Gut gemeint ist immer Scheiße

Viele Menschen in meiner Umgebung meinen es sehr gut mit mir, doch meistens ist das, was sie für mich für gut befinden, das, was ihrem Weltbild entspricht und nicht dem meinen. So entstehen Begebenheiten, wo das Gutgemeinte in „gut gemeint ist immer Scheiße“ – Situationen ausartet.

Auch ich habe es mal gut gemeint mit meiner besten Freundin. Vor ca. 10 Jahren wollte sie mal auf einen Barockball in ein nahegelegenes Schloss, wo alle 2 Jahre solche Bälle veranstaltet werden. Selbstverständlich braucht man für so einen Ball ein Ballkleid.

Ich meinte es also  gut  und erstand recht günstig ein Barock-artig geschnittenes Brautkleid bei einem Brautmodenhersteller, wo ich früher modelte. Ich dachte, es wäre einfach, es einzufärben, aber leider war das Kleid nicht färbbar. Ich kaufte einen fliederfarbenen Stoff und übernähte das gute Stück damit und schenkte es ihr zum Geburtstag. Das war zwar wirklich gut gemeint von mir, aber dennoch Scheiße. Sie hat das damit gemacht, was ich auch immer mit Geschenken mache, die mir nicht gefallen: ab damit ins hinterste Eck des Schrankes. Als meine Freundin umzog, kam das Teil wieder aus der Versenkung hervor und wir verscherbelten es für € 4,95 bei Ebay. Vermutlich bekommt es den ersten Preis bei der nächsten Bad Taste Party.

Mein Schatz schenkte mir mal einen Radiowecker zum Geburtstag, damit ich morgens nicht immer verschlafen sollte… er hatte es wirklich gut gemeint, aber das fiel für mich in die Kategorie „unromantisches Geschenk“. Da hätte er mir ja gleich einen Schneebesen schenken können oder ein Bügelbrett… no go… gefreut habe ich mich nicht wirklich darüber.

Als ich noch ein Kind war, habe ich es mal echt total gut mit meinem Bruder gemeint und habe sein extrem dreckiges Motorrad gewaschen…mit einem Haushaltsschwamm… uiij… ich glaube, er hätte mich damals gerne erwürgt, als er die Kratzer im Lack sah…und da half es auch nichts, als meine Mutter zu ihm sagte „sie hat es doch nur gut gemeint“… es war und blieb Scheiße.

Immer wenn wir es gut mit jemand meinen, sollten wir uns fragen, ob das, was wir tun auch wirklich für denjenigen gedacht ist, den wir damit „beglücken“ wollen und nicht doch eher nur für uns selbst. Mein Ex war so ein Kandidat, wie es die Fanta4 besingen „wann immer ich dachte ich tu es für sie, war es für mich irgendwie“. Vermutlich hat jeder schon mal was gemacht, was dem anderen nicht gut tat, obwohl es „gut gemeint“ war.

Meine Verwandtschaft meint es sicher auch nur gut mit mir, wenn sie mir ständig irgendwelche Geschichten über das Schlachten, Jagen, Niedermetzeln, Quälen von Tieren erzählt, oder wie gesund Fleisch doch wäre und dass man Fleisch, Fisch, Milch und Eier unbedingt zum leben braucht. Das ist ihr Weltbild und es steht nicht in meiner Macht, es zu ändern.

Ich selbst missioniere Menschen nicht zu meiner Ernährungsweise / Lebensweise, aber doch habe ich eine Erwartungshaltung, dass sie sich zumindest etwas Gedanken darüber machen. Das ist recht überheblich von mir, denn ich selbst  hatte es einfach. Sehr einfach sogar. Ich war für vegetarische Lebensweise früher und  vegane Lebensweise heute geradezu prädestiniert.  Ich mochte den Geruch und Geschmack von Fleisch und Fisch noch nie. Mich vegetarisch zu ernähren war für mich kein Verzicht sondern eine Befreiung. Ich musste endlich nicht mehr dieses ekelhafte Zeug essen. Wie viel schwerer muss das aber Menschen fallen, die den Geschmack von Fleischgerichten wirklich lieben. Eine Bekannte vom Veganerstammtisch sagte beim letzten Treffen, dass sie auch nach Jahren noch viele Gerichte vermisst. Wie einfach ist es da von mir, zu sagen, dass es doch nicht schwer ist aus ethischen Gründen auf tierische Produkte zu verzichten, wenn man das Alles eh noch nie gerne gegessen hat. Auch Eier und Milch mochte ich nie wirklich gerne. Für mich ist es doch gar kein wirklicher Verzicht, weil ich nichts vermisse, im Gegenteil. Ich bin froh, dass ich es nicht mehr essen muss. Ok, ich habe früher die selbstgemachten Maultaschen meiner Mutter gerne gegessen, aber Geschmäcker ändern sich mit der Zeit und mit etwas Räuchertofu rein geschnitten anstatt Rauchfleisch, würde es vermutlich auch annähernd gleich schmecken und trotzdem würde ich es heute vielleicht gar nimmer mögen. Das Einzige, was ich wirklich gerne gegessen habe und vermisse, ist weiße Schokolade, aber das ist kein sehr großer Verlust.  Auch wenn ich es gut meine, Leute über die Nachteile des Verzehrs von tierischen Lebensmitteln auf zu klären, muss jeder seinen eigenen Lebensweg finden und das tun, was jeder Mensch für sich verantworten kann. Auch hier gilt: gut gemeint ist immer Scheiße. Genauso, wie es die Mutter meines Ex mal wirklich richtig gut mit mir meinte, als sie extra einen Wurstsalat für mich gemacht hat, weil ich ja kein Fleisch esse und ein Wurstsalat ist – wie der Name ja schon sagt – ein Salat und Salat esse ich ja…gut gemeint ist wirklich immer Scheiße!

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