Jammern auf sehr hohem Niveau

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Das bin ich auf unserer Terrasse sitzend. Seit drei Wochen arbeite ich nun im Homeoffice. Es ist ok, aber ich vermisse meine Kolleginnen (nicht alle, aber ein paar wenige schon, hahaha). Den zwischenmenschlichen Austausch, das tägliche Kaffeetrinken und Lachen mit einem Kumpel, ja selbst die Begegnungen im Bus. Ich dachte immer Homeoffice wäre cool, aber ich habe herausgefundenen dass es ziemlich einsam ist.

Ok, nicht ganz einsam. Da sind meine flauschigen Mitbewohner, die täglich mehrfach kontrollieren, was ich den ganzen Tag so arbeite. Heute hat meine kleine Prinzessin ausersehen fast eine Datei gelöscht. Sie sprang leichtfüßig aus dem Stand heraus auf mein Laptop. Sie maunzte mich allerliebst an und ich konnte ihr nicht böse sein. Mein zweitältester Sohn hat letzte Woche auf ähnliche Weise beinahe eine frisch erstellte Agenda ins Nirvana befördert. Aber einen Blick in diese Augen und alles ist vergessen. Anstatt zu schimpfen nehme ich sie in den Arm und knuddele sie.

Mein Mann ist natürlich auch noch da und wenn wir beide telefonieren wird es schon mal laut. Groß ausweichen können wir aus Ermangelung an Tischen auch nicht. Letzte Woche hatte mein Mann einen freien Tag und der jüngste Kater hatte wieder eindeutige Frühlingsgefühle und besammelte den Arm meines Mannes und zwar unter lautstarkem Geschrei. So kann ich nicht arbeiten! Heute dachte ich, ich bin besonders schlau und wollte auf der Terrasse arbeiten, aber ich hatte vergessen, dass die Nachbarskinder Ferien haben. Ausserdem sass die Prinzessin am Fenster und schrie herzerweichend nach mir. Nach 10 Minuten ging ich schnell wieder ins Haus und das kleine Töchterchen war wieder glücklich.

Ich weiss natürlich, das ist wirklich jammern auf allerhöchstem Niveau. Ich kann noch arbeiten und wir sind alle gesund und Familie und Freunde sind auch alle gesund. Soweit also alles im grünen Bereich. Dennoch, ich vermisse Familie und Freunde. Klar kann man skypen und telefonieren und whatsuppen, aber es ist nicht dasselbe.

Zumindest hatte ich heute wieder normale Klamotten an und den Schlafi nur noch nachts an. Geschminkt habe ich mich jedoch nicht, trotz einer Webkonferenz mit zwei Kolleginnen. Sie haben es mir nicht übel genommen.

Smells like teen spirit

Heute ist der 26. Todestag von Kurt Cobain. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich von seinem Tod erfuhr. Ich jobbte damals in einem Fotogeschäft und wir hatten dort immer das Radio laufen. Nirvana war und ist meine Lieblingsband. Die Todesnachricht traf mich damals wie ein Blitz. Obwohl ich Kurt Cobain natürlich nicht persönlich kannte, war ich ehrlich betroffen.

Wo er wohl jetzt ist? Ob er schonl wieder reinkarniert ist?

Zu seinem Gedenken habe ich meine Lieblingslieder angehört: Lithium, Come as you are, Smells like teen spirit. Zeitlos schön.

 

 

Die Kultur von Angst und Kontrolle

So wie es jetzt weltweit im Großen geschieht, so ist es auch ganz oft im Kleinen. Da ist die Abteilung (natürlich rein fiktiv und Ähnlichkeiten mit realen Begebenheiten sind rein zufällig), die ihre Mitarbeiter auf Schritt und Tritt kontrolliert. Eine Umgebung in der eine Kultur aus “Ich darf auf keinen Fall Fehler machen” herrscht und man gerade dadurch erst recht viele Fehler macht. Jeder noch so klitzekleine Fehler wird dann ewig vorgehalten und unter die Nase gerieben – auf immer und ewig.

