Das erste Weihnachten ohne meine Mutter

ist komisch. Sie fehlt natürlich. Eine liebe Freundin sagte mal, dass Heilung beginnt, wenn man einen Jahreszirkel durch hat, ohne die geliebte Person. Weihnachten, Geburtstag, Ostern etc. Meine Work-Bestie sagte „Es ist ja auch noch keine Zeit“. Das ist wahr. Es sind jetzt knapp über 5 Monate, noch nichtmal ein halbes Jahr.

Es gibt noch so oft Tage, wo ich denke „Du musst Mama anrufen, bevor sie ins Bett geht“. Vor ein paar Wochen hatte ich auch den Gedanken „Was schenkst Du Mama dieses Jahr?“. Solche Momente wird es noch eine Weile geben. Geträumt habe ich nur zweimal von ihr.

An Festtagen bin ich meistens nochmal sentimentaler als eh schon. Unser Orpheus macht uns gerade auch wieder mehr Sorgen. Ja klar ist er 16 Jahre alt und hat körperlich stark abgebaut, aber dann schaut er mich wieder mit seinen grünen Augen so an, wie heute morgen und ich weiß, dass er kämpft und dass er leben will und ich kämpfe mit ihm. Wir machen alles in unserer Macht stehende, dass es ihm so gut wie möglich geht.

Schon das gesamte Jahr ist mein Nervenkostüm immer unter Hochspannung und ich weiss nicht, wie ich mich beruhigen kann. Auch bei Orpheus wird irgendwann Tag X kommen, wie bei meiner Mama. Egal was ich tue und ob ich mich verrückt mache oder nicht. Deshalb genieße ich so Tage wie heute, wo er wieder munterer ist und mich freudig morgens mit seinen wunderschönen grünen Augen liebevoll anschaut und sofort zu schnurren beginnt, wenn ich über sein Köpfchen streichle. Jetzt in diesem Augenblick bin ich sicher.

Zu viele Tassen im Schrank

Immer wieder bekomme ich Tassen geschenkt. Das ist lieb gemeint, doch mein Schrank platzt aus allen Nähten, weil ich so viele Tassen habe. Einhörner, Katzen, Flamingos, Kühe, Schafe, Tassen mit Sprüchen drauf und nicht zu vergessen die Weihnachtstassen von diversen Weihnachtsmärkten.

Wir haben viel zu viele Tassen, Gläser, Geschirr und Besteck.

Oft bekomme ich auch Kerzen geschenkt, die ich dann entweder wegwerfe oder weiter verschenke. Seit einem Fiasko mit einer Kerze, die ich geschenkt bekam, kommen mir keine Kerzen mehr ins Haus. Das gesamte Haus war voll Ruß und das schlimmste war, dass die Katzen russig waren. Onya war nicht mehr weiss, sondern grau! Wir haben tagelang geputzt und geschrubbt, aber die Decke im Wohnzimmer ist noch immer schwarz und muss gestrichen werden.

Oft bekomme ich auch Handcremes, Seifen oder Lotionen geschenkt. Auch das gut gemeint, doch ich möchte mir gerne den Duft selbst aussuchen, ich bin da eigen. Wie gesagt ist die Intention dahinter immer eine Gute und ich habe auch noch nie etwas gesagt, wenn ich Tassen oder Cremes geschenkt bekam. Bei der Kerze habe ich es gesagt, weil ich sowas echt nie wieder erleben möchte. Ist mir mit den Katzen auch viel zu gefährlich. Ich hab nur eine einzige Kerze im Haus, mit weissem Salbei, die ich zum Reinigen der Hausenergie benütze, aber nur unter Aufsicht und ich lasse sie nur kurz brennen. Ansonsten sind wir auf LEDs umgestiegen.

Früher hat man zu viele Tassen auf Polterabenden entsorgt, aber heutzutage veranstaltet niemand mehr einen Polterabend, das ist sowas von out. Deshalb weiss ich nicht so recht, was ich mit den 30 Tassen machen soll, weil 10 würden uns allemal reichen, selbst wenn wir jeden Tag mehrere benützen, zumal die Spülmaschine eh fast jeden Tag läuft.

