Ohne Brille siehst Du besser aus

Am Donnerstag traf ich eine Frau, die ich schon bestimmt beinahe ein Jahr nicht mehr gesehen hatte. Sie sagte zu mir etwas, was sie vor zwei Jahren schon einmal zu mir sagte “Ohne Brille siehst Du besser aus!”.

Damals, als sie es das erste Mal sagte, hat mich das schwer getroffen. Ich finde mich selbst ja auch ohne Brille hübscher und mit der Brille kamen vergessen geglaubte Komplexe wieder zum Vorschein.

Als Kind und Teenager wurde ich oft Brillenschlange genannt oder mit der Sängerin Nana Mouskouri verglichen. Ich war überglücklich, als ich mir von meinem ersten Azubigehalt endlich Kontaktlinsen kaufen konnte, als ich ungefähr 19 war. Ich hielt die Linsen für eine der besten Erfindungen bis vor ungefähr 7 Jahren. Ich hatte immer öfter Bindehautentzündungen und bekam die Diagnose “Office Eye Syndrom”. Ich musste leider wieder zur Brille zurück, was meinem Selbstvertrauen echt nicht gut tat. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit Brille meinen Sehfehler viel schlechter ausgleichen kann. Nützt mir aber leider nichts, weil ich die Linsen nicht mehr tragen darf.

Inzwischen habe ich mich mit der Brille arrangiert. Bin zwar noch immer nicht ganz glücklich damit, aber wohl zufriedener mit mir selbst, als die Dame, die das mit der Brille zu mir sagte. Ich bin an einem Punkt angelangt wo ich weiss, dass diese Aussage nichts mit mir zu tun hat, sondern nur mit der Frau selbst. All energy is a gift – regardless of how it feels.

Ich hatte vor wenigen Tagen im Internet einen Spruch gesehen und benützte diesen als Antwort: “Danke, Du schaust auch besser aus, wenn ich keine Brille trage”.

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It’s just a party, baby

Es wird immer schlimmer. Ich habe Angst vor Allem. Da sind die “großen Ängste”, dass einem Lebewesen, das ich liebe etwas passieren könnte und da sind noch die Milliarden “kleinen Ängste”.

Ich habe Angst davor, dass ich einen Fehler auf der Arbeit mache, weil dort aus jedem winzigen Vorfall ein Drama aufgebauscht wird. Jeden Tag schwebt das Damoklesschwert  über mir “Was ist heute wohl wieder, habe ich etwa unverzeihlicher Weise ein Leerzeichen vergessen???” Drama Drama Drama, oder wie es Shakespeare zu sagen pflegte: Viel Lärm um Nichts.

Ich habe Angst davor, in zu enge Parkplätze zu parken und parke lieber weiter weg. Ich fürchte mich davor, im Dunkeln von der Bushaltestelle heim zu laufen. Ich fürchte mich davor, alt und hässlich zu werden. Ich habe große Furcht davor, nicht gemocht  und von der “Herde” verstoßen zu werden. Ich habe sogar Angst davor, auf eine Party zu gehen und Spaß zu haben, so weit ist es gekommen.

Aber das Leben ist nicht so schlimm. Das Leben sollte von Leichtigkeit erfüllt sein und nicht immer nur von Schwere.  Es endet so oder so mit dem Tod. Lebend komme ich hier nicht raus. Es wird Zeit, das Leben wieder mehr zu feiern. Es ist nur eine Party. Deshalb gehe ich jetzt tanzen!

Annika nervt

Meine Bekannte Annika nervt und zwar gewaltig. Annika heißt nicht wirklich Annika. Der Name ist ein Synonym. Wer kennt sie nicht, die kleine Annika aus Pippi Langstrumpf, die wirklich nervtötend war. Sie meinte es immer gut, doch sie ging einem mit ihrer Art gewaltig auf den Zeiger. Deshalb bekam meine Bekannte den Namen “Annika” von mir verpasst. Womit sie noch recht gut bedient ist. Eine Freundin nennt sie heimlich “Fräulein Rottenmeier” in Anlehnung an die penetrante Gouvernante aus Heidi. Im Vergleich dazu ist “Annika” direkt noch gut. Tante Bruseliese wäre auch zutreffend. Eine weitere Figur aus Astrid Lindgrens Kinderbuch.

