Grausamkeiten gegen Tiere sind Unrecht

Einer meiner Lieblingsschauspieler – Ricky Gervais – postete gerstern:

Animal cruelty is wrong. “But, it´s tradition", doesn´t make it right.,”it`s part of my religion", doesn't make it right, “it´s my culture", doesn´t make it right and "people are more important" doesn´t make it right either. You know why? Because it´s just fucking wrong.

Er hat so verdammt recht! Es ist einfach verdammt falsch, was den Tieren angetan wird und mit nichts zu rechtfertigen. Schon gar nicht mit “Es schmeckt halt so gut”.

Ich bin nicht Veganerin geworden, weil ich Dich liebe Bedienung im “Gutbürgerlichen Restaurant” bei Familien- oder Firmenfeiern in den Wahnsinn treiben will indem ich Dich bitte, meinen Salat nur mit Essig-Öl Dressing anzumachen und den Spargel mit Kartoffeln ohne Sauce Hollandaise bestelle. Ich mache das wirklich nicht, um Dich anzugreifen und Dich zu beleidigen, weil ich die “Gute hausgemachte Sauce” verschmähe oder das “Berühmte Sahnedressing”. Ich will auch Dich lieber Barkeeper nicht verärgern, indem ich Cocktails anstatt mit Sahne mit Hafermilch bestelle. Ich mache das nicht, um Euch aufzuregen oder mich wichtig zu machen.

Ich sehe leider nicht die “Gute Sauce / das gute Dressing / die gute Sahne”, sondern dass dafür Kälber sterben müssen und Küken. Leider hat es sich immer noch nicht bei allen Menschen rum gesprochen: Kühe geben nicht einfach so Milch, als ob man einen Wasserhahn andrehen würde. Die Kuh ist ,wie der Mensch auch, ein Säugetier und somit fließt die Milch nur, wenn die Kuh zuvor ein Kalb geboren hat. Die männlichen Kälber erleben in den wenigsten Fällen ihre Pubertät. Sie sterben im Kindesalter. Werden zu Wurst und Schnitzel und leider auch zu Tierfutter.Das möchte ich als Mutter von vier Katzen an dieser Stelle nicht verschweigen. Es ist mein tägliches Dilemma. Zwar kaufe ich niemals Sorten mit Kalb oder Lamm aber dennoch sterben für das Futter meiner Kinder andere Tiere, für die ich mir wünschen würde, sie dürften alt werden und eines natürlichen Todes sterben. Ich hoffe noch immer auf Katzenfutter von Supermeat für das kein Tier mehr sterben muss und welches aus Hautzellen gezüchtet werden kann.

Bis es soweit ist, versuche ich so vegan wie möglich zu leben. Auch wenn ich damit Bedienungen und Kellner in den vermeintlichen Wahnsinn treibe und auch auf die Gefahr hin, dass wir zu Grillfesten und ähnlichen Veranstaltungen nicht mehr eingeladen werden, weil “Wir ja nix Gscheid`s essen” und wir womöglich “Umstände” machen.

Wir wurden vor ein paar Monaten auf eine Geburtstagsfeier eingeladen, jedoch gebeten, erst drei Stunden später als alle anderen Gäste zu erscheinen, weil es nichts Veganes zu essen geben würde. Später erfuhren wir, dass es wohl ein großes Salatbuffet gab und auch pflanzliche Beilagen. Ausserdem wären wir die Letzten gewesen, die ein veganes Essen erwartet hätten. Wir wären mit den Salaten und Beilagen sehr zufrieden gewesen und wenn es wirklich gar nichts gegeben hätte, wäre uns auch kein Zacken aus der Krone gebrochen, uns selbst etwas zum Essen mitzubringen. Das haben wir schon öfter gemacht und das ist doch überhaupt kein Problem. Wir ernähren uns nicht rein pflanzlich um die Gastgeber vor den Kopf zu stoßen und um “Extrawürste” zu wollen. Wir machen das, weil wir einfach und schlicht nicht möchten, dass wegen uns ein Tier leidet, ausgebeutet oder getötet wird. Deshalb “verzichten” wir auf Fleisch, Wurst, Eier, Milch, Honig, Zeugs mit Gelatine etc etc etc. Wir meiden alles, was Zutaten tierischen Ursprungs enthält, weil wir es einfach nicht mehr mit UNSEREM Gewissen vereinbaren konnten, so etwas zu konsumieren. Ganz gleichgültig, wie “lecker” es angeblich ist.