Meine Bestie hat mir zum Geburtstag ein Event in der Bemalbar geschenkt. Ich werde dort ganz sicher keine Tassen bemalen, sondern eher einen Fressnapf oder Teller, weil ich echt genug Tassen im Schrank habe, auch wenn manche behaupten würden, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank.

Macht Dir das was aus?

fragte mich letzte Woche ein Kollege. Er meinte damit, ob ich ein Problem habe, wenn andere um mich herum Fleisch essen. Ja, ehrlich gesagt macht mir das sehr viel aus. Ich versuche es so gut es geht auszublenden, aber das ist das eigentlich Schlimme am vegan sein.

Nicht der „Verzicht“ auf irgendwas und dass man in Restaurants und auf Veranstaltungen oft nichts Gescheites zu essen bekommt. Damit komme ich prima klar.

Das was mir zu schaffen macht, ist, dass ich Kollegen, Freunden, Familienmitgliedern zusehen muss, wie sie ohne einen Gedanken daran zu verschwenden Fleisch, Milchprodukte, Eier etc konsumieren und niemand ausser mir sich um die Opfer schert und das Leid, dass damit verbunden ist.

Für sie sind es „Nahrungsmittel“ und „Produkte“ und „Genuss“ für mich sind es Lebewesen, die lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensspanne getötet wurden und davor meistens mißhandelt und mißbraucht. Für Euch ist es nur ein Stück Fleisch, Sahne, Ei, Milch, Honig. Ihr esst es und dann ist es vergessen. Ich sehe darin das Tier, das für Euren Konsum starb. Das ist das, was mir wirklich weh tut am plant-based Leben.

Ich hatte letzte Woche Geburtstag und meine engsten Freunde zum Essen eingeladen. Jede/r außer meinem Mann bestellte irgendwas Tierisches zu essen. Niemand dachte auch nur eine Nanosekunde darüber nach, wie das auf mich wirkt. Es ist einfach zu „normal“. Wir Veganer sind die „Abnormalen“. Manchmal verzweifle ich an dieser Welt, wo man dafür lächerlich gemacht wird, wenn man kein Tierleid unterstützt.

Vielleicht sollte man die Wörter „pflanzlich“ oder „vegan“ ersetzen durch „tierleidfrei“. Wenn ich mein Essen so bestellen würde: „Ich hätte gerne den Kaffee mit tierleidfreier Flüssigkeit, für die kein Kälbchen seiner Mutter weggenommen wurde und noch im Kindesalter geschlachtet wurde, weil es ein Abfallprodukt der Milchindustrie war“, „Ich hätte gerne den Muffin ohne das Periodenprodukt von einem Huhn für das die männlichen Küken geschreddert, vergast oder nach 30 Tagen als Tierkind geschlachtet werden, weil sie Abfallprodukte der Eierindustrie sind“, Ich hätte gerne das Gericht ohne getötetes fühlendes Lebewesen, das nicht sterben wollte, aber ermordet wurde, als es noch ein Kind war, oder als es keine ‚Leistung‘ mehr brachte“.

Vielleicht würde das das Bewusstsein schärfen. Ich weiss es nicht. Vermutlich wäre es den Meisten trotzdem egal. Alle bezeichnen sich als „tierlieb“, aber bei den „Nutztieren“ hört die Tierliebe auf. Anerzogener Karnismus und Speziesismus. Aber was, wenn man das auch wieder aberziehen kann?

Zeit für etwas Schabernack

Nach all den tiefgründigen Gedanken gibt es heute mal wieder eine Geschichte aus meinem Leben. Die „Tat“ ist verjährt und ich kann sie erzählen.

Ich hatte mal einen Arbeitsplatz mit wirklich tollen Kollegen. Wir waren eine coole Clique und wir nannten uns „The Agents“. Wir hatten jedoch auch einen Antagonisten. Einen neidischen Typen, der immer versuchte, uns eins rein zu würgen. Der Kerl hatte eine Lieblingstasse und eines schönen Tages beschlossen wir, dass wir seine Tasse „töten“ müssen. Wir kauften Silvesterknaller und sprengten das Ding auf dem Parkplatz in die Luft.

