Wenn unsere Liebe Dich hätte retten können

Am Montag, 26.01.2026 starb unser geliebter Orpheus. Obwohl wir ahnten, dass er nicht mehr lange bei uns sein wird, traf es uns dennoch mit voller Wucht. Er schlief sehr viel am Montag und wenn er wach war, drückte er seine Pfötchen ganz fest in meine Hand, oder schmiegte sein Köpfchen in meine Handfläche. Abends gegen halb 9 wurde er auf einmal sehr unruhig. Wir streichelten ihn und sagten ihm, wie sehr wir ihn lieben, dann schnaufte er noch dreimal tief und verließ seinen Körper.

Er war das sanfteste, liebste Katerle der Welt. Ich habe hier und auf meinem WhatsApp Status oft davon geschrieben, wie wundervoll er ist, aber das war er eben auch. Er hatte immer gute Laune. So ein sanftes Wesen und ein echt sonniges Gemüt. Bevor er krank wurde, begrüßte er mich jeden Tag freudig mit seinem markanten, leicht nölend klingelndem Maunzen. Er war als einziger unserer Katzen genauso verfressen, wie mein Mann und ich. Leider nahm er immer mehr ab, egal wieviel er frass und er frass wirklich viel. Egal wo er war, wenn er hörte, dass ich eine Dose öffnete, kam er sofort angeflitzt.

Gestern kochte ich eine Kürbissuppe und als ich die Kokosmilch öffnete, dachte ich für einen Moment “Orpheus schleckt bestimmt wieder total gerne den Deckel ab” und dann traf es mich wieder wie ein Blitz. Er wird nie wieder den Deckel der Kokosmilchdosen abschlecken. Ich werde nie wieder in seine wunderschönen grünen Augen schauen können. Er wird meine Hände nicht mehr mit seinen Pfoten umklammern. Ich höre sein wohliges Schmatzen nicht mehr. Er wird mich morgens nicht mehr mit der Pfote an der Nase stupsen. Ich werde ihn erst wieder sehen, wenn ich auch auf die andere Seite wechseln werde.

Das ist das einzig Schlimme an unseren Kindern. Wir überleben sie leider. Er lebte seit März 2011 bei uns. Er und seine Schwester Onya waren damals 1,5 Jahre alt. Ich bin jedoch froh und dankbar, dass ich über 15 Jahre seine Mama sein durfte. Mein geliebtes Fleckifleck, mein Zen-Meister, mein Schatz.

Am Freitagabend dachte ich, ich sehe ihn im Wohnzimmer laufen und ich höre oft sein Maunzen in meinem Kopf. Gestern Abend starrten die anderen Katzen auf eine Stelle im Wohnzimmer, wo wir Menschen nichts sahen. Vielleicht hat er uns besucht und die Katzen konnten ihn sehen. Was wissen wir schon. Während ich das hier schreibe, sitze ich genau an dem Platz, an dem er starb.

Inzwischen habe ich 7 Lebewesen beim Übergang begleitet. Drei Menschen und 4 Katzen. Die Katzen gingen bisher zum Glück alle sehr sanft. Immer ähnlich. Sie wurden unruhig, strampelten mit den Pfoten, atmeten dreimal tief und verließen ihre Körper. So war es bei MissC, bei Gizmo und bei Orpheus. Bei Merlin war es ein bissle anders. Er starb komplett unerwartet an HCM und er war erst 3 Jahre alt. Aber egal ob ein geliebtes Wesen unerwartet stirbt, oder ob sich der Sterbeprozess über Wochen / Monate zieht, wie bei MissC, Gizmo und Orpheus, der Schmerz ist derselbe und auch der Schock. Selbst wenn man eigentlich weiss, dass sie sterben werden, so hofft man doch immer noch auf ein Wunder. Freut sich an kleinen Verbesserungen des Zustands.

Orpheus ging es Anfang November schon einmal sehr schlecht und er konnte nicht aufstehen. Hatte sich das Beinchen gestaucht. Wir fütterten, tränkten, wickelten und badeten ihn und die Tierärztin machte uns eigentlich keine großen Hoffnungen, dass er jemals nochmals laufen könne. Er hatte aber so einen Lebenswillen und war so gut drauf, aß richtig gut, dass auch sie sagte, dass er Leben will und wir ihn solange leben lassen sollen, wie er will. Was wir natürlich gerne für ihn taten.

