Nö nö, wir machen das nur so zum Spass

Wir wollen gerade unser Haus verkaufen, weil wir ein anderes kaufen wollen Gestern entschieden wir, es öffentlich zu machen und setzten jeweils auf unseren WhatsApp Status für den Fall, dass wer jemand kennt der jemand kennt…

Es kamen sofort Fragen wie „Wollt Ihr Euer Haus verkaufen?“ ähm nö, wir haben das nur so zum Spass geschrieben. Natürlich wollen wir unser Haus verkaufen! „Habt Ihr ein anderes Haus?“ Nö, wir leben dann in unseren Autos oder unter der Brücke, vielleicht auch in einem Zelt irgendwo im Wald. Ja natürlich wissen wir schon, wo wir hinziehen werden. Dann kamen Rat-Schläge „Ihr werdet auch nicht jünger und dann nochmals ein größeres Haus, also wollt Ihr Euch das wirklich antun?“ Ja wollen wir, unser Leben, unsere Entscheidung!

Im Vorfeld hatten wir es nur ganz wenigen Personen gesagt. Meinem Bruder, einem befreundeten Paar und einer Freundin. Wenn alle anderen uns enger nahestehenden Personen, die es gestern durch den Status erfuhren, die vergangenen Tage auch nur einmal gefragt hätten, wie es uns geht, was bei uns gerade so abgeht, hätten wir es erzählt. Sie fragten kein einziges Mal nach und erzählten nur von sich, weshalb wir auch nichts erzählten. So mussten sie es ,wie alle weitläufigen Bekannten ,gestern von meinem Status erfahren. Im Vorfeld hatte ich schon ein paar Ankündigungen gemacht, dass eine größere Veränderung bei uns bevorsteht und dass wir uns einen Traum erfüllen werden, aber es kam NIX. Keine einzige Nachfrage, einfach NIX. Sie hatten es gelesen, aber nicht reagiert.

Wenn es einem schlecht geht und wenn es einem gut geht, erfährt man die gesamte Bandbreite an emotional verkrüppeltem Verhalten. Aber ich suche nicht mehr die „Schuld“ bei mir. Das hat nichts mit mir zu tun. Es ist kein Spiegel und keine Resonanz, sondern es ist ihnen emotional einfach nicht gegeben und ich hatte früher viel zu viel erwartet. Ein Fisch kann eben nicht klettern. So einfach ist das.

Was wirklich zählt

Es gibt so einen bestimmten Menschenschlag, für den ist nur wichtig, ob jemand „etwas geworden ist“ und ob jemand es „zu etwas gebracht hat“. Gemessen wird dies daran, was Derjenige oder Diejenige für ein „Geschoss“ fährt, oder wie der Wohnstandard ist. Unwichtig ist dabei, ob die betreffenden Personen ein gutes Herz haben oder einen anständigen Charakter.

Natürlich schließt das eine, das andere nicht aus. Dennoch wird weit mehr Wert auf die Anhäufung materieller Güter gelegt, als auf die charakterlichen Eigenschaften. Soziale Engagements zählen nicht wirklich. Kreatives wird als Hobby belächelt. Einsatz im Tierschutz oder gar Tierrechtsaktivismus wird als Extremismus dargestellt.

Ganz schnell ist man die missionarische Veganerin, die crazy Catlady, die „Verrückte, die ne Sau gekauft hat“, die „mit der man nirgends zum Essen hin kann“.  Das kann ich alles ab, weil es nicht um mich geht, sondern um die, die sich nicht wehren können: Die Tiere. Ich bin noch immer überzeugt, dass dies der wahre „Sündenfall“ war, der die Menschheit das Paradies gekostet hat: Der Verrat an unseren tierischen Geschwistern.

Die Menschheit hat komplett versagt, wenn wochenlang um einen gestrandeten Wal debattiert, ihm letztendlich viel zu spät geholfen wird, jedoch andererseits, wenn auf den Färöer Inseln oder in der Bucht von Taiji tausende Wale und Delfine abgeschlachtet werden, es kaum jemand tangiert. Die „Waltouristen“, die sich so für den armen Timmy eingesetzt haben, waren gewiss in den allermeisten Fällen keine Veganer.

