Neues aus Jesterfield

Weil mein Leben gerade nicht so leicht ist, kommt hier mal wieder eine Story aus meinem Leben, um etwas Unbeschwertheit zu vermitteln:

Es ist bestimmt schon über 10 Jahre her, als mein Augenarzt sagte, ich dürfe keine weichen Kontaktlinsen mehr tragen, aufgrund von Office Eye Syndrom. Meine Tränenflüssigkeit reichte einfach nicht mehr aus. Er empfahl mir daraufhin harte Kontaktlinsen.

Besser gesagt, eine harte Kontaktlinse für das rechte Auge, weil ich auf dem linken Auge eh von Geburt an nicht so viel sehe, als dass man es hätte ausgleichen können. Gesagt getan, ich bekam die Kontaktlinse und eines schönen Samstagnachmittags probierte ich die aus. Bekam sie auch auf Anhieb an die richtige Stelle. Jedoch bekam ich sie abends nicht mehr raus.

Ich hatte zur Entnahme eine Art Mini Pömpel bekommen, der die Linse von meinem Auge saugen sollte. Dabei verrutschte sie und hing irgendwo im Auge, nur nicht dort, wo sie sein sollte. Mein Mann versuchte sein Glück ebenso erfolglos. Irgendwann sahen wir ein, dass ich professionelle Hilfe benötigte. Der Augenärztliche Notdienst an diesem Abend, befand sich 40km entfernt. Auf dem Weg dort hin, schneite es und wir mussten im Schritttempo im Schneegestöber fahren. Zu allem Überfluss wohnte der Arzt auch noch hoch oben auf einem Berg mit einer sehr engen, rutschigen Zufahrtstrasse.

Letztendlich kamen wir dort an, der Arzt entfernte die Linse von meinem Auge, tröpfelte mir antibakterielle Tropfen ein und meinte noch so “Das mit den harten Linsen können Sie bei ihrem Sehfehler vergessen. Sie bräuchten ja das linke Auge um die Linse zu sehen und zu entfernen, das ist ja so gar nicht möglich”. Tja, das hatte ich auch schon gemerkt.

Dieser Tag war der allerletzte, an dem ich Kontaktlinsen trug und ich ließ mir eine Brille anfertigen. Mein Sehfehler konnte mit den Linsen besser korrigiert werden, aber es ist wie es ist und es gibt wahrhaftig Schlimmeres. Inzwischen habe ich mich auch an die Brille gewöhnt, auch wenn ich damit ein bissle ausschaue wie Nana Mouskouri in den 70ern.

Zeit für etwas Schabernack

Nach all den tiefgründigen Gedanken gibt es heute mal wieder eine Geschichte aus meinem Leben. Die “Tat” ist verjährt und ich kann sie erzählen.

Ich hatte mal einen Arbeitsplatz mit wirklich tollen Kollegen. Wir waren eine coole Clique und wir nannten uns “The Agents”. Wir hatten jedoch auch einen Antagonisten. Einen neidischen Typen, der immer versuchte, uns eins rein zu würgen. Der Kerl hatte eine Lieblingstasse und eines schönen Tages beschlossen wir, dass wir seine Tasse “töten” müssen. Wir kauften Silvesterknaller und sprengten das Ding auf dem Parkplatz in die Luft.

Dieser Vorfall ereignete sich bestimmt schon vor beinahe 20 Jahren. Der Besitzer der Tasse schrieb damals ein Rundmail an die gesamte Firma und forderte zur Herausgabe seiner Keramik auf, weil er lediglich von einer “Entführung” ausging. Es gab bestimmt viele, die unsere Aktion mitbekommen hatten, aber niemand verlor ein Wort darüber, weil dieser Mann insgesamt sehr unbeliebt war.

Es war nicht nett und die Tasse konnte nichts dafür, aber dennoch ist das nichts, was ich bereuen würde. Ausser der Tasse kam niemand zu schaden, der hinterhältige Kollege hatte es verdient, seiner Lieblingskaffeetasse beraubt zu werden und mit der Zerstörung selbiger, war auch unsere Wut auf ihn verflogen. Er hatte seine Strafe erhalten und damit war die Angelegenheit für uns erledigt. Ab dem Tag der Sprengung gab es seltsamerweise auch seinerseits keine Repressalien mehr gegen uns. Vielleicht ahnte er, dass wir es waren. Jedenfalls bin ich froh, dass ich diesen Menschen nicht mehr sehen muss.

