Von Sinn und Unsinn

Ich habe gerade Urlaubsabbau und daher viel Zeit. Ich denke ja sowieso immer viel zu viel doch gerade jetzt besonders. Heute möchte ich Euch meine Meinung zu Religionen kundtun. Wer mich gut kennt, weiss, dass ich keiner Religionsgemeinschaft angehöre. Ich bin jedoch keine Atheistin. Ich habe mir quasi meine eigene Religion zusammen gebastelt. Sie hat Anleihen aus den Ideologien des Gene Roddenberry, buddhistische und neopagane Einflüsse und hey, wer kann beweisen, dass die Gottheit kein unsichtbares rosa Einhorn ist.

Eine Freundin erzählte mir mal die Geschichte einer Mutter, die während eines Kindergartenausflugs im Wald Murmeln dabei hatte und ihrer Tochter erklärte, dass die Elfen dort zu finden wären, wo die Murmel hin rollt. Ein früherer Kollege glaubte tief und fest an Familienaufstellungen und dass es sowas wie Erbkarma von ganzen Städten gibt durch traumatische Erlebnisse der Ahnen. Eine frühere Bekannte war felsenfest davon überzeugt, dass sie Ameisen in ihrem Garten dadurch vertreiben konnte, in dem sie telepathisch Kontakt mit dem obersten Ameiserich aufnahm und ihn bat, sein Volk aus ihrem Gelände zu führen und ein neues Zuhause zu suchen.

Natürlich kann man sagen diese Leute und auch ich, die an Einhörner und Feen glaubt, haben gewaltig einen an der Klatsche. Gut möglich. Doch was ist weiter hergeholt. Murmeln, die Elfen aufspüren können oder die Jungfrauengeburt. Ameisenführer, welche die Gedanken von Menschen wahrnehmen können und darauf reagieren oder dass weibliche Haut von oben bis unten bedeckt sein muss, weil das gottgefällig ist. Wer hat mehr ein Rad ab?Wer mag das zu bestimmen.  Was ist unsinniger, zu glauben, dass Wasser in Wein verwandelt werden kann oder dass  Naturgeister um uns sind?  Wer ist “irrer”, diejenigen, die glauben, dass man über Wasser gehen kann oder die, die überzeugt sind, dass ihr Krafttier oder Geistführer ihnen hilft?

Solange man niemand mit seinem Glauben schadet und anderen sein eigenes Weltbild aufzwingen will ist alles erlaubt. Gefährlich wird es erst, wenn die oben erwähnte Mutter von allen Kindern verlangen würde, an Elfen zu glauben und jeder müsste immer Murmeln mit sich tragen und mehrmals täglich damit die Elfenpfade auskundschaften. Oder wenn die frühere Bekannte von allen Menschen erwarten würde, dass sie mit dem Ameisenführer kommunizieren und diejenigen die das nicht tun unwürdig sind und ausgerottet werden müssten.

Drehen jetzt alle langsam durch?

Heute früh lief ich zum Bäcker. Unterwegs kam ich an einem Teich vorbei, wo eine ältere Frau stand, die die Enten mit Brotstücken bewarf und lautstark auf sie einschrie mit “Hau ab” und “Verschwinde”. Anscheinend war eine einzelne Ente Ziel ihres Hasses. Ich beobachtete die Szene aus einiger Entfernung und sah, wie die Ente ins sichere Schilf schwamm.

Ich kannte die Frau. Sie war mir schon mehrfach negativ aufgefallen. Vor einem Jahr versuchte ich nett mit ihr zu reden. Das endete damit, dass sie mich anschrie und beinahe auf mich los ging. Diskussion zwecks Brotfütterung von Enten zwecklos.

Diesmal schaute ich deshalb nur, ob sie den Enten womöglich was antut, aber sie beließ es bei verbalen Ausfällen. Ich lief weiter Richtung Bäckerei, als mir ungefähr 40m davor eine Frau ähnlichen Typs wie die Frau am See entgegen kam. Sie schnauzte mich auf die Entfernung hin an mit “Maskenpflicht!”, was ich mit “im Freien nicht” (hey, mir fällt gerade auf, dass sich das reimt und meinte nicht schon der Pumuckl, dass alles gut ist, was sich reimt, hahahaha) kommentierte. Daraufhin kam ein unfreundliches Genuschel unter ihrer Maske, das sich anhörte wie “Wenn Du was einkaufen willst, musst Du die Maske aufsetzen”. Ich weiss zwar nicht, wie die mir völlig unbekannte Frau sich anmaßte mich zu duzen, doch ich entgegnete ihr “Das lassen Sie mal meine Sorge sein. In der Bäckerei werde ich pflichtgemäss meine Maske tragen”. Sie murmelte noch irgendwas Unflätiges, was ich nicht verstand. Ich dachte mir “Ist hier irgendwo ein Nest mit alten, missgünstigen, unhöflichen alten Frauen???”