Ein von mir sehr geschätzter ehemaliger Vorgesetzter sagte einmal zu mir “Ich werde den Teufel tun, Dich zu kontrollieren. Wenn ich Dich ständig kontrollieren würde, würden Dir nur Fehler unterlaufen. Das ist so”.

Er hatte recht. Als ich mit ihm zusammen arbeitete, unterliefen mir auch höchst selten Fehler und wenn, dann fiel es entweder keinem auf oder man sah einfach darüber hinweg oder schmunzelte gar darüber, weil keiner pedantisch veranlagt war.

Es wirkt sich im Kleinen auf die Beteiligten in Form von schlaflosen Nächten, Angstzuständen und Magenschmerzen aus. Oder neurologischen Störungen in Händen und Beinen. Man will nicht mehr dort hin, man will seine Finger nicht mehr dafür rühren.

Das ist jetzt ein banales alltägliches Beispiel über einen ungeliebten Arbeitsplatz. Nichts Gravierendes, nichts was man nicht ändern könnte. Doch was hat es im Großen auf uns als Menschen im Gesamten für eine Wirkung, wenn wir schon im Kleinen solche Reaktionen zeigen?

Es herrscht derzeit Angst. Angst davor, dass geliebte Menschen durch das Virus sterben könnten. Angst, dass die Finanzmärkte zusammen brechen, Angst, dass sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert. Angst, dass der Staat unsere Grundrechte empfindlich beschneidet. Aber nicht nur diese Ängste, sondern auch so Befürchtungen wie “Wann werde ich meine Familie wieder sehen?”, “Wird meine Oma depressiv werden, wenn sie nicht besucht werden darf?”, “Wann werde ich wieder etwas mit Freunden unternehmen können?”.”Wird es die nächsten Jahre wieder eine Zeit geben, wo wir unbeschwert Familienmitglieder und Freude umarmen können?” , “Werden wir nachhaltig ängstlicher und vorsichtiger sein im sozialen Umgang?”

Was wird dieser Virus mit uns machen? Werden wir uns entfremden und wird es noch mehr Nährboden für Fundamentalisten und Faschisten geben? Oder ist es eine Chance, zusammen zu finden, zusammen zu halten und uns als Menschheit weiter zu entwickeln? Werden wir lernen, dass in allem Materiellem weniger mehr ist und dass eine Wirtschaft, die auf immer weitere Gewinnsteigerung basiert keine Option mehr ist. Wir werden sehen. In ein paar Monaten sind wir schlauer. Ich habe noch immer die Hoffnung, dass wir daraus lernen, was wirklich wichtig ist und was zählt und dass wir alles andere aufgeben, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Was könnte die (selbstverständlich komplett fiktive) oben erwähnte Abteilung daraus für eine Lehre ziehen? Dass unwichtiger und pedantischer Firlefanz die Welt nicht untergehen lassen wird, genauso wenig wie ein Virus namens Covid-19.

Voll versagt

Es gibt Situationen in denen ich regelmässig komplett versage. Es ist wie früher in der Schule vor Prüfungen. Alles was ich wusste und gelernt hatte, war wie weggewischt. Die Prüfungskommission saß vor mir und ich redete nur unverständliches Kauderwelsch. Die Prüfungskommission steht in diesem Fall als Metapher für andere oft auch alltägliche Begebenheiten.

Seien es Jahresgespräche, Vorstellungsgespräche, Bewerbungsgespräche…  in all dem bin ich einfach nur mega schlecht. Ich  stottere, rede irgendeinen Blödsinn, verhaspele und verheddere mich und ich versaue es. Ich kann mich nicht gut verkaufen.