Manchmal sagen Leute unbedacht zu mir “Das darfst Du ja nicht essen”. Nein, das ist falsch. Ich will es nicht essen. Ich habe mich aus freien Stücken dazu entschieden nie wieder etwas Tierisches zu essen, weil ich nicht am Tierleid beteiligt sein möchte. Nicht um DIR ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern damit ICH keines haben muss.

Eigentlich weiss es doch jeder, was mit den Tieren passiert. Dass sie oft noch bei vollem Bewusstsein geschlachtet werden, dass ein Drittel der Tiere trächtig ist und zwar schon ziemlich fortgeschritten. Jeder weiss, dass Tiere genauso zu Gefühlen fähig sind, wie wir Menschen und Schmerzen empfinden, wie wir auch. Alle wissen, dass Fische ersticken, wenn sie gefischt oder geangelt werden. Kein schöner Tod. Erschlagen werden und mit einem Bolzenschuss getötet zu werden aber auch nicht.

Jeder erwachsene Mensch, der nicht gerade den IQ einer Amöbe hat, der weiss sehr genau, was mit den Tieren geschieht. Weltweit milliardenfach täglich! Dennoch wird es ausgeblendet, lieber nicht daran gedacht, schön verdrängt und ignoriert. Vielleicht ist Ignoranz die hervorstechendste Eigenschaft des Menschen. Klar kann man die Augen vor den Fakten verschließen, dass wir die Tiere und die Natur ausbeuten und zerstören, doch egal ob wir es ignorieren oder nicht, die Folgen treffen uns doch jetzt schon gut erkennbar. Das ist wie damals als Kind, als ich dachte, wenn ich die Augen zu mache, sehen mich die anderen nicht… so ähnlich ist das mit der Tierausbeutung und der Umweltzerstörung. Dann lieber gegen die geplante Fleischsteuer wettern… und überhaupt sind diese militanten Veganer an allem Schuld, weil Attila Hiltmann fährt einen Porsche…*Ironie off*

Ach fickt Euch doch!

Heute hatte ich ein sehr gutes Gespräch mit einer Freundin. Das Thema war, dass speziell Frauen dazu neigen, sich weit über ihre Grenzen hinaus – sowohl psychisch wie physisch – zu belasten. Viel zu viel Verantwortung zu tragen, körperliche Warnsignale zu überhören und sich um alles kümmern. Sei es Kindererziehung, Haushalt, Beruf, das Kümmern um die älter werdenden Eltern, die Kinder oder Haustiere (was für mich dasselbe ist) pflegen, wenn sie krank sind etcetcetc. Frauen opfern sich häufig auf, bis sie nicht mehr können. Bestimmt gibt es auch Männer, bei denen es so ist, dennoch denke ich, dass es überwiegend ein “Frauenproblem” ist, es allen recht machen zu wollen, für alle da zu sein, sich für alles verantwortlich zu fühlen.

Das liegt zum einen an unserer leider noch immer stark patriarchisch geprägten Gesellschaft, zum anderen an unserer Erziehung, weil es uns unsere Mütter oft auch so vorgelebt haben.

