mit jedem können und es muss mich wahrlich nicht mehr jeder mögen. Ich ecke jetzt gerne mal an und mach mir nicht mehr so einen Kopf darum wie früher. Was raus muss, muss halt ab und zu raus.

Es gibt jetzt auch Phasen, in denen ich nicht nur “Fick Dich doch” denke, sondern es auch sage. Vielleicht ist das so eine Art Superkraft, die ich jetzt habe. Kürzlich fand ich auf Insta einen Spruch: “You will be the most tempted to quit when you are the closest to your calling”. Dann bin ich wirklich sehr nah dran an meiner Berufung, denn ich würde lieber heute als morgen alles hinschmeißen. Vielleicht eines schönen Tages, werde ich Tabula Rasa machen. Ich weiss zwar nicht, wie es danach weiter gehen kann, aber vielleicht muss das Alte und Unnütze erst verschwinden, damit Platz für Neues entsteht. Mein Sicherheitsbedürfnis schwindet ebenfalls und das ist gut so.

Mark Darcy sagt in Teil 1 zu Bridget Jones, dass er sie genau so mag, wie sie ist. Gerade sah ich im Netz einen ebenfalls passenden Spruch dazu: “Wer Dich wirklich mag, mag Dich so, wie Du Biest”.

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Ideocracy is coming soon

Der Film Ideocracy aus dem Jahre 2006 war ursprünglich eine Science-Fiction-Komödie. Als ich ihn damals sah, fand ich ihn auch wirklich lustig. 10 Jahre später sah ich ihn wieder und das Lachen blieb mir im Halse stecken. Die Tendenz ging schon damals in die Richtung der im Film dargestellten Dystopie. Nun, 15 Jahre später, wird der Film immer mehr zur Prophezeiung.

Der Film erzählt die Geschichte von zwei Durchschnittsmenschen, die als Experiment eingefroren werden. Jahrhunderte später erwachen sie aus dem Kryptoschlaf und sind plötzlich die intelligentesten Menschen des Planeten. Weil sich überwiegend die Dummen fortgepflanzt haben, ist die Menschheit extrem verblödet.

Ich fürchte in 20 Jahren hat die Fiction die Realität eingeholt.

 

Energievampire und Narzissten

Es gibt eine Serie in der eine Handvoll Blutsauger zusammen mit einem menschlichen Buttler und einem Energievampir in einer WG leben.

Selbst die blutsaugenden Nachfahren von Dracula fürchten sich vor dem mit den meisten Kräften: Dem Energievampir.

Ich habe es wieder selbst erlebt, wie mächtig, diese leider sehr weit verbreitete Gattung ist. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, in kurzer Zeit gleich mit mehreren Vertretern dieser Zunft in Kontakt zu geraten.

Der eine Energieräuber suchte Aufmerksamkeit heischend nach Bestätigung über WhatsApp Nachrichten dass es ihr so schlecht ginge und dass es so viele schlechte Menschen geben würde, die die Person ausnutzen würden. Der andere Lebenszeitaufsauger laugte mich verbal so aus, dass ich nach dem Gespräch regelrecht depressiv war. Ich fühlte mich elend und leer. Die Person erzählte mir 30 Minuten lang (sich dabei mehrfach wiederholend) nur von Schlechtem, negativen Ereignissen, Niederschmetterndem. Es kam kein einziges positives Thema zur Sprache. Nur Schlimmes, hervorgebracht in einem schnatternden, sich fast überschlagenden Monolog. Der Dritte im Bunde hatte die letzten Jahre ebenfalls noch nie etwas Schönes, Aufmunterndes, Lebensbejahendes zu erzählen. Auch hier ist es immer und immer und immer nur Furchtbares. Ein nie endendes Jammertal.

Einige dieser Leute haben ein schweres Los, keine Frage. Ich kann ihnen aber auch nicht helfen und es hilft auch ihnen nicht, wenn sie nie etwas Gutes zu sagen haben. Geteiltes Leid ist nicht halbes Leid, sondern doppeltes Leid.