Ich kann mich an unzählige solcher Geschichten erinnern:

Ich musste einmal eine Schreibmaschinenprüfung ablegen.weil ich irgendwann in der 11. Klasse Physik abgewählt habe, zu Gunsten von “Masch”, wie das Fach bei uns Schülern umgangssprachlich hieß. Ich konnte das recht gut, aber nicht am Tag der Prüfung. Ich war so voller Angst, dass ich mich so verkrampfte, dass ich meine Finger nicht mehr bewegen konnte. Es war, als ob ich Gicht im Endstadium hätte. Ich war unfähig auch nur ein paar Buchstaben zu tippen. Ich hatte – mal wieder – nicht funktioniert.

Bei meiner Prüfung zur fremdsprachlicher Wirtschaftskorrespondentin bekamen wir Prüflinge einen Auszug aus “das Kapital” zum übersetzen. “Ein Gespenst geht um in Europa…”. Dieser Text wurde aus historischen Gründen ausgewählt, weil die Prüfung am 17. Juni stattfand. Es war 1997 und niemand hatte zu der Zeit mit so etwas gerechnet. Dementsprechend hoch war auch die Durchfallquote. Davon war ich zwar nicht betroffen, aber ich musste die wirklich nicht so gute Note mit einer mündlichen Prüfung ausgleichen, was mir zum Glück auch gelang. Damals war ich zwar auch kurz vor einem Blackout, wie sonst immer in Prüfungen, aber ich konnte das Schlimmste verhindern und mich einigermaßen zusammen reißen.

Es folgte ein wirklich massiv peinliches Vorstellungsgespräch vor einigen Jahren bei einer Ventilatorenfirma. Ein Mitarbeiter führte mich während des Vorstellungsgesprächs durch die Produktionshallen und zeigte mir einen großen Ventilator mit den Worten “Haben Sie jemals so einen großen Ventilator gesehen?” und was machte ich? Ich sagte geistesgestört “Ja, so einer ist in der Eingangshalle der Men in Black”. Ich habe noch selten so einen verstörten Blick gesehen… überraschenderweise wurde ich noch zu einem weiteren Gespräch dort eingeladen, das dann noch schräger wurde, aber davon will ich vielleicht ein andermal erzählen.

Was soll ich sagen, ich habe ein Händchen für Fettnäpfchen und wenn ich eines sehe, hüpfe ich rein und suhle mich darin.

Aber war es wirklich im Nachhinein alles so schlimm? Die Maschprüfung konnte ich wiederholen und bestand sie mit gut und heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich sehr schnell im 10Finger System tippen kann. Vor allem wenn ich oft sehen muss, wie manche Kolleginnen und Kollegen im Adler-Such-System unbeholfen auf ihrer Tastatur herumhacken.

Dass die Firma mich nicht eingestellt hat, stellte sich im Nachhinein ebenfalls als Segen heraus. Sie sind inzwischen insolvent.

Vielleicht vergeige ich nicht wirklich etwas, sondern mein Unterbewusstsein boykottiert Geschehen, die mir nicht gut tun würden. Gegen diese Theorie spricht, dass mein Unterbewusstsein dann mindestens einmal massiv versagt hat.

Nur drei Wochen

Heute vor drei Wochen war ich mit Freunden nach der Arbeit indisch essen und wir gingen danach noch ins Kino. Es war megalecker und der Film grandios. Wir schauten “Die Känguru Chroniken” von Maik-Uwe Kling. Wir haben an dem Abend viel gelacht und es war wirklich schön.

Damals – es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, obwohl es erst drei Wochen her ist – ahnten wir nicht, dass es bis auf unbestimmte Zeit das letzte Mal war, dass wir was mit Freunden unternehmen konnten. Das Kino hat wenige Tage darauf schließen müssen und hat seither keine Einnahmen mehr.