The big ape

Trotz oder gerade wenn alles schwerer ist, sind aberwitzige Stories um so wichtiger:

In gefühlt einem anderen Leben, war ich Fremdsprachenkorrespondentin bei einem großen international tätigen Unternehmen. Ich hatte einen Kollegen, der eine Zeit lang mit mir im Zimmer saß und der oft zu unfreiwillig komischen Szenen neigte.

Es war an einem schönen Nachmittag Anfang eines Jahres, als er mit der französischen Niederlassung des Unternehmens telefonierte. Der Kollege am anderen Ende der Leitung hatte einen stark ausgeprägten Akzent und er redete auch sehr laut. Ich hörte bis zu meinem Arbeitsplatz, wie er immer wieder sagte “Delivery in week eight”. Zumindest wollte er das sagen, es hörte sich eher an wie “Deeellibbberyyy in wiiiiiig Äigggggd”. Mein Kollege im Büro verstand jedoch “Big Ape” und wiederholte es immer wieder in die Telefonmuschel fragend: “Big Ape?”, “Big Ape?” während der Franzose immer verzweifelter “Wiiiig Aiigggd” antwortete.

Ich hörte mir das Spektakel eine Weile an, bis ich vor Lachen fast von meinem Schreibtischstuhl flog. Irgendwann hatte ich Erbarmen mit dem Kollegen (dessen Lieblingsspruch sowieso “Heute holen sie mich noch” war und damit meinte er durchaus die Pfleger einer Irrenanstalt, die einen mit einer Jacke abholen, die man hinten zumacht) und erklärte ihm, dass die Franzosen keinen großen Affen geliefert haben wollen, sondern ihre Lieferung in Kalenderwoche Acht erhalten möchten.

Es ist noch immer eine der lustigsten Geschichten aus dieser Zeit. Immer wenn ich Gorillas sehe, oder Planet der Affen denke ich an den “fremdbesetzten” Kollegen, der den Franzosen einen großen Affen schicken wollte.

Mal wieder eine “neue” alte abstruse Story

Es war einmal eine Walpurgisnachtfeier, auf der eine meiner Freundinnen und ich wirklich einen über den Durst getrunken hatten. Es war so eine Kneipennacht und wir waren schon an der vierten Station angelangt, als wir auf die glorreiche Idee kamen, den Weg zu den Toiletten zu versperren und “Wegezoll” zu verlangen. Erstaunlicherweise funktionierte es bei allen Männern richtig gut und alle zahlten, nur die Frauen verwünschten uns. Wir hatten allerdings schon einen Alkoholpegel erreicht, wo uns das gänzlich egal war. Wir hatten Spass. Vom Wegezoll bezahlten wir weitere Getränke und fingen an, auf den Tischen zu tanzen. Die Lokalität war kein Bierzelt und es war dort nicht üblich, dass jemand wie in “Coyote Ugly” auf der Theke oder den Tischen tanzte, aber auch das interessierte uns nicht. Irgendwann versammelten sich alle Anwesenden in dieser Gaststätte um uns herum und schauten uns beim tanzen zu. Leider kamen wir nicht auf die Idee, sie auch dafür zahlen zu lassen, sonst hätten wir an dem Abend sicherlich viel Geld mit nach hause gebracht. Wir strippten nicht oder sowas, wir behielten selbstverständlich unsere Klamotten an. Wir schwebten an diesem Abend einfach so durch das Leben. Sorgenfrei, furchtlos und lebenslustig. Wenn es Tage gibt, die ich gerne wieder erleben möchte, gehört dieser Abend definitiv dazu.

Witzigkeit kennt doch Grenzen

Freunde hatten vor Jahren ein Haus gekauft und mich zum Essen eingeladen. Sie kannten einige der abstrusen Geschichten, die mir im Laufe meines langen Lebens widerfahren waren und hatten sich echt große Mühe gegeben, die Themen humorvoll aufzugreifen. Unter anderem hatten sie einen “Margit Schrein” gebastelt, mit Bilder von mir, wie in einem Serienmörderfilm und diesen im Esszimmer aufgestellt.

Ich erkenne die Kreativität echt an und auch mit welcher Detailtreue sie die “lustigen” Anekdoten aufgegriffen hatten. Dennoch fand ich es nicht wirklich lustig. Klar, wenn man die Geschichten erzählt, sind sie im Nachhinein schon komisch, aber sie sind mir wirklich passiert, ich habe sie nicht erfunden.

Mir ist klar, dass die Freunde mich damit zum Lachen bringen wollten. Sie konnten nicht wissen, wie sehr mich das an die teilweise sehr verstörenden Szenen zurück katapultiert hat. Sie waren vermutlich auch enttäuscht, weil ich kaum darauf reagiert habe. Ich habe es sehr wohl registriert, doch es hat mich so an all die kruden Erdnuckel und Psychos erinnert, dass mir das Lachen im Halse stecken blieb.

