Altersbashing

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Das ist unser Orpheus. Das liebste, sanftmütigste Geschöpf, das ich kenne. Er ist immer gut gelaunt. Leider hat er gesundheitliche Probleme. Er leidet an IBD, einer entzündlichen Darmerkrankung.

Wir waren mit ihm bei 5 Tierärzten und 3 Heilpraktikern. Wir haben so viel versucht. Letztendlich kam immer wieder die Aussage „Ist halt ein alter Kater“.

Wir haben nun seit Sommer endlich eine Tierärztin, die auf geriatrische Betreuung spezialisiert ist und uns sehr gut hilft. Ja, er ist 15 Jahre alt, aber das heißt doch noch lange nicht, dass man seine Lebensqualität nicht so gut es geht verbessern kann.

Er ist richtig aufgelebt, seit er bei der neuen Tierärztin in Behandlung ist. Natürlich ist er kein Kitten mehr, aber er springt herum, frisst gut und ist immer fröhlich.

Auch unsere Haustiere werden immer älter, auch wenn das in den Köpfen vieler Tierärzte hier in der Gegend noch nicht angekommen ist. 15 Jahre ist nun nicht mehr „alt“. Katzen können bis zu 30 Jahre alt werden. Orpheus Schwester Onya (die beiden sind Wurfgeschwister) ist topfit und war noch nie krank. Sie ist deutlich fitter, was natürlich ist, weil sie ja keine chronische Erkrankung hat, wie Orpheus. Onya ist sogar deutlich fitter als zum Beispiel Muffin und Samson, was das herumhüpfen, rennen und jagen von Insekten betrifft.

Egal ob Mensch oder Tier: Die Aussage, dass sich ab einem bestimmten Alter etwas nicht mehr „rentiert“ oder eine Behandlung abgelehnt wird, ist einfach Unfug.

Wir werden alles dafür tun, dass unser kleiner Goldschatz so lange wie möglich, die bestmöglichste Lebensqualität hat. Dass er viel viel viel zu dünn ist, ist uns bekannt. Aber was sollen wir tun? Mehr kann er beim besten Willen nicht essen und er ißt deutlich mehr als Muffin und Onya zusammen. Nur die Coonie-Mischlinge Samson und Khaleesi essen genauso viel wie er, aber die sind auch fast doppelt so groß.

Alte Leute

Ich war auf einer Feier und neben mir saßen Menschen, die ich nur vom Sehen her kannte. Wir kamen zwangsläufig ins Gespräch. Mir gegenüber sass eine „ältere Frau“. Ich schätzte sie auf ungefähr Ende 60. Ihr Mann sah etwas jünger aus, aber auch ihn schätzte ich auf mindestens Anfang 60. Im Laufe des Abends erzählten sie von einem Künstler, dessen Ausstellung sie besucht hatten. Sie nannten den Namen des Künstlers und ich erkannte, dass sie von einem ehemaligen Nachbarn von mir redeten.

Ich fragte das Paar, woher sie den ehemaligen Nachbarn denn kennen würden und die Frau sagte „Der ging in meine Parallelklasse am Gymnasium“ und der Mann ergänzte „Daher kenne ich ihn auch. Ich bin zwar zwei Jahre jünger, aber die Klassen so 1-2 Jahre über einem, kannte man schon“. Da erkannte ich es! Der Typ war mein Jahrgang! Ich ging zwar auf das Kaufmännische und er auf das Allgemeinbildende, aber der Campus war nicht weit weg und es waren auch keine geburtenstarken Jahrgänge mehr. Die Anzahl der Schüler war überschaubar. Die Frau hatte wohl damals eine ähnliche Clique wie der Künstler und sein Umfeld und die Namen die sie nannte, kannte ich alle sehr gut.

Diese „alten Menschen“ waren gleich alt, bzw. nur geringfügig älter als ich, doch gefühlt waren wir eine Generation auseinander. Wir hatten – ausser den gleichen Bekannten von früher – wirklich nichts gemeinsam. Die Eheleute redeten wie alte Menschen, sahen aus wie alte Menschen, kleideten sich wie alte Menschen. Da kenne ich Bekannte, die wirklich Mitte und Ende 60 sind, die deutlich jugendlicher und frischer wirken. Alter ist echt relativ.

Die rote Pille

Gestern waren wir auf einem Weihnachtsmarkt. Es gab viele „Leckereien“ wie Lammburger, Milchknödel und geräucherte Forellen. Für vegan lebende Menschen gab es nur Alkohol, weshalb wir vorher Zuhause eine gute Basis geschaffen hatten.