In der Bäckerei waren die Menschen zum Glück nett und auch auf dem Nachhauseweg begegnete mir nur ein höflicher alter Mann, der im Freien ebenfalls, wie ich, ohne Maske herum lief und mich freundlich grüßte. Das lies meine Hoffnung in die Menschheit wieder etwas zurück kehren. Es gibt auch noch umgängliche Menschen, die einen nicht schon auf eine große Distanz hin anschnauzen, sondern die einen nett anlächeln. Das hatte ich zuvor bei der griesgrämigen Alten auch probiert… ich denke nicht, dass es an mir lag, obwohl ich manchmal befürchte, eine Art Deppenmagnet zu sein. Ich ziehe offensichtlich Menschen an, die nicht alle Latten am Zaun haben. Ich begegne überproportional oft Leuten, bei denen ganz eindeutig einige Schrauben im Oberstübchen locker sind. Keine Ahnung, was mir das sagen oder zu was das gut sein soll. Vielleicht soll es mir verdeutlichen, dass ich ganz ok bin, so wie ich bin, auch wenn mich so Manche verrückt nennen.

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Das tut man nicht

Ich sah mal eine Trash-Sendung, die hieß “Die dümmsten Arbeitnehmer”. Angestellte wurden heimlich gefilmt und dann in dieser Show bloß gestellt. Eine Szene blieb mir bis heute im Gedächtnis. Zwei Kollegen hatten während des Arbeitens das Radio an und es kam ein Lied, das beiden besonders gut gefiel. Augenblicklich sprangen sie auf den Schreibtisch und fingen an zu tanzen.

“Wie kann man nur”, “So etwas tut man nicht”, “Ein unmögliches Benehmen”. Ich fand es so genial und feierte die Beiden. Es waren meine Helden. Sie hatten alles richtig gemacht. Sie folgten einer spontanen Eingebung das Leben zu feiern und ausgelassen ihr Dasein zu genießen.

Ich bereue nicht erst am Totenbett, sondern schon heute all die Gelegenheiten, wo ich zu sehr darauf geachtet habe “Was man so macht” Wie man sich zu verhalten hat und wie eben nicht”. Ich hätte mich viel öfter nicht den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechend verhalten sollen. Auch ich hätte auf dem Schreibtisch tanzen können.

Vor ungefähr 10 Jahren regnete es an einem extrem heißen Tag und jeder hatte den Regen herbei gesehnt. Ich öffnete das Bürofenster und stieg auf den kleinen Balkon hinaus und drehte mich im Regen. Das war einer der Momente in denen ich komplett in mir ruhte und glücklich war. Die warmen Tropfen auf meiner Haut waren so wunderschön – tja, bis ich die Augen öffnete und sah, dass am Bürogebäude gegenüber die Kollegen schon an den Scheiben klebten und sich offensichtlich das Maul über mich zerrissen. Einige zeigten gar mit dem Finger auf mich. Ich stand damals nicht drüber und würde auch heute noch nicht ausblenden können, dass die “Zuschauer” da sind.

Wenn man es aber genau betrachtet sind es genau die Momente, die das Leben besonders machen, in denen wir aus der Reihe tanzen Wenn wir uns aussergewöhnlich verhalten erhalten wir auch Aussergewöhnliches.

Es waren nicht die “Dümmsten Arbeitnehmer”, sondern die glücklichsten Arbeitnehmer.

Make a wish

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So lange Zeit hatte ich alles versucht doch nichts erreicht. So lange hatte ich gehofft, bis die Hoffnung erloschen war und genau in dem Moment kam der Wandel und mein Wunsch wurde erfüllt. Es ist im Leben immer so, das, was wir uns am meisten ersehnen ist am Weitesten von uns entfernt, das was uns gleichgültig ist oder aber das, wovon wir 100% überzeugt sind gelingt mühelos.