Der Vorteil am Älterwerden ist, dass Psychopathen sich nicht mehr für mich interessieren. In jüngeren Jahren war ich so oft mit Besessenheit von meist männlichen Personen konfrontiert, dass es mir echt Angst gemacht hat. Egal ob bei der Einweihungsparty der neuen Wohnung ein Bild von mir auf der Schlafzimmerkommode eines ehemaligen Arbeitskollegen stand, oder ob ein Wildfremder ein Bild von mir aus Social Media ausgedruckt und laminiert in seinem Geldbeutel herumtrug und es mir stolz unter die Nase hielt, oder ob ein Typ mir eine Orchidee in einem schwarzen Tuch eingewickelt zuschicken ließ (ok, es war zugegebenermaßen nur der Kopf einer Blume und kein Pferdekopf, aber es weckte solche Assoziationen bei mir), oder ein Busfahrer immer anhielt, obwohl seine Linie gar nicht an dieser Bushaltestelle halten durfte, oder ein (anderer!!!) ehemaliger Kollege einen Kuchen backen lies mit meinem Namen drauf und ihn an alle in seiner Abteilung verteilte, oder der Fremde, der mir auf einem Fest mitteilte, dass er schon seit meiner Teenagerzeit mein Leben “verfolgen” würde. Es gab noch zig andere schräge Aktionen von obsessiven “Verehrern”, die ich erlebt hatte und ich bin froh, dass das aufgehört hat.

Ich habe noch immer einen gewissen “Fanclub”, aber der ist zum Glück sehr harmlos und ich ziehe offenbar nicht mehr die total Verrückten an.

Die Aktion der Freunde fällt wieder unter die Kategorie “gut gemeint ist immer Scheiße”, aber ich nehme es ihnen garantiert nicht krumm, es war einfach etwas verstörend.

Absurde Tagesphantasien

Manchmal stelle ich mir aberwitzige, kuriose Ereignisse vor, über die ich dann so lachen muss, bis mir die Tränen kommen. Ausser mir findet das natürlich kaum jemand witzig.

Vorgestern war es wieder so weit. Ich sass im Bus und stellte mir vor, wie eine Bekannte, die starken Dialekt spricht, die Passage aus “My Fair Lady” singen würde, nur dass es bei ihr eben nicht “Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen” heißen würde sondern: “s’gräand sou gräa, wenn Schbanjens Bliaddaa bliaaa”.

Mein Kopfkino stellte die Szenerie lebensecht dar und ich fand das so lustig, dass ich vom Bus, bis zum Weg nach Hause und auch daheim noch darüber lachte. Wenn mich jemand gesehen hat, hat er mit Sicherheit an meinem Geisteszustand gezweifelt.

Wie gesagt, findet das vermutlich kaum jemand ausser mir lustig, aber ich könnt mich noch immer deswegen totlachen. Die Einzige, die es ebenfalls witzig fand, war eine Freundin, die besagte Bekannte auch kennt und weiß, wie “breit” sie redet.

Die Frau weiss ja nichts von meinen Tagträumereien und ich tue damit niemand weh, so what. Es ist alles nur in meinem Kopf. Mein “Projektor” im Hirn dreht oft bessere “Serien” als Netflix, Disney, Prime und Apple zusammen.

Lass die Sau endlich wieder raus

Es war einmal zu einer Zeit, als ich echt eine lustige Clique im Geschäft hatte.
Vor Weihnachten trafen wir uns alle in der Pause und tranken Punsch. Ein uns nicht sehr wohlgesonnener Kollege unterstellte uns, dass wir Alkohol getrunken hätten. Das sagte er uns natürlich nicht direkt ins Gesicht, sondern wir erfuhren es über andere Kollegen, dass der sich das Maul über uns zerrissen hatte. Wir kamen zuerst gar nicht darauf, wie er uns das unterstellen konnte, bis wir feststellten, dass es die Punschflasche gewesen sein musste, deren Erscheinungsform und Etikett einer Glühweinflasche wirklich zum verwechseln ähnlich sah.

Wir machten uns einen Tag später in der Mittagspause einen Spaß daraus, so zu tun, als wären wir reichlich angetrunken als er sich seinen Tee brühte. Als er wieder weg war, warfen wir die Punschflaschen in den Abfalleimer. Wir warfen noch anderen Müll oben drauf, weil wir uns sicher waren, was geschehen würde und es geschah auch exakt so: Kaum hatten wir die Kaffeeküche nach der Pause verlassen, schlich besagter Kollege rein. Wir sahen, wie er 5 Minuten später sichtlich enttäuscht wieder aus dem Raum schlich und als wir nachschauten, lagen die Punschflaschen ganz oben im Abfalleimer, nicht mehr ganz unten wie vorher. Wie groß muss seine Enttäuschung gewesen sein, als er sah, dass wir ihn verarscht hatten.

