Wenn unsere Liebe Dich hätte retten können

Am Montag, 26.01.2026 starb unser geliebter Orpheus. Obwohl wir ahnten, dass er nicht mehr lange bei uns sein wird, traf es uns dennoch mit voller Wucht. Er schlief sehr viel am Montag und wenn er wach war, drückte er seine Pfötchen ganz fest in meine Hand, oder schmiegte sein Köpfchen in meine Handfläche. Abends gegen halb 9 wurde er auf einmal sehr unruhig. Wir streichelten ihn und sagten ihm, wie sehr wir ihn lieben, dann schnaufte er noch dreimal tief und verließ seinen Körper.

Er war das sanfteste, liebste Katerle der Welt. Ich habe hier und auf meinem WhatsApp Status oft davon geschrieben, wie wundervoll er ist, aber das war er eben auch. Er hatte immer gute Laune. So ein sanftes Wesen und ein echt sonniges Gemüt. Bevor er krank wurde, begrüßte er mich jeden Tag freudig mit seinem markanten, leicht nölend klingelndem Maunzen. Er war als einziger unserer Katzen genauso verfressen, wie mein Mann und ich. Leider nahm er immer mehr ab, egal wieviel er frass und er frass wirklich viel. Egal wo er war, wenn er hörte, dass ich eine Dose öffnete, kam er sofort angeflitzt.

Gestern kochte ich eine Kürbissuppe und als ich die Kokosmilch öffnete, dachte ich für einen Moment “Orpheus schleckt bestimmt wieder total gerne den Deckel ab” und dann traf es mich wieder wie ein Blitz. Er wird nie wieder den Deckel der Kokosmilchdosen abschlecken. Ich werde nie wieder in seine wunderschönen grünen Augen schauen können. Er wird meine Hände nicht mehr mit seinen Pfoten umklammern. Ich höre sein wohliges Schmatzen nicht mehr. Er wird mich morgens nicht mehr mit der Pfote an der Nase stupsen. Ich werde ihn erst wieder sehen, wenn ich auch auf die andere Seite wechseln werde.

Das ist das einzig Schlimme an unseren Kindern. Wir überleben sie leider. Er lebte seit März 2011 bei uns. Er und seine Schwester Onya waren damals 1,5 Jahre alt. Ich bin jedoch froh und dankbar, dass ich über 15 Jahre seine Mama sein durfte. Mein geliebtes Fleckifleck, mein Zen-Meister, mein Schatz.

Am Freitagabend dachte ich, ich sehe ihn im Wohnzimmer laufen und ich höre oft sein Maunzen in meinem Kopf. Gestern Abend starrten die anderen Katzen auf eine Stelle im Wohnzimmer, wo wir Menschen nichts sahen. Vielleicht hat er uns besucht und die Katzen konnten ihn sehen. Was wissen wir schon. Während ich das hier schreibe, sitze ich genau an dem Platz, an dem er starb.

Inzwischen habe ich 7 Lebewesen beim Übergang begleitet. Drei Menschen und 4 Katzen. Die Katzen gingen bisher zum Glück alle sehr sanft. Immer ähnlich. Sie wurden unruhig, strampelten mit den Pfoten, atmeten dreimal tief und verließen ihre Körper. So war es bei MissC, bei Gizmo und bei Orpheus. Bei Merlin war es ein bissle anders. Er starb komplett unerwartet an HCM und er war erst 3 Jahre alt. Aber egal ob ein geliebtes Wesen unerwartet stirbt, oder ob sich der Sterbeprozess über Wochen / Monate zieht, wie bei MissC, Gizmo und Orpheus, der Schmerz ist derselbe und auch der Schock. Selbst wenn man eigentlich weiss, dass sie sterben werden, so hofft man doch immer noch auf ein Wunder. Freut sich an kleinen Verbesserungen des Zustands.

Orpheus ging es Anfang November schon einmal sehr schlecht und er konnte nicht aufstehen. Hatte sich das Beinchen gestaucht. Wir fütterten, tränkten, wickelten und badeten ihn und die Tierärztin machte uns eigentlich keine großen Hoffnungen, dass er jemals nochmals laufen könne. Er hatte aber so einen Lebenswillen und war so gut drauf, aß richtig gut, dass auch sie sagte, dass er Leben will und wir ihn solange leben lassen sollen, wie er will. Was wir natürlich gerne für ihn taten.