Ich war`s ganz allein

Früher war ich stark vom sogenannten “Magischen Denken” geprägt. Wenn ich mit dem Bus von der Schule heim kam, musste ich schnell aussteigen und zur Brücke rennen, bevor der Bus dort wieder vorbei fuhr. Ich bildete mir ein, dass etwas ganz Furchtbares geschehen würde, wenn ich jemals langsamer als der Bus sein sollte. Zum Glück wurde irgendwann die Bushaltestelle vor den Bachlauf gelegt und ich wurde auch älter und das Irrationale trat in den Hintergrund. Zumindest bis zum Jahr 1989. Es war Ende September und ich war während eines Ausflugs in Berlin und stand vor der Mauer. Ich wünschte mir inständig, dass die Mauer fallen würde und Berlin wieder eine ungeteilte Stadt wäre. Wenige Wochen später ging mein Wunsch in Erfüllung. Ich dachte in meinem jugendlichen Wahnsinn eine Weile ernsthaft, dass ich dies mit meinem intensiven Wunsch ausgelöst hätte. Nun wisst Ihr, wie es wirklich war. Ich war das und nicht der “Hoff”! Hahahha, als ob ich diese Macht hätte. Wenn dem so wäre. würde Die Welt gänzlich anders ausschauen.

Wenn man es aber genau betrachtet: Haben nicht die meisten Religionen, ganz speziell die extremistischen Formen, “Magisches Denken” als Basis? Zu denken, dass Frauenhaar, Knöchel, Knie, Handgelenke oder Schultern, die unbedeckt sind, den Zorn eines Gottes heraufbeschwören ist genauso irre wie zu denken, dass ich Unheil und Elend über uns alle bringe, wenn ich nicht schneller bin als ein öffentliches Verkehrsmittel. Selbst heute noch bringen viele Religionsanhänger ihrem Gott Tieropfer dar. Ich sag nur Osterlamm. Als ob das Töten eines unschuldigen Wesens je etwas Gutes gebracht hätte. Genauso wenig hat das Verteufeln alles Weiblichen die Welt nicht wirklich voran gebracht. Quite the opposite… just saying…

Jammern auf sehr hohem Niveau

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Das bin ich auf unserer Terrasse sitzend. Seit drei Wochen arbeite ich nun im Homeoffice. Es ist ok, aber ich vermisse meine Kolleginnen (nicht alle, aber ein paar wenige schon, hahaha). Den zwischenmenschlichen Austausch, das tägliche Kaffeetrinken und Lachen mit einem Kumpel, ja selbst die Begegnungen im Bus. Ich dachte immer Homeoffice wäre cool, aber ich habe herausgefundenen dass es ziemlich einsam ist.

Ok, nicht ganz einsam. Da sind meine flauschigen Mitbewohner, die täglich mehrfach kontrollieren, was ich den ganzen Tag so arbeite. Heute hat meine kleine Prinzessin ausversehen fast eine Datei gelöscht. Sie sprang leichtfüßig aus dem Stand heraus auf mein Laptop. Sie maunzte mich allerliebst an und ich konnte ihr nicht böse sein. Mein zweitältester Sohn hat letzte Woche auf ähnliche Weise beinahe eine frisch erstellte Agenda ins Nirvana befördert. Aber einen Blick in diese Augen und alles ist vergessen. Anstatt zu schimpfen nehme ich sie in den Arm und knuddele sie.

Mein Mann ist natürlich auch noch da und wenn wir beide telefonieren wird es schon mal laut. Groß ausweichen können wir aus Ermangelung an Tischen auch nicht. Letzte Woche hatte mein Mann einen freien Tag und der jüngste Kater hatte wieder eindeutige Frühlingsgefühle und berammelte den Arm meines Mannes und zwar unter lautstarkem Geschrei. So kann ich nicht arbeiten! Heute dachte ich, ich bin besonders schlau und wollte auf der Terrasse arbeiten, aber ich hatte vergessen, dass die Nachbarskinder Ferien haben. Ausserdem sass die Prinzessin am Fenster und schrie herzerweichend nach mir. Nach 10 Minuten ging ich schnell wieder ins Haus und das kleine Töchterchen war wieder glücklich.

Ich weiss natürlich, das ist wirklich jammern auf allerhöchstem Niveau. Ich kann noch arbeiten und wir sind alle gesund und Familie und Freunde sind auch alle gesund. Soweit also alles im grünen Bereich. Dennoch, ich vermisse Familie und Freunde. Klar kann man skypen und telefonieren und whatsappen, aber es ist nicht dasselbe.

