Brillenschlange

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Heute war der Tag gekommen, den ich schon lange hinaus gezögert hatte. Ich habe meine erste Gleitsichtbrille vom Optiker abgeholt.

Warum ich mich so lange dagegen gewehrt habe? Die Gleitsichtbrille stand für mich irgendwie als Symbol dafür, dass ich jetzt endgültig alt geworden bin. Ich konnte keine Tageszeitung und keine Bücher mehr lesen und selbst mit meinen WhatsApp Nachrichten tat ich mich sehr schwer. Ich behalf mich mit einer Vergrößerungslupe. Aber irgendwann erkannte ich selbst, wie bescheuert das ist. Immer alle Dokumente auf DinA3 kopieren und danach immer noch die Lupe zu benötigen, macht die Augen nicht besser und es ändert nichts an dem Umstand, dass ich eine Gleitsichtbrille brauchte. Deshalb ging ich vergangene Woche tapfer zum Optiker und lies mir die oben ersichtliche Sehhilfe anfertigen. Ich tue mich noch etwas schwer damit. Es ist schon gewöhnungsbedürftig und nach drei Stunden Tragezeit habe ich jetzt erstmal Kopfschmerzen. Ich hoffe, dass sich das gibt und ich mich schnell an das neue Tool gewöhne. Eigentlich bescheuert, dass ich mich so lange dagegen gesträubt habe. Es sieht doch eh keiner, dass es eine Gleitsichtbrille ist.

Geeeereiiiiiiiizt

Vielleicht war ich zu lange lieb und brav und angepasst, denn in letzter Zeit mehren sich die Tage, wo ich mega gereizt bin. Es gibt sogar Begebenheiten, wenn da eine bestimmte Person meinen Weg kreuzt, bin ich sooo kurz davor, meine gute Kinderstube zu vergessen und ihr einfach zu sagen „Halten Sie doch einfach mal Ihr dummes Maul!“. Das werde ich natürlich nur in meinen Gedanken tun, dennoch ist es schwer, den Impuls unfhöflich zu werden, zu unterdrücken.

Vielleicht ist das so, weil ich zunehmend selbst einem sehr unflätigen Umgangston ausgesetzt bin. Ich kann mich oft mehrere Stunden am Tag einem Umfeld nicht entziehen das gefühlt täglich rüder wird. Wenn jemand anruft, fallen Sätze wie „Was will denn der Arsch schon wieder?“ oder es werden Leute angeraunzt mit „Könnt Ihr denn nie tun was ich Euch sage???“. Natürlich ist dieses Umfeld irgendwann prägend, wenn man ihm zu lange ausgesetzt ist. Ich verstehe diejenigen schon, die immer lascher in ihren Umgangsformen werden. Es ist dem massiven Stress geschuldet. Es wurde zur Gewohnheit, alle Befindlichkeiten auszuleben. Da ist die Frau, die sich wöchentlich mehr wie ein Arschloch benimmt und als Ausrede „Ich bin halt in den Wechseljahren“ vorgibt. Da ist auch der Typ der morgens mit Müh und Not ein Guten Morgen heraus bekommt und schon zu früher Stund genervt ist bis zum geht nicht mehr. Man will diese Leute am besten gar nicht mehr ansprechen. Muss man jedoch.

Natürlich ist es nicht einfach freundlich zu bleiben, wenn man wochenlang nicht mehr richtig geschlafen hatte, aber es ist kein Freibrief sich so aufzuführen. Ich unterdrücke meine Aggressivität doch auch (so gut es geht) und denke mir meinen Teil. Wenn es allerdings so weitergeht und die Umgebung noch asozialer wird, kann es gut sein, dass ich auch mal zum Arschloch mutiere und den erwähnten Herrschaften irgendwann ein nicht sehr nettes „Fickt Euch!“ entgegen schmettern werde. Denn wie es in den Wald hinein schreit, so halt es manchmal eben zurück! Wer das Echo nicht verträgt, sollte sich vorher benehmen.