Wir gingen die letzten 3 Monate nur noch selten zusammen aus dem Haus und es war immer jemand bei Orpheus. Anfang Dezember gab es dann das Wunder. eine Woche vor meinem Geburtstag stand er morgens einfach auf und lief zum Klo, als ob nichts gewesen wäre. Der Zustand hielt bis zum 1. Weihnachtsfeiertag an. Morgens sprang er an diesem Tag vom Bett, obwohl ich ihm ein Treppchen hin gestellt hatte. Dabei zerrte er sich wieder das Beinchen und humpelte wieder. Es war aber noch so, dass er es belasten konnte. Ich hatte ihm ein Laufställchen für Kitten gekauft und wenn wir ihn nicht unter Beobachtung hatten, beim schlafen, kochen oder duschen, verbrachte er die Zeit in diesem Ställchen, damit er nirgends herunterfallen konnte, zu seiner Sicherheit. Er mochte das Ställchen aber recht gerne und machte sich bemerkbar, wenn er aufs Klo musste, essen oder trinken wollte. Dann stand ich zu jeder Zeit auf und brachte ihn aufs Klo, gab ihm zu essen und zu trinken.

Dieser Zustand hielt an, bis zum 5. Januar. Morgens war er noch gerannt, so dass ich ihn gerade noch davon abhalten konnte, dass er die Treppe runterspringt. Abends waren wir mit Freunden essen und als wir nach Hause kamen, lag er in seinem Ställchen (das offen war) und konnte sich nicht mehr bewegen. Er hatte Schmerzen am Rücken. Diagnose war sowas wie ein Hexenschuss. Es kam dann 2-3x die Woche die Tierheilpraktikerin mit einem Laser und Health Key und behandelte ihn, was er sehr genoss. Er bekam natürlich auch Schmerzmittel und wenn er sich nicht bewegte, hatte er keine Schmerzen. Wir lagerten ihn mehrfach täglich um, massierten seine Beinchen, wickelten, tränkten, fütterten und wuschen ihn wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit und gingen nicht mehr länger als 2 Stunden gemeinsam aus dem Haus. Wir hatten eine Infrarotlampe gekauft und wärmten damit seinen Rücken und ich machte mehrmals täglich ein Moorkissen warm. Einer von uns war immer im Homeoffice, meist mein Mann. Die “Nachtschicht” übernahm immer ich. Ich versorgte ihn 3-4x in der Nacht. Wir legten ihn nicht mehr ins Ställchen, sondern zwischen uns ins Bett, damit er mich mit seinen Pfoten wecken konnte, wenn er frisch gemacht werden musste, was er zuverlässig tat.

Nur wenige Tage vor seinem Tod hatte ich ein Video gemacht, wie er sich wieder schmerzfrei aufsetzte und akribisch seine Pfötchen und sein Gesicht leckte. Die Tierheilpraktikerin sagte auch, dass die Laserbehandlung angeschlagen hatte und auch wir hatten den Eindruck, dass er sich wieder besser bewegen konnte und auch keine Schmerzen mehr hatte.

Die Silberschnur spannt sich immer mehrmals, bevor sie endgültig reißt. Das war bisher immer so. Bei meinem Vater, meiner Mutter, Gizmo und Orpheus.

Mein Vater aß zwei Tage vor seinem Tod genüsslich eine Tomatensuppe und saß aufrecht im Bett und redete wie immer. Meine Mutter wollte zwei Tage vor ihrem Tod, dass ich ihr Himbeeren mitbringe und erzählte von Rezepten. Gizmo lief freudig im Gartengehege herum und wir dachten echt jedesmal, dass vielleicht doch nochmal ein Wunder geschieht, aber es ist das letzte Aufbäumen der Lebenskraft. Am Samstag bevor Orpheus starb war noch eine Freundin zu Besuch und sie bemerkte noch, wie aufmerksam er zuhörte und seine Ohren spitzte und sie fand es so erstaunlich, dass er sich immer meldete, wenn er was benötigte. Sonntags schlief er viel und montags war er tagsüber schon zeitweise nicht mehr so ganz in dieser Welt, das spürte man. So schlimm es ist, geliebte Wesen (und hier macht es keinen Unterschied ob Mensch oder Tier) zu verlieren, so ist der Übergang auch ein heiliger Moment. Ich bin dankbar, dass wir die Entscheidung nicht fällen mussten und er den Zeitpunkt selbst wählte. Ich bin auch dankbar, dass wir ihn noch drei Monate bei uns hatten und seinen letzten Weg mit ihm gehen durften.