Besagte Dame ist eine Mischung aus allen drei Charakteren. Eigentlich müsste sie demnach den Spitznamen Annika Rottenmeier-Bruseliese tragen. Manchmal nennen wir sie auch einfach nur “Madame” oder “Stasispitzel”. Alles wenig schmeichelhaft. Tja, wie heißt es doch so schön “Wie man in den Wald hinein schreit, so hallt es zurück”.  Wenn sich die Gute anders benehmen würde, hätte sie all diese unschönen Beinamen nicht.

Wie heiße ich wohl heimlich bei anderen Menschen? Meine Freunde nennen mich oft Storch, Kranich, Graureiher oder Flamingo (je nach Outfit). Diese Namen beziehen sich auf meine sehr langen Beine und meinen storchenhaften Gang. Durchaus nachvollziehbar und es gibt wirklich schlimmere Tiernamen. Ich stakse tatsächlich sehr umelegant auf meinen langen Stelzen daher.

Früher, als ich noch ziemlich dünn war hatte ich die Spitznamen Skelett (sehr unschön), etwas später dann Giraffe (das war ok) und als ich dünn, aber nicht mehr dürr war bekam ich (ausschließlich von Männern) den Namen “Gazelle”. Heute schaue ich eher aus wie eine trächtige Gazelle und ich bekam einen weiteren Spitznamen aufgrund meines sehr auffälligen Lachens: Meerschweinchen. Anscheinend geben die possierlichen Tierchen Geräusche von sich, die meiner Lache ähneln. Auch damit kann ich gut leben.

Ich hoffe, dass sich meine Spitznamen auf Tiernamen aufgrund meines Körperbaus oder basierend auf Lachlauten, die ich von mir gebe beschränken und ich nicht heimlich von irgendjemand einen echt üblen Namen verpasst bekommen habe, wie etwa Annika.

“Verdorben” von Flohmärkten – im besten Sinne

Vor ungefähr fünf Jahren fingen eine meiner engsten Freundinnen und ich an, auf Mädchen- / Frauenflohmärkte zu gehen. Dreimal hatten wir auch einen eigenen Stand. Leider brachten wir mehr Zeugs mit nach Hause, als wir hin gebracht hatten, weshalb wir das schnell aufgaben und nur noch Kundinnen wurden.

Wir ergatterten schon wirklich richtig tolle Schätze. Meine Freundin erstand nagelneue Markenschuhe, ungetragen für 15€ und eine wirklich schöne Jacke. Ich selbst konnte ein weisses Spitzentop, 3 Kleider, 1 Jumpsuit und einen Rock für zusammen 18€ finden. Beim vorletzten Flohmarkt fand ich eine nagelneue nachtblaue Samtbauchtasche, einen rosa Tüllrock und einen schwarzen Pullover für zusammen 10€.

Nach Weihnachten waren wir in den Geschäften und fanden NICHTS. Es gefiel uns wirklich überhaupt nicht das Geringste. Auf Flohmärkten sieht das gänzlich anders aus. Es gab schon Sonntagnachmittage, wo wir unsere Schätze kaum zum Auto schleifen konnten und meine Freundin schon ernsthaft darüber nachdachte, einen Rollkoffer mit zu nehmen.

Am liebsten sind mir die Märkte, wo man sieht, wer was verkauft und mit den Vorbesitzern reden kann. Das mag ich immer sehr gerne. Man kann auch schon von Weitem sehen, ob es an einem Stand was Passendes gibt. Wenn die Frauen ähnlich vom Typ her sind, wie man selbst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, etwas zu finden, was einem gefällt.  Oft ergeben sich nette Gespräche und ab und zu gibt es sogar selbst gemachten Likör. Beim letzten Flohmarkt gab es auch einen DJ und eine Bar.

Wir haben noch weitere Freundinnen angesteckt und letzte Mal waren wir schon zu viert unterwegs. Wir können das nur empfehen.

Man schont den Geldbeutel, spart Ressourcen und hat dazu noch jede Menge Spaß und ein gutes Gewissen.

Ex und weg

Vorgestern erzählte mir eine Freundin, dass sie meinen Ex (da gibt es nur einen) im Supermarkt getroffen hätte. Ich weiss, sie meinte es nicht böse und dachte sich da auch nichts dabei, aber mich interessiert das wirklich nicht die Bohne.