Ich mochte diesen Markt früher sehr gerne, doch gestern war es, als hätte ich die rote Pille in Matrix genommen. Es liefen wunderschöne Gänse herum und mir schoss der sehr realistische Gedanke durch den Kopf, dass die Süssen das neue Jahr vermutlich nicht mehr erleben werden, weil sie für Weihnachten ihr Leben lassen müssen.

Erst vor ein paar Wochen fand dort ein Schlachtfest statt und in der Zeitung war ein Bild des geschlachteten Schweins abgebildet, während die Zuschauer freudig drum herum standen. Ausser uns hat sich höchstwahrscheinlich niemand Gedanken über die Gänse gemacht und ob diese nur noch ein paar Wochen zu leben haben, obwohl ihre Lebensspanne eine deutlich längere wäre, wenn sie eines natürlichen Todes sterben würden.

Ja die Tiere haben es dort besser als in der Massentierhaltung und ja, sie können sich relativ gut bewegen auf einer großen Fläche. Dennoch werden sie lange vor Ablauf ihres Lebens getötet. Seit ich „die rote Pille“ geschluckt habe und nicht mehr für das Leid von Tieren mitverantwortlich sein will, sehe ich es immer und überall. Ich kann es nicht mehr ausblenden, wie früher mit der „blauen Pille“.

Ich ertrage es nicht mehr, wenn Pferde den ganzen Tag Menschen in einer Kutsche herumziehen müssen. Ich kann keine Tiere sehen, von denen ich weiss, dass sie nicht mehr lange zu leben haben und ich nichts dagegen tun kann. Klar, ich könnte die Gänse und alle anderen Tiere kaufen. Doch wohin damit? Damit hätte ich diese Tiere gerettet, aber es wären schon in wenigen Tagen neue Tiere da, denen dasselbe Schicksal bevorsteht.

Aus diesem Grund laufe ich auch nicht mehr an einem Milchbetrieb in der Nähe vorbei. Ich weiss auch, dass sich mein Umfeld nichts dabei denkt, wenn sie Sätze sagen wie „Das Lamm ist soooo lecker“, „Das Kalbfleisch ist so zart“, „Die Muscheln sind das Beste hier“, „Die Schweinebäckchen sind deliziös“.

Was würden dieselben Menschen sagen, wenn ihnen jemand aus Peru sagen würde „Das Mehrschweinchen war so lecker, das musst Du unbedingt probieren“ oder jemand aus Asien „Das Welpenfleisch ist so zart, Du weisst gar nicht, was Du verpasst“. Der Aufschrei wäre groß, die Grausamkeit  jedoch dieselbe. Es wären nur andere Tierarten, aber im Prinzip dasselbe, nur das unsere Kultur hier, das Essen von Mehrschweinchen, Hunden und Katzen ablehnt, jedoch bei Rindern, Schweinen, Hühnern etc nicht so zimperlich ist.

Déjà-vu

Vor zwei Wochen hatte ich ein Déjà-vu. Meine beste Freundin und ich waren in einem Wellnessbad und dort trafen wir eine Frau, die meiner 2015 verstorbenen Freundin zum verwechseln ähnlich sah. Dieselbe Frisur, eine ähnliche Brille, sogar die Mimik war fast gleich.

Ich habe meinen Frieden mit ihrem frühen Tod gemacht. Wir hatten damals darüber gesprochen und auch für sie war es ok, zu gehen. Deshalb tat mir der Anblick der Doppelgängerin nicht weh. Es weckte nur gute Erinnerungen und gab mir kein schlechtes Gefühl.

Die Eltern der Freundin waren damals komplett mit ihrem Sterben überfordert und wollten es nicht wahrhaben. Es ist für Eltern wahrscheinlich das denkbar Schlimmste, wenn man sein Kind beerdigen muss.

Weil ihre Eltern mit ihrem baldigen Tod überfordert waren, war es so, dass ich bis kurz vor ihrem letzten Atemzug alleine mit ihr war. Später war eine Krankenschwester von der Palliativstation mit mir bei ihr. Wir wussten, dass es zu Ende geht und die Station hatte die Verwandten und mich ja auch entsprechend informiert.

Ich hatte wiederum eine Bekannte informiert, die in der Stadt wohnte, in der sich die Palliativstation befand. Sie wohnte nur unweit der Klinik und ich wollte ihr die Chance geben, sich von der Freundin zu verabschieden. Die Lieblingskollegin der Freundin hatte ich ebenfalls angerufen, doch sie sagte mir, dass sie das nicht könne und sie nicht genügend Kraft dafür hätte.