Das erste Weihnachten ohne meine Mutter

ist komisch. Sie fehlt natürlich. Eine liebe Freundin sagte mal, dass Heilung beginnt, wenn man einen Jahreszirkel durch hat, ohne die geliebte Person. Weihnachten, Geburtstag, Ostern etc. Meine Work-Bestie sagte “Es ist ja auch noch keine Zeit”. Das ist wahr. Es sind jetzt knapp über 5 Monate, noch nichtmal ein halbes Jahr.

Es gibt noch so oft Tage, wo ich denke “Du musst Mama anrufen, bevor sie ins Bett geht”. Vor ein paar Wochen hatte ich auch den Gedanken “Was schenkst Du Mama dieses Jahr?”. Solche Momente wird es noch eine Weile geben. Geträumt habe ich nur zweimal von ihr.

An Festtagen bin ich meistens nochmal sentimentaler als eh schon. Unser Orpheus macht uns gerade auch wieder mehr Sorgen. Ja klar ist er 16 Jahre alt und hat körperlich stark abgebaut, aber dann schaut er mich wieder mit seinen grünen Augen so an, wie heute morgen und ich weiß, dass er kämpft und dass er leben will und ich kämpfe mit ihm. Wir machen alles in unserer Macht stehende, dass es ihm so gut wie möglich geht.

Schon das gesamte Jahr ist mein Nervenkostüm immer unter Hochspannung und ich weiss nicht, wie ich mich beruhigen kann. Auch bei Orpheus wird irgendwann Tag X kommen, wie bei meiner Mama. Egal was ich tue und ob ich mich verrückt mache oder nicht. Deshalb genieße ich so Tage wie heute, wo er wieder munterer ist und mich freudig morgens mit seinen wunderschönen grünen Augen liebevoll anschaut und sofort zu schnurren beginnt, wenn ich über sein Köpfchen streichle. Jetzt in diesem Augenblick bin ich sicher.

Eine/r kotzt immer

Freunde haben sich einen Saugwischroboter gekauft – ein feines Ding- so einen hätten wir auch gerne. Wir haben seit Jahren einen Saugroboter, den wir seit geraumer Zeit nicht mehr benützen, weshalb der Saugwischroboter leider auch keine Option für uns ist.

Wieso das so ist? Wir haben 5 Katzen mit mehr oder weniger langen Haaren. Dieser Umstand allein ist es jedoch nicht, auch wenn dadurch sehr viele “Wollmäuse” bei uns “leben”. Eine der Katzen kotzt immer, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass sie sowohl bei den Fressnäpfen, wie auch bei den Toiletten einen gigantischen “Streukreis” haben.

Unsere Onya frisst selten von ihrem Teller, sondern nimmt mit dem Maul oder den Pfoten Brocken heraus und schleift sie weissderGeier wohin. Orpheus ist inzwischen etwas dement und kackt manchmal ins hinterste Eck des Musikzimmers. Ich glaube ja, dass er das für mich macht, weil ich Helikopterkatzenmama mir immer Sorgen mache, dass er wieder einen Durchfallschub bekommt. Die schönen wohlgeformten Haufen platziert er meiner Theorie nach extra für mich, damit ich sehe, dass es ihm gut geht.

Es liegen also jeden Tag irgendwo ein Haufen Scheiße, heraus gewürgte Haarballen und verschleppte Essensreste im Haus herum. Ein Saugwischroboter würde das richtig schön verteilen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, weiterhin selbst hinter unseren Dreckschweinchen her zu putzen.