Ich will das nicht mehr! Dieses Jahr habe ich nur einen Vorsatz: Diese Menschen so weit es geht aus meinem Leben fern halten und die Kontakte, sofern nicht ganz vermeidbar, auf ein Minimum zu reduzieren.

Das soll natürlich nicht heißen, dass man mit mir nur immer über das unendliche Wolkenkuckusheim und die heile Welt reden darf. Das ganz sicher nicht. Wenn Menschen, die ich mag und die mir nahe stehen schwierige Zeiten durchleben, dann stehe ich es mit ihnen durch. In guten wie in schlechten Zeiten. Das ist auch etwas komplett anderes. Das sind Lebensphasen, die uns alle treffen. Wenn zum Beispiel die Eltern sterben oder wenn es Trennungen gibt, wenn Geldsorgen da sind oder schwere Krankheiten etc.

Was ich mir nicht mehr geben werde, sind diese ewig negativen Menschen, bei denen das keine Phase ist, sondern der einzige Lebensinhalt. Sie suhlen sich in ihrem Elend und Leid und wollen andere mit hinein ziehen. Es gäbe auch durchaus Lösungen für ihre Lebenslage. Sie wollen aber gar nicht daraus heraus kommen. Beziehungsweise, sie haben es objektiv betrachtet ziemlich gut und überhaupt keine Probleme, schaffen aber aus jeder Kleinigkeit ein unlösbares Drama. Das ist die schlimmste Sorte. Die ewigen Jammerlappen über jeden noch so kleinen Scheiss. Ich meine diese Art Mensch, die schon morgens über das Wetter lamentiert und zwar egal ob es zu heiss, zu kalt, zu windig, zu neblig, zu sonnig, zu zu zu zu zu ist. Sie finden immer etwas, über das sie sich künstlich aufregen können und sei es nur der noch offene Deckel am Mülleimer des Nachbarn, der vergessen wurde. Diese miesepetrigen Zeitgenossen regen sich sogar über eine Fliege an der Wand auf.

Dann gibt es noch die Narzissten. Sie sind dem Energievampir sehr ähnlich. Nur agieren sie auf andere Weise. Sie jammern nicht und lamentieren nicht. Sie wollen um jeden Preis im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit. Macht über andere Zeitgenossen ist ebenfalls ein angestrebtes Ziel. Sie geilen sich dadurch auf, dass sie andere runtermachen um selbst besser da zu stehen. Sie spinnen ihrer Intrigen und knüpfen ihre Lügengeflechte nur damit es anderen schlecht geht und ihnen dadurch gut.

Im Grunde sind beide Spezies sehr bedauernswerte Kreaturen. Das ist aber noch lange kein Grund, ihnen meine Lebenszeit und mein Wohlbefinden zu opfern und deshalb müssen sie raus aus meinem Leben! Es wird nicht in allen Bereichen möglich sein, ihnen ganz zu entkommen, aber soweit es möglich ist, werde ich sie verbannen.

Good Bye Arschlochjahr 2020

Nicht nur wegen Corona, sondern hauptsächlich weil wir zwei unserer Katzenkinder an den Tod verloren haben, war 2020 ein Arschlochjahr. Besonders schlimm waren die Monate Mai, Juni und Juli.

Es gibt aber auch Begebenheiten und Geschehnisse, für die ich dankbar bin.

Ich bin meiner besten Freundin unendlich dankbar, dass sie jetzt auch vegan lebt. Ich finde das so toll. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie genial ich das finde. Ich mochte sie natürlich genauso, als sie noch tierische Produkte aß, das ist nicht der Punkt. Jeder Mensch in meinem Umfeld, der vegan lebt, ist für mich ein Stück mehr in die richtige Richtung für die Tiere. Für die Rechte der Rechtlosen, zum Schutz der Schutzbedürftigen.

Ich bin auch dankbar dafür, dass ich mit einer neuen Bekanntschaft das Schweinchen Fräulein Freitag retten konnte und dass daraus eine Freundschaft mit meiner Co-Retterin und auch mit der Betreiberin des Lebenshofs entstand, wo das Fräulein Freitag untergebracht ist.

