fragte mich letzte Woche ein Kollege. Er meinte damit, ob ich ein Problem habe, wenn andere um mich herum Fleisch essen. Ja, ehrlich gesagt macht mir das sehr viel aus. Ich versuche es so gut es geht auszublenden, aber das ist das eigentlich Schlimme am vegan sein.
Nicht der „Verzicht“ auf irgendwas und dass man in Restaurants und auf Veranstaltungen oft nichts Gescheites zu essen bekommt. Damit komme ich prima klar.
Das was mir zu schaffen macht, ist, dass ich Kollegen, Freunden, Familienmitgliedern zusehen muss, wie sie ohne einen Gedanken daran zu verschwenden Fleisch, Milchprodukte, Eier etc konsumieren und niemand ausser mir sich um die Opfer schert und das Leid, dass damit verbunden ist.
Für sie sind es „Nahrungsmittel“ und „Produkte“ und „Genuss“ für mich sind es Lebewesen, die lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensspanne getötet wurden und davor meistens mißhandelt und mißbraucht. Für Euch ist es nur ein Stück Fleisch, Sahne, Ei, Milch, Honig. Ihr esst es und dann ist es vergessen. Ich sehe darin das Tier, das für Euren Konsum starb. Das ist das, was mir wirklich weh tut am plant-based Leben.
Ich hatte letzte Woche Geburtstag und meine engsten Freunde zum Essen eingeladen. Jede/r außer meinem Mann bestellte irgendwas Tierisches zu essen. Niemand dachte auch nur eine Nanosekunde darüber nach, wie das auf mich wirkt. Es ist einfach zu „normal“. Wir Veganer sind die „Abnormalen“. Manchmal verzweifle ich an dieser Welt, wo man dafür lächerlich gemacht wird, wenn man kein Tierleid unterstützt.
Vielleicht sollte man die Wörter „pflanzlich“ oder „vegan“ ersetzen durch „tierleidfrei“. Wenn ich mein Essen so bestellen würde: „Ich hätte gerne den Kaffee mit tierleidfreier Flüssigkeit, für die kein Kälbchen seiner Mutter weggenommen wurde und noch im Kindesalter geschlachtet wurde, weil es ein Abfallprodukt der Milchindustrie war“, „Ich hätte gerne den Muffin ohne das Periodenprodukt von einem Huhn für das die männlichen Küken geschreddert, vergast oder nach 30 Tagen als Tierkind geschlachtet werden, weil sie Abfallprodukte der Eierindustrie sind“, Ich hätte gerne das Gericht ohne getötetes fühlendes Lebewesen, das nicht sterben wollte, aber ermordet wurde, als es noch ein Kind war, oder als es keine ‚Leistung‘ mehr brachte“.
Vielleicht würde das das Bewusstsein schärfen. Ich weiss es nicht. Vermutlich wäre es den Meisten trotzdem egal. Alle bezeichnen sich als „tierlieb“, aber bei den „Nutztieren“ hört die Tierliebe auf. Anerzogener Karnismus und Speziesismus. Aber was, wenn man das auch wieder aberziehen kann?