Und war`s das jetzt etwa?

Ich glaube ich habe so etwas wie eine Sinn-Krise. Über die Hälfte meines Lebens ist schon “verlebt” und ich frage mich: “Soll das alles gewesen sein?”

In jüngeren Jahres hoffte ich, dass ich “irgendwann” meinen Traumjob finden werde, dass ich “irgendwann” ein Leben haben werde, das mich glücklich macht. In großen Teilen ist mein Leben auch ok und dennoch fühle ich mich leer – so unendlich leer.

Doch wie dem Leben mehr Sinn geben? Wie etwas ändern? Ich bin nicht der Typ, der in einer Jurte im Wald überleben würde. Das würde mich auch nicht glücklich machen. Aber zu Beginn des Urlaubs schon das Ende desselbigen fürchten ist auch keine Lösung.

Von Zeit zu Zeit studiere ich die Stellenanzeigen im Bereich Tierschutz. Heute fand ich dort eine Stelle als Mitarbeiter zur Viehannahme bei Vion und eine als Metzger bei Tönnies. Warum nicht gleich als Belzebub arbeiten? Was haben diese Stellen mit Tierschutz zu tun? Absolut nichts!

Wenn ich nach Stellen im Bereich Umweltschutz suchen würde, bekäme ich vermutlich stringenter Weise Vorschläge für eine Mitarbeit bei Monsanto, wenn die Jobplattformen ihrem “System” treu bleiben.

Ist das nicht irgendwie bezeichnend für unsere Gesellschaft? Das Meiste ist nur schöner Schein und dahinter verbirgt sich etwas Ungutes. Profitgier, immer weiteres Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste jeglicher Art. Dabei hätten wir weit größere Probleme. Klimaschutz, Umweltschutz, Tierrechte. Wenn nichts getan wird, werden wir den “Karren gegen die Wand” fahren für immer noch mehr Geld auf Kosten der Tiere, der Umwelt und auch der Menschen.

Es gibt Firmen, die etwas zum Wohle Aller beitragen. Unternehmen, die Produkte herstellen, die wirklich nützlich, nachhaltig und sinnvoll sind. Waren, die der Umwelt nicht schaden und für die keine Tiere oder Menschen leiden müssen. Das gibt mir wieder Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wenden wird.

Dennoch grüble ich viel zu viel und komme nicht zur Ruhe. Ich weiss nicht, wie ich die Gedankenflut in meinem Kopf abschalten kann. Ich versuche zu meditieren, aber ich erreiche einfach keinen Stillstand des Gedankenkreisels. Rationale Ängste, die mich plagen, aber noch viel mehr Irrationale. Alleine wenn eine der Katzen mehr als dreimal niesen muss, befällt mich Panik, sie könnten krank werden. Ich mache mir Sorgen um so ziemlich ALLES und kann es nicht stoppen. Ich liege nachts wach und mir wird schlecht von meinen eigenen unnützen Gedanken. Ich habe Angst, nie einen Job zu finden, der mich erfüllt, ich habe Angst, dass jemand aus meiner Familie oder einer meiner Freunde ernsthaft erkranken könnte, ich mache mir wirklich um ALLES Sorgen und habe keine Ahnung, wie ich das stoppen kann. Ich wünschte, ich hätte einen Ausweg, könnte zur Ruhe kommen und endlich mal NICHTS denken.

IMG_3928_pp

You are dismissed

Am Freitag hatten wir lieben Besuch und irgendwie kamen wir auf alte MTV “Serien”, wie diese Show, wo Partner gesucht wurden und die Kandidaten recht schnell dismissed wurden und the “next” kam.

Ich würde so gerne einigen Personen sagen “You are dismissed” und “NEXT”. Schade, dass man das nicht mit Randfiguren des Lebens machen kann. Das wäre zu schön. Aber Randfiguren sind, wie ihr Name schon so treffend sagt, nur Randfiguren. Ich mache zu oft den Fehler, Randfiguren soviel Energie zukommen zu lassen, dass sie fast schon Hauptfiguren in den jeweiligen Lebensstücken sind. Dabei werden sie irgendwann (in hoffentlich naher Zukunft) irrelevant sein. Wieso also mache ich mir so einen Kopf um Menschen, die nur peripher mein Leben beeinflussen und gebe ihnen so viel Macht, dass man meinen könnten, sie würden mein Leben bestimmen. Ich bin nicht so stark, wie es oft den Anschein hat. Vermutlich haben die Randfiguren selbst nur Angst vor der Belanglosigkeit ihres Lebens und stilisieren deshalb Mücken zu Elefanten und schaffen Probleme wo keine sind, um wichtiger zu erscheinen.

