Der Unterschied zwischen Freunden und Bekannten

Kennt Ihr das auch, dass Ihr manchmal Leute kennenlernt, wo Ihr sofort das Gefühl der Vertrautheit habt, obwohl man sich erst kennen gelernt hat? Das gibt es jedoch auch andersherum. Es gibt auch Leute, die man auf Anhieb nicht mag. Dann gibt es noch die dazwischen. Man mag sie, aber sie haben nicht das Potenzial für eine enge Freundschaft. Dafür gibt es zu viele Ungereimtheiten, andere Weltanschauungen, Unzuverlässigkeiten.

Manchmal verwechseln wir die Bekannten mit Freunden, die sie niemals sein werden, nicht sein können, weil es einfach nicht passt. Das ist nicht deren “Schuld”, unsere jedoch auch nicht. Es ist simpel: Alles was uns mehr nervt, als es uns guttut, hat keinen Taug und keinen Platz. Das Leben ist zu kurz für Halbherzigkeit. Man muss es sich selbst wert sein, sich nur mit dem zu umgeben, was guttut Das gilt für alle Bereiche des Lebens. Egal ob es die Beziehung ist, der Job, der Freundeskreis oder die Dinge, mit denen wir uns umgeben. Qualität vor Quantität. Freunde sind rar und kostbar. Bekannte gibt es viele und sie kommen und gehen. Manchmal werden aus Bekannten Freunde, doch meistens bleiben sie Menschen, die man halt kennt. Erkennbar sind Freunde daran, dass sie für uns da sind, nicht nur in schlechten Zeiten, sondern auch in den Guten. Nein, ich habe das nicht falsch herum zitiert. Es gibt so einen Schlag Menschen, die ergötzen sich regelrecht an anderer Leid und sind “für einen da”, wenn es einem schlecht geht. Wenn es uns jedoch gut geht und wir glücklich sind, dann ist es nicht so toll, weil dann kann man sich ja nicht mehr gegenseitig runterziehen. Das ist keine Freundschaft. Sowas hatte ich früher jedoch auch schon. Richtige Freunde freuen sich, wenn wir glücklich sind. Sie feiern und zelebrieren unser Glück mit uns. Es gibt da so ein paar Kriterien, wie man Bekannte “entlarven” kann, die nie Freunde werden:

  • Sie haben nie Zeit. Das ist Bullshit. Ich habe “keine Zeit” als Ausrede für Leute, die ich nicht treffen mag. Diejenigen, die ich treffen will, für die nehme ich mir die Zeit und zwar immer
  • Sie “leiden” am “Fear of missing out” Syndrom und melden sich nur, wenn sie nichts “Besseres” vor haben
  • Sie erwarten irgendwas von einem. Seien es Talente, die man kostenlos für sie einsetzen soll, oder das man ihr Seelenmülleimer ist
  • Sie beantworten Fragen nicht. Was zum Geier ist so schwer, z.B. auf die Frage “Wir gehen in den Biergarten, magst Du mit?” zu antworten “Ja, ich komme mit”, “Nein, ich muss daheim die Wand anstarren”, “Nee, hab keinen Bock”. Ghosting betreiben nur Soziopathen und die will man nicht in seinem Umfeld haben. Hier gilt, klar kann man mal eine Nachricht überlesen, vergessen oder sonstwas, aber wenn sowas öfter als dreimal vorkommt, fallen diese Personen durch das Deppenraster
  • Sie sind unzuverlässig. Man macht was aus und in letzter Minute fällt ihnen ein, dass sie daheim die Wand anstarren müssen oder sonst eine Unpässlichkeit haben. Klar, dazwischen kann immer was kommen und wenn das ein oder zweimal vorkommt, dann ist das vollkommen ok und das meine ich auch nicht. Es gibt so spezielle Kandidaten, die so planlos durchs Leben latschen, dass sie immer wieder Verabredungen verpeilen, zu spät kommen oder kurzfristig absagen. Die kann ich gebrauchen wie kaltes Wasser zum duschen: Gar nicht!

Ich habe schon das eine oder andere Mal Bekannte mit Freunden verwechselt oder gedacht, dass Bekannte Freundschaftspotenzial hätten. Mit obigem Test, kann man sie jedoch leicht erkennen und entsprechend Kategorisieren. Das erspart einem die Ent-Täuschung.