Dieser Vorfall ereignete sich bestimmt schon vor beinahe 20 Jahren. Der Besitzer der Tasse schrieb damals ein Rundmail an die gesamte Firma und forderte zur Herausgabe seiner Keramik auf, weil er lediglich von einer „Entführung“ ausging. Es gab bestimmt viele, die unsere Aktion mitbekommen hatten, aber niemand verlor ein Wort darüber, weil dieser Mann insgesamt sehr unbeliebt war.

Es war nicht nett und die Tasse konnte nichts dafür, aber dennoch ist das nichts, was ich bereuen würde. Ausser der Tasse kam niemand zu schaden, der hinterhältige Kollege hatte es verdient, seiner Lieblingskaffeetasse beraubt zu werden und mit der Zerstörung selbiger, war auch unsere Wut auf ihn verflogen. Er hatte seine Strafe erhalten und damit war die Angelegenheit für uns erledigt. Ab dem Tag der Sprengung gab es seltsamerweise auch seinerseits keine Repressalien mehr gegen uns. Vielleicht ahnte er, dass wir es waren. Jedenfalls bin ich froh, dass ich diesen Menschen nicht mehr sehen muss.

Was übrig bleibt, wenn alles vorbei ist

Wir vergessen viel zu oft, dass wir nichts von hier mitnehmen, wenn wir „gehen“. Kein Haus, kein Auto, keine Yacht, kein Geld, keine Klamotten, keinen Schmuck, keine Ländereien, keine Statussymbole und schon gar keine Titel oder Trophäen.

Wenn wir unsere körperliche Hülle abgestreift haben und die Kiste zugemacht wird, müssen unsere Erben all unser Zeug entsorgen. Ein gesamtes Leben landet dann in einem Container und nur wenige ausgewählte Stücke bleiben als Erinnerung an einen zurück, vielleicht, vielleicht bleibt auch gar nichts und alles wird verschrottet. All der Nippes, den man angesammelt hat, die Konservendosen, die Gläser, das Geschirr, die Möbel, die Kleidung die Bücher. Alles landet im Müll. Nichts bleibt für die Ewigkeit und irgendwann erinnert sich niemand mehr, dass man überhaupt existiert hat, weil alle, die einen kannten, ebenfalls verstorben sind. Vielleicht ist man dann noch ein Name auf einem Familienstammbaum, eventuell betreibt irgendein Nachfahre Ahnenforschung und findet einen, das wars dann aber auch. Übrig bleibt nichts, auch die Asche zersetzt sich.

In allerspätestens 70 Jahren wird alles über was ich mir heute Sorgen mache, irrelevant sein, weil ich höchstwahrscheinlich schon lange nicht mehr hier sein werde und auch alle, über die ich mir Sorgen mache, nicht mehr. Bis dahin sind wir vermutlich alle schon wieder inkarniert und treffen uns erneut in unterschiedlichen Konstellationen. Deshalb ist das Beste, was wir tun können, die verbleibende Zeit zu genießen und nicht in Trauer und Trübsal zu verfallen, weil die Zeitspanne, die wir haben viel zu kurz ist.

and nothing else matters

was geschieht mit uns, nach unserem Tod, wenn wir unseren Körper abgestreift haben? Niemand weiss es wirklich und es gibt nur Vermutungen.

Meine Vermutung ist, dass wir zurück in die „Geistige Welt“ kommen, zurück in unsere wahre „Heimat“. Dort durchleben wir dann eine Art Regenarationsphase, oder auch eine Art „Hölle“, je nachdem, an was wir „glauben“ und was wir hier „in der Matrix“ getan haben. Der Tod ist nur schlimm, für diejenigen, die hier zurück bleiben. Diejenigen, die „gehen“ kommen zurück in den „Himmel“. Je nach „Entwicklungsstadium“ kommen wir in unterschiedliche Ebenen im „Jenseits“wo wir eine Weile bleiben, bis wir wieder reinkarnieren, auf dieser Welt oder einer Anderen. So lange, bis wir alle irgendwann die höchste Ebene in der geistigen Welt erreicht haben und wieder ins „Nirvana“ zurückkehren. Dieses „Nirvana“ ist das, was wir „Gott“ nennen. Bzw, wir alle zusammen ergeben diesen „Gott“. Wir alle sind Teile des Göttlichen.