Vielleicht sollte man diesen Menschen sagen “Das hier ist nicht das wahre Leben, also nimm es bitte nicht so ernst. Du musst Dich nicht über das hier definieren. Du bist auch so genug, oder besser gesagt, viel mehr”.

Manchmal überlege ich mir, was oder wer solche Menschen ihn ihren früheren Leben gewesen sein könnten. Vielleicht waren sie einmal Despoten und haben das Verhalten in diesem Leben noch nicht ganz abgelegt. Feudalherrscher, die es gewohnt waren, dass man sie fürchtet. Vermutlich aber nur kleine Landvogte, die die Bauern ausgenutzt haben und in Jahrhunderten nichts dazugelernt haben. Sie haben nicht gelernt, dass man mit Freundlichkeit weiter kommt als mit Rechthaberei und Besserwisserei. Niemand mag kleinkarierte Klugscheißer.

Ich erfuhr kürzlich, dass eine Frau, die ich kenne und sehr sehr sehr merkwürdig finde, in der Firma, in der sie arbeitet in Pension geschickt werden sollte. Obwohl sie das nötige Alter hat, weigerte sie sich und blieb weiterhin in der Firma. Die Kollegen waren jedoch so von ihrer Art und ihrem Verhalten genervt, dass sie ihr ein “Büro” im Erdgeschoss einrichten ließen. Weit weg von allen anderen Mitarbeitern, wo sie so wenig wie möglich nerven konnte. Was war die wohl in einer früheren Inkarnation? Das wäre wirklich interessant zu wissen. Ich bin mir jedoch sicher, dass Leute noch viele Leben vor sich haben. Bis sie gelernt haben, dass aus Angst und Schrecken nichts Gutes entsteht. Bis sie erkennen, dass am Ende, wenn alles unweigerlich wieder in die Kiste kommt (auch unsere Körper) gänzlich andere Werte zählen, als anderen Leuten unnötig das Leben schwer zu machen nur um scheinbar wichtig zu sein. Für den flüchtigen Moment von “Macht” über Andere. Doch letztendlich sind es Menschen wie ich, die ihnen diese Macht geben. Ich bin dafür verantwortlich. Ich habe es in der Hand, ob sie in meinem persönlichen Schachspiel Bauern sind oder Könige. Es wird allerhöchste Zeit für Schach matt!

Ich bin sehr oft nicht ethisch korrekt, arbeite aber daran

Ich würde am liebsten nur Biogemüse und Obst kaufen. Überhaupt nur vegane Bio-Lebensmittel. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Ich war heute im Biomarkt und versuchte weitgehend plastikfrei und nur bio einzukaufen. Habe ich auch fast geschafft und ich kam mit 4 Pizzen (die sind leider noch in Kunststofffolie eingepackt, aber wir bekamen nach der Arbeit Besuch und ich hatte keine Zeit mehr zum kochen, weil es spät geworden war, weshalb ich auf die veganen Fertigpizzen zurück greifen musste), einem Kopfsalat, einer Zucchini, einer Thai-Erdnusssoße im Glas, einem veganen Nagellack, einer Schale Erdbeeren (250g für 3,95€ sind schon recht happig, aber hey, es ist schließlich Sommer und Erdbeerzeit, da gönnt man sich das schon mal) und einem Glas veganer Mayo zur Kasse. Dort angekommen sagte die Kassiererin “macht dann 39,8o€” und ich bekam Schnappatmung. WTF???

In selbigem Biomarkt gibt es ein veganes Magazin gratis – wenigstens etwas. Dort wurde ein Shop vorgestellt, der zwar wirklich schöne Bekleidung hat, aber die hübschen Sachen sprengen leider mein Budget. Ok, ich könnte es mir schon leisten ein paar Stücke zu kaufen, wenn ich mich stark einschränken würde und einfach insgesamt weniger Klamotten kaufen würde. Das jedoch ist mein absolutes Guilty Pleasure. Ich liebe Mode. Wenn ich alles in fairtrade, bio und vegan kaufen würde, dann wäre ich bei meinem Konsum bald bettelarm. Natürlich würden auch je ein paar Sandalen, Stiefel, Halbschuhe, Sneakers reichen und 5 Kurzarm- und Langarmshirts und Blusen und eine Jeans und zwei Stoffhosen, zwei Shorts, zwei Röcke und zwei Kleider. Wäre machbar, aber wer will das schon? Ich nicht. Ich liebe es, mich jeden Tag nach Stimmung zu kleiden und ich habe viele Klamotten wirklich schon seit sehr vielen Jahren. 50% Secondhand oder mit Freundinnen getauscht und viele “Aus alt mach neu” Teile, die ich aufgepeppt habe. Dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich habe objektiv betrachtet viel zu viel Zeugs. Ich habe garantiert 40 paar Schuhe, unzählige Shirts, mindestens 30 Kleider und ebenso viele Röcke, 5 Shorts und so um die 7 Hosen (Hosen sind nicht so mein Ding), von Schals, Halstüchern, Taschen und Schmuck ganz zu schweigen. Die meisten Sachen davon mag ich auch echt total gerne, andere wiederum benötige ich für Artbeitsevents und weitere Sachen sind einfach zweckmässig.