Grenzen setzen – damit tu ich mich sehr schwer

Vor ungefähr einem Jahr lernte ich im Internet eine ältere Dame kennen, die damals unseren Yoshi adoptieren wollte. Wir haben uns gegen sie entschieden und für seine jetzige Familie, weil mein Bauchgefühl mir damals sagte, dass es nicht passt. Nichtsdestotrotz sind wir in Kontakt geblieben und vor einem halben Jahr bekam sie zwei Katzen aus dem Tierschutz.

Sie schreibt mir seit einem Jahr jeden Tag und es ist ok für mich. Die Frau ist sicher einsam. Alle ihre Verwandten sind verstorben und sie hat nur die Katzen. Nun ist eine der Katzen schwer krank geworden. Es war bekannt, dass sie FIV hat und es jederzeit ausbrechen könnte.

Die Dame rief mich an und bat um seelischen Beistand. Ich hörte zu, aber schon während des Gesprächs spürte ich, dass es mir damit nicht gut geht.Ja, ich verstehe die Frau. Auch ich hatte die letzten Jahre oft Sorge um meine Katzen und leider auch drei Todesfälle. Ich weiss, wie hilflos und verzweifelt es sich anfühlt. Ich kenne die Panik, die aufkommt. Dennoch ist es diesmal nicht meins. Ich will nicht der Seelentröster der Frau sein. Ich kann das nicht. Ich habe momentan gerade genug Kraft und Energie für mich selbst. Ich will keine Fremdenergien. Ich will nicht mitfühlen! Ich bin nicht für die ganze Welt verantwortlich.

Dennoch kommt wieder das Gefühl auf “Aber Margit, Du könntest ihr doch helfen blablabla”. Nein, ich helfe ihr nicht damit, dass ich mit ihr telefoniere. Sie jammert gerne. Nicht falsch Verstehen. Ich kann ihre Situation nur zu gut verstehen und ich weiss, wie sie sich fühlt, doch ich kann daran nichts ändern. Geteiltes Leid ist nicht halbes Leid, sondern doppeltes Leid. Is so!

Ich grenze mich von der Frau ab. Vielleicht macht mich das egoistisch. Mag sein, aber ich kann nicht. Ich will nicht. Ich mag nicht. Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Es tut mir wegen der Katze leid, aber auch an ihrem Zustand würde sich nichts ändern, wenn ich mir das Leid der Frau aufbürden lassen würde.

Auch meine Ressourcen sind begrenzt, sowohl zeitlich, als auch mental. Ich will mich nicht immer um das Zeugs Anderer kümmern. Ich habe genug mit mir selbst zu tun. Oder wie es die Schwaben sagen: Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür, dann ist alles sauber!

Second hand

Seit einigen Jahren bin ich voll die “Flohmarkt”-Tussie, jedoch nur was Klamotten betrifft. Normaler Flohmarkt Krimskrams ist nicht so mein Ding.

In jüngeren Jahren wäre ich niemals auf einen Flohmarkt gegangen oder hätte in einem Second Hand Laden Klamotten gekauft. Dazu war ich viel viel viel zu Etepetete. Alles musste neu sein.

Man muss mir jedoch zugute halten, dass die heutigen Flohmärkte ihren Schmuddelfaktor verloren haben. Es sind eher Lifestyle Events geworden. Vor C. waren wir sogar mal auf einem Flohmarkt in Stuttgart, der wie eine Art Popup Club konzipiert war. Mit DJ, Tanzfläche, Bar und nebenan war ein extra Raum für kleine Snacks. Trendy und hipp. Die Frauenflohmärkte in der Provinz sind inzwischen ähnlich, allerdings mit Obstbechern und Sekt, anstatt DJ und Bar.

In meiner Jugend habe ich Kunden von gebrauchten Klamotten als alternative Hippies angesehen, die nach Patchouli stanken. Noch heute kann ich den Geruch nicht riechen. Ich assoziierte damit Frauen, die unmodernes Zeug in Schichten übereinander trugen und mit Jutesäcken kombinierten und etwas abgeranzt ausschauten.

Heute sind auf Flohmärkten top gestylte Frauen und Mädels und es hat rein gar nichts mehr mit Altkleidersäcken gemein. Nachhaltigkeit ist jetzt zum Glück en vogue.