ALs ich schon gar nicht mehr damit rechnete, kamen die Eltern kurz vor Schluss doch noch und auch die Bekannte aus der Stadt erschien in letzter Sekunde. Ich glaube sogar, dass meine Freundin so lange gewartet hatte, bis alle endlich da waren. Als das Herz aufhörte zu schlagen, informierte ich die liebe Krankenschwester, diese bestätigte unsere Beobachtung. Sie öffnete das Fenster, wir warfen noch einen letzten Blick auf die Freundin, aber ich wusste und spürte, dass es nur noch die leere Hülle war, die sie zurückgelassen hatte.

Die Bekannte aus der Stadt und ich ließen die Eltern mit dem Leichnam alleine und verzogen uns in den Ruheraum. Dort fing die Bekannte an zu schreien und zu toben „Warum musste sie so früh sterben, sie war doch noch so jung, das hat sie nicht verdient“. Ihr Wehklagen störte mich! Es fühlte sich für mich an, als ob sie etwas Heiliges entehren würde. Ich packte sie an den Schultern und sagte eindringlich „Hör auf damit, der Tod ist keine Strafe! Was wissen wir schon, weshalb sie so jung starb. Alles was wir sehen ist nur ein kleines Puzzleteil. Ja, sie wurde uns genommen, aber woher wollen wir wissen, weshalb? Wir kennen das große Ganze nicht: Vielleicht musste sie so früh gehen, damit sie ihre nächste Inkarnation rechtzeitig erleben kann. Vielleicht hat sie in diesem Leben alles erlegt, was sie erleben wollte. Hör auf so rumzuschreien“.

Sie wurde ruhig und wimmerte nur noch leise vor sich hin. Die Schwester kam zu mir und sagte „Das haben sie klasse gemacht. Genau so ist es“. Ich hatte seit diesem Tag mit dieser Bekannten nur noch sporadisch Kontakt und mit der besten Kollegin der Freundin gar keinen mehr. Dafür treffen wir uns immer noch so 2-3x pro Jahr mit den drei Nichten der Freundin, was immer sehr schön ist.

Ich habe nach dem Tod sehr oft und lebhaft von der verstorbenen Freundin geträumt. Einmal glaubte ich sie nachts neben meinem Bett zu sehen, wie sie beruhigend über mein Haar strich. Eines Nachts träumte ich, dass sie ganz lange Haare hatte, was sie sich zu Lebzeiten immer gewünscht hatte. Ein andermal sagte sie im Traum zu mir, dass sie noch immer Teil meines Lebens sein wolle und ich sie so behandeln solle wie früher, als sie noch lebte. Letztendlich träumte ich vor einiger Zeit, dass sie sich verabschiedete und mir sagte, dass sie ein neues Leben beginnen wird. Seither habe ich auch nicht mehr von ihr geträumt.

Natürlich vermisse ich sie und denke „Dazu hätte sie jetzt das oder das gesagt“ und manchmal kommen Erinnerungen hoch und es gibt Begebenheiten und Situationen über die ich mich aufrege oder über die ich lache, die nur sie verstanden hätte. Dennoch hatten wir Zeit uns zu verabschieden und ich habe meinen Frieden mit ihrem frühen Tod, weil ich weiss, dass ich alles getan habe, was mir möglich war. Ich war für sie da, als sie mich gebraucht hat, ich habe alles Menschenmögliche versucht, ihr zu helfen. Sie sagte auch zu mir, dass sie keine Angst hätte zu gehen, weil sie ja ein guter Mensch war und nichts zu befürchten hätte.

Sie sagte mal, dass es ihr leid tue, dass sie mir das was ich für sie getan hätte nicht zurück geben könne und ich entgegnete, dass sie das doch auch nie hätte müssen. Unsere Freundschaft war bedingungslos. Und wer weiss schon, ob sie es mir nicht eines Tages zurückgeben kann. Vielleicht hat sie das aber auch schon in einem früheren Leben getan. Auch hier kennen wir das Gesamtbild nicht. Vielleicht kennen wir uns schon seit vielen Leben oder aber wir werden noch weitere Leben zusammen erleben auf die eine oder andere Art.

Ich mag es nicht hören

Ich verbringe manchmal meine Mittagspause in einem Café. Ich will dort einfach für 20 Minuten meine Ruhe haben, WhatsApp checken, etwas durch Insta scrollen oder einfach meinen Gedanken nachhängen.