Ich glaube nicht an eine der „Weltreligionen“ und denke, dass man niemals einer Religion trauen sollte, die alles verbietet, was Spass macht oder die das Weibliche „verteufelt“, aber ich bin keine Atheistin. Ich glaube an Spiritualität, an andere Dimensionen, Universen, an ausserirdisches Leben, an Naturwesen, an Elfen und Feen, an jenseitiges Leben, an die Unsterblichkeit der Seele.

Ich hoffe, dass wir alle die wir lieben wiedersehen werden, bzw. irgendwann erkennen, dass wir alle Eins sind und dass keine Seele verloren geht und irgendwann alle wieder zusammen sind.

Beweisen kann ich es natürlich nicht, aber das können die „etablierten Religionen“ auch nicht.

Wenn ich recht habe, ist Groll, Neid, Hass, Zwietracht, Streit und Krieg sowieso unsinnig, weil wir uns das alles selbst antun, weil wir alle dasselbe sind: Gott, nur in unterschiedlichen Erscheinungsformen.

Tonight Freunde

In der tiefsten Provinz gab es früher so rollende Dissen, die jede Woche in einem anderen Kuhkaff gastierten. Die Landjugend pilgerte hinterher und der Höhepunkt des Wochenendes war es, Rotwein mit Cola gemischt aus Plastikbechern zu trinken und darauf zu hoffen, dass man nicht an den verschütteten Resten, des „leckeren“ Getränks mit den Schuhen festklebte.

Die „mobilen Diskotheken“ fanden meist in Turn- und Reithallen, sowie Vereinsheimen statt. Auf der Bühne stand ein Typ, den ich damals schon als „älteren Mann“ ansah, aber vermutlich war er nur circa 10 Jahre älter als ich. Er hüpfte den gesamten Abend in weiss-schwarz gestreiften Leggins zu Konservenmucke auf und ab und zwischen den Liedern rief er immer lautstark „Tonight Freunde“ ins Mikro.

Diese Veranstaltungen waren äußerst beliebt. Böse Zungen würden sagen „Wir hatten ja damals nix anderes“, aber in den umliegenden größeren Städten gab es sehr wohl „richtige Diskotheken“, die jedoch ganz andere Musik spielten. Bei den Dorfevents gab es meist 80er Klassikrock, allerdings waren es damals noch keine Klassiker, sondern erst frisch erschienene Songs, bzw. höchstens 10 Jahre alte Lieder. Klassiker sind sie erst jetzt. Vielleicht mag ich deshalb das ganze Zeug aus den 80ern nicht mehr hören, weil ich schon damals einen absoluten Überdruss daran hatte.

Früher war nicht wirklich alles besser. In der Nostalgie war es damals schon schön. Die Veranstaltungen erleben gerade wieder ein Revival. Anscheinend mit dem selben Veranstalter, der inzwischen schon mindestens Mitte bis Ende 60 sein müsste. Wem’s gefällt, der soll sich das gerne reinziehen, ich brauche keine „Reise in die Vergangenheit“.

The big ape

Trotz oder gerade wenn alles schwerer ist, sind aberwitzige Stories um so wichtiger:

In gefühlt einem anderen Leben, war ich Fremdsprachenkorrespondentin bei einem großen international tätigen Unternehmen. Ich hatte einen Kollegen, der eine Zeit lang mit mir im Zimmer saß und der oft zu unfreiwillig komischen Szenen neigte.