Es fängt aber schon im „Kleinen“ an. Es ist kein Bewusstsein da, für das Leiden der Tiere. Eine Bekannte war letzte Woche mit uns auf einem Frühlingsfest und sie erzählte uns in den freudigsten , detailliertesten Schilderungen, dass sie im Urlaub fangfrischen Fisch gegessen hat und wie köstlich der gewesen wäre. Sie merkte nicht, dass wir immer stiller wurden und nichts dazu sagten. Gleich darauf erzählte sie uns von ihrem Kinderwunsch und dass sie unbedingt ihre Werte an das Kind weitergeben will. Ja genau! Tags zuvor hatten wir uns mit anderen Bekannten getroffen und einer davon erschlug direkt vor uns ein Insekt. Wir waren mal mit einem weitläufigen Bekannten meines Mannes indisch essen und dieses Paar wiederholte wirklich ungelogen mindestens 5x die Sätze:  „Das ist sooo ein gutes Lamm“, „Das Lamm ist wirklich köstlich“, „So ein gutes Lamm habe ich noch nie gegessen“, „die machen hier echt das beste Lammgericht“. Wir trafen uns nie wieder mit ihnen. Eine andere Bekannte erzählte mir von ihrer tollen Designertasche aus Leder und wie günstig sie da rangekommen war. Wieder eine Andere erzählte mir, wie flauschig ihr neuer Kaschmirpulli ist und ganz pervers war ein Random Typ, der mir erzählte, wie geil Fohlenschnitzel schmecken würde.

Die denken nicht darüber nach, wie das auf uns wirkt. Ich erschlage keine Insekten und ich esse kein Tier, schon gar kein Tierkind, ich kaufe nichts aus Leder, Wolle, Daunen und Seide. Ich bin überzeugt, wir sollten die Hüter unserer Tiergeschwister sein und nicht ihre Ausbeuter und Mörder.

Ich habe heute bei einem Tierrechtsaktivisten eine Story gesehen, wo er einen Esel gerettet hat, der zum Sterben in der Hitze ausgesetzt worden war. Ich weiss nicht welches Land das war, aber anscheinend ist es „Tradition“, Esel, die zu alt oder geschwächt zum Arbeiten sind, ein letztes Mal die Hufe zu putzen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Sie werden in einer Gegend ausgesetzt, wo sie verhungern und verdursten. Dieser Esel hatte Glück und wird nun versorgt und man sah ihm an, dass er den Menschen dankbar war. Esel sind so tolle Tiere. Ich mag ja alle Tiere und Pferde sind anmutig und schön, aber Esel finde ich einfach drollig und goldig.

Die Geschichte mit der „traditionellen letzten Ehre“ für die Esel erinnert mich an die Grausamkeiten gegen die Galgos, die jedes Jahr nach der Jagdsaison erschlagen oder erhängt werden. Aber auch hierzulande werden die Schweine grausam erstickt, die Kühe oft hochträchtig und bei Bewusstsein geschlachtet, die Kälber gleich nach der Geburt in kleine Iglus gestopft und der Mutter weggenommen und noch als Kalb geschlachtet (wenn es männlich ist) damit die Milch für den Menschen genutzt werden kann, Hühner durch ständiges Eierlegen so körperlich ausgelaugt, bis selbiger versagt, Fische elend erstickt, den Bienen ihr Nektar genommen und gegen Zuckerlösung ausgetauscht wodurch sie krank werden und die Wildbienen mit den Krankheiten anstecken und so das Bienensterben mit verursachen. Weil man auf Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Honig, Leder und Wolle angeblich nicht verzichten kann.

Wann wurde der Mensch so ein Monster. Vielleicht kann sich die Menschheit weiterentwickeln. Weg von all den Grausamkeiten. Solange wir nicht lernen, unsere Mitgeschöpfe zu ehren und zu beschützen, wird es auch unter den Menschen immer Kriege und Unfrieden geben. Solange Geld und Macht wichtiger sind als spirituelle Entwicklung und ein gutes Herz, solange werden alle Mitlebewesen auf diesem Planeten unter unserer Spezies leiden müssen.

Die Wurzel allen Übels ist der Gedanke, dass ein Leben weniger wert ist, als das Andere. Das ein „Tier“ weniger wert ist, als der „Mensch“, dass eine Frau weniger wert ist als ein Mann, dass eine andere Rasse weniger wert ist als die weisse Rasse, dass ein armer Mensch weniger wert ist als ein Reicher. Wir sind nicht gleich, aber gleichwertig.