Vielleicht sollten wir – egal ob Mann oder Frau – viel mehr Grenzen setzen, wenn wir überlastet sind, anstatt unsere körperlichen Warnsignale zu ignorieren, bis wir eben die “Quittungen” unseres Körpers bekommen. Wir müssen nicht immer für alles verantwortlich sein und uns um alles kümmern. Wir können durchaus auch “Nein!” und “Stopp” sagen, oder in extremen Situationen eben “Fickt Euch doch”. Manchmal hilft nur eine sehr deutliche Sprache um wirklich ernst genommen zu werden.

Immer lieb und nett und in sich reinfressen, bringt niemand weiter. Oftmals ist Tacheles reden die bessere Variante. Was raus muss, muss eben ab und an raus. Auch wenn es nicht schön, nicht nett, nicht höflich, nicht sozial ist. Die Welt und das Leben ist einfach von Zeit zu Zeit auch unschön, nicht nett, unhöflich und asozial. Deshalb ist es vollkommen legitim, auch mal deftiger zu werden.

Was ich irgendwann mal noch machen möchte:

  • bei Kreationisten klingeln und sagen “Ich möchte mit Ihnen über Darwins Theorie reden”.
  • Leute, die ich nicht kenne, einfach freundlich grüßen, so als ob ich sie kennen würde. Das machen nämlich ganz viele Leute mit mir und ich möchte mich einfach revanchieren.
  • Wenn ich alt bin, will ich Drogenexperimente machen. Bis dahin wird das, was ich konsumieren will legal sein, dessen bin ich mir sicher. Wenn ich jedoch merken sollte, dass ich dement werde oder an Altzheimer leide, dann werde ich härtere Sachen einwerfen. Ich hoffe nur, dass ich es dann nicht vergessen werde.
  • Eine Email mit psoudowichtigem Betreff und sinnfreiem Inhalt, jedoch extrem hochgestochen klingenden Wörtern an einen größeren Verteiler senden und schauen, wer es ernst nimmt.
  • Bei Einladungen zu Hochzeiten oder anderen Events die Katzen mitbringen, wenn drauf steht, dass die Kinder natürlich mit eingeladen sind. Das ist aber nur in meiner Phantasie lustig, denn es wäre für die Kleinen viel zu viel Stress.
  • Mit meinem langen schwarzen Lilly Monster Kostüm mal wieder bei Nacht mit Rollerskates den Gehweg auf und ab fahren, so dass es ausschaut, als ob ich schweben würde. Das hat dann noch eine unfreiwillige Komik, weil ich nicht skaten kann.
  • Mit einem Faschingskostüm auf der Arbeit erscheinen. Obwohl… das habe ich schon mal gemacht. Bei meinem zweiten Arbeitgeber kam ich an einem Faschingsmontag mit einer StarTrek Uniform ins Geschäft. Es hat keiner etwas gesagt und ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch keiner gemerkt hat. Ich war sogar einmal damit auf einer Faschingsveranstaltung mitsamt Communicator und Handphaser und wurde gefragt, warum ich mich nicht verkleidet hätte.
  • to be continued

Ich wandere aus – ins Wolkenkuckucksheim

Denn im Wolkenkuckucksheim kann man einfach so in den Tag hinein leben und ein bissle das machen, was man gerne macht. Man kann komplett im Rhytmus der Natur leben und sich ausruhen, wenn einem danach ist und jede Befindlichkeit ausleben. Im Wolkenkuckucksheim gibt es keinen Streß und keinen Druck, nur den, den man sich selbst macht. Wenn man nur fest genug daran glaubt, ist dort alles möglich.

Alternativ ziehe ich nach Phantasia. Dort lebt es sich auch gut. Es existiert keine Realität. Dort umarmt man den gesamten Tag Bäume und hüpft lachend über Wiesen. In Seifenblasien soll es auch sehr schön sein. Dort kann man jegliche Emotion raus lassen und auf Träumen tanzen.