Drei Wochen und die Welt wurde auf den Kopf gestellt und unser aller Leben gleich mit. Irgendwie ist es noch immer surreal, als ob es ein böser Traum wäre und jemand sagt demnächst “Hey, verarscht”, aber das ist leider nicht der Fall. Es ist jetzt unsere neue Realität. Lasst uns das Beste draus machen.

Alles was gerade gut ist

  • Meinen Lieben geht es gut und alle sind gesund
  • Wir haben ein warmes Haus, genug zu essen und zu trinken und definitiv auch genug Klopapier
  • Die Katzen sind glücklich, dass wir jetzt im Homeoffice arbeiten
  • Die Natur kann gerade etwas aufatmen
  • Es wird Frühling
  • Der Himmel ist so blau, wie selten. Kein Kondenzstreifen in der Luft
  • Unser gerettetes Schweinchen ist überm Berg und frisst gut
  • Wir alle haben endlich Zeit, Dinge zu tun, die wir schon immer mal tun wollten
  • Ich muss die Leute in der Arbeit nimmer sehen, die mir auf den Kecks gehen und melden tun die sich bei mir im Homeoffice zum Glück nicht. Es melden sich nur noch die Netten, was sehr angenehm ist
  • Ich kann jetzt problemlos jederzeit mit ner Haar- und Gesichtsmaske herumlaufen
  • Unser traumatisierte Kater, den wir aus einer Tötungsstation in Spanien haben, ist viiiiiiiel anhänglicher, seit wir den ganzen Tag Zuhause sind. Er genießt es sehr, dass wir immer für ihn da sind
  • Ich muss weniger waschen, weil ich weniger Klamotten anhabe
  • Wir probieren neue Sachen beim kochen aus, für die uns im normalen Alltag immer die Zeit fehlte
  • Im Bekanntenkreis stellt man fest, wer wirklich zählt und wer den Kontakt hält und für wenn der Spruch gilt: “Aus den Augen aus dem Sinn”. Die Spreu trennt sich vom Weizen und das ist gut
  • Ich gebe nur noch Geld für Lebensmittel und Hygieneartikel etc. aus. Alles andere Materielle ist nicht mehr wichtig. Ich brauche hier keine neuen Klamotten oder Schuhe. Ich habe sowieso für die nächsten Jahrzehnte genug in den Schränken
  • Ich bin froh, dass wir vor drei Wochen noch im Kino waren und uns die “Känguru Chroniken” angeschaut haben
  • Wir haben genug Katzenfutter und Streu
  • Wir haben einen Garten, den wir bei schönem Wetter nutzen können, selbst wenn eine totale Ausgangssperre folgen sollte
  • Wir brauchen kaum mehr Benzin, weil wir die meisten Einkäufe zu Fuss erledigen.
  • Es fallen einem Dinge auf, die man sonst vielleicht nicht so zu schätzen gewusst hätte. Die Amseln in unserem Rosenstrauch, der wunderschön blühende Baum im Nachbarsgarten, wie viele Katzen täglich über unser Grundstück laufen
  • Ich mache jetzt wieder täglich die fünf Tibeter
  • Wir gehen viel öfter im Wald spazieren
  • Meine Bildbearbeitungsskills werden besser, da ich viel mehr Zeit für Experimente habe
  • Falls das Essen knapp wird, haben wir immer noch genügend Katzengras

Weniger ist tatsächlich mehr

Früher war es so, dass ich oft versucht habe, meine emotionale Leere und meinen Frust mit Einkäufen zu kompensieren. Es gab sogar Zeiten, da habe ich mir jeden Abend – echt ohne Scheiss – einen Schirm gekauft, wenn ich total gestresst aus der Arbeit raus kam. Irgendwann hatte ich so viele Schirme, dass ich nicht mehr wusste, wohin damit. Bei Schirmen gibt es zum Glück immer einen natürlichen Schwund und so hielt sich der Bestand nach relativ kurzer Zeit wieder in Grenzen.

