Manchmal fühle ich mich fehl am Platz, einsam in Gesellschaft und irgendwie lost. In solchen Momenten hinterfrage ich immer, was mit mir nicht stimmt, was ich ändern muss, was ich tun muss.
So langsam kommt mir jedoch der vage Verdacht, dass nicht ich es bin, die sich ändern muss, sondern ich muss einfach Situationen und Menschen meiden, weil mit denen was nicht stimmt und zwar gewaltig.
Ein paar Beispiele gefällig? Bitte sehr:
Szene 1: Ich bin mit meinem Mann und einem befreundeten Pärchen unterwegs. Ich sehe eine Bekannte, winke ihr fröhlich, sie tut so, als ob sie uns nicht sehen würde. Ich gehe näher zu ihr, rede sie mit Hallo und Namen an. Sie dreht sich weg und sagt wirklich sehr patzig „Hallo“ und läuft sogleich weg. Ich denke mir noch „WTF“ war das und auch mein Mann sagt „Wie ist die denn drauf?“. Wir setzen uns auf die sonnige Terrasse einer Gaststätte und haben einen schönen Nachmittag. Irgendwann später erhalte ich eine WhatsApp von der Person mit folgendem Wortlaut „Ich hatte vorhin gerade meinen Finger eingeklemmt und konnte deshalb nicht so viel reden, aber es war schön, Dich zu sehen“. Ich denke mir wieder „WTF“. Ich wünsche ihr jedoch nur „Gute Besserung“.
Am nächsten Morgen treffe ich besagte Dame auf dem Weg zur Arbeit. Sie tut so, als wäre nichts geschehen. Ich hatte sie seit Onya’s Tod nicht mehr gesehen, aber sie wusste davon. Sie sagt „Ich wollte Dir noch schreiben, hatte dann aber so viel um die Ohren und so starke Migräne“. Ich sage nichts, denke mir jedoch „Um den Preis hättest jetzt lieber Deinen Mund gehalten!“.
Ich mag sie ehrlich gesagt nicht. Ich finde, sie redet oft sehr abfällig über andere Personen und ihre ständig gleichen Geschichten nerven mich. Es ist auch immer das gleiche Muster. Alle anderen sind böse, nur sie ist das Unschuldslamm. Einfach nur nervig. Ich weiss aber nicht, wie ich den Kontakt minimieren könnte. Ich bringe es nicht fertig zu sagen „Du bist kein netter Mensch, lass mich in Ruhe“.
Einen Tag später treffe ich sie wieder. Es regnet. Ich habe ihr schon öfter meinen Schirm geliehen, weil sie einen weiteren Weg von der Bushaltestelle zur Arbeit hat als ich. Sie fängt an mit „Ich habe meinen Schirm zuhause vergessen“. Unfassbar blöd wie ich manchmal bin, hätte ich ihr früher meinen Schirm angeboten, aber nach den Vorkommnissen der letzten Tage ganz sicher nicht. Ich sage lässig „Hast ja eine Kapuze, also wirst Du nicht so nass“. Sie schaut belämmert. Mit der Aussage hätte sie nicht gerechnet. Ich spanne meinen Schirm auf und frage auch nicht, ob sie das Stück, bis unsere Wege sich trennen, bei mir unterstellen mag. Ich will sie nicht unter meinem Schirm haben. Dieses Privileg hat sie verwirkt.
Szene 2 war ähnlich. Eine weitläufige Bekannte, mit der wir früher viel unternommen haben. Ich treffe sie, weil ich geschäftlich ab und zu mit ihr zu tun habe. Sie sagt fast Ähnliches, wie obige Lady: „Ich wollte Dir noch zu Deinen Trauerfällen schreiben, aber ich hatte keinen Nerv dafür und so viel um die Ohren“. Ich sage nichts, denke mir aber auch hier „Hättest doch einfach Dein Maul gehalten!“. Sie fängt mich nach dem geschäftlichen Treffen noch ab und will offensichtlich mit mir reden. Nee. Geschäftlich ja, muss ich. Privat? Total vergeigt!
Szene 3: Es ist der Montag nach Onya’s plötzlichem Tod. Also 1 Tag später. Ich erhalte eine Sprachnachricht von einer Bekannten „Aus Deinem Status lese ich heraus, dass sie einfach so eingeschlafen ist. Wenn das so wäre, wäre das ja total super. Ja so schön! Dann hat sie gar keine Sterbephasen durchgemacht? Also das würde mich jetzt schon interessieren, ob das so war. Da könnt Ihr echt glücklich sein, dass es so war“. Ich bin fassungslos! Wie kann man so unsäglich unsensibel sein? Ich schreibe ihr, dass ich ihre Sprachnachricht extrem unangebracht fand. Sie entschuldigt sich wenigstens. Aber gehts noch? Was stimmt nicht mit den Menschen?
Szene 3: Ich habe auf einer großen Secondhandplattform einen dunkelblauen Rock gekauft. Er kommt mit der Post, ich mache das Paket auf und stelle fest, dass er schwarz ist. Ich schreibe der Verkäuferin, dass ich wegen 4,80 € nicht rummache, es mich aber dennoch ärgert, dass der Rock schwarz ist und nicht wie angegeben dunkelblau, weil ich schon einen gleichen in schwarz habe und ihn deshalb nie und nimmer gekauft hätte. Die Dame dreht den Spieß um und nennt meine Nachricht unverschämt, weil sie hätte schließlich mehr Porto bezahlt, als ursprünglich ausgemacht. Ähm, sie hatte das Porto festgelegt, nicht ich. Wenn sie sich im Vorfeld nicht erkundigt hat, was das derzeit kostet, ist es doch nicht mein Problem und der Rock ist noch immer schwarz und nicht dunkelblau, ganz gleich wieviel das Porto gekostet hat. Sie sagt, ich solle den Rock bei Tageslicht anschauen, da wäre er blau und ihr Verständnis von blau wäre wohl nicht dasselbe wie meines. Ich halte den Rock gegen meine schwarze Hose und erkennen keinen Unterschied. Ich sehe zwar nicht wirklich gut, aber farbenblind bin ich nicht. Das Ding ist höchstens im prallen Sonnenlicht mit einem bläulichen Schimmer versehen, aber auch nur vielleicht und mit ganz viel Phantasie, ansonsten schwarz wie die Nacht!
Ziehe ich unsensible, emotional verrohte Menschen an? Weshalb? Was spiegle ich hier? Nun analysiere ich schon wieder, was ich damit zu tun habe. Nichts! Es sind einfach nur emotional verkrüppelte Arschgeigen! So, das musste mal gesagt sein!