Ich nehme mir immer wieder vor, eine zeitlang nichts mehr zu kaufen, doch dann finde ich wieder etwas, was ich total schön finde… ein Teufelskreis, aus dem ich gerne aussteigen würde, doch ich mag es zu gerne, mich in schöne, ausgefallene und aussergewöhnliche Klamotten zu hüllen.

Ich bin zum Beispiel absolut keine “Deko-Tante”. Dekorationsstücke sind für mich überwiegend Staubfänger und ich mag es eher minimalistisch. Auch zu viele Bilder an den Wänden wäre nicht mein Stil, auch hier ist weniger mehr. Nur bei Klamotten, Schuhen und Schmuck… wobei Schuhkauf bei mir auch sehr schwierig ist. Ich habe riesige Füsse noch dazu mit einem stark ausgeprägten Hallux Valgus am rechten Fuß. Die Schuhe müssen aus tierleidfreien Materialien sein UND schön ausschauen, was es sehr sehr schwer macht, ansprechende Modelle zu finden.

Mein besonderes “Steckenpferd” sind Abendkleider. Ich liebe Ballkleider, Roben, elegante Glitzerfummel. Keine Ahnung, wann ich die tragen kann, aber ich habe sie alle im Schrank. Manchmal ziehe ich sie einfach so an und flaniere damit durch den Garten.

Natürlich könnte ich auf weitere Anschaffungen verzichten, weil ich schon genug Krimskrams habe und wirklich auf Jahre hinaus nichts neues benötige… diesen Vorsatz habe ich, die Frage ist nur, wie lange ich ihn durchhalten kann. Das ist schwerer als keine tierischen Produkte zu konsumieren. Das fiel mir sehr leicht. Fleisch und Wurst mochte ich noch nie so wirklich und auch Milch und Milchprodukte gehörten nicht zu meinen Favoriten. Darauf zu “verzichten” war eher eine Befreiung.

Bei schöner Fashion ist das etwas anderes. weshalb es mir deutlich schwerer fällt, darauf zu verzichten. Natürlich gibt es vegane fair Trade Mode, doch sind das meistens zeitlose Basic-Teile. Das macht ja auch durchaus Sinn, nichts schnelllebiges zu produzieren, dennoch ist mir das in den meisten Fällen zu langweilig. Wenn ich in einem Online Shop stöbere, der vegane fair gehandelte organische Bekleidung anbietet, dann schätze ich das sehr, aber es trifft zu mindestens 90% nicht meinen Geschmack.

Ich gebe zu, dass ich schon mehrfach bei asiatischen Onlineshops bestellt habe. Ich mag den Style. ich mag meine weiße Bluse mit Kirschen drauf. Ich stehe auf mein Erdbeerkleid und ich finde das weisse Top aus weißer Lochspitze  mit Schößchen echt süss. Und dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich es bestellt habe.

Ich habe mir vor genommen, wenn ich rückfällig werde und mir was zum anziehen kaufe, dann erlaube ich mir selbst nur noch in der kleinen italienischen Boutique einzukaufen, in der ich schon so oft wirklich zuckersüsse Teile erstanden habe. Alles dort ist “Made in Italy” und nicht aus China. Zwar nicht bio oder fairtrade, aber ich habe ein besseres Gefühl, es zu kaufen, wenn es in Europa produziert wurde. Vermutlich lüge ich mir damit selbst in die Tasche. Noch bin ich eine “Süchtige” und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich wieder etwas kaufen werde… aber der gute Vorsatz ist ein Anfang. Ich habe meinen Konsum enorm reduziert und das ist doch auch schon etwas und besser als nichts zu tun.