Doch egal wieviel Dreck sie machen – und sie machen echt sehr viel Dreck – möchte ich sie nicht missen. Ich liebe sie bedingungslos und genauso, wie sie sind.

Ich liebe es, wenn mein Puschel auf mir liegt und ein wohliges Mahhhmmaaahhhh von sich gibt, oder wenn sich Orpheus auf sein Fressen stürzt und dabei ein schmatzendes Geräusch macht, dass sich anhört wie Mjamjam. Ich liebe es, wenn Onya schimpfend ihre Streicheleinheiten einfordert und sie kann wirklich penetrant motzen. Ich liebe es, wenn Samson mit seinem Babystimmchen fiepend um meine Beine streicht und wenn Leesi laut schnatternd Vögel vom Fenster aus beobachtet.

Wenn sie mich einmal anschnurren, haben sie mich um den Finger gewickelt und es ist mir gleich, wieviel Dreck sie machen. Sie sind einfach die tollsten Kinder, die ich mir vorstellen kann. Egal ob sie inzwischen teilweise etwas tütelig geworden sind, wie Orpheus, der manchmal nicht mehr so wirklich weiss, was er machen wollte, oder die “Jungen”, die nächsten Dienstag ihren 6. Geburtstag feiern, die sich gegenseitig manchmal zoffen. Sie sind genau richtig, so, wie sie sind.

Der Tod, das Leben und alles dazwischen

Meine Mutter starb Mitte Juli. Es ist nicht nur so, dass ich traurig bin und sie vermisse, sondern auch der Umstand, dass nun beide Elternteile nicht mehr leben und ich jetzt eine “Waise” bin. Egal wie alt man ist, man bleibt das “Kind” und wenn die Eltern sterben, ist man plötzlich niemandem’s Kind mehr.

Auch das schmerzliche Erkennen, dass man selbst jetzt die Generation ist, die “als nächstes dran” ist. Das ist natürlich nur subjektiv. In meiner Familie werden die Menschen hochbetagt und ich bin ja sowieso das Nesthäkchen unter uns Geschwistern. Statistisch gesehen bleiben mir schon noch Jahrzehnte, aber man weiss nie, vielleicht bleibt auch nicht mehr so viel Zeit.

Ich bin in einer Phase meines Lebens angelangt, wo ich oft denke “War’s das jetzt? Kommt da nicht noch was? Das kann doch nicht alles gewesen sein!”. Das sind undankbare Momente, die auch hormonell gesteuert sind, oder besser gesagt einem Mangel an Östrogen und Progesteron geschuldet sind, was in meinem methusalemischen Alter natürlich schwindet.

Objektiv betrachtet geht es mir gut. Ich bin glücklich verheiratet, wir haben schöne Katzenkinder, ein schönes Haus, eine Handvoll feiner Freunde, beruflich ist auch alles im grünen Bereich, ich lebe mit niemand im Unfrieden und bin mit allen “rein”. Das können nicht so viele von sich sagen. Wie viele Menschen sind zerstritten und verbittert und unerbittlich gefangen in ihrer Zwietracht. Das möchte ich nicht haben und nicht mit mir herumtragen. Irgendein schlauer Mensch hat mal gesagt: “Verbittert sein, ist wie Gift trinken und denken, der andere stirbt daran”. So unnötig.

Dennoch habe ich Phasen der Melancholie, wo ich Menschenansammlungen nicht ertrage, wo ich mich gerade unter Menschen fehl am Platz fühle, wo ich einen Zerrspiegel habe, der mir einredet, ich wäre fett, alt und hässlich. Wo ich denke, ich sehe ein Monster wenn ich in den Spiegel schaue. Auch wenn ich weiss, dass das alles dem Auf- und Ab der Hormone geschuldet ist und ich jetzt quasi überwiegend PMS Level habe in der Perimenopause, ändert es nichts an dem Gefühl. Man kann es rational und logisch erklären, aber es fühlt sich trotzdem beschissen an. Altern ist echt nichts für Weicheier.

