Unkompliziert

Wenn ich auf Plattformen Bewertungen bekomme, dann meistens „unkompliziert“. Es ist einfach bei mir zu kaufen oder zu verkaufen.

Auf Plattformen mag das ok sein, aber ich fürchte, ich bin so oder so zu „unkompliziert“. Ich lasse allen alles immer wieder durchgehen. Das unflätigste, stoffeligste Verhalten, aufgrund massiver Harmoniesucht.

Ich sollte viel viel komplizierter sein! Ich sollte sagen, dass mir eine gewisse Bekanntschaft viel zu oberflächlich ist und zu wenig in die Tiefe geht. Ich sollte sagen, dass mir das Gejammer einer anderen Bekannten echt massiv auf den Zeiger geht, vor allem, wenn es mir selbst nicht gut geht. Ich will nicht mit Lappalien vollgespamt werden. Ich sollte sagen, dass ich es echt gar nicht mag, wenn ich abgeholt werde und nur eine WhatsApp bekomme mit „bin da“. Ich finde das sehr stoffelig. Ich sollte auch denjenigen mal über den Mund fahren, die zu allem ihren unqualifizierten Senf dazu geben und sich für die Schlausten halten und mir die Welt erklären wollen, ich aber genau weiss, dass sie unrecht haben und im Grunde arme Würstchen sind.

Ich bin es gerade so leid und habe keine Kapazitäten! Mein Leben ist zu kurz für „unkompliziert“. Ich werde mich daran üben, in der nächsten Zeit kompliziert zu sein. Wenn es dadurch „Schwund“ und „Reibungen“ gibt, dann ist es so.

Ich erwarte mehr und das ist ok. Eine Freundin sagte kürzlich nach einem miesen Date: „Vielleicht erwarte ich zuviel, aber mit zu wenig kann ich mich nicht zufrieden geben“. Das gilt nicht nur für Beziehungen, sondern auch für Freundschaften. Es ist nicht zu viel verlangt, dass ich nach einem Todesfall von meinen angeblich besten Freunden mehr erwarte als eine WhatsApp. Das mindeste wäre ein Anruf gewesen. Ich kann auch erwarten, dass man sich Gedanken macht und nicht gerade mir erzählt, dass man Beef mit der Mutter hat und dass man nichts mehr miteinander redet, wenn ich froh wäre, noch mit meiner Mutter reden zu können. Wie unsensibel und gedankenlos kann man den sein? Aber an solchen „Kleinigkeiten“ merke ich, dass es nicht um mich geht, sondern es scheißegal ist, wie ich mich fühle, Hauptsache, die Personen können ihren „Müll“ los werden. Ich will aber den „Müll“ nicht hören. Ich habe höhere Ansprüche an Freundschaften, weil ich selbst auch mehr gebe. Wie es meine Freundin sagte: „Ich kann mich nicht mit zu wenig zufrieden geben“.

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