No more bite

Immer wenn ich mich nicht wohl fühle, entwickle ich leichte bis mittelschwere Tendenzen zur Selbstverstümmelung. Ich kaue dann meine Nägel so ab, dass sie weh tun und zwar heftig.

Meine Gemütsverfassung kann man immer auf einen Blick an meinen Nägeln erkennen. Wenn es mir gut geht, habe ich längere Nägel, die meist recht untalentiert von mir lackiert werden in knalligem rot, hellblau, schwarz, blau, grün, rosa etc.

In Phasen, wo es mir nicht so gut geht, sind sie kurz und unlackiert, nur mit “No more bite” geschützt. Das ist ein Lack, dem ein Bitterstoff zugesetzt wurde, der das Nägelkauen verhindern soll. Das funktioniert bei mir eher suboptimal. Wenn es mir echt schlecht geht, juckt mich der bittere Stoff auch nicht sonderlich. Der Drang mir selbst weh zu tun ist dann größer.

Ich bestrafe mich selbst dafür, dass ich mich zu sehr verstellen muss, dass ich nicht wirklich ich selbst bin und dann kaue ich meine Nägel ab, bis sie bluten.

Wie kann ich das stoppen? Seit über 40 Jahren habe ich keine Lösung gefunden. Selbstliebe wäre vermutlich die Lösung. Eigentlich liebe ich mich auch – eigentlich. Doch dann gibt es wieder Situationen, wo ich nicht mein wahres Ich zeige und mich verstecke. Erst gestern wieder. Ich wollte mir einen Kaffee bestellen und vor mir standen drei Leute, die schon auf ihre Heißgetränke warteten. Die Bedienung fragte sie, welche Milch sie möchten und alle drei riefen empört, dass sie “natürlich normale Milch” möchten und nicht dieses “künstliche Sojazeug”. Überhaupt wären es die Herrschaften leid, dass immer mehr Fleischersatzprodukte in den Läden zu kaufen wären. Das wäre unmöglich, weil sie würden ja auch kein Gemüse aus Fleisch nachbasteln. Die beiden Männer und die Frau mokierten sich lautstark über “diese Veganer”, die künstliches Fleisch bräuchten, das wäre den Dreien vollkommen unverständlich. Ich dachte mir kurz “Los jetzt sag was. Erkläre ihnen nett und freundlich, dass die meisten Veganer aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten, weil sie nicht möchten, dass ein Tier wegen ihnen leidet, grundsätzlich aber den Geschmack von Fleisch etc mögen. Deswegen sind Fleischersatzprodukte für ethisch motivierte Veganer, die früher Fleisch mochten ein Segen. Weil sie tierleidfrei schlemmen können”. Doch ich blieb stumm. Ich sagte nichts. Ich sah sie mir an. Einer der Männer war massiv adipös, der Andere leicht übergewichtig mit “Bierranzen”, die Frau war bestimmt 10 Jahre jünger als ich, sah aber deutlich älter aus. Hätten sie mir zugehört? Hätte es was gebracht? Zumindest hätte es mir was gebracht und ich hätte mich wohler gefühlt, wenn ich den Mut gehabt hätte, den Mund auf zu machen.

Immer dieser Speziezismus

Wir haben am 14. Februar diesen Jahres einen süssen Kater aus dem Tierschutz adoptiert. Er ist geschätzt 2-4 Jahre alt und einfach nur drollig. Er schaut, als ob er alles wüsste und hoppelt die Treppe rauf und runter wie ein Hase. Er ist soooo unsagbar flauschig. Er ist hochintelligent und kann alle Türen öffnen sowie die Leckerli aus dem Katzenspielzeug fischen. Er legt sich gerne auf den Rücken, streckt dabei die Pfoten in die Höhe und will seinen plüschigen Bauch gekrault haben. Dabei schleckt er unsere Finger ab und schnurrt. Er ist einfach ein Goldstück! Ich liebe dieses unendlich goldige Wesen!

Ganz wenige unserer Freunde und noch weniger Familienmitglieder haben ihn bis jetzt kennen gelernt.  Wenn ein Kind geboren oder adoptiert wird ist das Trara groß. Da gibt es Besuch ohne Ende und jeder bringt Geschenke mit. Aber wenn ein neues Katzenkind ins Haus kommt, dann ist das für die meisten Freunde oder Familienmitglieder anscheinend irrelevant.