Wunschtraumia wäre auch ein schöner Wohnort. In Wunschtraumia gehen alle Wünsche mit einem Schnipp in Erfüllung, man muss nur fest genug daran glauben oder an einem Halbedelstein reiben und schon erscheint ein Dschinn, der alles ermöglicht.

Wenn man aber nicht ins Wolkenkuckucksheim ziehen kann und auch nicht nach Phantasia, Seifenblasien oder Wunschtraumia, dann ist man selbst schuld. Denn dann hängt man in Hamsterradien oder in Tretmühlia fest und bekommt kein Transitvisum. Orte an denen niemand wirklich sein will.

Aber ist es im Wolkenkuckucksheim wirklich so toll? Ja ich denke schon, denn die Bewohner dort wissen zum Glück nichts von der Welt, die ich kenne.

Don`t Panic

Leichter gesagt als getan. Ich bin heute Nacht aufgewacht und mir war übel und ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Der Zustand hielt glücklicherweise nur ein paar Minuten an und wurde besser, als ich mich ins Badezimmer begab und das Fenster sperrangelweit öffnete und tief Luft holte. Der Auslöser für diese Panik? Keine Ahnung. Vermutlich das baldige Ende meines Urlaubs, oder ich hatte wieder einen Alptraum, wie so oft in letzter Zeit.

Ich träume von der Apokalypse und ich habe immer wiederkehrende Träume, die vom Inhalt her gleich sind, nur die Umstände variieren. Ich träume auch oft von Personen. Speziell von zwei Frauen. Die Frauen sind im Grunde ihres Wesens ganz ok und ich habe nichts mit denen. Keine Ahnung, was mein Unterbewusstsein mir damit sagen will, dass ich häufig Alpträume von ihnen habe.

Haben andere Menschen auch Alpträume von mir? Ich denke nicht. Kann es mir offen gesagt nicht vorstellen, aber wer weiss das schon. Vielleicht träumen Andere auch schlecht von mir.

Was kann ich gegen die fiesen Träume tun? Ich weiss es nicht. Ich träume ja nicht absichtlich so einen Schrott und würde das wirklich zu gerne abstellen. Ich will nicht von den beiden Frauen träumen. Weder im Guten noch im Schlechten. Warum tue ich es trotzdem? Was beschäftigt mich so an denen? Die eine habe ich schon über 5 Wochen nicht mehr gesehen und trotzdem kommt sie in meine Traumwelt.

Ich habe sowieso die absurdesten Träume ever, das lasse ich mal lieber nicht analysieren. Wer ausser mir hat schon mal von einer riesigen Fledermaus geträumt, die des Nachts huldvoll mit dem Flügel in mein Schlafzimmerfenster winkt? Sicher niemand.

Sind Träume wirklich nur Schäume? Manchmal fühlen sie sich ziemlich real an. Viel zu real. Ich träume auch häufig von der Arbeit. Manchmal “plane und organisiere” ich im Schlaf ganze Events. Schade, dass ich das nicht als Überstunden angerechnet bekomme. Dann hätte ich pro Monat gefühlt doppelt so viele Arbeitsstunden.

Ich würde zu gerne wenigstens eine Woche lang wieder alptraumfrei schlafen. Wenn ich aufwache, verfolgt mich das Geträumte manchmal noch stundenlang, weil es wirklich Horror-mässig war. Ich hätte gerne mal wieder ein Horrorszenario-freies Leben. Vielleicht ist es das, was ich lernen muss. Darüber zu stehen und mich in Gelassenheit zu üben. Andere Prioritäten in meinem Leben setzen und die Randschauplätze meines Lebens einfach das sein lassen, was sie in Wahrheit sind: irrelevant.

Barf

Auf anraten unserer Tierheilpraktikerin bestellten wir fertige Barf Menüs zum probieren für unsere Mietzekatzen. Seit wir diese Rohfleischgerichte füttern, stinken die Kater wie Sau. Das Mädchen riecht komischerweise noch immer wie frisch parfümiert.

