Die Frage nach dem Warum

Immer wenn ein Bereich meines Lebens sich endlich zum besseren wendet, geschieht ein Unglück. Als ob ich nicht glücklich sein dürfte. Werde ich für jedes Glück das mir widerfährt “bestraft”? Wenn der Tod von meinem Gizmo der “Preis” war, den ich für etwas Anderes bezahlen musste, dann war es ein viel zu hoher Preis. Lieber hätte ich noch länger in der alten Situation ausgeharrt, als dass er mir genommen wird.

Eine Tierkommunikatorin sagte mir eine Woche vor Gizmo`s Übergang dass er nicht weiss, ob er gehen will oder nicht und dass es von meinem Verhalten abhängen würde, wie er sich entscheidet. Jetzt denke ich natürlich, dass ich irgendwas gesagt oder getan hätte, was ihn veranlasst hat zu gehen. Vielleicht ist das aber wieder “magisches Denken” meinerseits. Eine Freundin sagte kürzlich zu mir, dass wir nicht die Macht über Leben und Tod haben. Vielleicht hat jedes Leben eine bestimmte Zeitspanne und wenn diese endet können wir machen was immer wir wollen. Es lässt sich nicht beeinflussen.

Ein rationaler Teil von mir weiss, dass es schwachsinnig ist zu denken, ich würde für glücklichere Umstände in meinem Leben mit dem Tod meines Katzensohnes bestraft werden.

Der Tod ist nicht unser Feind, das weiss ich. Trotzdem vermisse ich meinen kleinen Liebling natürlich unendlich. Auch die Gedanken wie “Ich hätte die Fehldiagnose unserer ehemaligen Tierärztin erkennen müssen” sind müssig. Hätte, wäre, wenn. Wir haben ihr vertraut und ich mache auch ihr keine Vorwürfe. Was würde es mir oder Gizmo bringen, ihr zu grollen oder sie gar zu hassen, weil sie mit ihrer falschen Diagnose und dem nicht erkennen der lebensbedrohlichen Situation sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Sie ist auch nur ein Mensch. Sie hat sicher nicht absichtlich so fahrlässig gehandelt.

Ich hatte sie gefragt, ob sie sicher ist, ob es wirklich nur Gas in seinem Bäuchlein ist und nicht doch Wasser, was sie deutlich und vehement verneint hat mit “Auf gar keinen Fall, das würde ganz anders ausschauen”. Leider war es doch Wasser und sie hatte auch das Lymphom nicht gespürt und nicht gesehen. Wir vertrauten ihrer Aussage, dass Gizmo eben eine Magenverstimmung hätte, die etwas länger andauert. Selbst seine Gewichtsabnahme tat sie als Banalität ab und wir glaubten ihr. Vielleicht wollten wir ihr auch nur zu gerne glauben, dass er nur etwas Harmloses hat. Wie gesagt, sie ist auch nur ein Mensch und wir alle machen Fehler. Natürlich sind bei ihr die Fehler gravierender, als wenn ich im Büro einen Fehler mache. Bei ihr geht es um Leben und Tod.

Vielleicht ist das Lymphom auch so mega rasant gewachsen, dass sie es bei unserem ersten Besuch nicht sehen oder spüren konnte. Bei unserem zweiten Besuch hätte sie es jedoch ganz sicher spüren müssen. E ist wie es ist und wir müssen mit der Situation leben. Schuldzuweisungen nützen keinem. Niemand kann die Zeit zurück drehen und es ungeschehen machen. Es ist auch fraglich, ob wir Gizmo hätten retten können, wenn sie die Situation drei Wochen vorher korrekt eingeschätzt hätte. Vermutlich hätten wir deutlich bessere Voraussetzungen bezüglich der Behandlungen gehabt, weil man zum Schluss hin wirklich zuschauen konnte, wie der Krebs immer mehr die Oberhand gewann. Aber vielleicht wäre es so oder so geendet, wie es endete. Vielleicht musste es so geschehen.  Vermutlich ist es wirklich so, dass wir alle nur eine bestimmte, vorher ausgemachte Lebensspanne haben, bevor es wieder zurück in unsere wahre Heimat geht. Vielleicht kommt Gizmo wieder in einem anderen Körper zu uns zurück. Wahrscheinlich musste er jetzt schon so früh gehen, damit er zur rechten Zeit wieder inkarnieren kann. Was wissen wir schon. Unser Wissen begrenzt sich auf winzige Fragmente. Wir sehen immer nur Teile, jedoch nie das große Ganze.

Was wenn alles so sein musste, wie es geschah, weil wir daran wachsen können. Ganz verlieren werde ich meinen Gizzi eh niemals. Er wird immer ein Teil meines Herzens sein und irgendwann entweder in dieser Welt oder einer Anderen werde ich ihn ganz sicher wiedersehen. Nichts geschieht ohne Grund.

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