Für uns sind unsere Katzen Familie. Unsere Kinder. Ich habe den Tod unserer ältesten Tochter letztes Jahr am 27.06. noch immer nicht verkraftet und sie wird immer fehlen. Sie war nicht “nur ein Tier”. Es sind eigenständige Persönlichkeiten mit Eigenarten, Macken und unterschiedlichen Interessen. Unsere Katzentochter spielt zum Beispiel total gerne. Sie ist die geborene Jägerin mit schnellen Reflexen. Sie ist sportlich und flink. Während die Kater eher träge und gemütlich sind. Zwei der Kater sind auch sehr verspielt, während einer ausschließlich schmusen will. Am allerliebsten den ganzen Tag. Er weckt mich nachts öfter mal, nur um mit mir zu knuddeln. Er schlüpft dann unter meine Decke und schmiegt sich an mich und ich muss ihn in den Arm nehmen. Dann ist er selig und schläft wieder ein. Der rote Kater schläft am allerliebsten an meine Beine geschmiegt. Körperkontakt muss aber immer sein. Das Mädchen ist schön und sie weiss es auch. Wenn Besuch da ist, setzt sie sich oft in “Pose”. Der gefleckte Kater heischt immer nach Aufmerksamkeit wenn Besuch im Haus ist. So nach dem Motto: “Seht her, was ich alles kann”. Dann springt er von der Küchentheke auf den Kratzbaum und auf den Tisch wie ein kleines Äffchen.

Ich könnte mir keine schöneren Kinder vorstellen. Ganz egal, ob andere in ihnen “nur Tiere” sehen, die nicht so viel wert sind wie Menschenkinder und in deren Augen nicht “gleichwertig” sind. Ich liebe sie genauso wie ich ein leibliches Kind geliebt hätte.

Es tut mir weh, dass mein kleiner Sohnemann nicht so interessant ist, wie es ein Menschenkind wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle schon lange da gewesen wären, wenn er ein Menschenbaby wäre. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif, dass Tiere gleichwertig behandelt und angesehen werden. Jedoch ist der Same gesäet und ich bin überzeugt, dass es einmal eine Zeit geben wird, wo sich das grundlegend ändern wird. Vermutlich nicht mehr zu meiner Lebzeit, aber es wird einen Wandel geben. Ich werde mich in Sanftmut und Geduld üben. Es reicht für`s Erste, wenn ich weiss, dass meine Kinder gleichwertig sind.

Im Tal der Jammerlappen

Morgens treffe ich manchmal an der Bushaltestelle eine ältere Dame. Sie sieht etwas aus wie die Königin von England, weshalb ich ihr den Spitznamen “Die Queen” gegeben habe. Die Queen an sich ist schon eine nette ältere Dame, dennoch geht sie mir manchmal massiv auf den Zeiger. Das hat zwei Gründe. Vor 8:00 Uhr morgens ist meine Sozialkompetenz noch nicht sehr ausgereift. Ich bin eine Eule und ganz sicher keine Lerche. Eigentlich ist es keine gute Idee, mich so früh anzuquatschen. Der zweite Grund ist ihr schier endloses Gejammere. Es ist entweder zu kalt, zu heiß, zu windig, zu trocken, zu regnerisch, zu zu zu zu ALLES!  Neuerdings jammert sie über Bauarbeiter und Handwerker. Es ist natürlich zu laut und es dauert zu lange und und und. Nichts ist gut. An allem wird herumgemäkelt und gestänkert. Am Schlimmsten sind jedoch die Jahreszeiten und das Wetter.

Ich habe sie gründlich schockiert, als ich auf ihre rhetorische Frage “Ist der Regen nicht schrecklich” mit “Nö, ich mag den Regen voll gerne” antwortete. Sie starrte mich kurz an, rang nach Fassung und stammelte dann “aber aber aber es ist doch viel zu nass und zu kalt für die Jahreszeit”. Ich antwortete “Es ist wie es ist”. Plötzlich wurde es still. Sie sagte nichts mehr. Ich auch nicht. Ich genoss die Stille und beobachtete die Krähe, die dort oft herumstolziert und dachte mir “Was für ein schöner Vogel! Was ist er doch für eine angenehme Gesellschaft”.

Es ist nicht so, dass ich die Frau nicht mag. Ich finde sie ganz nett. Sie steht nur für die Gesellschaft an sich. Jammerjammerjammer. Auch ich jammere viel zu viel. Dass ich zu viele Falten habe, zu dick bin, zu untalentiert und was mir noch Schlimmes für mich selbst einfällt. Dabei ist es Bullshit. Ich habe kaum Falten und ich bin schlank. Ich habe ein kleines Bäuchlein, aber ich ernähre mich auch überwiegend von Zwiebeln, Erbsen, Bohnen etc. Zeige mir jemand der da kein Blähbäuchlein hätte. Ich wiege bei einer Köprergröße von 1,76 coole 66,6 kg. Die Zahl ist doch klasse. Das muss man erstmal hin bekommen. Natürlich habe ich auch schon mal 60kg gewogen und war deutlich dünner. Aber hey, da musste ich auch aufpassen, dass ich die Leute nicht mit meinen Ellenbogen aufspieße.