Als ob die Zeit vor 60 Jahren stehen geblieben wäre

Ich schaue gerne so Serien wie „Kuhdamm 56 und 59“ oder „Telefonistinnen“ , „Good Girls Revolte“ und „Charité“.

Diesen Serien ist gemein, dass sie den Zeitgeist der jeweiligen Epoche gut veranschaulichen. Speziell Frauen hatten damals nicht wirklich die gleichen Rechte und waren immer auf Männer angewiesen. In der Serie Kuhdamm versucht die Mutter ihre drei Töchter gut zu verkuppeln. Ganz gleich ob die angeblich „Gute Partie“ homosexuell ist und ob ihre Töchter die Heirat glücklich macht. Hauptsache, sie waren „Gut versorgt“.

Nun könnte man denken, das wäre ein Relikt vergangener Tage, aber mitnichten. Ich kenne auch heute noch Frauen, die mehr einen Versorger suchen.

Vielleicht kann ich das nicht nachvollziehen, weil ich mein eigenes Geld verdiene seit ich 19 bin und habe alle meine Ausbildungen und auch mein Fotografie-Studium selbst finanziert. Ich brauchte nie einen Mann, der mich versorgte oder aushielt. Vielleicht leben diese Damen leichter, wenn sie sich nicht selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern müssen und einen Mann gefunden haben, der so viel verdient, dass sie nicht arbeiten und nichts zum Lebensunterhalt beitragen müssen. Das ist heutzutage ein Luxus den nur die wenigsten haben. Meist müssen beide zum Lebensunterhalt beitragen, weil man sonst nicht über die Runden kommt. Bei der Generation meiner Eltern war das noch gänzlich anders. Damals arbeiteten die wenigsten Frauen. Vielleicht einige Teilzeit, aber ganz sicher nicht Vollzeit. Wenn wir vom Kindergarten oder von der Schule heimbeschickt wurden (hitzefrei etc) war immer jemand da. Entweder die Mutter oder die Großeltern oder alle zusammen. Wenn heute die Kinder heimgeschickt werden müssen haben die Erzieher und Lehrer ein massives Problem, weil meist niemand da ist, der die Kinder so schnell mal abholen könnte. Sie können auch nicht mehr einfach alleine heim laufen, wie wir früher. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Ja, es gibt Momente, da wünschte ich, ich würde in einer Zeit leben, als es der Frau verboten war zu arbeiten hahahaha. Das sind ganz schwache Momente. Natürlich wäre es nicht schlecht, wenn wir reich wären, aber ich glaube, das würde uns nicht wirklich glücklicher machen. Ich möchte auch gar nicht reich sein, sondern einfach nur einen Job haben, der mich gut leben lässt und der mir Sinn gibt.

Ich bin froh, dass die Zeit vorbei ist als Frauen nur das „Heimchen am Herd“ waren. Es ist aber heutzutage auch noch nicht perfekt. Frauen werden noch immer diskriminiert und unterbezahlt. Die meisten richtig mies bezahlten Jobs werden von Frauen ausgeübt. Von Gleichheit der Geschlechter was die Bezahlung angeht, sind wir noch Lichtjahre entfernt. Noch dazu ist es oft so, dass Frauen Teil- oder Vollzeit arbeiten UND den gesamten Haushalt alleine schmeißen.

Es läuft also noch Einiges schief. Wir leben noch immer in einer stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft, die das Weibliche nicht würdigt, nicht ehrt und nicht schätzt. Natürlich gibt es Gebiete der Welt, wo das noch viel schlimmer ist, als hier bei uns in Deutschland. Dennoch, die weiblichen Eigenschaften werden nicht in dem Maße geschätzt, wie sie es sollten. Dabei sollte ein Gleichgewicht herrschen zwischen dem Weiblichen und Männlichen Prinzip. Wie Yin und Yan. Es ist aber eher ein Kuchendiagramm, indem alles Männliche gut 3/4 beherrscht und für das Weibliche ein kläglicher Rest von 1/3 bleibt.