Zumindest trug ich heute wieder normale Klamotten und hatte den Schlafi nur noch nachts an. Geschminkt habe ich mich jedoch nicht, trotz einer Webkonferenz mit zwei Kolleginnen. Sie haben es mir nicht übel genommen.

Smells like teen spirit

Heute ist der 26. Todestag von Kurt Cobain. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich von seinem Tod erfuhr. Ich jobbte damals in einem Fotogeschäft und wir hatten dort immer das Radio laufen. Nirvana war und ist meine Lieblingsband. Die Todesnachricht traf mich damals wie ein Blitz. Obwohl ich Kurt Cobain natürlich nicht persönlich kannte, war ich ehrlich betroffen.

Wo er wohl jetzt ist? Ob er schonl wieder reinkarniert ist?

Zu seinem Gedenken habe ich meine Lieblingslieder angehört: Lithium, Come as you are, Smells like teen spirit. Zeitlos schön.

 

 

Die Kultur von Angst und Kontrolle

So wie es jetzt weltweit im Großen geschieht, so ist es auch ganz oft im Kleinen. Da ist die Abteilung (natürlich rein fiktiv und Ähnlichkeiten mit realen Begebenheiten sind rein zufällig), die ihre Mitarbeiter auf Schritt und Tritt kontrolliert. Eine Umgebung in der eine Kultur aus “Ich darf auf keinen Fall Fehler machen” herrscht und man gerade dadurch erst recht viele Fehler macht. Jeder noch so klitzekleine Fehler wird dann ewig vorgehalten und unter die Nase gerieben – auf immer und ewig.

Ein von mir sehr geschätzter ehemaliger Vorgesetzter sagte einmal zu mir “Ich werde den Teufel tun, Dich zu kontrollieren. Wenn ich Dich ständig kontrollieren würde, würden Dir nur Fehler unterlaufen. Das ist so”.

Er hatte recht. Als ich mit ihm zusammen arbeitete, unterliefen mir auch höchst selten Fehler und wenn, dann fiel es entweder keinem auf oder man sah einfach darüber hinweg oder schmunzelte gar darüber, weil keiner pedantisch veranlagt war.

Es wirkt sich im Kleinen auf die Beteiligten in Form von schlaflosen Nächten, Angstzuständen und Magenschmerzen aus. Oder neurologischen Störungen in Händen und Beinen. Man will nicht mehr dort hin, man will seine Finger nicht mehr dafür rühren.

Das ist jetzt ein banales alltägliches Beispiel über einen ungeliebten Arbeitsplatz. Nichts Gravierendes, nichts was man nicht ändern könnte. Doch was hat es im Großen auf uns als Menschen im Gesamten für eine Wirkung, wenn wir schon im Kleinen solche Reaktionen zeigen?

Es herrscht derzeit Angst. Angst davor, dass geliebte Menschen durch das Virus sterben könnten. Angst, dass die Finanzmärkte zusammen brechen, Angst, dass sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert. Angst, dass der Staat unsere Grundrechte dauerhaft empfindlich beschneidet. Aber nicht nur diese Ängste, sondern auch so Befürchtungen wie “Wann werde ich meine Familie wieder sehen?”, “Wird meine Oma depressiv werden, wenn sie nicht besucht werden darf?”, “Wann werde ich wieder etwas mit Freunden unternehmen können?”.”Wird es die nächsten Jahre wieder eine Zeit geben, wo wir unbeschwert Familienmitglieder und Freude umarmen können?” , “Werden wir nachhaltig ängstlicher und vorsichtiger sein im sozialen Umgang?”

Was wird dieser Virus mit uns machen? Werden wir uns entfremden und wird es noch mehr Nährboden für Fundamentalisten und Faschisten geben? Oder ist es eine Chance, zusammen zu finden, zusammen zu halten und uns als Menschheit weiter zu entwickeln? Werden wir lernen, dass in allem Materiellem weniger mehr ist und dass eine Wirtschaft, die auf immer weitere Gewinnsteigerung basiert keine Option mehr ist. Wir werden sehen. In ein paar Monaten sind wir schlauer. Ich habe noch immer die Hoffnung, dass wir daraus lernen, was wirklich wichtig ist und was zählt und dass wir alles andere aufgeben, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Was könnte die (selbstverständlich komplett fiktive) oben erwähnte Abteilung daraus für eine Lehre ziehen? Dass unwichtiger und pedantischer Firlefanz die Welt nicht untergehen lassen wird, genauso wenig wie ein Virus namens Covid-19.