Es war an einem schönen Nachmittag Anfang eines Jahres, als er mit der französischen Niederlassung des Unternehmens telefonierte. Der Kollege am anderen Ende der Leitung hatte einen stark ausgeprägten Akzent und er redete auch sehr laut. Ich hörte bis zu meinem Arbeitsplatz, wie er immer wieder sagte „Delivery in week eight“. Zumindest wollte er das sagen, es hörte sich eher an wie „Deeellibbberyyy in wiiiiiig Äigggggd“. Mein Kollege im Büro verstand jedoch „Big Ape“ und wiederholte es immer wieder in die Telefonmuschel fragend: „Big Ape?“, „Big Ape?“ während der Franzose immer verzweifelter „Wiiiig Aiigggd“ antwortete.

Ich hörte mir das Spektakel eine Weile an, bis ich vor Lachen fast von meinem Schreibtischstuhl flog. Irgendwann hatte ich Erbarmen mit dem Kollegen (dessen Lieblingsspruch sowieso „Heute holen sie mich noch“ war und damit meinte er durchaus die Pfleger einer Irrenanstalt, die einen mit einer Jacke abholen, die man hinten zumacht) und erklärte ihm, dass die Franzosen keinen großen Affen geliefert haben wollen, sondern ihre Lieferung in Kalenderwoche Acht erhalten möchten.

Es ist noch immer eine der lustigsten Geschichten aus dieser Zeit. Immer wenn ich Gorillas sehe, oder Planet der Affen denke ich an den „fremdbesetzten“ Kollegen, der den Franzosen einen großen Affen schicken wollte.

Immer 100 %

Eine ehemalige Freundin sagte mal zu mir „Du gibst für andere immer 100 %, das könnte ich nicht, das bewundere ich an Dir“.

Ich habe so meine Zweifel, ob das eine „Eigenschaft“ ist, die Bewunderung verdient. Es ist eher ein „Zwang“, für Andere da zu sein, alles für sie zu geben. Egal ob es die Freundin ist, die gerade von einem Typen sitzen gelassen wurde, jemand im Umfeld, der chronisch krank ist, die Freundin, die oft und gerne jammert, der Kumpel, der keine Freundin findet, die Bekannte, die immer mies drauf ist, das nette Ehepaar, das gerade mit Knochenbrüchen und bakteriellen Infektionen geplagt ist, etc.

Ich fühle mich so oft für die Launen und Befindlichkeiten anderer verantwortlich und versuche dann, die „Stimmung“ zu verbessern oder ihnen mit irgendwas eine Freude zu machen, aber nein, das ist verdammt noch mal nicht mein Job. Die wenigsten scheren sich darum, wie es mir geht und wenn, dann wird es oft sogar noch abgetan. „Deine Mutter war ja schon so alt“, oder „Ist ja schon 4 Monate her“, „Ist doch nur eine Katze und alt ist er auch“. Ich muss aufhören, immer für alle Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, die für mich nie einen Finger krumm machen würden.

Wer war denn in schweren Zeiten für mich da? Erst recht interessiert es kaum jemand, wie es meinem Kater geht. Im Gegenteil, es kommen Bemerkungen wie „Du steigerst Dich da rein“, „Irgendwann stirbt er halt“. Ja natürlich ist das so, aber deswegen kann man doch sagen: „Hey, wenn Du was brauchst, gibst bescheid, ich bin für Dich da“. Das kam von exakt einer Freundin.

Ich habe gerade kaum Kraft für mich. Ich bin noch immer angeschlagen vom Tod meiner Mutter und der Zeit davor, auch wenn ich das nach Aussen nicht zeige (weil sowieso kaum jemand Verständnis dafür hätte). Ich habe Momentan so oft Panikattacken, Herzrasen, rationale und irrationale Ängste.

Ich weiss, das ist alles erklärbar und ja, ich bin jetzt halt in einem Alter, wo mir das Auf und Ab der Hormone zu schaffen macht. Es gibt Schlimmeres und es gibt Menschen, die wirklich was richtig Schlimmes haben, wie eine unheilbare Krankheit. Krebs, einen Tumor. Das sind die wahren Helden, die Bewunderung verdienen. Nicht ich mit meinen „Kinkerlitzchen“ mit denen jeder konfrontiert wird. Jeder der Haustiere hat, verliert sie irgendwann, weil sie nun mal leider eine geringe Lebensspanne haben. Jeder, der nicht selbst sehr jung stirbt, erlebt irgendwann den Tod seiner Eltern. Jede Frau erlebt irgendwann das Ende ihrer reproduzierfähigen Phase mit allem, was damit verbunden ist.

