Gefangen in der Vergangenheit

Die vergangenen Tage habe ich erlebt, wie Menschen so in ihrer Vergangenheit gefangen sind, dass sie die Gegenwart nicht wirklich genießen können.

Die Vergangenheit ist vorbei, kehrt nicht wieder und ist unwiederbringlich verloren. Wenn man immer wieder Szenen aus seinem Leben wiederkäut wie eine Kuh ihr Gras, dann ist das nicht gesund. Angeblich haben die Personen mit Menschen aus ihrem Leben abgeschlossen, aber offensichtlich nicht, sonst würden sie nicht immer und immer und immer wieder von diesen Personen reden. Wenn die Leute noch so präsent in den Köpfen sind, dann hat man damit ganz sicher nicht abgeschlossen. Wie Geister oder Echos spuken sie in den Köpfen herum. Egal wie oft man sagt “Mit denen bin ich fertig”. Solange man immer wieder von den Ereignissen und Menschen erzählt, ist man absolut nicht “fertig”, weil sonst würde man gar nicht an sie denken.

Es gibt aus meiner Vergangenheit Menschen, an die denke ich nur, wenn andere sie erwähnen, ansonsten sind sie wirklich komplett aus meinen Gedanken. Ich kann mich nicht mal mehr an die Gesichter erinnern. Das ist Abgeschlossenheit und nicht endloses Erzählen.

Das Fatale daran ist ja, dass die Betroffenen nicht einmal merken, wie sehr sie verstrickt sind in längst Geschehenes und dadurch, dass sie es immer wieder erzählen, erwacht es wieder neu und die damit verbundenen Emotionen kommen immer wieder hoch. Die Menschen um die es geht mögen nicht mehr physisch Teil des Lebens sein, weil man mit ihnen “gebrochen” und sie entfreundet hat, doch im Innern sieht es ganz anders aus. Dort sind sie noch sehr “lebendig” und geistern stets herum.

Es ist wie bei “Die Geister die ich rief”. Mit jeder Erzählung, jeder Erwähnung, jedem Wort über die Vergangenheit, wird nicht die Vergangenheit wieder lebendig, sondern die damit verbundenen Emotionen wie Wut, Groll und Aufregung. Ich wünschte, die Menschen würden es erkennen, dass nur sie das alte Leid immer wieder aufwärmen, obwohl es nicht sein müsste. Nur sie selbst können diesen Teufelskreis durchbrechen, wenn ihnen klar wird, wie sinnlos es ist, das Vergangene immer wieder heraufzubeschwören, wie bei einer Séance. Diese “Geister” wurden so lange heraufbeschworen, dass sie energetisch fast greifbar sind. Selbst ich als komplett Aussenstehende denke schon zu oft an diese Manschen, die ich wirklich nur peripher kenne, durch die endlosen Geschichten über sie und die damit verbundene negative Energie.

Frei werden die Menschen erst sein, wenn sie die alten Kammellen wirklich los gelassen haben und echten Frieden damit schließen. Dann wird auch die Aufregung und die negative Energie verschwinden und die Hände werden beim erzählen nicht mehr zittern und die Stimme sich nicht fast überschlagen aufgrund aufschäumender Wut über Leute, die diese Energien und Aufmerksamkeit ganz sicher nicht verdient haben.

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