Der Tag, an dem ich von einer Verrückten angeschrien wurde

dieser Tag war heute. Doch von Anfang an:

Mein Mann und ich waren auf dem Weg zum Wahllokal und kamen an einem kleinen Teich vorbei. Am Ufer des Teiches stand eine ältere Frau undefinierbaren Alters, jedoch vermutlich schon weit jenseits der 60er Jahre. Sie hatte eine Plastiktüte in der Hand, aus der sie etwas heraus holte und ins Wasser warf. Ich ging zu ihr und fragte sie nett und höflich, ob sie die Enten mit Brot füttern würde. Sie fing sofort an, mich an zu schreien “Das geht Sie nichts an!”, “Suchen Sie Streit oder was?”. Ich antwortete, “Nein, ich suche ganz sicher keinen Streit, ich habe Sie lediglich gefragt, ob Sie die Enten mit Brot füttern”. Sie schrie lauter “Des geht Sie überhaupt nichts an und ich lasse mich auf keine Diskussion ein. Sie kommen hier her und suchen Streit”. Ich wiederholte ruhig “Ich habe Sie in keiner Weise angegriffen. Ich habe Sie lediglich gefragt, ob Sie die Enten mit Brot füttern, was Sie offensichtlich tun. Vielleicht wissen Sie es nicht, aber Brot tut den Enten nicht gut und deswegen geht es mich sehr wohl etwas an”. Nun wurde sie hysterisch “Das sind Wildenten, denen macht das gar nichts und ich diskutiere nicht mit Ihnen”. Ich sagte dann nur noch, dass ich einsehe, dass ein Gespräch mit ihr keinen Sinn hat und ging. Sie schrie mir noch Beschimpfungen hinterher, auf die ich nicht mehr einging.

Was hätte ich anders machen können? Ich war wirklich ruhig und nett auf sie zugegangen. Ich habe sie nicht angegriffen. Ich war mir ja auch zu anfangs nicht sicher, was sie in der Tüte hat und fragte erst einmal nach, ob es Brot ist. Es hätte ja durchaus die Möglichkeit bestanden, dass sie die Enten mit Vogelfutter füttert.

Hätte es etwas gebracht, wenn ich das Gespräch auf eine andere Weise begonnen hätte? Ich glaube nicht. Sie wollte mir nicht zuhören und sie fühlte sich sofort angegriffen. Wahrscheinlich wäre das Resultat dasselbe gewesen, egal wie ich auf sie zugegangen wäre. Sie wusste schon, dass das, was sie macht nicht ok ist, sonst hätte sie sich nicht auf der Stelle so massiv auf den Schlips getreten gefühlt von einer einzigen Frage.

Was sind das für Menschen, die insgeheim schon wissen, dass sie etwas tun, das nicht ok ist, es dennoch tun, weil sie auf ihr “Recht” pochen, es zu tun? Das “Recht” des Einzelnen endet jedoch dann, wenn Dritte dadurch zu Schaden kommen. In diesem Fall die Enten und alle anderen Lebewesen im Teich. Der kleine See ist ein stehendes Gewässer, das schon zur Hälfte mit Algen zu gewuchert ist. Vermutlich mit durch das Entenfüttern mit nicht geeignetem Futter begünstigt. Durch das herabsinkende Brot und den Kot der Enten kippen solch kleine Gewässer sehr schnell wenn sie keinen Durchlauf haben, wie es dort der Fall ist. Wir reden hier von einer Fläche von ungefähr 15 Metern Durchmesser.

Ich habe keine Ahnung, was ich hätte tun können und was ich noch tun könnte um die Frau und andere Menschen davon ab zußhalten, Brot ins Wasser oder ans Ufer zu werfen. Die Tageszeitung brachte schon wiederholt Artikel weshalb man kein Brot füttern sollte. Inzwischen sollte also ein Großteil der Bevölkerung aufgeklärt sein. Dennoch sieht man es immer wieder und die Leute sind resistent gegen jegliche Fakten und tun es trotzdem.

Vermutlich war meine Frage an sie kontraproduktiv und sie füttert die Enten jetzt erst recht noch mehr, aus Trotz.

Das wird mich jedoch nicht abhalten, auch zukünftig meinen Mund aufzumachen, wenn mir etwas nicht gefällt. Uneinsichtige Menschen wird es immer geben, das sollte nicht mein Problem sein und davon werde ich mich nicht abschrecken lassen, Missstände anzusprechen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich wieder angepöbelt und beschimpft werde. Es war den Versuch definitiv wert.

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