Ich bin auch dankbar für alle Freunde, die sich trotz Corona – unter Beachtung der geltenden Regeln – regelmässig mit uns getroffen haben und dafür gesorgt haben, dass wir nicht vereinsamen.

Ich bin dankbar, dass dieses Jahr heute endet. Ich wünsche uns Allen ein 2021, dass es wieder zulässt, dass wir uns treffen, umarmen und miteinander feiern können.

Unsicherheiten

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Momentan habe ich wieder Phasen, wo ich mich sehr hässlich fühle. Ich weiss, dass diese Zeiten kommen und gehen. Um sie durch zu stehen, habe ich mir vorgenommen, immer das hervor zu heben, was ich an mir mag. Was ich am Meisten an mir mag, sind meine Augen. Sie sind hier mit viiiiiiel Mascara geschminkt, aber genau so finde ich sie am Schönsten.

Vielleicht ist es mit dem Jahr 2020 wie mit meinen depressiven Zuständen. Auch eine Pandemie wird vergehen. Eventuell nicht gleich in 2021, aber arg viel Schlimmer als dieses Jahr kann es hoffentlich nicht werden.

Doppelleben

Es gibt eine Serie, die heißt “The Pier”. Darin hat ein Mann ein Doppelleben und eine zweite Familie 30km entfernt mit Hund und Tochter. Die Ehefrau weiss davon nichts. Erst als er scheinbar Selbstmord begeht, findet sie es heraus. Mich hat die Serie so genervt und innerlich aufgewühlt. Ich weiss nicht einmal warum. Der Typ war ein Drecksack, aber es ist doch nur eine Serie, warum regt mich das so auf.

Vielleicht weil wir alle eine dunkle Seite in uns tragen? Etwas, das zu so einem Parallelleben fähig wäre? Nein, dazu wäre ich nicht fähig. Das würde mich gänzlich fertig machen.

Ich hatte mal eine Bekannte, die drei Freunde gleichzeitig hatte und nur einer wusste von den Anderen, die restlichen beiden waren ahnungslos. Sie fand nichts dabei. Ich fand es furchtbar den beiden Unwissenden gegenüber. Wenn die alle davon gewusst hätten und es wäre für alle Beteiligten ok gewesen, hätte sie ja meinetwegen treiben können, was immer sie gewollt hätte. Das ist 20 Jahre her. Heute ist sie erzkonservativ und gläubige Katholikin. Von der Hure zur Heiligen. Die hatte früher wirklich alles ausgelebt, was es auszuleben gab und nie “was anbrennen lassen”, wie man so sagt. Vielleicht ist sie deshalb ins gegenteilige Extrem gerutscht. Zu der Zeit gab es ein Lied namens Daisy and her boyfriends. Jedesmal wenn es im Radio kam, musste ich an diese Bekannte denken. Vielleicht brauchte sie wirklich einen Typen, der sie glücklich machte, einen der sie traurig machte, einem mit dem sie lachen konnte. Sie hatte das alles nicht in einer Person gefunden. Gibt es das überhaupt? Eine Person, die alle Bedürfnisse erfüllt? Ja, die gibt es: Man selbst. Niemand sonst kann uns alles geben, ausser wir selbst. Wir müssen uns selbst genug sein, mit all unseren Licht- und Schattenseiten. Mit allen Abgründen und allen Talenten. So wie wir sind. Wenn wir das gelernt haben, müssen wir es nicht mehr bei anderen suchen.

Was die Serie angeht, sie regt mich nach wie vor stark auf, dennoch würde ich gerne wissen, wie es ausgeht, aber ich glaube, ich habe nicht den Nerv mir das 2 Staffeln lang anzutun. Ich kann ja bei Serienjunkie nachlesen, was passiert und wie das Ende ist. Dann ist meine Neugierde befriedigt und ich muss mich nicht mehr darüber aufregen.