Es gab sogar schon so exorbitant schlimme Zeiten, die ich mit dem Kauf von Stiefeln kompensieren “musste”. Zum Glück waren diese seltener, aber dieser Epoche verdankte ich eine stattliche Ansammlung an Stiefeln, Pseudo-Ugg Boots und Stiefeletten.

Kürzlich bin ich dazu über gegangen, nur noch Unterwäsche, Schuhe, Socken und Schmuck neu zu kaufen und alles andere Second Hand. Die Flohmärkte im Herbst und Januar waren eine wahre Fundgrube an Schätzen. Doch diese Märkte wurden im Frühjahr abgesagt. Bliebe also das Onlineshopping für eine “Süchtige” wie mich, aber ich habe kein Verlangen danach. Ich habe tatsächlich etwas gekauft, jedoch nicht für mich, sondern ich habe etwas für meine Mutter bestellt, die ich im Moment nicht besuchen kann um sie zu schützen. Klar ersetzt ein Geschenk keine menschliche Nähe, aber sie wird sich dennoch freuen. Weiterhin habe ich ein Geschenk für eine Freundin bestellt, die morgen Geburtstag hat und bestimmt auch eine Aufmerksamkeit in der Isolation wertschätzen wird.

Es wird mir guttun, weniger zu konsumieren. Materielles wurde von mir radikal reduziert. Nun arbeite ich an der Reduktion meiner Social Media Zeit. Ebenfalls eine Sucht von mir. Noch ist es schwer, gerade jetzt, wo ich viel Zeit habe. Dennoch ist mein Vorsatz, die Zeit auf ein Mindestmaß zu reduzieren und stattdessen Sinnvolleres mit meiner freien Zeit anzufangen. Das beinhaltet nicht unbedingt Online-freie Zeit, sondern eine Distanzierung von Insta, Facebook, WhatsApp. Wenn ich jedoch Onlineportale zum erlernen von etwas neuem nutze, ist das “erlaubt”. Mal gespannt, wie lange ich durchhalte.

Ich habe momentan genügend Abstand von dem, was mir sonst jegliche Energie absaugt – was vermutlich auch der Grund ist, weshalb ich jetzt nicht in irgend ein Suchtverhalten zurück gefallen bin. Vielleicht ist es eine Chance, mich auf das zu besinnen, was wirklich zählt, was ich auf jeden Fall will, was ich tatsächlich gerne mache.

Betroffene Hunde bellen

Wer mich gut kennt, weiss, dass ich absolut kein Freund von Sprichwörtern und Wortklaubereien bin, aber ein Sprichwort scheint sich dennoch zu bewahrheiten, ob ich es mag oder nicht: Betroffene Hunde bellen.

Es kommt von Zeit zu Zeit vor, dass sich Menschen aus meinem persönlichen Umfeld glauben in einem Blogartikel zu erkennen. Das führte schon dreimal zu vielen Missverständnissen, Tränen, Frust und Unbehagen auf allen Seiten.

Eine Freundin glaubte vor vielen Jahren einmal, dass ich einen Blogbeitrag über auseinander gelebte Freundschaften über sie geschrieben hätte. Dabei hatte ich keine Sekunde an die Freundin gedacht, sondern eher an eine Frau, mit der ich vor sehr langer Zeit befreundet war, zu der ich heute allerdings keinen Kontakt mehr pflege. Wir hatten keinen Streit, es hat sich einfach so ergeben. Wir hatten irgendwann nichts mehr gemeinsam und uns dementsprechend auch nichts mehr zu sagen.

Klar inspiriert mich mein Umfeld zu dem einen oder anderen Blogeintrag, aber eigentlich immer im größeren Sinn, es ist selten, dass ich explizit nur eine einzige Person meine. Meist ist es eine Mixtur aus verschiedenen Inspirationsquellen und entsprechend auch vielen Personen.