Heute ist ein trüber Tag Anfang Juni und ich finde es toll. Es hat angenehme 20 C° und die Wolken sind regenschwer und es wird auch demnächst anfangen zu regnen. Dann setze ich mich ans Fenster und höre dem Prasseln zu und wenn ich meine Augen schließe, stelle ich mir vor, es wäre Applaus. Applaus für mein Sein, für unser aller Sein. Oder wie es Marc Darcy zu Bridget Jones sagte “Ich mag Dich, genauso wie Du bist!”

 

IMG_3362

Bad Ideas

Überall wird man ungefragt mit “gutgemeinten” Ratschlägen überhäuft. Ich liste heute mal ein paar wirklich schlechte Ideen auf, die ich aus meinem großen Erfahrungsschatz beisteuern kann:

  • ich würde dringend davon abraten, mit einem Häkelbikini ins Wasser zu gehen. Das Ding saugt sich dann nämlich mit Wasser voll und wird extrem lappig. So lappig, dass man quasi im “Freien” steht falls man den Pool / den See / das Meer verlassen würde… gut ist es dann, wenn Freunde in der Nähe sind, die einem ein großes Handtuch bringen.
  • es ist auch keine gute Idee, bei flambierten Shots, den Strohhalm in das Getränk zu stecken, solange er noch brennt. Falls man diesen Rat in den Wind schlägt, kann es gut passieren, dass die Theke der Bar brennt und gelöscht werden muss.
  • ich würde auch niemandem empfehlen, den “hippen Tipp” einer Frauenzeitschrift zu befolgen und Niveacreme in die Haarspitzen zu schmieren. Es sei denn, man sieht gerne aus wie in einen Fettnapf gefallen. Falls Euch doch mal sowas passiert, könnt Ihr das Dilemma zügig korrigieren, indem Ihr Mehl in die Spitzen reibt und dann auskämmt. Das Mehl bindet die Creme. Mit Wasser geht es leider nur sehr schwer wieder raus.
  • nur mit einem Bikinioberteil und einem Rock (aber diesmal war es wenigstens kein Häkelteil) bekleidet Stiefel kaufen zu gehen. Kann man machen, muss man aber nicht. Wenn man es doch aus einer Laune heraus macht, muss man sich nicht wundern, wenn man permanent angestarrt wird. Das Pendant dazu wäre, mit ner fetten Winterjacke am See zu liegen, was ich zum Glück noch nicht ausprobiert habe und auch nicht ausprobieren werde. Warum ich das überhaupt gemacht habe? Nun, das Bikinioberteil war noch nass und wenn ich ein Shirt darüber gezogen hätte, hätte sich der nasse Bikini darunter auf dem Shirt abgezeichnet und das wäre aufgefallen… es wäre natürlich nicht so auffällig gewesen, wie nur das Bikinioberteil… nun ja, es war nicht gerade eine logische Entscheidung und ab da habe ich nie wieder vergessen einen trockenen Ersatzbikini einzupacken.
  • es ist im realen Leben auch nur halb so “trendy” den Rat eines Lifestyle Magazins zu befolgen, und im “angesagten Lingerie-Look” auf der Arbeit zu erscheinen, als es in solchen Hochglanzblättern suggeriert wird. Es ging beinahe böse aus, denn ein betagter Kollege bekam bei meinem Anblick im “Lingerie Oberteil” (pinkfarbenes Spaghettiträgertop aus Satin mit schwarzer Spitze umsäumt) beinahe einen Herzinfarkt.
  • im Sommer “spaßeshalber” eine Glühweinparty zu schmeißen ist nicht wirklich nice. Ich versichere, dass es keinen Spaß macht, bei 30 C° Glühwein zu trinken.
  • im Gegenzug ist eine Cocktailbar im Freien bei um den Gefrierpunkt ebenfalls nicht so prickelnd.
  • “F… Dich doch” zu sagen, wenn man auf jemand so richtig mega sauer ist, ist echt keine gute Empfehlung.
  • Eine wildfremde Frau als “Dumme Sau”  zu bezeichnen zeugt auch nicht von guter Kinderstube, auch wenn sie es durchaus verdient hatte und die Umstände mildernd angerechnet werden können. Jedoch ist es völlig legitim und verständlich, wenn man Menschen, die in der Silvesternacht vorm Haus herumlungern und nachts um drei noch Böllern mit “Ihr Arschlöcher” tituliert.

und bad ideas bringen nicht immer the best memories…

Wörter, die mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen

Es gibt ein paar Wörter, die verursachen bei mir eine  heftige körperliche Reaktion des Gruselns. Manchmal verbinde ich mit ihnen peinliche und oder traumatische Erlebnisse, oft mag ich sie aber einfach ohne jeglichen Hintergrund nicht.