Wir hatten zuvor schon den Verdacht, dass der Typ ein mieser Denunziant ist, aber seit diesem Tag hatten wir absolute Gewissheit.

Damals stand ich über all dem Blödsinn und lachte nur darüber. Bin ich heute nicht mehr so belastbar wie früher? Mit Sicherheit. Ich bin dünnhäutiger geworden. Mein plüschiges Fell ist nicht mehr so dick, wie damals. 7 Jahre in meiner persönlichen Hölle haben mich geprägt und triggern mich noch heute. Wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, würde ich einen ganz bestimmten Arbeitsplatz niemals mehr annehmen. Es hat mich nicht zum Guten verändert. Ich war früher souveräner, selbstbewußter, unangepasster.

Es gab Zeiten, da machten wir in der Mittagspause Raclette. Ich tanzte mal stocknüchtern auf dem Bürotisch zu Taio Cruz und ein andermal sprühten wir den Bürostuhl einer nach Schweiss stinkenden Kollegin so mit Deospray ein, dass er fast klebte. An einem schneereichen Nachmittag warfen wir im Flur Schneebälle aufeinander. Eine Kollegin versteckte sich vor einer unbeliebten Kollegin unter dem Schreibtisch, nur war der leider komplett einsehbar. Wir trieben so viel harmlosen Schabernack und hatten wirklich viel Spass.

Wir “rächten” uns an dem denunzierenden Arsch indem wir seine Lieblingstasse in die Luft sprengten. Er schickte sogar ein Memo in der Firma herum, das dazu aufrief, die “Täter” zu finden. Es hielten alle dicht und insgeheim wurden wir für die Tat gefeiert, weil der Typ echt mega einen an der Waffel hatte und sehr unbeliebt war.

Ich habe mir damals keine Gedanken darum gemacht. Die Leute hatten es redlich verdient. Heute mache ich mir um Alles und jeden kleinen Furz ewig einen Kopf. Wenn eine Freundin sauer auf mich ist, wegen einer Kleinigkeit, dann geht mir das ewig nach und mir ist körperlich schlecht. Früher hätte ich dazu gesagt “Jetzt krieg dich mal wieder ein, so schlimm wars auch nicht”, doch heute ist mir speiübel davon. Ich bin viel zu harmoniesüchtig geworden. Wenn ich Leute treffe, die schlecht gelaunt sind, denke ich, es läge an mir und ich müsse etwas unternehmen, damit die Stimmung gut wird. Ich denke immer, ich hätte irgendwas verursacht und es wäre “meine Schuld”, aber Fakt ist, dass ich nicht für jede Laune und jede Befindlichkeit verantwortlich bin.

Natürlich habe ich aus den 7 Jahren nicht wirklich ein richtiges Trauma wie Gewaltopfer, aber es ist schon so gewesen, dass ich mich oft für Begebenheiten und Situationen rechtfertigen musste, die absolut ausserhalb meines Einflussbereichs waren. Ich kann mich noch gut an eine Veranstaltung erinnern, wo ein paar der Gäste erst sehr spät eintrafen, weil es auf der Autobahn eine Vollsperrung gab und ich mich dafür rechtfertigen musste. Es gab auch echt täglich Situationen, wo der “Schnee schwarz” war, obwohl jeder wusste, dass er weiss ist. Einmal musste ich antanzen, weil ich den Posteingangsstempel nicht exakt im rechten Winkel gesetzt hatte. Viel Lärm um nichts und Dramen wegen Lappalien waren an der Tagesordnung. So etwas prägt auf Dauer.

Ich brauche wieder Leichtigkeit und Schabernack. Die unangepasste Sau muss wieder rausgelassen werden!

Extrem Aufdringlich

Es ist mal wieder an der Zeit für eine abstruse Geschichte aus meinem Leben. Es ist schon ein paar Jahre her, als wir mit der Familie in einem Restaurant weiter weg essen waren, das durch Funk und Fernsehen bekannt war. Es war kurz zuvor ein Bericht über das Lokal im Fernsehen erschienen, weshalb wir dort einen Tisch reserviert hatten.

Wir hatten uns kaum an den Tisch gesetzt und unsere Bestellung aufgegeben, als sich die Besitzerin ungefragt dazusetzte und sich in unsere Unterhaltung einmischte. Sie hörte auch nicht auf, als wir sie höflich darauf aufmerksam machten, dass es sich um ein Familientreffen handelt.