Fairerweise muss man sagen, dass die Jungs immer etwas “kerniger” riechen, oder wie Austin Powers es ausdrückte “Es riecht ein wenig nussig”. “Nussig” ist in unserem Fall eine nettere Umschreibung für “Stinkt wie Gülle” oder “Der Schwefelgeruch in der Hölle muss ähnlich sein”.

Wir hoffen inständig, dass sich die Verdauung der Herren bald normalisiert und wir das Futter weiter füttern können, weil es eben doch artgerechter ist, als die Fertigdosen. Man muss aber auch sagen, dass das öffnen der Menüs schon eine riesen Sauerei ist. Natürlich könnten wir unsere Barfmischungen auch selber herstellen und Fleisch beim Metzger kaufen und Supplemente hinzufügen… aber ganz ehrlich… wenn ich schon beim Geruch von Byond Burgern einen Brechreiz bekomme, dann kotze ich bei ner Schüssel Frischfleisch ganz sicher. Vorallem, wenn ich es noch selbst zusammenmanschen müsste. Bei aller Liebe, aber das wäre Folter für mich. Die fertigen Barfmenüs sind schon schlimm genug.

Die Akzeptanz der Herren dem neuen Futter gegenüber wird jeden Tag geringer. Wir haben nun nochmals ein Probepaket eines anderen Herstellers bestellt. Insgesamt ist es damit das vierte Probepäckchen, welches wir in den letzen zwei Wochen bestellt haben. Bis jetzt fielen alle durch. Wenn die gnädigen Herren und die gnädige Dame das Futter nicht anrühren und lieber vorm vollen Napf verhungern würden, ist auch nichts gewonnen.

Und ja, ich gebe es zu: Unsere Kinder sind sehr verwöhnt um nicht zu sagen regelrecht verzogen, aber wenn sie einen einmal anschauen mit ihren Kulleraugen…

Dinge, die ich mit mir ausmachen muss

Wer meinen Blog schon länger ließt, der weiss, dass meine beste Freundin vor vier Jahren an Krebs starb.

Ich träume in unregelmässigen Abständen von ihr und klar vermisse ich sie. Am deutlichsten wird dies, wenn ich Gedanken habe, die ich nur ihr anvertrauen würde. Keine meiner anderen Freundinnen steht mir so nahe, dass ich ihnen gewisse Gedankengänge die ich habe, anvertrauen würde. Nicht dass ich meinen anderen Freundinnen misstrauen würde oder sie nicht genug lieb hätte, das ist es nicht. Es fehlt einfach so ein letzter Funke Vertrautheit, wie ich ihn nur mit meiner besten Freundin hatte. Wir kannten uns einfach besser. Wir haben wirklich täglich miteinander telefoniert, manchmal sogar mehrmals am Tag. Wir haben uns mindestens alle zwei Wochen getroffen und es war eine tiefere Art Freundschaft. Ich möchte nicht sagen, dass die anderen Freundschaften oberflächlicher sind, das wäre nicht richtig. Dennoch war es etwas anderes. Ich mag sie alle sehr gerne, aber wir haben nicht wirklich diese besondere Zusammengehörigkeit. Vielleicht hat man nur einmal im Leben eine wirklich richtig beste Freundschaft, die nicht ersetzt werden kann. Meine verstorbene BFF kannte alle meine Facetten. Die hellen und die dunkleren. Wir haben viel zusammen durchgestanden und erlebt. Freude und Leid geteilt. Meine anderen Freundinnen zwar teilweise auch, aber sie kennen immer nur Bruchstücke meines Ichs. Manche mehr, manche weniger. Sie haben bestimmt ein gewisses Bild von mir, aber sie kennen nicht alle Schattenseiten und nicht alle Lichtseiten. Höchstens Fragmente davon.