Daraus resultiert meiner Meinung nach das meiste Elend der Welt. Es fehlt die weibliche Energie. Wenn das Gleichgewicht hergestellt wird, haben wir die Chance, die Welt grundlegend zu verändern. 2000 Jahre Patriarchat sind mehr als genug.

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Es gibt Tage, da schaue ich in den Spiegel und fühle mich hässlich, alt, fett, unzulänglich, ungeliebt. Das ist nur eine dysmorphe Störung, die vorübergeht. Ich mache immer Selfies von mir und wenn diese Phasen vorüber sind, erkenne ich, dass das alles nur eine Illusion war. Ich bin hübsch, ich bin jung, ich bin schlank, ich bin mehr als zulänglich und ich werde geliebt. Fick Dich Du blöder Zerrspiegel in meinem Kopf. Es wird Zeit, dass ich den zerschmettere in Abermillionen Teile, so dass er nie wieder zusammengesetzt werden kann.

In Wahrheit wird viel mehr gelogen

Warum lügen Menschen so oft bei banalen Sachen? Ich meine, ich kann schon verstehen, wenn jemand verschweigt oder lügt, weil er mit Drogen dealt, oder sonst irgendwas illegales macht, ja, das ist nachvollziehbar. Das meine ich nicht. Ich meine die unnötigen Lügen. Wenn eine Braut zum Beispiel hoch schwanger ist und die gesamte Verwandtschaft lügt und sagt, sie hätte nur etwas zugenommen. Oder wenn sich jemand einen Hund bei einem Züchter gekauft hat, seinem Umfeld aber sagt, er würde nur als Urlaubsvertretung auf den Hund aufpassen. Oder wenn sich jemand von seinem Partner trennt und behauptet alles wäre in bester Ordnung, obwohl das Haus schon verkauft ist und der Umzug feststeht. Oder auch sehr beliebt: Ich esse den ganzen Tag nichts (und die Person hat 30kg Übergewicht und man weiss genau, dass sie den gesamten Tag was Essbares zwischen den Kiemen hat) Wenn jemand behauptet Kleidergröße S zu tragen und jedem klar ist, dass es eigentlich XL ist. Das sind Lügen, die schnell eingeholt werden. Sowas fliegt doch immer auf. Wieso also tut es jemand, obwohl man genau weiss, dass die Wahrheit sehr bald ans Licht kommen wird?

Ich kann es nicht nachvollziehen, was Menschen dazu treibt, bei solchen alltäglichen Geschichten zu lügen?

Ich sage doch auch nicht „Ich sehe wie ein Adler“ obwohl jeder weiss, dass ich die Sehkraft eines Maulwurfs habe. Es würde auch keinen Sinn machen, jemandem vorzugaukeln, ich wäre 1,65m groß. Es wäre offensichtlich gelogen und jeder weiss, dass ich fast 1,80m gross bin.

Wieso also so offenkundig die Unwahrheit verkünden? Was hat man davon und was soll es bewirken?

 

Stille der Gedanken

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Ich würde gerne mal aufhören zu denken. Wenigstens für ein paar Minuten die sinnlose Gedankenflut stoppen. Einfach aussteigen aus dem Gedankenkreisel von Wieso Weshalb Warum. Weil es nichtige Gedanken sind, die mich nicht weiterbringen. Dieses ewige Grübeln zermürbt mich. Ich würde gerne wie Eckhard Tolle einfach „erleuchtet“ werden. Gelitten (durch meinen eigenen Quatschkopf im Hirn) habe ich schon lange genug. Dieser perfide Drecksack quält mich und ich lasse mich seit Jahrzehnten von ihm quälen. Es hört nicht auf. „Warum verhält sich X so“, 2warum macht Y das?“, „wieso kann ich nicht so oder so sein?“, „weshalb bekomme ich nicht dies oder das?“.