Zwiegespalten

Ich bin hin und her gerissen, ob ich gewissen Personen aus meinem Leben erzählen soll. Was mich gerade bewegt, was mir Angst macht, was mich freut, was ich für die Zukunft für Pläne habe etc. Einerseits würde ich es gerne sagen, aber etwas in mir hält mich zurück. Eine Art Warnsignal. Etwas in mir schreit regelrecht „Behalte alles für Dich“. Es gibt keinen konkreten Anlass,  weshalb ich den Menschen nicht vertraue. Sie haben nichts getan, oder ist es gerade das, dass sie eben generell nichts tun. Sie haben mir nichts getan, aber sie haben auch nicht wirklich etwas für mich getan.

Ich habe vor einigen Monaten mal einer „Freundin“ erzählt, dass ich gerade mit Hormonschwankungen zu kämpfen habe, die ja in meinem methusalemischen Leben normal sind. Diese Erscheinungen kamen bei mir sogar 10 Jahre später als bei anderen Frauen, von daher ist das der Lauf des Lebens. Sie stempelte mich aber sofort als „psychisch angeschlagen“ ab, weil ich ab und zu irrationale Ängste habe, wie „Hab ich die Haustür abgeschlossen“, „Hab ich das Licht ausgemacht“. „It is too peoply out there today“ etc. Das ist jetzt nicht exorbitant häufig und sicher nicht behandlungswürdig. Sie hakte aber noch wochenlang darauf herum. Sie sagte, sie kenne sich mit Panikattacken aus, weil das jemand in ihrer Verwandtschaft hätte. Es sind schon manchmal so eine Art Panikattacken, aber ich habe das recherchiert. Es ist einfach dem sinkenden Östrogen und Progesteronspiegel geschuldet und bedarf keiner Laienpsychologie. Safran und Magnesium haben mir deutlich besser geholfen. Ich hatte das leise Gefühl, dass sie richtig „auflebte“, weil ich so „psychisch angeschlagen bin“. Zum Glück habe ich nichts von meiner mittelschweren Dysmorphophobie erzählt. Puh, gerade nochmal davon gekommen, sonst hätte sie womöglich einen Exorzisten geholt.

Es ist ähnlich wie bei der veganen Ernährung. Auf einmal sind alle Ernährungsexperten, selbst diejenigen, die sich nur von Convenience Fraß und Mäckes ernähren. Ich äußere einmal was mich beschäftigt und sofort kommt irgendeine Äußerung, dass ich eine Psychotherapie bräuchte. Nö! Mit mir stimmt mehr als mit der „Ratgeberin“. Ich nehme keine Rat“schläge“ von Leuten an, die ich nicht selbst um Rat fragen würde.

Wenn ich dieser Person und noch ein paar Anderen erzählen würde, was mich umtreibt, was mir Sorge bereitet, was mir Freude macht, was mich beschäftigt, dann habe ich Angst, dass sie es entweder wieder in irgendeine Psychoschiene schieben würden, oder nichts dazu zu sagen haben. Beides will ich mir ersparen, weshalb diese Menschen irgendwann erfahren werden, was so abgeht. Vermutlich „wenn die Katze schon den Baum raufgeklettert ist“, wie man in meiner Heimat zu sagen pflegt.

Eine winzige Hoffnung ist da noch, dass ich diesen speziellen Bekannten wieder näher komme, aber das Warnsignal in mir schreit umso lauter „Danger, Danger, Danger“. Ich habe diese Stimme schon zu oft ignoriert und es ging nie gut aus. Deshalb werde ich schön meinen Mund halten und wenn sie fragen, wie es mir geht, werde ich nur „Alles gut“ antworten. Trau schau wem!

Was stimmt nicht mit Euch?

Es gab in letzter Zeit einige Begebenheiten, wo ich gedacht habe „Was stimmt nicht mit Euch?“.

Einmal ist mir was Gutes widerfahren und die Personen, von denen ich das dachte, haben einfach null darauf reagiert. Bei einem persönlichen Treffen erzählte ich jemandem, dass mein Bruder und ich gerade dabei sind, unser Elternhaus auszuräumen und dass das emotional sehr aufwühlend für mich ist. Es kam ein halbgares „Aha, Achso“.

Bei allem was in den letzten 12 Monaten in meinem Leben passiert ist, kam kaum etwas. Weder zum Tod meiner Mama, noch zum Tod von Orpheus und Onya. Auch während der Sterbebegleitung kam kaum irgendwas. Manchmal kam sogar noch das „Abladen“ der eigenen Probleme oder Jammereien über Belanglosigkeiten, oder eben einfach NIX. Keine Reaktion.