Was sollte mich das auch interessieren? Ich bin schon beinahe zwei Jahrzehnte nicht mehr mit dem zusammen. Ich weiss doch gar nicht mehr, was das heute für ein Mensch ist.

Ich sah ihn selbst vor einem halben Jahr auf einem Stadtfest und hätte ihn beinahe nicht erkannt. Die Szene war folgendermaßen: Ich stand an einem Getränkestand und hatte mir soeben einen Lillet bestellt und wartete, bis selbiger gebracht wurde. Ich lies meine Blicke durch die Reihen der Menschen schweifen und blieb an einem Typen hängen der mir bekannt vor kam. Ich dachte nicht weiter darüber nach, der Lillet kam, ich zahlte, drehte mich um und in der Drehbewegung meines Körpers hatte sich wohl auch mein Gehirn gedreht. Es kam jedenfalls stark verzögert die Erkenntnis “Ach Du heilige Scheiße, das ist ja der!!!”

Wieso in Teufels Namen sollte ich wissen wollen, ob eine Randfigur meines Lebens in einem Supermarkt war und dort eine meiner Freundinnen getroffen hat? Ja zugegebenermaßen war er nicht immer eine Randfigur, aber das ist er schon echt lange. Der weiss doch von mir und meinem Leben auch nichts. Ich bin für ihn auch eine Fremde geworden.

Er soll ein schönes langes Leben haben, das wünsche ich ihm von Herzen, aber ich möchte nie wieder etwas mit ihm zu tun haben, auch nicht peripher.

Geschichten über meinen Ex (oder sein Umfeld) zu hören ist, als ob ich mir wieder und wieder einen alten Film ansehen müsste, der mir beim ersten Mal anschauen schon nicht wirklich gefallen hat.

Saukerl

Ein Bekannter erzählte mir, dass sein Kater ihm jeden Tag Geschenke in Form von Mäusen und Vögeln anschleift. Meistens in Einzelteile zerlegt. Er schimpfte lautstark “So ein Saukerl”.

Würde er es gut finden, wenn ich beim nächsten gemeinsamen Essen “Du Saukerl” zu ihm sagen würde, wenn er beim Chinesen eine Ente zerstückelt?

Wieso ist es bei der Katze voll böse, bei ihm selbst und anderen Allesfressern jedoch total normal? Nur weil er die Leichenteile der Tiere nicht auf den Boden vor seine Füsse schmeißt, so wie es der Stubentiger tut?

Der Kater sieht ihn als Familienmitglied an und bringt ihm deshalb Nahrung. Er weiss nicht, dass sein Dosenöffner keine Mäuse, Ratten und kopflose Singvögel isst und stattdessen lieber im Auftrag getötete Rinder, Schweine, Gänse, Hühner, Enten und Fische bevorzugt. Vielleicht wäre er kein “Saukerl” mehr, wenn er täglich eine Forelle oder eine Gans anschleppen würde. Mit dem Erjagen von Rindern, Schweinen oder Schafen wird er sich jedoch etwas schwer tun.

Der böse Fuchs

Es war einmal auf einem Hof, der Hühner hatte. Die Hühner lebten dort glücklich und waren teilweise aus Legebatterien gerettet worden. Bis eines Tages tagsüber vergessen wurde, die Stalltür zu schließen.

Diesen Umstand betrachtete ein in der Nachbarschaft lebender Fuchs als Einladung. Für ihn war das Selbstbedienungsbüffet eröffnet. Er tötete etliche Hühner und verschwand dann wieder.

Die Hofbesitzerin war verständlicherweise traurig über den Tod ihrer geliebten Hühner. Doch sie war nicht nur traurig, sondern hasserfüllt. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie den Fuchs am liebsten erschlagen.

Tja, der Fuchs handelte nicht aus Boshaftigkeit, sondern er tut, was Füchse nun mal tun. Was hätte er denn machen sollen? Sich in der Küche eine Gemüsepfanne bruzeln?

Nicht der Fuchs war schuld, sondern die nachlässige Person, die die Tür des Hühnerstalls offen gelassen hatte. Ach, das war ja die  von Hass erfüllte Frau. Vielleicht war sie im Grunde ihres Herzens auf sich selbst so wütend, weil sie rational durchaus wusste, dass dem Fuchs kein Vorwurf zu machen war.

