Ich bin hin und her gerissen, ob ich gewissen Personen aus meinem Leben erzählen soll. Was mich gerade bewegt, was mir Angst macht, was mich freut, was ich für die Zukunft für Pläne habe etc. Einerseits würde ich es gerne sagen, aber etwas in mir hält mich zurück. Eine Art Warnsignal. Etwas in mir schreit regelrecht „Behalte alles für Dich“. Es gibt keinen konkreten Anlass, weshalb ich den Menschen nicht vertraue. Sie haben nichts getan, oder ist es gerade das, dass sie eben generell nichts tun. Sie haben mir nichts getan, aber sie haben auch nicht wirklich etwas für mich getan.
Ich habe vor einigen Monaten mal einer „Freundin“ erzählt, dass ich gerade mit Hormonschwankungen zu kämpfen habe, die ja in meinem methusalemischen Leben normal sind. Diese Erscheinungen kamen bei mir sogar 10 Jahre später als bei anderen Frauen, von daher ist das der Lauf des Lebens. Sie stempelte mich aber sofort als „psychisch angeschlagen“ ab, weil ich ab und zu irrationale Ängste habe, wie „Hab ich die Haustür abgeschlossen“, „Hab ich das Licht ausgemacht“. „It is too peoply out there today“ etc. Das ist jetzt nicht exorbitant häufig und sicher nicht behandlungswürdig. Sie hakte aber noch wochenlang darauf herum. Sie sagte, sie kenne sich mit Panikattacken aus, weil das jemand in ihrer Verwandtschaft hätte. Es sind schon manchmal so eine Art Panikattacken, aber ich habe das recherchiert. Es ist einfach dem sinkenden Östrogen und Progesteronspiegel geschuldet und bedarf keiner Laienpsychologie. Safran und Magnesium haben mir deutlich besser geholfen. Ich hatte das leise Gefühl, dass sie richtig „auflebte“, weil ich so „psychisch angeschlagen bin“. Zum Glück habe ich nichts von meiner mittelschweren Dysmorphophobie erzählt. Puh, gerade nochmal davon gekommen, sonst hätte sie womöglich einen Exorzisten geholt.
Es ist ähnlich wie bei der veganen Ernährung. Auf einmal sind alle Ernährungsexperten, selbst diejenigen, die sich nur von Convenience Fraß und Mäckes ernähren. Ich äußere einmal was mich beschäftigt und sofort kommt irgendeine Äußerung, dass ich eine Psychotherapie bräuchte. Nö! Mit mir stimmt mehr als mit der „Ratgeberin“. Ich nehme keine Rat“schläge“ von Leuten an, die ich nicht selbst um Rat fragen würde.
Wenn ich dieser Person und noch ein paar Anderen erzählen würde, was mich umtreibt, was mir Sorge bereitet, was mir Freude macht, was mich beschäftigt, dann habe ich Angst, dass sie es entweder wieder in irgendeine Psychoschiene schieben würden, oder nichts dazu zu sagen haben. Beides will ich mir ersparen, weshalb diese Menschen irgendwann erfahren werden, was so abgeht. Vermutlich „wenn die Katze schon den Baum raufgeklettert ist“, wie man in meiner Heimat zu sagen pflegt.
Eine winzige Hoffnung ist da noch, dass ich diesen speziellen Bekannten wieder näher komme, aber das Warnsignal in mir schreit umso lauter „Danger, Danger, Danger“. Ich habe diese Stimme schon zu oft ignoriert und es ging nie gut aus. Deshalb werde ich schön meinen Mund halten und wenn sie fragen, wie es mir geht, werde ich nur „Alles gut“ antworten. Trau schau wem!