“Bundesjugendspiele” gehört zur ersten Kategorie. Wenn diese light Variante der Hunger Games angekündigt wurde, hatte ich sofort Magengrummeln. An den Tagen selbst, war ich ein Nervenbündel und mir war von morgens bis abends übel. Noch heute denke ich mit Schrecken an diese Zeit der permanenten Demütigung.

Die Wörter adhoc, agil, Hamsterrad, Jour Fixe und Mindset mag ich einfach so nicht, keinen Schimmer weshalb. Sie lösen auch nur eine kleine Gänsehaut aus und kein massives Unbehagen wie etwa Begrifflichkeiten wie besagte Bundesjugendspiele oder auch Hauptversammlung, Vorstellungsgespräch, Ausschabung, Grasmilben oder Wundrose.

Ich versuche diese Wörter zu meiden und denke stattdessen an meine Lieblingsbegriffe: Katzen, Tiere, Liebe, Wärme, Frieden, Sonne, Mond, Sterne, Lachen.

Ich muss zum Glück niemals wieder an Bundesjugendspielen teilnehmen und hey, ich hab sogar eine Siegerurkunde aus der 1. oder 2. Klasse. Danach habe ich keine Urkunde mehr erhalten, abgesehen von Patenschaftsurkunden für meine Patenkinder. Das Schäfchen Hercules bei Schutzengel fpr Tiere und der Ziegenbock Giovanni vom Eulhof. Diese Urkunden sind mir auch viel wichtiger als irgendwelche “Triumphe” während der Schulzeit. Das wäre höchstens damals für mein Selbstwertgefühl gut gewesen. Ich war aber nun mal miserabel im Hochsprung (ich blieb mit meinen langen Storchenbeinen grundsätzlich an den Stangen hängen), im Weitwurf (von weit war ich Lichtjahre entfernt. Bei mir hätte es eher Nahwurf heißen müssen) oder gar beim Rennen… wenn die Hälfte der Klasse schon lange im Ziel war, rannte ich irgendwo auf halber Strecke. Beim Weitsprung waren meine langen Beine jedoch ein deutlicher Vorteil. Es war die einzige Disziplin, in der ich echt gut war. Sport war eh meine persönliche Hölle. Ich fürchte ich bin der unsportlichste Mensch der Welt. Ich hing wie ein nasser Sack an diesem Reck. An einen Feldaufschwung (ohje, noch so ein Gruseltrigger!) war nicht zu denken. Beim Bockspringen blieb ich entweder hängen oder schmiss das Ding gleich um. Beim Bändertanz verhedderte ich mich grundsätzlich selbst in den Dingern und bei allen Mannschaftssportarten blieb ich als Letzte auf der Bank und die Gruppe, die das Pech hatte mich nehmen zu müssen, seufzte immer schon im Chor “oh je, die fängt doch nie einen Ball, selbst wenn sie ihn direkt vor die Nase bekommt”. Jupp, war so. Meistens bin ich sogar einen Meter weg gesprungen, wenn der Ball auf mich zugeflogen kam. Aber auch hier ist das Gute: Es ist vorbei! Ich muss niemals wieder zum Sportunterricht. Ich muss so einen Scheißdreck nie wieder machen… bis auf…oh weh oh weh… Team-Motivationsveranstaltungen… wie Kegeln… noch so etwas Furchtbares. Ich fürchte, wenn irgendjemand auf die Idee käme, mit mir zusammen zur “Teambildung” zum Bogenschießen zu gehen, hätte das Team danach weniger Mitglieder…

Ich habe mir vorgenommen, all den Stuß, den ich nicht mag, einfach nicht mehr mitzumachen. Ich bin in einem Alter angelangt, wo ich echt nicht jeden Rotz ertragen muss. Wenn ich im Geschäft zu “Motivationsveranstaltungen” soll, die ich nicht mag, gehe ich nicht hin. Ein Musicalbesuch wird mich sicher nicht motivieren, eher quite the opposite. Wenn ich mich auf einer Faschingsveranstaltung nicht an einer Polonäse (Oh welch Schrecken!) teilnehmen will, dann tue ich das nicht. Genauso verhält es sich bei irgendwelchen bescheuerten Spielchen auf Hochzeiten. Sei es “Luftballon-Zerdrücken” oder Schunkeln (mir wird schlecht).