Ich finde es auch gut, wenn anderer gebrauchter Kram auf allgemeinen Flohmärkten verkauft wird. Nur für mich ist das derzeit nichts. Ich will nicht niemals sagen, weil ich das vor 20 Jahren auch über gebrauchte Klamotten gesagt habe. Vermutlich habe ich einfach zu viele schlechte Filme gesehen. Ich kaufe die Sachen nicht, weil ich fürchte, dass ihnen irgendwas “anhaftet”. Es muss ja nicht gleich ein Fluch sein. Aber auch wenn es “nur” eine  Art energetische Anhaftungen des Vorbesitzers wäre, würde ich das nicht so gut finden. Ich glaube, ich habe tatsächlich zu oft Warehouse 13 gebinget.

Was ist dann der Unterschied bei Klamotten? Bei Kleidung denke ich, dass alle “Fremdenergien” beim Waschen verschwinden. Auch “neue” Kleider wurden vorher schon von verschiedenen Menschen anprobiert und werden selbstverständlich immer gewaschen bevor sie getragen werden. Ich kaufe auch meistens Teile, die wie neu ausschauen und von den Vorbesitzern kaum getragen wurden.

Vergangenen Sonntag war ich mit einer Freundin auf einem generellen Flohmarkt. Es gab sowohl Klamotten, wie auch Krimskrams. Es waren sehr viele Stände, aber die Klamotten haben mich nicht so angesprochen. Es war nicht so, wie auf einem Frauenflohmarkt, wo es nur Fashion gibt. Einige Stände waren ein Fundus für Schätze, wenn man sich damit auskennt. Viele Sammler und Kenner haben dort garantiert Schnäppchen gemacht. Es gab aber auch Stände, da wollte ich erst gar nicht näher schauen, was die haben.

Grundsätzlich habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, dass ich – egal was für tolle Teile die Leute anbieten – nur bei denjenigen kaufe, die mir sympathisch sind. Damit kann auch nichts “Negatives” den materiellen Teilen anhaften. Dies kann durchaus auf alle Lebensbereiche übertragen werden. Trau, Schau, Wem.

Du hast Dich überhaupt nicht verändert

Obiger Satz kann ein Kompliment sein, wenn es ums Aussehen geht, es kann aber auch andeuten, dass man stehen geblieben ist und sich nicht weiterentwickelt hat. Doch muss man sich immer weiter entwickeln? Und hat man sich wirklich gar nicht verändert?

Habe ich mich im Laufe der Jahre verändert? Ja, aber leider oft nicht zum “Guten”. Ich wurde zu angepasst, zu brav, viel zu “nett”. Die letzten 10 Jahre haben mich geprägt. Ich bin lange nicht mehr so unbeschwert und fröhlich wie früher. Es gibt Tage, da bin ich ruhelos und deprimiert. Desillusioniert und traurig. Es gibt oft Momente, da fühle ich mich mitten im Trubel so einsam, wie ein Eremit.

Ich verharre schon zu lange in Strukturen, die mir nicht guttun. Es gibt Bereiche meines Lebens, die endlich anders werden müssen. Ich habe in diese Umstände noch nie hinein gepasst und werde es auch nie, egal wie sehr ich mich verbiege. Es macht mich nur depressiv und mein Selbstvertrauen wird immer mehr vergraben.

Nach aussen hin bin ich fröhlich und ausgelassen, doch in mir ist es oft düster und ich bin umhüllt von Melancholie. Mein Verstand weiss, dass das nur chemische Disharmonien in meinem Körper sind, die mein exorbitant hohes Alter eben so mit sich bringt, doch das Gefühl ist trotzdem nicht schön. Aber auch dies wird vorübergehen. It’s just a phase.

Alpakawanderung

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Hier ein paar Eindrücke von der heutigen Alpaka-Wanderung. Es war wirklich toll. “Mein” Alpaka hat komplett zu mir gepasst.

Eine Freundin hatte diese “Wanderung” (ich würde es eher gemütliches Schlendern mit Alpakas nennen) als Geburtstagsüberraschung von ihrer Schwester organisiert bekommen. Bis wir auf dem Alpakahof standen, ahnte sie nichts davon. Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich gefreut hat und sie hatte wirklich eine gute Zeit, wie wir alle.

Jeder bekam das für ihn passende Alpaka. Das meiner Freundin war etwas zurückhaltender und lieb, das ihrer Schwester war das führende Leittier und meines war groß und verfressen :-D.