Durch diese Erfahrungen habe kein Vertrauen mehr, den Personen anzuvertrauen, was mich umtreibt. Weder im Guten noch im Schlechten.

Ich werde nicht sagen, dass ich mir mehr Tiefe, mehr Empathie, mehr Interesse wünsche. Dass ich das zurück haben möchte, was ich auch gebe. Ich werde NIX sagen.  Denn die Personen sind wie sie sind und ich kann sie nicht ändern. Es liegt nicht in ihrer Natur, eine liebevolle, herzliche, tiefe soziale Interaktion mit mir zu führen. Vielleicht mit anderen Menschen, mit mir aber nicht. Es ist nicht deren „Schuld“, sondern meine Erwartung in die Betroffenen war zu hoch. Nicht ich bin zuviel, sie sind mir zu wenig. Das ist aber mein Problem. Es ist ähnlich wie beim Dating, wo oft viel zu viel rein interpretiert und schon eine gesamte Zukunft geplant wird. So habe ich auch viel zu viel in diese Sozialkontakte hineininterpretiert. Meine Erwartungen waren zu hoch, ich wollte zu viel Tiefe, ich wollte mehr Nähe, ich wollte Tiefgründigkeit. Wo jedoch Nix ist, kann Nix kommen. So einfach und doch so schwer.

Zu alt für all den Scheiss

Gestern rief mich eine Freundin weinend an. Ihr ist alles zuviel. Die Pflege der Mutter, ihre eigene Familie, ihr Haushalt, der Haushalt im Elternhaus, der Job, der Nebenjob und und und.

Ich kann sie gut verstehen. Früher waren mehrere Generationen mit der Betreuung der Kinder und der Alten beschäftigt. Die Kinder, Eltern, Großeltern lebten unter einem Dach und oft auch alleinstehende Tanten oder Onkel. Ich kann mich in meiner Kindheit noch gut erinnern, dass fast jeder eine alleinstehende Großtante / alleinstehenden Großonkel hatte, die / der ebenfalls in die Kinderbetreuung mit einbezogen war, aber um die / den man sich auch kümmerte, bei Krankheit oder im hohen Alter.

Heute ist das nicht mehr so und es ist auch nicht mehr möglich, dass einer im Haushalt der Alleinverdiener ist. Oftmals kommt man auch mit zwei Einkommen gerade so über die runden und benötigt noch einen Nebenjob um das Haus abzahlen zu können, oder sich einen Urlaub leisten zu können, oder auch um das Kind auf eine Uni schicken zu können.

Ich habe keine Lösung für die Probleme der Freundin, aber das muss ich auch nicht haben. Oft reicht es, wenn man einfach nur zuhört. Irgendwann wird sich das alles lösen. Nicht heute, nicht nächstes Jahr, aber wirklich alles endet. Jede Situation endet eines Tages. Im Guten wie im Schlechten.

Es ist schwer und ich kenne das von mir selbst: Wenn man in einer miesen Situation steckt, sieht man den Ausweg oft nicht und fühlt sich scheinbar auf ewig gefangen, doch es wird enden. Es ist sehr leicht gesagt, dass man sich auf das Positive konzentrieren soll. Wenn man im Schlammloch feststeckt, sieht man den rettenden Ast vor lauter Schlamm nicht. Auch ich war schonmal in so einer Schlammgrube. Über Jahre in einer Beziehung, die nie hätte sein sollen, weil man nichts aber auch garnichts gemeinsam hatte. Ein Job, der massiv toxisch war und wo ich mindestens 1x die Woche abends heulend heim kam. Wo ich jeden Sonntagabend zitternd im Bett lag, wo ich schon Tage vor Urlaubsende Panikattacken bekam. Ich hielt dort 7 Jahre durch, weil ich wohl extrem leidensfähig bin, aber es hängt mir manchmal noch heute nach, obwohl es inzwischen auch schon viele Jahre her ist, seit ich dort entkam.