In jüngeren Jahren habe ich so einen Schmarrn noch mitgemacht, aber je älter ich werde, desto massiver geht mir sowas auf den Zeiger und desto weniger bin ich bereit, etwas zu tun, was mir widerstrebt. Ist ja auch offensichtlich dumm, etwas zu tun, was man nicht mag!

Wesen, die man vergisst und solche, die immer im Herzen bleiben

Letzte Woche traf ich beim Geld abheben am Bankomat eine frühere Freundin. Ich hätte sie beinahe nicht erkannt, weil ich sie gut und gerne 16 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Erst als sie anfing zu erzählen, wurde mir bewusst, wer das ist.

Ich hatte damals den Kontakt ausschleichen lassen, weil sie mir immer mehr auf den Zeiger ging mit ihrer besserwisserischen, altklugen Schlaumeierei. Vermisst habe ich sie wirklich nicht. Offen gesagt hatte ich sie sogar komplett vergessen.

Sie ist nicht die Einzige, die in Vergessenheit geriet. Wenn mich nicht jemand an meinen Expartner erinnert, denke ich von mir aus nie an den. Der ist vollkommen in der Versenkung verschwunden, genauso wie alle aus seinem Dunstkreis. Ich habe die Leute einfach vergessen. Sie bedeuten mir nichts. Es ist nicht so, dass ich denen irgendwas nachtrage oder ihnen wegen irgendetwas böse wäre. Sie sind mir einfach egal geworden und ich habe sie vergessen. Wenn mich jemand an die erinnert, dann muss ich erst einmal nachdenken “Wer war das nochmal? Ach ja der oder die”. Dann versuche ich mir kurz ihre Gesichter in Erinnerung zu rufen, was mir nicht gelingt und dann werden sie wieder irrelevant. Bis mich wieder jemand an sie erinnert. Dann denke ich kurze Zeit daran, dass es die einmal in meinem Leben gab, aber bedeutend waren sie im nach hinein betrachtet nicht. Wenn sie bedeutend gewesen wären, wären sie mir jetzt nicht gleichgültig.

Doch dann gibt es Wesen, an die denke ich sehr oft. An einige täglich und ich werde sie niemals vergessen. Sie haben Spuren in meinem Leben hinterlassen. Wie meine verstorbene Katzentochter. Als sie vor fast einem Jahr starb, war es, als ob ein Teil von mir ebenfalls gestorben wäre. Sie wird immer in meinem Herzen sein, genauso wie ihr Bruder. Wie alle Katzen, die ich um mich haben durfte. Selbst der Fuchs, den ich früher immer jeden Morgen auf einem Hügel sitzen sah, wenn ich zur Arbeit fuhr, ist noch öfter in meinen Gedanken, als viele Menschen aus meiner Vergangenheit. Obwohl ich ihn nicht richtig “kannte”, war ich damals sehr traurig, als er überfahren wurde. Trauriger als über den scheinbaren Verlust einiger Zweibeiner, die aus verschiedenen Gründen aus meinem Leben verschwanden, So wie diese ehemalige “Freundin”, die ich letzten Dienstag getroffen habe.

Ein früherer Kumpel sagte mal zu mir: “Wie kannst Du die alle vergessen haben, Du hast doch so viele Jahre mit denen zu tun gehabt, die können doch nicht einfach belanglos geworden sein”. Doch können sie. Weil es genauer betrachtet niemals eine wirkliche Beziehung, wirkliche Freundschaften waren. Es waren im Rückblick betrachtet oberflächliche Bekanntschaften ohne Tiefegang und man war mehr oder weniger aus Gewohnheit zusammen, oder weil man es einfach nicht besser wußte und kannte.

Klar kann man auch schon in jungen Jahren tiefgründige Beziehungen und Freundschaften aufbauen und sie halten ein Leben lang, doch dann gibt es auch solche Fälle wie bei mir. Man verändert sich und es passt nicht mehr, hat vielleicht nie gepasst und man verliert sich aus den Augen und aus dem Sinn. All Ihr von mir Vergessenen: habt ein schönes Leben im Land des ewigen Vergessens. Manchmal macht das Gehirn schon alles richtig.