Wir gingen die letzten 3 Monate nur noch selten zusammen aus dem Haus und es war immer jemand bei Orpheus. Anfang Dezember gab es dann das Wunder. eine Woche vor meinem Geburtstag stand er morgens einfach auf und lief zum Klo, als ob nichts gewesen wäre. Der Zustand hielt bis zum 1. Weihnachtsfeiertag an. Morgens sprang er an diesem Tag vom Bett, obwohl ich ihm ein Treppchen hin gestellt hatte. Dabei zerrte er sich wieder das Beinchen und humpelte wieder. Es war aber noch so, dass er es belasten konnte. Ich hatte ihm ein Laufställchen für Kitten gekauft und wenn wir ihn nicht unter Beobachtung hatten, beim schlafen, kochen oder duschen, verbrachte er die Zeit in diesem Ställchen, damit er nirgends herunterfallen konnte, zu seiner Sicherheit. Er mochte das Ställchen aber recht gerne und machte sich bemerkbar, wenn er aufs Klo musste, essen oder trinken wollte. Dann stand ich zu jeder Zeit auf und brachte ihn aufs Klo, gab ihm zu essen und zu trinken.

Dieser Zustand hielt an, bis zum 5. Januar. Morgens war er noch gerannt, so dass ich ihn gerade noch davon abhalten konnte, dass er die Treppe runterspringt. Abends waren wir mit Freunden essen und als wir nach Hause kamen, lag er in seinem Ställchen (das offen war) und konnte sich nicht mehr bewegen. Er hatte Schmerzen am Rücken. Diagnose war sowas wie ein Hexenschuss. Es kam dann 2-3x die Woche die Tierheilpraktikerin mit einem Laser und Health Key und behandelte ihn, was er sehr genoss. Er bekam natürlich auch Schmerzmittel und wenn er sich nicht bewegte, hatte er keine Schmerzen. Wir lagerten ihn mehrfach täglich um, massierten seine Beinchen, wickelten, tränkten, fütterten und wuschen ihn wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit und gingen nicht mehr länger als 2 Stunden gemeinsam aus dem Haus. Wir hatten eine Infrarotlampe gekauft und wärmten damit seinen Rücken und ich machte mehrmals täglich ein Moorkissen warm. Einer von uns war immer im Homeoffice, meist mein Mann. Die “Nachtschicht” übernahm immer ich. Ich versorgte ihn 3-4x in der Nacht. Wir legten ihn nicht mehr ins Ställchen, sondern zwischen uns ins Bett, damit er mich mit seinen Pfoten wecken konnte, wenn er frisch gemacht werden musste, was er zuverlässig tat.

Nur wenige Tage vor seinem Tod hatte ich ein Video gemacht, wie er sich wieder schmerzfrei aufsetzte und akribisch seine Pfötchen und sein Gesicht leckte. Die Tierheilpraktikerin sagte auch, dass die Laserbehandlung angeschlagen hatte und auch wir hatten den Eindruck, dass er sich wieder besser bewegen konnte und auch keine Schmerzen mehr hatte.

Die Silberschnur spannt sich immer mehrmals, bevor sie endgültig reißt. Das war bisher immer so. Bei meinem Vater, meiner Mutter, Gizmo und Orpheus.

Mein Vater aß zwei Tage vor seinem Tod genüsslich eine Tomatensuppe und saß aufrecht im Bett und redete wie immer. Meine Mutter wollte zwei Tage vor ihrem Tod, dass ich ihr Himbeeren mitbringe und erzählte von Rezepten. Gizmo lief freudig im Gartengehege herum und wir dachten echt jedesmal, dass vielleicht doch nochmal ein Wunder geschieht, aber es ist das letzte Aufbäumen der Lebenskraft. Am Samstag bevor Orpheus starb war noch eine Freundin zu Besuch und sie bemerkte noch, wie aufmerksam er zuhörte und seine Ohren spitzte und sie fand es so erstaunlich, dass er sich immer meldete, wenn er was benötigte. Sonntags schlief er viel und montags war er tagsüber schon zeitweise nicht mehr so ganz in dieser Welt, das spürte man. So schlimm es ist, geliebte Wesen (und hier macht es keinen Unterschied ob Mensch oder Tier) zu verlieren, so ist der Übergang auch ein heiliger Moment. Ich bin dankbar, dass wir die Entscheidung nicht fällen mussten und er den Zeitpunkt selbst wählte. Ich bin auch dankbar, dass wir ihn noch drei Monate bei uns hatten und seinen letzten Weg mit ihm gehen durften.

