Vegan bitch against the world

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Ab heute werdet Ihr ab und zu von meinem Alter Ego “vegan bitch” lesen und von meinen Erlebnissen, seit ich mich vor circa 4 Jahren entschied vegan zu leben.

Hier Teil 1 aus dem Leben einer veganen Bitch:

Vegan bitch against the world

Schnell gewöhnte ich mich an die altbekannten Aussprüche, die ich ja auch teilweise schon als Vegetarierin kannte, wie „WAS? Du iss kein Fleisch, keine Wurst, keine Eier, keinen Honig und auch keinen Fisch? Du trinkst keine Milch? Aber was gibt es denn dann noch? Was kannst Du dann noch essen“, oder „vegan ist das Indianische Synonym für zu dumm zum jagen *Schenkelklopfer*“, oder „Du isst meinem Essen das Essen weg“, „ich bin auch Veganer, ich esse nur Tiere, die sich pflanzlich ernähren höhö“, „ist Muttermilch von veganen Müttern vegan?“, „Du isst ja nur so einen Schweinefraß“, „Wenn wir die Viecher nicht essen, dann fressen sie uns“, „Also vegan(isch) leben könnte ich nicht“,

Meine neue Ernährungsform wirkte sich auf alle Bereiche meines Lebens aus und ich möchte meinen Erfahrungsschatz gerne mit Euch teilen. Eine Dramödie in mehreren Akten:

Szene 1

Geburtstagsparty eines Bekannten. Es sind Bierbänke in einem größeren Saal aufgebaut. Etwa 40 Gäste sind schon anwesend. Alles sitzt schon an den Schrannen, als wir eintreffen. Für mich gibt es nur Brot und ich nehme mir zwei Scheiben.

Es ist noch etwas Platz frei zwischen zwei sehr adipösen Menschen. Sie erlauben mir, mich zwischen sie zu zwängen. Eine Frau Mitte 30, die gegenüber von mir sitzt, wirft einen Blick auf meinen Teller und sagt „Du machst bestimmt Diät, deshalb bist Du auch so dünn“. Ich antworte nett und höflich, dass ich Veganerin bin und das Brot das Einzige war, was das Buffet für mich her gab und dass ich noch nie in meinem Leben eine Diät gemacht habe und es auch nicht vor habe.

Die dicke Frau neben mir sagt „Sag bescheid, wenn Du aufstehen musst, nicht dass die Bierbank sonst kippt“. Ich halte meinen Mund… und ermahne mich selber „sei still, antworte nicht darauf und unterdrücke Dein Lachen“.

Als ich meine Brotscheiben verspeist habe, will ich tatsächlich noch Wasser holen und sage der Dame, dass ich nun aufstehen werde, damit sie sich darauf einstellen kann. Der Mann, der mir gegenüber sitzt, spricht aus, was ich von Anfang an dachte „Also, wenn DU aufstehst, dann tangiert dass die beiden da gerade mal NULL!“. Die Dicken schauen ihn nur verständnislos an. Ich gehe raus eine Runde Lachen.

Wieder zurück am Tisch kommt sofort die Frage „Wenn Du nichts Tierisches isst, was kann man denn dann noch essen?“. Ich erinnere mich an die Szene von TED 1, als Mark Walberg alle weiblichen white Trash Namen aufzählt und versuche es so ähnlich mit „Reis, Nudeln, Quinoa, Brokkoli, Zucchini, Auberginen, Rettiche, Radieschen, Paprika, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen, Mais, Blumenkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Kartoffeln, Pfirsiche, Trauben, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren, Lauch, Rüben, Tomaten, Salat, Erdnüsse, Mandeln, Cashew, Macadamia, Paranüsse etcetcetc. Sie starren mich mit offenen Mündern und weit aufgerissenen Augen an. Wenn ich Antennen auf dem Kopf gehabt hätte, wäre es auch nicht viel anders gewesen. Die Dickste der Anwesenden findet als erste ihre Sprache wieder und sagt „Ich kaufe auch immer laktosefreie Wurst“.