Als wir gingen, lief sie uns hinterher und lief sogar mit zum Parkplatz. Als wir alle zusammen am Auto angekommen waren, sagte meine Mutter das, was wir alle dachten “Hoffentlich steigt die nicht auch noch mit ins Auto”. Das hatte sie gehört und drehte endlich um und ging zurück ins Haus. Warum sie das gemacht hat, blieb uns immer ein Rätsel.

Jahre später waren wir nochmal mit Freunden dort. Die Freunde kamen etwas später, aber nicht so arg viel später. Wir bekamen einen “Gruss des Hauses” vorab. Als die Freunde eintrafen sagte die Dame zu ihnen “Sie kamen zu spät, Sie bekommen keinen Gruss des Hauses”.

Es gab noch ein paar weitere merkwürdige Aussagen und seltsames Verhalten. Das Essen dort war wirklich erstklassig und die Frau meinte es vermutlich gar nicht so, wie es rüberkam. Vielleicht wollte sie nur mit den Gästen ins Gespräch kommen und hatte einen unglücklichen Sinn für Humor. Vielleicht war sie einsam und hatte sonst nichts. Wir werden es nie erfahren, denn das Unternehmen gibt es nicht mehr und wir wissen nicht, wo die Frau jetzt lebt. Wenn sie jedoch zu allen Gästen so war, verwundert es nicht wirklich, dass sie in der Versenkung verschwunden ist.

Des Däng

Vor vielen Jahren arbeitete ich als fremdsprachliche Wirtschaftskorrespondentin im Ostalbgebiet und hatte einen sehr netten, hochdeutsch sprechenden Kollegen aus Norddeutschland.

Wir hatten eine zeitlang eine Auszubildende, die extrem starken Dialekt sprach. Eines schönen Tages trafen wir sie gleichzeitig am Stockwerkskopierer. Sie schimpfte lautstark “Des blede Däng äsch ällaweil hä”. Der Kollege aus dem Norden schaute mich entgeistert an und fragte “Was hat es gesagt?”. Ich erklärte ihm, dass die Azubine sich über den Zustand des Kopierers aufgeregt hat, weil dieser immer defekt wäre. Er sagte “Du bist echt eine gute Fremdsprachenkorrespondentin, ich habe kein Wort davon verstanden”.

Tja, ich musste nicht nur Deutsch /Englisch übersetzen, sondern auch häufig Ostälblerisch / Hochdeutsch.

Ich kann mich auch noch sehr gut an eine Szene erinnern, als ein neues Programm eingeführt wurde und ich die Aufträge anschauen wollte und mir der Projektleiter voller Entrüstung sagte “Die sind natürlich unter U gespeichert. U wie Uffdraaag”. Ich Dummerchen hatte es unter A wie Auftrag oder O wie Order gesucht, dabei war die Lösung so naheliegend. Mein Fehler.

Es gibt ein paar deutschsprachige Dialekte, die ich persönlich super sympathisch finde, wie Fränkisch, Bayrisch, Schwitzerdütsch oder Wienerisch. Andere sind jetzt nicht so ganz meine Favoriten, aber das ist wie bei Allem natürlich komplett subjektiv und Geschmacksache. Ich finde es dennoch gut wenn Dialekte aufrecht erhalten werden und nicht aussterben, weil wenn allii gleich babblaa deaadaa wär des scho arch langweilich.

Aus einem anderen Leben

Gestern sah ich Menschen wieder, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Bei Einigen war es nett, sie wieder zu sehen, bei Anderen dachte ich mir:

a) Sind das alte Leute geworden

b) Die habe ich echt nicht vermisst die letzten 20 Jahre

c) Die muss ich nicht wiedersehen

Einer kam daher geschlichen und hat gefragt, ob er “Hallo” sagen darf. OMG, es ist ein freies Land. Ich sagte, er kann “Hallo” sagen, habe kurz huldvoll gewunken (stur lächeln und winken Kowalski) und damit hatte es sich.

Wenn man aber schon fragen muss, dann weiss man doch eigentlich, dass ich kein Interesse an einem Gespräch habe, sonst würde man so eine Frage nicht stellen und einfach “Hallo” sagen.

So gerne ich Feste mag, der “Höllenschlund” spukt doch immer wieder Subjekte aus, die man sonst nicht sieht.

Die sollen alle ein schönes, glückliches Leben haben, aber soweit von mir entfernt, wie es nur geht. Ich wünsche ihnen nur das Beste, aber ich will nichts mit denen zu tun haben, auch nicht peripher.