Die Freundin hat es doppelt schwer. Job sehr stressig, Privatleben sehr belastend. Sie muss immer nur geben, hat aber niemand der sie auffängt. Kein Wunder, dass sie in ihrem Jammertal gefangen ist.  Es tut mir auch sehr leid für sie, aber mehr wie einmal die Woche zuhören ist bei mir gerade auch nicht drin. Ich habe selbst für mich keine Reserven. Die Sterbebegleitungen und Verluste der letzten Monate zollen ihren Tribut. Ich bin weit davon entfernt, wieder „heil“ zu sein. Meistens tu ich so, als ob alles ok ist. „Pretend to be normal“ ist aber auch sehr anstrengend. Ich habe ihr gestern gesagt, dass sie zuerst nach sich selbst schauen muss, um Kraft für andere zu haben. Ich muss meinen eigenen Rat auch beherzigen. Man darf sich Zeit zum trauern nehmen. Es ist legitim Treffen abzusagen, wenn einem nicht danach ist. Es ist ok, Menschen zu meiden, die einen zusätzlich stressen. Ich als CEO meines Lebens darf „Freunde“ zu Bekannten degradieren, wenn sie sich nicht wie Freunde verhalten.

Ich glaube schon, dass man in Krisenzeiten erkennt, wer für einen da ist und wer nicht, aber noch besser erkennt man das an den Taten allgemein. Freuen sich die Menschen mit mir, wenn mir was Gutes widerfährt? Lachen sie mit mir, wenn was lustiges passiert? Reagieren sie auf Instaposts oder WhatsApp Statusmeldungen oder glotzen sie nur, wie es eine Freundin von mir zu sagen pflegt. Besagte Freundin hat vor Kurzem einen Post gemacht und geschrieben: „Wundert Euch nicht Ihr Glotzer, ab Morgen seht ihr keine Posts mehr von mir und auch keine Statusmeldungen. Ich sperre jetzt gleich alle Glotzer, weil sie in meinem Leben nichts verloren haben“.

Diese Aktion hat meinen vollen Respekt. Auch ich habe ein paar „Glotzer“, die sich nie melden. Die mir nicht zum Hochzeitstag gratulieren, die mir nichts zum Tod von Orpheus und Onya geschrieben haben, die sich nicht mit mir freuten, als ich letzte Woche einen Bollerwagen gewann. Sie glotzen nur. Es gab so viele Meldungen von allen möglichen Leuten. Liebe Nachbarn, Kollegen, entfernte Bekannte. Alle schrieben was Nettes, aber ein paar, die angeblich meine Freunde sind, die glotzen nur. Ich will keine Glotzer mehr in meinem Leben haben. Es reisst sich niemand einen Zacken aus der Krone, wenn man kurz einen lieben Satz schreibt. Eine Freundin von mir kann zum Beispiel ganz toll malen. Ich freue mich über jedes Bild von ihr und kommentiere das auch. Es ist grossartig, dass sie ihr Talent endlich zeigt und nicht mehr unter den Scheffel stellt und dann kann ich mich mit ihr freuen und sie anfeuern.

Ich habe vor kurzem mal gelesen, dass man ehrliche „Cheerleader“ in seinem Leben benötigt. Am Leid kann sich jeder laben, aber die wahren Schätze im Leben sind die, die sich mit Dir freuen, die Deine Talente anfeuern und kommentieren, wenn es bei Dir auch mal gut läuft und die nicht nur einfach immer nur glotzen!

Was von einem Menschenleben übrig bleibt

Nach dem Tod meiner Mutter räumen wir gerade unser Elternhaus aus. Zumindest haben wir mit den Dokumenten angefangen.

Das ist sehr emotional für mich. Auch nach 9 Monaten noch. Ausweisdokumente, Urkunden und weitere Schriftstücke. Wir mussten entscheiden, was wir aufbewahren und was wir vernichten. Leider blieb nicht viel, was wir aufbewahren. Mein Mann und ich haben keine Kinder. Für wen sollte ich es aufbewahren? Meine Brüder haben Kinder und Enkel, aber können sie später etwas damit anfangen? Es wird nun alles in einer Schachtel aufbewahrt, aber spätestens den Enkeln meiner Neffen wird es so gehen wie uns: Wir kennen sehr viele Personen auf Fotografien nicht mehr. Es sind Fremde für uns, obwohl es vermutlich Verwandte sind. Wir haben sogar Fotografien aus dem 19. Jahrhundert gefunden. Keine Ahnung was das für Menschen waren. Es lebt auch schon lange niemand mehr, der das wissen könnte.