Szene 2

Einladung zum Essen bei der Mutter eines ehemaligen Freundes. Sie ist lieb und nett und ein herzlicher Mensch, aber etwas naiv gestrickt. Sie serviert mir einen Wurstsalat mit den Worten „den hab ich extra für Dich gemacht, weil Salat isst Du ja“. Das war ein Paradebeispiel für „Gut gemeint ist echt immer Scheiße“. Sie hat es wirklich nur gut gemeint und es war keinerlei böse Absicht hinter der Aktion. Ich musste ihr dann schonend beibringen, dass ich den von ihr liebevoll für mich zubereiteten Wurstsalat leider verschmähen muss. Sie nahm es zum Glück nicht übel und wusste ab da auch, dass ich Wurst auch nicht als „Salat“ zubereitet esse.

Szene 3

Besuch einer mittelalterlichen Altstadt mit einer meiner Freundinnen. Wir haben Hunger und setzen uns auf die Terrasse eines Restaurants. Ich bestelle einen Salat und sage noch, dass ich Veganerin bin und keinerlei tierische Sachen darin haben möchte, wie z.B. Speckwürfel oder Ähnliches. Es kommt ein Salatteller, der zur Hälfte aus Krautsalat besteht, der wiederum zur Hälfte aus Speckwürfeln. Ich lasse ihn zurück gehen… bekomme exakt den selben Teller 15 Minuten später wieder. Es ist nur noch die Hälfte der Speckwürfel drin und die Bedienung sagt „Besser konnten wir den Speck nicht raus bekommen“. Ich sage „Und wie wäre es, wenn ich einen Teller bekomme, wo nur Blattsalat drauf ist und man lässt den Krautsalat bei mir einfach weg, so wie ich es bestellt hatte?“ Sie antwortet „Die Teller sind schon vorbereitet, das geht nicht“.

Szene 4

Geburtstag einer ehemaligen Bekannten. Ein Pärchen Anfang 30 weiß von der Gastgeberin, dass ich Veganerin bin.  Die Frau sagt „Wusstest Du, dass Tomaten Nervenbahnen haben. Die empfinden Schmerz. Pflanzen darfst Du dann auch nicht essen, das ist genauso schlimm, wie wenn Du ein Tier isst“, „Wir fahren immer auf einen Bauernhof und suchen uns da ein Rind aus, welches dann für uns geschlachtet wird, das reicht dann immer ein halbes Jahr.“ Ich bin selten in meinem Leben sprachlos, an dem Abend bin ich es. Eine Form von Karnismus in Reinkultur, denn das Paar hat einen Malteserwelpen gekauft. Der Hund wird abgöttisch von den Beiden geliebt. Aber eine Kuh können sie ohne mit der Wimper zu zucken beim „Bauern ihres Vertrauens“ aussuchen und schlachten lassen?

Szene 5

Essen während einer öffentlichen Veranstaltung. Die Bedienung sagt vorwurfsvoll „Wegen Leuten wie Ihnen mussten wir darauf verzichten, das Rotkraut nochmal in Entenschmalz aufzukochen, das gibt aber erst den richtig guten Geschmack“. Ich ignoriere es und schaufle, Kartoffeln und das Entenschmalz-freie Rotkraut auf meinen Teller und setze mich an einen der runden Tische. Alle Augenpaare sind sofort auf meinen Teller gerichtet „also, das könnte ich nicht“, sagt die rundliche Dame, die sich gleich darauf ein Stück Entenbraten in den Mund schiebt. „Das ist schon nicht normal“ sagt die dünne, miesepetrig drein schauende Frau, die mir genau gegenüber sitzt. „Ich hatte ja selber mal Lauf-Enten und als die starben, war das echt schlimm. Zwei Jahre lang konnte ich keine Enten mehr essen, aber jetzt geht es wieder problemlos“. Die elegante Dame links neben mir meint „Mein Bruder mit Frau kommt am Wochenende zu Besuch, das sind auch solche Veganer. Ich mache Spargel, aber mit der guten normalen Sauce Hollondaise, Die sind doch selber schuld, wenn die das nicht essen“. Zustimmendes Nicken am Tisch und die dünne Griesgrämige setzt noch einen drauf „Sagen Sie doch einfach die Sauce wäre vegan, das merken die doch gar nicht“. Einhelliges Gekicher. Ich sage „Ich würde es merken und ich finde es nicht ok, wenn man so etwas untergejubelt bekommt“. Ich ernte erboste Blicke. Zum Glück kenne ich die Leute nicht und sehe sie hoffentlich nicht wieder.