Doch seit einiger Zeit gesellt sich immer eine andere Frau zu mir an den Tisch. Die Frau ist nett und ich habe nichts gegen sie, aber sie erzählt mir sehr oft von Krankheiten. In detaillierter epischer Breite werden Körperausscheidungen aller Art beschrieben. Nicht nur ihre eigenen, sondern auch die ihres Sohnes.

Wie gesagt finde ich die Dame nett, aber ich mag echt nicht beinahe jeden Tag etwas über Krankheiten oder Töpfchentraining hören. Ich erzähle doch auch nicht jeden Tag von den herausgewürgten Haarballen meiner Katzen oder dass sie mir ein „Herz“ gepinkelt haben (was durchaus vorkommt, hahahaha).

Ich mag das alles nicht hören, aber wie kann ich das der Frau nett beibringen? Ich kann doch nicht sagen, dass ich nichts über Körperflüssigkeiten und Exkremente anderer hören will und auch nichts über sonstige körperliche Befindlichkeiten. Es bringt ja auch nix, wenn sie ewig über ihren starken Husten lamentiert.

Als ich lange krank war, habe ich doch auch nicht jeden Tag andere zugejammert über meine Schmerzen. Es hätte nichts an der Situation geändert. Geteiltes Leid ist doppeltes Leid, nicht Halbes. Ich habe nix dagegen, wenn jemand erzählt, dass er Kopfschmerzen hat oder sonst irgendwas, das ist völlig ok. Was ich jedoch nicht mag, ist das immer wiederkäuende Gejammer. Das ständige Mimimi.

Eine Bekannte hat seit Monaten Schmerzen am Arm und jammert täglich darüber. Dann muss man sich eben mal einen Termin bei einem Spezialisten geben lassen und abklären, was es ist und wie es behandelt werden kann. Aber nein, man jammert lieber weiter. Ich glaube manche würden gar nicht mehr wissen, was sie reden sollen, wenn sie nicht mehr jammern müssten.

Ich hab echt keinen Nerv mehr dafür, mir endlose Jammertiraden anzuhören. Ich überlege ernsthaft, mir einen anderen Aufenthaltsort über Mittag zu suchen. Aber das wäre alles weiter weg und umständlich und ich müsste mich wieder verbiegen, nur um diesen Gesprächen aus dem Weg zu gehen.

Ich bin zu alt für all den Schrott. Ich mag meine Lebenszeit nicht mehr mit den Jammerlappen verbringen, weiss aber nicht, wie ich mich elegant ihrer entledigen kann. Ich habe für Januar einen Termin bei einer Hypnosetherapeutin gebucht. Vielleicht kann sie mir helfen, dass ich diese Menschen nicht mehr anziehe wie ein Magnet. Ich will nicht nur deppenfreie, psychofreie- sondern auch jammerfreie Zone. Ist doch nicht zuviel verlangt.

Wieso wohl

Ich habe ein neues Auto und damit das Kennzeichen gewechselt und zwar zum Kennzeichen der Stadt, in der ich geboren wurde und nicht, wie bisher, das Kennzeichen der Stadt, in der ich derzeit wohne.

Erstaunt wurde ich gefragt, weshalb ich denn ausgerechnet dieses Kennzeichen habe. Weil es meine Heimat ist! Weil ich ein klitzekleines bisschen Verbundenheit zu meiner Heimat zeigen will! Weil ich noch immer ab und an Heimweh habe und auch nach 17 Jahren noch nicht heimisch geworden bin in dieser Stadt, die zugegebenermaßen architektonisch die Schönere ist, doch deren „Ureinwohner“ oftmals eine sehr befremdliche Mentalität für mich haben.

Es ist auch bezeichnend, dass alle meine Freunde hier, keine „Eingeborenen“ sind, sondern ebenfalls „Zugezogene“ wie ich. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, doch oftmals empfinde ich viele „Ursprungsbürger“ hier als sehr merkwürdig. In meiner Heimat würde man solche Menschen als „Erbsaglaubar“ bezeichnen.

In der Matrix

Manchmal glaube ich wirklich, dass wir in einer Art Matrix leben, wie in der gleichnamigen Filmreihe mit Keanu Reeves.

Vielleicht ist jede Inkarnation eine Art Theaterstück. Wir wechseln nur die Kostüme und das Ensemble. Innerhalb der Theaterstücke wechseln aber auch die Bühnenbilder und die Darsteller.