Bei uns wird es noch schneller gehen, dass alles was wir haben, all die Erinnerungen, Bilder, Deko- und Gebrauchsgegenstände entsorgt werden. Alles wird irgendwann bei einer Räumungsfirma enden, welche die Erben engagieren müssen. 90 % von einem Haushalt landen bei einem Trödeltrupp. Einiges davon später auf dem Müll. Eine Weile wird man noch betrauert, dann rückt man immer mehr in die Vergessenheit und irgendwann lebt niemand mehr der einen kannte. Wenn man „in den Herzen der Verbliebenen“ weiterlebt, „löst“ man sich auf, wenn niemand mehr übrig bleibt, der einen noch hätte „im Herzen bewahren“ können?

Vielleicht schauen die Seelen zu, wie ihr Haushalt aufgelöst wird? Was denken sie dann? Ist ihnen noch irgendwas Weltliches wichtig, oder spüren sie eher die Emotionen, die wir dabei empfinden? Die Erinnerungen, die Gefühle? Das was wirklich zählt, nicht irgendwas Materielles. Das Ausräumen schlaucht mich emotional sehr. Wieder dort zu sein, wo wir Kinder waren, wo wir groß geworden sind, aber ohne die Eltern. Weil wir nun Waisen sind. Die Eltern sind die Eltern, egal in welchem Alter wir sie verlieren. Man ist nun niemandes Kind mehr. Die Räume in denen man geschlafen, gegessen – einfach gelebt hat, sind nur noch ein Schatten dessen was sie früher waren. Man lebt hier schon lange nicht mehr. Nun ist man aber auch nicht mehr zu Besuch dort, sondern zur Auflösung des Haushalts.

Es werden noch einige sehr emotionale Stunden dort anstehen, denn im Prinzip „wirft man das Leben der Eltern weg“ und das tut weh, auch wenn es eigentlich nur Papiere und Dinge sind. Aber es waren eben die „Papiere und Dinge“ der Eltern. Die Handschrift der Eltern, auf den Schriftstücken, die Häkeldecken von der Mutter, die Sitzecke wo der Vater immer sass. Die Gewissheit der Endlichkeit.

Wir fanden auch sehr viele nagelneue Gegenstände. Tischdecken, die nie benutzt wurden, brandneues Besteck, noch in der Schachtel verpackter Wasserkocher mit Preisaufkleber drauf. Gläser, die zwar alt, aber niemals benutzt wurden, weil man sie für „besondere Gelegenheiten“ aufgehoben hatte, die nie kamen.

Am Ende meiner Tage wird es viel „Gruscht und Krempel“ geben, der entsorgt werden muss, weil wir alle viel zu viel Zeug haben. Aber ich benütze „edle“ Gläser einfach so, ohne Anlass, ich trage manchmal Abendkleider im Garten, weil es mir Freude bereitet sie zu tragen. Ich laufe öfter sehr overdressed herum, weil ich es kann. Ich sage Menschen, dass sie mir wichtig sind und ich wäre fein mit allem, wenn ich morgen gehen müsste, weil ich mit niemand in Unfrieden lebe.

Once in a lifetime

Wie ich geschrieben habe, wurde ich in den letzten Monaten leider sehr häufig mit dem Tod von geliebten Wesen konfrontiert. Meine Mutter, unser Orpheus und unsere Onya.

2015 verlor ich meine damals beste Freundin an den Tod. Wir hatten eine sehr enge Freundschaft, wir waren wie Schwestern. Für sie war ich nicht Margit, sondern ihr „Schätzle“. Wir lachten viel zusammen, standen aber auch so einiges zusammen durch.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie mitten in der Nacht bei mir klingelte und mit einer Reisetasche und ihrem Festnetztelefon in der Hand dastand, weil sie nach einem fürchterlichen Streit mit ihrem damaligen Freund zu mir kam und bei mir übernachtete. Es war gar keine Frage, dass sie bei mir Zuflucht fand, sondern so normal wie es nur sein kann. Wir erlebten Trennungen zusammen, Liebeskummer, neue Lieben und letztendlich die schlimme Diagnose Brustkrebs im Palliativstadium.

Ich begleitete sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Reduzierte meine Arbeitszeit, um sie so oft wie möglich besuchen zu können. Ich las ihr wochenlang vor, als sie selbst nicht mehr lesen konnte, ich bastelte ihr mutmachende Collagen, ich schrieb ihr Briefe. Sie sagte einmal, dass es ihr leid tue, dass sie mir das was ich für sie tue nicht zurück geben könne. Darum geht es doch in einer tiefen, echten Freundschaft nicht. Das ist selbstverständlich, oder sollte es zumindest sein.