Was auch noch tief in mir verankert ist, ist eine gewisse Grundunsicherheit und dass ich immer etwas Schlimmes erwarte. Das Damokles-Schwert des Todes schwebte schon so lange über uns, dass das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Vor drei Wochen dachte ich, mein Orpheus stirbt mir auch noch. Er hatte wieder einen akuten Schub IBD (sowas wie Morbus Crohn beim Menschen) und lag nur noch malad rum. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich war, als ich wieder den ersten wohlgeformten Haufen von ihm sah. Als es ihm so schlecht ging, hatte ich Herzrasen, Panikattacken und schlief tagelang nicht richtig, weil ich so in meiner Angst gefangen war, dass er stirbt.

Wie bei meiner Mutter wird auch bei ihm der Tag kommen, wie bei uns allen. Er ist 16 Jahre alt und aufgrund seiner chronischen Erkrankung sehr dünn. Er hat wenig Reserven. Er hat sich jetzt dem Einhorn sei Dank echt wieder gut stabilisiert und ich habe mich wieder etwas beruhigt. Trotzdem ist es, als ob eine Grundangst tief in meinen Zellen verwurzelt wäre und wenn eine der Katzen auch nur ein winziges Anzeichen hat, dass etwas nicht stimmen könnte, bestehe ich nur noch aus Panik.

Deswegen habe ich keinen Bock auf oberflächliches Geplänkel, Rumgenöle, Jammerei wegen Alltäglichem. Das Leben ist zu kurz dafür. Ich brauche wieder etwas mehr Frieden, Leichtigkeit, Unbekümmertheit und Sorglosigkeit. Es war jetzt lange schwer genug.

Altersbashing

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Das ist unser Orpheus. Das liebste, sanftmütigste Geschöpf, das ich kenne. Er ist immer gut gelaunt. Leider hat er gesundheitliche Probleme. Er leidet an IBD, einer entzündlichen Darmerkrankung.

Wir waren mit ihm bei 5 Tierärzten und 3 Heilpraktikern. Wir haben so viel versucht. Letztendlich kam immer wieder die Aussage “Ist halt ein alter Kater”.

Wir haben nun seit Sommer endlich eine Tierärztin, die auf geriatrische Betreuung spezialisiert ist und uns sehr gut hilft. Ja, er ist 15 Jahre alt, aber das heißt doch noch lange nicht, dass man seine Lebensqualität nicht so gut es geht verbessern kann.

Er ist richtig aufgelebt, seit er bei der neuen Tierärztin in Behandlung ist. Natürlich ist er kein Kitten mehr, aber er springt herum, frisst gut und ist immer fröhlich.

Auch unsere Haustiere werden immer älter, auch wenn das in den Köpfen vieler Tierärzte hier in der Gegend noch nicht angekommen ist. 15 Jahre ist nun nicht mehr “alt”. Katzen können bis zu 30 Jahre alt werden. Orpheus Schwester Onya (die beiden sind Wurfgeschwister) ist topfit und war noch nie krank. Sie ist deutlich fitter, was natürlich ist, weil sie ja keine chronische Erkrankung hat, wie Orpheus. Onya ist sogar deutlich fitter als zum Beispiel Muffin und Samson, was das herumhüpfen, rennen und jagen von Insekten betrifft.

Egal ob Mensch oder Tier: Die Aussage, dass sich ab einem bestimmten Alter etwas nicht mehr “rentiert” oder eine Behandlung abgelehnt wird, ist einfach Unfug.

Wir werden alles dafür tun, dass unser kleiner Goldschatz so lange wie möglich, die bestmöglichste Lebensqualität hat. Dass er viel viel viel zu dünn ist, ist uns bekannt. Aber was sollen wir tun? Mehr kann er beim besten Willen nicht essen und er ißt deutlich mehr als Muffin und Onya zusammen. Nur die Coonie-Mischlinge Samson und Khaleesi essen genauso viel wie er, aber die sind auch fast doppelt so groß.

Urlaub und meine Gedanken dazu

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Wir waren ein paar Tage in einem südlichen Land im Urlaub. Es war ein schönes Hotel direkt am Meer, sehr abgelegen, weit und breit kein Remmidemmi. Personal war supernett. Wir haben viel gefaulenzt, im Meer und im Pool gebadet, gut gegessen und uns echt erholt, was bitter nötig war. Soweit so gut.