Natürlich ist ihr Verlust schlimm und selbstverständlich darf sie trauern. Es wird sie auch nicht sehr trösten, dass der Fuchs vermutlich seine Familie ernähren musste. Der Groll wird ihre gefiederten Familienmitglieder aber auch nicht wieder lebendig machen. Ich will damit ganz sicher nicht sagen, dass sie nicht emotional sein darf. Doch der Fuchs ist nicht der Teufel den sie in ihm sieht.

Warum boykottieren wir uns so oft selbst?

Macht uns Jammern glücklich? ist das eine gute Freizeitbeschäftigung. (auch wenn sie echt weit verbreitet ist)? Auch ich habe früher oft über meinen Arbeitsplatz gejammert. Ich habe andere regelrecht damit zu gekotzt, weil mich die Situation so angekotzt hat. Hat sich dadurch was geändert? Nicht die Bohne. Der Job war und blieb ätzend.

Im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass ich das Jammertal verlassen musste. Ein paar Umstände in meinem Leben sind noch immer alles andere als perfekt, aber ich rede nicht mehr darüber und falls doch, dann nur über lächerliche und unfreiwillig komische Anekdoten. Klar gibt es ab und an mal Rückfälle in denen ich mich beschwere, aber sie sind seltener geworden.

Ich habe gelernt, dass wir durch Jammern nur noch mehr von der Scheisse anziehen, wie das Licht Motten anzieht.

Wenn man immer von allen das Schlechteste erwartet, sich von Unglücken und dem Leid anderer nährt (hach, denen geht es ja noch dreckiger), sensationsgeil jedes Elend verbal ausschlachtet (um die innere Leere und Belanglosigkeit zu übertönen), wenn das ganze Denken nur von Miseren beherrscht wird, darf man sich nicht wundern, wenn man ständig Schmerzen hat oder einem überproportional viel Bullshit geschieht.

Das lamentieren über Unglücke, Einbrüche, Überfälle, Katastrophen, scheinbar ungerechte Umstände, Krankheiten.  Ehebrüche, Firmenpleiten und Privatinsolvenzen hat noch nie jemand glücklich gemacht  Jammerorgien über das Wetter, die Wirtschaftslage und den Verkehr sind auch nicht sinnvoller. Genauso wenig hilft es, sich von Banalitäten, wie unfreundliches Servicepersonal, unpünktliche öffentliche Verkehrsmittel oder Laub auf dem Gehweg selbst die Seelenruhe zu rauben.

Es wird auch nicht helfen, wen man immer nach dem äußeren Schein lebt. Egal wie viele Diplome, wie viel Geld, teure Autos, Yachten und Häuser wir besitzen mögen, wenn uns das nicht erfüllt, ist alles nichts wert.

Es ist ebenfalls sehr förderlich für das persönliche Unglück, wenn man sich mit ganz viel Negativem beschäftigt. Das geschieht oft in veganen Kreisen. Viele die im Tierschutz aktiv sind, werden scheinbar immer misanthropischer. Ist es wirklich gut für die Seele, wenn man jeden Tag erschossene Füchse, Rehe, Wildschweine postet. Wenn man jeden Tag Geschichten über misshandelte und gequälte Tiere teilt? Klärt man andere wirklich damit auf, wenn man grausame Bilder aus Schlachthöfen postet? Mag sein, dass Manche dadurch aufgewacht sind. Ich denke aber, es ist wie mit den abschreckenden Bildern auf den Zigarettenschachteln. Die meisten juckt sowas nicht.

Ich habe auf all meinen Social Media Kanälen alle deabonniert (und teilweise sogar gelöscht), die gehäuft furchtbare Posts verbreitet haben oder die immer die selbe Leier angestimmt haben. Ich denke dadurch wird gar nichts besser, auch wenn es gut gemeint sein mag (wobei wir wieder beim Thema wären, dass gut gemeint echt immer beschissen ist).

Ich lebe besser, seit ich diese Veröffentlichungen nicht mehr sehe und es tut zusätzlich gut, Menschen dieser Art zu meiden. Es lebt sich damit viel leichter.