Es ist jetzt eben öfter so, dass ich Dinge mit mir ausmache und sie niemandem anvertraue. Das ist nicht weiter schlimm. Ich vertraue sie auf diese Weise doch irgendwie meiner besten Freundin an und bin nicht alleine damit. Schwer zu erklären. Es ist natürlich kein Dialog mehr wie früher, aber trotzdem fühle ich mich verstanden und meine Gedanken könnten nicht besser aufgehoben sein. Alles ist gut.

Du sollst nicht

sie sagten, ab 50 darf man keine langen Haare mehr haben

sie sagten, ab 50 darf man keinen auffälligen Lippenstift mehr tragen

sie sagten, über 40 darf man sich keine Zöpfe mehr flechten

sie sagten, für eine “reife Frau” sind Miniröcke und Kleider tabu

sie sagten, man solle sich erwachsen und vernünftig verhalten

sie sagten, man solle sich seinem Alter anpassen

sie sagten, man darf nicht laut und auffällig lachen

sie sagten, man darf ab Mitte 20 keine bauchfreien Kleidungsstücke mehr anziehen.

sie sagten, man wäre sonst lächerlich

sie sagten, man bräuchte unbedingt einen gepflegten Rasen

sie sagten, man muss sich immer gegen alle Eventualitäten absichern

sie sagten, das Leben wäre eben kein Zuckerschlecken

sie sagten, man müsse buckeln bis zur Rente und erst dann finge das “wirkliche Leben” an

sie sagten, die Welt wäre schlecht und man müsse immer vom Schlimmsten ausgehen

und ich sage Euch: “Werdet nicht erwachsen, es ist eine Falle!”

Manchmal bin ich etwas tollpatschig

und mir passieren die absurdesten Begebenheiten. Gestern habe ich zum Beispiel aus Versehen einen bemitleidenswerten Menschen in Bosnien angerufen. Eigentlich wollte ich den Kundenservice des Herstellers des neuen Katzenfutters anrufen. Aus “Macht der Gewohnheit” wählte ich aber – wie im Büro – eine 0, wie es dort üblich ist, um Gespräche ausserhalb der Firma zu führen. Zuhause muss ich natürlich keine 0 vor wählen und so ergab die Nummer des Katzenfutterproduzenten zusammen mit der 0 die Ländervorwahl von Bosnien und ich befragte den armen Mann, bei dem mein Anruf landete nach den Bestandteilen des Futters, bis er mich höflich unterbrach und sagte “Ich Bosnien bin”. Ich entschuldigte mich und legte ganz schnell auf.

Kürzlich sollte ich für eine Kollegin noch Belegte aus der Kantine sichern, bevor diese zu macht. Sie war in einem Meeting und konnte sie nicht selbst holen. Also hetzte ich hin, ergatterte noch ein paar der letzten Schnittchen. Schichtete sie schön auf ein Tablett und lief zurück. Auf Höhe des Büros eines Kollegen (der natürlich just in dem Moment zur Tür schaute) stolperte ich und das Tablett fiel mir aus der Hand. Es war wie in einem schlechten Slapstickfilm. Die Teile flogen durch die Luft und landeten natürlich alle mit der oberen Seite auf dem Teppichboden. Ich scharrte das Zeug zusammen und warf alles in den nächstgelegenen Mülleimer, hetzte zurück zur Kantine, konnte gerade noch die wirklich nun allerletzten Stücke erstehen und lief damit sehr vorsichtig zum Büro zurück. Dort schnauzte mich die Kollegin an, dass es nicht die gewünschte Geschmacksrichtung war und ich ihre Anweisung nicht befolgt hätte. Tja, ich sagte ihr, dass sie die gewünschte Geschmacksrichtung im Mülleimer drei Stockwerke weiter unten finden könne.