Szene 6

Mein Mann outet sich auf einer Feier, dass er nun auch keine Tiere mehr isst. Alle Blicke auf mich gerichtet und einer der Anwesenden spricht aus, was die Übrigen nur dachten: „Jetzt hat sie es geschafft“. So als ob ich ihn verhext hätte oder ihn dazu gezwungen hätte. Wir waren aber schon 8 Jahre zusammen als er selber zu diesem Entschluss gelangt ist. Aber ich böse, vegane Bitch habe ihm mein Gedankengut aufgezwungen und ihm eine Gehirnwäsche verpasst.

Szene 7

Eine weitläufige Bekannte erzählte mir, dass ein aufstrebender junger Manager es gewagt hat, seine Kariere gegen die Eröffnung eines veganen Cafès in Norddeutschland zu tauschen. “Wie kann man nur“. Als er sich dann von seiner veganen Freundin trennt, kommt sofort der Kommentar „Jetzt kann er ja wieder normal werden , so wie früher“.

Szene 8

Feier vor einigen Jahren abends in einem Tagungshotel. Barbetrieb. Alter, rot gesichtiger, gut genährter Mann mit Seehundbart stellt sich neben mich und erzählt mir unaufgefordert „Mein Jägerkumpan, der hat so einen Hühnerhof. Die Küken, die da geschreddert werden, die äckert mein Kumpel immer unter und baut dann Kartoffeln drauf an. Das wenn der Gesundheitsminister wüsste *diabolisches Lachen*“.

Szene  9

Eine weitere Geburtstagsfeier im Bekanntenkreis. Ein weitläufiger Bekannter ist ebenfalls Jäger und jammert lautstark und angesäuselt darüber, dass in seinem Revier diese Saison schon 5 Rehe von Autos überfahren wurden und ihm nun 5 weniger zum abknallen bleiben. Aber er hätte jetzt ein Feld mit Raben gefunden, auf die könnte man auch prima schießen.

Szene 10

Kaffeekränzchen im Bekanntenkreis. Ich trinke nur Kaffee, weil der Kuchen mit Milch und Ei gebacken ist. Eine alte Dame sagt „Ihr Veganer seit schon arm dran. Müsst auf alles verzichten“. Ich sage ihr dann, dass ich das freiwillig mache, weil ich nicht will, dass für mich ein Tier leiden oder sterben muss. Sie schaut mich entgeistert an und meint dann lapidar „die werden doch sowieso geschlachtet“.

Szene 11

Wir sind essen in einem gutbürgerlichen deutschen Gasthof. Es ist Spargelsaison und ich bestelle Spargel mit Kartoffeln ohne Sauce Hollondaise. Die Bedienung ist persönlich beleidigt, weil ich die gute Sauce nicht haben will. Sie gibt mir deutlich zu verstehen, dass sie mich für abartig hält.

Szene 12

Essensausgabe in einer Kantine. Es gibt nur Braten mit Reis und Salat. Die Thekenkraft ist stark übergewichtig und trägt eine verschmierte Schürze. Ich sage ihr, dass ich nur etwas Reis haben möchte und mir den Salat dazu selber zusammenstellen werde. Sie schaut mich mit zusammengekniffenen Augen an, als wäre ich eine Außerirdische. Sie nimmt eine Kelle und haut einen Batzen Reis auf den Teller.

Ich laufe zum Salatbuffet, als ein mir unbekannter Typ auf meinen Teller starrt und sagt „Was isst Du denn da?“. Ich schlucke ein schnippisches „mariniertes Koks, was sonst“ runter und antworte nett „Etwas Reis“. Er schüttelt den Kopf murmelt etwas, das sich anhört wie „Hasenfutter“ und läuft weiter.

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Auf einer Party sitzt ein älterer Mann neben mir, er sieht, dass ich nur Gemüse esse und fragt warum. Ich antworte, dass ich nicht möchte, dass für mich ein Tier leiden oder sterben muss und ich deshalb Veganerin wurde. Er entgegnet „Meine Tochter hat das auch mal probiert, aber zum Glück hat sie wieder damit aufgehört. Die war nervlich etwas angeschlagen“. Ich antworte „Das kommt aber ganz sicher nicht von veganer Ernährung“. „Doch, die war da voll gereizt und zickig“.