Ein paar Tage waren völlig ok, aber länger hätte es nicht sein müssen. Ich habe festgestellt, dass ich nicht der Typ für Strandurlaub bin und ich auch nicht mehr unbedingt in ein südliches Land muss.

Das hat mehrere Gründe:

Wir sahen unzählige Katzen und auch ein paar herrenlose Hunde. Natürlich alle nicht kastriert. Allerdings war kein Tier älter als ungefähr 1 Jahr. Es gab keine erwachsenen Tiere, sondern nur Kitten und Halbwüchsige. Sie sahen zwar alle recht gut aus, aber ich habe recherchiert. Es ist wohl so, dass sie über den Sommer vom Hotelpersonal und den Urlaubern gefüttert werden (sie sahen auch echt alle gesund aus), aber in den Wintermonaten verhungern sie oft, weil niemand mehr da ist, wenn die Ferienregionen “zu” sind.

Ich habe im Hotel nachgefragt und es wurde mir gesagt, dass die Anlage ganzjährig bewacht wird und das Wachpersonal die Katzen und Hunde füttern würde. Ich hoffe inständig, dass es so ist, aber es ist schon sehr merkwürdig, dass ich keine älteren Tiere sah. Mir schlägt sowas enorm aufs Gemüt. Die Hunde und Katzen waren so tolle Tiere und wirklich wunderschön.

Auch geschmälert wurde das Urlaubsvergnügen durch das Essen, das landestypisch aus vielen tierischen Produkten bestand. Das Schlimme für uns Veganer war nicht der Umstand, dass die Essenauswahl für uns auf die Beilagen und einen Teil der Salate beschränkt war, sondern dass wir die einzigen waren, die sich darüber Gedanken gemacht haben, dass das “Essen” einmal ein fühlendes Geschöpf war. Tintenfische sind hoch intelligente Wesen. Ich bin mir sicher, dass sie in vielen Fällen, denjenigen, die sie verspeist haben, geistig haushoch überlegen waren. Es ist aber nicht die Intelligenz das Kriterium, sondern die Leidensfähigkeit. Ich bin mir sicher, dass Hummer oder Krebse massive Schmerzen empfinden, wenn sie zu Tode gekocht werden. Jeder der sich schon mal gebrannt hat, kann sich das Ausmaß vorstellen.

Mein Mann sprach gestern Abend im Speisesaal aus, was ich dachte: “Das ist hier wie beim kleinen Arschloch”. Die Comicfigur von Walter Moers war auch immer massiv “drüber”. Wir hatten gestern das extrem zweifelhafte Vergnügen, die lautstarke Unterhaltung von drei “Grazien” am Nebentisch mit anzuhören. Es gab kein Entrinnen, auch wenn ich mir teilweise echt die Ohren zuhalten musste. Uns war klar, dass die angenehme Zeit beim Essen vorbei war, als die drei Frauen ankamen und sich an den Tisch neben uns setzten. Es waren komplett unterschiedliche Frauentypen, aber schon von weitem auf ihre Art unsympathisch. Sie setzten sich und die Unterhaltung erstreckte sich vom Lammkotelett über Mastschweine und detailliert über das Schlachten selbiger.

Uns war nicht klar, dass man sich über eine halbe Stunde nur über das Töten von Tieren unterhalten kann. Im alltäglichen Plauderton. Ohne auch nur eine Sekunde an die Angst, die Schmerzen und das Leiden der Tiere zu denken.

Ich ertrage das nicht mehr und ich will es auch nicht mehr ertragen. Wir standen auf und gingen an den Strand, wo wir unsere Ruhe hatten. Keine doofen Weiber, keine Tierleichen, nur das Rauschen der Wellen. Es waren ein paar schöne Tage, die durch einige Umstände geschmälert wurden. Leider ist die Welt noch immer – auch hierzulande – überwiegend von Tierleid dominiert. Ich kann leider nicht alle Tiere retten und ich kann die Menschheit nicht zum Umdenken zwingen, so sehr ich das auch möchte. Dennoch ist da noch Hoffnung, dass es vielleicht doch einmal eine Welt geben wird, in der Tiere das Recht auf Unversehrtheit haben werden. Unterstützt wurde diese Hoffnung von einem circa 8jährigen Jungen, der extra in die nächstgelegene Stadt gefahren war, um Katzenfutter zu kaufen und der jeden Abend damit beschäftigt war, alle hungrigen Mäuler zu füttern.