Früher habe ich in Fällen, wo sich jemand von mir erwähnt glaubte die entsprechenden Einträge zensiert oder gar gelöscht. Heute habe ich beschlossen, dies nicht mehr zu tun.

Deshalb an dieser Stelle: Wenn Ihr denkt, ich schreibe über Euch, dann kann das schon sein, muss aber nicht. Es ist auch niemals böse gemeint, was ich schreibe und ich nehme mich selbst auch nie so ganz ernst und mega wichtig. Es sind einfach Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Meine Gedanken, die ich nicht mehr zensieren werde.

 

Viel Zeit

Wir haben gerade alle etwas, was wir sonst nie haben: Zeit!

Ich nutze diese Zeit, lächerliche, absurde, skurrile und aberwitzige Ereignisse meines Lebens Revue passieren zu lassen, zur Belustigung aller, die es lesen. Endzeitszenarien und dystopische Zukunftsaussichten sind nicht meins. Das überlasse ich gerne anderen, das werdet Ihr hier nicht zu lesen bekommen. Ich berichte Euch heute von einer Begebenheit, die schon sehr viele Jahre zurück liegt. Wenn man viel Zeit hat, fällt einem so mancher Stuss wieder ein:

Es war auf einer Faschingsveranstaltung des ortsansässigen Basketballvereins. Neben der Sporthalle befand sich das Jugendzentrum, das für den gleichen Tag zu Chaostagen aufgerufen hatte. Vor der Halle fand man etwa zweihundert Punks und ein enormes Polizeiaufgebot auf der gegenüberliegenden Seite vor.

Ich trug damals eine StarTrek Uniform aus „The Next Generation“ inklusive Handphaser und Communicator. Zu vorgerückter Stunde war ich leicht bis mittelschwer beschwipst und wollte draußen vor der Halle nur etwas frische Luft schnappen, nicht mehr bedenkend, was sich dort abspielte. Ich stolperte ein bisschen, verlor dabei meinen Handphaser und suchte diesen im circa 3cm hohen Schnee (damals gab es tatsächlich noch Schnee im Februar), bis einer der Punks vorbeikam und fragte: „Mädchen, was machst Du hier??? Hier drüben sind alle Punks und dort drüben die Bullen… Du stehst mitten im Niemandsland”. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich nur meinen Phaser wiederhaben wolle. Drei der Rebellen und zwei Polizisten halfen mir bei der Suche. Als einer den Phaser endlich fand, überreichte er ihn mir und riet mir, nun schnell wieder in die Halle zu gehen. Ich bedankte mich nett bei allen Anwesenden. Ich zitierte zum guten Abschluss noch kurz, zu meiner Verkleidung passend, die Ideologien des Gene Roddenberry und verabschiedete mich mit dem Vulkaniergruss und einem beherzten „Live long and prosper”. Sowohl die Punker als auch die Polizisten grinsten mir hinterher und wünschten noch einen schönen Abend.

Jedes Jahr, wenn ich mit meinen Freundinnen auf dem Stadtfest bin und vor unserem bevorzugten Getränkestand stehe, sagt eine meiner Freundinnen immer zu mir “Margit, wir stehen mal wieder auf historischem Boden. Genau hier hast Du damals Deinen Handphaser verloren”.

Die Uniform besitze ich leider nicht mehr. Ich hatte sie im Jahr darauf einer weitläufigen Bekannten verliehen. Ich bekam sie von ihr erst Monate nach Fasching ungewaschen und nach Schweiss stinkend in einer gammeligen Plastiktüte zurück. Selbst nach mehrfachem Waschen bildete ich mir ein, den Schweissgestank noch zu riechen, was mir die Freude an dem Kostüm sehr verleidete und so landete es irgendwann im Altkleidersack. Den Handphaser habe ich noch, den Communicator hatte jedoch auch besagte Bekannte geschrotet. Etwas Schwund ist immer und ich habe die Uniform die letzten Jahre nicht wirklich vermisst.