Karma is a bitch when you are

Daran glaubte ich früher. Wer nett ist, dem widerfährt Nettes, wer blöd ist, dem passiert Blödes. Dem ist aber nicht so. Ich glaube, so funktioniert die Welt nicht.

Ich kenne so viele Arschlöcher, die mit all ihren Dreistigkeiten immer und überall durchkommen, ohne Konsequenzen. Da kommt keine Karma-Bitch und reisst ihnen den Arsch auf. Nee, sie werden immer dreister und es passiert rein gar nix.

Inzwischen denke ich, dass Frechheit siegt. Wenn ich mich so in der Welt umschaue, wie weit man es treiben kann, ohne dass Gegenwind kommt, dann kann man es wirklich extrem weit treiben. Der Schlüssel dazu ist so simpel: Selbstvertrauen. Egal wie dilettantisch, dumm, blöd, arrogant, eingebildet etc jemand ist. Wenn der oder diejenige über genügend Selbstvertrauen verfügt, prallt alle Kritik ab wie an Teflon.

Es gibt da einen genialen Film aus den 90ern. Ich weiss nicht mehr wie er heißt, aber ein netter lieber Mensch, der immer von allen ausgenutzt und übergangen wird, lässt sich hypnotisieren, um mehr Selbstbewusstsein zu erhalten. Während der Sitzung erleidet der Hypnotiseur einen Herzinfarkt und der Mann bekommt über die Maßen was er sich gewünscht hat. Ihm ist ab da alles scheißegal und er macht nur noch das, auf was er Bock hat. Dies hat zur Folge, dass er von seinem Chef geachtet wird und die Karriereleiter immer weiter aufsteigt.

Ein etwas neuerer Film hat eine ähnliche Botschaft. Der Film aus 2014  heißt “Better living through chemistry”. Ein schüchterner Apotheker, der von seiner Frau und seinem Schwiegervater nur herumgeschubst und drangsaliert wird, lernt eine andere Frau kennen, die ihm Selbstvertrauen durch Drogenkonsum lehrt. Er wird daraufhin eine richtig coole Socke und plötzlich von seiner Frau und seinem Schwiegervater respektiert, was ihm aber nun egal ist.

Ich will jetzt nicht dafür plädieren, Drogen auszuprobieren, ganz sicher nicht.

Es gibt auch weniger drastische Maßnahmen, sein Selbstvertrauen zu erhöhen. Nicht von einer Sekunde auf die Andere, aber in kleineren Schritten.

Obwohl, wenn Cannabis legal ist, werde ich das glaub mal ausprobieren. Vielleicht verhilft es mir auch zu mehr Egalität. Ich brauche mehr “Am Arsch vorbei” und weniger Grübeleien, angepasst sein und “Nettigkeit”. Das dankt mir keiner und es gibt dafür keine Karma-Punkte. Vielleicht stimmt eher: Karma is a beach when you are!

Kleine Challenges in Zivilcourage

Meine beste Freundin und ich unterhielten uns kürzlich darüber, dass wir uns zu viel gefallen lassen, weil wir uns oft nicht trauen, uns zur Wehr zu setzen oder deutliche Grenzen aufzuzeigen.

Wir beschlossen deshalb, dies in kleinen Aktionen zu trainieren. Wir fangen damit an, in Restaurants zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung war und z.B. das Essen nicht schmeckt. Wir machen gleich den Mund auf, wenn Dienstleistungen nicht ok sind.

Diese Woche fing ich damit an, dem Schneider, dem ich ein Kleid zum Umnähen gebracht hatte, nett aber bestimmt die Meinung zu sagen.

Angefangen hatte es vor 7 Wochen. Ich brachte ihm ein Kleid, an dem etwas geändert werden musste. Nichts Aufwendiges. Er versprach, dass es eine Woche später fertig sein sollte. Ich wollte es zum vereinbarten Termin abholen, aber es war nicht fertig. Er wäre nicht dazu gekommen. Ich war so gutmütig und ging auf seinen Vorschlag ein, dass er mich anruft, wenn es fertig ist. Ich wartete 1 Woche, 2 Wochen, 3 Wochen… nach 6 Wochen ging ich hin. Natürlich war mein Kleid noch immer nicht fertig. Er sagte auch noch frech “Sie waren doch damit einverstanden, dass es nicht eilt”. Und dann platzte mir der Kragen. Ich sagte ihm, dass ich damit nicht gemeint hatte, dass mein Kleid nun hinterste Priorität hat und am St. Nimmerleinstag fertig wird. Über 6 Wochen sind ja wohl genug Zeit, auch wenn er viel beschäftigt ist. Ich bestand darauf, dass es nächste Woche Mittwoch fertig ist. Wehe ihm, wenn es am Mittwoch nicht fertig ist! Es ist ein Sommerkleid verdammt noch mal. Wann soll es denn fertig werden, im Herbst vielleicht? Unverschämt.