I`m an alien, I`m a little alien

Ein Kumpel meines Mannes sagte vor ein paar Wochen (als die Welt noch eine andere war) “Ich glaube Du bist ein Alien und wenn irgendwann mal das Mutterschiff kommt und Dich abholt und es kommt groß in den Nachrichten, dann denkt an meine Worte, denn dann werde ich allen sagen, ich habe es schon immer gewußt”

Ich fand das so witzig und lasse das jetzt einfach mal umkommentiert so stehen.

Voll versagt

Es gibt Situationen in denen ich regelmässig komplett versage. Es ist wie früher in der Schule vor Prüfungen. Alles was ich wusste und gelernt hatte, war wie weggewischt. Die Prüfungskommission saß vor mir und ich redete nur unverständliches Kauderwelsch. Die Prüfungskommission steht in diesem Fall als Metapher für andere oft auch alltägliche Begebenheiten.

Seien es Jahresgespräche, Vorstellungsgespräche, Bewerbungsgespräche…  in all dem bin ich einfach nur mega schlecht. Ich  stottere, rede irgendeinen Blödsinn, verhaspele und verheddere mich und ich versaue es. Ich kann mich nicht gut verkaufen.

Ich kann mich an unzählige solcher Geschichten erinnern:

Ich musste einmal eine Schreibmaschinenprüfung ablegen.weil ich irgendwann in der 11. Klasse Physik abgewählt habe, zu Gunsten von “Masch”, wie das Fach bei uns Schülern umgangssprachlich hieß. Ich konnte das recht gut, aber nicht am Tag der Prüfung. Ich war so voller Angst, dass ich mich so verkrampfte, dass ich meine Finger nicht mehr bewegen konnte. Es war, als ob ich Gicht im Endstadium hätte. Ich war unfähig auch nur ein paar Buchstaben zu tippen. Ich hatte – mal wieder – nicht funktioniert.

Bei meiner Prüfung zur fremdsprachlicher Wirtschaftskorrespondentin bekamen wir Prüflinge einen Auszug aus “das Kapital” zum übersetzen. “Ein Gespenst geht um in Europa…”. Dieser Text wurde aus historischen Gründen ausgewählt, weil die Prüfung am 17. Juni stattfand. Es war 1997 und niemand hatte zu der Zeit mit so etwas gerechnet. Dementsprechend hoch war auch die Durchfallquote. Davon war ich zwar nicht betroffen, aber ich musste die wirklich nicht so gute Note mit einer mündlichen Prüfung ausgleichen, was mir zum Glück auch gelang. Damals war ich zwar auch kurz vor einem Blackout, wie sonst immer in Prüfungen, aber ich konnte das Schlimmste verhindern und mich einigermaßen zusammen reißen.

Es folgte ein wirklich massiv peinliches Vorstellungsgespräch vor einigen Jahren bei einer Ventilatorenfirma. Ein Mitarbeiter führte mich während des Vorstellungsgesprächs durch die Produktionshallen und zeigte mir einen großen Ventilator mit den Worten “Haben Sie jemals so einen großen Ventilator gesehen?” und was machte ich? Ich sagte geistesgestört “Ja, so einer ist in der Eingangshalle der Men in Black”. Ich habe noch selten so einen verstörten Blick gesehen… überraschenderweise wurde ich noch zu einem weiteren Gespräch dort eingeladen, das dann noch schräger wurde, aber davon will ich vielleicht ein andermal erzählen.

Was soll ich sagen, ich habe ein Händchen für Fettnäpfchen und wenn ich eines sehe, hüpfe ich rein und suhle mich darin.

Aber war es wirklich im Nachhinein alles so schlimm? Die Maschprüfung konnte ich wiederholen und bestand sie mit gut und heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich sehr schnell im 10Finger System tippen kann. Vor allem wenn ich oft sehen muss, wie manche Kolleginnen und Kollegen im Adler-Such-System unbeholfen auf ihrer Tastatur herumhacken.

Dass die Firma mich nicht eingestellt hat, stellte sich im Nachhinein ebenfalls als Segen heraus. Sie sind inzwischen insolvent.

Vielleicht vergeige ich nicht wirklich etwas, sondern mein Unterbewusstsein boykottiert Geschehen, die mir nicht gut tun würden. Gegen diese Theorie spricht, dass mein Unterbewusstsein dann mindestens einmal massiv versagt hat.