Kurze Zeit später erzählt er mir, dass seine Tochter noch immer oft zickig ist und es auch schon immer war, weil seine Exfrau sie so verwöhnt und verzogen hätte…

Szene 14

Wir sind bei einer nicht-veganen Freundin einen Babybesuch abstatten. Sie erzählt, dass in ihrer Rückbildungsgruppe eine Mutter ist, die so viel Milch hat – viel mehr als ihr Baby braucht. Sie kam dann auf die Idee, die überschüssige Milch einfach zum Backen zu verwenden. Leider machte sie den groben Fehler, zu sagen, dass der Kuchen mit ihrer Milch gebacken worden war. Plötzlich wollte niemand mehr den Kuchen essen. Er war „bäh“ geworden, aber aus dem Euter einer Kuh ist es natürlich was ganz anderes. Da ist die Milch plötzlich „lecker“.

Szene 15

Ich bin beim Arzt, weil ich einen grippalen Infekt habe. Ich sage beiläufig, dass ich mich vegan ernähre und keine Medikamente möchte. Sofort hält mir der Hausarzt einen Vortrag, dass vegane Ernährung gar nicht gut wäre. Er rät mir zu Ovo-Lacto-Vegetarismus. Ich sage ihm, dass es für mich kein zurück mehr gibt. Er sagt mir, dass ich dann selber schuld wäre, wenn ich so oft krank werde. Ich litt in 10 Jahren nur an etwa zwei oder drei Erkrankungen, das ist schon signifikant auffällig und kann natürlich nur an meiner Ernährungsweise liegen. Ich wechselte nach diesem Besuch den Hausarzt und habe es nie bereut.

Szene 16

Ich werde aufgrund eines viralen Mittelohrinfektes zur Beobachtung im Krankenhaus behalten. Zum Glück nur für eine Nacht und einen Tag. Ich hatte vorher angegeben, dass ich Veganerin bin und bekam zum Mittagessen Fisch serviert. In den Köpfen Vieler sind Fische keine Lebewesen. Die Krankenschwester war aber verständnisvoll und brachte mir ein Schälchen Kartoffeln, was ich ganz toll und nett fand.

Szene 17

Ganz zu Anfang habe ich einmal in der Apotheke B 12 Tabletten gekauft. Damals kannte ich mich noch nicht so gut aus. Inzwischen kaufe ich Lutschtabletten im Internet. Doch damals hatte ich noch in der Apotheke nachgefragt. Es war um Ostern herum und ich hatte der Dame gesagt, dass ich mich rein pflanzlich ernähre und daher B 12 supplemmentieren möchte. Sie bot mir dann zum Schluss netterweise noch hartgekochte Ostereier als Geschenk an… ich lehnte nur dankend ab und sagte nichts dazu.

Szene 18

Naturkostladen. Ich stehe in der Kosmetikabteilung und suche nach einem veganen Concealer. Die sehr ungepflegte Verkäuferin(strähniges Haar, schmutzige Fingernägel) gibt mir einen Concealer einer sehr bekannten Naturkosmetikmarke „Den können Sie nehmen, da ist nur etwas Honig drin. Honig ist sehr gut! Meine Eltern hatten auch Bienen, denen ging es immer gut“. „Das kann schon sein, aber ich für mich lehne Produkte mit Honig ab und möchte das nicht!“, „Was ist das Problem? Das Bienensterben kommt nicht davon, dass wir Menschen uns den Honig nehmen, sondern dass es immer weniger hohle Bäume gibt“. Ich schlucke ein „hohle Menschen gibt es noch genug“ herunter und suche selber einen Concealer. Werde fündig, zahle und verlasse eilig den Laden und betrete ihn nie wieder.

Szene 19

Hochzeitsfeier. Die Gäste bestehen überwiegend aus Omnis, 2 Veganern und einer Pescetarierin, die sich selbst als Vegetarierin bezeichnet.

Wir Veganer bekommen wieder Fisch serviert, weil es sich auch noch nicht bei diesem Caterer herumgesprochen hat, dass Fische Lebewesen sind. Wir erklären, dass wir den Fisch nicht essen können, weil es ein Lebewesen ist. Er wird wieder zurück in die Küche gebracht und auch der Pescetarierin wird er weggenommen und wir bekommen stattdessen essbare Blumen mit Gemüse. Die Pescetarierin ist daraufhin voll sauer auf mich, weil ich der Bedienung gesagt hatte, dass ICH den Fisch aus ethischen Gründen nicht essen kann. Sie gab mir die Schuld dafür, dass ihr der Fisch ebenfalls weg genommen wurde. Sie grüßt mich bis heute nur noch widerwillig und der Vorfall ist schon Jahre her.

To be continued…

 

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