Er hatte meine Gutmütigkeit ausgenutzt und genau das ist bezeichnend. Damit ist nun Schluss! Er merkte, dass er zu weit gegangen war (weil ich es zugelassen hatte!) und entschuldigte sich. Gestern rief er mich an, dass er mein Kleid schon fertig hat. Er entschuldigte sich nochmals. Er hat es wirklich richtig toll gemacht und man sieht überhaupt nicht, dass etwas geändert wurde. Es ist sehr professionell abgeändert und passt nun wie angegossen. Leider hat er die Träger vergessen, aber das sehe ich ihm nach. Die brauche ich nicht unbedingt und kann ich auch selbst anbringen. Er ist bei mir sozusagen wieder aus dem Schneider. Es war auch nicht seine “Schuld”. Ich habe zugelassen, dass mein Anliegen nicht gebührend beachtet wurde. Ich alleine war das. Weil ich mal wieder dachte, ich müsste es allen recht machen, selbst fremden Dienstleistern, die ich bezahle.

Ich will dass meine Wünsche respektiert werden. Ich will, dass bei Dienstleistungen – für die ich ja bezahle – alles zu meiner Zufriedenheit ausgeführt wird und so wie ich es will und wann ich es will. Ich werde nicht mehr zulassen, dass ich vertröstet und hingehalten werde und hinten anstehe. Ich zahle schließlich genauso wie andere. Schluss mit verständnisvoll und geduldig. Ich huldige ab jetzt dem Gott der Ungeduld: Hammersbald!!!

Unnötige Grübeleien

Ich sollte neue Menschen kennenlernen. Schon Tage im Voraus überlegte ich, wie sie mich wohl finden würden. Hatte Angst, sie könnten mich zu dick, zu dünn, zu alt, zu hässlich, zu zu zu was auch immer finden. Die üblichen Bosheiten, die mir der Dummgedankenkreisel in meinem Kopf einflüstert.

Ich zog mich mehrfach um und schminkte und frisierte mich sorgfältig. Versuchte einen möglichst guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Was ich bei all meinen Grübeleien überhaupt nicht bedacht hatte, war jedoch, wie ICH die Leute finden würde.

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Ich bin genug! Ich bin genau richtig und gut so, wie ich bin. Mit all meinen “Fehlern”. Dem zu auffälligen Lachen, dem kleinen Blähbäuchlein was mich schwanger aussehen lässt, den Lach- und Stirnfalten, den schiefen Zähnen unten, und dem manchmal zu schnippischen Mundwerk. All das macht mich aus und gehört zu mir. Wenn das jemand nicht abkann, dann passt er nicht in mein Leben, bzw. ich nicht in das seine. So simpel ist das. Ich bin langsam, ganz langsam besser darin, dem strunzblöden Dummgedankelkreisel das Maul zu stopfen.

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Zeitweise bin ich gerade aggressiv. Leicht reizbar. Vielleicht muss halt raus, was raus muss. Manchmal trifft es Unschuldige, manchmal aber auch genau die Richtigen.

Ich bin in einem Alter angelangt, wo ich anecken darf. Ich bin schließlich eine “Schrullige Alte” Azubi. Ich bin nicht mehr das angepasste, brave Mädchen.

Ich kann ab und an laut aussprechen, was ich denke.

Es schadet nicht, zu sagen “Nein, jetzt nicht, ich habe zu tun”, oder “Darauf habe ich keinen Bock!”.

Letzte Woche war ich so gereizt, dass ich abends einer Veranstaltung fern blieb, weil sonst verbale Kollateralschäden zu erwarten gewesen wären. Vielleicht hätte ich hin sollen, dann hätte sich so manches Elend erledigt.