Selbst am Schluss, als sie schon Gehirnmetastasen hatte, fanden wir noch Gründe zum lachen.

Vielleicht ist es ungerecht von mir, alle anderen Freundschaften an dieser zu messen. Ich hatte so ein Glück. Vermutlich hat man so eine enge freundschaftliche Beziehung nur einmal im Leben. Wir stritten auch ab und zu und versöhnten uns wieder. Wir konnten zusammen lachen, weinen, tanzen, schweigen. Wir erlebten so viele aberwitzige Episoden zusammen.

Natürlich habe ich noch 2-3 engere Freundinnen, aber so eine Verbindung wie mit ihr, ist es nicht, obwohl ich auch diese Freundinnen teilweise schon seit über 20 oder 30 Jahren kenne.

Lange Zeit habe ich noch von ihr geträumt, doch vor ein paar Jahren hatte ich den letzten Traum, in dem sie mir sagte, dass sie wieder inkarnieren wird. Vielleicht kann sie mir doch irgendwann mal das zurück geben, was ich für sie getan habe, oder sie hat es bereits in einem anderen Leben getan oder wird es in einem Zukünftigen. Wir wissen so wenig. Manchmal bin ich noch traurig, sie nicht mehr um mich zu haben. Einfach aufgrund der Tiefe der Freundschaft. Ich habe meinen Frieden mit ihrem sehr frühen Tod gemacht, aber dennoch ist da manchmal die Sehnsucht nach der verlorenen innigen Freundschaft, wo man sich alles sagen konnte und man selbst sein konnte, ohne sich zurück zu nehmen, verstellen zu müssen oder nicht so offen sein zu können. Vielleicht hat man das wirklich nur Once in a Lifetime.

Schon wieder hat der Tod uns eines unserer Kinder genommen

 

Am

Am Sonntag, 22.03.2026 verloren wir unsere Onya. Sie starb bei uns im Bett schlafend. Bis wir morgens aufwachten, war sie schon ganz steif. Sanft und zart, wie sie immer war, ist sie auch gegangen. Natürlich vermissen wir sie sehr, sind jedoch auch dankbar für die lange Zeit, die wir sie um uns haben durften und dass sie im Schlaf gehen konnte.

Vielleicht wollte sie zu ihrem Bruder Orpheus, den wir vor zwei Monaten verloren haben.

Sie war so eine wunderschöne Prinzessin. Sie fehlt so sehr! Heute habe ich Handtücher in den Schrank geräumt. Onya hat es geliebt, sich auf den frisch gewaschenen Handtüchern zu wälzen. Sie war so ein anmutiges, edles Wesen. Meine MausMaus! Du fehlst!

Kann sein, dass es reines Wunschdenken von mir ist, aber ich bilde mir ein, dass Onya mir Zeichen geschickt hat:

Hier glaube ich eine kleine weisse Katze zu erkennen

und hier eine Taube

Nicht schon wieder

Das ist unsere älteste Katzentochter Onya. Ihr Bruder Orpheus starb vor 8 Wochen und seither baut auch sie mehr und mehr ab. Wir sind natürlich in tierärztlicher Behandlung, jedoch hat sie Niereninsuffizienz Stufe 4, was wir mit SUC, Phosphatbinder und Renalkomplex behandeln. Sie bekommt auch ein Mittel gegen ihre Übelkeit.

Sie ist sehr verschmust und schläft nachts am allerliebsten bei uns unter der Bettdecke. Heute am 19.03.2026 ist sie genau 15 Jahre bei uns. Ich weiss noch genau, wie der Vorbesitzer sie und Orpheus in einem Rollkennel zu uns brachte. Die Vorbesitzer hatten sie zur Vermittlung ausgeschrieben, weil die beiden im Katzenrudel (die Vorbesitzer hatten über 10 Katzen) gemobbt wurden. Die Beiden waren zu diesem Zeitpunkt 1,5 Jahre alt. Wir suchten damals nach Spocky’s Tod Gesellschaft für unsere MissC. Orpheus und MissC mochten sich auf Anhieb und kuschelten auch oft zusammen. Onya jedoch mochte keine der anderen Katzen so wirklich und war immer lieber für sich. Vielleicht hat ihr aber der Tod ihres Bruders doch mehr zugesetzt als wir denken. Ihr körperlicher Abbau exakt nach seinem Tod ist signifikant. Trauert sie etwa auch? Wir ließen Orpheus‘ Körper extra noch einen Tag im Wohnzimmer liegen, damit sich alle Katzen von ihm verabschieden konnten.