Am Ende aller Tage

Ich denke gerade viel an meine verstorbene Mama. Letztes Jahr sagte sie, dass sie glaubt, dass es ihr letztes Neujahr war. Sie sagte später auch, dass sie glaubt, dass es ihr letzter Geburtstag sein wird. Kurz nach ihrem Geburtstag lies sie sich die Haare – entgegen ihrer Gewohnheit – ganz kurz schneiden. Ich denke, auch hier wusste oder ahnte sie, dass es ihr letzter Haarschnitt sein würde.

Ich kann mich noch gut an einen schönen Frühlingstag erinnern, als ich sie im Rollstuhl durch den Park schob und sie den Frühling regelrecht aufgesaugt hat. Sie erfreute sich an jeder Blume, jeder Blüte, jedem Schmetterling, jeder Biene. Sie wollte damals, dass ich sie in die Sonne stelle, damit sie jeden Strahl genießen konnte. Sie konnte sich nicht an den Farben der Blumen satt sehen. Wir haben an diesem Tag nicht viel geredet, sondern einfach das Sein genossen. Auch ich ahnte an diesem Tag, dass uns nicht mehr viele solcher Tage bleiben würden.

Man erahnt oder fühlt die Nähe des Todes. Ich wusste es bisher immer, wenn nahestehende Personen oder Tiere dem Tod nahe waren. So schwer es ist, ein geliebtes Wesen zu verlieren (und hier macht es keinen Unterschied, ob es ein Tier oder ein Mensch ist), desto mehr fühlen wir auch selbst wieder das Leben.

Der Tod gehört genauso zum Leben, wie die Geburt. Wir verdrängen diesen Teil nur lieber, weil wir ihn nicht als “freudig” ansehen. Dabei ist es eine Ehre, Lebewesen, bis zu ihrem Übergang zu begleiten. Der Tod ist niemals das Ende, davon bin ich felsenfest überzeugt. Die Verstorbenen sind auch noch eine Weile um uns, wenn sie ihren Körper verlassen haben.

Unsere verstobene MissC war sehr lange noch bei uns. Über drei Jahre lang fühlte ich noch ihre Präsenz und die anderen Katzen auch. Niemand legte sich auf ihren Lieblingsplatz auf meinen Nachttisch. Ich beobachtete sogar einmal, wie Merlin auf den Platz springen wollte, im Sprung merkte, dass dort etwas ist, und wieder zurück sprang.

Wir sind noch immer verbunden mit den geliebten Seelen. Meine Mutter fühle ich nicht als Präsenz hier, ich glaube, sie ist schon lange auf der anderen Seite. Mein Papa verweilte etwas länger hier und ich hörte ihn sogar einmal zu mir sprechen. Er sagte laut und deutlich “Madle, mach Dir doch ned um alles immer so an Koupf, sìsch alles guad wiss isch”.

Ich mache mir noch immer viel zu oft einen Kopf um alles, wohl wissend, dass ich es eh nicht kontrollieren oder gar ändern kann. Es ist wie es ist. Es kommt wie es kommt. Irgendwann wird auch meine Zeit gekommen sein. Habe ich dann ein gutes Leben gelebt? Ich weiss es nicht. Vielleicht hätte ich es früher mehr “krachen lassen” sollen. Vielleicht sollte ich jetzt mehr riskieren. Mich weniger zurück halten. Ich hätte manche Menschen definitiv früher “gehen lassen sollen”. Habe zu lang an ihnen fest gehalten, obwohl sie keinen Platz mehr in meinem Leben hatten, oder besser nie einen hätten haben sollen.