Vor noch nicht all zu langer Zeit stand ich an der Bushaltestelle und wartete auf meine Linie. Ich sah an dem Tag echt richtig schlecht. Es ist Tagesform abhängig. Manchmal sehe ich ganz gut und manchmal richtig schlecht. So ein Maulwurftag war es an besagtem Tag und ich las die Zahl oben am Display des Busses falsch und dachte es wäre meine Linie. Ich wunderte mich noch, dass ich der einzige Fahrgast war, aber nicht so sehr. Am zentralen Busbahnhof blieb der Bus stehen und der Busfahrer sagte zu mir “Hier ist Endstation” und ich sagte “Normalerweise warten wir hier doch nur 5 Minuten und fahren dann weiter, was ist heute los?” und er antwortete “Mein Bus fährt nirgends mehr hin”. Ich stieg schnell aus und sah am Display, dass ich mich echt verguckt hatte. Zum Glück kam kurz darauf der richtige Bus. Seltsam war jedoch der Umstand, dass der “falsche Bus” in den ich eingestiegen war, eigentlich nie an meiner Bushaltestelle hält. Vor ein paar Wochen stand ich wieder an der Haltestelle und ein Bus hielt, der dort normalerweise niemals hält. Diesmal sah ich aber, dass es nicht meine Linie war. Es war auch eine zweistellige Linie, die nur die Ortschaften weiter weg anfährt. Nun war ich schlauer und stieg nicht ein, wer weiss, wo ich da gelandet wäre.

Es gibt viel Schlimmeres, als eine Anziehung von kleineren Missgeschicken oder peinlichen Umständen.

 

Unter Barbaren

Ich liebe meine Katzenkinder, ich liebe sie aufrichtig und bedingungslos und doch muss ich heute was los werden: Sie sind Barbaren. Wenn sie ihre Mahlzeiten speisen, dann ist das kein gesittetes essen aus den Näpfen, sondern das Futter wird mit den Pfoten erst einmal einige Zentimeter weit geschleudert, dann wird es mit den Mäulern großzügig auf dem Boden verschmiert. Der gesamte Speisesaal wird bei jeder Mahlzeit auf diese Art eingesaut.

Als wir heute vom Einkaufen heim kamen, hatten sie das neue Futter, das ich ihnen auf anraten unserer Tierheilpraktikerin bestellt hatte, in einem Streukreis von vier Metern im Raum verstreut und weil das noch nicht reichte, hatten sie auch noch auf den wenigen freien Flächen ihre Haarballen raus gewürgt. Der gesamte Raum war also mit halb angetrockneten Fleischresten und Kotzlachen “verziert”. Nach einer halben Stunde war das Elend zwar beseitigt, aber die Herrschaften werden heute noch mehrfach Nahrung einfordern und danach wird es wieder so ausschauen. Zumindest was die Essensreste betrifft. Kotzen werden sie eine Weile nicht mehr, das machen sie nur alle paar Wochen.

Sie verteilen ihre Streu ebenso großzügig wie ihr Fressen. Auch hier ist ein Streukreis von mehreren Metern keine Besonderheit. Egal wie groß die Toiletten sind und sie sind wirklich riesig. Dabei wird des öfteren nicht nur Streu heraus geschleudert, sondern dunkelbraune längliche Teile, die ganz sicher keine Duplos sind.

Wir hatten tatsächlich mal über eine Putzhilfe nachgedacht, aber dieses Projekt wurde seitens der Putzkraft nach einer Besichtigung unseres Heims eingestellt, weil einer unserer Kater vor ihren Augen einen riesen Haufen ins Klo setzte und sie entrüstet die Nase rümpfte. Ich bezweifle, dass es bei der guten Frau auf dem Klo nach Rosen duftet. Man kann sich auch anstellen.

Natürlich wäre unser Haus ohne die Kleinen sauberer, aber unser Leben wäre um so vieles ärmer. Egal wie viel Dreck sie machen, das was sie dafür geben ist jede Putzerei wert. Sie sind die herrlichsten Geschöpfe, die man sich vorstellen kann auch wenn sie keinerlei Manieren haben.