Natürlich tun wir für Onya alles in unserer Macht stehende, wie wir es auch schon mit Orpheus, Gizmo, Merlin, MissC und Spocky taten, doch wieder bestehen meine Tage aus Angst. Angst vor dem Unvermeidlichen. Wir können die Lebensspanne unserer Lieblinge leider nicht verlängern. Ich versuche mich zu beruhigen, weil Onya meine Angespanntheit auch spürt. Ich muss mich ihr Zuliebe beruhigen um sie nicht noch zusätzlich mit meinen Emotionen zu belasten. Katzen sind die ultimativen Emphaten. Auch hier wird Tag X kommen, ob ich dafür bereit bin oder nicht. Das ist der Lauf des Lebens und irgendwann werden wir alle diesen Weg gehen.

In Zeiten wie diesen habe ich Gedanken wie „Wenn alle vier mal gegangen sind, will ich keine Katzen mehr, weil der Schmerz zu schlimm ist“. Doch sie geben auch so viel Glück und Liebe. Bedingungslose Liebe, die all den Schmerz mehr als aufwiegt. Ein Leben ohne Katze ist möglich, aber sinnlos.

Unkompliziert

Wenn ich auf Plattformen Bewertungen bekomme, dann meistens „unkompliziert“. Es ist einfach bei mir zu kaufen oder zu verkaufen.

Auf Plattformen mag das ok sein, aber ich fürchte, ich bin so oder so zu „unkompliziert“. Ich lasse allen alles immer wieder durchgehen. Das unflätigste, stoffeligste Verhalten, aufgrund massiver Harmoniesucht.

Ich sollte viel viel komplizierter sein! Ich sollte sagen, dass mir eine gewisse Bekanntschaft viel zu oberflächlich ist und zu wenig in die Tiefe geht. Ich sollte sagen, dass mir das Gejammer einer anderen Bekannten echt massiv auf den Zeiger geht, vor allem, wenn es mir selbst nicht gut geht. Ich will nicht mit Lappalien vollgespamt werden. Ich sollte sagen, dass ich es echt gar nicht mag, wenn ich abgeholt werde und nur eine WhatsApp bekomme mit „bin da“. Ich finde das sehr stoffelig. Ich sollte auch denjenigen mal über den Mund fahren, die zu allem ihren unqualifizierten Senf dazu geben und sich für die Schlausten halten und mir die Welt erklären wollen, ich aber genau weiss, dass sie unrecht haben und im Grunde arme Würstchen sind.

Ich bin es gerade so leid und habe keine Kapazitäten! Mein Leben ist zu kurz für „unkompliziert“. Ich werde mich daran üben, in der nächsten Zeit kompliziert zu sein. Wenn es dadurch „Schwund“ und „Reibungen“ gibt, dann ist es so.

Ich erwarte mehr und das ist ok. Eine Freundin sagte kürzlich nach einem miesen Date: „Vielleicht erwarte ich zuviel, aber mit zu wenig kann ich mich nicht zufrieden geben“. Das gilt nicht nur für Beziehungen, sondern auch für Freundschaften. Es ist nicht zu viel verlangt, dass ich nach einem Todesfall von meinen angeblich besten Freunden mehr erwarte als eine WhatsApp. Das mindeste wäre ein Anruf gewesen. Ich kann auch erwarten, dass man sich Gedanken macht und nicht gerade mir erzählt, dass man Beef mit der Mutter hat und dass man nichts mehr miteinander redet, wenn ich froh wäre, noch mit meiner Mutter reden zu können. Wie unsensibel und gedankenlos kann man den sein? Aber an solchen „Kleinigkeiten“ merke ich, dass es nicht um mich geht, sondern es scheißegal ist, wie ich mich fühle, Hauptsache, die Personen können ihren „Müll“ los werden. Ich will aber den „Müll“ nicht hören. Ich habe höhere Ansprüche an Freundschaften, weil ich selbst auch mehr gebe. Wie es meine Freundin sagte: „Ich kann mich nicht mit zu wenig zufrieden geben“.