Once in a lifetime

Wie ich geschrieben habe, wurde ich in den letzten Monaten leider sehr häufig mit dem Tod von geliebten Wesen konfrontiert. Meine Mutter, unser Orpheus und unsere Onya.

2015 verlor ich meine damals beste Freundin an den Tod. Wir hatten eine sehr enge Freundschaft, wir waren wie Schwestern. Für sie war ich nicht Margit, sondern ihr „Schätzle“. Wir lachten viel zusammen, standen aber auch so einiges zusammen durch.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie mitten in der Nacht bei mir klingelte und mit einer Reisetasche und ihrem Festnetztelefon in der Hand dastand, weil sie nach einem fürchterlichen Streit mit ihrem damaligen Freund zu mir kam und bei mir übernachtete. Es war gar keine Frage, dass sie bei mir Zuflucht fand, sondern so normal wie es nur sein kann. Wir erlebten Trennungen zusammen, Liebeskummer, neue Lieben und letztendlich die schlimme Diagnose Brustkrebs im Palliativstadium.

Ich begleitete sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Reduzierte meine Arbeitszeit, um sie so oft wie möglich besuchen zu können. Ich las ihr wochenlang vor, als sie selbst nicht mehr lesen konnte, ich bastelte ihr mutmachende Collagen, ich schrieb ihr Briefe. Sie sagte einmal, dass es ihr leid tue, dass sie mir das was ich für sie tue nicht zurück geben könne. Darum geht es doch in einer tiefen, echten Freundschaft nicht. Das ist selbstverständlich, oder sollte es zumindest sein.

Selbst am Schluss, als sie schon Gehirnmetastasen hatte, fanden wir noch Gründe zum lachen.

Vielleicht ist es ungerecht von mir, alle anderen Freundschaften an dieser zu messen. Ich hatte so ein Glück. Vermutlich hat man so eine enge freundschaftliche Beziehung nur einmal im Leben. Wir stritten auch ab und zu und versöhnten uns wieder. Wir konnten zusammen lachen, weinen, tanzen, schweigen. Wir erlebten so viele aberwitzige Episoden zusammen.

Natürlich habe ich noch 2-3 engere Freundinnen, aber so eine Verbindung wie mit ihr, ist es nicht, obwohl ich auch diese Freundinnen teilweise schon seit über 20 oder 30 Jahren kenne.

Lange Zeit habe ich noch von ihr geträumt, doch vor ein paar Jahren hatte ich den letzten Traum, in dem sie mir sagte, dass sie wieder inkarnieren wird. Vielleicht kann sie mir doch irgendwann mal das zurück geben, was ich für sie getan habe, oder sie hat es bereits in einem anderen Leben getan oder wird es in einem Zukünftigen. Wir wissen so wenig. Manchmal bin ich noch traurig, sie nicht mehr um mich zu haben. Einfach aufgrund der Tiefe der Freundschaft. Ich habe meinen Frieden mit ihrem sehr frühen Tod gemacht, aber dennoch ist da manchmal die Sehnsucht nach der verlorenen innigen Freundschaft, wo man sich alles sagen konnte und man selbst sein konnte, ohne sich zurück zu nehmen, verstellen zu müssen oder nicht so offen sein zu können. Vielleicht hat man das wirklich nur Once in a Lifetime.

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