Welche Spuren hinterlassen wir, wenn wir gegangen sind?

Heute starb das hochbetagte Pferd einer Freundin. Die wunderschöne braune Stute durfte heute Nacht im Schlaf gehen. Natürlich ist es für die Familie furchtbar schmerzhaft, dass ihr geliebtes Familienmitglied nicht mehr da ist. Gestern Abend war sie wie immer und heute morgen war sie fort. Klar, es war damit “zu rechnen”. Wir leben alle nicht ewig und die braune Schönheit war wirklich sehr alt. Fast schon biblisch alt für ein Pferd. Dennoch ist es ein Schock wenn der Tag dann tatsächlich da ist.

Andere Freunde von mir verloren im Frühjahr ihren geliebten Kater durch innere Blutungen. Er hatte schon seit Jahren eine unheilbare Krankheit und auch hier war damit “zu rechnen”, dass er früher gehen muss, als wenn er gesund gewesen wäre. Das ändert aber nichts an der Trauer und dem Verlust, den die Familie erlitt.

Auch ich fürchte den Tag, wenn meine Kinder gehen müssen. Wenn man Kinder einer anderen Spezies adoptiert dann ist es meist so, dass wir sie überleben, wenn es nicht gerade Schildkröten oder Papageien sind. Pferde, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Schafe, Ziegen etcetcetc. Sie alle werden leider höchst wahrscheinlich vor uns gehen müssen und wir müssen mit dem Verlust leben.

Viele Menschen belächeln die Trauer um ein Tier. War doch nur ein “Vieh”, hörte ich schon oft. Die Trauer um Menschen ist oft anerkannter, aber auch hier erwartet die “Gesellschaft”, dass man still und heimlich zu trauern hat und nach außen hin ist “wie immer”. Das Leben muss weitergehen, blablabla und doch steht für die Menschen, die trauern kurz die Zeit still. So als ob man aus der Zeit gefallen wäre. Der Alltag wird wie in Trance erlebt. Zuerst kommt der Schock, dann oftmals das “Nicht wahr haben wollen”, das ungläubige “Das kann doch nicht sein”. Sie / Er muss doch gleich um die Ecke kommen und zum Fressnapf gehen. Ich höre doch noch das Maunzen / Bellen / Wiehern, Mä-en / Blöcken. Aber der Platz bleibt leer. Das Schönste was einem dann passieren kann, ist von dem geliebten Wesen zu träumen. Wenn man die Botschaft bekommt “mir geht es gut, schau, ich kann wieder herumspringen. Weine bitte nicht mehr, ich bin glücklich  und habe keine Schmerzen mehr- es ist ok”, dann gibt das den meisten Trost. In schlimmen Verlustphasen kann man sich zu diesen Traumszenen “flüchten”, damit man nicht verzweifelt.

Alle geliebten Wesen – ob Mensch oder Tier – die ich verloren habe, haben Spuren in meinem Leben hinterlassen. Selbst ihr Tod hat mich verändert und mir etwas gegeben. Wenn man die Nähe des Todes gespürt hat, dann spürt man auch das Leben wieder intensiver. Der Tod gehört zum Leben. In unserer Gesellschaft wird er tabuisiert und ausgeblendet. Besser nie daran denken. Wir halten uns so lange für unsterblich, bis wir mit dem Tod konfrontiert werden und das wird jeder irgend wann einmal. Bei mir fing es früh an, mit dem Tod vieler geliebter Katzen.  Als ich 18 war, starben meine Großeltern. Junge Menschen, die ich kannte starben an Leukämie, Verkehrsunfällen, erstickten bei einem Feuer und einer brachte sich um. Dann war viele Jahre “Ruhe”, bis mein geliebter Kater im Alter von 15 Jahren während einer Notoperation starb. Dann wurde ich wieder 4 Jahre vom Tod verschont, bis mein geliebter Papa gehen musste und 10 Monate später meine beste Freundin. Beide hatten Krebs.  Letztes Jahr starb Smartie, ein Kater, den wir adoptiert hatten. Jedoch mussten wir ihn nach einem Jahr einer Freundin geben, weil er sich nicht mit unseren anderen Katzen vergesellschaften lies. Er starb an Nierenversagen. Meine Freundin, die ihn 3 Jahre bei sich haben durfte, war am Boden zerstört. Der Kater war auch für sie wie ein Kind.

Wir alle werden nicht davor verschont, geliebte Menschen und Tiere gehen lassen zu müssen. Dennoch ist der Tod nicht unser Feind. Wir müssen ihn nicht fürchten. Ich fürchte meinen eigenen Tod überhaupt nicht. Ich bin neugierig, was mich dann erwarten wird. Welche Spuren werde ich hinterlassen? Wenn ich so geliebt wurde und solche Spuren hinterließ, wie sie alle meine verstorbenen Katzen hinterließen, dann  hatte mein Leben Sinn.

 

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