Ich hatte schon „gute Stücke“ mit guten Darstellern und Regieführung, aber auch schon Grottenschlechte mit Laiendarstellern und unfähigen Regisseuren.

Man kann das gesamte „Theater“ wechseln, oder auch nur das „gespielte Stück“. Oftmals sieht man die anderen „Schauspieler“ nie wieder, oder erst nach Jahrzehnten.

Wenn alles nur ein Spiel ist, müssen wir es auch nicht so ernst nehmen. „Stücke“ werden gespielt und abgesetzt. Kostüme wechseln, der Zeitgeist bestimmt die Art des „Theaters“, Die Stücke, die in meiner Kindheit und Jugend gespielt wurden, wären heute undenkbar. Die gesamte Szenerie hat sich geändert, inklusive mir.

Vielleicht ist das die wahre „Erleuchtung“, wenn man erkennt, dass alles nur ein Spiel ist. Eines von Unendlichen in wiederum unendlichen Varianten in unzähligen Realitäten und Universen.

Des Däng

Vor vielen Jahren arbeitete ich als fremdsprachliche Wirtschaftskorrespondentin im Ostalbgebiet und hatte einen sehr netten, hochdeutsch sprechenden Kollegen aus Norddeutschland.

Wir hatten eine zeitlang eine Auszubildende, die extrem starken Dialekt sprach. Eines schönen Tages trafen wir sie gleichzeitig am Stockwerkskopierer. Sie schimpfte lautstark „Des blede Däng äsch ällaweil hä“. Der Kollege aus dem Norden schaute mich entgeistert an und fragte „Was hat es gesagt?“. Ich erklärte ihm, dass die Azubine sich über den Zustand des Kopierers aufgeregt hat, weil dieser immer defekt wäre. Er sagte „Du bist echt eine gute Fremdsprachenkorrespondentin, ich habe kein Wort davon verstanden“.

Tja, ich musste nicht nur Deutsch /Englisch übersetzen, sondern auch häufig Ostälblerisch / Hochdeutsch.

Ich kann mich auch noch sehr gut an eine Szene erinnern, als ein neues Programm eingeführt wurde und ich die Aufträge anschauen wollte und mir der Projektleiter voller Entrüstung sagte „Die sind natürlich unter U gespeichert. U wie Uffdraaag“. Ich Dummerchen hatte es unter A wie Auftrag oder O wie Order gesucht, dabei war die Lösung so naheliegend. Mein Fehler.

Es gibt ein paar deutschsprachige Dialekte, die ich persönlich super sympathisch finde, wie Fränkisch, Bayrisch, Schwitzerdütsch oder Wienerisch. Andere sind jetzt nicht so ganz meine Favoriten, aber das ist wie bei Allem natürlich komplett subjektiv und Geschmacksache. Ich finde es dennoch gut wenn Dialekte aufrecht erhalten werden und nicht aussterben, weil wenn allii gleich babblaa deaadaa wär des scho arch langweilich.

Urlaub und meine Gedanken dazu

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Wir waren ein paar Tage in einem südlichen Land im Urlaub. Es war ein schönes Hotel direkt am Meer, sehr abgelegen, weit und breit kein Remmidemmi. Personal war supernett. Wir haben viel gefaulenzt, im Meer und im Pool gebadet, gut gegessen und uns echt erholt, was bitter nötig war. Soweit so gut.

Ein paar Tage waren völlig ok, aber länger hätte es nicht sein müssen. Ich habe festgestellt, dass ich nicht der Typ für Strandurlaub bin und ich auch nicht mehr unbedingt in ein südliches Land muss.

Das hat mehrere Gründe:

Wir sahen unzählige Katzen und auch ein paar herrenlose Hunde. Natürlich alle nicht kastriert. Allerdings war kein Tier älter als ungefähr 1 Jahr. Es gab keine erwachsenen Tiere, sondern nur Kitten und Halbwüchsige. Sie sahen zwar alle recht gut aus, aber ich habe recherchiert. Es ist wohl so, dass sie über den Sommer vom Hotelpersonal und den Urlaubern gefüttert werden (sie sahen auch echt alle gesund aus), aber in den Wintermonaten verhungern sie oft, weil niemand mehr da ist, wenn die Ferienregionen „zu“ sind.