Ich war mal bei einem Vortrag eines buddhistischen Mönchs der sagte “Ihr Leute im Westen denkt immer, ihr müsst alles in dieses eine Leben packen, dabei habt ihr noch so viele vor Euch”. Vielleicht muss nicht jedes Leben “bedeutend” sein. Es kann durchaus ausreichend sein, ein “gewöhnliches” Leben zu leben.

Ich werde es nie verstehen

wie jemand “Spass” daran haben kann, Tiere zu töten. Wie kann man “leidenschaftlich” Tiere jagen und töten? Was sagt das über einen Menschen aus?

Wenn ich in die Augen eines Tieres schaue, sehe ich die Seele. Wie kann man einen Hasen, einen Fuchs, ein Wildschwein, ein Reh erschießen?  Ich verstehe das nicht, wie das jemand übers Herz bringt.

Es ist erst einige Monate her, als mir ein Typ auf einer Veranstaltung in munterem Plauderton erzählt hat, dass sein Kumpel einen Schweinezuchtbetrieb hat und jedesmal, wenn seine Männergruppe ein Spanferkel will, geht er in seinen Stall und tritt eines der Ferkel so lange, bis es “geschlachtet werden muss”. Er lachte darüber. Ich sagte ihm, dass ich das zum kotzen finde und er lachte noch mehr.

Was stimmt nicht mit der Menschheit? Wie kann man kein Mitgefühl mit einem Tier haben, zumal für ein Tierkind!

Ich bin noch immer überzeugt, dass das der wahre “Sündenfall” der Menschheit war. Der Verrat an unseren Tiergeschwistern. Wir sollten die Hüter sein, nicht die Henker. Wir sollten alle Tiere beschützen und sie nicht töten und essen. Sie sind unsere Geschwister, die wir behüten sollten. Das ist unsere wahre Bestimmung und wir haben auf ganzer Linie versagt.

Das Phänomen des Mansplaining

Kürzlich wollte mir ein Mann wieder die Welt erklären. Wie kommt sowas? Mir würde es niemals in den Sinn kommen, jemand anderem vorzuschreiben, wie Sie oder Er zu leben hat.

Wieso haben manche Männer den inneren Drang, Frauen erklären zu wollen, wie sie sich zu verhalten haben, wie sie leben sollen, wie sie etwas tun sollen?

Zugegebenermaßen sind es nicht immer Männer, aber leider meistens schon. Bei Frauen ist das Verhalten nicht so oft zu beobachten, wie bei Männern, weshalb auch der Begriff Mansplaining erfunden wurde.

Egal was man tut, ob man fotografiert oder gärtnert oder was auch immer, hat doch jeder seinen eigenen Stil und das ist auch gut so. Wie langweilig wäre es, wenn jeder alles gleich machen würde.

Mansplaining ist Scheisse! Ich werde mir das auch nicht mehr gefallen lassen. Es war letztes Jahr zweimal von der selben Person. Ich würde dieser Person nie im Leben sagen, wie sie zu leben hat, weil es mich nichts angeht. Ebenso wenig geht diesen Mann jedoch an, wie ich lebe. Mansplaining hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun und auch da ist es so, dass ungefragt angebrachte Kritik übergriffig ist. Ich würde niemals von jemand einen RatSCHLAG annehmen, den ich nicht von mir aus um Rat gefragt habe.

Trotzdem würde mich interessieren, wie jemand auf die Idee kommt, anderen die “Welt” erklären zu wollen.

Ich kannte mal einen Fotografen, der hat sein Model mit einer Blume in der Poritze fotografiert. Das fand ich witzig und ich habe echt darüber gelacht. Wenn er und auch das Model aber Spass an solchen Bildern haben, dann ist das doch völlig ok. Mir muss das nicht gefallen. Ich hätte mir niemals angemaßt ihm zu sagen “Also die Bilder mit der Sonnenblume im Arsch, das lässt mal besser sein, das musst Du so oder so fotografieren”. Es geht mich nichts an, was andere machen, solange sie niemand dabei schaden.

Anders verhält es sich, wenn Menschen oder Tiere zu schaden kommen. Dann kann ich was sagen und eingreifen, alles andere ist jedoch simpel Geschmacksache.