Fragen, auf die ich sowieso nie eine vernünftige Antwort erhalten werde und weil das alles in Wirklichkeit eh nichts mit mir zu tun hat. Es ist nur ein Schauspiel in dem ich gerade gastiere und die anderen Akteuren spielen ihre Rollen ebenso. Manchmal spiele ich in einem Drama, manchmal in einer Komödie, manchmal in einem extrem langweiligen Stück und ab und an ist es ein Thriller. Aber es sind nur Aufführungen. Nichts weiter. Im Grunde weiss ich das und dennoch ist da dieser perverse Gedankenkreisel der endlos dieselben Fragen stellt zu unterschiedlichen Szenen, die doch im Grunde immer gleich sind. Die Darsteller wechseln ab und zu, bekommen neue Engagements, neue Schauspieler kommen und gehen. Manchmal wechselt auch der Regisseur. Alles nur Theater. Nichts wirkliches Echtes. Das wahre Echte ist vermutlich total simpel.

Manchmal könnte man meinen, das wir Menschen das Drama und Schauspiel möchten. Wir möchten gar nicht „erleuchtet“ werden. Wenn wir uns nicht mehr sorgen müssten, keine Angst mehr hätten und nicht mehr unseren Gedanken ausgeliefert wären, wäre doch alles ohne Sinn? Und wenn es genau das ist? Wenn alles so oder so sinnlos ist?

Mit Make-up sieht man tatsächlich besser aus

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Weil heute Rosenmontag ist, schminkte ich mich ausnahmsweise etwas aufwendiger. Wenn ich zur Arbeit gehe, schminke ich mich normalerweise nur dezent mit Wimperntusche. Heute jedoch Make-up, Contouring, Wimperntusche, Liebschaften und Lippenstift. Das Foto habe ich mit meiner Handkamera als Selfie gemacht. Schaut gar nicht so übel aus, dafür, dass ich mich selbst geschminkt habe. Ich werde besser.

Arschlöcher gibt es überall

Heute morgen fuhr ich mit dem Bus zur Arbeit. An der zweiten Haltestelle öffnete der Busfahrer die Tür, eine Frau undefinierbaren Alters stieg in das öffentliche Verkehrsmittel ein und fing an, den Busfahrer lautstark anzuschreien. Sie schrie laut und schrill und sehr unverständlich. Man verstand nur Bruchstücke. Der Busfahrer war komplett perplex, wie wir alle auch. Er versuchte zwischendurch noch zu sagen: „Hören Sie auf mich anzuschreien“. Aber als sie nicht aufhörte, sagte er irgendwann sehr deutlich und bestimmt: „Raus! Steigen Sie sofort aus meinem Bus“. Sie drehte sich um und stieg aus dem Bus und schrie ihn noch einmal auf Englisch an. Diesmal verstand man es gut: „Fuck You“. Der Busfahrer schloss die Tür und fuhr weiter zum Busbahnhof. Er murmelte vor sich hin „Was war denn das Bitte???!!!“. Kurz vor der nächsten Haltestelle versuchte er, mehr an sich selbst gerichtet, die absurde Szene einzuordnen „Ich habe sowas verstanden wie Lidl, aber das ergibt keinen Sinn. Ich kenne die Frau nicht und ich habe keine Ahnung, warum sie mich so anschrie, aber das muss ich mir doch nicht gefallen lassen“. Recht hatte er. So ein Verhalten ist tatsächlich nicht in Ordnung. Es mischte sich eine Frau ein, die ein paar Sitze hinter dem Fahrer saß und was sie sagte, war ebenso unter aller Sau, wie das Auftreten der hysterischen Frau. Diese Frau sagte etwas ganz Abscheuliches: „Das kommt davon, wenn man das Pack ins Land lässt. Arbeitsscheues Gesindel und dann führen die sich hier so auf“. Kaum ausgeredet, stieg sie auch schnell aus dem inzwischen am zentralen Busbahnhof angekommenen Bus.

Beide Personen schenkten sich nichts. Die eine war so unangenehm wie die Andere. Fazit: Arschlöcher und asoziales Verhalten gibt es immer und überall.