Ich habe im Hotel nachgefragt und es wurde mir gesagt, dass die Anlage ganzjährig bewacht wird und das Wachpersonal die Katzen und Hunde füttern würde. Ich hoffe inständig, dass es so ist, aber es ist schon sehr merkwürdig, dass ich keine älteren Tiere sah. Mir schlägt sowas enorm aufs Gemüt. Die Hunde und Katzen waren so tolle Tiere und wirklich wunderschön.

Auch geschmälert wurde das Urlaubsvergnügen durch das Essen, das landestypisch aus vielen tierischen Produkten bestand. Das Schlimme für uns Veganer war nicht der Umstand, dass die Essenauswahl für uns auf die Beilagen und einen Teil der Salate beschränkt war, sondern dass wir die einzigen waren, die sich darüber Gedanken gemacht haben, dass das „Essen“ einmal ein fühlendes Geschöpf war. Tintenfische sind hoch intelligente Wesen. Ich bin mir sicher, dass sie in vielen Fällen, denjenigen, die sie verspeist haben, geistig haushoch überlegen waren. Es ist aber nicht die Intelligenz das Kriterium, sondern die Leidensfähigkeit. Ich bin mir sicher, dass Hummer oder Krebse massive Schmerzen empfinden, wenn sie zu Tode gekocht werden. Jeder der sich schon mal gebrannt hat, kann sich das Ausmaß vorstellen.

Mein Mann sprach gestern Abend im Speisesaal aus, was ich dachte: „Das ist hier wie beim kleinen Arschloch“. Die Comicfigur von Walter Moers war auch immer massiv „drüber“. Wir hatten gestern das extrem zweifelhafte Vergnügen, die lautstarke Unterhaltung von drei „Grazien“ am Nebentisch mit anzuhören. Es gab kein Entrinnen, auch wenn ich mir teilweise echt die Ohren zuhalten musste. Uns war klar, dass die angenehme Zeit beim Essen vorbei war, als die drei Frauen ankamen und sich an den Tisch neben uns setzten. Es waren komplett unterschiedliche Frauentypen, aber schon von weitem auf ihre Art unsympathisch. Sie setzten sich und die Unterhaltung erstreckte sich vom Lammkotelett über Mastschweine und detailliert über das Schlachten selbiger.

Uns war nicht klar, dass man sich über eine halbe Stunde nur über das Töten von Tieren unterhalten kann. Im alltäglichen Plauderton. Ohne auch nur eine Sekunde an die Angst, die Schmerzen und das Leiden der Tiere zu denken.

Ich ertrage das nicht mehr und ich will es auch nicht mehr ertragen. Wir standen auf und gingen an den Strand, wo wir unsere Ruhe hatten. Keine doofen Weiber, keine Tierleichen, nur das Rauschen der Wellen. Es waren ein paar schöne Tage, die durch einige Umstände geschmälert wurden. Leider ist die Welt noch immer – auch hierzulande – überwiegend von Tierleid dominiert. Ich kann leider nicht alle Tiere retten und ich kann die Menschheit nicht zum Umdenken zwingen, so sehr ich das auch möchte. Dennoch ist da noch Hoffnung, dass es vielleicht doch einmal eine Welt geben wird, in der Tiere das Recht auf Unversehrtheit haben werden. Unterstützt wurde diese Hoffnung von einem circa 8jährigen Jungen, der extra in die nächstgelegene Stadt gefahren war, um Katzenfutter zu kaufen und der jeden Abend damit beschäftigt war, alle hungrigen Mäuler zu füttern.

Besser als Urlaube wäre eh ein Leben, von dem man keinen Urlaub als Erholung bräuchte.

Jetzt ist es soweit

sagte mein Mann. Diesem Ausspruch vorausgegangen war eine Konversation zwischen meinem Puschelchen und mir. Ich kochte und er schmiegte sich um meine Waden. Er maunzte „Ma Ma“. Ich freute mich und fragte ihn „Hast Du gerade Mama gesagt?“ und er antwortete „Mja!“.

Mein Mann schüttelte nur den Kopf und sprach obigen Satz aus, was soviel bedeutet, wie dass es jetzt Zeit für eine Überprüfung meines Geisteszustands wäre.

Kann schon sein, dass ich nicht ganz dicht bin, aber ich bin mir sicher, dass mein Puschelchen mich liebt und in mir seine Mutter sieht. Er ist voll das Mama-Söhnchen. Manchmal schon etwas obsessiv, aber ich liebe es, wenn er auf meinem Bauch liegt oder in meinen Kniekehlen. Ich könnte sein süsses Gesichtlein ewig anschauen. Dafür habe ich echt gerne einen leichten bis mittelschweren Dachschaden.