Die Banalität des Alltags

Wenn man in Trauer ist, kommen einem die alltäglichen Arbeitsabläufe oft so absurd vor. Warum soll ich essen, wenn ich doch keinen Hunger habe? Warum soll ich kochen? Mein Magen knurrt zwar, aber gleichzeitig zieht sich mein Bauch vor Schmerz zusammen. Ich dusche, ich putze meine Zähne, ich käme mein Haar, ich wasche die Wäsche. Alles wie mechanisch, ferngesteuert. Ich funktioniere. Wie ein Roboter. Meine Seele ist woanders.

Es gibt Momente, wo ich glaube, meinen kleinen Schatz um mich zu fühlen. Das ist tröstlich und gibt mir kurze Augenblicke des Friedens. Doch dann kommt wieder die Erkenntnis, dass er nicht mehr gleich um die Ecke getappst kommt mit seinen niedlichen rosa Pfötchen und den Krallen, die er nicht mehr so ganz einfahren konnte und die auf dem Laminat immer ein Klackgeräusch machten. Ich werde nie wieder seinen wundervollen Duft riechen, nicht mehr sein weiches und dichtes Fell streicheln. Nicht mehr sein Maunzen hören. Nie wieder wickelt er seinen schönen geringelten Schweif um meinen Arm oder meine Knöchel. Nie wieder kann ich seine Öhrchen kraulen, sein Schnurren hören. In seine Augen blicken. Es gibt Momente, da würde ich mich am liebsten zu ihm ins Grab legen. Heute regnet es und ich bin froh darum. So passt das Wetter zu meiner Gemütslage.

Wir waren nicht darauf vorbereitet, unseren Schatz zu verlieren. Wir dachten, wir hätten noch ewig Zeit. Mindestens ein paar Jahre. Als ob man je auf den Tod vorbereitet sein könnte.

Er kam so oft in den vergangenen zehn Jahren – der Gevatter Tod.

Natürlich weiss ich, dass der Tod auch meine anderen Kinder holen wird und ich wieder diesen unsäglichen Schmerz spüren werde, wenn sie mir genommen werden. Das ist der Preis, den wir für bedingungslose, aufrichtige Liebe bezahlen.

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One thought on “Die Banalität des Alltags

  • 28. Juni 2020 um 13:23
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    Und die Liebe bleibt ewiglich ♥️

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