Es kann sein, dass mir ab und zu an der falschen Stelle ein ungepflegtes “Fick Dich doch” herausrutscht, das ist dann nicht so schön. Es schadet jedoch sicher nicht, immer öfter Grenzen zu setzen und “Nein” zu sagen, wenn ich etwas nicht möchte. Ich habe keinen Bock mehr auf lieb und nett. Das hat mich 54 Jahre nicht weitergebracht. Jetzt ist mal “frankly speaking” dran.

Früher dachte ich mir oft kleine anarchische Aktivitäten aus und führte sie auch durch. Nichts Schlimmes. Ausschließlich harmlose Streiche. Ich habe mal – das kann ich inzwischen zugeben, weil es verjährt ist – einem Kollegen jeden Tag kleine Bauernhoftiere auf den Schreibtisch gestellt. Zuerst ein Pferd, dann ein Schwein, später kamen noch Kühe und Hühner dazu. Er wunderte sich zwar, sagte aber nie ein Wort dazu. Warum ich as getan habe? Weil ich einfach Bock drauf hatte. Ein ehemaliger Kollege und ich schmuggelten auch einmal kleine Schnapsflaschen in das Schaufenster eines Modegeschäftes und mit einem anderen Kollegen veranstalteten wir in der Mittagspause ein Raclette Essen und ich brachte dazu mein Raclette mit ins Büro. Besagter Kollege aß auch mal eine Woche lang jeden Morgen einen Gyrosteller zum Frühstück und einmal – auch das ist verjährt, da über 20 Jahre her – tanzte ich in der Mittagspause tatsächlich zu einem Rapsong auf dem Bürotisch und meine damalige Kollegin sang schräg dazu.

Ich brauche anarchischen Spass. Es muss wieder mehr Schabernack in meinem Leben geben. Ich war viel viel viel zu lange angepasst. Die kleine Hippie Seele inside me muss wieder öfter an die frische Luft, dann sage ich auch nicht mehr so oft “Fick Dich doch” an passender oder unpassender Stelle.

Don`t Panic

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich eine Panikattacke. Die näheren Umstände kann ich hier nicht beschreiben, nur so viel, dass ich eine Art Flashback hatte.

Früher war ich Jahrelang konditioniert worden, auf eine bestimmte Weise zu reagieren und genau das holte mich ein. Ich beging einen winzigen Fehler. Nichts wovon die Welt untergeht. Früher jedoch wäre das ein unverzeihlicher Fauxpas gewesen und man wäre hart mit mir ins Gericht gegangen deswegen.

Ich habe dieses für mich toxische Umfeld schon vor langer Zeit verlassen und die Erfahrungen verblassten. Mein Unterbewusstsein jedoch konnte sich noch sehr gut an all die schrecklichen Jahre erinnern. Der Fehler triggerte mich dermaßen, dass ich eine Panikattacke bekam. Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Ich bekam kaum Luft und ich war nicht zu beruhigen. Liebe Menschen um mich versuchten mich zu beruhigen, sagten mir, dass der Fehler irrelevant ist und es keinerlei Konsequenzen hat, doch ich beruhigte mich erst nach einer Stunde wieder. Es war grauslich, ich habe mich noch nie so gefühlt und hoffe, dass ich sowas nicht mehr bekomme. Es war eine ausgewachsene Panikattacke und alle Beteiligten konnten nicht verstehen, warum ich mich über diese Kleinigkeit so aufregte.

Es war aber nicht nur dieser eine klitzekleine Fehler, sondern die Summe all der Jahre, die ich in den für mich unzumutbaren Umständen verbracht habe.

Ich habe mir das zu lange selbst angetan, in dieser Umgebung zu verharren. Menschen, die leichter wie ich durchs Leben gehen, hätten das keinen Monat mitgemacht und sie haben recht! Sowas muss sich niemand geben. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mich schon am Allerersten Tag in diesem Umfeld nachts in den Schlaf geweint habe. Ich hätte auf meinen Instinkt hören sollen und keinen zweiten Tag dort hin gehen sollen. Das hätte mir ein jahrelanges Martyrium erspart. Es hat Spuren hinterlassen.

Ich muss lernen, besser auf mich acht zu geben. Es gibt immer eine andere Lösung und einen Ausweg. Niemand muss sich so eine Scheiße über Jahre antun. Ich muss mir selbst mehr wert sein!