Besser als Urlaube wäre eh ein Leben, von dem man keinen Urlaub als Erholung bräuchte.

Jetzt ist es soweit

sagte mein Mann. Diesem Ausspruch vorausgegangen war eine Konversation zwischen meinem Puschelchen und mir. Ich kochte und er schmiegte sich um meine Waden. Er maunzte “Ma Ma”. Ich freute mich und fragte ihn “Hast Du gerade Mama gesagt?” und er antwortete “Mja!”.

Mein Mann schüttelte nur den Kopf und sprach obigen Satz aus, was soviel bedeutet, wie dass es jetzt Zeit für eine Überprüfung meines Geisteszustands wäre.

Kann schon sein, dass ich nicht ganz dicht bin, aber ich bin mir sicher, dass mein Puschelchen mich liebt und in mir seine Mutter sieht. Er ist voll das Mama-Söhnchen. Manchmal schon etwas obsessiv, aber ich liebe es, wenn er auf meinem Bauch liegt oder in meinen Kniekehlen. Ich könnte sein süsses Gesichtlein ewig anschauen. Dafür habe ich echt gerne einen leichten bis mittelschweren Dachschaden.

Kniekehlen

Jede Nacht beginnt der “Kampf” der Katzen, wer in meinen Kniekehlen schlafen darf. Meist “gewinnt” das Puschelchen, aber manchmal liegen auch Samson und Khaleesi in meinen Kniekehlen.

Es gibt bestimmt bequemere Plätze im Schlafzimmer und es liegen auch überall auf dem Nachtisch und dem Sideboard bequeme Deckchen, aber nein, in meinen Kniekehlen muss man schlafen.

Ich bin mittlerweile schon so darauf konditioniert, dass ich echt richtig schlecht schlafe, wenn mal eine Nacht keine Katze in meinen Kniekehlen nächtigt.

Ich habe recherchiert. Anscheinend fühlen sie sich in den Kniekehlen sicher und geborgen. Es ist ja auch ein schönes Gefühl, wenn ich ihnen offensichtlich Sicherheit und Geborgenheit gebe.

Auf der anderen Seite geben auch sie mir Sicherheit und Geborgenheit und das Gefühl – speziell bei Puschelchen – dass sie mich sehr lieben. Er schaut mich oft an, als wäre ich der wundervollste Mensch auf diesem Planeten. In seinem Blick steckt soviel Liebe.

Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint und mir die wunderbarsten Kinder geschenkt, die es für mich geben könnte. Wenn sie einen einmal anschauen… dann ist alles vergessen. Egal ob man die Nacht davor das Bett überziehen musste, weil eines der 5 Katzenkinder seinen Haarballen darauf ausgewürgt hat, oder ob sie auf den Tisch springen, wenn Besuch da ist (“das machen sie sonst niiiiiieeee”) oder wenn sie einen Haufen neben das Klo gesetzt haben… ich liebe diese wundervollen Zauberwesen und bin glücklich, wenn sie gesund sind.

Letzte Woche Donnerstag hatten wir abends Besuch da und grillten auf der Terrasse. Normalerweise liebt es Leesi draussen im Gehege, aber sie kam nicht. Ich schaute dann nach ihr und sie lag völlig apathisch im Schlafzimmer. Nur wenige Stunden zuvor, war sie noch putzmunter. Ich rief beim Notdienst an und beschrieb dem Tierarzt die Lage und er meinte, ich solle gleich kommen, das höre sich gar nicht gut an. Sie machte auch während der Fahrt kaum einen Mucks. Der Tierarzt tastete und hörte sie ab und maß Fieber. Sie hatte 40,5 Fieber, was für eine Katze sehr hoch ist. Ausserdem hatte sie ein Rasseln auf der Lunge, Durchfall und Erbrechen. Sie bekam Antibiotika und einen Fiebersenker und er sagte, wir sollen morgens gleich wieder kommen.