Das ist nichts Weltbewegendes und nichts worüber man jammern müsste. Es ist der Lauf des Lebens. Es ist wie es ist. Dennoch haben auch meine „Befindlichkeiten“ ihre Berechtigung. Auch ich darf traurig sein, ausgelaugt sein, mich fürchten vor dem was kommt. Auch ich darf mal einfach nur für mich sorgen. Denn erst wenn ich wieder Kraft für mich habe, kann ich auch wieder für andere da sein. Es ist wie bei der Einweisung im Flugzeug: Setzt Eure Sauerstoffmasken zuerst auf, erst dann kümmert Euch um Andere.

Wenn mein Orpheus wieder stabiler ist, werde ich wieder die Kraft haben, mich um andere zu kümmern, für diejenigen da sein, die Hilfe brauchen. Mit manchen Situationen weiss ich nicht recht umzugehen. Die Freundin, die wirklich schwer erkrankt ist. Ich fühle mich unbeholfen und linkisch und hoffe nichts Blödes zu sagen oder zu schreiben. Versuche ihr witzige Anekdoten aus der Vergangenheit zu erzählen, weil ich nicht weiss, was ich sonst tun könnte. Vielleicht reicht es auch manchmal schon, dass sie weiss, dass ich an sie denke und ich denke sehr oft an sie. Nicht erst, seit ich von der Diagnose weiss, auch vorher schon. Sie war nie aus meinen Gedanken. Es gibt Menschen, die habe ich echt vergessen. Die sind so aus meiner Gedankenwelt, dass ich nur an sie denke, wenn sie irgendjemand erwähnt, aber dazu gehörte sie niemals. Wir hatten sehr schöne Zeiten zusammen. Sie ist ein Teil meiner Vergangenheit und sie war damals die Einzige, die mir geholfen hat, als ich den neuen Job anfing und sie meine Kollegin war. Das werde ich ihr niemals vergessen.

Ich weiss, nicht, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Habe Angst aus Unbeholfenheit etwas „Falsches“ zu sagen. Vermutlich ist das alles unbegründet und wenn man jemand lieb hat, kann man nicht wirklich etwas falsch machen.

Mal wieder eine „neue“ alte abstruse Story

Es war einmal eine Walpurgisnachtfeier, auf der eine meiner Freundinnen und ich wirklich einen über den Durst getrunken hatten. Es war so eine Kneipennacht und wir waren schon an der vierten Station angelangt, als wir auf die glorreiche Idee kamen, den Weg zu den Toiletten zu versperren und „Wegezoll“ zu verlangen. Erstaunlicherweise funktionierte es bei allen Männern richtig gut und alle zahlten, nur die Frauen verwünschten uns. Wir hatten allerdings schon einen Alkoholpegel erreicht, wo uns das gänzlich egal war. Wir hatten Spass. Vom Wegezoll bezahlten wir weitere Getränke und fingen an, auf den Tischen zu tanzen. Die Lokalität war kein Bierzelt und es war dort nicht üblich, dass jemand wie in „Coyote Ugly“ auf der Theke oder den Tischen tanzte, aber auch das interessierte uns nicht. Irgendwann versammelten sich alle Anwesenden in dieser Gaststätte um uns herum und schauten uns beim tanzen zu. Leider kamen wir nicht auf die Idee, sie auch dafür zahlen zu lassen, sonst hätten wir an dem Abend sicherlich viel Geld mit nach hause gebracht. Wir strippten nicht oder sowas, wir behielten selbstverständlich unsere Klamotten an. Wir schwebten an diesem Abend einfach so durch das Leben. Sorgenfrei, furchtlos und lebenslustig. Wenn es Tage gibt, die ich gerne wieder erleben möchte, gehört dieser Abend definitiv dazu.