Ich muss glaub nicht erwähnen, dass ich die halbe Nacht vor ihrem Krankenlager sass und kein Auge zutat. Am nächsten Morgen war die Situation unverändert. Er gab ihr eine Infusion und abends gingen wir wieder hin. Das Fieber war endlich weg und sie machte einen besseren Eindruck, aber noch nicht wirklich gut. Samstagsfrüh war sie endlich wieder die “Alte”, jagte und fing Insekten, fraß wieder gut und schmuste was das Zeug hielt.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie erleichtert ich war. Was es genau war, weiß keiner, aber der Tierarzt meinte, so schnell aufkommende Sommerinfekte gehen gerade um. Ich hatte letztes Jahr im Herbst auch mal ganz schnell Corona, da ging es mir bis mittags auch noch prima und abends hatte ich Schüttelfrost und war komplett malad.

Bisher beliefen sich die Tierarztkosten auf 160 Euro. Die Rechnung für die Blutuntersuchung steht noch aus. Hauptsache ist, dass die Kleine wieder gesund und munter ist. Sie hat vorhin mit mir Socken sortiert. Handtücher zusammenlegen und Bett überziehen mag sie auch voll gerne. Ich liebe es, wie sie mich mit ihren großen grünen Kulleraugen anschaut.

Jedes Katzenkind hat seinen eigenen Charakter und alle sind sehr unterschiedlich:

Orpheus ist der gemütliche Schmusekater der alles und jeden liebt. Er ist unser Zen-Meister. Der Dalai Lama unter den Katzen.

Onya ist die wunderschöne Prinzessin, die auch gerne kuschelt. Sie weiss, dass sie schön ist und wenn sie ein Mensch wäre, wäre sie vermutlich eine Influencerin mit ganz vielen Follower. Sie ist ängstlich und taff zugleich.

Muffin Puschelchen ist sehr auf mich bezogen, hat Angst vor Männern generell und man darf sein Bäuchlein niemals anfassen. Er hat ein so süsses Gesichtlein und wie der schauen kann!

Khaleesi ist sehr scheu, zuckt selbst zusammen wenn der Rolladen runter gelassen wird, schmeisst sich aber bei unserem Anblick sofort auf den Rücken und streckt uns den Bauch zum kraulen entgegen.

Samson ist so ein kleines Äffchen, das gerne Kunststücke aufführt, wenn Besuch da ist. Er ist immer verschmust und hüpft gerne in Taschen.

Ein Leben ohne Katzen ist möglich, aber sinnlos. Ja, sie machen viel Dreck und kosten echt viel, aber sie geben einem auch so viel. Das macht alles wieder wett.

Ich habe gerade mit Ihrer Katze telefoniert

Ich hatte schon vor langer Zeit einen Termin bei einem Spezialisten um das Taubheitsgefühl in meiner linken Hand abzuklären.

Ich hatte vor drei Wochen frei und schlief etwas länger als sonst. Mein Handy lag ausnahmsweise auf meinem Nachtischchen, weil ein Familienmitglied schwer krank war und ich deshalb keinen Anruf verpassen wollte.

Jedenfalls schlief ich tief und fest, als mein Handy klingelte. Mein Orpheus lag neben meinem Kopf und irgendwie musste ich das Handy im Halbschlaf doch entsperrt und es aber wieder achtlos abgelegt haben. Orpheus maunzte und maunzte und maunzte laut und durchdringend, bis ich endlich richtig aufwachte. Ich schaute auf das Handy und sah einen entgangenen Anruf der Arztpraxis.

Als ich zurück rief, sagte die Sprechstundenhilfe “Sind Sie es? Gerade habe ich eine Weile mit Ihrer Katze telefoniert”. Wir fingen beide an zu lachen. Sie sagte mir ihr anliegen, dass mein Termin etwas verschoben werden müsste und musste dabei immer wieder abbrechen, weil sie einen Lachanfall bekam, in den ich jedesmal mit einstimmte.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass unter meine Akte der Vermerk “Verrückte Katzen Lady” kam.

Orpheus telefoniert übrigens sehr gerne. Er rief auch schon mal meine beste Freundin über die Wiederwahltaste am Festnetz an und er schaltet regelmässig das Fernsehprogramm um.